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Full text of "Petermanns geographische Mitteilungen"

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INHALTS-VEKZEICHNISS 

NACH DEN EHDTHEII^EK OEOBÜNET. 



Saropa: — (Frontispiee) Ansicht des Monte AdamoUo nnd seiner ümgebong Tom Monte Piseanna (9200 Fuss) ans und Ansicht des Brenta- 

Stockes Tom Monte Ritorto aus. Nach Originals eicbnungen Ton Dr. Lorenti 1 

Karte der Ortles- und Adamello-Gruppe su Dr. Lorentz's Reise. — Garton: Der ATÜo-Pass 2 

Orographisch-physikalische Karte Ton Kandia oder Kreta. Nach den Aufnahmen yon Captain T. Spratt 1862 von A. Petermann .13 

Asien: — Van de Yelde's Karte des Heiligen Landes. 2. Aufl. Sektion 3. Probeblatt 7 

Plan Ton Samarkand und Umgebung, nach der Russischen Aufiiahme Ton Jakowlew 8 

AfHka: — Karte lur Übersicht der Reisen Ton 0. Rohlfs in Marokko, 1861 bis 1864. Von A. Petermann 4 

Originalkarte Ton Gerhard Rohlfs' Reisen in Central- und Süd-Marokko (Atlas, Tafilet, Draa u. s. w.), 1862 und 1864. Nach Rohlfs' ^ 

Tagebuch und' persönlichen Angaben mit Benutsung anderer Quellen geseichnet tou B. Hassenstein. — Carton: Die Oasen Ton Tafilet 6 

Originalkarte des Soturba-Oebirges oder des Ton den Ammed-Gorib bewohnten Thefles Ton Nubien. Von O. Sehweinfurth, 1864 und 1865. 

Kflsten und Bänke nach Moresby und Th. t. Heuglin Ton A. Petermann 11 

Übersicbtsskixie der Entdeckungen Ton S. W. Baker in Central-Alrika (Chemitypie) . « Seite 886 

Originalkarte tou Gerhard Rohlfs' Reise durch die Oasen Ton Tuat und Tidikelt und den nördlichen Theil des Tuareg-Gebiets. Nach dem 
Tagebuch des Reisenden entworfen und mit Benutsung der Karten und Erkundigungen Ton DuTeyrier, Golonieu und Burin, de Colomb 
u. A. geseichnet Ton B. Hassenstein. — Gartons: Die Sttdhilfte der Oasengruppe tou Tuat; die Oasengruppe Ton Tidikelt. 14 

Australien: — West*Tasmania nach Charles Gould u. A. tou A. Petermann. — Carton: Tasmania Ton A. Petermann 8 

Kartenskizze tou Südost-Australien zur Erläuterung der Methode planimetrisoher Berechnungen. Von Ernst Debes .... 12 

Geologische Karte der Prorinz Victoria. Nach den ofßsiellen Aufoahmen unter der Direktion Ton Alfred R. C. Selwyn reducirt Ton A. Petermann 15 

Amerika: — Originalkarte des nordwestlichen Theüs tou Costarica zur Übersicht der Reisen Dr. K. t. Seebach's, Dezember 1864 bis 
Januar 1865. Den Küstenaufnahmen Ton Reicher und anderen adjustirt Ton A. Petermann. — Carton: Der Vulkan Turrialba in Costarica, 

Ton Dr. K. t. Seebach, mit einer Ansicht des Vulkans 9 

Originalkarte tou BoliTia nach den besten Hfilfaquellen und nach eigenen Aufriahmen Ton Hugo Reck 10 

Polar-Rei^onen: — Karte der Arktischen und Antarktisehen Regionen zur Übersieht des geographischen Standpunktes im Jahre 1865, der 
Meeresströmungen u. s. w. Von A. Petermann. — 5 Cartons zur Veranschaulichung der VerSnderliohkeit und Unbeständigkeit des Polar- 
eises, nach den Eipeditionen Ton Cook 1778, Bellingshausen 1820, Balleny 1839, Wilkes 1840, J. C. Ross 1841 bis 1842 ... ^5 
Plan der Steinkohlenlager in der Kings-Bai, Spitzbergen (Holzschnitt) Seite 191 



I. BTJUOI^-A-. 



1. Grössere Aufsätse. seite 

Exkursionen um den Ortles- und Adamello-Stock. Von Dr. P. G. 
Lorentz 1, 56 

P. P. Tueketfs Beschreibung der Ortles-Gruppe in Tirol, nebst 
einem Verseichniss der daselbst gemessenen Höhen 6 

G. Radde's Reisen und Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 
Vorläufiger Bericht 15, 48 

Übersieht der Kaukasischen Statthaltersohaft. Von H. J. Stebnitzky, 
Obrist-Lieutenant des Generalstabes 121 

Alpen-Geologie. Von Carl Vogt 161 

Die grösseren Expeditionen in den österreichischen Alpen aus dem 
Jahre 1864. Von Dr. Anton t. Ruthner, Vice - Präsidenten des 
Österreichisehen Alpen- Vereins 206 

Geographische Notizen über den östlichen Theil des Trans-Kubani- 
schen Landstriches. Von H. J. Stebnitzky, Obrist-Iieutenant des 
KaiserL Russischen Generalstabes in Tiflis .... 

Die Englischen Aufnahmen der Insel Kreta .... 

Die Besiedelung des nordwestlichen Kaukasus in den drei Epoehen 
seiner Kolonisation durch die Russen, 1841, 1860 und 1863. Von 
M. W(enjukoT) in St. Petersburg. Aus dem Russischen übersetzt 
Ton Dr. J. C. Häntzsche in Dresden .... 

Der kartographische Standpunkt Europa's in den Jahren 1864 
und 1865, mit besonderer Rücksicht auf den Fortschritt der topo- 
graphischen Spezialarbeiten im Jahre 1864. Von Emil t. Sydow 445 

2. Gheographisohe Notisen. 
Neue Karten in Stieler's Hand- Atlas, Ton C. Vogel. (Südwestliches 

Deutschland und die Schweiz; Niederlande und Belgien.) 29 

Der projektirte Kanal zwischen Ostsee und Nordsee. Von L. Frie- 

derichsen in Kiel 80 

Ein- und Ausfuhr Holsteins 81 

Die Schweizer meteorologischen Beobachtungen. Nachträgliches zu 

den Bemerkungen Ton Dr. A. Mühry im 10. Heft 1864 . . 33 
Telegraphische Witterungsberichte in Russland .... 84 

Gold-Entdeckung in Trans-Kaukasien 84 

Die alten Gletscher der Schweiz . , . .106 

Das Klüna am Comer See 108 

Die geodätischen und meteorologiscben Arbeiten ip Portugal 111 

Die Geographische Gesellschaft zu Dresden 185 



377 
388 



417 



Seite 
Abermals der Moorrauch und seine weite Verbreitung. Von Dr. M. 

A. F. Prestel 229 

Über den atmosphärischen Niederschlag in Schleswig-Holstein. Von 

L. Friederiohsen 231 

Säkulare Zunahme der mittleren Temperatur in England . 233 
Volkszählung in Tiflis, 1864. Von N. t. Seidlits ' . .233 
Die BeTölkernng Schleswig-Holsteins nach der Zählung Tom 3. De- 
zember 1864. Von L. Friederichsen 262 

Notizen über den Kaukasus. Von Dr. A. Bastian . 265 

Zur Statistik tou Italien. V^ii ^'I^^i^e ^dylla-Stf tistf ^ gene- 
rale d'ItaUa . .:-.:• •*-"•:. V.- 'z\:\ . 306 

J. Payer's GleUcher- und AltedflhHed r865 * V* ' .' ' ' . .352 
Der Gartenbau su Erfurt . . :*:: tV.*. : .: •% . S52 

Die hydrographischen Arbeiten Riissländ» unTJattr^ )864 .357 

Schwedens BeTöIkerung, Resultate ^^r Volksz}(brun^ T^m 81. De- 
zember 1864. Nach dem BeriBhti:d9B:^ti%tiJcfte9,''Bnreau's in 
Stockholm tou Dr. C. F. Fri<oh t r..' : :. / '\ :\ •! . 394 

8. Geographische Literatur. 

Europa 38, 116, 276, 309, 395 

The Alpine Journal, Vol. 1 88 

T. Sydow, Übersicht der wichtigsten Karten Europa's 38 

Deutschland, Preussen und Österreich . 89, 74, 116, 276, 309, 395 
Prestel, Die RegeuTerhältnisse des Königreichs HannoTer . 39 

Jahrbuch der K. K. Geolog. Reichs- Anstalt 1864, Nr. 4; 1865, 

Nr. 1 117, 276 

Notizblatt des Vereins für Erdkunde zu Darmstadt, 1864 277 

Wuttke, Städtebuch des Landes Posen 277 

Delkeskamp, Malerischer Plan tou Frankfurt a. M. 277 

T. Stalin und Bach, Die Herrschaftsgebiete des Königreichs 
Württemberg im J. 1801. 4 Bl 278 

Schweiz 39, 74, 117, 278, 309, 395 

Jahresbericht der Naturf. Gesellschaft Graubündens, 1864 . . 39 
Plantamour, Diff4rence de longitude entre Gen^TC et Neuchatel 39 
Progetti per la ferroria di rarchi della Spluga o del Septimer 74 

Dänemark, Schweden und Norwegen . 40, 74, 117, 278, 309 

Niederlande und Belgien ... 40, 74, 117, 278, 309, 396 
Kuijper, Atlas Tan Nederland 309 



IV 



InhaltB-Veizeichniss. 



8€lt« 

Grost-Britannien und Irland .40, 74, 117, 278, 896 

Frankreich 40, 74, 118, 278, 810, 896 

Spanien und Portugal 40, 75, 118, 279, 896 

ItaUen 40, 78, 118, 279, 310, 896 

CHordano, Induatria del ferro in Italia .75 

Annnario della iatruzione pubbliea del regno d'Italia . 118 

Baruffi, Saluszo — Manta — Yerzuelo 118 

Brancbetti, Opere idrauliche o tecnologicbe .118 

Qozsadini, Intomo all' aquedoUo ed alle terme di Bologna .118 

Trattatura della aeta neU' anno 1863 118 

Qnadri statiatici sulle opere pnbblicbe 1862 e 1868 . . .118 
Statiatica del regno d'Italia. Popolazione .118 

de Castro, Layori statistici 279 

Cimino, Giomale delle Alpi 279 

Qarelli, Delle acque mioerali d'Italia 279 

Mariotti, Storia del lanificio Toecano 279 

l^egri, La grandesza Italiana 279 



Seite 
Tom Batb, Geognost. Mittbeil, über die Enganüacben Berge . 279 
Statistiea delle etrati nazionali del regno d'Italia .279 

Zuccagni-Orlandini, Baccolta di Dialetti italiani 279 

Maestri, Dell' ordinamento statiatico del regno d'Italia .810 

Griechenland, TUrkiacbes Reich in Europa und Aaien 75, 119, 279, 

. 810, 396 
Schmidt, BeitrSgo anr phyaikal. Geographie Ton Griechenland 76 
Badizilla, Penaieri aulla Romania . .119 
Peregrinatores medii aeyi quatuor, ed. Laurent .810 

Tobler, De locia sanctia, quae pcrambulavit Antoninua Martyr 396 
Tobler, Theodericna de locia aanctia 396 

Ruasiachea Reich in Europa und Aalen . 76, 119, 311, 397 

Ruprecht, Barometriache Höhenbeatimmungen im Kaukaaua . 76 

Sapiaki der K. Ruaa. Geogr. Geaellachaft 1863, 3 und 4; 1864, 

1 und 2 119 

Gompte-rendu de la Soc. imp4r. g^ogr. de Ruaaie, 1864' . 397 



IL -A^siEnsr. 



L QrÖBsere Aufsätse. 



G. Radde'a Reisen und Forsehun^ren im Kaukaaua, im Jahre 1864. 
Vorlaufiger Bericht 15, 48 

Frau Baronin t. Gerstdorf s Reise in Syrien von Aleppo nach Deir 
am Eupbrat. Mit Bemerkungen Yon Dr. A. D. Mordtmann 52, 90 

Übersicht der Kaukaaiachen Btattbalterachaft. Yon H. J. Stebnitiky, 
Obriat-Lieutenant dea Generalatabea 121 

Die internationale Aufnahme der Türkiacb-Persiachen Grenae .181 

0. W. M. Van de Velde'a letzte Rdse in Palästina, 1861 bis 1862, 
und Bericht Aber die neue Auflage seiner Karte dea Heiligen 
Landea. Mit einem Verzeichniaa Ton Höhenmeaaungen in Päa- 
■tina 188, 215, 296 

Vamb6ry'B Beschreibung Ton Samarkand ... . . 224 

Aphoriamen alter und neuer Ortskunde Klein- Asiens. Von Dr. O.Blau 249 

Dr. Theodor Kotscby's Reise in den Amanus, 1862. I. Umgebung 
Ton Beilan 340 

Physikalisch-geographische Schilderung Ton Hoch-Asien. Von Prof. 
Robert t. Schlagintweit 861 

(Geographische NotLEcn über den östlichen TheÜ dea Trans-Kubani- 
aehen Landatrichea. Von H. J. Stebnitsky, Obriat-Lieutenant 
dea K. Ruaa. Generalatabea in Tiflia 377 

Die Beaiedelnng dea nordwestliehen Kaukasus in den drei Epochen 
seiner Koloniaation durch die Ruaaen, 1841, 1860 und 1868. Von 
M. W(enjukoT) in St. Petersburg. Aus dem Russischen ftbersetit 
Ton Dr. J. C. Häntzsche in Dresden 417 



2. Geographiache Notizen. 

Gold- Entdeckung in Trans-Kaukasien 34 

Die West-Chinesischen Städte Chobdo und Urumtsi ... 34 

Graphit-Ausfuhr aus Sibirien 35 

Ein Russischer Dampfer auf dem Songari .... 35 

Temperatur-Beobachtungen in Kuldseha 111 

VolkszShlung in Tiflis, 1864. Von N. t. Seidlitz ... 233 
Lange Ton Penang, Singapore und Hongkong .... 233 
Die Goldausbeute im Jenissei'schen GouTcmement Ton Ost-Sibirien, 

1840 bis 1864. Von Nicolaus Latkin in Kraanojarsk . 238 

Watson's Reise auf der Hinter-Indischen Halbinsel .234 

Die Tiger Ton Singapore 234 

Pelly's Positions-Bestimmung Ton Riad, der Hauptstadt der Wah- 

habi im Inneren Ton Arabien 262 

Notizen ttber den Kaukasus. Von Dr. A. Bastian . 265 

G. Radde's Beschreibung dea Munku-Sardik und Kosaogol . . 356 

* 8. Geographische Literatur. 

Asien 77, 311, 397 

Cameron, Onr tropical possesaiona in Malayan India .811 

Die Preuasische Expedition nach Oat- Aaien. 1. Bd. . 312 

Vamb4ry, Reise in Mittel- Asien 312 

Wallace, On the Varieties of man in the Malay Archipelago 312 

Wolif, Album Ton Ost-Asien 312 

Kiepert, Generalkarte Ton Asien in 4 BL 313 






IIL A, ar ^ I tl K A. 



... i. Ocösfer^Aufbatae. 
GustaT Mann's botanimjbie ]fo^8Cllux^'<ftl au der Westküste Ton Afirika. 

Naeh Dr. J. D.>oÄ%V '.-••.' 22 

Briefe Ton Gerhv/Äybjlj ;•:;,::-. : 70 

Gerhard Rohlfs' 7age»qeh^^9U|eTlt«is(: durch Marokko nach Tuat, 

1864. Mit Bemerkungen zur Karte Ton B. Hassenstein 81, 165, 401 
Reise Ton Suakin nach Kassala, NoTember 1864, Ton Karl Graf 

T. Krockow 104 

Der Nil und das Baer'sche Gesetz der Uferbildung. Von Dr. G. 

Schweinfurth 126 

Das Land am Elba- und Soturba-Gebirge oder der Tom Bischarin- 

Tribus Ammed-Goräb bewohnte Theil der Nubischen KOste. Von 

Dr. G. Schweinfurth ... ... 330 

S. W. Baker's Entdeckungen im Quellgebiete des Nil 885 

.8. Ocographische Notisen. 
Rohlfs' Reise ttber den Marokkanischen Atlas nach Tuat . 85 

Nachrichten Ton Gerhard Rohlfs 235 

Missionar Hausmann Aber die Neger-Kolonien in Qalabat und die 
Bereisung der westlichen Grenzlander Ton Abessinien .287 



Protestantische MissionSre nach dem Weissen Nil 237 

Das Klima tou Natal 237 

Zur Pflanzengeographie Ton Afrika 261 

Gerhard Rohlfs' Ausflug Ton Tripoli nach Lebda, 29. April bis 

8. Mai 1865 263 

Nachrichten Ton der Expedition des Baron Ton der Decken 266 

Baker's Entdeckungen im Quellgebiete des Nil . .271 

Nachrichten Ton Gerhard Rohlfs 305 

Graf T. Krockow's Rückkehr aus Afrika 306 

Beitrag zur Karte des Gross-Namaqua-Landes .... 389 

8. QeographlBofae Literatur. 

Afrika 77, 313, 398 

Three years in Central Afrlca 78 

Locher, Nach den Oasen Ton Lagbuat 78 

Annuaire du S^o^gal et d^pondances pour l'ann^e 1865 313 

Burton and M' Queen, The Nile Basin 313 

Lombardini, Saggio idrologico sul Nilo H14 

de Champlouis, Garte de TAfrique sous la domination des Romains 314 



IV. Ä.TJSTIl.AJLIEKr 

L Qrossere Auflsätze. 



Gould's Forschungen im Westen Ton Tasmania .... 
Neue Sputen des TerschoUenen Deutschen Reisenden Ludw. Leich- 



41 



TJTsnD T>OIL."5nsrESIE2Sr. 

hardt im Inneren Ton Australien 133 

Eine neue Areal-Bestimmung des Festlandes Ton Australien. Von 

Ernst Debes 347, 389 

Geologie der Prorinz Victoria 433 



Inhalts^Verzeiidiniss. 



Seite 
2. QeographiBohe Notisen« 

Die Regenmeiige in AvBtralien 1861 und 1868 .86 

Die Yenehiedenheit der SftdwMi- und Südost-Flora AuttnUiens. 

Yen Dr. C. Müller in Berlin . ' . . .196 

Die Eingttbomen der Kolonie Yictoria im Jahre 1868 . . 188 

Die Anaiedelnng Palmenton in Nord-Australien 886 

Warborton'e Yersnch einer Erforschnng des Lake Syre . 888 

Bin Damen-Comiti cur Aufsochung Leiohhardtfs . 889 

Die Expedition sor Anfsnchong LeichhardVs .... 388 

Zvx neuen Barecimung des Areals von Australien. Yon £. DebM 889 



Seite 
Weeks-Inael und Oeno-Biff im Grossen Ocean .... 898 
Bascbe Zunahme der Kolonisation von Neu-Seeland . 398 

Eine Reise durch die York- Halbinsel in Australien . . 431 

8. Geographische Literatur. 

Australien und Polynesien 79, 815, 899 

Johnston, New Zealand 79 

Finach, Xeu-Guinea und seine Bewohner 315 

Haast, Geological sunrey of Canterbury 815 

YV'oods, fiistory'of the discovery and exploration of Australia . 815 



V. ATVTTn^TTTA.^ ISTOIIID. tjistd stJD.. 



L Grossere Auftötse. 

Qeographiaches Material aus den Brasilianischen SüdproTinzen. Ge- 
sammelt Ton Woldemar Schultz 188 

Oeofnraphische Mittheüungen über den Süden der Yereinigten Staa- 
ten Ton Nord- Amerika. Yon A. Lindenkohl in Washington 201, 824 

Prof. K. T. Seebach's Reise durch Guanacaste (Costarica), 1864 u. 1865 841 

Geographie und Statistik der Republik Boliria. Yon Berg-Ingenieur 
Hugo Reck . 257, 881 

IL ▼. Seebach's Besteigung des Yulkans Turrialba in Costarica 821 

2. Qeographische Notizen. 

Die Telegraphen-Linie durch Britisch-Nord- Amerika . . 111 

Länge Ton Batabano an der Sttdküste Ton Cuba . .197 

Dr. Brownes Reise im Inneren der YaneouTer-Insel, 1864 198 

Bin angeblich ^neuer Pass über die Cordillere. Yon Dr. H. Lange 240 



Die projektirte Eisenbahn in BoliTia 867 

Agassis' Expedition nach Süd- Amerika 867 

Cox' Reise nach der Laguna de Lacar in den Südlichen Andes und 

Bemerkungen darüber Ton Wilhelm Frick 868 

Zahl der Minen im Kaiserthum Mexiko. Nach Oroseo y Berra 307 , 
Münxproduktion Ton Mexiko, 1837 bis 1857.. Nach Orozco y Berra 858 
Reise über die Cordillcren Ton Arica bis Santa Cruz. Yon Pocke 

und MoBsbaeh 391 

8. Geographische Iiiteratur. 
Nord-Amerika 79, 316, 399 

Report of the Superintendent of the Coast Surrey, 1862 316 

Mittel-Amerika 79, 317, 399 

T. Egloffstein, Contributions to the geology of Mexico . 317 

Süd- Amerika . 79, 317, 399 

Schnepp, Mission scientifiqne dans l'Amerique du Sud i . .80 



VI. I^01L..A.It.I^BGH0Is^Bl^T. 



L Grossere Auftatse. 

Die projektirte Englische Expedition nach dem Nordpol. 1. Gapt. 
8h. Osbonh's Plan. — 2. Über Capt. Sh. OsbornSj Plan, Ton 
A. Petermann. Sendschreiben an Sir Roderick Murchison 95 

Die EisTerhiltnisse in den Polar -Meeren und die Möglichkeit des 
Yordrin^ene in Schiffen bis zu den höchsten Breiten. Zweites 
Sendaehreiben Ton A. Petermann an Sir Roderick Murchison 
und Yerhandlungen der Geogr. Gesellschaft zu London über die 
Nordpol-Expedition , - . .136 

Der Nordpol und Südpol, die Wichtigkeit ihrer Erforschung in geo- 
graphischer und kulturhistMischer Besiehung. Mit Bemerkungen 
über die Strömungen der Polar-Meere. Yon A. Petermann . 146 



Reiche Steinkohlenlager in Spitzbergen 

Die Deutsche Nord fahrt, Stimmen fUr und wider 
Aphorismen über die projektirte Deutsche Nordfahrt. Yon A. Peter- 
mann 

2. Geographische Notisen. 

Die Yerbreitung der Säugethiere im Hohen Norden . 

Bie Nordpol-Frage (Inhalt tou Erganzungsheft 16) 

Die Nordpol-Frage und die Wiener Geographische Gesellschaft 



191 
419 

448 



118 
358 
387 



3. Qeographisohe Iiiteratur. 



Polar-Regionen 



80, 318, 400 



Vn. OOBAJSTE. 



L Grossere Auftatse. 



Die EisTerhÜtniase in den Polar-Meeren und die Möglichkeit des 
Yordringens in Schiffen bia au den höchsten Breiten. Yon 
A. Petermann 136 

Bemerkungen über die Strömungen der Polar-Meere. Yon A. Feter- 

146 



2. Qeographische Notisen. 

Die Englische Fischerei in der Nordsee 880 

Dt^e hydrographischen Arbeiten Russlands im Jahre 1864 . 857 

Unterseeische Telegraphenleitungen 398 

8. Geographische Literatar. 

Oceane, Nautik 80, 319, 400 



VIIL .ATiTia-: 

1. Grössere Auftiatse. 
Der Nil und das Baer'sche Gesetz der Uferbildung. Yon Dr.. G. 

Schweinforth . * . 186 

Die Meteorologie der Gegenwart und ihre Beziehung zur Nautik 

und Agrikultur. Yon Dr. Prastel .253 

Dr. Heinrich Barth 429 

2. Oeograpliiscfae Notisen. 

Geographische Nekrologie des Jahres 1864 86 

Das Huidinger-Fest in Wien 112 

Eine angeblich neue Karten-Projektion . • .114 

Oalton's atereoskopische Kartenbüder 198 

Über die kanalartige Form gewisser Thaler und Flussbetten. Yon 

Dr. A. Bou4 199 

Abermals der Moorraueh und seine weite Yerbreitung. Yon Dr. M. 

A. F. Preetel 229 

Sikulare Zunahme der mittleren Temperatur in England . 232 
Bin Fernrohr zur Messung von Distancen. Yon F. H. Reitz, Inge- 
nieur in Hamburg 269 



Allgemeine statistische Übersicht der Kolonien und Besitzungen des 

Britischen Reichs für das Jahr 1862 870 

Über „natürliche Landkarten". Yon Dr. Friedmann .270 
Unterseeische Telegraphenleitungen 398 

3. Geographische Iiiteratnr. 

Yorberichte: Rückkehr der Tinne'schen Expedition; neue Arbeit 
Ton Kotschy über die Flora der Nil-LSnder; Ungewissheit Über 
Baker's Yerbleib; Karten und Berichte Ton Lejean; Publikation 
der Zeichnungen ▼. Hamier's; Misslingen der Ogowai-Expedition; 
Mage und Quentin noch in Segu; G^rard's und Baikie's Tod; 
Du Chaillu's und Burton's neue Untefnehmungen ; Wichtiges 
über das Innere ton Arabien durch Palgraye und Guarmani; ein 
Plan Ton Samarkand; Pissis' geologische Reise nach Araucanien. 
S. 37. — Outline Sketches in the high Alps of Dauphin^ by 
T. G. Bonney; Französische Karte der Dauphin4er Alpen; Reil* 
ly's Karte der MontBlanc-Kette; der zweite Band vom Jahrbuch 
des Schweizer Alpendub; Arbeiten Über den Kaukasischen Isth- 



▼I 



Inhalts^VerzeicliDiBS. 



Mto 



muB; Radloffs Rückkehr nach dem Altai; berorstehende Arbeiten 
T. Seugün's ; die botanischen Zeichnungen im Nachläse Br. Stend- 
ner's; Beitrag aar Flora Äthiopiens von Dr. Schweinfurth ; der 
Batterbaum Yom Weissen Nil und der Gorilla-artige Affe yom 
Lande der Njamjam; Dr. Schweinfarth's Karte des Soturba- 
Gebirges am RothenMeer; Reise auf den Canarischen Inseln yon 
Dr. Y. Fritech; Atlas und geologische Beschreibung yon Tene- 
riffa. S. 115. — Exkursionskarte des Schweizer Alpenclub für 
1864 und 1865; Jahrbuch des Schwezer Alpenclub, 2. Bd.; 
Karte des Kantons Bern yon Kutter; Schulkarte des Kantons 
Solothum yon Leuzinger; neue Karten in Baedeker's Reise- 
handbuch der Schweiz; die Karte der Mont Blanc-Kette yon 
A. Reilly; das Jahrbuch des Wiener Alpen-Vereins; Pemhardt's 
Glockner -Panorama yeryielfaltigt ; Revision der Küstenkarten 
yon Frankreich; Karte des Songari in 6 BL; Routenkarte des 
Fürsten Crapotkin yom Argun nach Blahowestschensk ; D'Ar- 
naud's Karte des Weissen Nil ; Lejean's Afrikanisches Reisewerk ; 
J. Haast's Karten und Profile von der Neu-Seelandischen Pro- 
yinz Canterbury ; Seemann's Flora der Fit^i- Inseln; HabeFs 
Arbeiten in Central -Amerika ; Squier's Reise in Peru und Boli- 
yia; der Spezial- Atlas der Argentinischen Konföderation von 
M. de Moussy; K. y. Scherzer's Arbeiten für das Noyara- Werk; 
Trübner's American and Oriental Literary Record. S. 273. — 



Seite 
Ein statistisoh - geographisches Jahrbuch. S. 807. — Worthen's 
Bericht über die geologische Aufnahme yon Illinois ; neue Serie 
des Journal of the North China Brauch of the Royal Asiatic 
Society; (Hge's Englische Bearbeitung der Ritter'schen Werke. 
S. 359. 

Geogr. Lehr- und Handbücher, Statistik . 80, 119, 319, 360, 400 

Mathematische und physikalische Geographie . 80, 119, 319, 360, 400 
Kabsch, Das Pflanzenleben der Erde 80 

Renou, Limite des neiges persistantes 319 

Weltreisen, Sammelwerke^ Verschiedenes 80, 120, 280, 320, 360, 400 
Duyal, Des rapports entre la g^ographie et r^conomie politique 80 
Journal of the R. Geogr. Society, Vol. XXXIH. ... 120 
Graf y. Marenzi, Zwölf Fragmente über Geologie . .120 

Noyara- Werk, Statist.-kommersieller Theil yon K. y. Scherzer 280 
Branca, Sunto storico delle scoperte geografiche . 320 

Dritter Jahresbericht des Vereins yon Freunden der Erdkunde 

zu Leipzig 320 

Mittheilungen der K. K. Geogr. Gesellschaft, 1863 320 

Schier, Globus coelestis arabicus qui Dresdae asseryatur . . 320 
Murehison, Address to the R. Geogr. Soc, 1865 . 360 

Atlanten, Weltkarten, Globen .120, 320, 360, 400 
Menke, Orbis antiquus, in usum scholarum. Ed. III. . 360 

y. Spruner-Menke, Atlas antiquus 360 



Eiia--A.iTZTj:N-a-s . hefte. 

15. Die Tinne'sche Expedition im westlichen Nil- Quellgebiet, 1863 und 1864. Aus dem Tagebuohe von Tb. y. Heuglin. Nebst ethnographischen, 
zoologischen und kartographischen Anhangen und einer Originalkarte vom westlichen Theil des oberen Nil-Gebiets von B. Hassenstein. 

16. Spitzbergen und die arktische Central-Region. Eine Reihe yon Aufsätzen und Karten als Beitrag zur Geographie und Erforschung der Polar- 
Regionen. Von Dr. A. Petermann u. A. (Text: Vorwort. — 1. Die Erforschung der arktischen Central-Region durch eine Deutsche Nordfahrt. 
Dr. Petermann's Vortrag in der Geographen- Versammlung zu Frankfurt a. M. 23. Juli 1865. — 2. Kapitän R. Wemer's vereitelte Rekognos- 
cirungs&hrt nach Norden. — 3. Memoire zu der Schwedischen Karte von Spitzbergen von N. Duner und A. E. Nordenskjöld. — 4. Planimetrische 
Areal-Berechnung von Spitzbergen auf Grund. der Schwedischen Karte. — 5. Der grosse Fischreichthum bei Spitzbergen und der Bären-Insel, 
nachgewiesen durch die neuesten Schwedischen Untersuchungen. Nach dem Schwedischen des Dr. Malrogr^n bearbeitet von Dr. C. F. Frisch. — 
6. Die Deutsche Nordfahrt des Herrn Barto v. Löwenigh im Jahre 1827. — 7. Der Nordpol, ein thiergeographisches Centrum. Von Dr. G. Jäger, 
Direktor des Thiergartens in Wien. — Karten: 1. Karte der arktischen und antarktischen Regionen, zur Übersicht der Entdeckungsgeschichte. 
Von A. Petermann. — 2. Originalkarte von Spitzbergen. Hauptsächlich nach den Schwedischen Aufnahmen 1861 bis 1864. Von N. Duner 
und A. E. Nordenskjöld. — Carton: Die Bären- Insel nach Keilhau. — 3. Weltkarte in Nordpolar -Stemprojektion. Nach einer Idee von 
Dr. G. Jager in Wien. Mit Modifikationen von A. Petermann.) 

17. Die Adamello-Presanella- Alpen nach den Forschungen und Aufhahmen yon Julius Payer. Mit einer Original-Karte, einer Ansicht in Farbendruck 

und 6 chemitypirten Profilen u. s. w. 
(Ebenfalls als Ergänzungs-Heft: Inhaltsverzeichniss der „Geogr. Mitth." 1855 — 1864. 10 Jahresbände und 3 Ergänzungsbände. Nebst Übersichtskarte 
der in denselben enthaltenen 350 einzelnen Karten und Pläne.) 



BBUCEFEHLER TSITD BEBICHTIGtJNGEN. 



Bette 87, 


8p. 2, 


Zeile 17 t. n. 


n 


56, 


n 1, 


n 


1 T. u. 


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4 ▼. u. 


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n 


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n 8, 


n 


18 V. tt. 



. lios Albigot sUtt AdbigoL 

. lies Kftr statt Kür. 

. lies X (BMtsrd) statt and. 

lies pumlla statt Pumilio. 
, lies Ritochen statt Röschen. 
. nach „della Mar«" ein Komma einzusetsen. 
. lies nun statt nnr. 
, lies drei statt zwei. 
, lies Tauern statt Mauern. 

lies Hypnam moUusonm yar. statt Hypnam (Drepa 

nlum). 
. ,,nnd Clrsum" an streichen. 
. lies 0. fr. sUtt ofr. 
. lies der statt das. 

lies c. (r. statt efr. 
, lies Paghera statt Paghero. 
. lies in der statt indem. 

, liessehrolFea, wildes Kamin St. schroffer, wilder Kamm. 
, lies Tom Rath's statt v. Rahl's. 
. lies GoTsno statt Sovano. 
, lies Rüschen statt Röschen. 
. lies Fomo statt Torno. 
, lies schön geformte statt schon geümte. 
. lies Trichostomum statt TichostomoDL 
, lies Eindruckes statt Elndruohes. 
. lies Westen sUtt Sfiden. 
. lies Berxo statt Borzo. 

„im Orte" ein Semikolon au setsen. 
, lies Flussbettes sUtt Flussgebiets. 
. lies 19 statt 17 und 11 statt 9. 

.lies 11 statt 10 und 3 statt 8. i 

, ist der Satz »Leider umfaast er nnr den nördlichen | 

Theil des AdameUo-Stockes** zu itrelcben. 



Seite 68, 8p. 8, Zeile 10 y. u. lies 56 statt 50. 



68, 
68, 
68, 
68, 
68, 
69, 



70, 

70, 
156, 
156, 
157, 
168, 
161, 
858, 

858, 
878, 
898, 
401, 
418, 
418, 
489, 
430, 



9; n 8 ▼. n. lies 8857,1 statt 9080.4. 

8, f, 7 T. 0. lies 8988,8 statt 9889,57. 

8, n 5 ▼. n. lies 15 statt 18. 

8, » 8 T. n. lies 9551, s statt 9948,t. 

2, n 2 y. tt. lies 9591,0 (resp. 10.150) statt 18.858,47. 

2 ist nach Zeile 14 ▼. a. einzttschalten: Porta da Verba 8998,1 
C* Val Bona 91SU,s, Frate 8461,s, Ardabroni 7920 
Brill Preda 6712.» F. 

1, Zelle 11 bis 13 y. o. Ist der Satz „Den südlichsten Qipfel des Ber- 
ges tt. B. w. >- ztt Gebote stehen" za streichen. 
20 y. o. lies Norden statt aussen. 
4 y. n. lies Bxcursions statt Excarslon. 

7 ▼. u. Ues C. Vogt statt E. Vogt 
28 ▼. o. lies Meer annehmen statt annehmen. 

1 ▼. 0. lies lanfte nicht statt lang enicht. 
15 ▼. o. lies schaffen statt schöpfen. 

17 ▼. D. lies inagxols] Kolaviag itatt V^a^Zo[s] Kotlo^ 
vias. 

19 ▼. u. lies noTQixtjs statt naTQrjK^s. 

8 V. o. lies Dalby statt Daby. 
48 V. u. lies sa statt la. 
15 T. 0. lies Stammbaum statt Stanmbaom. 

18 ▼. tt. lies Kysylbeg statt Kyselbeg. 
6 V. tt. ist hinter Bacheduch einzuschalten : Moeboseh, 

15, V. a * 
1, V. n. 



lies 16. Februar statt 19. Mai. 



Auf Tafel 10 lies Hachaoache statt Hacbacaeha, ApiUapa statt Apikapa, Garaugas 
statt Cursngas, Tapaquilcha statt Tapa, Antofagasta statt Antolagasta, Cbaqallla 
statt Cttxo, Portttgaleto statt Portugalet, Toropalea statt Toropatca . 



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Exkursionen um den Ortles- und Adamello-Stock. 



Von Dr. P. G. Lorentt. 
(Mit Karte <) und Ansichten, s. Tafel 1 und 2.) 



Es giebt wohl kaum einen verlasseneren und unbekann« 
teren Winkel in unseren Deutschen Alpen als den Adamello- 
und Ortles-Stock, besonders auf der Lombardischen Seite. 
Wie selten Touiisten denselben besuchen, leuchtet daraus 
henror, dass wir im Italienischen nur ein einziges Mal, von 
einem armen Krüppel in Edolo, angebettelt wurden. Auch 
die Literatur bietet fest gar keine Auskimft; ausser den 
besonders für die Lombardische Seite sehr dürftigen Notizen 
in Schaubaeh's trefflichem Werke ist nur noch die schöne 
Beiseskizze t. Sonklar's nach dem Genova-Thale bemerkens* 
werth, die neben der wissenschaftlichen Genaui^eit auch 
die unTerwüstliche Frische in den Natqrschilderungen des 
berühmten Porschers widerspiegelt^). Die früheren Bota- 
niker, deren Feuereifer sonst kein Berg zu hoch, kein Thal 
zu einsam war, Hessen sich durch den Ruf der Unsicherheit 
abschrecken, in dem diese Gegenden ehemals in hohem 
Maasee standen; so war das Gebiet in botanischer Bezie* 
hung fast, in bryologischer Beziehung ganz jungfräulich. 
Diess Alles übte natürlich auf meinen Fachgenossen und 
lieben Freund Dr. HoUer und mich seine volle Anziehungs- 
kraft und wir beschlossen, den AdameUo-Stook zum Ziele 
unseres diessjährigen Ausflugs zu wählen, und vielleicht 
trägt es auch dazu bei, dass die Resultate desselben nicht 
onwerth erscheinen, einem grösseren Publikum mitgetheilt 
zu werden. Dr^ Holler nahm sich dabei hauptsächlich der 
Phanerogamen und der Skizzen an, während ich die Notizen, 
das Physikalische und Geognostische übernahm. Den Moosen 
widmeten wir beide mit gleicher Vorliebe unsere Auftnerk- 
saaskeit. 

Am 5. August 1864 bogen wir das Vintschgau ver- 
lassend in das vordere Suldenthal ein. Auf der breiten 
schönen Strasse, die sich nach dem Wormser Joche fort- 
setzt, gelangt man sanft ansteigend nach Beidwasser, wo 
sich die beiden Thaläste von Sulden und Trafoi vereinigen;, 
von da bogen wir links ein, um nach St. Gertrud zu ge- 



') Die Karte ist Mayr's Atlas der Alpenländer entnommen, wurde 
aber nach den Angaben yon Dr. Lorentz und K. t. Sonklar yielfaeh 
berichtigt; nur die lahlreichen Hdhenangaben konnten wir nicht der 
jetzigen Kenntniss gemäss korrigiren und wir Terweisen in dieser Hin- 
sicht auf das HoheuTerzeichniss am Ende des sweiten Aufsatzes im 
Torliegenden Heft. A. P. 

*) Mittheilnngen des Österreichischen Alpen- Vereins, Bd. II (1864), 
8. 268 iL Ich werde öfter Gelegenheit haben, auf diesen Auisatz Bezug 
in nehmen. 

Petermann's Geogr. Mittheilnngen. 1865, Heft L 



langen. Dem Charakter des Gesteins gemäss, in dessen 
Bereiche wir uns befinden (Thonglimmerschiefer), stürzt hier 
die obere Thalstufe zur unteren nicht in plötzlichem Ab* 
satze, in steilen schroffen Wänden herab, sondern die Nei- 
gung, die wir von Beidwasser nach 8t Gertrud zu über- 
winde haben (von ungeföhr 2000 Fuss), vertheilt sich auf 
den ganzen Weg, wir steigen beständig, aber nicht allzu 
steil hinan und der Bach drängt sich, unter uns in massi- 
gem Falle schäumend und tosend, zur Vereinigung mit sei- 
nem aus dem Trafoi-Thale kommenden Bruder. Erst kurz 
vor St Gertrud gelangen wir in einen weiten offenen Thal- 
boden, von zerstreuten Höfen belebt, mit üppigen Weiden 
bedeckt, in der Mitte das Eirchlein mit dem Widum des 
Herrn Ffarrers, dessen Gastlichkeit wir heute ansprechen 
wollen. Fast auf dem ganzen Weg von Prad hierher ist 
die Scenerie eine friedliche und freundliche, die Berge senken 
sich in sanften Waldhängen zu Thale, die Gletschermassen 
und wilden Spitzen, die sich über ihnen aufthürmen, dem 
Blicke verbergend ; nur etwa ein Bergschlipf deutet auf die 
tückische Natur des weichen Gesteins. 

G^ien St Gertrud hin tritt dann auf eine Strecke die 
plumpe gewaltige Masse des Ortles in Sicht; schwarz hebt 
sich der Kalk, aus dem er aufgebaut ist, aus dem weissen 
£ise und Firne und an Einer Stelle sendet er eine wilde 
schwarzgraue Beusse bis über den Weg; ehe^wir aber unser 
Ziel erreichen, verbirgt er sich wieder hinter den Schiefer- 
bergen, die sich zwischen ihm und dem Thale lagern. Beim 
Herrn Pfarrer freundlich au^nommen machen wir noch 
am Abend einen Spaziergang. Aus dem Hintergrunde des 
Thaies glänzen weisse Gletscher herein, sonst bietet die 
Scenerie mehr des Milden und Lieblichen als des Wilden 
und Grossartigen; der Getreidebau hört erst kurz vor der 
letzten Thalstufe (St Gertrud 5823 Fuss, Trinker) auf, der 
Herr Pfarrer zieht aber noch in seinem Gärtchen Bettich, 
Hüben, Salat und allerlei Küchengewächse. 

Am anderen Morgen wurde kurz nach 4 Uhr auf- 
gebrochen; der Weg führt Anfangs noch im ebenen Thal- 
boden fort, dessen Beschaffenheit schon der Name des letzten 
Hofes in demselben, des Gampenhofes (campus), andeutet 
Unweit hinter diesem hört das üppige Grün des Wiesen- 
bodens auf und in scharfer Linie gegen dasselbe abgezeichnet 
setzt sich der Thalboden öde und vegetationslos fort Biese 

1 



2 



Exkursionen um den OxÜes- und Adamello-Stock. 



Linie bezeichnet die Stelle, bis zu der 1817 der Gletscher 
vorgedrungen war. Bis wenige hundert Schritt hinter dem 
Hofe hatte sich derselbe haushoch emporgethürmt Tag und 
Nacht dauerte das Arbeiten, Wühlen und Krachen in ihBi, 
schon war das Beste im Oampenhofe fortgeschafft und auch 
die Bewohner waren bereit, ihn zu verlassen, als der Oletscher 
seinen Eückzug antrat Jetzt ist sein vorderes Ende viel 
weiter hinten im Thale imd kaum kenntlich w^;en des 
schwarzen Kalkstaubes, der ihn bedeckt Wir umstiegea 
dasselbe auf der westlichen Thalseite. Ehe der Anstieg 
emsthch beginnt, zeigt sich im BadigeröUe in unendlicher 
ICenge das seltene Epilobimn Fleischen, dann geht es an 
steilen Hängen faulen Gesteins rasch aufwärts. Die Wald- 
grenze, die sich an den Hängen dem vorderen Ende des 
Thaies zu scharf abzeichnet in einer fast horizontalen Linie« 
senkt sich nach dem b^letscherten Thalende hin schnell in 
einer Kurve abwärts und so hatten wir dieselbe längst 
überschritten, ehe wir ins Niveau ihrer vorderen Grenze 
kamen ; die Zirbe eilt immer den übrigen Nadelhölzern noch 
eine Strecke weit voraus. Die Buschregion beginnt, fiut 
nur durch Alpenrosen vertreten, mit wenigen Erlenbüschen 
untermischt, und eine üppige Alpen-Flora stellt sich ein. 
Neben der spärlichen Grasnarbe bilden Cerastium latifolium, 
Sazifraga aizoides, bryoides, aspera, Ozyria digyna den 
Gnmdton, darunter mischt sich manche seltenere Pflanze: 
Avena subspicata, Artemisia mntellina und spicata, Achillea 
nana, Salix Lapponum, von Moosen Conostomum, Eurhyn- 
chium diversifoHum, Brachythecium Funkii, doch ist der 
Charakter der Moosvegetation im Ganzen ein spärlicher. 

Bald thürmt sich zu unserer Bechten die ungeheuere 
Seitenmoräne des Gletsdiers auf. Welche Mannigfaltigkeit 
von Gesteinen! Ein Mineralog müsste hier rdche Ernte 
halten ; der Glimmerschiefer, häufig mit Granaten, bildet den 
Grundton, bald wird er dichter, granitartig, hart und klin- 
gend nnd schliesst dann grosse prachtvolle Schörlkiystalle 
ein, hie und da sondert sich auch der Feldspath in schönen 
adularartigen Krystallen aus; dann nimmt das Grundgestein 
wieder chloritische oder amphibolische Bestandtheile auf in 
allen Übergängen bis zu zähen, dickschiefrigen dioritischen 
Brocken. Neben dieser Gesteinsreihe finden sich aber auch 
Blöcke von Urkalk und dort glänzt am Hange der Moräne 
ein grosser Block dichten gelblichweissen Gypses. 

Bald geht es wieder den steilen Hang hinan; schon ist 
die Alpenrosen-Begion hinter uns, die Zwergweiden begin- 
nen, Eanunculus glacialis, Peltigera crocea, Anacaljpta lati- 
folia begegnen uns, als endlich die nächste Gebirgs-Terrasse 
erreicht ist Wir befinden uns auf einem trockenen Gras- 
hange, der einzelne Exemplare von Hieracium Schraderi 
und glanduliferum und eine Massen-Vegetation einer kleinen, 
gedrängten Form von Dicranum albicans birgt; vor uns 



zieht sich -unser Weg bis zum unteren Ende des Gletscher» 
über ein wenig geneigtes Terrain, aus abwechselnden nie- 
drigen, sanften Erhebungen und flachen Mulden gebildet, 
unmittelbar uns gegenüber zeigt sich die ungeschlachte Masse 
des Ortles mit seinen schwarzgrauen Wänden im weissen 
Eise; grossartig imd massig tritt er hervor, aber schön ist 
er nicht zu nennen. Seine plumpe Massenhaftigkeit hat 
die Folget dass er die wenig niedrigere Königswand, die 
als schlanke, schön geformte Schneide neben ihm empor- 
ragt, fast erdrückt Noch weiter südlich ragen Monte Ceve- 
dale und Suldenspitz in den tiefblauen Himmel, weniger kühn 
gefiwmt als Zebru, dafür aber bis zur Spitze ins reinste 
Weiss gehüllt; fast kein Fleckchen Fels ist an ihnen zu 
sehen. Als Fortsetzung der Kette, die wir zu überschreiten 
im Begriffe sind, ragt noch, weniger stolz, aber ansehnlich 
genug, mandier Spitz empor, den wir nicht weiter zu be- 
nennen wissen. Von den ungeheueren zusammenhängenden 
Fimmeeren dieser Bergriesen drängen sich nun durch jeden 
Einschnitt in ihren Seiten Gletscher zu Thale,. kleinere und 
grössere, von ihren Seitenmoränen begleitet, die bald aua 
ürkalk bestehen, der, zu feiaem Grus gemahlen, eine schwarze 
Masse bildet, bald aus grösseren Schieferblöcken zusammen- 
gesetzt sind, die sich gelblichbraun von dem Weiss ab- 
heben. Auf dem Boden des Hauptthaies vereinigen sich 
alle diese Arme zu einem grösseren Gletscherstrom, der 
aber so von Mittelmoränen bedeckt ist, dass an vielen 
Stellen das Eis ganz unsichtbar wird« 

Nach Bast und Stärkung eilen wir nun wieder vorwärts, 
an dem sanften Berghange empor. Jn den beschriebenen 
flachen Mulden ist neben Cardamine alpina die unvermeid-» 
liehe Hochalpen - Vegetation von Oligotrichum hercynicum, 
Polytridium septentrionale, Webera Ludwigii; an trockneren 
Stellen schreiten wir über einen Teppich von Salix herbacea 
und Azalea procumbens. Eidge kleine anstehende Kuppen 
bestehen aus Dolomit, das Übrige ist Schiefer. Peltigera 
crocea, Banuncuhis glacialis werden häufiger, Gentiana bava- 
rica var. rotundifoHa, die herrlich duftende Primula glutinosa^ 
Sazifraga muscoides, Gherleria sedoides, Arabis coerulea treten 
auf, Carex curvula überzieht zwischen den Zweigweiden 
eine ganze Strecke. Endlich ist das untere Ende des Glet- 
schers erreicht, wir übersteigen dasselbe und gelangen nack 
.seiner Wölbung, aber er ist so zerklüftet, dass wir uns ia 
dem Gewirre von Spalten fast verirrt sehen, wir müssen 
umkehren. Über das untere flache Ende gelangen wir nun 
nach dem Fimfelde. Über dem Sammeln und Notiren ist 
es schon spät geworden, wir sinken tief in den weichen 
Schnee ein, der auch bald unsere Stiefel und Schuhe an- 
fällt; eine wahre Erholung ist es, wenn wir eiue Felspartie 
erreichen, auf der wir dem Schnee ausweichend ein Stück 
vorwärts klettern können. Bloss spärlichste Grasnarbe bedeckt 



Exkursionen um den OrÜes* und Adamello^Stock. 



3 



dieee Felsen, bald geht auch sie xa Ende; dafür entwickeln 
sber die echten Hochalpenkinder ihre ToUste Pracht Neben 
der Gemsrante bildet der Speik föimliche Wiesen, Silene 
acaulis Terrielfiütigt ihre rosenüarbenen , blüthenbedeekten 
Polster, bald tritt aach Androeace glaoialis auf, uns bis zur 
hcdisten Schneide b^leitend, und manches seltenere Moos 
begegnet uns; in Quellwässerchen bildet die Grinunia moUis 
aquatica Massen- Vegetation, an trockneren Felsen zeigt sich 
neben Orimmia alpestris und spiralis die unansehnlidie sul* 
cata. Jetst werden auch die Felsoasen, die aus dem Schnee 
anfragen, seltener, kleiner und ganz Tegetationslos ; keuchend 
in der dünnen Luft streben wir vorwärts , auf dem Schnee 
sehen wir allerlei Insekten, die wahrscheinlich ein Luft- 
strom wider ihren Willen zur Höhe geführt, todt oder in 
den letzten Zuckungen: eine kleine Wespen- Art, zwei Motten- 
Arten, eine kleine Mücke; ihre warmen Körper sind unter 
Mitwiikung der Sonne bisweilen zolltief in den Schnee 
eingesohmolzen. 

Endlich gegen 2 Uhr Nachmittags ist die Schneide erreicht 
(9973,2 Fuss Kat); willkommene Bast auf dem faulen Ge- 
steine bietet Gelegenheit, abermals die Aussicht zu mustern, 
die sich nun in den Hintergrund der beiden Thäler erstreckt 
Im Westen ist der Thalgrund durch die flache Bergstufe röUig 
verdeckt, fast nur über Eis und Schnee erstreckt sich der 
Blick, mehr als drei Yiertel des überblickten Areals erglänzt 
im reinsten Weiss. Nach Osten öffnet sich ein Blick durch 
die Mulde des Madritsch-Baches zur Sohle des Martell-Thales 
(die Katasterkarte schreibt Mortell), aber der Blick strebt 
wieder zxur K&ie, denn ein Gletscherkranz umsäumt das Thal 
in weitem Bogen, wie man wohl selten einen ähnlichen mit 
Einem Bhcke übersieht Zufall-Spitz, Yenezia-Spitz, Both- 
Spitz, Soyputz streben in mannigfaltigen Formen empor, 
an ihre Seiten lagern sich ZufaU-Femer, Gramsen-Femer, 
Zufrid- Femer, wie sie uns die Karte benennt, denn die 
Lente wissen wenig Auskunft, dazu manches kleine Berg- 
biapt und mancher Gletscher, den die Karte nicht benennt. 
Die Yorderen strahlen im Sonnenglanze, die südlichsten sind 
Tom Widerscheine dunkler Wolken unheimlich beleuchtet; 
im Süden wüthet ein Gewitter, wie uns dumpfer Don- 
ner yericündet, dem die Gletscher von allen Seiten kra- 
chend antworten, aber es wagt sich noch nicht über die 
Schneide. 

Die Vegetation auf unserer Schneide ist spärlich, An- 
drosaoe glaoialis und Eanunculus gladalis sind die einzigen 
Phanerogamen, mehrere Arten von Moosen zeigen sich noch, 
darunter das Charaktermoos solcher Schneiden, Grinmiia 
oontorta, und das seltene Hypnum HeuMeri, aber an den 
Schieferfelsen wuchert eine Massen- Vegetation von Stein- 
flechten, grossen und kleinen, strauchartigen, laubartigen 
nnd krustenfÖrmigen , zum Theil in den buntesten Farben. 



Schade, dass wir Nichts mitnehmen könnoi, um Freund 
Arnold zu erfreuen. 

Schneller ab unser Aullitieg ging unser Abweg von 
Statten ; über ausgedehnte steile Fimfelder wurde abgeüediren, 
so gut es der weiche Schnee erlaubte, über die Felswände 
einer kurzen Thalstufe wird geklettert, dann g^t es auf 
gebahntem Wege durch Almen. Die Vegetation wiederholt 
den Charakter der Westseite. Bald ist die Busehregion er« 
reicht, Alpenrosen und Juniperus nana bilden dieselbe; dar 
Zieland (Daphne striata) wuchert zwischen denselben, das 
schöne Trifolium alpinum zeigt sich. Lange verbarg sich 
die Hütte, die uns Nachtquartier gewähren sollte, unseren 
Blicken und doch hüllten sich die Berge in dunkle Schatten, 
graue dicke Wolken guckten unheimlich wie tüddsche Ge- 
spenster über die Schneehäupter herüber, dicke Begen- 
tropfen wurden uns vereinzelt ins Gesicht geschlendert von 
einem kalten Winde. Endlich wurde sie entdeckt und am 
Felsen hinklettemd erreicht, bald sassen wir alle am gast« 
liehen Heerde um das lodernde Feuer. Ein Stadel am Fusse 
der Felsen^ geAllt mit duftigem köstlichen Heu, gewährte 
uns ein willkommenes Buhelager, das unterdess losgebrochene 
Gewitter wiegte uns mit Sturmgeheul, rollendem Donner 
und plätscherndem Regen in Schlummer. 

Der folgende Tag, ein Sonntag, war für uns ein Buhe- 
tag und wir hatten Zeit, uns in der Umgebung der Hütte 
umzusehen. Diese liegt auf einer schmalen, nur wen^^ 
hundert Schritt breiten Thalstufe; vor uns, nach Süden, 
bilden steile Wände den Ansti^ nach der obersten Thal- 
stufe des Martell-Thales, ihr oberes Ende bezeichnet die 
Zirben-Grenze; nach Norden bricht unsere kleine Fläche in 
steilen Wänden zur Tiefo; mit ihnen erreicht die Lärche 
ihre obere Grenze, noch etwas über die Fichte emporragend; 
zur Bechten kommt der Plima-Bach aus einer tiefen Schlucht^ 
um sich schäumend und tosend, einen hübschen Fall bil- 
dend, in einen Felskessel zu stürzen und in einem ähn- 
lichen Schlünde weiter zu eilen. Bingsum Berghäupter von 
den mannigfachsten malerischen Formen und Wände in 
verschiedenen Farben (wie z. B. die Bothspitze der Farbe 
ihrer Abstürze den Namen verdankt). Übersteigen wir die 
Felswand vor uns, so ist der Anblick über die Maassen 
grossartig. Die hinterste Thalstufe ist rings von einem 
imposanten Gletscherkranze umgeben, aus dem sich vor 
AUem majestätisch die schlanke Doppelpyramide des Zufall- 
Spitz >) (unser Hirt nannte sie Furkeli [furcula]) emporhebt; 
nur an wenigen Punkten unterbrechen röthliche Felswände 
den weissen Eismantel, den er um sich geschlungen. Zur 
Bechten Stürzen sich ungeheuere senkrechte Felswände zu 
Thale, unmittelbar über ihnen ragt der Gletscher herein; 



„Zefall" nach dem Kataster 11.606,1 Fuss, von der wieder 
Zefall-Spiti 10.470 F. und Zefall-Bergp 9199,68 F. unterschieden werden. 



Eskanionen um den OrÜes- und Adamello-Stock. 



abhmilxt am Mittag der Schnee, so ist die ganze Wand in 
einen dordiBichtigen Schleier herahströmenden WasBera 
gehüllt; oft, wenn der Gletscher yorrückt, mögen ungeheuere 
Lasten Eises über sie donnernd zur Tiefe stürsen. 

Die ganze oberste Thalstufe so wie die, auf der jetzt 
gastlich die Hütte steht, waren früher vom Gletscher bedeckt, 
alles anstehende Gestein ist zu Bundhöckem geschliffen, an 
denen hie und da, wo nicht die Flechten-Vegetation sie 
zu sehr überwuchert, Gletscherschliffe zu sehen sind. 

Die Vegetation bietet wenig Bemerkenswerthes von 
Phanerogamen; Alpenrosen und Saxi£raga Aizoon bilden den 
Grondton, Primula villosa, Senedo abrotanifolius, Cardamine 
resedifolia var. integrifolia, Carez lagopina n. A. mischen 
sich darunter; das hintere Sulden-Thal ist an diesen reicher, 
dagegen ärmer an. Moosen, denen diese feuchten, nördlich 
ezponirten Felswände und die kleinen Versumpfungen mit 
Willemetia, Carex ferruginea, Juncua filiformis und triglumis 
wohl behagen. So finden sich in letzteren Hypnum sannen» 
tOBum, reYolyena, exannulatum und geröthetes arcuatum nebst 
Dicranella squarroea yar. frigida, an den Wänden unter Ande- 
rem Massen -Vegetation yon Hypnum moUe, Blindia acuta, 
Grimmia torquata, Grimmia spiralis, ZygodonMougeotii, dabei 
Dissodon splachnoides, Brachythecium Funkii, Webera longi- 
colla, cucuUata, Br3rum pallescens contextum; an den Rund- 
höckern Grimmia Mühlenbeckii , Bhacomitrium sudeticum, 
.fasciculare u. A., Barbula icmadophila. 

Am anderen Moigen sollte der Weg über die Gletscher 
nach der Valle della Mare yersucht werden. Zum Führer 
gewannen wir unseren Hirten und Gastgeber, der aber die 
Bedingung machte, wir sollten uns beim Anstieg nicht auf- 
halten; er wollte noch an demselben Tage zurück und noch 
nach seinen Schafen und Ziege« auf den Bergen sehen. 
Dabei trug er unser sämmüiches Gepäck, zu dem wir gestern 
zwei Träger gehabt, und was wir indess gesammelt hatten. 

So ging es denn rüstig in der Morgenfrühe yorwärts; 
nach Überschreiten der Felswände über der Hütte ist schon 
die Strauchregion erreicht; neben den oben erwähnten yer- 
sumpften Mulden wuchern in dem Ühalboden in trockneren 
Vertiefungen Juniperus nana, Oalluna, Vaccinium uligino- 
sum und Vitis Idaea, Bhododendron ferrugineum, Empetrum, 
Azalea, Daphne striata, dazwischen Senecio abrotanifolius, 
Stellaria cerastioides, Juncus Hostii, Hieracium albidum, 
Nietrdus stricta. In einer kleinen halben Stunde befinden 
wir uns am unteren Ende des Gletschers , auf seiner Seiten- 
moräne werden die Felswände der westlichen Thalseite um- 
stiegen, mühsam geht es ein grosses Stück auf ihr empor. 
Das stark zermalmte Gestein, das neben grösseren Blöcken 
dieselbe zusammensetzt, zeigt yon der ungeheueren Energie, 
mit der die Bewegung des Eisstromes geschieht. Bald ist 
auf diesem Wege die Wand umstiegen und wir können nun 



den Hang selbst betreten. Die Mannigfaltigkeit des Ge- 
steins, die uns gestern erfreute, ist yerschwunden, Alles ist 
einförmiger Schiefer, deshalb ist auch die VegetatioQ weit' 
weniger mannig&ltig als gestern. In raschem Anstieg geht 
es yorwärts, bald ist ein weites yersumpftes Becken mit 
einem See in der Mitte erreicht, nun wird die Grasnarbe 
spärlicher, der nackte« Fels gewinnt Boden; ein zweites 
Becker bietet abermals einen kleinen lieblichen See, bereits 
beginnt die Massen- Vegetation yon Grimmia moUis, dabei 
Androsace gladalis in nie gesehener Üppigkeit, Banunculus 
g^ckdis war schon längst unser Begleiter und der edle 
Speik wuchert in grosser Menge, l^och eine steile Fels- 
kuppe liegt yor uns, aber terra firma wird immer seltener, 
immer mehr umfängt uns der ' Gletscher nach allen Seiten, 
es ist nur eine Landzunge, die sich nodi in das Bismeer hinein 
erstreckt. Bald ist auch ihre Höhe erreicht, der gestrige Ober- 
gang liegt uns gegenüber, eben so ein anderer Übergang yon 
Sulden nach Martell, den uns imser Führer bezeichnete und 
der statt naob der Zufall-Hütte zur Peder-Ochsenalm führt 
Es ist 8^ Uhr, eine kurze Bast wird beliebt, bei der wir zum 
ersten Mal Zeit finden, uns umzusehen. In unserer unmittel- 
baren Umgebung ist Alles Eis und Schnee, aus den un- 
geheueren Fimmassen ragen die einzelnen Bergriesen ma- 
jestätisch empor, yor allen der Zufall-Spitz uns unmittelbar 
gegenüber. Aus der Kette, die Sulden yon Martell schei- 
det, heben sich besonders majestätisch, wie schon yom 
Vintschgau aus, der Laaser Spitz und Laaser Femer heryor; 
die Kette, die Martell im Osten umschliesst, ist durch die 
Verkürzung wenig sichtbar. Aus der Öfihung des Thaies 
schauen die Ötzthaler Gebirge herein, heute dunstig und 
wenig präsentabel. Die Vegetation ist fast zu Ende, an 
der Kuppe zeigte sich noch Speik, Gemsraute und Hy- 
pnum sulcatum nebst einigen Grimmien, hier am Bande des 
Gletschers nur noch der Eisranunkel, Sesleria microcephala, 
Grimmia contorta, Folytrichum septentrionale. 

8^ Uhr wird der Gletscher betreten; nachdem die Seiten- 
wölbung überwunden ist, zieht er sich in sanfter Steigung 
zur Kammhi^e, wo aus dem Eise schmale schwarze Fels- 
schneiden heryorragon. Noch bat die Sonne seine Binde 
nicht aufgethaut, fast ohne Einsinken geht es olastisi^h über 
den harten Firn. So können wir es auch mit den Klüften 
wagen; eine ungeheuere Kluft wird kriechend passirt, in eine 
andere brach ich zwar ein, aber sie war nicht breit, ich war 
gleich wieder auf festem Boden. Nach '|$tündiger Wanderung 
ist die Kammhöhe erreicht, 10.136,4 F. Kat., nach; Norden 
eine schmale Felskante, nach Süden eine tochtbare !Wand, 
durch Felsblöcke und faules Gestein noch unbetretbarcr; sie 
setzt sich nach Osten weiter fort, nach Westen yetliert sie 
sich bald unter dem Eise, das hier die Katnmhöhe überbrückt 
und am Fusse der Wand unter uns wieder sichtbar wird« 



Exkonioiieii um den OrtleB- imd Adamello-BtocL 



Aaeh über sie fährt nach der Kat.-Karte ein Übergang 
9574,8 F. Vegetation nnr noch Oriumia oontorta, Bhaoomi- 
trium canesoens und einige Blätter der Gemsraute. 

Jetzt galt et, einen Abweg zn suchen. In die Wand 
ist ein Kamin eingeschnitten, dessen Boden sich fast senk- 
recht zum Oletscher absenkt Durch diesen galt es zu, 
klettern, eine für den geübten Bergsteiger nicht gefahr- 
liche , aber beschwerliche Au%abe. Zum Glück geht es 
nicht tief, circa 500 Fuas, dann ist der Abweg leicht; wir 
haben den Gletscher wieder erreicht, der sich unter uns in 
flacher Mulde zu Thale senkt und sich in steilen Böschun- 
gen den Abhang hinaufzieht Unser Führer, der Anfangs 
nidit will, ist bald überredet und schnell ist sitzend die 
fiteile Böschung abgefahren, bald ist auch das untere Ende 
erreicht Wir befinden uns nun auf felsigem, von Wasser 
durchrieselten Terrain ; wieder Massen-Yegetation von Gnm- 
mia mollis, dabei Andreaea nivalis und unendliches Bryum 
Ludwigii. Der Gletscherabfluss senkt sich in einer flachen 
Holde zu Thale, deren Boden von einigen kleinen, herrlidi 
blauen See'n und Schneefeldem ausgefüllt ist Wir gehen 
auf einer Landzunge über derselben vorwärts, zu unserer 
Linken schaut ein furchtbar öder schwarzer Felskamm 
herein, die Fortsetzung der Wand, über die wir geklettert. 
Bald ist freundlicheres Terrain erreicht, das Gras gewinnt 
Boden, dazwischen Trifolium alpinum und Luzula lutea. 
Aus der Öffiiung des Thaies im Süden tritt uns ein herr* 
liches Panorama des Adamello-Stockes entgegen, links schaut 
Bogar das Brenta-Gel»rge herein — ein ungemein gross- 
artiger Anblick; aber wir sind noch zu fremd in diesem 
Gebirge, als dass wir uns schon in diesen Spitzen, Brammen 
und Gletschem orientiren könnten. 

Westlich von uns kommt aus einem Seitenthale ein 
Gletscher, wie es scheint, ein Arm von la Mare; das Thal 
imter ihm senkt sich steil, aber ohne Wand zum Almboden 
unter uns; wir suchen in diese Mulde hinab zu gelangen, 
aber die scheinbar sanfte Böschung hat uns getäuscht, sie 
ist miten mit Wänden abgeschlossen, über die kein Weg 
führt, wir müssen unserer Landzunge folgen, bis wir zu 
einem kleinen Plateau kommen, auf dem, von Eumex alpi- 
nns umwuchert, die Höhlung unter einem Felsblocke zur 
Alm hei^richtet ist Hier stürzt sich unser Gletscher- 
bach zu Thale, eben so ein anderer starker Bach vom Ge- 
birge, aber beide über steile Wände in pittoresken FäUen; 
überall nach dem Thale zu steile Felswände, über die wir 
lange vergeblich einen Weg suchen. Unter uns glänzen 
die Alphütten, Weg und Brücke, aber wie hinab gelangen 
ohne Flügel? Mit Mühe und Noth und nicht ohne Fähr- 
lichkeit gelang es uns endlich, durch eine steile Bunse zu 
Thale zu klettern, und nun lag der Weg offen vor uns. 
llit der oberen Alm haben wir die obere Grenze der Wald- 



region eireidit, der Charakter der Hänge über ihr ist Dürre 
und Trockenheit und wh* hatten nieht wenig von Ihirst zu 
leiden; daher war auch die Moos-Yegetation tust Null, ei« 
nige vertrocknete Grimmien.und Ehaoemitrien war Allee; 
dagegen zeigten sich die höheren Pflanzen ziemlich arten- 
reich und darunter befand sich manches Hübsche , so A]|o* 
sorus crispus, Bupleurum stellatum, Hieracium albidum, 
Bhodiola rosea. In der Waldregion zeigte sich das schöne 
Sempervivum Wulfenii nebst lunkii, Pedicularis recutita 
und Astrantia minor, dabei ein Basen von Tetraplodon 
angufttatas. 

An der (verlassenen) Alm wies uns ein Gemsjäger, der 
auf Beute auszog, den Weg; über eine steile Thalstufe 
setzend hat sich der durch Vereinigung von drei staiken 
Armen gebildete Bach eine tiefe Bunse ins Gestein ge- 
wühlt und stürzt sich tosend zu Thale. Der Abend brach 
herein, es galt nun, vorwärts zu eilen. Ein Zufidl trennte 
uns. Holler gerieth thalabwarts nach Cogolo, ich, dem W^e 
in die Höhe folgend, nach Pejo. Über alle Beschreibung 
lachend ist der Anblick, der sich von diesem Hange herab 
ins Yal di Sole eröffiiet, sobald wir uns dem vorderen Ende 
des Thaies nähern: blühende Auen, Wiesen und Getreide- 
felder, weisse Ortschaften und Einzelhöfe im Thale zer- 
streut oder an den Berghängen angelehnt, darüber sanfte 
Waldhänge — ein Kontrast mit der eben verlassenen wilden 
und öden Hochgebirgsnatur von bezaubernder Wirkung. 

Pejo liegt malerisch am Bei^hange des Yalle del Monte, 
es bietet die erste echt Italienisdhe Scenerie, ist aber auch 
sonst sehr Italienisch, denn im Wirthshaus fand idi einen 
solchen Schmutz, wie ich dessen seit 1857 ganz entwöhnt 
war. Bereits bis zum Y erdäcfatigen malerische Kerls Uessen 
sich in meinem Zimmer an meiner Seite nieder und 
mit Freuden erfuhr ich, dass die Bäder in einer kleinen 
halben Stunde zu erreichen seien woA dort ein besseres 
Unterkommen zu finden wäre. Obgleich es schon finstere 
Nacht war, eilte ich doch noch dahin und fiind denn Alles 
den WünJBchen gemäss. Trotz der späten Stunde wurde 
mir noch ein splendides Souper servirt, noch dazu von 
einem Deutsch radebrechenden Kellner. Das Zimmer war 
klein und sehr einfach, aber das Bett gross und gut; nicht 
ein Mal musste ich zum Insektenpulver greifen. Am anderen 
Tage Ruhe- und Einlegetag. Das Bad (4295 Fuss, Trinker) 
liegt lieblich im Thale. Im Norden schaut stolz der Yioz- 
Spitz 11.493,6 F. mit seinem Gletscher herein; in wilden 
Karen und Grushalden oder in schönen Alpenweiden senken 
sich die Berghänge bis zur Waldregion. Unter einem Wald- 
gürtel ist der Südhang bis hoch hinauf mit Getreidefeldern 
angebaut, in deren Mitte das Dorf Pejo malerisch hin- 
gelehnt liegt Am Nordhange reicht der Wald bis zur 
Thalsohle herab. 



« 



F. F. Tuokett's Beschreibiiiig der OrtlMhOrappe in Tirol 



Das Wasser des Oeeundbruimens ist eia Säueriing mit 
aehwaehem Sdiwefel- und EuengeBohmack, gleidii angenehm 
für sich oder mit Wein getranken wie zum Baden. Das Hanpt* 
kontingent der Brunnengäste bilden die Bauern beiderlei 
Geschleohtes» die am Morgen mit ihren Gläsern auf der 
Kurpromenade umherluagern oder sich mit Kugelwerfen 



belustigen; fiir sie liegt sioher das Heilsame mehr darin, 
dass sie sich überhaupt einmal baden und waschen , als in 
der speeifischen Wirkung des Wassers. 

Freund Holler hatte indess zu Oogolo ein zwar be- 
scheideneres, aber ebenfalls zufriedenstellendes Unterkommen 
gefunden. (Forti©t«iiD» folgt) 



F. F. Tuckett's Beschreibung der Ortles- Gruppe in Tirol, 
nebst einem Yerzeichniss der daselbst gemessenen Höhen. 



In unserer Zeit des allseitigen Strebens und der raschen 
That braucht sich nur irgendwo auf der Erde eine Pforte 
zu einem noch unbekannten Gebiete zu erschliessen, um 
alsbald rüstige Männer der Wissenschaft anzulocken; schnell 
▼erschwindet eine „terra incognita" nach der anderen yon 
der Karte und bald wird es eigentliche Entdeckungen im 
jetzigen Sinne nicht mehr zu machen geben. Und dieser 
energische Drang nach vollständige^ Erkenntniss unseres 
Planeten beschränkt sich nicht auf entlegene, mit dem Beiz 
des Fremden und Neuen lockende Begionen, er richtet sich 
eben so auf das Herz Europa's, auf das eigene Yaterland. 
Es bedarf nur der Andeutung, dass da und dort noch ein 
Fleck sich findet, der bis jetzt der spezielleren Forschung 
entgangen ist, und, wenn irgend möglich, wird die Lücke in 
überraschend kurzer Zeit ausgefüllt So hat zwar das, was 
Dr. Lorentz im yorstehenden Au&atz von unserer mangel- 
haften Kenntniss des Ortles und Adamello sagt, für den 
Augenblick noch seine volle Geltung, aber schon nach we- 
nigen Jahren wird man auch über diese beiden, im Ver- 
gleich mit anderen Theilen des Alpen-Systems vemachläs* 
sigten Gebirgsgruppen vollkommen im Klaren sein, obgleich in 
der ersten Nummer des „Alpine Journal" (vom 2. März 1863) 
unter der Überschrift „Orteler^Spitze" noch die Frage auf- 
geworfen wurde: „Kann irgend ein Bergsteiger von diesem 
geheimnissvollen Gipfel Bericht geben? Ist er jemals er- 
stiegen worden ausser von dem mythischen Erzherzog ? Und 
giebt es wirklich einen Berg Monte Cristallo?" 

Schon kündigten wir an, dass Lieutenant Payer seine 
mehljährigen Studien über den Adamello-Stock verarbeitet, 
und Dr. Lorentz beabsichtigt, seine Forschungen in diesem 
Theil Tirols fortzusetzen, ausserdem aber haben gerade die 
hervorragendsten Mitglieder des Wiener und des Londoner 
Alpen-Club, also derjenigen Körperschaften, die neben den 
Schweizer und Turiner Schwester-Vereinen die Detail-Unter- 
suchung der höchsten Alpen-Begionen sich zur speziellen 
Au%abe machen, während der letzten Sommer dem Ada- 
mello sowohl wie dem Ortles ihre ganz besondere Anfinerk- 
samkeit zugewendet. K v. Sonklar bestieg vom Yal di Ge- 



nova aus die Lobbia, um sidi auf diesem erhabenen Punkte 
über einen grossen Theil des Adamello-Stockes zu orienti- 
reu 0> Dr. v. Buthner war auf der gegenüberliegenden Pre- 
sanella, £. v. Mojsisovics, Sekretär des Wiener Alpen-Club, 
besuchte den Ortles, während Specht aus Wien die Könige- 
spitze erklomm und Egid Pegger im Juli 1863 von Trafoi 
ans den Grat des Ortles erreichte, über den sich die 
30 Klafter entfernte höchste Spitze noch um 8 Fuss er- 
hebt^). Freshfield erstieg die Gipfel der Presanella und 
zugleich mit Walker und Beechcroft die Königsspitze, Ball» 
der Präsident des Londoner Alpen -Club, ging vom Yai 
di Genova über den Piscanna-Pass nach dem Yal Camo* 
nica hinüber^ und ein anderes um die Kunde der Alpen 
mefarfadi verdientes Mitglied desselben Vereins, F. F. Tuckett» 
überzog die Ortles-Gruppe nach allen Bichtungen bis zu 
den höchsten Gipfeln mit seinen Bouten. In Begleitung 
von E. N. und H. K Buxton bestieg er zuerst am 
30. Juli 1864 von S^ Caterina aus den Monte Confinale, 
ging dann am 1. August von der Strasse nach dem Stil&er 
Joch über den Yitelli- und Madatsch- Gletscher auf den 
Monte Cristallo, von wo er in das Zebru-Thal und über 
den Zebru-Pass nach S^ Caterina zurückkehrte, folgte am 
3. August dem Yal Fomo aufwärts bis zum Ende, erstieg 
die Königsspitze und gelangte durch das Sulden-Thal inz 
Trafoi-Thal; endlich am 5. August erklomm er von Trafoi 
aus die Ortles-Spitze selbst, die seit 30 Jahren keines 
Menschen Fuss betroten hatte*). 



*) Siehe seinen trefflichen Aufsatz mit Karte im 2. Bd. der „Mit- 
theilangen des Österreichischen Alpen-Vereins", SS. 263 ff. 

*) Mittheilungen des Österr. Alpen-Vereins, 2. Bd. SS. 877 if. 

3) Sein Bericht erscheint in der ersten Kummer des 2. Bandes 
Tom „Alpine Journal". 

*) Wie Herr Pegger a. a. 0. mittheüt, wurde die Spitse des Orüea 
am 27. September 1804 von Josef Pichler (Jager Josele) auf Veranlas- 
sung des Bnhenogs BCax erstiegen, 1806 bestieg dieselbe der Berg- 
offisier Gebhard drei Mal, am 21. August 1826 der österreichische 
Genieoffizier Schebelka, am 12. August 1834 Professor Thurwieser. 
Der Grat dagegen wurde in neuester Zeit Sfter erstiegen, so ron einer 
Gesellschaft aus Prad, darunter ein Madchen yon 16 Jahren, dann am 
25. August 1857 yon Dr. y. Ruthner und Kamer, 1860 yon Specht, 
1861 yon den beiden EnglSndem B. Jakobs und J. Walpole. 



F. F. Tuckett's Beschreibung der Ortks-Gruppe in Tirol 



Tudkett hat über seine kühnen Wanderungen einen 
lecht interessanten Bericht mit einer von ihm selbst ge- 
zeichneten Karte im Maassstab von «1:86.400 und ^ehn 
Pftnoramea im Desemberheft (1864) des y^Alpine Jonmal" 
Teröffentlichty der über manchen dnnkeln Punkt in der 
Topographie des Ortles^Btockes Au&chluss giebt^ eine gute 
YorBtellung yon der Natur desselben im Allgemeinen ge- 
währt und manchen schätsbaren Wink in Bezug auf seine 
Bereisung enthält. Der Bericht ist zu umfangreich, als dass 
wir ihn hier in seiner ganzen Ausdehnung wiedergeben 
könnten, dagegen mögen einige Abschnitte hier Platz ^nden, 
welche besonderen Werth in topographiBcher Hinflicht haben, 
nämlidi die Beschreibung des Panorama's, das er yon der 
Spitze des Monte Confinale aus übersah, wo der Hauptzug 
dcB Stockes einen Halbkreis Ton Nordwest über Nord und 
Ost nach Süd um ihn beschrieb, und seine Zusammenstel- 
lung der Höhenmessungen, die üast sämmtlich von der 
Österreidiischen Kataster-Vermessung herrühren und bisher 
nicht publidrt waren >). 

I. Übersicht der Ortlea-Gruppe, Tom Monte Ck>nfl- 
nale aus gesehen« 

Spricht man von dem Massiv des OrÜes, so geht man 
sm besten yon dem Doppelgipfel aus, der unter dem Namen 
Zufall-Spitze (12.348 Engl. Fuss) bekannt ist und den 
Winkel zwischen dem Martell-Thal und den Thälem Fomo 
und Bella Marc einnimmt, er bildet nach meiner Ansicht 
den wahren Knotenpunkt oder £em der Gruppe und liegt 
ziemlich genau östlich vom Confinale. Die Kette erreicht 
allerdings eine grössere Höhe weiter gegen Westen, aber 
die Zufall-Spitze ]iegt an der Vereinigung der Hauptzweige 
der ganzen Gruppe und ich wähle sie deshalb zum Ausgangs- 
punkt. Betrachten wir jetzt nach einander die verschie- 
denen Bücken, welche von ihr als Centrum ausstrahlen, 
indem wir mit dem westlichen Zweig beginnen, welcher die 
höchsten Gipfel umfasst und am direktesten mit unserem 
Standpunkt verbunden ist 

Blicken wir über den oberen Theil des Yal del Zebru 
hinweg, dicht zur Linken des Monte del Porno, so sehen 
wir eine lange schneeige Wand oder Vorhang von der 
ZnÜEÜl-Spitze zur Königsspitze sich erstrecken und das Val 
di Cedeh, wie der obere Theil des Val Porno auf der grossen 
Militärkarte' der Lombardei und Venetiens genannt wird, 
gegen Norden begrenzen. Die Gleichförmigkeit dieses Rückens 
erleidet von hier aus gesehen nur geringe Unterbrechung 
durch einige Vorsprünge, welche etwas über das allgemeine 
Niveau hervorragen und kaum den Namen Piks zu verdie- 
nen sdieinen, vom Val Porno oder Sulden-Thal aus jedoch 



^ Zur Orientinmg aiehe Tafel 2 dieses Heftes. 



heben sich diese Vozsprünge vom Himmel ab und haben 
dann das Aussehen grösserer Selbstständigkeit Einer von 
ihnen ist auf den österreichisohen Karten von Tirol und 
der Lombardei mit dem Namen Monte Oevedale oder Sulden- 
Spitze bezeidmet. Sein wahrer Bang geht aus dem Pactum 
hervor, dass nadi der Kataster-Messung seine Höhe nur 
11.109 EngL Puss beträgt, während die des niedrigsten 
Punktes in dem Bücken, von dem er auiSsteigt, kaum auf 
weniger als 10.700 Puss geschätzt werden kann. Es würde 
in der That fast nutzlos sein, auf seine Existenz hinzu* 
weisen, nähme er nicht den Winkel zwischen dem Val 
Porno und dem Sulden- und Martell-Thal ein und zeigten 
nicht die erwähnten Karten an seinem westlichen Pusse 
einen Pass, der (in einer Höhe, die ich auf 10.700 Fuss 
schätze) um den Nordabhang der Spitze sich windend nach 
dem oberen Martell-Thal fuhrt 

Weiter gegen Westen ruht das Auge zunächst auf der 
edlen Perm der Königsspitze (12.648 Puss), mit welcher 
der im Confinale gipfelnde Ausläufer durch eine das Val 
del Zebru vom Val Porno trennende Senkung verbunden 
ist Indem ich den Namen Königsspitze adoptire statt des 
Namens Zebru, der auf der Karte der Lombardei steht und 
als Synonym auch auf der von Tirol eingeführt ist, folge 
ich der neueren Autorität der Kataster-Vermessung, welche 
den letzteren Namen einem anderen, westlicher und ^t 
genau südlich von der Ortles-Spitze gelegenen Gip^l bei- 
legt. In Trafoi, Gomagoi und Prad so wie im Sulden-Thal 
hörte ich diesen Berg, den zweithöchsten in der ganzen 
Gruppe, stets Königswand nennen, ein Name,, der vielleicht 
seinem platten, abgestumpften Aussehen, von Norden her 
betrachtet, besser entspricht Vom Confinale aus gesehen 
zeigt die Königsspitze eine grossartige Pyramiden-Ponn, die 
erwähnte Abrundung des Gipfels ist hier versteckt Ihre 
Schärfe ist, von West oder Ost gesehoi, ausserordentlich, 
wie sich die erinnern werden, welche sie vom Piz Languard 
aus betrachtet haben, und wie in dem etwas ähnlichen Pall 
des Pinsteraarhom werden wenige Berge von furchtbareren 
Abstürzen begrenzt als die, welche einerseits nach dem 
oberen Val del Zebru, andererseits zu dem oberen Theil 
des Grossen Sulden- oder Monte Martello-Gletschers abfallen. 
Brauche ich hinzuzusetzen, dass, als wir die schroffen Seiten 
prüften und uns die wundervolle Aussicht vorstellten, die 
sich vom Gipfel bieten würde, wir ihn als einen unserer 
Tapferkeit würdigen Peind fühlten und in Gedanken ent- 
schlossen waren, den edlen Wilden zu skalpiren! 

Nehmen wir unseren Überblick wieder auf, so kommen 
wir zunächst zur Zebru-Spitze des Kataster (12.255 Puss). 
Von hier aus würde man fast versucht sein, sie för einen 
untei^ordneten Theü der Königsspitze zu halten, sie ist 
aber durch eine bedeutende Depression von dieser geschieden, 



8 



F. F. Tuckett's Beschreibmig der OrÜes-Gruppe in Tirol. 



und da die Zebra-Spitze auBserdem fast genau den Funkt 
des Hauptrückena einnimmt, wo der kurze, in der Ortlea* 
Spitze kulminirende Ausläufer eich gegen Korden abzweigt, 
80 ist ihr besonderer Name zweckmässig und passend. 

Die Ortles-Spitze selbst (12.814 Fuss) ist ein bemerkens- 
werthes Beispiel von einer Erhebung ausserhalb der eigent- 
liohen Achse der Xette und wird in Ball's ,,Ghude to the 
Central Alps" treffend beschrieben als „ein sehr kühner 
Yorsprung, der mit den weiten Schneefeldem der oberen 
Fläche dieser Gruppe durch einen schmalen, firnbedeckten 
Grat in Verbindung steht". Diesen Grat, der wenigstens 
an der Ostseite viel steiler und höher ist, als Mr. Ball, 
wie mir scheint, vermuthete, sieht man gut vom oberen 
Theil des Sulden- oder Martello - Gletschers , auch ist er 
theilweis von verschiedenen anderen, spätw von uns be* 
suchten Punkten sichtbar, so vom liadatsch-Joch und dem 
Gipfel des Cristallo. Das Aussehen der Ortles-Spitze von 
Westen her erinnerte mich wiederholt an den Tödi vom 
Clariden-Fim aus gesehen; die oberen Theile beider Berge 
bestehen aus einem grossen gleichförmigen Schnee- und 
Firn-Feld, das sanft gegen Norden sich senkt und ÜEUst an 
jeder Seite von steilen und hohen Abstürzen begrenzt wird. 

Eine plötzliche, beträchtliche Senkung westlich vom 
Zebru (über die man ohne Zweifel vom Yal del Zebru nach 
Trafoi gelangen könnte, wenn man auch wahrscheinlich auf 
dem unteren Theil des Gletsdiers an der «Nordseite Schwie- 
rigkeiten begegnen würde) lässt jenseit die Ortles-Spitze sehen 
und westlich reibt sich an sie eine doppelgipfelige Masse 
(11.962 Fuss), die von Trafoi aus sichtbar ist und über 
den Ortles- und Trafoi-Gletscher , deren gemeinschaftlicher 
Firn ihre Nordabhänge bedeckt, sich erhebt. Es ist schwer 
zu entscheiden, auf welchen der beiden Gipfel die Zahl des 
Kataster sich bezieht. Wiederum fällt nun der Rücken 
ab und erreicht seinen niedrigsten Funkt zwischen einem 
ebenfalls von Trafoi aus sichtbaren Yorsprung und einem 
augenfälligen Felsenzahn, welcher einer der beiden höchsten 
Punkte des Madatsch-Bückens zu sein scheint Hier ver- 
lässt ein zweiter Ausläufer den Hauptrücken und wendet 
sich nordwärts in einer dem Ortles selbst parallelen Bich- 
tung, scheidet den Trafoi- vom Madatsch-Gletscher ihrer 
ganzen Länge nach und endet nahezu gegenüber dem als 
Franzenshöhe bekannten Punkt an der Stilfser Strasse in einer 
Masse zersplitterter Klippen, denen der Name Madatsoh-Spitze 
par ezcellence zuzukommen scheint, obgleich man ganz wohl 
die drei höheren Punkte des Ausläufers in diese allgemeine 
Benennung einschUessen kann. Yon Trafoi, den Heiligen 
drei Brunnen oder dem unteren Theil der Stilfser Strasse 
aus gesehen, ist der Anblick dieses Endpfeüers überaus gross- 
artig und kolossal, er erinnert an die Klippen des Wellhom 
über Bosenlaui. Möglicher Weise kann über die erwähnte 



niedrigste Stelle des Hauptrückens der Übei^^ang nach oder 
von Trafoi bewerkstelligt werden, doch wie bei der Depression 
am westlichen Fuss der Zebru-Spitze würde man auch hier . 
wahrscheinlich auf dem unteren Theil des Gletschers an 
der Nordseite Schwierigkeiten finden. Yon Trafoi aus ge- 
sehen, ist die Eismasse zwischen den Ortles- und Madatsch- 
Spitzen, welche ihren Ursprung von deren Abhängen und 
dem verbindenden Bücken nimmt, ziemlich gleichmässig 
durch einen Felsenkamm getheilt, der gegen die östlich von. 
der niedrigsten Stelle des Hauptrückens gelegene Spitze 
aufsteigt, aber bevor er sie errdcht, allmählich unter einem. 
Schneefeld verschwindet. Dieses Schneefeld bildet den ge- 
meinschaftlichen Firn von zwei Gletschern, deren wüd ver- 
drehte Enden in Eis-Katarakten nach dem Thal oberhalb 
Trafoi abfallen. Der Unterscheidung wegen und dem Bei- 
spiel Schaubach's folgend nenne ich den östlichen Arm. 
Ortles-Gletscher, den westlichen Trafoi-Gletscher. 

An die Madatsch-Spitzen schliesst sich ein Schnee-Sattel 
am Ursprung des Madatsch-Gletschers, südlich begrenzt durch, 
den höchsten von vier Piks (11.370 Fuss), die zusanmiea 
die Masse des Monte Cristallo bilden. In der Ansicht vom 
Confinale aus wird jener Pass durch den dritten der Piks 
verdeckt, während der vierte oder die Nagles- Spitze 
(10.687 Fuss) von viel geringerer Höhe wiederum durch, 
die Yideo-Spitze (11.361 Fuss) des Kataster verdeckt wird. 
Diese Yideo-Spitze nebst dem breiten Bücken oder sanft 
geneigten Plateau, welches sie mit der Nagles-Spitze ver- 
bindet, begrenzt westlich den oberen Theil des Madatsch- 
Gletschers und scheidet ihn von dem schönen Becken des 
Grossen YiteUi- Gletschers, dessen untere Partie von der 
Stilfser Strasse bei Spondalimga sichtbar ist Die Nagles- 
Spitze selbst schickt drei Ausläufer inBichtungen zwischen 
West und Nordwest ab. Der nördlichste von ihnen, wel« 
eher die Yerlängerung der Hauptkette bildet, wird an sei- 
nem niedrigsten Punkt von der Stilfser Strasse gekreuzt, 
die hier ihre grösste Erhebung erreicht, und steigt dann 
auf der anderen Seite zu dem wohlbekannten Pik des 
Monte Plessura (9941 Fuss) auf. Der zweite Ausläufer 
endet nahe gegenüber Santa Maria und der dritte oder 
südlichste senkt sich zum Yal di Braulio hinab unfern der 
dritten Cantoniera. Ein glattes, sanft; gewelltes Schneefeld 
bedeckt den so eben beschriebenen Theil der Kette und 
schickt an verschiedenen Stellen, namentlich beim Gipfel- 
punkt der Stilfser Strasse, mehrere kleine und wenig zer- 
spaltene Eiszimgen ab, die gleich dem Firn über ihnen 
leicht zugängKch und nach allen Eichtungen gangbar er- 
scheinen. 

Die Yideo-Spitze ist der letzte vom Confinale aus sicht- 
bare Gipfel, aber weiter zur Linken findet sich ein anderer 
von fast gleicher Höhe, durch eine schneebedeckte Senkung 



F. F. Tuckett's Beschreibung der Ortles-Gruppe in Tirol. 



9 



Ton ihr geschieden und den höchsten Funkt eines schönen 
Schneewalles bildend, der den Firn des edlen Yitelli-Glet- 
ßchera südlich begrenzt, wie es die Video-Spitze in Nordost 
thnt Mit prachtrollen Massen gebrochener Sdracs, die mich 
an den Ostabhang des Dome du Godt^ erinnerten, zieht er 
sich in nahezu westlicher Bichtung bis gegenüber dem Eis- 
iall des Yitelli, um dann, etwas rückwärts gegen Süden sich 
wendend und felsiger und unregelmässiger in den Umrissen 
werdend, schliesslich in den grossartigen Klippen zu endi- 
gen, die man von Bormio aus sieht und welche den unteren 
Theil des Tai del Zebru vom Val di Braulio trennen. 
Ans dem Höhenyerzeichniss geht hervor, dass die scheinbare 
Höhe der Bücken zu beiden Seiten des Yitelli-Gletschers, 
Tom Monte Plessura, Monte Braulio oder Fiz ümbrail aus 
gesehen, ganz und gar täuscht und dass die Yorstellungen 
von Mr. Hort in Bezug auf diesen Funkt (Guide to the 
Central Alps, p. 415) nicht den Thatsachen entsprechen. 
Wenigstens ein Dutzend Gipfel der Ortles- und Lombardi- 
schen Alpen sind höher als der höchste Funkt des Cristallo 
und mehr noch als der des Yitelli-Bückens. 

Der Zweig des Gebirges, der im Monte Confinale und 
Fizzo del Fomo gipfelt, trennt sich von dem Hauptzug am 
südlichen Fuss der Königsspitze, verläuft eine kurze Strecke 
fast gerade nach Süden, biegt dann mehr und mehr um, 
bis er allmählich eine westliche Bichtung erlangt, und 
edieidet so das Yal Fomo und den mittleren Theil des 
Val Furva von dem Yal del Zebru, indem er die Ost- und 
Südgrenze des letzteren bildet. 

Kehren wir nun zu der Zufall-Spitze zurück, so müssen 
wir zunächst den grossen Zweig des Gebirgsstockes kurz 
besprechen, der sich südwärts nach dem domo dei tre 
Signori und dem Monte Tonale erstreckt, indem er die 
Vals Fomo und Furva im Osten begrenzt und sie von den 
Tals della Mare und Bormina oder del Monte trennt Diese 
ganze grosse Masse mit ihren ausgedehnten Schneefeldem 
und Gletschern ist noch terra incognita und ich fand es in 
manchen Fällen fast unmöglich, die Details der Lombar- 
disch- Yenetiani sehen Karte mit den Namen und Höhen, die 
mir Herr v. Mojsisovics als Besultate der Kataster- Auf nähme 
mittheilte, oder mit meinen eigenen Beobachtungen vom Con- 
finale, der Königsspitze, der Ortles-Spitze u. s. w. in Ein- 
klang zu bringen. Unglücklicher Weise war die mir zu 
Gebote stehende Zeit zu beschränkt, als dass ich selbst 
Forschungen zur Aufklärung dieser Schwierigkeiten hätte 
unternehmen können, aber es unterliegt keinem Zweifel, 
dass die Wasserscheide an beiden Seiten der Yiozzi-Spitze 
auf jedem Arm des grossen Fomo-Gletschers erreicht werden 
könnte, und obgleich ich keine bestinunte Belehrung über 
die Natur des entgegengesetzten Abhanges geben kann, so 
ist es doch wahrscheinlich, dass man auf diese Weise über 
Petennaim's Geogr. Mittheünngen. 1865, Heft I. 



zwei sehr schöne Fasse von 10.500 bis 11.000 F. nach 
dem Yal della Mare gelangen kann. Die Yiozzi- oder Yios- 
Spitze (11.920 F.), die edle Fyramide der Falle della Mare 
(11.855 F.) und der graziöse doppelgipfelige Monte Tresero 
(11.869 F. nach v. Weiden, aber wahrscheinlicher circa 
11.700 F.), der so herrlich über Santa Caterina sich auf- 
thürmt, ausser den Zwillingsgipfeln der Zufall-Spitze selbst 
(12.348 F.), sind alle noch unerstiegen und der Aufinerk- 
samkeit der Gebirgswanderer wohl werth, während der 
Fomo-Gletscher, der tief in das Yal Fomo herabreicht und 
in 1^ Stunden von Santa Caterina aus erreicht werden 
kann, vielleicht der schönste in der ganzen Gruppe ist Der 
einzige direkte Fass vom Yal Furva nach dem Beginn des 
Yal di Sole, der meines Wissens begangen worden ist, ver- 
lässt den Weg nach dem Gavia-Fass nahe dem Gipfelpunkt, 
wendet sich gegen Ost, kreuzt den Hauptrücken nördlich 
von dem Como dei tre Signori (10.912 F.) und führt auf 
der anderen Seite hinab nach dem Beginn des Yal Bormina 
oder del Monte, bei dessen Yereinigung mit dem Yal della 
Mare die Bäder von Fejo liegen. Dieser Fass ist, glaube 
ich, unter dem Namen Sforzellina in dem werthvoUen Werk 
über die Hypsometrie Tirols von Trinker erwähnt, der ihm 
eine Höhe von 9594 Wiener oder 9950 Engl. F. giebt, 
während Mr. Ball ihn auf 9700 Engl. F. schätzt 

Es erübrigt, noch einige Worte über die dritte und 
vierte Hauptabtheilung der Gruppe zu sagen, welche die 
oberen Theile der Yals della Mare und di Babbi und des 
Ulten-Thales von dem Martell-Thal und dieses letztere von 
dem Sulden- und Laaser Thal trennen. Da ich hierbei 
nicht aus persönlicher Erfahrung sprechen kann, werde ich 
so kurz als möglich sein und den Leser wegen weiterer 
Details auf die Werke von Schaubach und Ball und auf 
die Blätter der Österreichischen Karte von Tirol verweiseiL 

Zwischen der Zufall-Spitze, am nordwestlichen Winkel 
des oberen Endes vom Yal della Mare gelegen, und der 
Yenezia-Spitze, die eine entsprechende Lage am nordöst- 
lichen Winkel einnimmt, werden auf der Kataster - Karte 
zwei Fasse angedeutet Dem östlicheren wird eine Höhe 
von 10.512 F., dem anderen von 9930 F. gegeben. Yon 
der Yenezia-Spitze zweigt sich ein bedeutender Ausläufer 
gegen Süd ab, welcher die YaLs della Mare und di Babbi 
von einander trennt und in den Fiks von Saent (10.441 F.) 
und Cima di Fontevecchio (10.414 F.) kulminirt. Östlich 
vom Yenezia ist der nächste wichtige Gipfel die Zufrid- 
Spitze (11.262 F.), welche den nordöstlichen Winkel des 
Yal di Eabbi und den nordwestlichen des Ulten-Thales bil- 
det, mit dem Yenezia durch einen das Yal di Babbi im 
Norden begrenzenden Rücken verbunden ist und von einem 
Fass gekreuzt wird, der über einen Theil des Ghramser 
imd des Znfrid-Gletschers fuhrt. Wie vom Yenezia läuft 

2 



10 



F. F. Tuckett's Beschreibung der Ortles-Gruppe in Tirol 



auch von der Zufrid- Spitze ein ansehnlicher Zweig ans, 
dessen Hauptgipfel, die Eggen-Spitze (11.264 F.)» sogar 
etwas höher ist als die Zufirid-Spitze. Er wendet sich zu- 
erst gegen Südsüdost, dann gegen Ost und trennt den cen- 
tralen und oberen Theil des Yal di Eabbi von dem oberen 
Ende desUlten-Thales, in das wenigstens zwei Pässe hinüber- 
führen. Östlich Yon der Zufrid-Spitze verbinden zwei Cols, 
das Soyputz- und das Soy-Joch (9454 F.), das erstere ein 
Gletsoher-Fass, den centralen Theil des Martell-Thales mit 
St Gertrud im XJlten-Thal, aber es giebt hier keine Gipfel, 
die besonders erwähnt zu werden brauchen, und die £ette 
endigt nahezu südlich von Latsch im Etsch-Thal mit den 
Schneegipfeln des Arzkor und Flatschberg. 

Der vierte Hauptzweig der Ortles-Gruppe strahlt mehr 
von der Sulden- als von der Zufall-Spitze aus und hält 
eine Strecke weit eine nordnordöstliche Bichtimg inne, indem 
er die oberen Enden des Sulden- und Martell-Thales von 
einander trennt und südlich von der Inneren Peder-Spitze 
(10.768 F.) vom Suldner Joch gekreuzt^ wird, das eine 
herrliche Aussicht auf die Ostseite der Ortles-Spitze, Zebru 
und Königsspitze gewähren muss. Bei der Mittleren Peder- 
Spitze (11.349 Fuss), welche gegen Nordnordost zunächst 
folgt, theüt sich der Kücken. Ein Arm richtet sich gegen 
Osten und bildet die Nordgrenze des Martell-Thales, wäh- 
rend der andere östlich vom Sulden-Thal die allgemeine 



nördliche Richtung beibehält Ben zwischen beiden Armen 
eingeschlossenen Baum nimmt das Laaser Thal ein, welches 
nach kurzem Verlauf bei Laas mit dem Etsch-Thal sich 
verbindet. Die hauptsächlichsten Höhen des östlichen Arms 
sind nach der Beihe die Äussere Peder-Spitze (11.162 F.), 
die Schinder Spitze (10.588 F.), die Laaser Spitze(10.827 F.) 
und der Weissmandl (9101 F.); die des westlichen Arms 
von Süd gegen Nord die Vertrain-Spitze (11.371 F.), .Ofen- 
Wand (11.558 F.), Angelus-Spitze (10.982 F.), Eompatsch 
(11.065 F.), Saurissl (8642 F.), Waaser&ll (10.194 F.), 
Praggischarte (10.282 F.), Schoneck (10.246 F.) u. s. w. 

2« HöhenverEGiolmlBB. 

Tuckett selbst hat einige der von ihm besuchten Pässe 
und Gipfel mit dem Aneroid gemessen, nachdem sein Baro- 
meter gleich Anfangs zu Schaden gekommen war, doch 
machen seine Messungen keinen Anspruch auf Genauigkeit. 
Dagegen giebt er in einer seinem Berichte angehängten 
Tabelle eine beträchtliche Anzahl von Höhenzahlen, welche 
aus der österreichischen Kataster-Vermessung (K. A) hervor- 
gegangan sind und die, wie erwähnt, Herr v. Mojsisovics 
ihm mittheilte. Zu diesen bbher unveröffentlichten Höhen- 
angaben setzt er noch einige anderen Quellen entnommene 
hinzu, so dass die im Folgenden reproducirte Tabelle einen 
werthvoUen Beitrag zur Hypsometrie der Alpen bildet 









NMne. 


LMgt, 


Wiener 
Klafter. 


Wiener 

FOM. 


B^^a 


Von wem 
and wie 
bMdmmt 

Aneroid 


Antorititt. 


Bemerkungen. 


1. KSnigt-Joch . 


Von 8** Caterina (Val Furva) über die öatiiehe 






11.063? 


F. F. Tuckett 


WahraoheinUch nicht 




Schulter der Königaapitze nach St. öertrud 












überll.OOOEngLF. 




(Salden-Thal) 














2. Hadfttecli-Jocli 


Von der 3. Cantoniera, S^ Maria oder dem 
Staiaer Joch nach dem Val del Zebm, swi- 
schen dem Kadatach - Rücken und Cristallo, 
ttber gleichnamige Gletacher 






10.838 


» 


»> 


Wahrscheinlich nicht 
über 10.750 Engl.F. 


3. CeTedftle-PasB 


Von S** Caterina nach dem MarteU-Thal, über 






10.700 


Geschätzt 


ff 




den Rücken weatlich von der Sulden-Spitze, 
















um dieae letztere nördlich und Östlich herum 
















und den Zufall-Gletacher hinab 














4. MarteU-Pag», ostUch 


Vom Martell-Thal nach den Vals della Mare und 
di Sole, Einsehen Zufall- und Venezia-Spitze 


1.689,4 




10.512 


K. A 


E. V. Mojsisorics 




5.MarteU-Fa88, veatUch 


»? »> » 


1.596,8 




9.930 


)» 


)t 




6. Sforzflllina-PasB 


Yon S'* Caterina nach den Yals del Monte und 
di Sole, nördlich Tom Como dei tre Signori 
und südlich vom Tresero 




9.594 


9.950 


9 


Trinker 


9700 Engl. F. (Ball) 


7. Zebru-Paas 


Vom oberen Ende des Val del Zebru nach dem 
des Val Fomo und nach S*» Caterina, südUch 
von der Königsspitze , östlich Tom Monte del 
Fomo und Confinale 






9.908? 


Aneroid 


F. F. Tuckett 


Wahrscheinlich 9700 
Engl. F. 


S. Soy-Joch 


VonGond (MarteU-Thal) nach St. Gertrud (Ulten- 
Thal), zwischen Zufrid-Spitze u. GramserBerg 


1.519,M 




9.454 


K. A 


E.V. Mojsisovics 




9. Büaberg-Paaa 


? 




9.026 


9.361 


? 


Trinker 




10. Paaio di San Valen- 


Vom Val di Fum nach dem Val Valentino, Tione 






9.300 


Geschätzt 


Bau 


..Guide to Central 


tino . . . 


und Judicarien. Südsüdwestlich vom Car6 Alto 










1 Alps". 


11. Stilfser Joch . 


Von Prad (Etsch-Thal) nach Bormio (Valtellin), 
zwischen Monte Plessura und einem yom 
Cristallo herkommenden Rücken • 


1.433,70 




8.921 


K. A 


E.V. Mojsisovics 9131 (Trinker), 9177 
(Carte F6d^rale). 


12. Gayia-Pasa 


Von S** Caterina nach den Vals Mazza und Ca- 






8.500 


Geschätzt 


Ball „Guide to Central 




monica, westlich vom Como dei tre Signori 












Alps". 



F. F. Tuckett's Beschreibimg der Ortles-Grappe in Tirol 



11 



Name. 


Lage. 


Wiener 
Klafter. 


Wiener 
Fnaa. 


Englisoh« 

FUM. 


Von wem 
und wie 
bestimmt 


AntoritXt. 


Bemeifcongen. 


IS. Tonale-Pass . 
U: Sojputx-Joch . 

15. Saldner Joeh . 

16. Gnmsar Joch 


Ton Ponte di Legno (Yal Camonica) nach dem 
Yal di Sole, nördlich vom Monte Sello, süd- 
lich Tom Monte Seroden 

Von Gond (Martell-Thal) nach St. Gertmd (Ulten- 
Thal), nordöstlich von der Znfrid-Spitze, süd- 
westlich vom ßoy-Joch 

Vom MarteU-Thal znm Snlden-Thal, südwestUch 
von der Inneren Peder-Spitse und durch das 
Madritsch-Thal 

Vom MarteU-Thal nach dem Yal di Kabbi, zwi- 
schen der Yenesia- und der Zufrid-Spitze 






6.483 

? 
? 

? 


} 


Bau 


„Guide to Central 
Alps". 



1. Ortles-Spitze , 



2. Konigs-Spitze 



3. ZofaU-Spitze (10 



b. Hohen der haupUäMieh$ten OipfeL in den Ortlee- und Lomhardiecken Alpen, 

112.814 K. A £. T.Mojsisovics' 12.836 (Thurwieser), 

12.861 (v. Weiden), 



SSO. von Trafoi, W. vom Sulden-Thal, N. von 2.059,88 
der Zebru-Spitze und KNW. von der Königs- 
Spitze 



Am oberen Ende des Sulden-, Fomo- und ZebrU' 
Thaies, SO. von der Zebru-Spitze, NW. von 
der ZufaU-Spitze, SSO. von der Ortles-Spitze 



Zwischen den Yals Fomo und deUa Marc und dem 
MarteU-Thal, SO. von der Königs- Spitze, W. 
von der Venezia-Spitze, SO. v. d. Sulden-Spitze 
ZofaU-Berg . . MarteU-Thal, gegenüber und NO. von der ZufaU- 
Spitze, S. von der Inneren Peder-Spitze und 
NW. von der Venezia-Spitze 
ZufaU-Spitze (II.) . MarteU-Thal, W. vom ZufaU-Berg, NO. von der 
Sulden-Spitze, S. von der Madritsch-Spitze 
4. Zebru-Spitze . . S. vom Ortles, NW. von der Könige-Spitze, zwi- 
schen Sulden-, Trafoi- und Zebru-Thal 
Gipfel westUch vom > Zwischen Trafoi und dem Zebru-Thal, W. von 



Zebru(nid. Kataster) 
€. Yiozzi- oder Vios- 
Spitze 

7. Saline . 

8. Monte Tresero 



9. Falle della Mare 



10. OiumeUn 

11. AdameUo 



östlicher Gipfel 



12. PresaneUa,dstL Gipfel 



westUcher Gipfel 
18. Ofen-Wand . 



14. YertraiB-Spitze 



15. CristaUo (I des Ka- 
taster) . 



Video-Spitze d. Ka- 
taster 

Nagles-Spitze d. Ka- 
taster 



der Zebru-Spitze 
Am oberen Ende des Fomo-Gletschers, zwischen 

den Yals Fomo und deUa Mare, S. von der 

ZufaU-Spitze, ONO. von derPaUe della Mare 
SW. von der Viozzi-Spitze und NO. von der 

PaUe deUa Mare 
0. von S**Catcrina (Yal Furva), W. von der PaUe 

deUa Mare, SW. vom Fomo-Gletscher 

0. vom Tresero, 8. vom Fomo-Gletscher, WSW. 

von der Viozzi-Spitze, zwischen den Yals 

Fomo und Bormina 
?, vielleicht identisch mit dem Tresero? 
WSW. vom Yal di Genova, N. vom Yal di Fum, 

0. von Edolo, SW. vom Bedole - Gletscher, 

WNW. vom M. Levade 
OSO. vom höchsten Gipfel .... 



Zwischen Yal VermigUo und Yal di Genova, 

NW. von Pinzolo, 0. vom Monte Piscanna, 

OSO. vom ToDale-Pass 
Zwischen dem östl. Gipfel u. der Cima di S. Giacomo 
Zwischen Sulden- und Laaser Thal, S. von der 

Angelus-Spitze, NO. von der Vertrain-Spitze, 

NO. von St. Gertmd 
N. von der vorigen und zwischen ihr und der 

Angelus-Spitze 
Zwischen Sulden- und Laaser Thal, 0. von 

St. Gertrud, NW. von der Peder-Spitze, -SW. 

von der Ofen- Wand 
Zwischen Yal Zebru und dem StUfser Joch, 

SSW. vom Madatsch-Rücken, am oberen Ende 

des Madatsch-Gletschers 

Zwischen dem Fim des Madatsch und den Yi- 

teUi-Gletschem 
Zwischen der Video-Spitze und dem Stilfser Joch 

auf dem Plateau, welches die Madatsch- und 

Vitelli-Gletscher trennt 



2.082,7 

1.984,86 

1.833,S8 

1.745,6 
1.969,4 
1.922,4 
1.915,4 

1.909,4 

1.905,9 
1.903 



1.878,8 

1.823,S 
1.857,4 

1.804 
1.827,4 

1.827,3 



1.825,8 
1.717,6 



11.409 
11.317 



12.648 

12.348 

li.408 

10.862 
12.255 
11.962 
11.920 

11.883 
11.869 

11.855 



11.842 
11.832 



11.737 



11.688 



11.345 
11.558 



11.226 
11.371 

11.370 

11.361 
10.687 



I 



A 
A 
K. A 



12.799 (Buzton, 

Aneroid). 
12.651 (Trinker), 

12.694 (Ziegler), 

12.612 (Buzton, 

Aneroid). 
12.344 (v. Sonklar). 



12.273 (v. Weiden). 



V. Weiden 

E. V. Mojsisoviea 

V. Sonklar 
E. V. Mojsisovics 



„Der M*" Eosa". 
WahrscheinUch i 
200 F. zu hoch. 



11.670 (v. Weiden). 



„MittheUungen des 
Österreich. Alpen- 
Vereins", 2. Bd. 



12.960, Topograftadi 
Sondrio (Ziegler), 
11.576 (Buxton, 
Aneroid). 



2* 



12 



F. F. Tuckett's Beschreibung der Orües-Gruppe in Tirol 



Nftina. 



Lage. 



16. Car* alto (Woerrs 
Monte Gar«) 

17. Peder-Spitze . 



ZwiBchen Yal di Fum und Yal di Borzago, OSO. 
I Tom Adamello, S. vom Monte Leyade 
'Zwischen Martell-, Laaaer und Sulden-Thal, 
I 0. Yon St. Gertrud 



Nördlicher Gipfel 
Äussere Peder-Spitze 
Innere Peder-Spitse . 
18. Eggen-Spitze . 



Östlicher Gipfel, zwischen Laaser u. MarteU-Thal 
Sttdsüdwestl. Gipfel, zw. Sulden- u. MarteU-Thal 
Zwischen den Anfängen des Yal di Babbi und 
des Ulten-Thales, SSW. von der Zufrid-Spitze 
Südlich Ton der Torigen 

19. Zu£rid-Spitze . . Zwischen Martell- und Ulten-Thal, S. von S** 
Maria Schmelz, 0. Ton St. Gertrud, SW. 
Tom Soy-Joch 

20. Madatsch-Sp. (hoch- 'Zwischen Madatsch- und Trafoi-Gletscher, SO. 



ster u. sfldlichst. Pkt auf 
dem Rücken II d. Katast.) 
21. Sulden-Spitze. 



22.Yenezia- oderKonzen- 
Spitze 

23. Monte Confinale 



24. Kompatsoh 

25. Monte Leyade. 



26. Angelus-Spitze 



27. Koth-Spitze 



28. Como dei tre Signori 

29. La Brusazza . 



30. SchSnlauf-Spitze 

31. Cima del Mandron . 



32. Monte Rumo 



33. Laaser Spitze. 



34. Cima Larda . 

35. Cima di S. Giacomo 



36. Amola-Spitze 



Tom Stilfser Joch, NNO. vom Cristallo 

Zwischen Yal Fomo, dem Martell- und Sulden- 
Thal, NNW. Ton der Zufall-Spitze, SO. von 
der Königs-Spitze 

Zwischen dem MarteU-Thal und dem Yal della 
Marc, 0. Ton der ZufaU-Spttze und von bei- 
den Martell-PSssen 

Zwischen den Yals Fomo, Furra und del Zebru, 

I N. von S** Caterina, S. vom CristaUo, SW. 

I vom Zebru 

0. vom Sulden-Thal, OSO. von Süs, WNW. von 

I der Angelus-Spitze 

SW. vom Yal di Genova, NW. vom Yal di Bor- 
zago, 0. vom AdameUo, SSO. vom Matterot- 
Gletscher 

Zwischen Sulden- u. Laaser Thal und Ofen- Wand 
und Kompatsch 

Zwischen dem Laaser und MarteU-Thal, SW. 
von der Schinder Spitze, ONO. von der Äus- 
seren Peder-Spitze 

Zwischen dem MarteU-Thal und Yal di Babbi, 
0. von der Yenezia-Spitze 

Im MarteU-Thal, N. von der vorigen 

Zwischen Yal Bormina und Gavia-Pass, S. von 
S** Caterina und Monte Tresero 

S. vom Yal YermigUo, N. von der Bedole-Alp, 
W. von der Cima di S. Giacomo, 0. von der 
Cima del Dosson 

Am Ursprung des MarteU-Thales , SO. von der 
Inneren Peder-Spitze u. 0. vom Suldner Joch 

Zwischen Yal Camonica und Yal di Genova, 
NNO. vom AdameUo, SSO. vom Monte Piscanna, 
W. vom Bedole-GIetscher 

Am Ursprung des Yal di Fum, OSO. vom Ada- 
meUo und zwischen ihm und Monte Levade, 
südUche Spitze des Rückens zwischen den 
Bedole- und Matterot-Gletschern 

Zwischen dem Laaser und MartoU-Thal, W. von 
Gond, NO. von der Schinder Spitze, SW. 
vom Weissmandl 

N. vom Yal di Genova, SO. von der Cima di 
Nardis (PresaneUa) und W. vom Nardis-Thal 

S. vom Yal Yermiglio , N. von der Bedole-Alp 
(am oberen Ende des Yal di Genova), W. 
von der Cima di Nardis, 0. von Brusazza 

W. vom Yal Rendena, S. vom Yal di Genova, 
SW. von Pinzolo, 0. vom Monte Levade 



Sir i 'ysr ^'^ Y^"^ 



37. Schinder Spitze 



'Zwischen dem Laaser und MarteU-Thal, SW. 
I von der Laaser Spitze, NO. von der Äusseren 
I Peder-Spitze 

38. Monte Piscanna, Cima Zwischen den Yals Yermiglio, di Genova und 
di Lago scuro . . i Camonica, S. vom Tonale-Pass, NW. von der 

{ Bedole-Alp, W. von der Cima del Dosson 

39. Saent . Am Ursprung des Yal deUa Mare, SSO. von der 

Yenezia-Spitze, NW. von der Cima diPonte- 
. vecchio 



1.824,4 

1.823,8 

1.821,9 
1.793,7« 
1.730,43 
1.810,1 

1.783,4« 
1.809,9 

1.807,1 

1.785,S 

1.782,«9 



1.778,2 

1.764,9 
1.739,8 

1.762,t 

1.662,8 
1.753,« 

1.750,« 



1.739,97 



! 11.353 I X. A 
I H-349 , 



111.837 
11.162 
10.768 
11.264 



! 11.098 
I 11.262 



11.246 
11.109 
11.093 



Aatorilit 



V. Sonklar 

£. V. Mojsisovics 



Bemtrkiuigen. 



„Mittheü. des Österr. 
Alpen-Yereins". 



10.680 ! 11.076 



V. Weiden I„Der Monte Rosa" 



.11.065 ! K. A E.V. Mojsisovics! 



10.601 1 10.994 



10.513 

10.500 
10.500 



1.701,58 



1.677,9 



10.395 
10.373 

10.834 
10.198 

10.202 



10.982 
10.826 

10.966 

10.344 
10.912 

10.903 

10.893 
10.859 

10.859 

10.827 

10.781 
10.758 

10.720 

10.576 
10.588 

10.580 



V. Sonklar „Mittheil, des Österr. 

! Alpen- Yereins". 

; I 

E.V. Mojsisovics 



? 

K. A 
? 

? 
K. A 



V. Sonklar 

E.V. Mojsisovics, 

V. Sonklar 

I 



? 
K. A 



E.V. Mojsisovics! 
V. Sonklar ' 



I 



I 



10.441 K. A 



£. V. Mojsisovics' 
t 
j 

V. Sonklar j 

£. V. Mojsisovics 



F. F, Tuckett's Beschreibung der Ortles-Grappe in Tirol 



13 



Nun«. 



Lage. 



40. Cima di Brenta oder W. von Molveno in Judicarien , SW. tob der 
Nodifl . Bocea di Brenta 



41. Cima di PonteTecchio 
48. Cuna Tosa 



43. Hadritech-Spitze 
Madritsch-Berg . 

44. Flim Y. . 

45. Prag^ischarte 

46. Schoaeck 

47. Wa«8erfaU 

Wuserfalle 

48. Como della Granate 

49. Gramser Berg 

50. Cio« . . . 

51. Cima del Doeion 

52. Monte Redorta 

53. Piz Umbraü . 

54. Monte Plessura 



57. Bochette 

58. FaUiseh-K. (KogeU) 



59. Monte Branlio 

60. Jamerwand 



61. Schafberg 



62. Monte Serrotini 

63. Kor-Spitze . 



64. Torkei- Spitze . 

65. Pizzo del BiaTolo 



67. Monte Griza . 

68. Verborgenes Pleia 

69. Stablel . 



70. Monte Blomone 

71. Hochleiten . 

72. Hahn-Spitze . 



Zwizchen Val della Mare nnd Val di Rabbi 
NW. Ton MoWeno, N. von der Bocca di Brenta, 

SSO. Yon der Yenezia-Spitze, SO. yon Saent 
Zwischen Snlden- und Martell-Thal, SO. Ton 

St. Gertrud, SW. Ton der Inneren Peder-Spitzo 
Martell-Thal, 0. von der Hadritseh-Spitze, OSO. 

von der Inneren Peder- Spitze 
Zwischen Martell- und Ulten-Thal, SO. Ton 

Gond, XW. Tom Soy-Joch 
Martell-Thal, NO. von St. Gertrud, W. von der 

Angelus-Spitze, NW. yon der Ofen-Wand 
SW. Ton der Praggischarte 
0. Tom Sulden-Thal, NW. Tom Kompatsch, N. 

Yon der Praggischarte 
Nördlich Ton dem Torigen .... 
Yal Camonica, 0. Ton Edolo, W. Tom Adamello 
Zwischen Martell- und Ulten-Thal, NO. Yom 

Soy-Joch, SW. Tom Flim Y, SSO. Ton Gond 
W. vom Val di Genova, N. vom M** Levade, 

S. vom Stablei, 0. von der Lobbia und dem 

Matterot-Gletscher 
S. vom Val Yermiglio, NW. von der Bedole-Alp, 

ONO. von Monte Piscanna, W. von Brusazza 
Zwischen dem Valtellin und Val Seriano, SO. 

von Sondrio 
|NW. von S^ Maria (4. Cantoniera am Stilfser 
I Joch), SW.-£nde des Yal Murana 
NNO. vom Stilfser Joch, 0. von S" Maria, zwi- 
schen den Yals Murana und Costainas 

55. RoU- Spitze (Roth- ir 

Spitze ?) I 

56. Lobbia, zweite Spitze SW. von der Bedole-Alp , NO. vom Adamello, 
Tom Norden d. Rückens zwischen den Bedole- und Matterot- Gletschern 
Nördlicher Gipfel . , „ „ „ 

N. vom Val di Genova, W. vom Nardis-Thal, 

80. von der Cima di Nardis (Presanella) 
Zwischen dem Münster- und Trafoi-Thal, NNW. 

von Trafoi, SO. von S** Maria, zwischen Schaf- 
berg und Türkei-Spitze 
W. von der 3. Cantoniera am Stilfser Joch, 
I NNW. von der 2. und NNO. von der 1. 
0. vom Laaser Thal, N. von der Laaser Spitze, 

W. vom Weissmandl 
Zwischen Münster- und Trafoi-Thal, NNO. von 

Trafoi, 0. von S** Maria, WSW. von Stilfs, 

N. vom Fallisch-K. 
Zwischen Yal Gamonica und dem Valtellin, N. 

von Vizzo 
Zwischen Münster- und Trafoi-Thal, NW. von 

Trafoi, SO. von S" Maria, SW. von Stilfs, 

zwischen Tartscher K. und Stilfser Joch 
Zwischen Munster- und Trafoi-Thal, NNW. von 

Trafoi, zwischen Tartscher und Fallisch-Kogel 
Zwischen Valtellin und Yal Sarcana, 0. vom 

Monte Redorta, W. vom Paaso del Salto 
66. Tartscher K.(Kogel>)iZwischen Münster- und Trafoi-Thal, NW. von 

Trafoi, zwischen Kor-Spitze u. Türkei- Spitze 
Zwischen Val di Fum und Val Breguzza, SSW. 

vom Card alto 
0. von Gomagoi, SO. von Stilfs 
W. vom Yal di Genova, S. von der Bedole-Alp, 

0. vom Matterot-Gletscher, S. vom Matterot, 

N. vom Cioc 
Zwischen Val Camonica und Judicarien, NO. 

von Breno, S. vom Monte Castello 
Zwischen Sulden- und Trafoi-Thal, S. von Go- 

magoi, N. von der Ortles- Spitze 
S. von S^ Maria Schmelz im Martell-Thal, N. 

von Zufrid-Spitze und Zu£rid-Femer 



Wiener 
KJafter. 



Wiener 
Fqm. 



lEngUaohe, 
Puis. I 



1.673,6 

1.662,2 

1.546,6 

1.664,7 

1.652,2 

1.646,6 
1.638,8 

1.378,98 

1.623,8 I 



1.595,6 



1.581,8 

1.559,4 
1.652,4 

1.543,65 
1.539,4 

1.537 

1.520,26 



1.472,66 
1.470,M 



10.061 



9.974 



Von wem 
und wie 
bestimmt. 



AntoritSt. 



Bemerkungen. 



9.780 



10.434 

10.414 
10.344 

' 10.343 

9.614 

I 10.297 

10.282 

. 10.246 I 
10.194 

I I 

8.581 , 
10.171 
10.101 I 

10.091 I 



9.062 



? 
K. A 



9.550 

9.350 
9.527 



? 
K. A 



I 10.059 

9.980 

9.954 

9.941 

9.929 

9.904 

9.697 
9.880 

9.843 

9.790 

9.704 I K. A 

9.660 



} 

? 

> 

A 
K. A 

? 
K. A 



9.616 



? 



I 



9.606 K. A 

9.579 ! „ 

9.574 I ? 

9.564 I K. A 

9.471 I ? 

9.460 K. A 
9.398 



9.321 

9.163 

I 9.150 



K. A 



V. Sonklar |10.450 (Ball in 

I „Guide to Central 

Alps"). 
£. V. Mojsisovics 
V. Sonklar „Mittheil, des Österr. 

Alpen-Vereins". 
£. v.Mojsisoricsi 



„Guide to C. Alpe". 



Ball 

£. V. Mojsisovics 



V. Sonklar „Mittheil, des Österr. 

, Alpen-Vereins". 



„Guide to Central 

Alps". 
Karte der Schweiz. 



I 



Ball 
Dufour 

>» 
E.V. Mojsisovics 



V. Sonklar „Mittheil, des Österr. 

Alpen-Vereins". 



£. V. Mojsisovics 



Dufour 
{ E.V. Mojsisovics 



I 



Karte der Schweiz. 



Ball 

E.V. Mojsisovics' 

Ball j 

E.V. Mojsisovics! 

Ball ' 

E.V. Mojsisovics! 
V. Sonklar 



„Guide to Central 
Alps". 



„Mittheil, des Österr. 
Alpen-Vereins". 



Ball 

£. V. Mojsisovics 



I „Guide to Central 
Alps". 



I 



14 



F. F. Tuckett's Beschreibung der Ortles-Gruppe in Tirol 



Name. 


Lage. 


Wiener i Wiener 
lOafter. | Foss. 


■«r-as 


▲utorltfit 


Bemerkangen. 


73. Websmandl . 


Im MarteU-Thal, N. von S'* Maria Schmelz, NW. 


1.462,89' 


9.101 !k. a 


£.v.MoJ8iBovic8 






Yon Gond, NO. Ton der Laaser Spitze 


! 










74. flohludeok 


Im MarteU-Thal, NNW. von S** Maria Schmelz, 
W. von Gond, SO. von der Laaser Spitze, 
0. von der Schinder Spitze 


1.447,6 




9.008 


» 


»1 




75. Frftttasecca 


Im Val del Monte, S. von der Viozzi-Spitze, SO. 


1.436,6« 


8.940 


n 


if 




* 


von der Falle deUa Mare, 0. vom Corno dei 
















tre Signori, W. von Pejo 






1 






76. Monte Frerone 


Zwischen Val Camonica und Jndicarien, SW. 






8.676 ? 


Bau 


„Guide to Central 




vom Monte Blnmone, ONO. von Breno 












Alps". 


77. Sanrissl . 


W. vom Laaser Thal, SO. von Prad, SW. von 
Laas, NO. von der Angelus-Spitze 


1.388,89 




8.642 


K. A 


B.v.Mojsi8ovics 




78. Bott- (Roth-?) Stall Im Martell-Thal, W. von S'* Maria Schmelz, SO. 


1.376,95 




8.564 


II 


II 






von der Ausseren Peder-Spitze , S. von der 
















Schinder Spitze 












79. Stier-Berg 


Im MarteU-Thal, S. von der Äusseren Peder- 
Spitze, SW. vom Roth-StaU, SO. von der 
Peder-Spitze 


1.354,8 




8.487 

j 


II 




80. Cima dl Yioz 


Zwischen den Vals di Vioz und Tavietta, OSO. 


1.317,89 


8.197 


II 






von der Viozzi-Spitze, NW. von Pejo 






1 






81. Ceridole. 


N. vom Val di Qenova, NW. von Pinzolo , SO. 




7.610 


7.892 ? 


V. Sonklar 


„MittheU.de8Ö8terr. 




von der Cima di Nardis (Presanella), 0. vom 












Alpen- Vereins". 




Nardis-Thal und dem Rochetta 















4 Gipfel über 12.000 und unter 13.000 Engl. F., 28 Gipfel über 11.000 und unter 12.000 F., 33 Gipfel über 10.000 und unter 11.000 F., 25 Gipfel 
über 9000 und unter 10.000 F., 7 Gipfel über 8000 und unter 9000 F., 1 Gipfel über 7000 und unter 8000 F. 

c. Hohen vertchiedener Punkte, 



Fuss des oberen Firns 
der Ortles-Spitze 

Kaserne am Stilfser Joch 
S** Maria (4. Cantoniera 

am Stilfser Joch) 
3. Cantoniera (ebenda) . 
2. Cantoniera (ebenda) . 
1. Cantoniera (ebenda) . 
Bäder von Bormio 

Bomüo 
Franzenshohe 

Trafoi .... 



Gomagol 

Stilfs . 

St Gertrud . 

HeiUge drei Brunnen 



Ortles-Bivouac, verfaUene 

Hütte 
Im ZufaU 

Unt-Alm 

Pontevecchio 

Fuss der Bedole-Gletsoher 

Bedole-Alp . 
S** Gaterina . 

St. Gertrud (Ulten-Thal) 

Caret-Alp • • 

Rabbi .... 
Pinzolo 

Edolo .... 



Zwischen Franzenshöhe u. dem Gipfel des Passes 



Am Anfang des Valtellin, N. von Bormio 

An der Konfluens des Adda und Frodolfo 
Zwischen dem Gipfel des Stilfser Jochs und Tra- 
foi, gegenüber der Madatsch-Spitze 
Am östUchen Fuss des Stilfser Jochs, NNW. von 
der Ortles-Spitze, SW. von Gomagoi u. Prad 



Zwischen Trafoi und Prad, bei der Vereinigung 

des Sulden- mit dem Trafoi-Thal 
Zwischen Gomagoi und Prad .... 
Im« Sulden-Thal, ONO. von der Ortles-Spitze . 
Am nordwestl. Fuss der Ortles-Spitze, S. von 

Trafoi, bei den Trafoi- und Ortles-Gletschem 

Im oberen Theil des Waldes über den Heiligen 

drei Brunnen 
Im MarteU-Thal, ONO. von der ZufaU-Spitze, 

S. vom ZufaU-Berg, 0. von der Sulden-Spitze 
Im MarteU-Thal über S'* Maria Schmelz 

Val deUa Mare 

Ursprung des Val di Genova, NO. vom AdameUo 



Val Furva, OSO. von Bormio, S. vom Monte 

Conünale, NW. vom Tresero 
0. von derZufirid- und Eggen-Spitze, SO. vom 

Soy-Joch 
Nächste Alp unter der von Bedole im oberen 

TheU des Val di Genova 
Val di Rabbi (ein Arm des Val di Sole) . 
Val Rendena, W. von der Cima di Brenta, OSO. 

von der Cima di Nardis (PresaneUa) und am 

Ausgang des Val di Genova 
Val Camonica, W. vom AdameUo 



1.336,6 



1.151,1 
816,6 



686,7 
913,4 



1.184,7 

960,5 
924,7 



11.035,4 



I 



5.109 



6.501,6 



5.347 
4.896 

4.472 
2.470 



11.445 



8.317 
8.153 

7.874 
6.906 
5.971 
4.708 

4.016 
7.163 

5.081 



4.221 

4.273 
5.684 
5.299 



6.743 

7.372 

5.977 
5.754 
5.545 



5.078 ? 

Geschätzt 



Barometr. 



K. A 

A 



} 
} 
Barometr. 

A 
K. A 



? 
K. A 

II 
Barometr. 

II 
K. A 



5.000 
4.949 
4.638 
4.000 



? 
? 
Geschätzt 



Thur wieser 



E.V. Mojsisovics 
Dufour 



2.562 K. A 



2.293 



BaU 



Top. di Sondrio 

Dufour 

£. V. Mojsisovics 



Bau 

£. V. MojsiBovics 

II 
Thurwieser 

II 
E. V. Mojsisovics 

II 
II 
V. Sonklar 

II 
Bau 

I» 
V. Sonklar 

Bau 

V. Sonklar 

BaU 



Trinker's „HÖhen- 
bestimmungen von 
Tirol". 

Karte der Schweiz. 

„0. to Ccntr. Alps". 



Le Alpi che cingono 

L'ItaUa. 
Karte der Schweiz. 
7159 (Trinker), 

7082 (Kreü). 
5091 (Kreü), 5129 

(Trinker), 5215 

(Thurwieser), 

5258 (Schmidt). 
„Guide to Central 

Alps". 



Trinker's „Hohen- 
bestimmungen von 
Tirol". 



„MittheU. des Österr. 

Alpen- Vereins". 

I» 

„Guide to Central 

Alps". 



„Mittheü. des österr. 

Alpen- Vereins". 
„G. to Centr. Alps". 
„MittheiL des Österr. 

Alpen- Vereins". 

„G. to Centr. Alps". 



15 



G. Kadde's Keisen und Forschnngen im Kaukasus, im Jahre 1864. 

Vorläufiger Bericht 0- 



Die ColchiBche Ebene bo wie die LandBchaften der Yor- 
berge in Mingrelien bis zu einer mittleren Höhe von 3- bis 
4000 Fu88 über dem Meere standen im Stadium ihrer 
Hochsommer-Flora, als ich nach langsamer Beise im mitt- 
leren Kura-Thale und in dem der Kwirila endlich am 
4. (16.) Juni Kutais erreichte. Es blühten die Linden 
(darunter Tilia rubra Dec) und Acada Julibrissin Dec. 
entfaltete die ersten stattlichen Bündel der zarten Staub- 
fiden. — Die heimkehrenden Kri^^er, welche im Lande 
der Dschigeten und Ubychen den allendlichen Frieden her- 
gestellt hatten, beanspruchten in so hohem Grade auf der 
Strecke yon Kutais nach Tiflis die Fostpferde, dass fast 
jede Station wie verödet erschien und tagelanges Warten 
nöthig war, um endlich weiter befördert zu werden. Daher 
die Terzögerung; es wurden 5 Tage- gebraucht, um jene 
Strecke von circa 30 Deutschen Meilen zurückzulegen. — 
Unstreitig bot in der bereits vorgerückten Jahreszeit das 
Eankasische Hochgebirge in seinem Mingrelischen Ghrenz- 
theile das grösste Interesse. Für die Untersuchung desselben 
waren die Hochsommer-Monate die geeignetsten« Die Col- 
chisch-Pontischen üferländer beanspruchen zur ergiebigen 
rntersuchung vornehmlich das Frühjahr und die geeignetste 
Zeit för die Reisen in denselben dürfte vom April an bis 
znr Mitte Juni dauern. Es war diess der Hauptgrund, 
welcher mich veranlasste, sofort zu den Quellen des Ligur, 
des Tskenis-Tsqali und später zu denen des Bion aufzu- 
brechen. Drei enge Hochthaler waren zu durchwandern, 
ihre äussersten Höhenpunkte stossen in der Hauptkette nahe 
zusammen. Mit zwei Quellen tritt aus je einem mächtigen 
GletschCT der Tskenis-Tsqali (Hippos) in der Hauptrichtung 
gegen West vor und durchströmt bis zur plötzlichen Wen- 
dung nach Süden das sogenannte Dadianische Swanien, ein 
Parallelthal zu dem des oberen Ingur und von ihm durch 
eine schmale, aber hohe und steile Wasserscheide mit nicht 
immer gletschergedeckten Höhen getrennt. Im Nordwesten 
der Tskenis-TsqaU-Quellen, also nahe den Gletschern des 
Lapuri- und Maschquar-Gebirges liegt, wenn man im Süden 
der Hauptkette den flachen, fast ebenen Rücken des Naks'agar^ 
Passes gemächlich überstiegen hat, die südlichste Ingur- 
Quelle, welche den Namen Quirischa (auch Quirischi) be- 
sitzt. Südöstlich hingegen vom Lapuri-Gletscher tritt der 



') Anknüpfend an das im 8. Torjährigen Hefte unserer „Mittheünngen" 
SS. 281 — 283 den Lesem derselben yorgele^ allgememe Programm 
Badde's, nach welchem er die biologiBch-geographiflchen Untersnchungen 
im Kankasos an machen gedenkt, sind wir nun im Stande, den nns angegan- 
genen Torlinfigen Bericht des Reisenden zn pnbliciren. — Es galt die erste 
Beile bekann^eh dem Bion-System und seinen Nachbarflassen. A. P. 



aus der Hauptkette vorgeschobene, keineswegs höchste 
Quellberg des Bion, der von Alters her berühmte Pass-mta, 
mit seiner westlichen stumpfen Kegelspitze als Scheider 
zwischen dem Hippos und Phasis auf. Ihm schliesst sich 
unmittelbar gegen Osten der viel bedeutendere Edemis-mta, 
d. h. das Paradies -Gebirge, an, welchen die Grusinische 
Mythe nach dem Sündenfalle des Menschen im Paradiese 
auf den Willen des allmächtigen Schöpfers sich zur ewigen 
Schnee- und Eishöhe erheben lässt Dieser letztere ist es 
unstreitig, wenn man die östlicheren und südlicheren Bion- 
Quellen ganz ausser Acht lässt, welcher dem Hauptquell- 
arme des Flusses mit seinen beiden Gletschern das bestän- 
digste Eeservoir sichert. 

Zur eingehenderen Besichtigung dieser Punkte, von denen 
einige, z. B. die Höhen der beiden Tskenis-Tsqali-Quellen, 
wohl noch nie vom Fusse eines Europäers berührt wurden ^), 
bestieg ich am 10. (22.) Juni mein Boss. Ich hatte einen 
Bauern (Bergmingrelen) aus Letschchum, der in dem gros- 
sen Dorfe Lailaschi wohnhaft war, für die Zeit meiner 
Beisen sammt seinen vier Pferden gemiethet und ausserdem 
be&nd sich bei mir der mir zukommandirte Donische Kosak. 
Nur Ein Pferd konnte ich für den Transport der Effekten 
bestimmen, und wenn naturhistori sehe Sammlungen in grossem 
Maassstabe schon an und für sich bei jeder Hochgebirgs- 
reise schwer zusammenzubringen und noch schwerer fortzu- 
bringen sind, so musste ich mich diess Mal in der That 
nur auf das Allemöthigste beschränken. Im weiteren Ver- 
laufe dieses Berichtes werde ich der interessanteren Details 
meiner Sammlungen erwähnen. Mit einem guten Parrof- 
schen Barometer ausgerüstet, doch diess Mal noch ohne 
Gewehre, angethan mit den liebgewonnenen und seit drei 
Jahren ungenutzten Lederkleidem, welche die Tungusen am 
Baikal-See und die Biraren am mittleren Amur mir einst näh- 
ten, schlug ich denW^ in derBichtungNNO. im Bachgebiete 
des sogenannten „Bothen Flüsschens" (tsqalziteli) zu dem 
Nakerala-Gebirge ein. Seine südlich steil abstürzenden Kalk- 
steinfelsen sieht man schon sehr bald, wenn das berühmte 
Kloster vonGelathi und seine Höhen passirt wurden. Erst mit 
dem Höhersteigen zu dem Nakerala-Gebirge trat ich in 



*) Wir glauben diese Behauptung getrost in die Welt schicken au 
dtbrfen. Die Bewohner des Dorfes Jibiani, des äussersten im Freien 
Swanien, sowohl als die Yon Lasch -Xeti im Dadianischen Swanien 
erinnerten sich wenigstens nicht, dass Jemand die weiter unten näher 
besprochene Route, wie ich sie nahm, yerfolgt Ziat. Die topographi- 
schen Aufnahmen scheinen hier yon hohen Orientirungs- Punkten, wie 
man sie in der Hauptkette leicht findet, wenn auch schwer ersteigt, 
gemacht worden zu sein. 



16 



G. Badde's Seisen und Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



Wälder, die, wenn sie auch nicht dem Begriffe viel ge- 
rühmter „Mingrelischer Urwälder" entsprachen, so doch den 
Charakter stattlicher Hochbestände besassen. Es ist be- 
merkenswerth , dass im Allgemeinen dergleichen Urwälder, 
ja selbst Hochwälder im gesammten Mingrelien gegenwärtig 
durchaus nicht mehr häufig sind. Zwar giebt es weite 
Strecken sowohl auf den Hügelländern des unteren Min- 
greliens wie auch auf den Gebirgssteilungen des oberen 
Mingreliens, die mit Baum- und namentlich mit Strauch- 
wuchs stark bedeckt sind, jedoch findet man selten in 
diesen Beständen einen urwüchsigen Baum. Die herrlichen 
hochstämmigen Linden, Eschen und besonders Wallnuss- 
Bäume in Hingrelien sind angepflanzt und wurden im Ver- 
laufe wohl oft vieler Jahrhunderte geschont. Sie fanden 
ihren Platz meistens in der Nähe von Kirchen oder unweit 
alter, jetzt in Buinen verwandelter Burgen. Es sind meh- 
rere Gründe für die Verstümmelung der Wälder Mingre- 
liens anzuführen. Die meisten derselben liegen in der Be- 
handlungsweise , welche dem Walde überall, wo er leicht 
zugänglich oder gar in der unmittelbaren Nähe der Ansie- 
delungen gelegen, zu Theil wird. Der Ast- und Jungstamm- 
Bchlag, den die Bewohner treiben, um durch die Umzäu- 
nungen, welche daraus gefertigt werden, ihre Wein- und 
Hais-Flantagen gegen den Einbruch wilder und zahmer 
Bestien zu schützen, hat, namentlich da er wiederholt wird, 
wenn der Nachwuchs so weit gefördert ist, dass ein Ver- 
backen desselben möglich, die niedergedrückten Erüppel- 
gestalt^i der meisten Bäume bedingt Diospyros Lotus, 
die Esche, die Eller, zwei Büstem (Ulmus), die Eiche und 
Buche (Fagos) nehmen im bewohnten Mingrelien die Form 
der nordischen Kappweiden an und werden wie diese uur 
barmherzig behandelt An vielen Orten wird sogar die 
Feuerung in Ermangelung genügenden Stammholzes mit 
dergleichen Jimgtrieben bestritten. Auch kappt man in 
vielen Weingärten des unteren Mingreliens und in den 
Vorbergen des Kaukasus, so besonders in Letschchum, eben 
diese Bäume, um durch ihre Hauptstämme den Beben le- 
bendige Stützen zu geben und durch die Fortschaffang 
vieler Kronenäste der Sonne den Zugang zu den Trauben 
zu ermöglichen. Überdiess wird überall in Mingrelien und 
besonders in dem gebirgigeren Theile die Ziegenzucht stark 
betrieben und man weiss, dass die kletternde nagende Ziege 
keinen gesunden Strauch aufkommen lässt, es sei denn, 
dass sein Laub ihr nicht als Futter dienen kann, wie z. B. 
das der immergrünen Unterhölzer (Rhododendron, Laurus, 
Buxus, Ilex) und der Azaleen. In Hungeijahren nagt end- 
lich auch das übrige Hausvieh die jungen Zweige und trocke- 
nen Blätter der meisten Sträucher ab imd an vielen Orten 
sammelt man sogar schon im Sommer das Laub, besonders 
von den Haselnussgebüschen, ab, trocknet es und stapelt es 



hoch zwischen die Gabeläste einzelner Bäume, um ein 
Nothfiitter im Winter zu besitzen. Dazu kommen noch 
die absichtlichen Waldbrände, welche zur Gewinnung von 
Kulturboden im gesammten Mingrelien üblich sind. Es 
werden, da die Laubhölzer, so lange sie frisch sind, nicht 
gut brennen, an den passenden Orten alle Jungstämme und 
Sträucher dicht über dem Boden gekappt und die stärkeren 
Bäume ihrer Äste grösstentheils beraubt Diese Arbeit 
geschieht im Frühling und nach bestellter Einsaat Das 
gekappte Strauchwerk bleibt dann während des heissen 
Sommers zum Abtrocknen auf dem urbar zu machenden 
Felde und im August oder September zündet man dasselbe 
an. Die Wurzeltödtung bleibt bei diesem Feuer eine nur 
mangelhafte, zumal die der älteren Stämme, welche tiefer 
wurzeln und kraftvoller sind. Deshalb tauchen aus den 
jüngeren Mais-Plantagen überall verstümmelte Hochstämme 
auf, bis sie nach und nach in späteren Jahren theils alters- 
schwach absterben, theils ausgehauen werden. Naturbedin- 
gungen, welche die Bäume zu Krüppeln machen, da wo 
sie besonders vereinzelt oder wenigstens nicht dicht stehen, 
sind für beschränktere Lokalitäten ebenfalls da, und um das 
frappanteste Beispiel hierfür beizubringen, erinnere ich an 
die Eichen und Zitterpappeln der Colchischen Ebene. Man 
wird besonders an alten Stämmen dieser Bäume dort eine 
recht starke Depression der Zweigbildung gegen Osten be- 
merken und diese den in den Sommer-Monaten dort wü- 
thenden Ostwinden zuschreiben müssen. Es ist ein ge- 
fasstes Vorurtheil, wenn man die Colchischen Urwälder sich 
über ganz Mingrelien erstreckt denkt. Li dem von mir bis 
jetzt gesehenen Theile dieses üppigen Landes habe ich nur 
da schönen, unberührten Urwald gesehen, wo die mensch- 
liche Hand das vernichtende Beil noch nicht schwang. Die 
Engschlucht des Ligur bietet hier die grössten Beviere der 
wildesten Laub- und Nadelholzwälder. 

Auf der Höhe des Nakerala- Passes gab der gedrückte 
Habitus des Kirschlorbeers und Buxus abermals Veranlas- 
sung, die Ursache davon in den hier herrschenden Nordost- 
und Oststürmen zu suchen. In der That diese beiden Ge- 
wächse erinnerten an diesem Standorte durch die Art ihres 
Wachsthums und die zwar sehr dichte, aber in der Form 
und Grösse sehr beschränkte Entwickelung ilu*e8 Laubes 
gewissermaassen an die Kriechende Zirbelkiefer (Pinus 
Cembra pumila) der Sibirischen Hochgebirge. Im weiteren 
Verfolge unseres Weges wurde Nikorzminda nur flüchtig 
berührt. Die interessanten Einsenkungen im Jura-Kalke, 
die hier theils zu kleinen Wasserbassins gefiillt, theils als 
eisführende Grotten vorkommen, so wie die alte Kirche und 
der sich in den Kalkhöhlen verlierende Schauori- (auch 
Scha-uri-) Bach blieben für dicss Mal unbesucht. Es lag auf 
der Nikorzminda -Höhe der grösste Theil der malerischen 



6. Radde's Reisen und Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



17 



Badscha- Landschaft vor meinen Augen. Im Osten und 
Nordosten war sie umzogen von dem Gebiigsbogen der 
Bioa-Quellen uud im Norden erstreckten sich die au Höhe 
jener subordinirteu Yorberge. der Scheidekette zwischen den 
Zuflüssen des Tskenis-Tsqali und des Eion. Bei dem Herab- 
steigen zum Bion-Thale, d. h. zum Bugeuli'schen Theile 
der Radscha, konnte die Eulturgrenze der Rebe in ihrer 
Exposition gegen Norden auf Kalkboden bestimmt werden >). 
Wir eilten am 12. Juni, um bergab steigend gegen Norden 
das linke Rion-TJfer zu gewinnen und dieses verfolgend zum 
Orte Bugeuli zu gelangen. Es legen sich hier für die 
Femansicht g^^ Westen und Nordwesten die bedeutenden 
Höhen des As-chi- und des ihm gegen Norden benachbarten 
SakeiiarGebiiges als Grenzen um die Gebirgslandschaft Die 
bis dahin durchwanderten Gebiete der unteren Radscha von 
Nikorzminda an bilden in ihrem gesammten Yegetations- 
Charakter sowohl gegen die südlichen Abhänge des Nakerala- 
Oebiiges wie auch gegen die oberen Theile Letschchum's 
immerhin eine so augenfällige Differenz, dass sich dieselbe 
sehr bemerkbar macht. £8 scheinen trotz der reichUohen 
Bewässerung in geregelten Bachgerinnen , die in diesem 
Theile dem Rion zustürzen, doch die steilen Gehänge unter 
d^m Einflüsse der Dürre zu leiden. Dazu treten die £nt- 
blössungen des Kalkes und der Kreide oft zu Tage und nur 
harthölzige, langsam wachsende Gebüsche, unter denen vor- 
nehmlich Carpinus orientalis, Coxnus mascula, oft auch 
Paliurus aculeatus nebst Rhus Gotinus und zwei Crataegus- 
Arten zu nennen sind, geben dem unbenutzten Boden nur 
ein dürftiges Grün. Auch mangelt diesen Lokalitäten 
durchaus die herrliche Wiese mit vorwaltenden Trifolien, 
wie wir sie sowohl im SW. von Nikorzminda wie auch 
häufig in Letschchum sehen. Der Charakter der Tegetations- 
Bürfdgkeit in der Radscha erstreckt sich ostwärts bis zu 
dem Durchbmohe des Rion durch die äusserst enge Seijalio- 
Schlncht, d. h. bis zu seinem Austritt aus seinem oberen 
Engthale (welches nur wenige bedeutendere Erweiterungen 
bietet) in das Gebiet der unteren Radscha. In der Haupt- 
tichtung NW. fortwandemd gelangten wir am 13., nachdem 
der bedeutende As-chi als Grenzbach zwischen Letschchum 
und der Radscha überschritten war, zum grossen Dorfe 
Lailaschi. Es ist dieser Theil Letschchum's (den südlicher 
gelegenen sehe ich erst im nächsten Sommer) von der Natur 
reichlichst ausgestattet. An die Stelle des schweren oder 
etwas mergeligen, auch sandigen Lehms, den wir in der 
unteren Radscha die Ackerkrume bilden sehen, tritt hier 
die schönste Schwarzerde und die zahllosen Bächlein, welche 
dem Ladjianuri und Tskenis - Tsqali seitwärts zufallen, er- 



') Alle meine barometrischen Höllenmessungen, deren über 60 Tor- 
liegen, werden jetzt berechnet, jedoch kann ich die ermittelten Besol- 
tate diesem Yorläofigen Berichte noch nicht einverleiben. 
Petermann's Geogr. Mittheünngen. 1865, Heft I. 



möglichen für Kulturzwecke die geregeltsten Bewässerungen. 
Überdiess erfreut sich das obere Letschchum in Folge seiner 
höheren Lage, und schon nahe der im Norden thronenden 
Schneegebii^e gelegen, einer grösseren atmospärischen Feuch- 
tigkeit. Das bezeugt nicht nur das üppigste Griin der 
tiefer gelegenen Wiese und höheren Matte, sondern auch 
das Vorwalten der Feuchtigkeit liebenden EUer (Alnus 
glutinosa), die hier als häufigster Baum mit stets gekappter 
£rone in den Weingärten anzutreffen ist Es spricht sich 
femer auch im Hinblick auf die Kultur der Cerealien, na- 
mentlich des Eoggens, nur zu deutlich die Yorzüglichkeit 
der atmosphärischen und terrestrischen Verhältnisse des 
oberen Letschchum für diese Zwecke aus. Nordwärts hin 
sehen wir dieses Getreide in den tiefer gelegenen Gegenden 
beider Swanien vorzüglich gedeihen, und zwar bei Anwen- 
dung der Düngermethode, wie solche durch die Enge des 
kulturfahigen Bodens in jenen Hochthälem bedingt wird. 
Dagegen leiden die Getreideernten im Allgemeinen und die 
des Winterroggens noch insbesondere in den vorher erwähn- 
ten Gegenden der unteren Badscha durch einsetzende Dürre. 
Dafür bringe ich in der ausführlichen Arbeit die nöthigen 
Beweise bei. 

Am 15. Juni Nachmittags war Alles zur Weiterreise fertig. 
Wir Hessen uns zunächst an den Ostgehängen des reissenden 
und jetzt in Folge von Hochwassem stark angeschwollenen 
Ladjianuri herab, passirten diesen Gebirgsbach und zogen im 
Süden von der malerisch gelegenen Orbelli-Burg gegen NW., 
um bei Muri den Tskenis-Tsqali zu erreichen. Es wurde 
also die Wasserscheide zwischen diesem und dem Ladjia- 
nuri überschritten. Es war ein herrlicher, etwas schwüler 
Sommerabend, als wir die ehemalige Eesidenz der regie- 
renden Fürsten Mingreliens erreichten. Viel schöner als 
das im Türkisch -Griechischen Geschmack aus Holz auf- 
geführte und mit reichem Schnitzwerke namentlich in den 
Plafonds der Decken versehene B«sidenzhaus , dem man 
nicht das Prädikat eines Schlosses beilegen darf, ist die 
nahe stehende alte Linde, ein kolossaler, in allen seinen 
Theilen ausserordentlich regelmässig und üppig gewachsener 
Baum, der jetzt in voller Blüthe stand. Mächtige Luca- 
niden und Cerambyciden umschwirrten das morsche Dach des 
Dadian-Hausos, welches, nunmehr leer, nur von einem Min- 
grelen bewacht wird. Um die Linde schössen zahllose 
Fledermäuse und faluchten die Insekten, welche sich durch 
den Honigduft der Blüthen anziehen Hessen, und überall 
über dem nächtlich dunklen Boden schwammen die leuch- 
tenden Lampyris in kaum gebuchteten Linien. Das Brausen 
des unweit aus seiner kalkigen Engschlucht hervortretenden 
Tskenis-Tsqali liess sich in stiller Nacht weithin hören. — 
Es fiihrt zu weit, hier die Details von Muri eingehender 
zu besprechen. Schon am nächsten Tage, nachdem ich noch 

3 



18 



6. Radde's Reisen and Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



der künstlich in einen Teich durch die Dadians übergeführ- 
ten Alpenforelle (Salmo alpinus) habhaft geworden war und 
mich davon überzeugt hatte, dass Acer Julibrissin bis hierher 
bei angemessener Kultur gedeiht, konnte ich weiter reisen* 
Die Morgenstunden hatte ich zur Ersteigung der Höhen, 
auf denen die Mun-Burg steht, verwendet und sie bei dieser 
Gelegenheit sammt dem gegen Westen gelegenen Sakeria- 
Gebiige gezeichnet. 

In der Engschlucht des Tskenis-Tsqali zogen wir weiter, 
jetzt direkt gegen Norden. Man rechnet die Strecke von 
Muri bis Lentechi im Dadianischen Swanien zu 40 Werst. 
Dort tritt man dann in das aus Ost kommende Quellhoch- 
thal des reissenden Flusses, dem sich von West her das 
viel kürzere Cheledula-Thal bei Lentechi anschliesst. Mit 
dem Höhersteigen und dem gleichzeitigen Vordringen gegen 
Norden machen sich in der üppigen Flora der Tskenis- 
Tsqali -Engschlucht einige Veränderungen recht kenntlich. 
Die Eichen schwinden von den steilen Gehängen mehr und 
mehr und zwei Goniferen, von denen die eine die schöne Abies 
Nordmanniana ist, treteu nebst der Bothbuche (Fagus) und 
Rüster (2 Arten) bald häufiger auf. Die Linde und Esche 
finden sich ebenfalls hier, jedoch uic in grosser Zahl beisam- 
men. Eine bedeutende Ausbeute an schön blühenden und zum 
Theil seltenen Kräutern bieten namentlich die Kalksteilungen 
des unteren Theiles der Tskenis-Tsqali-Schlucht, auch sam- 
melte ich nirgends so viele Farne in Mingrelien als hier, 
wenn schon die beiden gewöhnlichsten Arten, die auch der 
Ebene angehören (Aspidium Filix mas und Pteris aquilina), 
hier in ihrer Häufigkeit merklich zurücktraten. Die halb 
faulen Buchenstämme boten eine ansehnliche Beute kleiner 
Xylophagen, und wenn auch die Anzahl der Arten, die im 
Moder und unter der Rinde so wie in Schwämmen hier 
gesammelt wurden, nach dem mir jetzt möglichen Überblick 
dieser Kollektion nicht sehr reich genannt werden darf, sq 
war die Menge der Insekten und die ihrer Larven oft staunen- 
erregend. Eben dieser Menge an passender Nahrung glaube 
ich die hier überall beobachtete Übersiedelung einer schönen 
kleinen Eidechse ^) zuschreiben zu müssen. In ganzen 
Familien traf ich sie unter der abgetrockneten Rinde alter 
Buchenwindfälle in einer Luft und auf einem Boden, der 
diesen schnellen, lebhaften Amphibien nicht zusagt. Oft 
perlten die aus dem erwärmten Moder des faulen Holzes 
formlich destillirten Wassertropfen an der inneren Rinden- 
fl.äche und ganze Strecken des noch festeren Holzes waren 
mit Schlick, Schimmel und Schwämmen bedeckt. Es modi- 
ficirt sich die Lebensweise vieler Thiere höchst wesentlich 
nach den obwaltenden, die Nahrung besonders betreffenden 



^) Ich kann jetzt keue nähere Bestünmnng geben, hoffe es aber 
schon bald ün ausführlichen Werke thun zu können. 



Yerhältnissen. Dieselbe Eidechsen -Art, die ich hier er- 
wähne, ist eigentlich ein Bewohner zerborstener Felswände 
und bevorzugt an diesen und an altem Gemäuer noch ins- 
besondere die Risse an der Südseite. 

Wir kehrten am 16. (28.) «Tuni Abends in dem Orte Zip- 
lakakija ') bei armen Swanen ein. Es schlug im nahen 
Rüfiterhochholz der Buchfink^), als die Sonne schon lange 
hinter dem Swanischen Hochgebirge gesunken war. Auffal- 
lend an diesem Orte waren die kröpfigen Bewohner desselben. 
Das obere Tskenis-Tsqali-Thal hat wohl nur selten einen 
Menschen ohne Kropf aufzuweisen. Obgleich diese Krankheit 
bei einigen Personen wohl nur in geringem Grade aus- 
gebildet war, so machte sie sich äusserlioh doch kenntlich 
und im Allgemeinen wucherten die Kröpfe weiter aufwärts 
in ausserordentlicher Entwickelung. Auch hier sind viele 
Individuen Cretinen. Man sollte denken, dass bei so augen- 
fälliger Ähnlichkeit, fast könnte man von Gleichheit in 
vieler Hinsicht sprechen, wie sie die beiden Längenthäler 
des oberen Ingur und Tskenis-Tsqali besitzen, die Kröpfigen 
und Cretinen bei den Freien Swanen eben so häufig sein 
müssten als bei den Dadianischen. Indessen lehrt die Beob- 
achtung Anderes. Es gicbt Kröpfige auch im Freien Swa- 
nien, jedoch sind sie an Zahl gering und auf einige (später 
zu erwähnende) Lokalitäten beschränkt. Auch scheint bei 
ihnen der Grad der Krankheit durchweg kein so bösartiger 
zu sein. Eben so verhält es Bich, wenn wir die Bewohner 
der oberen Radscha (Rion-Thal) beschauen. Es lassen sich 
die Ortschaften genau angeben, wo hier dem Manne von 
Fach das Material sich bietet. Die zahlreichen Ärzte von 
Kutais finden so nahe von ihrem Wohnorte in den Cretinen 
der drei genannten Hochthäler einen gewiss eben so inter- 
essanten als lohnenden Stoff zur wissenschaftlichen Bearbei- 
tung. So weit mir bekannt, ist Betreffendes darüber nicht 
publicirt. Will man in den Höhenunterschieden dieser Ge- 
biete den alleinigen Grund der grösseren Häufigkeit jener 
Krankheiten im Tskenis-Tsqali-Thale finden? Wasser, Luft, 
geognostische Formation dürften wohl, so lange wir im 
Quellgebiete der drei Flüsse bleiben, sehr ähnlich zusammen- 
gesetzt sein. 

Mit dem Eintritt in das Dadianische Swanien bei Len- 
techi bietet die Bauart der Swanen-Dörfer schon Eigenthüm- 



') Man kann kaum sagen „Dorf, einige wenige üütten stehen 
Mer, umgeben Ton Mais-Plantagen und kleinen Wiesengründen. 

^) Fringüla coelebs, im gesammten MingreÜen äusserst häufig, be- 
wohnt zur Sommerzeit gern die höheren Gebirgsgegenden und brütet 
an der Baumgrenze (Betula alba), ist zum grössten TheU Standvogel, 
zieht selbst aus dem mittleren Kura-Thale, welches nicht selten Ton 
harten Wintern heimgesucht wird, nicht ganz fort und ist einer der 
wenigen Yögel, welche selbst in den so schweigsam daliegenden immer- 
grünen Unterhölzern der Küstenregion oft vorkommen, so z. B. bei dem 
Austritt der Ingurenz - Schlucht zum unteren Mingrelien, oberhalb 
Dshwari, wo ich ganze FamiUen in den baumartigen Buxus-Beständen 
antraf. 



G. Radde's Reisen und Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



19 



liches. Die hohen, stumpfen, viereckigen Thünne zeigen 
sieh, hier freilich nur erst yereiozelt, da der Eigenwille 
der Bevohner, dem sie ihre Entstehung verdanken, so nahe 
der Dadian- Residenz (Muri) abgeschwächt wurde. Diese 
Thörme kann man nicht anden als Baubburgen nennen, 
de haben in der That früher überall und an den Quellen 
des Ingur auch jetzt noch einen kriegerischen, besser ge- 
sagt, räuberischen Zweck. Das daran förmlich geklebte Haus 
wild in Friedenszeiten von der Familie und den Heerden 
gemeinschaftlich bewohnt. Entzweiung einzelner Familien, 
Streit ganzer Gesellschaften, Hass und lechzendes Rache- 
gefuhl in Folge der üblichen Blutrache und die auszuübende 
oder zu erwartende Sühne derselben, kurz jede Fehde, die 
den bewaffiieten Swanen sehr bald zum offenen Kampfe 
oder öfter noch zum hinterlistigen Überfalle nach seinen 
Begriffen verpflichtet, — alles das macht die gewöhnliche 
Wohnung dem Swanen dann entbehrlich, weil unsicher. 
Man verl^ und verrammelt die untere Thüre, welche 
zum Eintreiben der Heerden diente, zieht die treppenartige 
Holzplatte von der oberen Thüre, durch welche die Bewoh- 
ner ein- und ausgingen, fort, begiebt sich in den mehr- 
etagigen Thurm, verproviantirt sich imd schieast, was feind- 
lieh ist, Mensch oder Thier, sobald es dem Gegner gehört, 
ans den Schiessscharten nieder. Gelingt ein nächtUcher 
Überfall des Feindes, noch ehe die nöthigen Maassregeln 
seines Gegners genommen wurden, so erobert er dessen 
Eigenthum, schiesst ein der Blutrache ver&Uenes Opfer 
nieder, wodurch auf ihn wiederum die Wucht der einstigen 
Söhne fiQlt, fuhrt den Baub nebet gemachten Sklaven und 
Sklavinnen fort und verbarrikadirt sich in seiner Burg. Der 
Angriff auf dieselbe wird nicht lange ausbleiben. — So war 
es! — Ganz verschwunden sind dergleichen Raube und 
Korde auch jetzt aus dem Freien Swanien nicht Wenige 
Jahre nur sind entschwunden, seit der Latal'sche Verein '} 
mit dem Lenjerischen in offenstem Kriege lag und keiner 
der Bewohner das Bevier seiner Gesellschaft ungestraft 
nbertreten durfte, wenn er bemerkt wurde. Selbst im 
Verlaufe dieser kurzen Mittheilungen werde ich Gelegen- 
heit finden, über die offenen, am ^hellen Tage verübten 
Morde und Bäubereien an den Quellen des Ingur Einiges zu 



>) Im oberen Swanien haben sich die Bewohner der nahe bei- 
sammen liegenden Dörfer zu einer Anzahl sogenannter „GeeeUflchaften'' 
(Obschtschestwo) rereinigt. Das geschah schon in früheren Zeiten, gewiss, 
um sich im gegenseitigen Kampfe Sohnts nnd Kraft widmen an können. 
Auch sammelte sich so das Befreundete nnd Verwandte zu einander, 
▼as namentlich der immer mehr um sich greifenden Blutrache doch ei- 
nigen Einhalt that. Im Laufe der Zeit brachen jedoch ganz gleiche 
llUilienigkeiten unter den Gliedern einer Gesellschaft aus, wie solche 
ganze Korporationen trennten. Daher das einzelne, oft dreifach befestigte 
Haus des Freien Swanen, der jeden Augenblick seinen Tod erwartet und 
Mlbst bei den Feldarbeiten die Waffe mit sich führt. Es könnte auch 
Tihrend der Arbeit, selbst bei dem friedlichen Dienste der Ceres, doch 
eine alte Blutschuld getügt werden. 



sagen. Ich kann die Swanen und zwar yomehmlich die- 
jenigen, welche den stolzen Namen der „freien Swanen" füh- 
ren, nicht anders als ein seit langer Zeit zusammengelaufenes 
Bäubervolk nennen, dem seit wenigen Jahren erst in den 
tiefst gelegenen Dörfern ihres Landes (Gesellschaft Pdri) 
der wohlthuende Zwang eines Gesetzes zu Theil wurde, 
ein Volk, das in einzelnen Theilen seines oberen Gebiets 
in tost freier Ausübung des Faustrechtes ezistirt, dem das 
Leben so gut wie gar keine Bedeutung hat und welchem 
die ihm jetzt nachweislich zum zweiten Mal gegebene 
christliche Religion (ich schliesse die heidnischen Dörfer 
aus) kaum noch den Ansatz zu künftiger Frucht davon 
trägt. Und doch hat dieses Volk einen alten, gewisser- 
maassen beneidenswerthen Ursprung, aber es hat keine 
Entwickelung, und was an guten Elementen in ihm gelebt 
haben mag, muss mit der Zeit wohl sehr verringert worden 
sein, denn die abgeschlossene Lage des oberen Swaniens 
diente den flüchtigen Verbrechern sowohl der Nordseite des' 
Kaukasus wie auch des unteren Mingreliens zum geschütz- 
ten Winkel. Ja es mögen Läuflinge und Verbrecher aus 
viel weiter entfernten Gegenden, nachdem sie sich glück- 
lich durch Mingrelien oder über die Nordabhänge des Kau- 
kasus geschlichen hatten, zu den Freien Swanen gedrungen 
sein. Es harrte solcher Eindringlinge hier nicht wie bei 
den Mingrelen oder den Bergvölkern an der Nordseite die 
Sklaverei. Die Freien Swanen waren einst alle persönlich 
frei und sind es zum grössten Theil auch jetzt noch. Die 
Sicherung der persönlichen Freiheit mag also hauptsächlich 
dazu beigetragen haben, dass gerade zum Freien Swanien 
Viele strebten. Es entstand so ein Volk, welches in dem 
Körperbau seiner Menschen sehr grosse Verschiedenheiten 
aufzuweisen hat und in dessen gemeinsamer Sprache sich 
die eingeführten Elemente nach und nach an den Grusini- 
schen Hauptstamm schlössen, ein Volk, welches zwar dem 
Namen nach „frei", doch in der That in Verhältnissen 
lebte, welche die traurigste Anarchie bezeugen. Den Ruhm 
der Tapferkeit hatte es schon im Alterthume , den Vorwurf 
verschlagenster Hinterlist hat es sich im Verlaufe der Jahr- 
hunderte dazu verdient Selbst den Abchasen Omar Mar- 
gani, den berüchtigten und gefürchteten Räuber und Mörder, 
verschlagen und listig wie kaum ein anderer, betrog ein 
freier junger Swane ') um sein Leben mit einer erstaun- 
lichen Kaltblütigkeit für den Preis von 50 Silber-Rubel. 

Wir kehren zu unserer Marschroute zurück. Das Thal 
des Tskenis-Tsqali gegen Osten verfolgend gelangte ich am 
19. Juni Abends zu den ersten Ansiedelungen des grossen 
Dorfes Laschketi, welches am weitesten gegen Osten, zu 'den 



') Ich habe die Ehre gehabt, den Mörder des Mördere persönlich 
kennen zn lernen, es ist ein fleissiger, höchst ehrgeiziger, sahmer Swane. 

S« 



20 



0. Radde's Beisen und Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



Quellen des Flusses hin sich verbreitet *). Es sind drei 
geringe, vornehmlich am rechten Ufer des Flusses gebildete 
Thalerweiterungen , welche die Ansiedelung von Menschen 
am oberen Tskenis-Tsqali bis zu seinem Eintritt in die süd* 
wärts gerichtete Engschluoht begünstigen. Die erste ist die 
von Lentechi, die zweite schliesst die zerstreut liegenden 
Borgen und Häuser von Tscholuli ^) nebst Ackerplätzen 
und Waldwiesen ein und die dritte, wohl geräumigste, nen- 
nen wir nach ihren zahlreichen Ansiedelungen die von 
Laschketi. Von ausgedehnten Flachländern ist hier aber 
nirgends die Bede, der Charakter eines Hochengthales 
schliesst dergleichen selbstverständlich aus. Selten bieten 
die TJferränder des Tskenis - Tsqali grössere Flächen mit 
derbem Gerolle, das bisweilen nur eine dünne Schicht firucht- 
barer Erde bedeckt, die dann gute Wiese ernährt Das 
meiste Ackerland wurde dem Walde abgetrotzt und Wald- 
roden und Waldsengen sind dem Swanen hier wie am 
Ingur eben so gut bekannt wie dem Berg-Mingrelen. Im 
Hinblick auf diese durch die Naturverhaltnisse gebotene 
Beschränktheit des ackerbaufähigen Bodens muss man die 
Klage sämmtlicher Swanen beurtheilen und wird sie be- 
gründet finden. Diese Klage lautet: „Wir haben zu wenig 
Land und können uns nur sehr dürftig ernähren; früher, 
zur Zeit unserer Väter, besass ein Jeder so viel, als jetzt 
unter zehn getheilt wird." Früher aber konnte auch nie 
die Bevölkerung in diesen Bäumen so anwachsen wie jetzt, 
denn der Streit um den Besitz gab damals die Veranlassung 
zum Morde und dieser ein Mal vollföhrt forderte Bache, 
die nun weiter und immer weiter vererbt wurde. So blieb 
in Folge der Blutrache das Verhältniss der Ackerbau trei- 
benden Population zum ackerbaufähigen Boden ein grösseres, 
als es jetzt ist. In einem weniger abgeschlossenen Hoch- 
thale der nächstliegenden Gegenden, am oberen Eion, wo 
die Bewohner an und für sich ein sanfteres Naturell be- 
sitzen, bildungsfähiger sind und häufiger in Berührung mit 
ihren Nachbarn der tiefer und entfernter gelegenen Gegen- 
den kommen, hat ganz derselbe Übelstand die natürlichste 
und befriedigendste Abhülfe seit Jahren erfahren. Die Be- 
wohner der oberen Eadscha sind nämlich eben so wenig 
wie die Swanen im Stande, alle den ganzen Winter sich 
von ihren oft dürftigen Ernten zu ernähren. Was thun 
sie? Sie wandern nach vollbrachter Ernte zum Theil aus, 
lassen Weib imd Kind, Greis und Krüppel in der Heimath 
und suchen gegen Lohn für die Zeit der Winter-Monate 
Beschäftigung in den Städten. Man miethet Berg-Mingrelen 



^) Wenn man die hoher stehenden, an den Abhängen der Gebirge 
in Wäldern gelegenen Dorfer, zu deren Fnase einzelne Quellarme de« 
Tskenis-Tsqali hinrauschen, nicht in Erwähnung bringt. 

') Ich hörte hier immer Tscholuli, nicht Tscholur, wie es die Kar- 
ten schreiben. 



aus der oberen Radscha nicht allein in Kutais, sondern auch 
in Tiflis. Gelegentlich sehen sich diese Leute die leichteren 
Handgri£fe einiger Gewerbe an, kaufen sich aus dem Erlöse 
ihrer Arbeit einige Instrumente und kehren mit dem ersten 
Frühling in ihre Heimath zurück. Dadurch wird nicht 
allein die Existenz der dort Überwinternden ermöglicht, son- 
dern der allgemeine Wohlstand und die Gesittung gefördert 
Viele der in Tiflis im Winter lebenden Berg-Mingrelen 
bringen 50 bis 60 Silber-Rubel zum Frühling in ihre Hütte. 
Von solchem zeitweisen Verlassen seines Wohnortes weisa 
der 8wane Nichts. 

Bis zum 27. Juni währte mein Aufentiialt in Laschketi. 
Der unangenehme, man muss sagen wilde Empfang, den ich 
am Westende dieses weithin zerstreuten Dorfes zu er- 
dulden hatte, war bald vergessen, nachdem ich mich seit 
dem 20. nahe der kleinen Kapelle, 6 Werst östlicher, am Süd- 
füsse des Dadiasch - Gebirges bei einer friedlichen Familie 
installirt hatte. Ein gefalliger Priester, ebenfalls Swane, 
bot seine Dienste an , mehrere Fürsten >) (vier Brüder) er- 
schienen theils nüchtern, theils trunken, man erführ aua 
ihren Mittheilungen nicht viel. Am zweekmässigsten war 
es, sich gar nicht mit diesen Leuten einzulassen, dagegen 
mit dem gefölligen Priester und dem Hausherrn sich mehr 
und mehr zu befreunden. Reichliche Geschenke machten 
diese Leute und einige Jäger bald willig. Am 23. Juni 
konnte eine grössere Tour zu den Höhen des Dadiasch- 
Gebirges gemacht werden. Dasselbe ist einer jener zahl- 
reichen seitlichen Absenker des Scheidegebirges, welches 
beide Swanien trennt. Von seinem Fusse aus und selbst 
vom tiefer gelegenen Bette des Tskenis-Tsqali übersieht man 
nur grüne Alpenmatte, die sich über die Baumgrenze er* 
hebt, und ahnt nicht, dass der gegen Norden ansteigende 
Hauptgrat die Schneelinie überragt Die Ersteigung des 
Dadiasch gab mir Gelegenheit, eine Anzahl barometrischer 
Beobachtungen über die Höhen zu machen, in denen ge- 
wisse Pflanzen (namentlich Bäume) ihre tiefste oder höchste 
Verbreitungslinie hier erreichen. Es wird möglich sein, sie 
in der Folge, da mir ähnliche Beobachtungen yon anderen 
Orten Swaniens yorliegen, in kompaiatiTer Weise zu yer- 
werthen. An der Baumgrenze, die hier überall (wie im 
grössten Theile des von mir gesehenen Mingrelischen Hoch- 
gebirges) durch Betula alba gebildet wird, wurde längere 
Zeit gerastet. So üppig ich hier die Kräuter-Flora, nament- 
lich in den Genera Geranium, Pedicularis, Polygonum, Beto- 
nica, Veronica u. s. w. fand, so wenig verschieden und 
überhaupt gering erschien mir die Anzahl der Schmctter- 



1) In Hingrelien begegnet man auf jedem Sehritt und Tritt einem 
Fürsten oder Edelmann. Viele dieser Leute sind, falls sie nicht gerade 
einen oder zwei Sporen an ihrer Fussbekleidung tragen, gar nicht yon 
Bauern oder Sklayen zu unterscheiden. 



6. Radde's Beisen und Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



21 



ÜDge. £b liegen Dorites, Hipparchien, Melitäen und Zy- 
ganen in einSgen Exemplaren vor , jedoch nur wenig. Wir 
überstiegen die Zone der unteren alpinen üppigen Matte 
später, sie ist für die Ökonomie aller HochgebirgsTölker 
die wichtigste. Hier sind die Semihütten auch der Swanen 
gelegen und der grösste Theil des Heu's wird hier för den 
Winterbedaif gemacht Znm Sommer siedeln hierher die 
grösseren Heerdenbestände über. 

Wir wendeten uns später von der zuerst besichtigten Süd* 
Seite zur Ostseite des Dadiasch, geriethen bald in den Rhodo- 
dendron-Gürtel ') , überstiegen denselben und gelangten so 
zur oberen alpinen Flora. Ich habe dieselbe überall im 
8wanischen Hodigebii^ nicht sehr reich an Arten geflmden. 
Was besonders anffiUlt, ist die geringe Zahl von Ranunculus- 
tmd Draba« Arten. Auch boten sich mir an den verschie- 
denen Lokalitäten des Swanischen Hochgebirges, z. £. auf 
dem Tschitcharo in SSO. vom Dadiasch, mit seiner Exposi- 
tion gegen l^orden so wie in dem granitischen Hochgebirge 
im Norden von Fdri fast ganz gleiche Arten, dagegen scheint 
im weiteren östlichen und südöstlichen Verlaufe der Haupt- 
kette die hochalpine Flora einige Modifikation zu erfahren. 
Dafür spricht die Ausbeute, welche ich von den Quellen 
des Bion derjenigen aus den Swanischen Alpen zur Seite 
legen kann. 

Die ersten Schneeschrammen waren überschritten, die 
Thonschiefertrümmer lagen in einzelnen förmlichen Vor- 
gebirgen vor uns. Der Bereich der Alpenkrähe (Graculus) 
war eben erstiegen und Berglerohe sammt Accentor beob- 
achtet, als auch mehrere Familien der grossen Kaukasischen 
Felsenhühoer aufgescheucht wurden. Megaloperdix cauca- 
sica brütet hier, lässt sich jedoch nie wie das Birkhuhn^) 
in der Banmregion antreffen. Vom Tschitcharo brachte ich 
einen jungen Vogel im Flaumkleide mit, hier konnte ich 
während einiger Stunden Beobachtungen über die wenig 
gekannte Lebensweise dieser Vögel machen; sie werden 
dem grösseren Werke einyerleibt werden. Mit dem Höher- 
steigen dehnte sich bald ein volles Hochgebirgs-Fanorama 
Tor unseren Blicken aus, namentlich gegen Westen und NW. 
nimmt dieses den grossartigsten Charakter an. Man schaut 
in letzter Eichtung über die Abgründe und Höhenlinien des 
nahen Gorwasdi-Gebirges, das noch dem Dadianischen Swa- 
nien zugehört, zur tiefen Sattelbucht des malerischen Be- 
fiotschmta im oberen Swanien und hinter diesem erhebt sich 



') Die alpine Bhododendron-Art ist hier überall Bhod. cancasicum 
Pall. — Rh. ponticum L. kommt in den tiefer liegenden Gegenden tot, 
diese Pflanze sah ich z. B. yon Norden her die Kakerala-Höhen nicht 
melir erreichen. 

') Tetrao tetrix im Mingrelischen Hochgebirge, so weit ich solches 
bereiste, überall an der Baumgrenze Brutrogel, im Sommer schwer 
anzutreffen, im Winter die Südsteüungen und Sonnenseiten der Gebirge 
gesellschafUich bewohnend. 



in weiter Feme der stumpfe Schneekegel des Elbrus. Der 
Entwurf einer Zeichnung dieser kahlen Hochgebirgsgegend 
hielt mich bis gegen 5 Uhr auf, mit sinkender Sonne traten 
wir den Eückweg an. Die grösseren Schieferblöcke, welche 
in kurze Moose gebettet waren, mussten fleissig gekehrt 
werden. Eine gute Anzahl alpiner Carabicidcn, darunter 
besonders Nebria- und Carabus-Arten, sammt einigen Asseln 
und lulus-Spedes lohnten zwar die Mühe , allein auch hier 
fand ich nicht viele Arten, jedoch viele Exemplare derselben 
Arten. Erst spät in der !^acht erreichte ich Laschketi. 

Am 25. Juni wurde eine ähnliche Exkursion zur Nord- 
seite des Tschitcharo nntemommen. Auch bei dieser be- 
rührte ich die tiefer gelegenen Schneefelder, an ihren Bän- 
dern fand jetzt die Schneeschmelze stark Statt und dem 
eben aufgedeckten Boden entsprossen ein breitblättriger 
Galanthus, Fritillaria nebst den Wurzelblättem von Pri- 
mula- und Viola- Arten. Es waren das Vorbereitungen zu 
einer grösseren Heise in den östlicheren Theil dieser Alpen. 
Deijenige Fass, welcher gewöhnlich überschritten wird, um 
aus dem Dadianischen Swanien in das Freie Swanien zu 
gelangen, liegt im Westen von Laschketi und heisst Lapuri. 
Diesen wollte ich nicht übersteigen und zog es vor, die 
Quellen des Tskenis - Tsqali bis zu ihren Gletschern zu 
verfolgen und so in ihrer Nähe auf Geratliewohl zur 
Quirischa zu gelangen. Am 27. früh trat ich diese Keise 
an, der Friester aus Laschketi und zwei Jäger begleiteten 
uns. Wir begaben uns zunächst wieder zur Nordseite des 
hohen Tschitcharo, umgingen dieselbe in der alpinen Ehodo- 
dendron - Begion und der unteren Schneeschranmien und 
gewaimen gegen Osten den Überblick* zum Tomiari-Gebirge. 
Zwischen diesen beiden Höhenpunkten des Scheidegebirges 
vom Dadianischen Swanien mit der Radscha liegt der Görgi- 
Pass. Er wurde gegen Abend am 27. erreicht. Bedeutend 
höher als die Baumgrenze gelegen bietet er an seinem Nord- 
abhange entweder Schieferentblössungen und meistens schmale 
Schneefelder, die zur Thaltiefe abfaUen, oder auch zu- 
sanunenhängende Rhododendron-Bestände, denen sich tiefer, 
noch vor den äussersten Birkenkniehölzem, Sorbus-G^büsche 
zugesellen. Ein volles Bild eröffnet sich vom flachen Kücken 
des Görgi- Fasses gegen Süd, Südost und Ost zum Rion- 
Thale , bei klarem Hinunel sieht man sogar die Ossetischen 
Gebirge. Ein Erdsturz verleidete unsere Absicht, in dieser 
Höhe auch das schie&ige Tomiari-Gebirge zu umgehen. Wir 
rutschten daher, als bereits die Dämmerung einsetzte, vom 
Görgi-Fass über die Schneefelder zur Baumgrenze und über- 
nachteten dort. Am 28. musste zunächst das Tskenis- 
Tsqali-Thal erstrebt werden. Auf Schieferschurf, der an 
den Steilungen der abschüssigen Höhen hier selten dem 
auftretenden Fusse Festigkeit bietet, mühten wir uns, einem 
kleinen Bächlein folgend, bis gegen Mittag ab, dann traten 



22 



Gustav Mann's botanische Forschongen an der Westidiate von Afrika. 



wir auf ebeneres Gebiet , es waren die Linken Uferhöhen 
der einen Tskenis-Tsqali-Quelle, die überall stattlichen Hoch- 
wald tragen. In diesem Hochwalde, den selten ein Mensch 
betritt, ging es gegen Osten ohne Weg fort, die Fährte 
der Bären war erwünscht Wo zwischen herrlichen Roth- 
buchen und Ahomen der Sonne freie Macht gestattet war 
und die im Winter hier ungemein hohe Schneedecke spät 
schwand, da gab es ein riesiges Dickicht von Umbelliferen, 
Gramineen, Campanula- und Aconitum - Arten. Ohne den 
Gebrauch des Einshai war es nicht möglich fortzukommen. 
Im schattigen Hochwalde traten hohe Farne in weiten 
Feldern zwischen den Biesenstämmen auf. Es wurde dieser 
Weg zwar nicht durch die Stellungen des Hochgebirges 
erschwert, jedoch machte ihn die Macht der Vegetation sehr 
schwierig. Überdiess war die links von uns (also gegen 
Norden gelegene) hinstürzende Tskenis-Tsqali-Quelle, welche 
weiter abwärts sich mit der zweiten, nördlicheren, an dem 
Platze, den man Gedu nennt, vereinigt, so reissend und 
mächtig, dass an ein Durchschreiten mit den Pferden hier 
nirgends gedacht werden konnte. Erst nahe der Quelle ist 
das möglich. Sie entstürzt als mächtiger Gletscherstrom 
dem Lapuri-Gebirge ^), dessen kolossale Firn- und Gletscher- 

*) In Swanien hörte ich stets Lapuli, die Bewohner der oberen 
Radscha berichtigten diess au Lapnri. 



massen man erst gewahr wird, seitdem die Richtung der 
Quelle geraume Zeit im Gebiete der Weissbirke aufwärts 
verfolgt wurde. Unzählige Mal überschritten wir hier die 
2 bis 3 Faden breite Fürth des reissenden Bergflusses, bald 
auf die Yortheile seiner flachen Geröllufer rechnend, bald 
auch die sanfteren Gehänge ersteigend, um sie nach aber- 
mals angetroffenen Hindernissen wieder zu verlassen. Es war 
Abend, als wir Halt machten. Wir beüemden uns zwischen 
Birkengruppen in der Biesen -Vegetation der späten Schnee- 
schmelze >)• Anhaltende Begengüsse währten die ganze Nacht 
und auch am 29. musste uns der dürftige Schutz einiger 
Birken gegen sie genügen. Nebel hüllten die nahen Ge* 
birge mn, sie lösten sich erst am 30. gegen 9 Uhr früh. 
Es war der geeignete Zeitpunkt, jetzt eine Skizze des Lapuri 
zu entwerfen. Nachdem diess geschehen, brachen wir auf. 

(Sohlais folgt.) 

') Ich habe diese Vegetation im Hochgebirge eben nur da gefun- 
den, wo hohe SehneeUgen anf gutem schwanen Boden sich lange er- 
halten. Die surückgehaltenen Pflanaenkeime eri^euen sich nach der 
endlich Ende Mai erfolgenden Biossdeckung der beiden Hauptbedingungen 
fiir ihre rasche Entwickelnng, nimUoh des Überflusses an Feuchtigkeit 
und der sommerlichen Warme. Die spite, lokal bedingte Schnee- 
schmelze scheint der Hauptgrund für das überaus Üppige Wuchern 
dieser Flora lu sein. Bine Abbildung dieses alpinen Floren-Typus folgt 
im ausführlichen Werke, sie stellt den Plati, an welchem wir am 
88. Juni blieben, dar und giebt zugleich die ganze Westseite des La- 
puri-Qletschers. 



^*i^^^^S^S^»>i^^^^S^*,^*t^^^*^^^i^^i^i^ 



Gustav Mann's botanische Forschungen an der Westküste von Afrika. 

Nach Dr. J. D. Hooker >). 



Die letzten Jahre sind fruchthar an Beiträgen zu unserer 
Kenntniss der Flora des am wenigsten bekannten und beim 
jetzigen Stand der Wissenschaft interessantesten Theils der 
Erde, nämlich des Inneren und der Gebirge des tropischen 
Afrika, gewesen. Die Sammlungen von Welwitsch in Loanda, 
von Kirk und Meiler während der Liyingstone'sohen Expe- 
dition, Ton Vogel im Sudan, von Petherick im Gebiet des 
Weissen Nil und in Nubien, von Baikie und Barter im 
Niger-Thal, von Speke und Grant auf ihrer schwierigen 
Reise durch das östliche tropische Afrika, endlich von 
Gustav Mann an den Küsten, auf den Inseln und Bergen 
der Bucht von Benin sind sämmtlich von grossem Umfang, 
sehr interessant und reich an Neuigkeiten. 

'Dr. Welwitsch reiste im Jahre 1863 nach England, um 
im Auftrag des Königs von Portugal seine Sammlungen 



^) On the plante of the temperate regions of the Gameroons Moun- 
tains and Islands in the Bight of Benin, coUected by Kr. Gnstar Mann. 
(Journal of the Proceedings of the lännean Society, Botany, Vol. Vn, 
pp. 171—240.) 



daselbst zur Publikation vorzubereiten; auch Gustav Mann 
befindet sich wieder in England, alle von ihm gesammelten 
Pflanzen sind in Kew aufbewahrt und es ist zu '^ünschen, 
dass die Mittel zu einer vollständigen Bearbeitung derselben 
bewilligt werden. Der interessanteste Theil seiner Samm- 
lung ist der von den gemässigten Gebirgsregionen an der 
äquatorialen Westküste, aber seine Bemühungen sind über- 
haupt von weit grösserem Erfolg gekrönt gewesen als die ir- 
gend eines früheren botanischen Forschers an der Afrikani- 
schen Westküste, Dr. Welwitsch allein ausgenommen. Es 
ist hier nicht der Ort, auf die vielen Schwierigkeiten und 
Gefahren, die Entbehrungen und fast todbringenden Fieber- 
anfälle näher einzugehen, denen Mann gleich allen anderen 
Forschem an den Küsten der Buchten von Benin und 
Biafra ausgesetzt war; durch Klugheit, Massigkeit und Energie 
hat er Alles glücklich überstanden und ist nach mehr als 
dreijährigen ununterbrochenen Eeisen in den gefahrlichsten 
Klimaten der Welt gesund zurückgekehrt, beladen mit den 
schönsten Sammlungen, die jemals in diesen Gegenden ge- 



Onstav Mann's botanische Forschungen an der Westküste von Afrika. 



23 



macht worden sind, sowohl was den ümfSuig als das 
wissenschaftliehe Interesse und die ausgeseichDete Erhaltung 
anlangt. 

Vor Betrachtung der gesammelten Gebirgspflanzen wird 
es angemessen sein» die Lokalitäten und ihre Höhe aufzu- 
führen und die Zeit der verschiedenen Expeditionen, auf 
denen sie gesammelt wurden, anzugeben. 

CUrmee Peak auf Fernando Fö. Höhe 9469 Engl. Fuss. 
Der erste BesteigungsTersuch geschah an der Ostseite am 
21. Februar 1860, doch erreichte Mann damals nur die 
Höhe Yon 2000 Fuss und wurde von den Eingebomen 
zurückgetrieben. Die zweite Besteigung an der Nordseite 
begann er am 22. März, erreichte am 3. April den Gipfel 
und ging am IS. April wieder herab. Am 7. Noyember 
Tersuchte er eine dritte Besteigung, seine Diener yerliessen 
ihn aber und er kam am 23. Noyember zurück '). Bei dem 
vierten, am 1. Dezember begonnenen Versuch erreichte er 
am 5. den Gipfel zum zweiten Mal und stieg am 21. 
herunter. Am 19. März 1862 brach er zum fünften Mal 
anf, erklomm den Gipfel zum dritten Mal und kehrte am 25. 
zurück, nachdem er die Tiefe des grossen Kraters auf dem 
Gipfel (515 Engl. Fuss) gemessen hatte. Auch bei der 
sechsten und siebenten Besteigung erreichte er den Gipfel, 
und zwar am 16. April 1862 und am 8. März 1863. 

Die Imel St, Thomoi waräe am 5. August 1861 besucht. 
Am 13. begann die Besteigung des Pik, dessen Gipfel 
(7500 F. nach den Admiralitäts-Karten) am 22. erreicht und 
am 26. wieder verlassen wurde. Der höchste Theil der 
Insel besteht aus einem sehr schmalen Bücken imd ist von 
der Ostseite, auf welcher Mann die Ersteigung vornahm, 
sehr schwer zugänglich. Eine Species von Podocarpus war 
die merkwürdigste Entdeckung, denn da schon vor langer 
Zeit Robert Brown die Abwesenheit von Goniferen im west- 
lichen tropischen Afrika bemerkte, so war dieser Fund von 
ganz besonderem Interesse. Die Species ist sehr nahe ver- 
wandt mit einer des Kap-Landes und einer Abessinischen. 
Hier wurde auch die prachtvolle Musa sapientum var. vit- 
tata, nach Mann am Gabun einheimisch, in kultivirtem 
Zustand entdeckt. 

Die Printen-Insel wurde am 22. September 1861 be- 
sucht und am 26. Oktober verlassen. 

Das Camenme-Qebirge, Diese edle Gruppe erreicht eine 
Höhe von 13.100 F. und besteht aus vielen Piks vulkani- 
schen Ursprungs, welche eine unregelmässige kurze Küsten- 
kette krönen. Die physischen Eigenthümlichkcitcn dieser 
Gruppe sind zum Theil von Gapt. Burton beschrieben wor- 
den, welcher Herrn Mann auf seinem zweiten Besuch der- 



S. 151. 



') Siehe über die drei ersten Besteigungen „Geogr. Mitth." 1862, 



selben begleitete 0- Herr Mann giebt über seine verschie- 
denen Besteigungen des Gebirges folgenden kurzen Bericht: 

„Da ich beauftragt war. Alles aufzubieten, um die 
Cameruns-Berge zu erforschen, landete idi am 7. Januar 1861 
in der Ambas-Bai (9 Monate, bevor Konsul Burton an die 
Küste von Afrika kam) zum Zweck der Bekognosdrung, 
denn ich hoffte zwar, es würde eine Ersteigung möglich 
sein, aber hauptsächlich hatte ich die Absicht, Yorbereitungen 
für eine solche in der folgenden Saison zu treffen. Am 
10. Februar ging ich bis zu den höchst gelegenen Dörfern, 
Makunda und Bando, hinauf (etwa 2500 F.), musste aber 
umkehren, da ich vor dem Eintritt der Begenzeit nach dem 
Bagroo-Fluss beordert war, über dei^sen Nutzhölzer ich an 
die Admiralität berichten sollte. Am 13. Dezember 1861 
verliess ich Yictoria, die Baptisten-Missions-Station in der 
Ambas-Bai, und gelangte bis Bassumba (1119 F.), am 15. 
kam ich bis Mapanya (2748 F.), am 17. kampirte ich bei 
einer Quelle am Fuss der Piks, oberhalb des Waldes 
(7376 F.), und am 18. erstieg ich den Gipfel eines der 
höchsten Piks (Mount Helen, 9290 F.) und kehrte nach 
Mapanja zurück. Hier traf ich am folgenden Tag mit 
Mr. Saker, Signor Calvo und Konsul Burton zusammen, 
welche mir auf das Gebirge gefolgt waren und sich nun 
meiner Expedition zugesellten. Am 24. Dezember besuchte 
ich abermals den Mount Helen. Am 3. Januar 1862 er- 
reichte ich den höchsten Gipfel der Cameruns-Berge, den 
13.100 F. hohen Mount Albert, den nie zuvor ein Europäer 
besucht hatte; beim Herunteigehen wurde ich aber krank 
und musste nach Victoria hinab getragen werden. Am 
24. Januar brach ich wiederum von Yictoria nach dem 
Gebirge auf und erstieg den Gipfel von Mount Yictoria 
(12.861 F.) am 29. so wie diejenigen des Mount Albert 
(zum zweiten Mal) und des Mount Hooker. Konsul Burton 
ging am 31. Januar hinab, ich blieb dagegen und setzte 
meine Forschungen bis zum 18. Februar fort. Eine dritte 
Expedition auf das Gebirge unternahm ich von Yictoria aus 
am 8. November 1 862, besuchte zwei Mal den Kulminations- 
Punkt und kehrte am 15. Dezember nach Yictoria zurück. 
Bei dieser Gelegenheit untersuchte ich das „Brennende Feld", 
welches Konsul Burton in seinem vom Foreign Office ge> 
druckten Bericht beschreibt, und fand, dass die Erscheinung 
von Bauch veranlasst wird, der 12.967 F. über dem Meere 
aus dem Boden aufsteigt. Am 30. Dezember erstieg ich 
den Mount Etindet (5309 F.)." 

Nach Herrn Mann's Beschreibung haben die Cameruns- 
Berge bis 7000 F. Höhe eine dichte Waldbekleidung, dann 
folgen offene Grasfelder mit Büschen von Hypericum, Pitto- 



») Siehe „Geogr. Mitth." 1863, S. 179 tf., und Burton's „Abbeo- 
kuta and the Cameroons Mountains" (London 1863). 



24 



Gustav Mann's botanische Forschungen an der Westküste von Afrika. 



sporum, Adonocarpus, Pygeum, Leucothoe, £rioinella, My- 
rica und mit verschiedenen Krautpflanzen. Die vielen über 
diese Höhe hinausragenden Piks sind entweder steinig und 
kahl, da- sie alle aus Lava - Schlacken oder Basalt bestehen, 
oder sie sind stellenweis mit Orasbüscheln und wenigen ande- 
ren Krautpflan2en besetzt Die interessantesten Pflanzen von 
den höchsten Gipfeln sind Ümbilicus pendulinus, Silene, Tri- 
folium, Galium Aparine uod G. rotundifolium, Scabiosa 
succisa, Helichrysa, Veronicae, Bartsia, Stachys, Triohonema 
Bulbocodium, Deschampsia caespitosa, Poa nemoralis, Eoe- 
leria cristata und verschiedene andere Europäische und selbst 
Britische Pflanzen. 

Sierra del Crystal, Diess scheint eine niedrige Hügel- 
kette zu sein, die sich nirgends über 2000 F. erhebt, deren 
Wichtigkeit und Höhe daher, wie Mann angiebt, von 
Du Chaillu bedeutend überschätzt worden ist Am 7. Juni 
1862 kam Mann nach dem Gabun-Fluss und am 12. in 
die Corisco-Bai (Hobi-Insel) ; am 4. Juli ging er von hier 
nach den Bergen des Festlandes und am 13. erreichte er 
den Gipfel des Mount Maveya (1668 F.), den man irrthüm- 
lich für 5000 F. hoch und für den Kulminations-Puukt der 
Kette hielt Der wahre Kulminations - Punkt ist Mount 
Shomba (1767 F.). Nachdem er die Sierra überschritten, 
gelangte er am 28. zu dem Dorfe Mangetsi, das ungefähr 
80 Engl. Meilen in gerader Linie von der Küste entfernt ist 

Während dieser und anderer Reisen an der Küste sam- 
melte Herr Mann ungefähr 3000 Phanerogamen-Species, 
davon 237 in Höhen über 5000 F. Fast die Hälfte dieser 
letzteren Zahl, nämlich 112, sind neue Arten und von die- 
sen wurde mehr als die Hälfte^ auf dem Cameruns-Gebirge 
gefunden. Schliesst man die wenigen der Prinzen-Insel 
und St Thomas eigenthümlichen Arten aus, so bleiben für 
das Cameruns-Gebirge 203, für den Pik von Fernando Po 
102 Species, welche höher als 5000 F. über dem Meere 
gesammelt wurden; 68 davon sind beiden Bergen gemein. 
Die Monocotyledonen stehen in günstigerem Yerhältniss zu 
den Dicotyledonen auf dem Cameruns (l : 2,3) als auf dem 
Pik von Fernando Po (1:3,2). Die Höhe von 5000 F. 
kann deshalb als untere Grenze der gemässigten Flora gel- 
ten, weil sowohl auf Fernando Po als auf dem Cameruns- 
Gebirge die gemässigten Formen in dieser Höhe weit über- 
wiegen. Auf diesen wie auf allen anderen Bergen der 
Tropen jedoch steigen einerseits tropische Genera und Species 
bis zu dieser und zu noch viel bedeutenderer Hohe liiuauf, 
während andererseits einige Formen der gemässigten Kli- 
mate viel tiefer herabsteigen, als man nach den ihnen zu- 
sagenden Temperaturen erwarten sollte. Diess hat seinen 
Grund zum Theil in den sehr mannigfaltigen Bedingungen 
der Lage, Feuchtigkeit und Temperatur, die man in einer 
von Schluchten und Höhenrücken durchzogenen Gebirgs- 



region in gleicher Höhe findet, und noch mehr in der gleich- 
massigen jährlichen Temperatur, welche sowohl das Hinauf- 
steigen der tropischen als das Herabsteigen der gemässigten 
Formen begünstigt. So haben wir: 

1. Pflanzen rein tropischer Formen, welche bis oder 

über 5000 F. hinaufgehen, deren normale Grenze aber tiefer 

hegt. Die merkwürdigsten Fälle sind: 

Stephan!« . . bis 7000 F., Oyiiiira 

DTfiiaria . . „ 7000 „ Cephalostigma . 

Clausena . . „ 7500 „ Anthocleista 

Bmcea . . „ 7500 „ Alectra . 

Gomphia . . „ 5000 „ Sopnbia . 

Schmidelia . . „ 7500 „ Coleus . 

Desmodimn . . „ 7006 „ Leaoas 

Shttteria . . . „ 7000 „ j Achyranthea 

Dalbergia . . „ 5000 „ I Cyathula . 

Kalanchoe . „ 7000 „ i PhyUanthus 

Mukia . . . „ 7000 „ i ürera . 

Loranthus . . „ 8000 „ | Peperomia 

Ixora . . „ 6000 „ i BolbophyUun 

Mikama . . „ 7000 „ ' Angraecum 

Microglossa . „ 7000 „ Polystachya 

Dichrocephala . . „ 10700 „ ! Galanthe 

Blumea . . „ 8000 „ Comxnelyna 

Es sind hierbei alle einjährigen ausgeschlossen, deren 
grössere Verbreitung nach oben so oft von lokalen, nicht 
jährlich wiederkehrenden Umständen abhängt, femer alle 
Panicoid- und Andropogonoid - Gräser so wie viele Genera, 
welche fast eben sowohl gemässigte als tropische genannt 
werden können, wie Pittosporum, Impatiens, Dex, Vemonia, 
Celsia u. s. w. 

Von allen in Höhen über 5000 F. gesammelten Pflanzen 

sind : 

Wahre gemaasigte Formen . . 80 Genera, 112 Species, 
gemässigte und tropische oder Übergangs- 
Formen 36 „ 60 ,, 

wahre tropische Formen .46 „ 65 „ 

2. Die gemässigten Formen, welche imter 5000 Fuss 
herabsteigen, bilden eine verhältnissmässig geringe ZahL 
Die hauptsächlichsten sind: 

I Adenostemma 

I Senecio . 
! Leucothoe 
I Ericinella 





bU 


8800 F., 




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7000,, 




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7000 „ 




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7000,, 




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7000 „ 




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7000,, 




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8000,, 




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7000 „ 




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10000 „ 




>9 


7000,, 




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5000 „ 




19 


8000 „ 




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6000 „ 




• » 


6000 „ 




» 


6000 „ 




»1 


6000 „ 
7000,, 



dematis . 
Hypericum 
Bubus 
Sanicula . 
Anthriscus 



bis 4000 F., 
„ 4000 „ 
„ 4000 „ 
„ 4000 „ 
.. 4000 „ 



bis 2000 F., 

„ 2500 „ 

„ 4000 „ 

„ 4000 „ 



3. Die folgenden Pflanzen sind dem Himalaja und den 
Bergen au der £iafra-£ai gemeinsam: 
Gardamine hirsuta 

„ Africana 
Gerastium ynlgatom 



7—10000 F., 
7500 „ 
8000 „ 
7000 „ 

7— 8500 „ 
8000 „ 

4— 7500 „ 

7—10000 „ 



Brynaria cordata 
Oxalis corniculata 
Tillaea pentandra 
Sanicula Europaea 
Qalium Aparine 

„ rotundifolium 7—12000 
Scabiosa succisa 10500 

Adenostemma yi- 

Bcosum 2—10000 

Mikania chenopodii- 

foHa 4— 7000 

Dichrocephala latifolia 7000 



Dichrocephala chry- 

santhemifolia 7000 F., 

Blumea alata 7 — ^8000 „ 

Cephalostigma Perro- 

tetü 7000 „ 

Maesa Indica 5— 7000 „ 

CynoglosBum micran- 

thum 7— 8000 „ 

Myosotis stricta 8 — 10000 „ 

Limosella aquatica 9 — 10000 „ 
Sibthorpia Europaea 7 — 7600 „ 
Solanum nigrum 7 — 11000 „ 

„ Indicum 6 — 7000 „ 
Utricularia orbiculata 5000 ,, 
Bumex obtusifolius 7000 „ 



Gostav Mann's botanische Forschangen an der Westküste von Afrika. 



2& 



AchjTanthes argentea 7000 „ | tosa 

Parietaria Maurita- Aira caryophyllea 

7— 8000 yy Poa namoralia 

* 7500 „ Koeleria cristata 

8 — 10000 ,, Yulpia bromoides 

8 — 10500 „ Braohypodiiim sylva- 
7000 „ tiomn 

Andropogon dUtachyiu 

In diesem Yerzeichniss sind 22 Ton den 39 
Europäiache und grösstentheils Britische Pflanzen. 

4. Genera und Species, die höher als 9000 F. über dem 
Meere gefunden wurden: 



LoranthuB Wtghtü 
Lnaiüa campestria 
laolepia eapillaris 
Hieroehloa setacea 



9— 12000 F., 
7— 8000 „ 
7—10000 „ 
8—12000 „ 
7—10000 „ 

7000 „ 
7000 „ 

Species 



Tbalictrum rhjnchocarpimi. 
Cardamme Mrsiita. 
Süene Biafrae noY. sp. 
Arenaria Afirieana n. sp. 
Sagina Abjasinica. 
Hjperieiun anguatifoliiim. 
Adenocarpiu Mannii n. tp. 
Trifolium sabrotundum. 
Kubus apetalus. 
Umbilicus pendulinus. 
Crassula Mannii n. sp. 
PimpineUa oreophila n. sp. 
Peucedanum Petitianum. 
Tignaldia occidentalis n. sp. 
Anthospermom asperuloides n. sp. 
Galinm Aparine. 

„ rotundifolium. 
Scabiosa succisa. 
Dichrocephala oblonga. 
Helichrysum Mannii n. sp. 

„ foetidom. 

„ cbrysocoma. 

„ globosum. 

Senecio Barterii. 

„ Clarenceana n. sp. 
Anisorbamphus hypocbaeroides P 
Wahlenbergia arguta. 
Lobelia acutidens n. sp. 
Leueotboe angustifolia ß, 
Blaeria spieata. 
EricineUa Mannii n. sp. 



' Swertia pumila. 

> „ Clarenceana n. sp. 

• Myosotis stricta. 

LimoseUa aquatica. 
I Yeronica Mannii n. tp. 

Bartsia Abyssinica. 

Micromeria punctata. 

Calamintba Simensis. 

Stacbys aculeolata n. sp. 

Solanum nigrum. 

Cyathula cylindrica. 

Thesium tenuissimum n. sp. 

Habenaria praealta. 

Trichonema Bulbocodiom. 

Qeissorbiza alpina n. sp. 

Melantbium tenue n. sp. 

Cyanotis Abyssinica. 

Luzula campestris. 

Isolepis eapillaris. 
„ soboenoides. 

Carex Aetbiopica. 

Yilfa montana n. sp. 

Deyeuxia Mannii n. sp. 

Descbampsia caespitosa. 

Aira caryopbyllea. 
ff pictigluma. 

Ayena lacbnantha. 

Poa nemoralis. 

Koeleria cristata. 

Yulpia bromoides. 

Festuca Scbimperiana. 

Andropogon Mannii. 



Sebaea bracbypbylla. 

Yon diesen 56 Gattungen sind Britisch . . .38 

sonst Europaisch . . 5 
dem £ap-Land angehörend 1 
Abessinien angehörend . 1 
meist tropisch ... 4 



5. Die auf den 
Europäischen Species 

Eanunculus pinnatus 

Cardamine hirsuta 

Cerastium Tulgatum 8000 „ 

Hadiola Millegrana 7000 „ 

Oxalis comiculata 7 — 8500 „ 
umbilicus pendulinus 7—10000 „ 
Sanicula Europaea 4— 7500 „ 
Galium rotundifolium 7 — 12000 ,, 
„ Aparine 7—10000 „ 

Scabiosa succisa 10500 „ 

Myosotis stricta 8—10000 „ 

Limosella aquatica 9—10000 „ 
Sibthorpia Europaea 7— 7500 „ 
Solanum nigrum 7—11000 „ 

Eumex obtusifolius 7000 ,, 



essmien ougenoreuu . x 
ist tropisch ... 4 

der Biafra-Bai vorkommenden 
Igende : 
- 7— 8000 F., 



Bergen der Bis 
3 sind folgende: 

8000 F., i Parietaria Mauritanica 7— 8000 F., 
•10000 y, I Trichonema Bulbo- 

' codium 7— 9000 „ 

, Juncus capitatus 7000 „ 

Luzula campestris 8 — 10000 „ 
' Beschampsia caespi- 
tosa 9—12000 „ 
Aira caryophyllea 7— 8000 „ 



,? 



Aira caryophyll 
Poa nemoralis 
Koeleria cristata 
Yulpia bromoides 
Festuca gigantea 
Brachypodium syh„ 
I ticum 
Andropogon distachyus 



7— 8000 „ 
7—10000 „ 
8—12000 „ 
7—10000 „ 
8500 „ 



rWa- 



7000 „ 
7000 „ 

Von diesen 27 sind alle ausser Kadiola, Juncus und 
Festuca zugleich Abessinische und diese letzteren meist 
West-Europäische Formen. 

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1865, Heft L 



Die bemerkenswerthesten Gharakterzüge der gemäBsigten 
Vegetation dieser Berge sind: 1. die Armuth der Flora, 
S. das Vorherrschen Abesainischer Qenera und Spedea, 
8. der bedeutende Antheil Europäischer Pflanzen, 4. die 
geringe Henge Süd- Afrikanischer Oenera und Spedee, 5. die 
grosse Seltenheit neuer Genera, 6. der Mangel von St. He- 
lena-Typen. Über jede dieser Eigenthümlichkeiten mögen 
hier einige Bemerkungen folgen. 

1. In der Ammth der Flora scheint das Cameruns- 
Gebii^ u. s. w. den Charakter der Abessinischen Alpen zu 
theilen. Wir wissen viel zu wenig von der physischen 
Geographie beider Gebiete, um viele Konjekturen in Bezug 
auf diesen Punkt zu wagen, der bis zu einer gewissen 
Grenze von der dürren- vulkanischen Natur des Bodens und 
dem beschränkten Areal der gemässigten Begion abhängen 
muss. Herr Mann verwendete viele Wochen zu verschie- 
denen Jahreszeiten auf seine Untersuchungen und doch be- 
lohnten nur 237 Phandrogamen seine Mühe. Geologische 
Ursachen haben wahrscheinlich bei dem Gameruns-Gebirge 
viel mit der dürftigen Zahl der Species zu thun gehabt, 
an einigen Theilen sieht man noch jetzt die Beweise unter- 
irdischer Hitze. 

2. Fast alle Gattungen und die Hälfte der Arten kom- 
men in Abessinien vor und viele andere Arten sind nahe 
verwandt oder offenbare Bepräsentanten von Pflanzen jenes 
Landes. Auch sind mehrere Gattungen und viele der Spe- 
cies Abessinien und den Piks von Biafra eigenthümlich. 

3. Die Zahl der Europäischen Gattungen beträgt 43, 
die der Species 27. Einige derselben sind nur an wenigen 
Punkten von Afrika gefunden worden, so Eadiola Millegrana 
nur noch an einer. Stelle in Algerien. Sehr wenige dieser 
Europäischen Formen erstrecken sich nach Süd- Afrika. Der 
grössere Theil kommt auch in Abessinien vor, die merk- 
würdigen Ausnahmen bilden nur Badiola, Scabiosa succisa, 
Luzula campestris und Festuca gigantea, doch mögen diese 
bisher in Abessinien übersehen worden sein. 

Bedenkt man die vollständige Isolirung dieser tropischen 
Afrikanischen Berge von den Europäischen Begionen durch 
heisse, niedrige Wüsten, so erscheint das beiderseitige Vor- 
kommen dieser Pflanzen höchst sonderbar und ist durch 
zwei Hypothesen zu erklären: 1. durch Darwin's Theorie, 
welche annimmt, dass in der Eiszeit die Pflanzen der nörd- 
lichen Zonen südwärts nach den Tropen gedrängt wurden 
und bei der Rückkehr der Wärme sich sowohl nordwärts 
zurück als auf die intertropischen Gebirge hinauf zogen, 
und 2. durch den Transport der Saamen mittelst der Luft- 
strömungen oder der Vögel, wofür der Umstand angeföhrt 
werden kann, dass von den sämmtlichen Species 6 Saa- 
men haben, welche leicht am Gefieder der Vögel haften, 
während alle anderen kleine, leicht in Schmutz an den 

4 



26 



Notizen. 



Füssen der Yögel zu traoBportireiide Saamen besitzen. Sola- 
num nignim hat zwar ziemlich grosse Saamen, aber von 
au£fallender Kraft, ihre Lebensfähigkeit zu erhalten, und ea 
findet sich ausserdem in vielen zwischenliegenden Ländern 
Nord-Afrika's, wie diess auch mit mehreren anderen Species 
der Fall ist 

4. Zu den wenigen Süd- Afrikanischen Typen des Clarence 
Peak lieferte das Cameruns-Gebirge nur noch wenige Formen 
des Kap-Landes, so Anthospermum, Anisorhamphus , Hex, 
Lasiosiphon, Feddiea, Geissorhiza, Hypozis und einige andere. 



5. Nur Ein neues Genus wurde gefunden, Ardisiandray 
eine sehr gut markirte neue Form der Primulaoeae, die 
keine Verwandtschaft mit irgend einer anderen Flora an- 
deutet. 

6. Von Gattungen und Arten, welche St Helena eigen- 
thümlich sind, ist nicht eine einzige gefunden worden und 
diejenigen Genera, welche die Lisel und die Berge der 
Biafra-Bai gemeinschaftlich bewohnen, sind zugleich auch 
im Kap-Land einheimisch und dort viel häufiger. 



Geographische Notizen. 



GkOffraphische Nelurologie des Jahres 1864. 

John Clements Wickham, Captain E. N., starb 62 Jahre alt 
zu Anfang des Jahres. Sein Name ist mit drei berühmten 
Entdeckungs- und Yermessungs -Expeditionen innig ver- 
bunden, mit der des „Adventure" und „Beagle" unter 
King (1826 bis 1830), des „Beagle" unter Fitzroy (1831 
bis 1836), die er als erster Lieutenant mitmachte, und 
der Ton ihm selbst befehligten des „Beagle" (1837 
bis 1841), die sein Nachfolger im Kommando, J. Lort 
Stokes, in dem zweibändigen Werke „Discoveries in 
Australia" bescliricben hat. 

Nicolas Stcpanowitsch Turtschaninow, der verdiente Botani- 
ker, Kaiserl. Kuss. wirkl. Staatsrath, starb zu Charkow 
am 7. Januar. Während eines längeren Aufenthaltes in 
Lrkutsk und Krasnojarsk arbeitete er eine Flora Baica- 
lensi-Dahurica aus. 

James Lind Sherwill, Major in der Bengal- Armee , durch 
seine Reise nach dem Fuss des Kintschindjunga unseren 
Lesern bekannt (s. „Geogr. Mitth." 1863, S. 384), starb 
am 10. Januar an Bord des Schiffes i^Hotspur" auf dem 
Eothen Meer. 

William Finke, ein reicher Australischer Kolonist, der mit 
seinem schon Mher verstorbenen Kompagnon James 
Chambers die Stuart'schen Brisen veranlasst und deren 
Kosten zumeist getragen und sich hierdurch um die £r- 
forschung Australiens sehr verdient gemacht hat, starb 
am 17. Januar zu Adelaide im Alter von 48 Jahren. 
Nach ihm hat Stuart den höchsten Berg im Westen des 
Gairdner See's, ein Flussbett in 25° S. Br. und eine 
Bucht des Yan Diemen-Golfs benannt. 

J. Georg Mayr, 1800 zu Brixlegg in Tirol geboren, topo- 
graphischer Kupferstecher und von 1840 bis 1852 In- 
spektor am K. Bayerischen Topographischen Bureau, Ver- 
fasser der bekannten B^isekarten von Tirol und dem 
Bayerischen Oberlande, des Atlas der Alpen-Länder in 
9 BL, so wie mehrerer historischer und biographischer 
Werke, starb am 18. Januar in München. 

William Allen, Eear-Admiral in der Britischen Marine, starb 
am 23. Januar im 72. Lebensjahr an seinem Geburtsort 
Weymouth. Er machte als Mitglied der Niger-Expedition 
von 1833 die erste Aufnahme dieses Flusses von der 
Mündung bis Babba, begleitete die Niger - Expedition 
von 1841, führte auch anderweitige Vermessungen an 



der Afrikanischen Westküste aus und schrieb darüber ein 
„Narrative of the Niger Expedition" und einige Artikel 
im Journal der Londoner Geogr. Gesellschaft („Is the 
Cid Calabar a brauch of the Eiver öuorra?" 1837, „On 
a new construction of a map of a portion of Western 
Afiica, showing the possibility of the Rivers Yen and 
Chadda being the outlet of the Lake Chad" 1838, „£x- 
cursion up the River of Cameroons and to the Bay of 
Amboises" 1843). Jm Jahre 1849 trat er eine Heise 
nach Syrien und Palästina an und schrieb darüber ausser 
dem zweibändigen Buch „The Dead Sea, a new route to 
Lidia" (London 1855), worin er hauptsächlich das Projekt 
eines Kanalbaues vom Mittelmeer durch das Todte ins 
Rothe Meer aufstellte (s. „Geogr. Mitth." 1855, S. 368), 
wieder mehrere Aufsätze für das Londoner Journal von 
1853 („On the Island of Ruad, North Syria", „The an- 
cient harbour of Seleucia, in Pieria", „An attempt to 
account for numerous appearances of sudden and violent 
drainage on the sides of the basin of the Dead Sea", 
„On the watershed of Wadi el Araba"). 

Joseph Ellison Portlock, Major-general of the R. Engineers, 
geb. zu Gosport 1794, Chef der trigonometrischen Auf- 
nahme von Irland, starb am 14. Februar zu Lota bei 
Dublin. 

Karl Chydenius, Mitglied der Schwedischen Expedition nach 
Spitzbergen im Jahre 1861, starb wenig über 30 Jahre 
alt am 4. März. 

Leonard Homer, verdienter Englischer Geolog, am bekann- 
testen durch seine Beobachtungen über die Dicke der 
alljährlichen Niederschläge des Nil und seinen Versuch, 
danach das Alter gewisser bei der Ramscs-Statue auf- 
gefundener Industrie-Erzeugnisse zu bestimmen, starb am 
5. März im 76. Lebensjahre zu London. 

Abel Du Petit-Thouars , Französischer Vice-Admiral, durch 
seine hydrographischen Arbeiten und besonders durch 
seine Erdumsegelung auf der Fregatte „la Venus" (1836 
bis 1840) bekannt, starb am 16. März zu Paris im 
71. Lebensjahre. 

Karl Bernhard Freiherr v. Hietzinger, geb. am 3. Novem- 
ber 1786 zu Czemowitz, K. K. wirkl. Geh, Rath, Reichs- 
rath u. s. w., Vice-Präsident der Geographischen Gesell- 
schaft zu Wien, durch seinen „Versuch einer Statistik 
der K. K. Militär-Grenze des Österreichischen Kaiserstaata'* 



Notizen. 



27 



(3 Theile, Wien 1817 bis 1823) auch in der geogra- 
phiBchen Literatur bekannt, starb am 27. März su Wien. 

Home Greenfield, Sekretär der Qei>gn4)hi8chen Gesellsdiaft 
SU London, starb daselbet am 11. April. 

FranE Wilhelm Junghuhn, Dr. med., geb. am 29. Oktbr. 1812 
zu Mannsfeld in Preussen, der wissenschaftliche £rfor- 
sdier Java's, starb am 20. April zu Lembang bei Ban- 
dong in den Preanger Regentschaften auf Java in Folge 
eines Leberabsoesses. (Nekrolog in der Leipziger lUustrirten 
Zeitung, 3. September 1864. — Kreon: „Levensschets 
van Fr. W. Junghuhn. Oyergedrukt uit het tijdschrift 
de Dageraad, Aug. 1864", mit Portrait Amsterdam, bei 
Gunst) 

J. J. Benjamin, bekannter wissenschaftlicher Reisender, starb 
43 Jahre alt am 6. Mai in London. Zu Foltitsoheny in 
der Moldau geboren, bereiste er 1846 und 1851 Palä* 
stina, Syrien, Armenien, Mesopotamien, Kurdistan, Ara- 
bien, Persien und Ost-Lidien, 1852 bis 1855 Ägypten, 
Tripoli, Tunis, Algerien imd Marokko, 1859 bis 1862 
Nord-Amerika, und als ihn der Tod ereilte, war er eben 
im Begriff, nach Arabien und China zu reisen. Er ver- 
folgte hauptsächlich den Zweck, seine israelitischen Reli- 
gionsgenoesen in den yerschiedenen Ländern der £rde 
kennen zu lernen, seine Reisewerke, z. B. „Acht Jahre 
in Asien und Afrika", enthalten aber auch sonst Werth- 
voUes. 

Rudolph Wagner, geb. den 30. Juni 1805 in Bayreuth, 
K. HannoTer'scher Hofrath und Professor der Medicin 
an der Universität Göttingen, berühmt als Physiolog und 
Anthropolog, unter Anderem auch um die Kunde der 
Menschenracen verdient, starb am 13. Mai zu Göttingen. 

Theodor Waitz, geb. den 17. März 1821 zu Gotha, Pro- 
fessor der Philosophie an der Universität Marburg, durch 
seine treffliche „Anthropologie der Naturvölker" auch um 
die Etbnogntphier verdient, starb am 23. Mai zu Marburg. 

Peter V. Koppen, geb. 1798 in Charkow, der berühmte Rus- 
sische Statistiker, der auch durch seine Reisen , literar- 
und kulturgeschichtlichen Arbeiten und ethnographischen 
Karten um die Kunde von Russland grosse Verdienste 
bat, starb am 4. Juni zu Karabagh auf der Halbinsel Krim. 

Monteith, Englischer General, durch seine Reisen in Azer- 
beidschan, Persien und Indien bekannt, starb im Juni. 

Emil Kluge, Dr. phil., Lehrer an der K. Höheren Gewerbe- 
schule zu Chemnitz, durch seine bedeutenden Arbeiten 
über Erdbeben und vulkanische Eruptionen so wie durch 
sein Werk über die Edelsteine rühmlich bekannt, starb 
34 Jahre alt auf der Reise von Bad Brückenau nach 
Chemnitz bei Zwickau zu Anfang JulL 

Wangenheim v. Qualen, Major, bekannter Geolog, dessen 
Forschungen im Orenburgischen Gouvernement, im Ural 
und anderen Theilcn Russlands in den 8chriften der 
Mineralogischen Gesellschaft zu St. Petersburg, in v. Baer 
nnd Helmersen's Beiträgen zur Kenntniss des Russischen 
Reiches und in Erman's Archiv für wissenschaftliche 
Kunde von Russland niedergelegt sind, starb Mitte Juli 
zn Arensburg auf der Insel Ösell im 73. Lebensjahr. 

Berthold Sigismund, Professor am Gymnasium zu Rudolstadt, 
durch treffliche Spezialstudien über einige Theile Deutsch- 
lands verdient (,^ntwurf einer physischen Geographie 
des Schwarza- Gebiets" im Rudolstädter Gymnasial -Pro- 



gramm 1868 ; „Lebensbilder yom Sächsischen Erzgebii^*', 
Leipzig 1859; »J^andeskunde des Fürstenthums Schwarz- 
burg -Rudolstadt", Rudolstadt 1863 — 1864), starb am 
13. August im 46. Lebensjahre. 

Hermann Schacht, geb. den 15. Juli 1814 zu Ochsenwerder 
bei Hamburg, Professor der Botanik zu Bonn, durch seine 
Arbeiten über Anatomie und Physiologie der Pflanzen 
hoch verdient und in der geogra^ischen Literatur durch 
sein Buch über Madeira bekannt, starb am 20. August 
zu Bonn. 

Ludwig Hohenegger, geb. 1807 in Menmiingen, seit 1839 
Erzherzogl. Gewerksdirektor zu Tesohen in Mähren, einer 
der ausgezeichnetsten Geologen Österreichs, sehr thätiges 
Mitglied des Wemer-Yereins , Verfasser der im J. 1861 
erschienenen „Geognostischen Karte der Nord-Karpathen 
in Schlesien und den angrenzenden Theilen von Mähren 
und GaUzien" (Ergebniss zwölQähriger Arbeit), starb am 
25. August zu Teschen. 

John Hanning Speke, der berühmte Afrikanische Reisende, 
fand am 15. September bei Gorsham in Wiltshire, nord- 
östlich von Bath, auf der Jagd einen plötzlichen Tod. 
Er war zu Jordans bei Hminster in Somersetshire im 
Mai 1827 geboren, trat 1844 in die Indische Armee, 
machte 1854 mit Captain Burton den Versuch, das So- 
mali-Land zu bereisen, wobei er schwer verwundet wurde, 
war 1855 beim Feldzug in der Krim, begleitete 1857 
bis 1859 Capt Burton auf der grossen Reise nach den 
Ost-Afrikanischen See'n, wobei er den Ükerewe-See oder 
Victoria Nyanza, den wahrscheinlichen Quellsee des Weis- 
sen Nu, entdeckte, und überzeugte sich dann auf einer 
zweiten Reise nach diesem See, die er in Begleitung von 
Capt Grant 1860 bis 1863 ausführte, dass der Weisse 
Nil seinen Ausfluss bildet (siehe über seine Reisen und 
Entdeckungen „Geogr. MittheiL" 1856, S. 141; 1859, 
SS. 375, 389, 428, 496; 1862, S. 481; 1863, SS. 229, 
273 und Tafel 10). 

Jules G^rard, der bekannte Löwenjäger und Afrika-Reisende, 
der im Sommer 1864 vergebens versuchte, nach den 
Quellen des Niger vorzudringen, ertrank im September (?) 
auf dem Rückweg von Big-Boom nach Sierra Leone im Joug. 

Louis -Fran9ois Tardy de Montravel, geb. am 28. Sep- 
tember 1811 zu Vincennes, seit 1829 der Französischen 
Marine augehörend, starb als Contre-Admiral am 5. Ok- 
tober zu Elbeuf au der unteren Seine. Er begleitete als 
Lieutenant auf der „Zdl^" die Dumont d'Urville'sche 
Expedition (1837 bis 1840) und besorgte dabei die astro- 
nomischen, Chronometer- und hydrographischen Beobach- 
tungen, dann setzte er auf der „Boulonnaise" von 1842 
bis 1845 die hydrographischen Aufnahmen Roussin's an 
der Nordküste von Brasilien und auf dem Amazonen- 
Strom fort, gab einen Atlas von 15 Karten und einen 
Band Instruktionen (1847) darüber heraus, dehnte femer 
seit 1846 diese Aufnahmen als Kapitän der „Astrolabe" 
bis zum Orinoco und La Plata aus, hielt sich 1852 bis 
1856 auf der Gorvette „La Constantine" in den Jüdi- 
schen uiid Chinesischen Gewässern auf, nahm während 
dieser Zeit Besitz von Neu-'Caledonien, über das er 1857 
einen Band nautischer Instruktionen und 12 Karten 
herausgab, und wurde 1859 Gouverneur von Französisch- 
Guyana, dessen Klima ihn tödtete. 



.28 



Notisen. 



Charles Eeybaud, gob. 1800 zu Marfieille, lange Zeit Hit- 
redacteur des y^Gonstitutionnel'', des ,yJournal des Däbats" 
und des „Moniteur uniTersel", starb Mitte Oktober zu 
Ville-d'Avray. Er schrieb Tiele Artikel und zwei selbst- 
stSndige Bücher über Brasilien, die 1856 und 1858 bei 
Guillaumin in Fans erschienen sind: „Le Br^il", das 
auch ins Deutsche übersetzt wurde, und „La colonisation 
au Brdsily documents officiels". 

Karl Christian Bafh, geb. den 16. Januar 1795 auf Fünen, 
K. Dänischer Konferenzrath, Stifter und Sekretär der 
seit 1825 bestehenden Nordischen Alterthums-Gesellsohaft, 
durch seine Arbeiten über nordische Geschichte und 
Archäologie und über die Entdeckung Amerika's durch 
die Normänner (,,Antiquitates Americanae") berühmt, starb 
am 20. Oktober zu Kopenhagen. 

Andrew Geddes Bain, der um die Kenntniss von Süd- Afrika 
hoch verdiente. Geolog, welcher als Wegevermesser in 
der Kap -Kolonie angestellt den geologischen Bau der- 
selben erforschte und in Karten und Schriften nieder- 
legte, dadurch aber die Grundlage zur Erkenntniss der 
Konfiguration Süd-Afrika's im Ganzen schuf (s. „Geogr. 
Mittheilungen" 1858, S. 178), ist am 20. Oktbr., ß7 Jahre 
alty in der Kapstadt gestorben. 

Karl Graul, Dr. theoL, der verdienstvolle Missionär und 
bedeutende Orientalist, Verfasser einer „Beise in Ost- 
Indien" (3 Bände), einer „Bibliotheca Tamulica", dem 
auch die „Geogpr. Mitth." einige Beiträge zur Länder- 
und Völkerkunde Indiens verdanken (Jahi^gang 1856, 
SS. 16 und 170), starb im 50. Lebensjahr am 10. No- 
vember zu Erlangen. 

F. G. Wilhelm Struve, der berühmte Astronom, starb am 

23. November zu St Petersburg. Am 15. April 1793 
zu Altena geboren, kam er 1813 an die Sternwarte zu 
Dorpat, welcher er seit 1817 als Direktor vorstand, bis 
er 1839 zur Leitung des Observatoriums zu Pulkowa bei 
St Petersburg berufen wurde. In geographischer Bezie- 
hung hat er namentlich durch seine Theilnahme an der 
grossen Breitengrad-Messung zwischen Donau und Nordkap 
(„Breitengrad-Messung in den Ostsee-Frovinzen", „Are du 
M^ridien de 25^ 20' entre le Danube et la Mer Gla- 
dale") unvergängliche Verdienste. 

Benjamin Silliman, der Herausgeber des vortrefflichen „Ame- 
rican Journal of science and arts" und einer der hervor- 
ragendsten Gelehrten Amerika's, starb 85 Jahre alt am 

24. November in New Haven. 

William Balfour Baikie, Dr. med., aus Arbroath in Schottland, 
der berühmte Afrikanische Forscher, starb am 30. No- 
vember zu Sierra Leone im Alter von 40 Jahren. 
Er leitete die Niger- und Binue-Ezpedition von 1854 
(Baikie, Narrative of an ezploring voyage up the rivers 
Kwora and Binue in 1854. London 1856) und ging 1857, 
vom reinsten Eifer für Wissenschaft und Humanität ge- 
trieben, abermals nach dem Niger, in dessen TJferländem 
er 7 Jahre lang mit grösstem Erfolg für die Herstellung 
eines geordneten Handelsverkehrs, die Abschaffung des 
Sklavenhandels und die Bereicherung der geographischen 
Wissenschaft thätig war. ' Von Lukoja in Nupe, seiner 
Niederlassung, machte er verschiedene Beisen, unter An- 
derem nach Kano, und sammelte einen reichen Schatz 
von Nachrichten über einen bedeutenden Theil des Sudan. 



Am 26. Juni 1864 holte ihn ein Englisches Schiff ab, 
um ihn nach England zurückzubringen, der lange Aufent- 
halt in dem ungesunden Klima und 'die grossen Entbeh- 
rungen, die er erduldet, hatten ihn aber so geschwächt, 
daas er unterwegs einem Anfall von Fieber und Dysen- 
terie erlag. 



Aus dem Jahre 1863 sind nachzutragen: 

William C. Milne starb am 15. Mai 1863 zu Feking, nach- 
dem er 15 Jahre lang als Missionär der London Missio- 
nary Society in China gewirkt hatte. Er war einer der 
wenigen gründlichen Kenner des Chinesischen, so daas 
ihm mit Medhurst, Boone . Stronach und Anderen die 
Bevision der Chinesischen Übersetzung der Bibel und in 
den letzten Jahren die Leitung der sich zu Dolmetschern 
ausbildenden Europäer in Feking anvertraut wurde. In 
geographischer Hinsicht ist besonders sein Werk „Life in 
China'' (London 1857) hervorzuheben, worin er unter 
Anderem seine im Jahre 1843 unternommene Beise von 
Ningpo nach dem Foyang-See und von diesem nach 
Canton beschrieben und auf einer Karte niedei^legt hat 

Hermann Schubert, Gärtner, Mitglied der v. Heuglin'schen 
Expedition in Afrika, unterlag Mitte Juli 1863 in der 
Seribah Klain6nik am Kosanga-Gebirge, Gebiet des Bahr 
el ghasal, einer langwierigen Dysenterie. 

Raymond Thomassy, verdienter Reisender und Geograph, 
bekannt durch seine Untersuchungen über Salzgehalt und 
andere Erscheinungen des Meeres, über die Geologie von 
Louisiana naß. die Veränderungen des Mississippi-Delta's, 
über die Entdeckungsgeschichte des Mississippi und die 
Reisen La Salle's, über die Geschichte von Marokko, über 
4ie von den Fäpsten ausgegangenen gec^p^phischen Unter- 
nehmungen und viele andere historische und geographi- 
sche Gegenstände, starb Ende Juli 1863 in Havanna. 

Alexander Schläfli, der durch seine Reisen im Orient be- 
kannte Schweizer Arzt, erlag am 5. Oktober 1863 zu 
Bagdad einer Dysenterie, die er sich auf der Insel Mau- 
ritius zugezogen hatte. Zu Burgdorf im Canton Bern 
geboren, trat er 1855 als Militärarzt in Türkische Dienste, 
kam als solcher zuerst nach Batnm, Redutkaleh und 
Imeretien, war dann von 1856 bis 1861 in Jannina 
stationirt, wo er werthvoUe meteorologische Beobachtung^! 
anstellte Of^^^^ch einer Klimatologie des Thaies von 
Jannina"), reiste 1861 über Alexandrette, Aleppo und 
Diarbekir nach Bagdad und Samaua und von hier im 
Oktober 1862 nach Bombay OfReiaen im Orient", Winter- 
thur 1864), um eine Erforschungs-Expedition nach Mada- 
gaskar oder der Afrikanischen Ostküste anzutreten, kam 
aber nur bis Mauritius, wo ihn Krankheit zur Rückkehr 
zwang. (Siehe den Nekrolog von Egli in „Globus", Bd. V, 
SS. 247 und 277.) 

Georg V. Meyendorff, geb. am 23. Juni 1795 auf dem 
StammschloBs Roop in Lievland, ist am 12. Oktbr. 1863 
zu Würzburg gestorben. Er diente als Militär in den 
Franzosen-Kriegen von 1811 an, begleitete 1819 eine 
Russische Mission nach Buchara und schrieb darauf sein 
Werk: „Reise nach Buchara", reiste 1824 im Auftrag 
der R^erung nach Kiachta, um die Handelsverhältnisse 
China's an Ort und Stelle zu untersuchen, dann nach 



Notizen. 



29 



ABtiradian und dem Kaukasus und war seit 1839 im 
Ministerium der Finanzen angestellt. 

Eudolf Krone, der 10 Jahre lang im südlichen China als 
Missionar wirkte und Land und Volk so genau wie We- 
nige kannte, der auch die „Geogr. Mitth.*' mit einigen 
Beitrügen über China bereicherte (Jahrgang 1856, 8. 462; 
1864, 8. 283), starb am 14. November 1863 zu Aden. 

Aliim-Sal, Lieutenant bei den Spahis des Senegal, durch 
seine kiihne Reise von Saint-Louis bis in die Nähe von 
Timbuktu (1860 bis 1862) bekannt und verdient, starb 
am 7. Dezember 1863 zu 8aint-Louis. 

A. F. Garnier, Mitglied der Centnd-Kommission der Pariser 
Oeographischen Gesellschaft, Herausgeber des „Atlas sph^ 
roidal", ist 1863 gestorben. 



Heue Karten in Stieler*» Hand-Atlas, 
Ton a Fo^i). 

1. SutbcMtltehei DeutsehUmd und die 8ehum%, Maass- 
stab 1:1.850.000. — Mit dem vorliegenden Blatt hat die 
Keuzeichoung der 6 Blätter, welche in Stieler's Hand-Atlas 
ganz Deutschland, Niederlande, Belgien und die Schweiz 
im Mst von 1:1.850.000 zur Anschauung bringen sollen, 
ihren Abschluss gefunden und eine auch nur oberflächliche 
Vergleichnng desselben mit den bereits fHiher erschienenen 
Karten Nr. 21, 22* und 22*^ wird das Bestreben bei Neu- 
bearbeitung des Hand -Atlas auch hier nicht verkennen 
lassen, darch Gleichartigkeit der Ausfährung sowohl der 
allgemein geographischen wie der politischen Verhältnisse 
diesen Karten den Charakter eines zusanmienhängenden 
Ganzen zu wahren. 

Ein wahrhaft prachtvolles Material über alle Länder der 

') In der eben ersehienenen Reihe „Nene Bearbeitungen ana dem 

Jüin 1864'% Qotha, Juetos Perthes, 1866, Preis 1 Thlr., —enthaltend: 

Nr. 10: Bas Mittellandisehe Heer und Nord- Afrika, westliche« Blatt. 

Von A. Patermann. (Mit S Nebenkarten.) 

11: DaadütteUIndiaehe Meer und Kord-Afrika, östiiehes Blatt 

Yon A. Petermann. (Mit 1 Nebenkarte.) 
15*: Die Britischen Inseln und das umliegende Meer. Yon 

A. Petermann. (Mit 4 Nebenkarten n. s. w.) 
S4 : SftdwestUchee Deutsobland und die Bchweis. Yon C. YogeL 
29 : Niederlande und Belgien. Yon C. YogeL (Mit 1 Nebenkarte.) 
42': Sfld-Polar-Regionen. Yon A. Petermann. (Mit 16 Nebenk.) 
Über die Blätter Nr. 10, 11, 16* und 42* sind in dieser Zeitschrift 
ickon früher Bemerkungen gegeben („Oeogr. Mitth." 1863, SS. 407 
-428; 1864, 88. 16—21, 182—191 und 268—272), für die jetaige 
Aasgabe jedoch haben diese Karten manche Bereioherungen erfahren, so 
du Blatt Nr. 10 NachtrSge Ton Eisenbahnen, Bevision des Strassen- 
netses in Algerien nach den neuesten Fransdsischen offiziellen Karten 
a. 8. w. u. s. w.; Blatt 11 hat nach direkten Mittheilungen aus Ägyp- 
ten and nach den neuesten Druckschriften der Sues-Kanal-Kompagnie 
▼ichtige Berichtigungen erhalten, besonders für den Isthmus von Sues. 
Biaach erscheint unter Anderem die Hälfte des Sues-Kanals, nimlioh 
der nördliche Theil von Port Said bis Ismailia, bereits in seiner defini- 
tiTea Breite, wenn auch nur f&r kleine, 3 Fuss tief gehende Fahrzeuge, 
ToDendet und schiffbar gemacht. Neben dem Kanal geht die hydrau- 
lisch getriebene Wasserleitung, Telegraph und projektirte Eisenbahn. 
An dem Kanal sind ausser der Hauptstadt Ismailia die früheren Zdt- 
Lsger Tussum, el Oirsch und Kantara bereits zu kleinen Städten empor- 
gestiegen, bestehend aus wohlgebauten Häusern yon Stein und Holz. 
Auch die neuesten Nireau- Bestimmungen des Sues -Kanal -Terrains, 
▼eiche zwischen + 68 u^d — 87 Fuss zu dem Niveau des Mittel- 
laeeres schwanken, sind längs der Kanal-Linie eingetragen. Die neue 
£Dglische Aufnahme der Ägyptischen Kttste von Ras Bulaou bis Alezan- 
drta durch Wilkinson, Stokes, Drew und Millard wurde flbr die Berich- 
tigang der Namen benutzt. 



in Kede stehenden Karte — fast ausnahmslos offiziellen 
Ursprungs und zum grössten Theile neuesten Datums — , 
darunter beispielsweise neben Dufour's srosser Schweizer 
Karte in 25 Blatt Ziegler's Karte der Schweiz, die sechs- 
blättrige Karte des Orossherzogthums Baden und die zwei- 
blättrige vom Ghrossherzogthum Hessen, beide von den be-» 
treffenden Generalstäben u. s. w., machte die Zeichnung 
dieses Blattes zu einem wahren Vergnügen. Von sonst be- 
nutzten Quellen sei zunächst eines Werkes gedacht, welches 
wesentlich zu einer charakteristischen Wiedergabe des be- 
treffenden Alpen-Gebiets beigetragen hat Es ist diess die 
„Geognostische Beschreibung der Umgegend von Predazzo, 
St Cassian und der Seisser Alpe in Süd-Tyrol yon Ferdi- 
nand Freiherm von Bichthofen, mit einer geognostischen 
Karte und vier Profil-Tafeln" *). Die gerade dort von dem 
übrigen grossen Alpen -Gebiet ganz abweichende Bei^or- 
mation — im innigsten Zusammenhang mit dem geognosti- 
schen Baue stehend — kann nicht klarer zur Anschauung 
gebracht werden, als es in diesem vorzüglichen Werke ge- 
schehen ist. — Für Bayern und benachbarte Länder war 
die ;Bwar schon altere, aber eben so gediegene Topische 
Geographie von Fr. W. Walther eine wahre Fundgrube 
geographischen Wissens. Es mögen diese kleinen Andeu- 
tungen zugleich als Beweis gelten, dass die betreffende Lite- 
ratur über das gesammte Ländergebiet, welches die Karte 
enthält, vor und während der Bearbeitung derselben einem 
eingehenden Studium unterworfen worden ist. 

Die nach der Einwohnerzahl bewirkte Unterscheidung 
in der Schrift der Ortsnamen stützt sich för die Deutschen 
Staaten auf die Zählung vom Jahre 1861, für die Schweiz 
auf diejenige vom Jahre 1860. 

Die bisherige Eintheilung Badens in 4 Kreise wird weg- 
fallig, es werden in Zukunft deren 11. 

2, Niederlande und Belgien. — Genanntem Blatt, wel- 
ches zwei der bevölkertsten Staaten Europa's zur Anschauung 
bringt, li^ in seinem nördlichen Theile die nunmehr be- 
endigte ganz ausgezeichnete Generalstabskarte vom König- 
reich der Niederlande im Mst. von 1 : 50.000 zu Grunde, 
welche, 62 Blatt stark, im Topographischen Bureau des 
Kriegs-Ministeriums hergestellt, hier in sorgfältiger Beduk- 
tion der Öffentlichkeit übergeben wird. Dass neben der- 
selben die Geologische Kaart van Nederland von Dr. W. 
G. H. Staring im Mst von 1 : 200.000 — ebenfalls auf dem 
Topographischen Bureau des Kriegs-Ministeriums ausgeführt 
— in ihren bis jetzt erschienenen 4 Blättern eine sehr er- 
wünschte Hülfe war, indem dieselbe neben anderen Vor- 
zügen, namentlich wegen ihrer scharfen Begrenzung des 
Diluviums und Alluviums, nicht wenig zu einer charakteri- 
stischen Auffassung des ganzen Bildes beigetragen hat, wird 
ausdrücklich bemerkt, wogegen es selbstverständlich er- 
scheint, dass Karten wie die von van Baarsel und Tuijn, 
die Staatkundige Kaart von J. J. van Kerkwijk so wie 
die offizielle Etapen -Karte, hauptsächlich aber der reich- 
haltige Atlas von Kuijper, jede in ihren Besonderheiten 
mit^;ewirkt haben, das auf unserem Blatte Gegebene mög- 
lichst vollständig und korrekt zu halten. Wir verweisen bei- 
spielsweise nur auf verschiedene Schiffiahrtskanäle, welche 
bisher auf anderen ähnlichen Karten fehlten. Wenn auch 



>) Gotha, Verlag yon Juatms Perthes, 1860. 



30 



Notizen. 



die beständigen Veränderungea, welche das Meer an den 
Inseln und der Küste Frieslands, namentlich aber an der 
Küste Yon Zeel^d alljährlich hervorbringt, es äusserst 
schwierig, wo nicht unmöglich machen, die genannten Be* 
standtheile für einen bestimmten Zeitpunkt ganz korrekt zu 
geben, so kann doch versichert werden, dass dieselben von 
allen bisherigen — meist sehr willkürlichen — Darstellung 
gen dem gegenwärtigen Zustande sich am meisten nähern. — 
Für das Grossherzogthum Luxemburg wurden ausserdem 
noch die Arbeiten von Liesch und Erasmy benutzt 

Das Königreich Belgien entbehrte bis jetzt einer durch- 
greifenden topographischen Aufnahme und erst ganz neuer- 
dings ist eine erste Lieferung von 5 Blatt erschienen. Doch 
war hier genügender Ersatz gegeben durch die aus dem 
Ph. van der Msielen'schen Geogr. Institut in Brüssel heraus- 
gekommene neunblättrige Geognostische Karte von Andrd 
Dumont im Mst von 1 : 160.000. Diese in Verbindung 
mit den einzelnen Provinz -Karten im Mst. von 1:100.000 
aus demselben Institute so wie der Papen'schen Höhen- 
schichtenkarte u. s. w. u. s. w. ermöglichte eine für den 
Maassstab vorliegender Karte — 1 : 1.110.000 — wohl yiehr 
als ausreichende Darstellung, welche — namentlich was 
das Wassemetz (Kanäle) und die Höhenverhältnisse anbe- 
langt — durch das Studium von Professor Jules Tarlier's 
Description geographique de la Belgique noch unterstützt 
wurde. Selbst die Durchsicht der alleidings jetzt sehr ver- 
alteten, immerhin aber noch äusserst werthvoUen, weil reich- 
haltigen, in Paris publiciTten 65blättrigen, nach Fetrans 
bearbeiteten Carte topographiqne et militaire de la Belgique 
etc. im Mst. von 1 : 86.400 von L. Capitaine bot des Inter- 
essanten noch Manches. 

Die Nomenklatur ist nach der von E. Böckh in Ghim- 
precht's Zeitschrift für Erdkunde entworfenen Sprachgrenze 
vorgenommen und die auf der Karte in sechs verschiedene 
Klassen zerfiallenden Bevölkerungs-Yerhältnisse basiren auf 
der Statistique de la Belgique, Zählung vom 31. Dezbr. 1856. 

Für Frankreich und Preussen waren es selbstverständ- 
lich die grossen Generalstabs- Aufnahmen, welche die Basis 
der Darstellung bildeten, — bei letzterem Staate nicht un- 
wesentlich unterstützt durch die Blätter der Geologischen 
Karte der Bhein-Provinz und Westphalens, wie auch die 
Qualität der Orte und ihre Einwohnerzahl nach dem neue- 
sten Census, nämlich nach den Veröffentlichungen in der 
Zeitschrift des Königl. Preuss. Statistischen Bureau's, redigirt 
von Dr. E. Engel, Volkszählung vom 3. Dezember 1861, be- 
werkstelligt wurde. 

Schliesslich wollen wir noch ganz besonders auf das 
grossartige und — man wird uns gestatten, diess mit dem 
Ausdruck einiger Befriedigung hinzuzufügen — voUständig 
und genau dargestellte Eisenbahnnetz der betreffenden Staa- 
ten hinweisen, dessen Schlüssel in der Erklärung der Karte — 
Ecke oben links — gegeben ist. 

Der in der unteren Ecke angebrachte Carton giebt das Bild 
der in den letzten Jahren viel besprochenen Festung Ant- 
werpen. Dieselbe, nach den Begeln der neuesten Fortifika- 
tions-Kunst und in den grössten Dimensionen erbaut, bedaif 
freilich auch zu ihrer Vertheidigung der ganzen Belgischen 
Armee. Die grösste Entfernung ihrer Aussenforts beträgt in 
gerader Linie 2|D.M. Sie ist dermalen noch im Bau begriffen. 



Der projektlrte Kanal swlsohen Oataee und Nordsee. 

Von Ir. Friederichsen in KieL 

Seit dem Tode König Friedrich's VII., seit der Wieder- 
aufiaahme der Schleswig-Holstein'schen Frage und seit Er- 
öffiiung der daraus folgenden Feindseligkeiten mit Däne- 
mark im Dezember 1863 erwachte energischer denn je der 
sdion seit Jahrhunderten von Fürst und Volk angeregte 
Gedanke einer Verbindung zwischen Ost- und Nordsee ver- 
mittelst eines allen Fahrzeugen zugängigen SchiffiGahrts- 
Kanals. Die geistige und materielle Entwickelung der Herzog- 
thümer war vom Dänenvolk mit Macht unterdrückt worden, 
um Allem, was den Anschein eines nationalen Aufschwun- 
ges der Herzogthümer auch nur ahnen liess, im Voraus 
vorgebeugt zu haben, so dass an ein Vorgehen in der Kanal- 
Frage von Seiten Schleswig-Holsteins, ehe die Stunde der 
Befreiung geschlagen, nicht gedacht werden konnte. Jetzt 
aber hat sich der nur verstopft gewesene Quell wieder Bahn 
gebrochen und wir werden, so Gott will, bald, als eins der 
Besultate unserer Freiheit, Schleswig -Holstein von einer 
Wasserstrasse durchschnitten sehen, auf der die Flaggen 
aller Nationen in stolzer Ehrerbietung an der Deutschen 
Fahne vorüberziehen. 

Die Zweifel an der Ausführbarkeit eines für die grössten 
Schiffe zugängigen Kanals sind geschwunden, nicht aber die 
in Betreff des Nutzens, der Eentabilität Auf Letzteres 
einzugehen, ist nicht der Zweck unserer Zeilen, auch lässt 
es sich nicht vollständig ermessen. Wir wollen hier nur 
eine kurze Übersicht des augenblicklichen Standes der Kanal- 
Frage und der bereits geschehenen und noch in Gang be- 
findlichen neueren Arbeiten geben. 

Zuerst wurde sie zu An&ng des Jahres 1 864 von Seiten 
eines Comit^'s, das sich in Kiel unter dem Vorsitz des Bek- 
tors der Universität, Professor G. Karsten, konstituirte, wie- 
der aufgenommen. Zweck des Comit^'s war, die bereits im. 
Jahre 1848 vom Kieler Flotten-Aussohuss veranlassten un- 
pnblicirten Arbeiten in Betreff eines grosso Schifffahrts- 
Kanals zu prüfen, die nöthigen Modifikationen, gestützt auf 
seitdem gemachte Erfahrungen und neu erkannte Bedürf- 
nisse, vornehmen und dem masAsgebenden Publikum vor 
Augen führen zu lassen. Mit nicht genug anzuerkennender 
Bereitwilligkeit stellte die Stadt Kiel dem Comit^ das erfor- 
derliche Geld zur Disposition und hat jetzt die Genugthuung, 
aus ihrem kleinen Kreise und ihren beschränkten Mitteln 
die erste grössere Arbeit über besagten Gegenstand, ver- 
bunden mit technischen Untersuchungen, Nivellements u. s. w., 
hervorgehen zu sehen. Ein vor Kurzem erschienener vor- 
läufiger Bericht des Comite's sagt, dass, nachdem es zu der 
Überzeugung gekommen, dass die i&niher vom Flotten- 
Ausschuss als die beste Kanalrichtung festgestellte Linie 
„Elbe-Kiel" auch jetzt der vorzüglichen Berücksichtigung 
werth sei, es den früheren Deich-Inspektor, jetzigen Ober- 
Baudirektor Christensen gewonnen habe, auf Grundlage der 
ÄTiheren Arbeiten und mit Hülfe tüchtiger Techniker eine 
Bevision, beziehentlich Modifikation des früheren Planes 
auszuarbeiten, dass Solches geschehen sei und zur Publi- 
kation vorliege. Der Kanal auf der Linie von der Elbe bei 
Ostermoor zwischen Brunsbüttel und St. Margarethcn 
(260 Euthen westlich vom Holstenreck, der Grenze zwi- 
schen Wilstermarsch und Dithmarschen), über Burg, Hohen- 



Notizen. 



81 



hörn, Liitjenwistedt, Bokelau, Westeusee, Holtenau nach 
Wyk am Kieler Hafen ist ein Schleusenkanal mit 6 Schleu- 
sen, hat eine Länge yon 10,94 Meilen, eine Tiefe von 
25 Fu88 Bhein., eine Breite in der Wasserlinie yon 160 F., 
in der Sohle yon 64 F. Die Scheitelhaltung des Kanals 
li^ 24 Fuss über dem mittleren Ostseespiegel oder über 
der Mitte zwisdien Ebbe und Fluth in der Elbe. Die 
Kosten des Kanals, seiner Häfen, der Brücken und Über- 
gänge so wie einiger Nebenanlagen, excl. der erforderlichen 
Befestigungen und Marine-Etablissements, sind zu 17.700.000 
Freosa. Thaler yeranschlagt, die sich, da in selbiger Summe 
bereits 10 Prozent für unyorhergesehene Ausgaben inbe- 
griffen sind, yoraussichtlich noch reduciren werden. In ei- 
nigen Monaten ho£Pt das Comite seine Arbeit publiciren 
zu können und beabsichtigt, dem technischen Berichte meh- 
rere Kartenblätter mit Profilen und Pläne yon Schleusen, 
Brücken, Molen u. s. w. beizufügen, wünschend, dass eine 
strenge Prüfung ihrer Vorlagen im Interesse der wichtigen 
nationalen Angelegenheit nicht ausbleiben möge. 

Neben dem erwähnten Comit^ in Kiel ist ein anderes 
in Berlin thätig und hat den Geheim. Eath Lcntze mit der 
Ausarbeitung der ihm am yortheilhaftesten scheinenden 
Kanal-Linie yon der EckemfÖrder Bucht nach der Elbe be- 
auftragt. Wie weit dessen Arbeiten gediehen, yermögen 
wir nicht anzugeben, wohl aber zu erwähnen, dass genannte 
Linie keineswegs neu, sondern bereits 1848 yon den Ge- 
brüdem Christensen projektirt und später als nach ihrer An- 
sicht unzweckmässig yerworfen wurde. Die technische Aus- 
führung des Lentze'schen Kanals weicht yoUständig yon der 
Christenseu'schen ab. Lentze will nur eine Endschleuse an 
der Elbe und sonst einen yoUständigen Durchstich mit einer 
Tiefe yon 30 F. unter dem mittleren Ostseespiegel. In wie 
weit diess ausführbar ist, yermögen wir nicht zu ermessen, 
neigen uns aber sehr zu dem Glauben an die Unmöglichkeit 
hin, nachdem wir das in der Schwers'schen Buchhandlung 
in Kiel yor Kurzem erschienene zweite Schriftstück über 
den grossen Nord-Deutschen Kanal studirt, worin wir yon ge- 
wandter Hand treffliche, schlagende Bemerkungen zu dem Gut- 
achten des Geheim. Bathft Lentze, das Letzterer dem Berliner 
Comite in der Sitzung am 18. Mai 1864 gegeben, enthalten 
gelinden haben. Wir empfehlen diese Schrift: „Der grosse 
Nord-Deutsche Kanal zwischen Ost- und Nordsee, Heft 2: 
Bemerkungen zu dem Gutachten des Geheim. Raths Lentze, 
Notizen über die Eckemförder und Kieler Bucht", so wie 
das erste Heft unter gleichem Titel, eine Zusammenstellung 
der yerschiedenen Kanalprojekte nebst Karte, um so mehr 
dem Publikum, weil es, kurz und klar gefasst, den Laien 
befähigen wird, der hoffentlich bald zu einer Tagesfrage ge- 
wordenen Angelegenheit zu folgen. Warnen hingegen möch- 
ten wir das Publikum yor dem Schöpfen aus der in Berlin 
zu Anfang des Jahres 1864 erschienenen Broschüre yon 
J. J. Sturz '), die neben einer Anhäufung yon bombastischen 
Redensarten wegen Mangels an technischer Kenntniss wenig 
maassgebende Zahlenwerthe enthält und mit einer Fülle 
von Millionen Thaler um sich wirft, so dass sie eher geeignet 
sein könnte, den Aktionär yor dem Unternehmen zurückzu- 



*) Der Nord- und Oitsee-Kanal durch Holstein, DentschlandB 
Doppelpforte tu seinen Meeren und zum Weltmeere, yon J. J. Sturz. 
Berlin 1864, Yerlig Ton Mitscher und Bostell. 



schrecken als der Sache förderlich zu sein. Herr Sturz 
entscheidet sich iiir die Linie yon der Lüb'sch^n Bucht, 
dem Hemmelsdorfer See, nach der Elbe bei Störort, die wir 
schon früher durch eine Broschüre: „Durchstich der Hol- 
steinischen Landenge zwischen Ostsee und Nordsee, Schles- 
wig 1863", kennen gelernt haben, und beehrt den Lüb'* 
sehen Busen mit dem Frädikat „unyergleichlich" , während 
ein Blick auf die neueste Dänische Seekarte genügt, um 
das Qegentheil zu beweisen, und die markirte Bezeichnimg 
des sich weit in die Bucht hinaus erstreckenden Steingrun- 
des nicht gerade zur Empfehlung dient Dass man die Li- 
nie yon der Elbe nach der Neustädter Bucht noch nicht 
hat fallen lassen, beweist die neuerdings der Handelskammer 
zu Lübeck yon Seiten der Holsteinischen Landesregierung 
ertheilte Erlaubniss zum Niyelliren der Kanal -Linie yon 
der Trayemünder Bucht nach der Elbe zwischen Glückstadt 
und Brunsbüttel, und wir begrüssen auch diese erneuerte 
Liangriffiiahme so wie die beabsichtigten Untersuchungen 
des Baron y. Futtkamer - Zartenthin auf der Noer- Heyer 
Linie mit Freuden, hoffend, dass die Arbeiten sich mehren, 
das Interesse reger geweckt und so die Ausfuhrung dieses 
grossartigen nationalen Unternehmens einem würdigen Ende 
zugeführt werden möchten. 



Ein- und Ausfuhr HolsteinB« 

Eine Aufgabe des Gesammtgewichts und des Gesammt- 
werths der Holsteinischen Einfuhr und Ausfahr im J. 1863 
im Anschluss an die in dem bisher yon dem Statistischen 
Bureau in Kopenhagen herausgegebenen Tabellenwerk für 
die fHiheren Jahre enthaltenen desMligen Mittl^eilungen ist 
zur Zeit nicht thunlich, weil die yon dem genannten Bu- 
reau zu Grunde gelegten ofiäziellen Gewichts- und Werth- 
sätze nicht bekannt sind. Die nachfolgende Übersicht be- 
schränkt sich daher darauf, die Grösse der Gesammt-Einfiihr 
und Ausfuhr der wichtigeren Waaren- Artikel unter Angabe 
der dafür erlegten Zollbeträge anzußihren, wobei auch yon 
einer Yergleichung mit dem Vorjahre hat abgesehen werden 
müssen, weil das statistische Tabellenwerk bereits seit einer 
Beihe yon Jahren nicht mehr in das Detail der einzelnen 
Landestheüe eingegangen ist. 

Der zollpflichtige Theil Holsteins mit den mit demselbeü 
zollyerbundenen fremden Gebietstheilen zählt circa 25.000 
Einwohner weniger als das Herzogthum Holstein. 

/. Einfuhr. 



betrag 



der Einfahr. 



Asche, als Pottasche, Soda u. s. 
Baumwolle : 

rohe *. . . . 

ungefärbtes Garn 

gefärbtes Garn 

Tricotage 

andere gefärbte Hanufakte 

andere ungefärbte Manufakte 
Bier 



8.041.349 Pfd. 



des erlegten 
Zolls. 



12.678 , 

783.554 , 

113.617 , 

3.190 , 

150.246 , 

170.100 , 

1.1 75 Tonnen U.1 

20.050 Flaschen.j 



Mark Sohl. Holst 
Cour, 
zollfrei. 

«oUfirei. 
38.933 
11.761 
2.113 
99.538 
60.710 



7.731 



32 



Notizen. 



Betrag 



dar Einführ. 



dM erlegten 
Zolli. 



Branntwein und Rum. 

Brod . 

Butter 

Kaffee 

Cichorienwurzeln 

Corinthen . 

Bisen: 

Boheisen und altet Eisen 

Eisen in Stangen and Bändern nebst 
Eisenbahnschienen 

Eisenfabrikate 
Erbsen 
Fajence 
Feile and HSate: 

anbereitete 

Leder 
Ghrfttse and Mehl 
F5hren-Baa- and Natshola 

Hopfen 
Hornrieh 
Käse . 

KleidangsstUcke 
Kleie . 
Knochen: 

rohe 

gebrannte 
Komwaaren : 

Bachweisen 

Oerste . 

Hafer 

Eoggen . 

Weizen . 
Leinenwaaren: 

0am 

angebleichte Leinewand 

andere Leinen-Hanafakte 
Lampen 
Obst, frisches 

getrocknetes 
Öl, Hanföl . 

anderes . 
ölkachen 

Papier und Arbeiten aas Papier 
Pferde 
Porzellan 
Rapssaat 

Reis and Reismehl 
Reiskleie 
Rosinen 
Salz, rohes Steinsalz 

anderes Salz 
Schafe und Lämmer 
Schweine . 

Seide und Seidenwaaren 
Speck, gesalzener und gerSucherter 
Steinkohlen 
Tabak, unfabricirter 

„ fabricirter 
Thee . 
Wein 

Wolle, rohe 
WoUengam, ungefärbtes 

„ gefärbtes 

Andere WoUenwaaren 
Zucker, rafßnirter 
„ unraf&nirter . 
Sirup und Melasse . 



'48.941 Viertel u. 
5.295 Flaschen.) 
60.847 Pfd.! 
36.495 „ 
3.484.370 „ I 
3.653.453 „ 
388.585 „ 

1.630.560 „ I 

8.418.802 „ I 

2.518.135 „ I 

3.882 Tonnen.' 

471.686 Pfd.' 

1 

1.998.949 „ 
19.257 „ 
94.242 „ 
1.31 1.923 Kbfss. 
u. 7.929 K.-Last. 
69.682 Pfd. 
743 St. 
112.829 Pfd. 
40.781 „ 
94.859 Tonnen. 

101.360 Pfd. 
575.476 „ ' 

I 
4.548 Tonnen.! 
9.143 „ I 

16.619 „ I 

94.630 „ 

63.283 „ 



MarkSehL-Holst 
Gonr. 

} 60.603 



1.259 

1.945 

217.466 

24.204 

9.010 

soUfrei. 

62.746 

89.254 

zollfrei. 

28.124 

4.824 

5.053 

1.973 

82.953 

40.513 

8.309 

5.454 

9.344 

34.528 

zollfrei. 



9.530 



soUfrei. 



188.441 Pfd. 
369.398 „ 
184.678 „ 
143.495 „ 
1.028.538 Pfd. 
n. 439 Tonnen. 
736.488 Pfd 
391.599 „ 
279.491 „ 
92.936 „ 
769.246 „ 
1.103 St. 
59.085 Pfd. 
931 Tonnen. 
1.361.840 Pfd. 
733.577 , 
313.926 , 
2.680.349 , 
5.460.000 „ 
9.589 St. I 
966 „ I 
18.705 Pfd. 
185.718 „ I 
617.407 Tonnen. I 
2.774.364 Pfd.l 
34.505 „ I 
84.656 „ ' 
98.525 Viertel a.1 
91.159 Flaschen. 
475.084 Pfd. 
25.633 , 
108.264 , 
389,076 , 
1.049.931 , 
24.650.392 , 
2.627.776 , 



21.416 
28.217 
55.056 

zollfrei. 

5.328 

12.232 

zollfrei. 

15.688 

zollfrei. 

29.200 

16.890 

13.137 

zollfrei. 

49.622 

sollfrei. 

7.279 

6.659 

56.355 

5.244 

1.281 

41.638 

7.690 

78.333 

86.157 

11.807 

17.626 

120.556 

zollfrei. 

ß.l84 

17.931 

284.043 

97.816 

1.286.048 

78.340 



//. Auifuhr. 



Betreg 



der ▲ueftehr. 



Branntwein 
Butter 
Erbsen 
HomTieh, grosses 

Kälber . 
Unbereitete Felle und Hiate 
Ose .... 
Kartoffeln . 
Komwaaren: 

Buchweizen 

Gerste . 

Hafer 

Roggen . 

Weizen . 

Mehl, Qrtttze und Qraupen 
Knochen 
Leinsaat 
Lumpen 

Rüb- und Leinöl 
Ölkuchen 
Pferde 
Rapssaat 

Speck, Fleisch und Würste 
Schafe und Lämmer . 
Schweine und Ferkel . 
Wolle 



270.974 Pott. 

16.336.144 Pfd. 

12.516 Tonnen. 

28.535 Stack. 

14.029 „ 

712.760 Pfd. 

900.711 „ 
169.304 Tonnen. 



dee erlegten 

Zollfc 

MarfcSehLHobt. 
Coor. 
zollfrei. 



86.085 
zollfrei. 



15.209 „ 
118.575 „ 
. 198.277 „ 
. ; 47.013 „ 
. 339.483 „ 
ca. I 47.350 „ 
. 11.435.286 Pfd. 
7.714 Tonnen. 
897.734 Pfd. 
607.276 „ 
. l6.373.919 „ 

10.309 Stück. 
. ; 140.093 Tonn. 
. 1.509.782' Pfd. 
, 26.563 Stück. 
. I 69.442 „ 
. 1 422.957 Pfd. 

ffandeUßoUe, 
Am Schlüsse des Jahres 1863 zählte das Herzogthum 
Holstein (mit Einschiuss des Rendsburger Zolldistrikts) im 
Ganzen 1593 Fahrzeuge mit einer Tragfähigkeit von 
28.975| Lasten ä 5200 Pfd. 



2.971 
sollfrei. 
26.764 

zollfrei. 

61.210 
zollfrei. 



3.770 



Darunter befanden sich an Fahrzeugen 



m üher 200 Lasten 


. . . 1 Ton 




. . 462 Usten, 


, 100—200 




... 41 mit zusammen 5771 „ 


, 50—100 


»> 


... 121 „ 


» 


8131 „ 


, 30— 50 


»1 


... 88 „ 


)) 


3748 „ 


, 15— 30 


>» 


... 167 „ 


»» 


- 88864 „ 
7889| „ 


, 2-15 


»» 


. . . 1078 „ 


)» 


, u. unter 2 


>i 


... 102 „ 


» 


lös „ 


An Dampfschiffen 


waren darunter 


7 


von ztuammea 



82| Lasten, resp. in Altena, Kiel, Neustadt und Bendsburg 
zu Hause gehörend. 

Die grösste Tragfähigkeit hat Blankenese aufzuweisen, 
nämlich 7617 Lasten und demnächst Altona mit 6657^ Lasten. 
Dann kommen die Zolldistrikte: Kendsburg mit 2607^, 
Elmshorn mit 1927|, Kiel mit 1893^ und Heiligenhafen ipit 
1359| Lasten. Alle übrigen Orte haben weniger als 1000 L. 
Schiff/ahrU 

An den Holsteinischen Küstenplätzen und in den Häfen 
an den Flüssen, mit Ausnahme des Freihafens Altena, sind 
nach den Zolllisten im Jahre 1863 an Schiffen: 



von and nach 



eingegangen 



Misgegangen 



'A-^k'-lhÄ" JL.«!»»«- AnrahL. S^* 



A. Segelschiffe: 

Schlesw.-Holat. Orten 
Dänemark .... 
Hamburg und anderen, 

fremden Elborten 
Ostseehäfen . . 
England .... 
Nordseehäfen ausser 

England . . . 
Trans-Atlantisch. Orten 



12.450 
1.607 



8.831 

1.115 

871 

289 
17! 



Lasten k 6200 Pfd'l 



68.950 
15.027, 

39.886 
17.315, 
18.038 



38.012 10.755 
11.608, 1.685 



II 



8.7O7I 
2.309 



20.004; 
15.596 
17.985j 

1.846' 
2.309 



7.982 

1.214 

240 



La- 
dung. 

Lasten 4 52ÜO Pfd* 
65.873 32.458 
16.721 3.599 

43.981 15.728 
24.6IO; 2.364 
11.781 5.052 



I 




8.810 
65 



susammen ,24.130 165.232il07.360,|22.073,167.926, 63.076 



Notizen. 



83 



TOB und iiaeh 


B!oge8»nf(en (| Aasgegugen 


>-ȟ.lSSSt 


1 Ladang. 


jAnsahL 


, Tragn- La. 
1 bigkelt. dang. 
Lasten k 5200 Pfd- 


1 LMten k 5KK) Pfd. 




B. Dampfschiffe: 1 | 


1 






SdÜMW.-Holst Orten | 21 6| — 


1.273 


221 


— 


424 


Daoemark . . . | 483 — 


6.265 


485 


— 


6.594 


loderen Orten . . . 


182| — 


2.483 


166 


— 


3.844 


suaommen 


881 





10.021 


862 





10.862 


Anuerdem sind Ton Schif- 














fen im Yorlaufen ge- 














löscht, bcxiehimstweiBel 


1 










geUaen 




561 






1.475 








, 1 




warte ein- o. ansgef. ' 






I 




Lasten h 5200 Pfd. 






119.2941 


1 75.418 










1 


unter A. waren: 1' ' 




. 1 


Schleewig-HolBtein. 20.S19jll9.936 


73.716 18.349 


122.827153.048 


Dänische .... 


942 


10.831 


8.672 948 


10.891 3.665 




1.822 


11.616 


6.813; 1.803 


11.639! 3.697 


sonstige fremde . ; 1.047 


22.961 


19.6111 973 


22.669| 2.766 


24.130i 165.232 108.712 122.073 


167.926,63.076 


Schiffahrt de$ Freihafei 


la Altana 1863. 


ll ElDKegMiff 






i Lasten k 


^'"«•k"-"iIÄ d^g. 




6200 Pfd.|| .Lasten k 5200 Pfd. 


Se«schifffahrt . . . . || 1.238 ' 61.999 
Fischerfahraenge . . . >! 468 2.914 


60.222 1.108 ' 39.239 16.348 


2.913 1 468 1 2.914 — 


FlnssBchiffbhrt . . . 14.671 41.484 


80.677 14.800 154.134 18.923 


: 6.877 '96.397 


83.712 


6.376 1 96.287 |29.271 




1.306 


712 


10 


1.806 ) 657 
97.692 129.928 


Summe 


6.387 


97.702 


84.4241 


6.386 


DtTon 




I 


1 


Schleswig-Holstein. . 


3.148 , 27.729 


23.770 


3.162 28.310 11.719 


Dinische .... 


108 1 2.927 


2.627 


92 2.354 972 


HannoTer'sche . . . 


1.676 16.819 


13.666 


1.667 16.726 i 4.840 


sonstige fremde . . 


1.460 60.227 


44.462! 1.465,50.203 12.897 


1 

1 


6.387 


.97.702 


84.424 1 


6.386 1 97.692 ;29.928 



Die Schweiaer meteorologisohen Beobachtuxigen. 

KachtragUchea zn den Bemerkungen yon Dr. Ä. Mühry im 10. Heft 1864. 

Dr. Mühry schreibt uns : „Zu jenen Bemerkungen ist das 
HauptmoÜT gewesen , eine räumliche Übersicht zu gewinnen 
sowohl der horizontalen wie det vertikalen Vertheilung der 
Meteore, und nur zu solchem Zwecke wurde vorher eine 
Zusammenstellung der einzelnen lokalen Befunde ausgeführt. 
Xicht konnte es Absicht sein, schon jetzt die normalen 
mittleren Werthe aufzustellen, und eben so wenig, dabei die 
Original-Tabellen überflüssig zu machen. Indessen aufmerk- 
sam geworden und gemacht auf einige Ungenauigkeiten, wird 
Tom Einsender hier gern Gelegenheit genommen zu deren 
Berichtigung, um welche zugleich ersucht wird. 

,J>as am Kopf der Kolumnen bezeichnete „Mittel" für 
Temperatur, Barometer, Saturation und Winde bedeutet 
nicht das Mittel der ganzen Tage, sondern nur der Stunde 
nm 1 Uhr Nachmittags (aufgenommen sind die Beobachtun- 
gen drei Mal täglich, um 7 Uhr, 1 Uhr und 9 Uhr, ausser 
an drei Standorten, wo stündlich abgelesen wird, nämlich 
in Genf, auf dem St. Bernhard und auf dem Simplen). 
Übrigens beziehen sich die angegebenen Minima und Maxima 
nicht nur auf die Stunde 1 Uhr, sondern auf alle drei Stunden. 

„Femer findet sich in den Original-Tabellen für die Mo- 
nate Januar und Februar (noch nicht för Dezember) eine 
Petermnsn'a Qeogr. Mittheünngen. 1865, Heft I. 



Kolumne bezeichnet „mittlere tägliche Schwankung"; diess 
hat Einsender verstanden als die Differenz der extremen 
Stunden und ^daher als terminologischen Ausdruck dafür 
gesetzt „tägliche Fluktuations- Amplitude" ; jedoch jene Be- 
zeichnung soll die Differenz der sich folgenden Tage bedeu- 
ten, ist eine selten zu findende Angabe und deshalb um 
so werth voller für Bestimmung der Variabilität, mit dem 
Ergebniss, dass diese Differenz, obwohl lokal sehr verschie- 
den, doch nach oben hin nicht abnimmt, darin gleich kom- 
mend der wirklichen täglichen Amplitude, die aber etwas 
grösser ist — Auch bei dem Barometerstuide ist die Diffe- 
renz der sich folgenden Tage zu verstehen; die wirkliche 
tägliche Fluktuations- Amplitude, welche hier nur zu Geni^ 
St. Bernhard und Simplen zu ersehen ist, zeigt dagegen 
eine entschiedene Abnidime nach oben hin, wie sie über- 
haupt erst sehr selten erwiesen ist; in Bezug hierauf ist 
jedoch kein Fehler begangen (s. S. 383). 

„Die Schuld, welche dem Einsender an jenen begangenen 
Fehlem zukommt, übernimmt er, wie billig ist, indessen, 
wie gesagt, das eigentliche Ergebniss seiner Zusanunenstel- 
lung ist dadurch nicht berührt worden und zum Theil liegt 
die Schuld doch auch an der noch der Übereinstimmung 
und Präcision ermangelnden meteorologischen Terminologie. 
Hier ist nicht der Ort, weiter darauf einzugehen; einen 
Versuch „über die genauere Bestimmung der Variabilität 
der KHmate" wird man finden in dem etwa zu Ostern er- 
scheinenden „Supplement zur klimatographischen Übersicht 
der Erde mit einem Appendix aus der geographischen 
Meteorologie". 

„Was die erwähnte tägliche Fluktuations- Amplitude des 
Barometers und deren Abnahme nach oben hin betrifft, so 
gestaltet sich diess Verhalten in folgender Weise: 



St. Bernhard, 2478 Meter hoch 
Sünplon, 2008 Meter hoch . . 
Gen^ 408 Meter hoch . . . 



Deabr. 



0,80 
0,77 
1,68 



Januar. Febraar. 



Mm. 
0,49 
0,» 
0,8» 



Mm. 
0,48 
0,49 
1,19 



MitteL 

Mm. 
0,iW 
0,M 
1,19 



„Was die erwähnte tägliche Fluktuations- Amplitude der 
Temperatur betrifft, nämlich die Differenz der Stunden 7 
und 1, so mögen hier die Mittel des Winters an den 
36 Orten nach deren in Heft X dargelegter hypsometrischer 
Folge, abwärts vom St Bernhard bis Basel (275 Meter 
hoch), einfach auch angegeben werden; sie lauten: 

Obere Reffion. Mittlere Region. Untere Region. 



8,7° c. 


1,«° C. 


6,1' C. 


*.» 


8,6 


3,4 


3,» 


7,» 


6.» 


2,« 


6,» 


«,T 


8,8 


3,8 


4.» 


3.« 


V 


3,« 


8.» 


8,4 


8.» 


8.« 


2.« 


*.» 




8,8 


3,. 




3,» 


4,J 




6,» 


3.4 




3,4 


4.« 




8,« 


3,» 



„Daraus ersieht man, dass die Differenz der extremen 
Stunden in Vergleich mit der Differenz der Nachmittags- 
Stunde 1 Uhr der sich folgenden Tage etwas geringer ist, 
aber ziemlich parallel damit Schritt hält, also ebenfalls lokal 

5 



34 



Notizen. 



sehr verschieden ist, doch im Ganzen nach ohen hin eine 
Abnahme nicht ei^ebt. Im Sommer wird sich diess wahr- 
scheinlich dahin ändern, dass dann eine geringe Abnahme 
nach oben hin erfolgt, wie es wenigstens vom 8t. Bernhard 
bekannt ist." 



Telegi^aphisohe Witterungsberichte in Husaland« 
£s ist bekannt, dass von einer grossen Anzahl Stationen 
in Europa und darüber hinaus täglich über Thermometer- 
und Barometer-Stand und Windrichtung nach Paris, London 
und Utrecht telegraphirt wird, auf der Pariser Sternwarte 
ein Bulletin international darüber erscheint und dass diese 
Beobachtungen ganz besonders auch zur Voraussage der 
Stürme und zu den desfalLsigen Warnsignalen in England 
wie auch in einigen Ländern des Kontinents die Grundlage 
bilden. Unter den leicht ausfüllbaren Lücken, die bis jetzt 
noch in diesem Netz telegraphisch verbundener Stationen 
bestehen, machen sich unter Anderem das Eussische Asien 
und Theile des Europäischen Eusslands bemerkbar (siehe 
Dr.Mühry in „Geogr. Mitth." 1864, S. 143), der Akademi- 
ker Kupffer aber, der berühmte Direktor des physikalischen 
Central-Observatoriums von Kusslaud, hat jetzt Maassregeln 
getroffen, um gerade Hussland möglichst vollständig in das 
Beobachtungsnetz zu ziehen. Die meteorologischen Stationen 
zu Keval, Nikolajew, Astrachan, Archangel und Nikolajewsk 
am Amur sollen zu Central-Observatorien eingerichtet und mit 
dem vollständigsten Instrumenten- Apparat versehen werden. 
Jedes Central-Observatorium wird dann eine gewisse Anzahl 
Stationen als Dependenzen haben; so sollen die Stationen 
Narwa, Baltisch-Port, Hapsal, Pernau, Biga und Libau zu 
Reval, die von Wiborg, Abo, Uleaborg und Tomeä zu Hel- 
singfors, die von Odessa, Sewastopol, Berdiansk, Taganrog 
und Poti zu Nikolajew, Kola zu Archangel gehören. Täglich 
werden dann wie in Paris die telegraphisch nach St. Peters- 
burg gemeldeten Beobachtungen nebst einer meteorologischen 
Karte veröffentlicht. An den Central-Observatorien sollen 
Marine-Ofdziere mit den Beobachtungen beauftragt werden. 

(JoutdbI de St.-P^tersbourg.) 



Gk)ld-Entdeckung in Trans-Kaukasien. 

An den Ufern des Ingur in Swanetien hat man ein 
Goldlager aufgefunden. Die Stelle befindet sich in dem 
Engpass, den der Fluss durchläuft, nachdem er sich mit 
dem Etsi-Tskale vereinigt hat. 



Die West-CbineBisohen Städte Chobdo und Urumtsi. 

In der Sitzung der St. Petersburger Geogr. Gesellschaft 
vom 19. Oktober 1864 berichtete Kapitän Printz über eine 
Beise nach der Stadt Chobdo am Ike Aral noor in Uliassutai. 
Ein beträchtlicher Handel, von dem man in Hussland kaum 
Etwas weiss, besteht im südöstlichen, vom Altai durch- 
zogenen Theil des Gouvernements Tomsk zwischen Russen 
und Chinesischen Händlern an den Ufern der Tschuja. Dieser 
Handel koncentrirt sich in den Händen der Kaufleute von 
Biisk, das etwa 600 Werst von der Tschuja entfernt liegt, 
und die Beise nach diesem Fluss durch die Schluchten und 



Gewässer des Altai ist mit bedeutenden Schwierigkeiten ver- 
bunden. Die Russen bringen ihre Waaren bis zu den Chi- 
nesischen Grenzposten und tauschen sie dort gegen Chinesi- 
sche Produkte aus, welche hauptsächlich über Chobdo, die 
nächste Stadt des Himmlischen Reiches, herbeigebracht wer- 
den. Herr Printz, welcher Gelegenheit hatte, mit drei Rus- 
sischen Kaufleuten diese Stadt zu besuchen, hält es für vor- 
theilhaft, dieselbe zum Mittelpunkt des Russischen Handels 
mit China zu wählen, da sie, auf der geradesten Verkehrs- 
linie nach China gelegen, bedeutend näher an Tomsk sei 
als Kiachta und auch näher an den Theebezirken als Ki- 
achta und Tschugutschak. 

Dieser Meinung widersprach jedoch 'Herr Skatschkow, 
der lange Jahre den Posten eines Konsuls zu Tschugutschak 
bekleidet hat. Nach ihm ist Chobdo durch zwei Strassen 
mit dem Lineren des Chinesischen Reiches verbunden, eine 
direkte Poststrasse, die aber für Karawanen nicht gangbar 
ist, und eine zweite, welche sich auf Umwegen durch die 
westliche Mongolei nach Uliassutai zieht, über ein steiniges, 
fast wüstes Land, und zum Waaren-Transport dient. Man 
könne nicht annehmen, dass diese Strasse jemals zum Thee- 
Export benutzt werden würde. Man solle auch bei der 
Wahl eines neuen Marktes in China nicht sowohl auf die 
Nähe der Theepflanzungen als auf die der Haupt-Handels- 
centren des Landes Rücksicht nehmen. Deren gäbe es aber 
zwei, Hang -ho mit Shanghai im Osten des Reiches und 
Urumtsi im Westen. Diese letztere Stadt zählt 150.000 
Seelen und spielt in China fast dieselbe Rolle wie Nishnij- 
Nowgorod in Russland. Dort strömen die Waaren aus Russ- 
land, den beiden Turkistau, der Bucharei, Kokand, Tasch- 
kend, Persien und Kaschmir zusammen, 140 Handelsagen- 
turen, 65 Chinesische Banken funktioniren permanent in 
Urumtsi, das, mit Magazinen angefüllt, eine beständige Messe 
hat. Alle Aussagen der eingebomen Kaufleute stimmen 
darin überein, dass die Kommunikation zwischen Urumtsi 
und Kur-kara-usson , wo sich die Strassen nach Kuldscha 
und Tschugutschak scheiden, für die grössten Karawanen 
alle Bequemlichkeiten biete; überall findet man nahrhafte 
Weide und Trinkwasser, überall gut erhaltene Brücken und 
sogar Tunnel, mittelst deren man das Ersteigen steiler Bö- 
sohimgen vermeidet; ausserdem hat man häufige und be- 
quemQ Halteplätze in den Städten, Dörfern und den zahl- 
reichen Wirthshäusem längs der Strasse. Urumtsi sollte 
man daher vor Allem über Tschugutschak und Kuldscha 
mit Nishni-Nowgorod in engere Verbindung setzen^). Chobdo 
könne sich wegen der Beschaffenheit der umgebenden Land- 
schaften weder mit Kiachta noch mit Tschugutschak in 
kommerzieller Beziehung messen, aber es könne dennoch 
einen Markt ersten Ranges für die Russischen Handelsbe- 
ziehungen zur westlichen Mongolei und besonders zu dem 
reichen Distrikt von Uliassutai abgeben, wohin Russische 
Waaren in grosser Menge über Kiachta und Ui^a gehen. 
Wie die Russische Akademie - Zeitung angiebt, will die 
Kaiserl. Russische Geogr. Gesellschaft eine wissenschaftliche 
Expedition nach Urumtsi schicken. 



*) Siehe über die auch historisch sehr interessante Stadt Urumtsi 
Ritter's Erdkunde, II, S. 380 ff. 



Notizen. 



S5 



Ohniphit-AuaAihr aus Sibirien« 
Auf der Londoner AuMtellnog von 1862 zogen Proben 
von Sibirischem Graphit die Anfmerksamkeit auf eich. Diese 
Proben stammten aus dem Tnruchansker Kreise am unteren 
Jenissei, genauer von den Flüssen Kureika und Untere 
Tungoska, die sich ungefähr unter dem Polarkreis in den 
Jenissei ergiessen. Bort hat der Kau&iann Sidorow, der- 
selbe edel gesinnte Mann, welcher bekanntlich vor einigen 
Jahren der Russischen Begiemng eine Million Silbermbel 
zur Gründung einer Universität in Lrkutsk oder Xobolsk 
anbot, in den Jahren 1859 bis 1862 reiche Lagerstätten 
Ton Graphit entdeckt, deren eine an 13.000.000 Pud oder 
5.000.000 Centner jenes werthvoUen Minerals enthalten soIL 
Zur Ausbente dieser Lager war es vor Allem erforderlich, 
bessere und billigere Transportmittel zu schaffen. Auf 8i- 
dorow's Veranlassung machte daher Lieutenant Krusenstem 
im J. 1862 den Versuch, yon der Petschora zu Schiffe 
durch das Karische Meer nach der Mündung des Jenissei 
zu gelangen, und in demselben Jahre rekognoscirte ein ehe- 
maliger Beamter des Obdorskischen Kreises, Kuschelewskji, 
einen Landweg vom Tnruchansker Kreise nach Obdorsk« 
Bas Kmsenstem'sche Unternehmen missglückte bekanntlich, 
er und seine Mannschaft retteten mit genauer Noth das 
Leben >); dagegen ist der Landtransport von Turuchansk 
nach Obdorsk und yon da nach der Petschora wirklich ins 
Werk gesetzt worden. 

Bie Tobolsker Gouvernements-Zeitung bringt die inter- 
essante Nachricht, dass in Folge der kürzlich eingerichteten 
direkten Verbindung zwischen dem Obi und einem neuen 
Hafen der Petschora Englische Schiffe im August 1864 in 
diesen Hafen eingelaufen und mit einer Ladung von Graphit 
und Lärchenholz im September nach London zurückgekehrt 
seien. Mit Becht begrüsst das of^elle Organ in diesem 
Faktum den Beginn einer glücklichen, für den auswärtigen 
Handel und die innere Lage jener nordischen Gegenden sehr 
bedeutungsvollen Entwickelung. 



Ein Bassischer Dampier aui dem 8ongarL| 

Ber Bussischen Akademie-Zeitung wird aus Irkutsk fol- 
gende wichtige Nachricht geschrieben: Unser Baddampfer 
ist den Songari, einen Zufluss des Amur, bis zur Man- 
dschurischen Stadt Ghirin hinaufgefahren, welche die ent- 
fernteste ist und ^em Gouverneur des ganzen Landes zur 
Besidenz dient. Ber Songari durchströmt von Süd nach 
Nord fast die ganze Mandschurei und seine Ufer sind ziem- 
lich bevölkert. Li der Stadt Ghirin zählt man über 100.000 
Einwohner. Bie Behörden empfingen unsere Beisenden mit 
Misstrauen, dagegen drängte sich die Bevölkerung der Städte 
in Masse um die Bussen und kümmerte sich wenig um die 
Peitschenhiebe, welche die Polizei austheilte. Bie Leute 
waren hauptsächlich über den Bampfer erstaunt, der mit 
Hülfe seiner Bäder gegen die Strömung schwamm. 

Dieser erste Besuch der Bussen an den Ufern des Son- 
gari hatte vorläufig einen wissenschaftlichen Zweck, es wurde 
festgestellt, dass der Fluss tief und schiffbar ist bis zur 
Mündung seines Nebenflusses Noni-Ula, weiterhin begegnete 
man Untiefen. Vom Noni-Ula weiss man noch nicht, ob er 



Siehe Antf&hrlicheto hierfiber in Ermtn's ArchiT, 1864, S. 107 u. 317. 



schiffbar ist Bie zweite Exploration wird leichter werden. 
Ein Praoedenz-Fall hat bei den Chinesen die Kraft eines 
Gesetzes ; weil die Bussen in Ghirin waren, werden sie da- 
hin zurückkommen können. 



Bohlfs' Beise über den Marokkanischen Atlas nach Tuat. 

Wie aus den früher publicirten Briefen Gerhard Bohlfs' 
bekannt ist, wollte er Ende April v. J. von Uesan im nörd- 
lichen Marokko nach Süden aufbrechen, das Atlas-Gebirge 
überschreiten und von Tafilelt aus im August nach Tuat 
und Timbuktu weiter ziehen (s. „Geogr. Mittheil. ", 1864, 
Heft IX, S. 341). Ber Übergang über den Atlas und die 
Erreichung Tuat's ist ihm gelungen, doch die Beise nach 
Timbuktu hat er abermals aufschieben müssen. Am 13. Juni 
schrieb er von Abuam (oder Bu Amm >) in Tafilelt an seinen 
Bruder : 

„Ba morgen eine Karawane nach Tlemsen geht, so be- 
nutze ich diese Gelegenheit, Bir die glückliche Ubersteigung 
des mit ewigem Schnee bedeckten Grossen Atlas so wie 
meine Ankunft in der Oasis Tafilelt zu melden. Ben AÜas 
habe ich, wie ich vorhatte, an den Quellen des Sebu, der 
Muluia und des Sis überstiegen, wie ich Bir schon vor 15 
Tagen von Mdaghra (M-Bayara Caillid's, Medghara) schrieb, 
aber dieser Brief kommt Bir vielleicht früher zu als der 
von Mdaghra aus geschriebene^). Von meinen Erlebnissen 
führe ich hier Nichts an, Alles ist in mein Tagebuch ein- 
getragen. 

„In einigen Tagen denke ich mit einer Karawane nach 
Tuat aufzubrechen und Anfang August Insalah in Tidikelt 
zu erreichen. Alles geht gut, die Empfehlungsbriefe Sidi- 
el - Hadj - Absalom's sind mir von ausgezeichnetem Nutzen 
gewesen und noch jetzt habe ich grossen Nutzen davon; 
meine Gesundheit ist trotz der grossen Hitze vortrefflich, 
aber mein Geld schmilzt wie der Schnee. Meine Pferde 
habe ich hier verkauft und werde nun bis Tuat Kameele 
miethen, da es zu theuer kommt, sie hier zu kaufen. Bis 
Timbuktu denke ich mit meinem G«lde auszureichen und 
von dort wird Ahmed -el-Bakay mir schon weiter helfen. 
Aber, wie ich Bir schon geschrieben habe, bewirb Bich um 
ein Stipendium zur Bückreise und sende es noch dieses Jahr 
nach St Louis, denn auf alle Fälle kehre ich zu Lande 
zurücL Ba jetzt Friede im Sudan ist, hoffe ich zu Ende 
dieses Jahres am Senegal einzutreffen. Zur Bückreise brauche 
ich, wenn ich sie mit Nutzen machen soll, 500 Thaler. 

„Heute habe ich schon einen tüchtigen Weg zu Fuss 
gemacht, ich komme von der Sauia min-el-Aichäf, dem süd- 
lichsten ICsar in Tafilelt, wohin ich einen Empfehlungsbrief 
hatte. Bieser Brief wird von dem Sohn, bei dessen Vater 
ich hier logire, in Tlemsen auf die Post gegeben '), derselbe 
geht morgen mit Straussenfedern von hier ab. Auf Ant- 
wort kann ich nicht hoffen, schicke Alles nach St Louis, 
vielleicht bin ich eher dort, als Ihr denkt" 

Bie Andeutungen über den eingeschlagenen Weg lassen 
vermutlien, dass es derselbe war, auf dem CaiUi^ 1828 den 

*) Zur Orientiruiig b. A. Petenoann, Karte rom Mittellindischen 
Meere und Nord- Afrika, westliches Blatt (Stiel or's Hand- Atlas, neue 
Ausgabe, Nr. 10). 

>) Dieser Brief ist bis jetzt nicht angekommen. A. P. 

*) Nach dem Poststempel ist er erst am 86. August in Tlemsen 
aufgegeben worden und am 8. September in Paria angelangt. A. P. 

5« 



86 



Notizen. 



Atlas von Süd nach Nord überschritten hat und über den 
wir auch sonst einige Nachrichten besitzen. Dennoch ist 
der Übergang über den Atlas in Marokko ein ruhmwürdiges 
und interessantes Faktum; von Europäern hat Kohlfs eben 
nur Cailli^ zum Yoi^äuger, denn Jackson hat das Gebirge 
nur ganz im Westen, zwischen Agadir und Marokko, pas- 
sirt; noch neuerdings stellt v. Maltzan (»»Drei Jahre im 
Nordwesten von Afrika'') diesen Übergang als kaum aus- 
führbar hin. Zudem ist Caillid's Beschreibung äusserst 
dürftig, sie giebt über die Natur des Gebirges so gut wie 
gar keinen Aufschluss, und die sonstigen Nachrichten über 
die Strasse nach Tafilelt sind mehr oder weniger ausführ- 
liche Itinerarien, die indess nicht einmal hinreichen, die 
Lage der Stationen ausser allen Zweifel zu stellen. Wer 
die dankenswerthe Zusammenstellung und kritische Erläu- 
terung dieser Nachrichten in Eenou's „Description g^ogra- 
phique de TEmpire de Maroc" (p. 93 ff.) liest, erkennt 
deutlich, wie viel noch an einer befriedigenden Darstellung 
der Strasse fehlt. Dass Eohlfs' Aufzeichnungen zur bes- 
seren Kenntniss des Atlas beitragen werden, ist ganz ge- 
wiss, da er trotz der angenommenen Maske des Moham- 
medaners barometrische Höhenmessungen angestellt hat, wie 
er uns in einem zu unserer Überraschung aus Tripoli da- 
tirten Brief schrieb. Dieser Brief lautet: 

„Tripoli, den 30. Dezember 1864. — Gestern angekom- 
men beeile ich mich, Ihnen kurzen Bericht abzulegen über 
den ersten Theil meiner so eben beendeten Beise. Sie er- 
staunen wohl, statt Yon Timbuktu oder vom Senegal aus 
einen Brief von Tripoli datirt zu erhalten, indess der Mensch 
denkt, Gott lenkt. 

„Nachdem ich den Grossen, mit ewigem Schnee bedeck- 
ten Atlas glücklich überschritten und Tafilelt erreicht hatte, 
brach ich yon dieser Oase über Ued Gehr nach dem Ued 
Ssaura (Messaura) auf und verfolgte diesen Eluss nach Tuat 
hinab ohne Unfall trotz der räuberischen Bewohner seines 
Ufers. Von hier drang ich in Tuat ein, durchreiste es yon 
Norden nach Süden und kam wohlbehalten in Tidikelt an. 
In Insalah stieg ich bei demselben Scheich ab, dessen Yater 
den Major Laing beherbergt hatte, und obgleich dieser fana- 
tische Mann mir erklärte, dass er jeden Christen, der sein 
Land betreten sollte, tödten würde, nahm er mich doch gut 
auf und legte meiner Beise nach Timbuktu keineswegs 
Schwierigkeiten in den Weg. Der indess ausgebrochene 
Krieg zwischen Ahmed el Bakay und den Tuareg, von 
denen ein Hogar- Stamm seinen älteren Bruder Mohammed 
^evir in Mabnik im Oktober 1864 ermordet hat, verschob 
aber den Abgang der Karawane. Zudem waren meine Geld- 
mittel der Art zusammengeschmolzen, dass ich wohl noch 
die berühmte Wüstenstadt hätte erreichen können, dort aber 
von allen Mitteln entblösst angekommen wäre. Ich zog es 
daher vor, über Ghadames nach Tripoli zu gehen, wo ich 
auf weitere Mittel zur ferneren Fortsetzung meiner Beise 
hoffen konnte. Mein Tagebuch, das ich meinem Bruder ge- 
schickt und das die ausfuhrliche Beschreibung der von mir 
explorirten Länder enthält, steht ganz zu Ihrer Disposition, 



^) Dieser Bruder des beriUunten Scheich ist in dem Stammbaum, 
welchen Dr. Barth yeröffentlicht hat (Barth's Reisen, lY, S. 686), nicht 
erwähnt. Sollte Bohlfs' Nachricht Tielleioht auf einer Verwechselung 
beruhend 



auch sende ich Ihnen mit einem der nächsten Couriere die 
, barometrische Höhe der hauptsächlichsten Berge, die ich 
Gelegenheit hatte zu passiren, so wie die der meisten Laa- 
despunkte, wo ich einen längeren Aufenthalt hatte. 

„Da ich einen Monat oder 6 Wochen hier zu bleiben 
gedenke, um mich von der Hitze etwas zu erholen, die ich 
diesen Sommer in Tuat, wohl einem der heissesten Punkte 
der Erde, erduldet habe, und da ich nicht weiss, ob ich 
dieses Mal auf ein Beisestipendium des Bremer Senats oder 
der Londoner Geogr. Gesellschaft rechnen darf, so wende 
ich mich an Sie und bitte, mir mit Ihrem Bath beizustehen. 
Ich würde dann im Februar oder Anfang März von hier 
aufbrechen." 

Ein Blick auf die Karte lehrt, von welcher Bedeutung 
schon die einfache Beschreibung der Beute von Tafilelt über 
Tuat und Tidikelt nach Ghadames sein muss, da wir über 
diese ganze Tour Nichts als Erkundigungen haben. Ausser- 
dem verspricht aber Herr Bohlfs Höhenmessungen und Aus- 
führliches über die durchreisten Landschaften, wir dürfen 
also zuversichtlich auf sehr werthvoUe Beiträge zur Geo- 
graphie von Afrika hoffen. 



Die Regenmenge in Australien, 1861 und 1862. 
Begraben in einer Masse statistischer Nachweise finden 
wir in den Englischen Farlaments-Papieren, welche die Be- 
richte der Kolonialgouvemeure über das Jahr 1862 enthal- 
ten, beachtenswerthe meteorologische Daten aus den Austra- 
lischen Kolonien, namentlich Angaben über den Begenfall 
in den beiden Jahren 1861 und 1862. Die Summen sind 
folgende : 



Kolonie. 


Station. 


Queensland . . 


Brisbane 


Neu-Süd-Wales 


Armidale 




Bathnnt 




Cooma 




Goulburn 




Sydney 


Sfid-AustnOien 


Adelaide 



Höbe 

ttber dem Meere.' 



Regenmenge 

1861. I 1862. 



— 69,49 Engl. Zoll 28,27 Engl. Zoll 



3278 Engl. F. 41,08 



238S 

2637 

2129 

145 



29,82 
15,40 
23,52 
58,86 
! 25,18 



117,17 
,16,87 
|14,41 
16,85 
! 23,99 
,22,59 



Im südlichen Queensland sowohl wie in Neu-Süd-Vale» 
war das Jahr 1862 ein sehr trockenes, es folgten ihm aber 
1863 die zerstörendsten Überschwemmungen, die seit 1841 
beobachtet worden waren. Nur in Adelaide überstieg die 
Begenmenge des Jahres 1862 den durchschnittlichen Werth 
von 21,98 Engl. Zoll, den die Beobachtungen seit 1839 
ergeben. Da für die letztere Station die Durchschnittszah- 
len der einzelnen Monate aus den Beobachtungen der Jahre 
1839 bis 1858 in den „Geogr. Mittheil." (1860, S. 242) auf- 
geführt worden sind, so fügen wir dieselben für die Jahre 
1859 bis 1862 hier bei. 



Jahr. 


Januar. 


Februar. 


Uän, 


ApriL 


Mal. 


JunL 




1859 


0,84 


1,16 


0,0 


0,785 


4,67 


2,075 




1860 


0,175 


0,0 


2,105 


4,405 


2,456 


3,628 




1861 


0,49 


0,68 


1,46 


2,006 


4,258 


1,941 




1862 


0,276 


0,78 


0,89 


1,611 


5,15 


1,81 




Jahr. 


Juli. 


August September. 


Oktober. 


Novbr. 


Dezbr. 


Jahr. 


1859 


0,75 


1,788 


0,671 


1,455 


0,768 


0,51 


14,84 


1860 


1,406 


0,765 


1,662 


1,445 


0,878 


0,748 


19,67 


1861 


4,168 


1,168 


2,48 


1,825 


0,688 


4,285 


25,19 


1862 


5,405 


3,888 


1,766 


1,165 


0,769 


0,166 


22,59 



In Queensland waren 1862 auch die Temperaturen eztrenu 
Das Thermometer stieg im Schatten bis 100,2^* und fiel bi& 



Literatur. 



37 



31** F. Die gröBste tägliche Schwankung kam am 1. Nov. 
Tor, an welchem der Unterschied zwischen höchstem und 
niedrigstem Thermometerstand 39,9 ** F. betrug. Im Jahr 
1861 war die grösste tägliche Sdiwankung 37,6^ und die 
£ztreme des Jahres 99,7* und 37** F. Die Verdunstung 
betrug 1861 61,793, 1862 72,265 Engl Zoll. Ungewöhn- 
lich gross war auch 1862 die Sterblichkeit, besonders unter 
den Kindern. 



Geographische literatur. 

Vorbericht. 

Afrika wixd in Geographicis voraussichtlich auch im Jahre 
1865 den Vorrang vor den übrigen Erdtheilen behaupten. 
Zwar hatten die Afrikanischen Forschungen in dem eben 
yergangenen keinen Mangel an Täuschungen und Opfern, 
aber es ward auch mancher Same zu künftigen Früchten 
gesäet und manche reife Frucht geborgen. 

Die Tinne'sche Expedition und mit ihr Th. v. Heuglin 
kehrten nach Ägypten zurück, ohne die Ziele ganz erreicht 
zu haben, die sie sich gesteckt, und mit Trauer im Herzen 
über den Tod von Angehörigen und Geföhrfen; dass sie 
aber nicht umsonst gelitten und gerungen haben, wird schon 
aus den Aufzeichnungen v. Heuglin's ersichtlich, die wir 
im 15. Ergänzungsheft der „Geograph. Mittheil." so eben 
publiciren, und wird noch mehr zu Tage kommen, sobald 
die reichhaltigen fachwissenschaftUchcn Sammlungen zur 
Bearbeitung gelangen. Für die botanischen Sammlungen 
eröffiiet sich dazu eine nahe Aussicht, indem gegenwärtig 
Kotschy selbst, unstreitig die beste Kraft hierzu, die Ker- 
barien Enobiecher's, Binder's und Hansal's nebst seinen 
eigenen in den Jahren 1837 und 1840 gemachten Samm- 
lungen für die Wiener Akademie bearbeitet und die Her- 
barien und Zeichnungen der Deutschen Expedition zu glei- 
chem Zweck an sich zieht. Er hojfft die Gesammtausbeute 
in einem Folioband als Besultat der Deutschen Expedition 
zu verÖfTentlichen. 

Über Baker's Verbleib hen-scht immer noch Ungewissheit. 
Dass ein Theil seiner Leute nach Chartum zurückgekom- 
men ist, ohne eine Zeile Ton ihm mitzubringen, ist gewiss 
sehr verdächtig, doch wollen wir die Hoffnung nicht auf- 
geben, dass es ihm gelungen ist, die Speke'schen Ent- 
deckungen wesentlich zu vervollständigen, und dass er mit 
reicher Ausbeute wohlbehalten zurückkehren wird. 

Wie viel des Lehrreichen wir von dem Belgischen Nil- 
Beisenden v. Pruyssenaer zu erwarten haben, darüber geben 
seine Briefe an Th. v. Heuglin, die im 15. Ergänzungsheft 
enthalten sind, wenigstens einige Andeutungen. 

Von dem grossartigen Kartenwerke Lejean's, über das 
wir auf S. 393 des vorigen Jahrganges berichteten, liegt 
uns jetzt in vorzüglicher Ausführung das Blatt vor, wel- 
ches die Heise von Chartum durch Kordofan bis an die 
Grenze von Darftir und nach dem Haraza darstellt. Li 
dem für diese Gegenden grossen Maassstab von 1 : 570.000 
konnten die Beuten sehr detaillirt eingezeichnet werden, 
ganz neu sind die zwischen dem Djebel Haraza und Char- 
tum und die westlich von Lobeit zum Djebel Abu Senun 
und nach Abu Haraz führenden. Die Umgegend des letz- 
teren Ortes ist in grösserem Maassstabe besonders darge- 



stellt, das meiste Literesse aber gewährt der auf demselben 
Blatt angebrachte Plan von Chartum und Umgegend, der 
unter Anderem die Ausdehnung des Blauen und Weissen 
Nil in der Nähe ihrer KonfLuenz zur Zeit des höchsten 
und des niedrigsten Wasserstandes vor Augen führt Es 
lässt sich nach dieser Probe bcurtheilen, welchen ausser- 
ordentlichen Werth das ganze Werk haben muss, und höchst 
erfreulich war es uns zu erfahren, dass vielleicht schon 
Ende Februar die erste Lieferung, 84 Seiten in 4^^ und 
6 Eartenblätter, erscheinen wird. Ausserdem veröffentlicht 
der ungemein thätige und gewandte Autor seine Beise nach 
den Bogos in der „Bevue des deux mondes" vom 15. Januar 
und die Beise von Kassala nach Keren in vier Lieferungen 
des „Tour du Monde'' vom 1. Februar an. Zugleich hat er 
eine ethnographische Abhandlung über Sennaar geschrieben. 
Ob er nach Afrika zurückkehren wird, ist noch ungewiss; 
bleibt er nächsten Sommer in Europa, so beabsichtigt er, 
3 Monate hindurch seine früheren Studien in der Türkei 
fortzusetzen. 

Auch von den Tagebüchern und den schönen Zeich- 
nungen V. Hamier's (s. „Geogr. Mittheil." 1863, S. 198) 
können wir melden, dass sie ihrer Publikation rasch ent- 
gegengehen. Herr Maler Bematz in München hat die Aus^ 
führung der Bilder übernommen, über ihren künstlerischen 
Werth und die Vorzüglichkeit ihrer technischen Herstellung 
kann daher kein Zweifel bestehen und wirklich waren wir 
aufs Neue von der ausserordentlichen YoUendung einiger 
uns gütigst als Probe übersendeter Blätter überrascht. Es 
werden im Ganzen 40 Blätter in Farbendruck, in gross 
Quarte Format, dem Texte beigegeben, ein geographisches 
Album, wie dergleichen nur sehr selten zur Yeröffentlichung 
kommen und das imi so grösseres Interesse bietet, als man 
aus den Ländern am Weissen Nil noch so gut wie keine 
Abbildungen besitzt. Die von dem Bruder des Verstorbenen 
bewirkte, mit sehr grossen Opfern verbundene Herausgabe 
der schönen Zeichnungen verdient dankbarste Anerkennung. 

Das Gebiet der grossen See'n und Schneeberge in Ost- 
Afrika wird hoffentlich durch Baron von der Decken's neues 
Unternehmen in wesentlichen Theilen erschlossen werden 
und schon vorher verspricht Livingstone's Werk über seine 
letzten Explorationen reiche Ausbeute für die Kenntniss 
des Nyanza, Schire und Zambesi. 

Bitter sind die Verluste und Täuschungen in den Län- 
dern an der Westküste gewesen. Adbigot und Touchard, 
welche im „Pionnicr" den Ogowai hinaufdampften, sind 
wegen niedrigen Wasserstandes nicht weiter gekommen als 
Serval und Griffen du Bellay zwei Jahre zuvor. Mage und 
Quentin, welche vom Senegal aus den Niger glücklich er- 
reichten, muBsten den ganzen Sommer über in dem belager- 
ten Segu bleiben und hatten auch im September noch 
keine Aussicht, weiter zu kommen. Jules G^rard, der Löwen- 
tödter, den hindernde Umstände verschiedener Art von seinem 
Ziele, den Niger -Quellen, zurückhielten, fand einen raschen 
Tod in einem Eüstenfluss. Den empfindlichsten Verlust aber, 
einen tief beklagenswerthen und wahrhaft ergreifenden, hat 
die Wissenschaft in dem durch Charakter und Kenntnisse 
gleich ausgezeichneten Dr. Baikie erfahren. Acht Jahre 
seines Lebens hat dieser hoch verdiente, für Menschenwohl 
und Wissenschaft begeisterte Mann geopfert, um die natür- 
lichen Vortheile, welche Niger und Binue als bequeme Zu- 



38 



Literatur. 



gäiige zum lunercii des Afrikanischen Kontinents bieten, für 
Handel, Wohlfahrt, Civilisation und wissenschaftliche For- 
schung auszubeuten. Mit den Schätzen reicher Wissens- 
fülle beladen trat er endlich im Juni die Bückkehr nach 
England an, um seinen alten Vater wiederzusehen, da rafft 
ihn in Sierra Leone eine Krankheit hinweg, nachdem er 
80 lange Zeit dem tödtlichen Klima einer der ungesunde- 
sten Länder der Erde widerstanden. Die schon sichere 
Hoffnung, eins der bedeutendsten Werke über Afrika aus 
seiner Feder zu erhalten, ist mit ihm geschwunden, denn 
wenn auch das Englische Auswärtige Amt, wie es heisst, 
die zahlreichen an die Regierung und an gelehrte Gesell- 
schaften eingeschickten Arbeiten des Verstorbenen gesam- 
melt herausgeben will, so ist doch nun an eine irgend voll- 
ständige Verarbeitung des unter den grössten Entbehrungen 
und Mühen zusammengetragenen Materials nicht zu denken. . 

Doch auch für jene Gegenden beginnen wir das Jahr 
nicht hoffnungslos. Du Chaillu hat Ende August den Fer- 
nand Vaz verlassen und seine neue Beise ins Innere ange- 
treten, auf der er möglichst dem Äquator gegen Osten hin 
folgen zu können hofft; Captain Burton beabsichtigt, vor 
Antritt seines neuen Konsulat - Postens zu Santos in Süd- 
Amerika den Quellen des Niger sich zuzuwenden, und die 
schon früher erwähnte grosse Französische Niger-Expedition 
unter Magnan lag im Dezember zu Marseille zur Abfahrt 
bereit. 

Nehmen wir noch die in einer Notiz dieses Heftes ge- 
meldete Erreichung Tuat's durch Rebifs in Betracht, so 
bietet sich auch für dieses Jahr wieder Aussicht auf mannig- 
faltigste und reichste Belehrung über den Erdtheil, des- 
sen Erforschung in unserer Zeit die Hauptaufgabe der Geo- 
graphen ist. 

Aus anderen Erdtheilen fügen wir nur einige kurze 
Notizen bei. Herr Dr. Kiepert schreibt uns, dass über das 
Innere von Arabien Wichtiges zu erwarten ist „Die dürf- 
tigen, in London veröffentlichten Notizen Palgrave*s geben 
keinen Begriff von dem Umfang seiner Forschungen, die 
bei dem trostlos elenden Zustand des bisherigen Materials 
glänzend erscheinen, trotzdem er weder Uhr noch Kompass 
auf seiner Wanderung gehabt hat, aus gegründeter Besorg- 
niss, dadurch verdächtig zu werden. Er wird seine Karte 
hier in Berlin stechen lassen. Eine weit gründlichere Basis 
für eine neue Konstruktion der Karte des centralen Nedschd 
hoffe ich aber aus einem so eben durch Konsul Rosen's 
Vermittelung aus Jerusalem eingegangenen Reisebericht von 
Guarmani, Französischem Reisepostmeister, der wegen Ein- 
kaufs von Pferden in Nedschd gewesen ist, zu gewinnen 
und im Februar -Heft der Zeitschrift für Allgemeine Erd- 
kunde zu publiciren." 

Ein bis jetzt unveröffentlichter Plan von Samarkand, 
vom Topographen Jakowlew im Jahre 1841 aufgenommen, 
als sich die Russische Expedition unter Buteniew, Chani- 
kow und Lehmann in der berühmten Stadt aufhielt, ist 
uns durch die Güte des Herrn General v. Blaramberg, der 
jene Expedition bekanntlich von Orenburg bis an den Sir- 
Daria mit einem Truppen - Detachement begleitete, zur Pu- 
blikation in den „Geogr. Mittheil." zugegangen. 

Pissis hat im vorigen Jahre eine geologische Reise nach 
Araucanien ausgeführt und die Andes daselbst überschritten. 
Er fand, dass sie dort ein Trachyt-Plateau bilden, auf wel- 



chem vier noch thätige Vulkankegel aufgesetzt sind und 
das sich gegen West auf Devonisches Terrain oder tertiäre 
Konglomerate stützt, während es gegen Ost am Fuss einer 
aus rothem und Lias- Sandstein bestehenden, die Rich- 
tung des Andes - Systems einhaltenden Kette endigt. Diese 
20 Lieues östlich von der Wasserscheide aufsteigende Kette 
ist die letzte, der man begegnet, jenseit derselben breiten 
sich die Pampas aus. Pissis wird die Resultate seiner 
Beobachtungen der Pariser Akademie der Wissenschaften 
mittheilen. 

ECr&OPA. 

Alpine Journal (The), t record of moantam adrentare and scientifie 
obserration. By memberB of the Alpine Club. Kdited bj H. B. 
George, K. A. Vol. I, 1863^1864. 8», 456 pp. mit Holiachnitten, 
Panoramen und 7 Karten. London, Longman, 1863/64. 14 s. 

Die vor Jahren hie and da vernommenen Spöttelelen ttber die Kletterer 
dei Londoner Alpen-Club nnd ihre haanträabenden Wagstfleke «Ind naoh and 
nach ffSnxlich veratummt vor den thataüehlicben Leistungen Jener Herren. 
Ihre schönen Publikationen , die ew«I Bünde der »Peak«, Passes and Qladera** 
wie Ball's nAlplne Guide*', bezeugten unverkennbar, dass nicht Ehrgeis und 
Lust an kflhner SelbsterprobuuK , sondern weit Überwiegend die wahre Uebe 
aar Natur nnd der wlssensehafUiehe Trieb xur grflndliehen Kenntniss der herr^ 
liehen Alpen-Welt die Motive fUr die waghalsigen Unternehmungen der Verefne- 
mitglfeder abgeben; Ihre Arbeiten bekamen auch mit der Zeit einen s/stemad- 
soheren Charakter, wobei die Anwesenheit ausgexeichneter Gelehrten im Verein 
sieher nicht ohne Elnfluss war, nnd gegenwärtig ist der Londoner AlpenClab 
Kugleioh mit den Jüngeren Alpen • Vereinen Oesterreichs , Italiens und der 
Schweiz auf dem besten Weg«, die immer noch zahlreichen Lttoken in der 
Topographie der Alpen bald so vollstündlg auszufüllen, wie diess Einzelnen 

gm Gegensatz zu Qeneralstüben n. s. w.) ttberhanpt möglich sein wird. Die 
rttndung einer Zeltschrift , welche die raschere Publikation der Reiseberichte 
ermöglicht, Desiderate bespricht, dnreh Notizen und Fragen anregt, mnsste den 
Zwceken des Vereins höchst förderlieh sein und wir glauben , dass das Alpin« 
Journal, das seit dem März 1863 in viertelf Ihrigen Heften erschelBt, flir die 
Bpezialkunde unserer EuropiUschen Hochgebirge von ausserordentliohem Werthe 
sein wird. Schon In den ersten acht Heften, die zum ersten Band vereinigt sind, 
finden wir mehrere ganz Tortreffltehe, in wlssensehaftUohem Geist gehaltene und 
sehr lehrreiche Arbeiten, wie s. B. Tuckett's Exploratlons in the Alps of Danpbin4 
nnd desselben Contribntions to the topographr of the Orteier and Lombard 
Alpes (siehe S. 6 dieses Heftes), aueh sind die Kartenbeilagen, die Panoramen 
nnd Ansichten kein blosser Schmuck, sondern dem wissenschaftlichen Geechmack 
enteprediend, nnd ao empfehlen wir die Zeitschrift den Freunden und Kennern 
der Alpen wie den geographischen Kreisen aufk AngelegentUehste. — Der 
Inhalt beechrinkt sieh zwar nicht anssohllessllch anf die Alpen, es sollen dem 
Prospekt safolge die Gebirge aller Brdthelle Berttekslchticnng finden, doeh 
enthalt der erste Band nur wenig nicht auf die Alpen BesOgliches, nimlieh 
einige Reiseberichte ans den Pyren&en , ein Paar korse Notizen ttber Island 
nnd einen Aufsatz von Eden ttber seine Besteigung des Vulkans Bl Vlejo in 
Nloaragua. 
SydoWy £. T.: Überaioht der wichtigsten Karten Boropa's. Mit beson- 
derer Rücksicht anf das militar-geographische Bedürfhiss snsammen- 
gestellt. 1. ThL 8^172 88. Mit Beilage in Fol. Berlin, MiUler, 1864. 

1 Thlr. 

iiDaa vorliegende Verzelehnlss stellt sich", naoh des Herrn Verfassers eigenen 
Worten In der Vovbemerkung, »die Aufgabe, von den vielen bis Jetzt publi- 
drten Karten Earopftlscber Länder diejenigen hervorzuheben, welche gegen- 
wärtig für das geographische Studium und den unmittelbaren G^rauch den 
meisten Werth haben. — Hiernach ist weder die systematische Bearbeitung 
eines voUstlLndigen Karten-Kataloges noch die tiefer eindringende Beurtheilung 
der einzelnen Karten beabsichtigt worden. Die wenigen Bemerkungen, welche 
den Karten-Titeln hinzugefügt sind, bezwecken nur eine etwas niOteie Bezeich- 
nung, damit die Answahl für diess oder Jenes BedOrfoiss erleichtert werde. Ana 
demselben Grunde ist auch die Zahl der angeführten Karten möglichst beschränkt 
worden und es konnten namentlich ältere Karten nur beiläufig erwähnt wer- 
den, selbst wenn sie zu Ihrer Zeit in bestem Ruf gestanden." 

Die Idee, welche diesem Werke zu Grunde gelegen bat, ist eben so sehr eine 
glückliche zu nennen als ihre Ausführung in hohem Grade gelungen ist ; denn 
es gab bisher keinen wirklich handlich und praktisch eingerichteten Führer, 
um sich augenblicklich und mit Leichtigkeit auf dem grossen und verwickelten 
Felde Europäischer Kartographie zu orientlren; dass kein anderer lebender 
Mann den Gegenstand In demselben Maaase beherrscht als Herr v. Bydow, be- 
darf wohl keiner Versicherung für Solche , welche die von ihm während eine« 
Decennliims für unsere Zeitschrift mit aufopferndem Elfer und Flelss naoh 
den Quellen verfassten Jahresberichte über den kartographischen Standpunkt 
Europa's kennen. Es muss für den hoch verdienten Autor eben so eine grosse 
Freude als für die geographische Welt von hohem Werth sein, hier eine für 
allgemeine Zwecke durchaus brauchbare General-Rekapitulation zu haben, bei 
der wir ausser der eminenten Beherrschung des Stoffes und der eben so gedie- 
genen als unparteiischen Kritik ganz besonders die praktische Einrichtung dea 
Ganzen hervorheben müssen. Der Druck Ist übersichtlich und trefflich arran- 
girt zum NachschUgen, welches übrigens durch Kolumnentitel noch erleichtert 
sein würde. — Eine sehr werthvolle Beigabe sind die Längen- und Flächen- 
Uaasse der verschiedenen Länder, von besonderem Interesse die Angabe neuer. 
In Arbelt befindlicher für Publikation vorbereiteter Kartenwerke , ganz zweek- 
mässlg die gewlssermaassen als Eingang vorangeschlekte Aufführung von Brd- 
karten und Atlanten und die Zugabe von den kartographischen Ueberslchta- 
blättem, wobei man besonders in den auf Russland bezüglichen Blättern das 
Bestreben des Autors, der Kartographie möglichst zu nützen, erkennen mnza. 



Litenttur. 



39 



Karten« 

Atlante geografico d'Europa, 9 Bl. Müano, Pagnoni, 186i. 2^ lire. 

Europa y NnoTa carta esatta dell' - — (1864) con tutte le strade 

femte. Müano, Politti, 1864. H lire. 

Beutschland, Freussen und Österreich. 

Boll, Dr. £.: Die Eishöhle bei Roth in der Eifel. (Qlobus, 7. Bd., 
5. L!g., SS. 146 und 147.) 

Cotta, B. T.: Die Kohlenlager Deutschlands. — Deutschlands Bisen. 
(Daa Ausland 1864, Nr. 46, SS. 1081—1087; Nr. 47, SS. 1106-- 
1111; 1865, Nr. 1, SS. 3—8.) 

6«br dankensverthe Ueberefeht nnd Cbarakteriadk der wichtigeren Kohlen- 
nii4 Biaenlager Deatsehlftnds. 

Dentler, Fr.: Land und Leute am Frischen Haff. (Globus, 7. Bd., 
3. Lfg., 88. 82— 8Ö.) 

Janota, Dr. £.: Bardyjöw. Historicsno-topograficany opis miasta i oko- 
liey, d. i. Monographie des Karpathen-Badeortes Bartfeld und seiner 
Umgebunj;. 8^ 221 SS. Krakau 1864. 

Janota, Dr. £.: Zapiski o zaludnieniu dolin Dunajca i Popradu na 
Spüu, d. i. Bevolkerungs-Verseichniss der Thäler des Dunajec und 

* Poprad in der Zips. Aus dem Jahrbuch der Krakauer Gelehrten- 
Geaellschaft besonders abgedruckt. 

Ffir jedni Ort ut die Bewohnereahl uiitenebieden nach NatfonaHUt (Deat- 
adte, Polen, Slovaken und Ruthenen) und nach der Konfession. 

Jastram, H.: Die Lfineburger Haide. (Globus, 7. Bd., 6. Lfg., SS. 181 
bis 184.) 

Meier, H.: Die Insel Borkum. (Die Natur, 1864, Nr. 28, 30, 31, 83, 84.) 
in diesen Bf«ehreibangen ist die Vegetation rorzugsweise berücksichtigt. 

Prettel, Dr. M. A. F.: Die Begenverhältnisse des Königreichs Hannover 
nebst auafuhrlicher Darstellung aller den atmosphärischen Niederschlag 
und die Verdunstung betreffenden Grössen, welche beim Wasserbau 
so wie |beim rationellen Betriebe der Landwirthschaft in Betracht 
kommen. 4^, 66 SS. mit 1 Karte u. 2 Tafeln. £mden, Haynel, 1864. 
Diese hSchst dankenswerthe Arbelt leistet für Nordwest-DeoUobland , was 
T. ßonklar für daa Kaiserthum Oesterrelch und angrenzende Gebiete, Dove fUr 
d«n PreuBslschen Staat nnd benachbarte Nord-Deutsche Länder geleistet haben. 
Die Flossgebiete der Ems, Weser nnd Elbe bilden die Abtbeilungen, nach denen 
das bedeutende Beobachtungsmaterial von 81 Stationen vorgeführt wird, nnd 
sind sogleich nach ihren hydrographischen und Höhen- Verhältnissen beschrie* 
ben; eine Ueberaichtotobelle auf S.SO geht auch über diese Flussgebiete hinaus, 
indem aie eine Zusammenstellung der Resultate der auf den atmosphJirischen 
Niederschlag gerichteten Beobachtangen vom Biscayieehen Meerbusen längs der 
Kflstea des Kanals, der Nord- und Ostsee bis St Petersburg enthält Dieses 
reiche, hier in einheitliche nnd leicht an fibersehende Form gebrachte Material 
diente einerseits zur Konstruktion einer »Karte der Zonen gleicher Regen- 
menge Ober der Nordwest-Dentseben Niederung*', andererseits als Grundlage 
Tcrsehiedener, namentlich anch für praktische Zwecke wichtiger Untersuchungen: 
Aber die Veftfaeilnng des Niederschlags nach Zelt nnd Menge, den Zosammeo- 
haag der Nordwest-Deutschen Niederung mit dem Regengebiete Über dem Nord- 
AtUotlacben Ooean, die Zn- nnd Abnahme des Niederschlags In der Jährlichen 
Periode, die Menge des Terdnnstenden Wassers, die Zu- und Abnahme des 
Wasaerrorraths im Laufe des Jahres, die Besiehnngen cwischen Regen und 
Wind oder die hyetometrische Windrose für das Gebiet, die Menge des Nieder- 
scfalags m rerschiedenen Tageszeiten und die Regenmenge in verschiedenen 
Höben an ein nnd demselben Orte, so wie ttber den Einfluss der Aufstellung 
dM Regenmeaaers auf die durch Ihn bestimmte Regenmenge. Zum Thell sind 
die Ergebnisse dieser Untersuchungen durch Dlsgramme veranschaulicht, wel- 
che auf der ersten Tafel zusammengestellt sind, während die zweite Tafel den 
im ScMnsskapitel beschriebenen Prestel'schen Verdunstnngsmesser abbildet 

Tatra, Die Hohe und ihre Anwohner. (Glohus, 7. Bd., 2. Lfg., 

SS. 33— 4S.) 

Landschaftliche und ethnographische Zeichnungen von F. Kanitz, z. 6. von 
der Lomnitcer Spitze, dem oberen Koprowa-Thal mit dem Mönch, von Slovaken 
nnd Goralen, begleitet von Text, der aus der neuesten Literatur zusammen- 
gestellt Ist 

Karten. 

Dänischer QeneraUtab: Karte der Herzogthümer Holstein und Lauen- 

buTg. 1:120.000. Blatt 1 u. 4 nebst Titelblatt. Kiel, Homann, 1864. 

Mit diesen Blättern ist die Karte vollendet und kostet administrativ kolorirt 

6 Thlr. 11 J 8gr., physisch - topogrsphisch kolorirt 10 Thh-. llj Sgr., schwarz 

5 ThJr. 11 iSgr. 

Gotzheim und Bösler: Plan der Stadt Posen. Fol. Ghromohth. Posen, 
Behr, 1864. 1 Thlr. 

Griff, C: Bas Königreich Ungarn mit seinen Nebenländem und Gali- 
zien. Kpfrst. Weimar, Geogr. Institut, 1864. i Thlr. 

Graf, C: Das Königreich Böhmen ; die Mark grafschaft Mähren und das 
Herxogthnm Ober- und Nieder- Schlesien ; Nieder- und Ober-Österreich 
und das Herzogthum Salzburg; die Herzogthümer Steiermark, Kärn- 
ten, Krain, die gefftrstete Grafschaft Görz und Qradiska, die Mark- 
grafschaft Istrien mit Triest; die gefürstete Grafschaft Tirol mit 
Vorarlberg, ö oro-hydrographische Karten. Lith. Weimar, Geograph. 
Institut, 1864. ä i Thlr. 

Hickmann, A. T.: Industrie - Atlas Ton Böhmen. Bl. 9: Baumwollen- 
waaren-Induatrie ; Bl. 10 : SchafwoUwaaren - Industrie. Prag, Mercy, 
1864. ^ BL 11 il. 



Kiepert, Prof. H. : Historische Karte des Brandenburgisch-Preussischen 
Staates. Chromolith. Fol. Berlin, Stilke, 1864. i Thlr. 

Liebenow, W.: Spezialkarte vom nordwestlichen Deutschland. Blatt 6. 
Lith. Hannorer, Oppermann, 1864. 1 Thlr. 

Prag, Plan der Königl. Hauptstadt mit besonderer Berücksich- 
tigung der industriellen Etablissements. Prag, Mercy, 1864. 1^ fl. 

Preuss. Generalatab : Karte der Umgegend von Königsberg in Preussen. 
1:60.000. Lith. Berlin, Schropp, 1864. f Thlr. 

PreuM. Qeneralatab: Topographische Karte Tom Preussischen Staate, 
östlicher Theil. Sekt. 2 : Memel. Lith. Berlin, Schropp, 1864. 8 Sgr. 

Stromkarte der Donau unterhalb der Grenzen des Österreichischen 
Kaiserstaats. 1:28.800. 6. Lfg. Wien, Artaria, 1864. 10 fl. 35 Nkr. 
Diese fünfte Lieferung umfasst in neun Hauptsektfonen die 84 Meilen lange 
Donaustrecke von Domsöd (8 Min. unterhalb Pesth} bis nur MQndnng der Dran. 
Spedalia Über Entstehung und Besrbeitnng dieses grossen, unter Leitung des 
Ministerialratbes v. Pasetti ausgeführten Kartenwerkes giebt Prof. KIuo in sei» 
nem Aufsatz über »Flusskarten der Donau nnd der TheiRS**, der, in der K. K. 
Geographischen Gesellschaft au Wien am 88. Oktober lht>2 vortretrsgen, uns 
als Separatabdruck aus dem 7. noch nicht publicirteu Bando der nMittheilungen" 
jener Gesellschaft vorliegt. 

Schweiz. 
Jahresbericht der Natnrforschenden Gesellschaft Graubündens. Nene 
Folge. 9. Jahrgang. 8<'. Ghnr, Hitz, 1864. i Thlr. 

Die bedeutendste Abhandlang des vorliegenden Jahrganges ist Professor 
Theobald's Geognostische Skizxe über den Septimerpsss nnd dessen Umgebung 
zalt einem geognostischen Profil des PsDses zwischen Möllns und Roticdo. 
Bekanntlich ist der Fahrweg über den 8eptimer, einst die gewöhnliche, von 
Römischen und Deutsehen Heeren benutzte Strasse zwischen Rheinthal nnd 
Lombardei , verfallen nnd nur noch als Saumweg vorhanden , da die Julier- 
Strasse als sicherer und zu Jeder Jahreszeit gangbar allen Verkehr an sich 
zog, aber bei den Eisenbahn-Projekten der neuesten Zeit ist auch der Septimer 
wieder in Betracht gekommen. Die spezielle geologische Untersuchung des 
Passes durch Prof. Theobald ist daher zeitgeroüss und von allgemeinerem Inter- 
Mse, zumal er auf den herzustellenden Tunnel besonders Rtteksicht nimmt. 
Wir fuhren daraus nur ganz Im Allgemeinen an, dass man dem Tunnel um so 
günstigere Verhältnisse versprechen kann, je tiefer er sich halten würde , da 
man in diesem Falle den bunten Qesteinswcchsel der Oberfiäche vermelden und 
fast nnr Gneis, Casannaschlefer und Serpentin treffen wird. Die beiden ersteren 
sind an nnd für sich günstige Gesteine, der letztere mit seinen Begleitern wird 
sich in der Tiefe massiger and solider, aber auch welcher und weniger wasaer- 
zügig zeigen als am Tage, wenn er auch nach unten grössere Dimensionen 
annehmen sollte. Ansserdem wird man durch tiefere Lage jedenfalls unter den 
Geschieben der beiden alten Seebecken von Plan Canfdr und Manuels durch- 
kommen und weniger von dem in ihnen und anderwärts eindringenden atroo- 
sphKrischen und Quellwasser zu leiden haben. — Forstinspektor Coaz berichtet 
ttber einen kleinen See bei Riein , welcher neuerdings durch einen Bergsturz 
nnd die dadurch bedingte Abdämmung des Tobel-Baches entstanden ist, und 
erziOiIt eine im August 186S unternommene Exkursion nach der Ringelspitze 
In der Tödl-Kette, deren äusserste, 8249 Meter hohe Spitze, der höchste Punkt 
▼on St Qallen, übrigans noch unerstiegen ist Von meteorologischen Beob- 
achtungen finden wir die zn Chor, auf dem Julier-Berghaus, in Bergün, Maien- 
feld nnd Ghurwalden 1863, die in Guarda ISCO bis 1863 und die in St Aignans 
1861 bis 1863 angestellten. Spezielle chemische Untersuchungen über die 
Schwefelquellen zu Alvenea von Dr. A. v. Planta-Relchenan so wie mehrere 
naturblstorlsohe Abhandlungen (Nachträge zur Coleopteren-Fauna des Ober- 
Engadin von Lleut v. Heyden ; Bemerkungen über die in Tscbudl's nThier- 
leben der Alpen-Welt** beschriebenen Vögel von Th. Conrad-Baldenstein, Beob- 
aohtungen über einen Lämmergeier von demselben, Machweis des Biston Lappo- 
narina Boisd. im Ober-Engadln von Senator C. v. Heyden), eine Anzahl litera- 
rischer Notizen und Berichte über Vereinsangelegenheiten machen den übrigen 
Inhalt des Buches aus. 

Meteorologische Beobachtungen in 78 Stationen der Schweia. Jahr- 
gang 1864. 1. Heft. 4^ Zürich, Höhr, 1864. pr. 12 Hefte 7j Thlr. 
Siehe »Geogr. Mitth." 1864, Heft X, S. 380. 

Murray'8 Knapsack Guide for trayellers in Switzerland. 8°, 594 pp. 
mit ÜLarten, Plänen und Panoramen. London, Murray, 1864. 5 s. 

Plantamour, Prof. £.: R^eum^ möt^orologique de l'ann^e 1862 pour 
Gen^ye et le Grand St.-Bemard. — R^sume m^t^orol. de l'ann^e 1863 
pour Gen^TC et le Grand St.-BernaTd. (Tir^ de la Biblioth^que uni- 
yerselle de Geneye, Septembre 1863 et Juin 1864.) 

Plantamour, £., et A. Hirsch : Determination t^lögraphique de la diffö- 
rence de longitnde entre lee obseryatoires de Gen^ye et de Neuchatel. 
4^, 148 pp. mit 4 Tafeln. Extrait des Mömoires de la Soci^t^ de 
physique et d'histoire naturelle de Qen^ye, T. XYII. Genf und Basel, 
Georg, 1864. 

Um den L&ngennnterschied des In den Jahren 1868 bis 1860 erbauten Ol»Ber- 
vatoriums zu Meuehatel und der Genfer Sternwarte zu ermitteln, führten die 
beiden Direktoren 1861 und 186S eine lange Reihe von Beobachtungen mit 
Benutzung des ^Telegraphen aus. Der gefundene Lfingen-Unterscbled betrSgt 
8" 19,eea" oder 0* 48' 14,49" mit einem wahrscheinlichen Fehler von + 0,ou", 
der Hanptwerth der Schrift aber liegt in der ausführlichen und sorgfKltigen 
Darlegung des angewendeten Verfahrens, der Beschreibung der auf den 4 Ta- 
feln abgebildeten Instrumente und Apparate, den Untersnohnngen über die 
Fehlerquellen nnd ihre möglichste Unschädlichmachung, den Experimenten über 
die Schnelligkeit des elektrischen Stromes in der Telegraphen - Leitung nnd 
ihres Wechsels u. s. w. Durch solche Arbeiten werden die Methoden der Lftngen- 
Bestimmung zn einer früher ungeahnten Vollkommenheit gebracht und gerade 
jetzt, wo so grossartige geodätische Operationen wie die Parallelgradmessung 
durch ganz Europa im Gange sind, wird man ihren Nutzen praktisch erproben. 



40 



Literatur. 



Theobaldi Prof. Q.: Geologische Beschreibung von GraubÜnden. Bei- 
trage lur geologischen Karte der Schweiz, Heft 2. 8® mit 2 Karten 
und Profilen und Bl. XV des Dnfour'schen Atlas der Schweiz. Bern, 
Dalp, 1864. 8| Thlr. 



Karten. 



Cantofi Luzern. 

giemng. BL 8. 



1:25.000. Herausgegeben auf Anordnung der Ee- 



Bin sehr iotareMantM Blatt der Liizeraer K»ntonal-Karte , d« es den Rigl 
mit den angrensenden Theilen des Zuger und Vleriraldstfitter See's umfMst. 

Dänemark, Schweden und Norwegen. 

Frauenfeld, G. Ritter ?.: Eine Beise nach Hammerfest, ausgefthrt im 
Jahre 1863. (Separat-Abdrnck aus den Mittheilungen der K. K. Geogr. 
Gesellschaft, VIU. Jahrgang, SS. 1—14.) Wien, Geitler, 1864. 

Nach Notizen aber da« Reisen im ntfrdliohen Norwegen und Schweden be- 
spricht der Verfasser den bedeutenden Verkehr Russischer Schiffe sn Hammer- 
fest, welche Hehl und (Getreide dort gegen Thran und Riindflsoh austauschen, 
sodann den Fischfang an den nördlichen Kflsten Norwegens und giebt darauf 
naeh kurser Erwähnung der Lappen, die er hinsichtlich der Reinlichkeit tiefer 
als alle von ihm wiUirend der Novara-Reise gesehenen Völker stellt, ein aus- 
führliches Itinerar seiner eigenen Reise. Er benutste das Damphchiff von 
Stockholm bis SundsvaD, ging ron da ttber Oestersand nach Trondhjem , fuhr 
per Dampfer naeh Hammerfest und surttck naeh Trondhjem und schlag Ton 
da den Landweg über DoTrei}eld und Gudbrandsdalen nadi Christianla ein. 
Er nennt alle ron ihm berührten Orte und giebt die Entfernungen swiscben 
denselben an. 

Murray'a Knapsack Guide to Norway. 8®. 224 pp. mit 1 Karte. Lon- 
don, Murray, 1864. fi s. 

PetterMOn, G. A.: Lappland, dess natur och folk, efter fyxa somrars 
▼andringar i bilder och tezt skildrade. Heft 1 — 3. Fol. k 4 pp. mit 
2 Tafeln. Stockholm, Fritzes, 1864. ä 3] rdr. 

Sverige, Historiskt-geografiskt och statistiskt Lexikon öf^er 

af G. Thom^e, V. G. Granlund och G. W. Hammar. 51. —68. Heft 
(bis „Odensyi"). Stockholm, Eide, 1864. 

ICarten. 

Erdmann, A.: STeriges geologiska undersökning. 1:50.000. BL „Säfsta- 
holm", af Elis Sidenbladh. Mit Tezt. Stockholm, Bonnier, 1864. 

2 rdr. 

Grif, A., und A. Mttller: Karte Ton Schweden und Korwegen. Kpfirst. 
Weimar, Geogr. Institut, 1864. l Thlr. 

Karteverk, Bikets ekonomiska . Heft 1: Bro, H&bo, Lagunda 

och Hagunda hSrader (Upsala-Län). 4 Kartenbl. mit Text in 4<>. — 
Heft 2 : Asunda, Waksala och Trogds hSrader (Upsala-Lftn). 4 Karten- 
bl&tter mit Tezt in 4^ Stockholm, Bonnier, 1864. k BL 2 rdr. 

Niederlande und Belgien. 

EekhofT, W. : Körte beschriJTing Tan de prorincie Friesland, beyattendo 
een oTerxigt ran den tegenwoordigen toestand yan dit gewest, toege- 
licht door statistieke berigten omtrent handel, nijyerheid, sheepyaart, 
wegen en andere proyinciale belangen. 8^, 144 pp. mit 1 lithogr. 
Strassenkarte. Leeuwarden, Eekhoff, 1864. 1^ fl. 

Jaarboekje, Staatkundig en staathuishoudkundig roor 1864. 

Uitgegeyen door de Vereenlging yoor de statistiek in Nederland. 
16* jaargang. 8<>, 390 pp. Amsterdam, Witkamp, 1864. 2} fl. 

Meteorologische Waamemingen in Nederland en zijne bezittingen, en 
Afwijkingen yan temperatuur en barometerstand op yele plaatsen in 
Europa. Uitgegeyen door het K. Nederl. MeteoroL Instituut. qu.-4^, 
326 pp. mit 1 Tafel. Utrecht, Kemink, 1864. 

aross-Britannien und Irland. 

Brennecke, Dr.: Die Schottischen Hochlande. Vortrag gehalten im 
naturwissenschaftlichen Vereine fttr das Grossherzogthum Posen am 
2. Dezbr. 1863. 8^ 24 SS. Posen 1864. 

Der Verfasser, welcher Sehottland mehrmals, enletst 1868 ale Qeolog bereist«, 
giebt hier eine allgemeine Charakteristik der Hochlande, hebt die Unterschiede 
zwiflohen ihnen und den Schottischen Lowlands hervor und reiht daran einzelne 
knrz gefasste, anziehende Schilderungen, nSmIich der Insel Arrsn , des Loeh 
Lomond, des GlenoolS-Thales, des Ben NeTla, der Insel »taflk nnd der heiligen 
Insel Jona. 

Burton, J. H.: Gaimgorm Mountains. 8<*, 120 pp. Edinburgh, Black- 
wood, 1864. 3| B. 

Parliamentary Paper. Miscellaneous Statistics of the United Kingdom. 

Part V. Fol. 302 pp. London 1864. 3^ s. 

BeTtflkerung, Bewegung derselben , Schul-, Armen-, Kriminal-, Civllgerichts- 

Statistik, öffentliche Einnahmen und Ausgaben, Nationalsehuld. Sparkassen and 

Banken , Preise , Eisenbahnen und Telegraphen , Mineralproduktion, Fischerei 



und einiges Andere, betreffend Gross-Britannien nnd Irland, kurs in Zahlen» 
Tabellen ausgedruckt. 

Frankreich. 

Eudes-Dealongchamps , Dr. £.: £tudes sur les 6tages jurassiqnet 

inferieurs de la Normandie. 4^, 30Ö pp. mit Karten und Profilen. 

Paris, Sayf, 1864. 12 fr. 

Marie-Cardine, Dir. A.: Geographie du Calvados, contenant la topo- 

graphie, les diyisions administratiyes et territoriales etc. 18^, 114 pp. 

Caen, Chanel, 1864. 
Marne, Description g^ologlque du dipartement de la , par 

M. Drouet. — Statistique du departement de la Marne, par M. Mohen. 

— Faune du departement de la Marne, par le Dr. Salle. (M^moirea de 

la Soc. d'agriculture etc. du departement de la Marne, 1863.) 
Raulin, V.: Obseryatlons pluyiometriques faites dans le sud-ouest de 

U France (Aquitaine et Pyrenees) de 1714 k 1860. 8^ Paris et 

Bordeaux 1864. 
R6nard, L.: Etudee sur les forces productiyes de la France: Les Lan-* 

des et les diyies de Gascogne. (Revue contemporaine,. 15. Aug. 1864.) 
Sketches on the French coast. I. The Cordouan. Fortsetzung. (Nau- 

tical Magazine, September 1864, pp. 484—489.) 
Süd-Frankreich, Der Blumenfeldbau in — . (Das Ausland 1864, 

Nr. 43, SS. 1026—1027.) 

Sehllderung der grossartigen Zucht wohlriechender Blumen swisohen Cannes, 

Nizsa und Qrasse, so wie ihre Verwendung. Aus dem »Cornhill Magaxlne'* 

fibarsetst. 

Bouquet de la Qrye: Cöte occidentale de France, plan de la baie de 
TAiguillon, levö en 1863. Paris, impr. Lemercier, 1864. 

Honfleur, Plan topographique du port et de la yille de - — (depar- 
tement du Calvados), dresse sous les auspices de Tautorite muuici- 
pale. Paris, Le&ran9oi8, 1864. 

Houpin, J. P. : France agricole et physique. Paris, lithogr. Caillet, 1864. 

Laurens: Carte du departement de la Loz6re. 2 feuilles. Paris, impr. 
Janson, 1864. 

Rembielinski, £.: Carte du departement de ris6re. Paris, impr. Lemer- 
cier, 1864. 

Spanien und Portufi^al. 

Freitat, Capit. A. Gr. de: Pequeno roteiro da costa de Portugal extra- 
hido de varios auctores modernos para esclarecimento dos navigantea. 
8<>, 127 pp. Lissabon 1863. 

QrandefTe, A. de: Nouveau Guide en Espagne. 18^, 686 pp. Paria, 
Chau, 1864. 

Bettencourt, £. A.: Carta de Portugal com a divisio administratiya 
por dlstrictos e concelhos. 0,96 Meter Höhe und 0,7 Meter Breite. 
Lissabon 1863. 

Verneuil, £. de, et £d. Collomb: Carte geologique de l'Espagne et du 
Portugal. Paris 1864. 

Wie de Verneuil bei Ueberretchnng dieser Karte an die Pariser Akademie 
bemerkt (Comptes rendus hebdom. 29. August 1864, pp. 417^422) , ist sie die 
Frucht seiner zwölf theils allein , theitii mit Collomb und anderen Geologren 
w&hrend der Jahre 1849 bis 18(t2 unternommenen Bereiaungen Spaniens, dooh 
wurden selbstTerstSndlich auch die Untersuchungen und Arbeiten Spanisoher 
Geologen , wie Casiano de Prado, Schulz, Ezquerra del Bayo, Amalio Maestra, 
Botells, Pellico, Vilanova u. A., nnd eben so die offiziellen geologischen Auf* 
nahmen der neuesten Zelt benutzt. 

ItaUen. 

Murray'a Knapsack Guide for travellers in Italy. 8°, 618 pp. mit 

1 Karte und Plänen. London, Murraj, 1864. 6 s. 

NoSI des Vergers, A.: L'Etrurie et les Etrusques, ou dix ans de 

fouilles dans les maremmes toscanes. 2 vols. 8^, 783 pp., et 1 toI. 

Pol., 68 pp. et 40 pl. Paris, Didot, 1864. 100 fr. 

Simonin, L.: L'üe d'Elbe et ses mines de fer, Souvenirs de vojage. 

8^, 82 pp. Paris. (Extrait de la Bevue des Deux-Mondes, livr. du 

15 septembre 1864.) 

ICaxten. 
Italia , Carta dell' pubblicata per cura della Direzione dell' 

Indicatore Generale. Giomale ufficiale delle strade ferrate e della 

narigazione. 1:852.000. Turin 1864. 2 fl. 60 Nkr. 

Enthält die in Betrieb und in Bau beflndliehen Eisenbahnen, die Strassen 

mit regelmfissigem Wagenverkehr , die Telegraphen- Aemter , dl« Routen der 

Italienischen, Fransösischen, Oesterreiohischen und Englischen Postdampfer mit 

Angabe der Entfernungen. 



(Geschlossen am 28. Januar 1865.} 




EK ♦^i** i Oft ^ ;, r ^^ 1 IeT WJ jto flP 



TZEN 



Gould's Forschungen im Westen von Tasmania. 



(Mit Karte, b. Tafel 8.) 



Zu der nicht zahlreichen, aber nm so glänzenderen 
-Reihe Ton Fachgelehrten, welche mit so grossem Erfolg 
fort mid fort an der spezielleren Erforschung der Austra- 
lischen Kolonien arbeiten, gehört neben einem Eerd. Müller, 
Georg Nemnayer, Alfred Selwyn und Anderen auch Charles 
Gonld, der Sohn des berühmten Ornithologen. In der Stel- 
lung eines Regierungs-Geologen von Tasmania hat er für die 
visBenschaftliche Erkenntniss der Bodenverhältnisse wie für 
die praktische Benutzung der Bodenschätze auf jener Insel 
Bedeutendes geleistet, namentlich wird ihm die Kolonie für 
seine Untersuchung und Aufdeckung von Kohlenlagern stets 
zu Dank rerpflichtet bleiben. Diesen thätigen, für sein 
Fach begeisterten Mann führten die von ihm untemomme-* 
nen geologischen Aufnahmen in der ersten Hälfte des Jah- 
res 1862 nach dem Westen der Insel, und zwar nach den 
Gegenden am Macquarie-Hafen, die noch so gut wie un- 
bekannt waren. Zu seiner Unterstützung wurde ein Schiff 
mit Proviant dahin geschickt, aber nach einiger Zeit kehrte 
dasselbe zurück, ohne mit der Land-Expedition zusammen- 
getroffen zu sein, und Wochen vergingen in banger Sorge 
um das Schicksal der Beisenden. Das tragische Ende von 
Burke und Wills war damals in frischestem Andenken, rasch 
wurden daher von der Kolonial-Begierung umfassende Maass- 
regeln getroffen, um Gould und seine Begleiter aufzusuchen. 
Zum Glück erwiesen sich die Befürchtungen als unbegründet ; 
zwar hatte die Expedition mit beträchtlichen Schwierig- 
keiten zu kämpfen, wie diess in einer skrubreichen Austra- 
lischen Wildniss nicht anders zu erwarten war, aber ernste 
Gefahren traten ihr nicht entgegen. Das Interesse, welches 
sieh in der Zeit der Sorge den Personen zugewendet hatte, 
wurde daher bald auf die Berichte Gould's übertragen, die 
das Vorhandensein von Gold an verschiedenen Punkten 
längs des Gordon- und des Franklin-Flusses ausser Zweifel 
setzten. Wie anderwärts stellte sich auch auf Tasmania 
das Goldfieber ein, energischer als früher suchte man da 
ond dort nach dem edelsten der Metalle und die Kolonial- 
Begierung selbst bewilligte gern die ansehnliche Summe von 
3000 Pfd. St (20.000 Thaler) zu einer neuen grösseren 
Expedition, die unter Gk)uld's Führung im Macquarie-Harbour- 
Bistrikt Goldfelder aufsuchen und Wege dahin bahnen sollte. 

Petermaim's Geogr. MittheUungen. 1866, Heft II . 



Etwa 40 Personen, darunter mehrere erfahrene Goldgräber, 
bildeten seine Begleitung und schon im Dezember 1862 
traten sie ho£&iungsvoll ihre Beise an. 

Man könnte sich wundem, dass über ein so bedeutendes 
Unternehmen fast Nichts in die Öffentlichkeit gedrungen 
ist, allein zwei Umstände lassen diess erklärlich erscheinen. 
Ein Mal befand man sich mitten in der Zeit der grossen 
Australischen Entdeckungen, Burke, Stuart, M^Kinlay, Lands- 
borough hatten so eben erst das Festland von Meer zu 
Meer durchkreuzt; man fing an, den Australischen Konti- 
nent im Ganzen zu übersehen, und doch drängten sich zu- 
gleich Hunderte von interessanten Fragen auf; den grossen 
Heerdenbesitzem eröffneten sich ungeheuere Bäume nutz- 
baren Weidelandes ; die Kolonisation der Nordküste erschien 
dringender geboten als je; die Hoffnungen auf eine tele- 
graphische Verbindung mit Indien trat ihrer Verwirklichung 
um einen Schritt näher, kurz die Aufinerksamkeit aller 
Klassen war durch die grossen Erfolge auf dem Festland 
gefesselt und die Erforschung eines Distriktes der kleinen 
Insel Tasmania kam dagegen wenig in Betracht Dann aber 
hatte die Expedition auch das Unglück, den hoch gespannten 
Erwartungen nicht zu entsprechen, sie fand kein die Mühe 
und Kosten der Bearbeitung lohnendes Goldfeld. So kam 
sie im Mai 1863 ohne Sang und Klang zurück, selbst die 
Lokalblätter nahmen kaum Notiz von ihr und ausserhalb 
Tasmaniens gerieth sie ganz in Vergessenheit 

War das praktische Besultat auch kein günstiges, so 
ist doch die Gould'sche Expedition in anderer Beziehung 
nicht ohne Erfolg gewesen. Eine Karte des bereisten Distrik- 
tes, welche Gould seinem kurzen ofßziellen Bericht *) bei- 
gegeben und geologisch kolorirt hat, berichtigt und vervoll- 
ständigt die Karten von Tasmania sehr wesentlich, sie ver- 
dient ab einzige werthvolle Frucht einer kostspieligen Unter- 
nehmung nicht das Loos, in den Kolonial- Archiven begraben 
zu liegen, und wir verhelfen ihr in etwas verkleinertem 
Maassstabe, aber mit vollständiger Wiedergabe aller Details 



') Copy of the report of Mr. Qould, the guremment geologist, upon 
the Bubject of gold in the colony of Van Dieiuen's Land, referred to in 
the last report of the Govemor of Tasmania, 1862. Fol., 8 pp. mit 
1 Karte. Hobart Town (Tasmania) 1864. 

6 



42 



Gould's Forschungen im Westen von Tasmania. 



um 80 lieber zu grösserer Verbreitung, als geographische 
Neuigkeiten aus Tasmania schon zu den seltenen Vorkomm- 
nissen gehören. 

Dem Bericht können wir hier nur wenig entnehmen, 
da er zum grossen Theil mit speziellen Erläuterungen über 
die Art des Vorkommens von Gold, über die Beurtheilung 
des Goldgehaltes u. s. w. angefüllt ist. 

In der Einleitung wird ausdrücklich gesagt, dass die 
Karte nicht die geologische Struktur des Landes im Detail 
darstellen, sondern nur im Allgemeinen das von den yer- 
Bohiedenen Formationen eingenommene Areal Tor Augen 
führen soll. Zu yollstäadigeren Aufnahmen war die Zeit 
zu kurz, denn abgesehen von mancherlei Schwierigkeiten 
und grossem Zeitverlust durch ungünstiges Wetter und an- 
dere Umstände wurden hauptsächlich die Punkte spezieller 
untersucht, an denen man Gold gefunden hatte. In der 
That hat die Expedition nur den Streifen Landes vom 
St. Clair-See nach der Westküste, das nördliche TJfer des 
Macquarie-Hafens, den unteren Lauf des Gordon-Flusses bis 
30 Engl. Meilen von der Mündung und kurze Strecken des 
Franklin- und des King-Flusses aus eigener Anschauung 
kennen gelernt. 

In diesem ganzen Gebiet fehlen gänzlich die oberen 
paläozoischen und Trapp-Formationen, welche in den besie- 
delten Theilen der Kolonie eine so grosse Entwickelung 
haben, zwischen den silurischen und den späteren tertiären 
Bildungen giebt es kein Zwischenglied. Die silurischen 
oder metamorphischen Formationen mit Einschluss der am 
Gordon und Franklin auftretenden Kalksteine, die sehr 
wahrscheinlich den silurischen Gesteinen als oberstes Glied 
angehören, nehmen den ganzen Distrikt ein, mit Ausnahme 
der Nord- und Ostküste des Macquarie-Hafens, wo man 
Tertiärgebilde, groben Sandstein und Schiefer antrifft, die an 
vielen Stellen Feben von 70 bis 80 Fuss Höhe bilden, zahl- 
reiche Blattabdrücke noch lebender Pflanzen zeigen und hie 
und da dünne Lignitschichten enthalten. Bänke loser Quarz- 
Kiesel überlagern die Tertiärgebilde und bilden gehobene 
Plateaux an der südlichen wie an der nördlichen Seite des 
Hafens. 

Der erwähnte Kalkstein, der wahrscheinlich eine Mäch- 
tigkeit von nicht weniger als 1000 Fuss besitzt, ist von 
Kalkspath- und Quarzadern durchzogen, die an einigen, auf 



der Karte angedeuteten Stellen Bleiglanz enthalten; auch 
wurden in Proben desselben Kalksteins vom Franklin-Fluss, 
4 Engl. Meilen oberhalb seiner Mündung, Spuren von Kupfer 
entdeckt. 

Was das Vorkommen von Gold betrifft, so ist Gbuld 
der Ansicht, dass die silurische Formation in ihrer ganzen 
Ausdehnung goldhaltig befunden werden wird, doch könne 
man nicht sagen, ob reichere Ablagerungen vorhanden seien. 
Man habe übrigens sowohl goldhaltigen Quarz als auch 
Goldsand im unteren Lauf der nach Westen abfliessenden 
Gewässer gefunden und fortgesetzte Kachforschungen seien 
dringend zu empfehlen. Mit Eecht hebt er hervor, dass 
eine zusammenhängende, vollständige Aufiiahme an die 
Stelle von Bekognoscirungen treten sollte, man dürfe die 
Entwickelung des vielleicht werthvoUsten Theiles der Insel 
nicht dem Zufall gelegentlicher Entdeckungen überlassen. 

Zunächst sei es nöthig, einen W^ dahin zu eröffnen. 
Ein wesentlicher Yortheil is,t die Schiffbarkeit des Gordon, 
den kleine Fahrzeuge bis 1^ Engl. Meilen unterhalb der 
Mündung des Franklin hinaufgehen könnefl, während Boote 
noch eine bedeutende Strecke über jenen Punkt hinaus ge- 
langen. Femer existirt schon ein guter Weg über Hamilton 
nach der Grossen Biegung (Great Bend) des Gordon, so dass 
nur zwischen dieser und der Franklin-Mündung ein wenig- 
stens für Lastthiere gangbarer Weg herzustellen bleibt Für 
die weitere Nachforschung nach ergiebigen Goldfeldern sei 
es am rathsamsten, die Thaler des Franklin und des King 
von unten nach oben zu verfolgen. 

Die Yortheile, welche der Distrikt für eine künftige 
Besiedelung bietet, sind Ackerboden und Nutzholz, die beide 
in genügender Menge für eine massige Bevölkerung vor- 
handen sind. Am unteren Lauf des Gordon finden sich 
hie und da kleine Flecken AUuvial-Land , die zwar dicht 
bewaldet sind, aber nicht mehr als ähnliche, die in der 
Kolonie mit Erfolg gelichtet und unter Kultur gebracht 
wurden. Dasselbe ist am Franklin-Fluss der Fall und die 
in beiden Thälem erzielten Produkte würden auf flachen 
Booten bequem ausgeführt werden können. Verschiedene 
Nutzhölzer sind an den Flussufem reichlich vorhanden und 
ausgedehnte offene Marschen bieten massige Weide, auch 
sind sie wahrscheinlich derselben Verbesserung durch fort- 
gesetztes Brennen und Düngen fähig wie die in der Kolonie. 



43 



Qt. Radde's Reisen und Forschungeii im Kaukasus, im Jahre 1864 

Vorläufiger Bericht, Schluss ■)• 



Es ist nödiig, ehe ich in der weiteren Beschreibung 
meiner Marschroute fortfahre, einige Worte zu sagen, welche 
die orographische Orientation in dieser Qegend ermöglichen. 
D^ Tskenis-Tsqali entspringt mit zwei östlichen Haupt- 
qoellen, welche von den Eingebomen nicht verschieden be- 
nannt werden. Beide Quellen sind eigentliche Oletscher- 
strune, den einen, südücher gelegenen, haben wir schon 
kennen gelernt, der zweite, nördlichere, entquillt dem Masch- 
quar-Qebirge. Beide Quellen yereinigen sich eine halbe 
Tagereise östlich Tom Dorfe Laschketi in der Gegend, 
welche man Gedu nennt. Das von Ost nach West ver- 
laufende, sie scheidende Gebirge hat besonders in seinem 
östlichen Theile den Charakter eines sehr steilen £[amm- 
gebirges. Es führt hier in seinem schwer übersteigbaren 
Passe den Namen Neschka und senkt sich westlicher mit 
bewaldetem Stumpfkeil gegen Gedu ab. Die Benennung 
Lajeschchoar oder auch Lajeschchora kommt ihm in diesem 
Theile zu, östlich aber vermitteln die Yorbeige des La- 
puri wie des Maschquar, welche als Lampekiasch und Lazre- 
quila bezeichnet wurden, seinen Anschluss zur Hochgebirgs- 
kette. Diese sendet eine Anzahl eisgekrönter Höhen in 
zusammenhängender Kette vom Maschquar in der Haupt- 
riditung NW. ab, welche der nördlichen Tskenis-Tsqali- 
Quelle reichlich gespeiste Zuflüsse entfallen lassen, bis mit 
dem grossen Eorüldü- (Gorülda nach Anderer Aussprache) 
Gletscher der direkte Anschluss zu den Höhen der äusser- 
sten Ingur-Quelle vermittelt wird. Dem Korüldu- und dem 
etwas westlicheren, viel niedrigeren Lesgara-Gebirge ent- 
quillt die Bcena, der grösste, aus Nord nach Süd strömende 
ZufiuBS der nördlichen Tskenis-Tsqali-Quelle. Nahe in NW. 
jenes Korüldü, an dessen Fusse, unweit vom tief gerutschten 
Gletschereise, in einem Sumpfe ein eisenhaltiges Sauerwasser 
quillt, finden wir im Nuamquam und Schkari schon die 
grossartigen Gletscher einer der zahlreichen Ingur-Quellen, 
sie wird Dshalai genannt. Jedoch ist hier noch des inter- 
essanten Faktums zu gedenken, dass die südlich von dem 
Dshalai entspringende Quirischa (auch Quirischi), die als 
eigentliche Ingur-Quelle zu betrachten ist, von einem ganz 
flachrückigen, oben fast ebenen Scheidegebirge kommt, 
welches man Naksagar nennt. Dieser Naksagar bildet den j 
breiten Querstock zwischen der Kaukasischen Hauptkette 
und dem Soheidegebirge beider Swanien. Er vereinigt sich 
mit dem ersteren durch Yermittelung der schon erwähnten 
Lesgara-Höhen. Gegen Süden offen liegend zeigen diese 



*) Den Anfang s. im Torigen Heft, SS. 16 ff. 



keine Schneefelder, haben fast überall herrliche alpine Matte 
und umfassen, in weitem Bogen nach Osten sich dem Ko- 
rüldü anschliessend, die drei Lastigal-Qüellen (zur Scena). 
Dem Scheidegebirge beider Swanien aber schliesst sich der 
Naksagar-Stock durch die Megshar-Höhe an. Dun selbst 
entspringt, vom breiten Bücken zuerst mit sehr geringem 
Gefälle dahin fliessend, gegen Osten der Quasusch zur Scena 
und gegen Westen die Quirischa zum Ingur. 

Über den Neschka-Pass traten wir zunächst am 30. Juni 
gegen Mittag in das Gebiet der nördlichen Tskenis-Tsqali- 
Quelle. Die Passage war für Mann und Boss recht gelßihr- 
lich. Auch hier trennte der kaum 1 Fuss breite abschüs- 
sige Kamm auf das Entschiedenste die Bhododendron-Felder 
der Nordseite von der Südseite, auf welcher die Alpen- 
Bosen vollständig fehlten. Über die gegen Norden gelegnen 
langen Schneeschrammen, welche weithin thalwärts sich 
•erstreckten, rutschte ich schnell im Sibirischen Lederkostüm, 
der Alpenstock diente zum Steuer und das Barometer war 
auf dem Bücken wohlgeborgen. Ich rutschte so in die 
Weidengebüsche am Nordfusse des Neschka und fand sie 
jetzt, umgeben vom kömigen Schnee, fast noch in winter- 
licher Nacktheit, ein Schwärm Europäischer Zeisige tum- - 
melte sich in ihnen. Zwei Stunden später standen wir 
wohlbehalten am linken Ufer der nördlichen Tskenis-Tsqali- 
Quelle. Sie ist wohl noch mächtiger ab die südliche. Unser 
nächstes Ziel war nun das aus Norden kommende geräu- 
mige Soena-Thal. Wir folgten dem rechten Ufer abwärts 
und fanden an seinen Steilabhängen, die mit gemischtem 
Hochwald zum grossen Theil bedeckt sind, eine zuerst 
kaum merkliche Fährte, die aber später deutlicher wurde. 
Es sind diese Abhänge von einer Anzahl dahin stürzender 
Gebirgswasser durchsetzt, die sich sehr tiefe Gerinne aus- 
wuschen. An einem derselben schlugen wir unser Lager 
am 30. Juni Abends unter hohen Buchen auf, es war der 
Skabniliz. Am nächsten Tage hatten wir zunächst das 
Scena-Thal zu erreichen. Granitische Gerolle liegen hier in 
grosser Zahl an den Ufern des hinstürzenden Gewässers. 
Der untere Theil dieses Thaies ist eng begrenzt Alle Ufer- 
höhen sind gut und zum grossen Theil mit Nadelholz be- 
waldet Man hat hier noch überall die Wildniss, wie sie 
die Gegenden an den Tskenis-Tsqali-Quellen auszeichnet. 
Das ändert sich im oberen Theile des Scena-Thales. Dieser 
verbreitert sich zusehends, eine Hinneigung zu der geeb- 
neteren Beschaffenheit des Naksagar-Paöses lässt sich nicht 
verkennen. Dazu betritt man hier, noch im Gebiete des 
Hochwaldes, nicht nur eine wohlbetretene Fährte, sondern 

6* 



44 



G. Radde's Reisen und Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



einen doppelspurigen Fahrweg. Der Holzschlag nämlich 
der Freien Swanen der Uschkul'schen Gesellschaft befindet 
sich hier im Scena-Thale. Es liegen jene letzten Dörfer 
des Freien Swaniens höher als die Grenze des kräftigen 
Baumwuchses, die krüppelnde Birke steigt zwar noch weit 
im Quirischa-Thale aufwärts, jedoch nur an der Nordseite 
der Steilungen und nur als Gebüsch. Die Swanen aber 
bedienen sich znm Transporte des Holzes so wie aller 
sonstigen Gegenstände nicht der Wagen, sondern stets der 
Schlitten imd sogenannten Schleifen imd diese haben eben 
so wohl auf den festen Gebirgsentblössungen (Schiefer) wie 
auch im üppigen Wiesengrün glatte Fahrgeleise förmlich 
geschnitten. Man ist nicht wenig erstaunt, wenn man nach 
der mühsamsten Passage, wie wir sie bei dem Umgehen 
der Tskenis-Tsqali-Quellen kennen lernten, mit dem Eintritt 
in das Freie Swanien auf die schönsten Wege gelangt. 
Dieselben werden seltener imd schlechter, je mehr wir im 
Ingur-Thale abwärts steigen. Die Wald -Vegetation wird 
hier zwar niigends das Haupthindemiss, sondern die lockeren 
nachstürzenden Schiefertrümmer machen den Weg an vielen 
Stellen unhaltbar. Bis zum Schlüsse des Hochthaies durch 
die Engschlucht des Ingur, in die man tritt, wenn man 
vom Dorfe Lachamuli dem Flusse abwärts folgt, sind die 
Passagen im oberen Swanien, so lange man überhaupt Wege 
verfolgt, nirgends besonders schwierig. 

Wir wollten eben noch eine letzte Steilimg des linken 
Scena-Üfe;^ am 1. (18.) Juli überklimmen, um so in den 
oberen geräumigen Theil des Thaies zu gelangen, als uns 
hier ein Swanen-Priester auf seinem Maulesel in Begleitung 
eines Dieners begegnete. Er war gekommen, uns zu em- 
pfangen. Von Laschketi aus über den Lapuri-Pass hatte 
sich die Nachricht in das obere Freie Swanien verbreitet, 
dass Bussische Leute von hier aus Jibiani erreichen wollten. 
Dieser freundliche Priester wurde freiwillig mein Führer 
und ich danke es seinem Einflüsse und seiner Gewandtheit, 
wenn ich in dem obersten Theile des Freien Swaniens ohne 
grosse Unannehmlichkeiten und ohne militärischen Convoi 
meine Exkursionen gemacht habe '). In seiner Begleitung 
ging es weiter. Ein kleiner Abstecher galt der eisenhal- 
tigen saueren Quelle am Korüldü - Grebirge. Gegen 4 Uhr 
Nachmittags befanden wir uns, nachdem die drei Lastigal- 
Quellen (zur Scena) überschritten waren, auf dem flach- 
rückigen Naksagar-Passe. Gegen Westen lag das Hochthal 
des Ingur vor uns. An demselben Abend noch kam ich 
nach Jibiani, dem höchst gelegenen Swanen-Dorfe. Auf 
zwei kleine Felder war hier die Kultur des Winterroggens 
beschränkt, die Gerste ist das allgemein angebaute Getreide. 



*) Das Portrait dieses Priesters (Simon Gabuani) erscheint sammt 
neun anderen Swaniscben Physiognomien im ausführlichen Werke. 



Es brütet die Wachtel hier noch und der Maulwurf durch- 
wühlt den Boden. An einer der alten Kapellen, die aus 
der Zeit der ersten Taufe der Swanen unter der Königin 
Thamara herstammen mögen, gedieh die Weissbirke als 
Bäumchen. Alpine, höchst üppige Matte ist hier überall 
vorwaltend und deshalb die Viehzucht die Hauptbeschäfti- 
gung der Swanen. Die TJrschiefer liefern das yomehm- 
lichste Baumaterial und je näher den Quellen des Ingur, 
um 80 gedrängter stehen in den Dörfern die Wohnungen 
beisammen, jedoch ist jede für sich befestigt, besitzt einen, 
bisweilen zwei, auch drei Thürme und sehr oft eine hohe 
Bingmauer. 

Aus NO. vom Schkari- und Nuamquam-Gletscher kom- 
mend vereinigt sich bei Jibiani der Dshalai-Badi mit der 
Quirischa. Vom Dorfe selbst aus überblickt man bei klarem 
Wetter einen Theil dieser herrlichsten Gletscher, deren La- 
winen und Steinböcke in den Liedern und Sagen der Swa- 
nen so oft erwähnt werden. Ich habe leider, obgleich ich 
bis zum 4. JuU Mittags in Jibiani blieb, nur in wenigen 
Momenten die beiden erwähnten Gletscher wolkenfrei gesehen 
und selbst ihre Umrisse nicht zu Papier bringen können, 
regnerisches kaltes Wetter verhinderte mich daran. Desto 
ergiebiger und belehrender wurde mir mein Aufenthalt unter 
den Swanen. Es sind die Eindrücke, die mir davon blieben, 
nicht gerade friedliche zu nennen. Beständig umgeben von 
60 bis 80 Swanen, darunter immer viele Kinder und sogar 
Weiber, konnten wir nur in der fugsamsten und duldsam- 
sten Weise gegen ihre Aufdringlichkeit unser Heil suchen 
und finden. Geschenke, Freundlichkeiten, eine gewisse oft 
erzwungene Gleichgültigkeit gegen Unverschämtheiten wirken 
am besten bei einem Volke, wie es die Freien Swanen jetzt 
hier noch sind. Es ist aber auch hierin ja ein Maass zu 
halten und das entschiedenste Auftreten gegen manche 
Boheit thut bisweüen Noih. Es währte nicht lange, so 
präsentirten sich zwei Verwundete. Auch hörte ich oft- 
mals von einer alten Burg aus, die hoch am linken üfer 
der Quirischa steht und Lenqueri heisst, schiessen. In 
dieser wohnten acht Bäuber, Swanen aus dem benachbarten 
Dorfe Mukumerin (auch Murkmeri), welches wie Jibiani 
zur Uschkul'schon Gesellschaft gehörte. Ein Zank um 
Weideplätze hatte beide Dörfer in förmlichen Krieg gefuhrt 
und es genügte dieser Streit, um die Erbitterung so weit 
zu steigern, dass sich die gegenseitige Feindschaft auf alle 
Bewohner der beiden Dörfer erstreckte und die Verfolgung 
mit Pulver und Blei, mit Kinshal und Beil Statt hatte. Wo 
man die Heerden * der verfeindeten Bewohner abfangren 
konnte, geschah es. Die acht Bäuber übten offen Baub 
und Mord von jener Burg aus. Die ausführliche Erzählung 
dessen, was ich hier erlebte, muss für das grössere Werk 
reservirt bleiben, es sei nur noch erwähnt, dass am 2. Juli 



6. Radde's Reisen nnd Forscilimgen im Eankasas, im Jahre 1864. 



45 



bei Besichtigmig einiger Kapellen aus dem grossen Yonrath 
der in ihnen seit Menschengedenken aufgestapelten Steinbock- 
hömer einige erhandelt wurden. Es sind diese Homer 
Kircheneigenthum. Jedes Gehörn oder Geweih der wilden 
Thiere, selbst oft das Hom des Hausrindes und Schafes 
wird der Kirche gewissermaassen geopfert. Es bleibt dort 
unberührt liegen und gilt als bestes Unterpfand für die in 
Zukunft günstige Jagd oder ergiebige Viehzucht. Im unteren 
Theile des Freien Swaniens wird dieser Gebrauch bisweilen 
nicht so streng beobachtet als hier in den höchst gelegenen 
Dörfern, vielmehr werden dort in den Dörfern, die gute 
Jagdgebiete besitzen, Geweihe und Gehörne sammt den 
Unterkiefern yon aussen in den Giebel des zweistöckigen 
Hauses, wo der Jäger wohnt, angebracht und man sieht so 
z. B. in Lachamuli die zahlreichen Trophäen der muthigen 
Jäger fast an jedem Hause. 

Am 4. Juü gegen Mittag trat ich meine Weiterreise an. 
Audi diess Mal ging es ziui grössten Theil ohne Weg und 
Steg nahe der gletscherfiihrenden Hauptkette vorwärts. 
Efl war nämlich durch die oben schon erwähnte Yerfein- 
düng der Bewohner von Mukumerin und Jibiani die Sicher- 
heit auf der eigentlichen Strasse im oberen Freien Swanien 
gefährdet und der wohlunterrichtete Priester hielt es für 
gerathen, die Richtung über die Quellhöhe des Kalde-dshalai 
zum heidnischen Dorfe Adisch einzuschlagen. Zwei steile 
Wasserscheiden waiißu zu übersteigen, bevor wir uns im 
Adisch-Thale befanden. Zunächst musste das Karet-Gebirge 
als Scheider der Dshalai- und Kalde-dshalai-Quellen passirt 
weiden und dann erhob sich vom rechten Ufer der letzteren 
das Dschkjum^r-Gebii^, welches sich gegen Norden an den 
prächtigen und grossartigen Ghitün-tau-Gletscher lehnt Beide 
Höhenzüge, besonders aber der Karet sind steile Kamm- 
gebirge. Erst gegen Abend machten wir im Birkengesträuch 
nahe dem Gatün-tau Halt. Es sollte die Nacht erwartet 
werden, um unbemerkt das Dorf Adisch passiren zu können. 
Es war das eine nöthige Yorsichtsmaassregel, da die Bewohner 
von Adisch als arge Räuber bekannt sind und wir, wie ich 
erinnern muss, ohne Eskorte, ohne sicheren Geleitsmann hier 
reisten. Überdiess besass mein Priester bei den heidnischen 
Bewohnern von Adisch keine Macht. Schon auf dem Wege 
zum Kalde-dshalai, den wir nahe an seinem Ursprünge aus 
dem Göröscho-Gletscher überschritten, gesellten sich einige 
Hirten aus dem Dorfe Kalde zu uns und forderten Ge- 
schenke für die ungehinderte Weiterreise in ihrem Gebiete. 

Wir verbargen unsere Pferde gleich nach dem Übergang 
über den Dschkjum^r-Kamm sorgfältig, damit sie nicht von 
den Adischem bemerkt würden. Man sieht das grosse Dorf 
mit seinen zahlreichen Thürmen in etwa 10 bis 12 Werst 
Entfernung von der Übergangsstelle. Ruhig, mondhell und 
sehr kühl war die Nacht. Wir ritten dem rechten Ufer des 



Adisch-dshalai entlang thalwärts. Die Yorberge des Lachwar- 
Gebirges (ein Theil des Kaukasischen Hauptgebirges) senkten 
sich mit ihren Weideplätzen bis zum rechten Adisch -Ufer 
herab, wir hatten sie zur Rechten. In der Feme gegen NW. 
erblickte man den tiefsatteligen Besotsch-mta und nahe dem 
Dorfe standen die dunkelen Gehölze der Kiefer und Tanne, 
die beide im oberen Theile des Freien Swaniens zu den selte- 
nen Bäumen gehören. Die Dächer der Wohnungen hatten 
sich in leichte Rauchwolken gehüllt, da die Nachtfeuer noch 
loderten und jede Fuge zwischen den Schiefem dem Rauch 
freien Durchgang Hess. Schweigend überschritten wir die 
Brücke, die über den reissenden Bach leitet, welcher bei 
dem Dorfe in den Adisch-dshalai fällt. Erst später, als wir 
steil bergan stiren, schlugen die Himde an. Niemand störte 
uns, die Heiden schliefen. Drei Werst weiter befanden wir 
uns auf sicherem Boden, bei 4** Wärme wurde hier über- 
nachtet. 

Adisch wird uns in doppelter Hinsicht interessant. Es 
schliessen sich erstens seine Bewohner in ihrer wilden Unab- 
hängigkeit mehr an die Swanen der oben schon erwähnten 
Ingnr-Quellen und nicht an die der tiefer angesiedelten Ge- 
sellschaften an und zweitens sind die Naturverhältnisse und 
nach ihnen die erstrebten Kulturzustände hier andere als 
die in den jetzt zu besprechenden Gegenden. Mit dem 
Dorfe Adisch schliesst gewissermaassen der Charakter des 
Quellgebiets vom Ingur ab. Es fehlen hier noch z. B. die 
wilden Birnen, Äpfel und Kirschen, es wird kein Gemüse, 
sei es auch nur im geringsten Maasse, kultivirt, die Gerste 
ist das fast ausschliesslich kultivirte Getreide, der Roggen 
gehört nodi zur Seltenheit Übersteigt man jedoch in der 
Richtung NW. die Wasserscheide zwischen dem Adisch- 
dshalai und dem Mushalaliz und tritt in das üppige, ver- 
hältnissmässig breite Thal des letztgenannten Baches, so 
bemerkt man bald die Unterschiede, die hier in den Natur- 
Verhältnissen Statt haben und nach denen sich die Beschäf- 
tigungen der Bewohner dieses Thaies und ihr Wohlstand 
ausbilden mussten. Die in diesem Thale am höchsten woh- 
nenden beiden Gesellschaften, Mulachi und Mushali, liegen 
zwischen den üppigsten Getreidefeldern und Heuschlägen, 
ihre sorgsam gekalkten Thürme sind dauerhaft gefügt und 
höchst malerisch theils im Thale selbst, theils an dessen 
bewaldeten Gehängen vertheilt. Das Ganze bietet, wenn 
man aus den zum grössten Theil waldlosen alpinen Gebieten 
der Ingur-Quellen mit ihren schwarzen gedrängten Schiefer- 
burgen kommt, den erfreulichsten Anblick. Wichtig auch 
wird diese Gegend durch den bequemen Thüber-Gletscher- 
Pass, der im Norden des Mushalaliz gelegen und von dessen 
dreiarmiger Fimhöhe der schmale, sehr schmutzige Gletscher- 
fuss in doppelter Schlangenwindung bis in das Thal des 
Flusses steigt, hier die Verbreitungshöhe des Wallnuss- 



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G. Radde's Reisen und Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



Baumes fast erreichend. Ein zweiter, gegen Osten gelegener 
Gletscher mit zwei Fimhöhen, die man vom Thale aus 
sieht, giebt dem Mushalaliz ebenfalls den Ursprung, es ist 
der hohe Totonäl (Tetnuld). An dem Platze Madshür, wo 
ein Haus steht, hielten wir am Mittag des 5. Juli im Thale 
des Moshalaliz an. £s war hier die erste Heuernte voll- 
endet, eine zweite findet Anfangs September Statt Das 
Thal des Mushalaliz vereinigt sich weiter westlich mit dem 
des aus Norden kommenden Mestia-dshalai. Um die Quellen 
des letzteren erhebt sich das Kaukasische Hauptgebirge zur 
mächtigen Gualda-Höhe, deren nordwestlichster Winkel durch 
den öfters schon erwähnten tiefsatteligen Uschba oder 
Betschur-Baki-tau, häufiger Besotsoh-mta genannt, gefüllt 
wird. Einen freien Blick auf diese Seitenthäler des Ingur 
gewinnt man bei klarem Wetter, schon ehe das Dorf S'eti 
erreicht wird. 

Pari, ehemals der Sitz des Fürsten Konstantin Dadesch- 
kilian, jetzt der Hauptpunkt, von dem aus die Bussische 
Administration Swaniens Statt hat, der Aufenthaltsort des 
Pristaw, wurde in der Folge zu einem längeren Aufent- 
halte von mir erwählt Dahin zu gelangen, blieben wir 
immer auf den Abhängen des rechten Ingur-Ufers. Ton 
S'eti aus erreichten wir am 6. Juli das Dorf Jenaschi, in 
der Latal'schen Gesellschaft gelegen, und überschritten Tags 
darauf die gut bewaldete hohe Wasserscheide, welche den 
Betscho-dshalai vom Kestia-Bache trennt Die Mannigfal- 
tigkeit der strauchartigen Unterhölzer ist hier schon recht 
bedeutend. Rhamnus, Gorylus, Quercus, Yibumum, Gomus, 
Oarpinus und selten hie und da Sorbus wurden bemerkt; 
dazu tritt die Berzeller und die Zitterpappel in bedeutenden 
Gruppen waldbildend auf und es drängt so das Buschgehölz 
und theilweise selbst der Hochwald die bis dahin vorwal- 
tende Wiese merklich zurück. Im Thale des Betscho-dshalai 
liessen wir uns vom Dorfe Doli nach Jebauli herab, traten 
somit in das Gebiet der Jezer'schen Gesellschaft und über- 
blickten die gegen Westen liegende Landschaft vollständig. 
Hier sieht man zunächst das enge Längenthal des Ligur 
gegen Westen sich schliessen; es sind die Utur-Höhen 
einerseits und der nordwestliche Ausläufer der Bacha-Kette, 
welcher den Namen Habquar besitzt, andererseits, welche 
diesen Schluss vermitteln. Der Ligur aber strömt hier 
schon, im Gebiete der Jezer'schen Gesellschaft, in enger 
tiefer Schlucht, die er sich in den steil einfallenden Schie- 
fem wusch. Nirgends bietet er unmittelbar an seinen jähen 
Ufern grössere Ebenen. Die zahlreichen Dörfer, welche man 



1) So heissen die südwestlichen Ausläufer des hohen Scheidegebir- 
ges, welches das Nenskra-Thal ron dem der Nakra trennt. Nördlicher 
sind hier die Staular- und Zalmag-Höhen noch in nennen; eine all- 
gemeine Benennung des Gebirges fehlt hier eben so wie den meisten 
anderen susammenhangenden HöhemsÜgen. 



hier sieht, sind vornehmlich auf den rechten Uferhöhen 
zusammengedrängt. Die Thürme in ihnen weiden seltener, 
ein Beweis, dass sich hier die Macht Einzelner der ge- 
sammten Bevölkerung gegenüber geltend machte und die 
gesicherten Schlupfwinkel zerstörte, auch ihren Neubau 
verhinderte. Dem ist in der That so; hier befinden wir 
uns in dem Eigenthum der Fürsten Dadeschkilian. Mit 
der Latal'schen Gesellschaft schlieest das obere Freie Swa- 
nien im engeren Sinne des Wortes ab. Von dort bis zu 
den Quellen des Ingur, bis zur höchst wohnenden Usch- 
kul'schen Gesellschaft;, fugten sich die Bewohner nicht dem 
Joche eines Fürsten. Latali selbst hat gegen die Macht 
der Dadeschkilian früher hartnäckig gekämpft. Hier überall 
eng gebaute, zusammengedrängte Dörfer, in denen jede Be- 
sitzung eine kleine Festung ist; hier überall ewiger Streit 
und Zank. Die Besitzungen der Fürsten Dadeschkilian be- 
ginnen im Osten mit den Gesellschaften Betscho und Jezeri 
und erstrecken sich über den grössten Theil der Engschlucht 
des Ingur, nämlich bis zum Swanisdien Qrenzbache Aezis- 
Tsqali, der von rechts her ihm zuströmt, bevor er die Flach- 
länder des unteren Mingrelien erreicht. Ein grosser Theil 
dieser Besitzungen ist der Eussischen Begierung zugefallen, 
da der Fürst Konstantin Dadeschkilian, dem er gehörte, sein 
Verbrechen mit dem Tode büssen musste und sein Eigen- 
thum kon£scirt wurde. Eben seit dieser Zeit — es sind jetzt 
8 Jahre — hat die B^erung hier .ihren Verwalter ein- 
gesetzt, der in dem Amte eines Pristaw, d. h. eines Land- 
hauptmanns, für Buhe zu sorgen hat und die exekutive 
Gewalt in vorkommenden Fällen zur Anwendung bringen 
kann. 

Bis zum 16. (28.) Juli hatte ich in Pari zu thun. Adel 
11. wurde eine grössere Exkursion gegen Norden in das 
Hochgebirge unternommen. Es galt die Ersteigung des 
granitischen Laschchrasch- Gebirges, zu dem ich gelangte, 
nachdem die alpinen Triften seines Vorberges, des Lakmalde, 
überstiegen waren. Auch bei dieser Exkursion hatte ich 
Gelegenheit, mich, wie es schon an der Quirischa geschehen 
war, davon zu überzeugen^ dass hier 'zwei Bacen des Haua- 
rindes und zwei Bacen Ziegen gezüchtet werden. Schon die 
Grösse unterscheidet beide Kacen beider Thierarten auf den 
ersten Blick. Die kleinere von beiden ist die eigentlich 
einheimische, die grössere soll von der Nordseite des Ge- 
birges herstammen. Bis zur Schneegrenze erstieg ich den 
Laschchrasch. Die Baumgrenze wird hier ebenfalls durch 
Pinus sylvestris gebildet. Der granitische, feldspathreiche 
und deshalb leicht verwitternde Boden des Laschchrasch 
bot mir an phanerogamen Kräutern nicht viel Neues. Bis 
auf eine zierliche Gagea-Art hatte ich wohl alle die hier 
wachsenden Pflanzen schon auf den Schiefem des Dadiasch, 
Tschitcharo u. s. w. gefunden. In Pari bemühte ich mich. 



6. Radde's Beiseii und Forsdiimgen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



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ein in Jibiani Eusammengetragenes Vokabular theils zu be* 
lichtigen und die einzelnen Wörter mit den hier gebräueh« 
üchen su Yei^leiGhen, theils einige Swanen-Lieder niederzu- 
schreiben, ein altes Kostüm zu zeichnen und einige mir 
werthyoU erscheinende Gegenstände zu kaufen. Zu den 
letzteren gehörte z. B. die siebensaitige Harfe, die sonder- 
baren Schneeschuhe, welche kaum etwas länger ab der Fuss 
sind, ihm aber eine grössere Breite bieten und so das Ein- 
sinken Terhindem. Der Swane will und kann nicht, wie 
der Bewohner der nordischen Flachländer, sich rasch mit 
den Schneeschuhen bewegen. Das von ihm der Jagd wegen 
betretene Hochgebirge gestattet keine raschen Bewegungen 
und die Beschäftigung selbst verbietet sie auch; der einzige 
Zweck seiner Schneeschuhe besteht darin, das tiefe Einsinken 
in den Schnee zu verhindern. 

Am 16. Juli Abends setzte sich in Pari eine förmliche 
Karawane in Bewegung. Es hatte sich der Pristaw ent- 
schlossen, mit einer Anzahl Swanen uns das Geleit zu 
geben und nöthigenfalls den engen, oft an Eelsabsteilungen 
nur durdi Anbrückungen gewonnenen Pfad zu repariren. 
Dazu gesellten sich noch die Herren Walberg, Berg-Ingenieur, 
und Castaing, Franzose von Geburt, der den Ingur und 
Tskenis-Tsqali auf Gold untersucht hatte und nun zur 
Mingreiischen Ebene eilte, um dort seine Arbeiten zu voll- 
enden. Herrn Castaing's Bemühungen sind von Erfolg ge- 
krönt wbrden. Er hat überall, wo er probte, die Spur von 
Gold nachgewiesen und mehrere Lokalitäten gefunden, die 
den Abbau des Goldes lohnen können. Schon in diesem 
Winter nimmt er die Arbeit in grösserem Maassstab in 
Angriff und rechnet sicher auf vortheilhafte Ausbeute. Er 
wäscht in der sogenannten Kalifornischen Manier und es wird 
zumal im unteren Ingur-Thale die Arbeit gerade im Winter, 
da das Klima keine Hindemisse in den Weg 1^ und der 
Wasserstand dann gerade am niedrigsten ist, am vortheil- 
haftesten betrieben werden können. Ich enthalte mich hier 
der eingehenderen Mittheilungen über diesen Gegenstand, 
da der Umfang meines Berichtes schon ohnediess stark an- 
schwillt. Unsere Karawane bestand aus 10 Packpferden 
und einem sehr vorsichtigen Esel, die Zahl der Menschen 
mag sich auf 30 belaufen haben. Wir hatten die Eng- 
sehlucht des Ingur in circa 75 Werst Länge zurückzulegen, 
um bei Chudon ein freieres Terrain zu gewinnen und mit 
dem nahe gelegenen Dshwari in die Mingrelische Ebene zu 
treten. Die Bichtung des Ingur-Thales verläuft auf dieser 
Strecke südwestlidi und später südlich. Erst am 24. Abends 
erreichte ich Dshwari. Bot uns die Engschlucht des Ingur 
dnrdi die Steilungen ihrer namentlich in der oberen Hälfte 
meist aus Thonschiefem gebildeten Seitenwände aufhaltende 
Hindernisse und wurde unsere Ankunft in Dshwari so 
sdion um vier Tage verspätet, so verzögerte sich die dor- 



tige Ankunft unserer Packpferde und ihrer Begleiter noch 
mehr. Die Wildniss der Ufer auf dieser Strecke des reis- 
senden Bergstromes ist so gross und so überwältigend an 
vielen Orten, dass man wirklich oft nicht ein und aus weiss. 
Die von der Begierung angeordneten Verbesserungen des 
sogenannten Weges waren bis jetzt entweder gar nicht oder 
doch nur höchst mangdhaft vorgenommen. Man nimmt 
sich nicht einmal die Mühe, die grossen Windfalle, welche 
den schmalen St^ oft ganz verlegen, zu durchhauen. Die 
Anbrückungen, wie sie einige steile Pelspartien erfördem, 
waren nirgends ausgebessert und endlich fanden wir die 
Chub^r-Brücke unweit oberhalb Chudon zertrümmert, nur 
auf einem Balken hangend. Es blieb nichts Anderes übrig, 
als, nachdem wir am vierten Tage das Geleit und die so- 
genannte Hülfe des Pristaw ausgeschlagen hatten und uns 
in bedeutender Proviantverlegenheit befanden, den Weg mit 
Energie allein und möglichst rasch fortzusetzen. In Chub^r 
Hessen wir Leute und Packpferde und begaben uns zu 
Euss nach Chudon und Dshwari, um von hier aus Leute 
und Lebensmittel zur Hülfe zurückzusenden. Am 27. hatte 
ich die Freude, die zurückgebliebenen Sammlungen wohl- 
eiiialten zu emp£uigen. 

Es haben die Wildnisse der Ingnr-Schlucht, ihre beider- 
seits rasch ansteigenden Gebirge, ihre unberührten, schweig- 
samen Urwälder, der tosende, zuerst in Schiefem, dann noch 
mehr eingeengt zwischen Trachyt- Wänden und endlich im 
Kalke dahin stürzende Pluss — nicht allein dem Menschen 
das Vordringen hier erschwert. Ist diese Engschlucht als 
der natürliche mächtige Biegel zu betrachten, welcher das 
Hochlängenthal des Ingur vom Mingreiischen Flachlande 
trennt, und hat dieser Biegel von jeher den lebhafteren 
Verkehr mit den abwärts gelegenen Landen und damit auch 
die raschere Gesittung der Bevölkerung des Freien Swanien 
ungemein erschwert, so zog er noch krassere Grenzen der 
willenlosen Verbreitung für viele Pflanzen und für einige 
Thiere. Es gilt diess besonders in der Bichtung thalauf- 
wärts. Wir standen am 16. Abends im Unteren Lia in 
Swanien, in einer Höhe von ungefähr 4000 Fuss über dem 
Meere, an der äussersten Kulturgrenze der Bebe; ihr ent- 
spricht die der Kastanie (Castanea vesca) im wilden Zustande, 
sie zeigt sich als Strauch an den vortheilhaft gegen Süden 
ezponirten Gehängen. Diese letztere wird durch die schat- 
tigen Wälder und durch die wilden Gebirge aus der Ingur- 
Schlucht nicht verdrängt, sie findet sich in den üppigen 
Buchenwäldern oft als Biesenstamm eingesprengt. Die Bebe 
dagegen überspringt die Engschlucht des Ingur ganz, es 
ist kein Platz und keine Sonne für dieselbe hier. Aber 
steigen einige Bäume aus dem oberen Swanien bis in die 
Mingrelische Ebene, wobei namentlich der Linde, Esche, 
Eller, auch selbst der Kiefer gedacht werden muss, so findet 



48 



G. Radde's Reisen und Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



ein Heraufsteigen anderer aus der Ebene durch die Ingur* 
Engschlucht keineswegs Statt Kein Diospyros Lotus gedeiht 
im Schatten der Buchenwälder und die immergrünen Buzus- 
Gehöke, die auf dem festen Jura-Kalk, wenn auch sehr 
langsam, doch kräftig und baumartig wachsen, finden schon 
wenige Werst oberhalb Chudon ihre äussersten Vorposten. 
Die Ingur- Schlucht scheidet femer die meisten Kultur- 
pflanzen des unteren Mingrelien scharf vom oberen Swa- 
nien. Bei Dshwari und Chudon finden Cydonia, Morus^ 
Ficus, Carica, Hibiscus sinensis, Bosa (kiütivirt) , Arundo 
Bonaz ihre Yerbreitungsgrenzen gegen Korden. Dort auch 
wachsen noch Panicum italicum, Mais (bis Ghub^r), Kohl- 
pflanzen, Zwiebeln, Knoblauch, Melonen und Gurken, die 
man in NO. der Ingur-Schlucht nicht mehr findet. Lanius 
Gollurio und Goracias Garrula sind zwar im unteren Mingre- 
lien überall sehr häufig, wurden aber nie im oberen Swa^ 
nien bemerkt Endlich bewohnen der Hirsch und das Beh 
nur die Höhen des unteren Drittheils dieser Engschlucht 
und die Jäger aus dem Dorfe Lachamuli haben eine starke 
Tagereise thalwärts zu wandern, wenn sie ein solches Stück 
Wild fallen wollen. Die Gebirge höher am Ingur sind dem 
Hochrothwild zu steil, auf sie ist die Gemse und der Kau- 
kasische Steinbock angewiesen. 

Es wurde das Ende des Juli zur Bekognoscirung der 
Mingrelischen Ebene verwendet Die Exkursionen er- 
streckten sich von Dshwari über Sugdidi und von dort über 
Ghoni nach Kutais. «Erst mit dem 16. August konnten die 
Arbeiten im Hochgebirge wieder in Angriff genommen wer- 
den. Nach den gewonnenen Anschauungen über die Quellen 
des Tskenis-Tsqali und Ingur musste mir namentlich daran 
liegen, das benachbarte Quellland des Bion kennen zu ler- 
nen. Zu diesem Zweck trat ich am 16. g^en Abend die 
Beise abermals zum Nakerala-Gebirge von Kutais aus an. 
Diess Mal wurde die Umgegend von Nikoryminda genauer 
in Augenschein genommen und dann die Beute über Gho- 
tewi in das obere Bion-Thal fortgesetzt. Bei den steilen und 
hohen Seijalio-Kalkwänden, wo der Bion mit seinen trüben 
Fluthen durch einen förmlichen Schlund von nur 15 bis 
20 F. Breite schäumt, gelangten wir über die gut gebaute 
Brücke zum rechten Bion-Ufer und dieses aufwärts verfol- 
gend breitete sich bald die geräumige Thalerweiterung, in 
der S'essi zerstreut liegt, vor uns aus. Hier deutet das 
üppige Grün der kräftigeren Gebüsche schon den Vegetations- 
Charakter der oberen Badscha an und lässt den Unterschied 
zur Flora des tiefer gelegenen Theiles dieser Landschaft 
recht augenfällig erkennen. Gemilderte Tageshitze im Hoch- 
sommer und, wie es scheint, auch ein grösserer Feuchtigkeits- 
gehalt der Atmosphäre, der sich in starkem Thaufall über 
Nacht hier ausprägt, werden die Ursachen des besseren Ge- 
deihens der meisten Gewächse hier sein. Der Luchum-Bach 



wurde am 19. Abends erreicht Er stürzt mit seinen klaren 
Wassern über dunkele Porphyre und vereinigt seine Fluthen 
mit dem schmutzig lehmigen Bion- Wasser etwas oberhalb 
einer jetzt 1 10jährigen Kirche. Am Fusse der Buinen Minda- 
ziehe, die zu einer traurigen Berühmtheit durch das Schicksal 
des letztregierenden Fürsten Eristav gelangt sind 0» machten 
wir Halt Tags darauf wurde die Beise fortgesetzt Das 
Dorf S'ori, der Kröpfigen und Kretinen wegen bekannt, in 
üppigen Weingärten und Wallnuss-Baumgruppen gelegen, 
durchschritten wir. Höher traten wir auf angenehme Wiesen- 
gründe, die Sonnenbrände der unteren Badsdia fehlen hier 
ganz. Oberhalb S'ori erscheint das Bion-Thal, noch unter- 
halb Oni, durch die zum linken Ufer nahe tretenden Dshan- 
dshora-Gebirge stark verengt, ja für die Femsicht formlich 
geschlossen. Das rechte Ufer des Flusses bleibt meistens 
steil und schiefrig, das linke bietet ackerbaufähige Flach- 
länder, die sich besonders för Mais-Kultur eignen. Noch 
ehe man die vortretende Gebirgsspitze am rechten Dshan- 
dshora-Ufer erreicht, taucht in der am linken Bion-Ufer 
sich hinziehenden Ebene der Flecken Oni, gegenwärtig der 
Hauptplatz der gesammten Badscha, aus frischem Baumgrün 
au£ Die Erweiterung des Bion-Thales bei Oni wird gegen 
Nordost und Ost durch die Schoda-Kette geschlossen, weiter 
östlich, wenige Werst oberhalb Oni, öfihet sich dagegen das 
tief in die Gebirge einschneidende Garula-Thal, dessen Höhe 
auf dem duellgebirge der östlichen Bion-Quelle gelegen ist. 
Bis zum 21. blieb ich in Oni, an diesem Tage gegen 
Mittag trat ich die Beise zu dieser östlichsten Quelle des 
Bion an. Sie entspringt dem geringen Twuils'a-Gletscher, 
der in NO. des Mamis'on-Passes, nicht weit von der grossen 
Strasse, die man hier seit einigen Jahren baut, gelten ist 
Diese östlichste Bion-QueUe (der Dshandshora-Zufiuss kommt 
aus SO.) ist die geringste der drei Bion-Quellen, in ihrem 
obersten Theile fuhrt sie den Namen Dshandshachi-Tsqali 
und der dreigelappte Twuils'a-Gletscher ist einer der klei- 
neren, die ich in der Kaukasischen Hauptkette sah. Um 
von Oni dorthin zu gelangen, begiebt man sich zum Dorfe 
Glola, welches schon oberhalb des Zusammenflusses der 
beiden Bion-Quellen (die eigentliche als Phasis vom Pass- 
mta aus NW. kommend und die zweite vom Twuils'a) ge~ 
legen.' Auf dem Wege dorthin wird man in Uzera einige 
Zeit durch die Besichtigung der eisenhaltigen saueren Wasser 
aufgehalten werden. Man tritt gleich jenseit des Garula- 
Baches wieder unmittelbar zu den eingeengten Ufern des 
Bion. Auf seiner rechten Seite sind es die Schoda- Abstürze, 
die den Fluss umfassen und deren nordwestlicher Winkel 
im Anschluss an die Scheide der Bion- und Tskenis-Tsqali- 



^) Unter dem König Salomon wurde der AoÜBtand des Fürsten 
EriBtav 1767 durcii seine Blendung bestraft. 



G. Badde's Beisen tuid Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



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Qnellea dem Sakaura-Badie (zum Bion) den Ursprung giebt 
links her aber treten die oft steilwandigen Bänder und 
Auflläufer des Quasisoh-Gebirges zum Bion, dessen pittoreskes 
HanptmassiT als Kataris-tsweri (aueh Sakataris-tsweri) mit 
dem davor li^enden 6ommis-mta-£egel gegen Norden un- 
weit Uzera auch hier das Bion-Thal sohüesst Die Beize 
der nahen Hoohgebirgslandschaft mit dem Dunkel ihrer 
Nadelholzwälder und den blendend weissen Schneefeldem 
treten schon auf dem Wege nach XJzera immer deutlicher 
herror. Die nahen Gehänge sind hier noch mit Mais-Plan- 
tagen und Weingärten besetzt, die beide mit der Höhe Ton 
Uzera vom kulturfahigen Boden schwinden. TJzera selbst 
besitzt nahe der alten Kirche die herrlichsten Linden und 
etvas weiter oben am sanften Abhänge eine Anzahl jämmer- 
lidier Häuschen, die den sogenannten Bade- und Kurgästen 
angewiesen werdexL Wiederum etwas höher als diese sind 
die Quellen selbst gelegen und einige Gaslöcher (Kohlen- 
sänre) befinden sich daneben im Boden. Obgleich dieser Ort 
bei den Eingebomen sehr bekannt und yon ihnen auch 
besucht ist, scheint es fest, dass die Kühle Ton XJzera mehr 
Reiz und Stärkung für die Kranken und Gesunden hat als 
.die Quellen selbst Das naive Geständniss wenigstens, man 
komme aus den tiefer gelegenen Landschaften Mingreliens 
nur zur Hocbsonmierzeit hierher, um der dort drückenden 
ffitze zu entgehen, hörte ich zu wiederholten Malen. Ober- 
halb üzera tritt man in stattlichsten Hochwald. Yorwaltend 
▼erden auch hier die beiden Abies- Arten, zu ihnen ge- 
sellen sich gern beide Ellern-Species. Das Bion-Thal selbst 
erscheint sehr bald als enge Spalte, die wenigen schmalen 
Plätzdien an seinem rechten Ufer, welche kultivirt werden 
können, sind mit Gerste oder mit derPötu-Hir8e(Fanicum sp.?, 
nicht P. italicum!) besäet. Der hier gebahnte Weg ist, wo 
er nicht durch Nachsturz verlegt wurde, recht bequem. Oft 
▼urde er in die seitlichen Schieferwände eingesprengt, er 
fährt von dem Mamison-Fasse, wo er die Höhe von 9233 F. 
über dem Meere erreicht hat, im Ardon-Thale abwärts und 
schliefst sich an die grosse Grusinische Strasse in NW. von 
Wladikawkas. £s steht in Aussicht, ihn in wenigen Jahren 
dem Verkehr übergeben zu sehen, und die Vortheile, welche 
dnrch diese Strasse der bis dahin fast geschlossenen Badscha 
erwachsen werden, sind augenfällig. Auf dem rechten Bion- 
üfer ritten wir weiter, über die hochstrebenden Gipfel der 
schönen Abies Nordmanniana (nur junge Stämme derselben 
tragen Zapfen, an alten sah ich sie nie) schaute ein Theil 
der Digorischen Gtebii^ mit ihren Schneefeldem und Glet- 
schern hervor und darüber wölbte sich der reinste blaue 
Himmel. Es fehlte hier in den schattigen Hochwäldern die 
Eiche selbst als Gebüsch und die Haselnuss wurde merklich 
seltener, dagegen mehrten sich die Unterhölzer beider Ellem ; 
Vibumum Opulus, Yaccinium Arctostaphylos und Bhamnus 
Petermum'i Geo^. Mittheüungen. 1865, Heft II; 



Frangula trugen nebet Evonymns reife Früchte; an die 
Stelle des die Sonne liebenden Bubus fintioosus treten andere 
Arten und jetzt erst reifen hier die Himbeere und Erdbeere. 
Clematis Yitalba tmd Smilax wurden jetzt auch nicht mehr 
bemerkt. Ein flaches, schön mit Buchen bestandenes Vor* 
ländchen, welches wenig unterhalb der Zusammenflussstelle 
beider Bion-Quellen gelegen ist und den Namen Magalchide 
besitzt, erreichten wir und gingen nun auf guter Brücke zum 
linken Bion-XJfer über, um dann dem Dshandshabhi-Tsqali 
aufwärts zu folgen. Am rechten Ufer dieses Baches erhebt 
sich in Terrassen das eng gebaute Dorf Glola, etwa 6 Werst 
oberhalb des Zusammenflusses beider Bion-QueUen. Glola 
ist seit 1812, dem Festjahre, welches Mingrelien heim« 
suchte, sehr viel kleiner geworden. Yon den damaligen 
92 Feuerstellen, welche zum grössten Theil auf dem linken 
Dshandshachi-Ufer standen, blieben nur 1 7 nach. Die hohe 
Lage des Dorfes gestattet vornehmlich nur den ergiebigen 
Gerstenbau. Die guten Ernten wurden jetzt gedroschen. ^ 
Gegen Westen erscheint von Glola aus betrachtet das Bion« 
Thal durch den Tschonisuris-mta geschlossen, an dessen süd- 
lichst gelegener Ecke ein Stück der Schoda-Kette hervor- 
taucht, gegen Osten aber er&sst das Auge die nackten al- 
pinen Triften der Ziteli^Kuppel, über welcher die Höhenlinien 
des Mamison-Fasses den Horizont zeichnen. Diese Bichtung 
schlug ich am 22. August 1 1 Uhr Yormittags ein, vorher hatte 
ich eine Zeichnung von dem Tschonisuiis-mta entworfen. 
Wir befanden uns sehr bald wieder im prächtigen Hochwalde, 
umgingen und überschritten mehrere Bäche, die von links 
her in den tief im Thale dahin rauschenden Dshandshachi- 
Tsqali fallen, und erreichten den Flatz Musuati, dessen 
Höhe zugleich die äusserste Baumgrenze gegen Süden, hier 
durch Betula alba gebildet, in sich schliesst Bei Erwähnung 
dieses Flatzes muss daran erinnert werden, dass die Haupt- 
kette des Kaukasus hier nicht zur entschiedenen Grenze 
für die Yerbreitung der Ossen ') und Berg-Mingrelen wird. 
Noch unterhalb von Musuati, wo nur Eine Ossen-Familie 
wohnt, erblickt man das aus mehreren Gehöften bestehende 
Ossen-Dorf Gurscheur. Auch an den Quellen der Dshan- 
dshora sind die Ossen in grösserer Zahl über die Kaukasische 
Hauptkette in die Badscha übergesiedelt Die ethnographi- 
sche Grenze fällt hier nicht wie bei den Swanen mit der 
geographischen zusammen. Ich liess Gepäck und Leute in 
Musuati zurück und eilte jetzt im Bereiche der schönen 
alpinen Flora, trotz der vorgeschrittenen Tageszeit (es war 
3 Uhr Naohmittii^s) den Mamison-Fass zu erreichen. Die 
Unwetter des Hochgebii^es, welche för diese Höhen bereits 



') Mit Prof. KatI Koch schreibe ich Oeeien and Ossen nach dem- 
selben Qrondsatie, dem zufolge ich im Deutschen nicht Siraneten und 
Bwanetien, sondern Swanen und Swanien schreibe ; das eingeschobene t 
muss für die 'Bussische Sprache beibehalten werden. 



60 



6. Badde's Beben und Forschungen im Kaukasns, im Jahre 1864 



Yoriibergehend Schnee und Frost gebracht hatten, waren 
eelbet für die kräftigen Stengel hoher Umbelliferen und 
Scabiosen zum Theil tödtend gewesen. Der Herbst zog in 
das Kaukasische Hochgebirge mit raschen Schritten, Gentia- 
nen, grossblumiges Colchicum und ein schwefelgelber Grocus 
blühten, die eigentlichen Sommergewachse waren ein Baub 
des Begens und des Schnee's, der Stürme imd der Kälte 
geworden. Um 5 Uhr hatten wir die Höhe des If amison- 
Passes erstrebt Eine weit umfassende Femsicht über die 
kahlen Gebirge Ossiens lag vor uns. Sie wird gegen Osten 
durch die Schneehöhen des Kasbek begrenzt. Die detaillirte 
Aufasählung der hier bei der Gebirgs-Orientation mir ge- 
nannten Höllen folgt im ausführlichen Werke. — Die unter- 
gehende Sonne trieb zur Eile, unvergleichlich schön ist dann 
bei klarem Himmel die Aussicht gegen Westen. Über die 
enge Furche des Dshandshaohi-Tsqali schweift das Auge zu 
den an seinem linken Ufer steil ansteigenden und yielfBUih 
zerklüfteten Gebirgen, die im Katari-tsweri, d. h. Katzen- 
Pik (Spitze, Nase), ihren vorderen Hauptstock finden. Es 
sind die Gheske- und Chamsela-Höhen. Die Hochgebirgs- 
pflanzen fesselten mich, so lange ein Schimmer des Tages- 
lichtes über den erkalteten Matten weilte. Erst spät in der 
Nacht kehrte ich zu unserem Lager in Musuati zurück. 
Am nächsten Morgen kam meine Krankheit zum Ausbruch. 
Dem herrschenden Westwinde, welcher auf dem Mamison- 
Passe wehte, hatten die Lederkleider nicht widerstehen 
können. Gastrisches Fieber mit heftigen Phantasien befiel 
mich. Ohjie Aufenthalt brach ich nach dem ersten Paroxys- 
muB auf und erreichte Glola. Eine entsetzliche Nacht! In 
foroirtem Marsche ging es nach Oni zurück. Hier lag ich 
bis zum 1. September krank. 

Ich hätte jetzt abschüessen sollen, allein ich konnte es 
nicht. Der Überblick der Quellhöhen des Ligur und Tskenis- 
Tsqali von den Nachbarhöhen des berühmten Pass-mta war 
mir unerlässlich. Nur diese Anschauung konnte mir das 
wahre gegenseitige orographische Yerhaltniss der Quell- 
gebirge der drei Mingrelischen Hauptflüsse ermöglichen. Es 
lagen schon seit dem 27. August die Gebirgskämme in tie- 
fem Mschen Schnee, herrlich funkelte die Schoda-Kette und 
die Lockung, zum Pass^mta zu reisen, wurde unwidersteh- 
lich. Am 1. September machte ich zunächst eine Yersuchs- 
Exkursion, ich wollte die Eigenerze und die Schmelzöfen 
im Doife Zedisi sehen. Dazu war es nöthig, im Dshan- 
dshora-Thale aufwärts zu reiten, später die rechten steilen 
Uferhöhen zu ersteigen und so westlich vom Wellwuanta- 
Pass den Platz Quazitelli zu erreichen. Es muss das Erz- 
brechen hier schon seit sehr alten Zeiten Statt gefunden 
haben. Eine enge, kaum für einen Menschen zum Durch- 
zwängen genügende Spalte führt in das Lmere des Kalk- 
gebirges. Lange muss man gehen, ehe man an die jetzigen 



Bruchstellen kommt Der ganze Abbau dieser Erze ist so 
dürftig und die Ausbeute so gering, dass man nicht be- 
greift, wie sich bei den obwaltenden grossen Gefahren und 
Mühen die Bewohner mehrerer Dörfer ^) dazu entschliessen 
können, sie zu betreiben. Die geforderten Erze werden von 
Menschen nach Zedisi, mindestens 4 Werst weit, geschleppt 
und kommen auf kleine offene Herde je zu 5 Pud, zer- 
klopft und gemengt. Sie werden nach dem ersten Abtreiben 
noch zwei Mal umgeschmolzen und geben im besten Falle 
1 Pud Eisen. 

Auf dem Bückwege nach Oni konnten die YerbreitungB- 
höhen von der Bebe und von Setaria (Panioum) italica im 
Dshandshora-Thale bestimmt werden. Von dieser Exkursion 
im besten Wohlbefinden zurückgekehrt beschloss ich, am näch- 
sten Tag über Gebi zum Pass-mta vorzudringen. Am 2. Sep- 
tember brach ich dorthin au£ Den Weg bis zum Magal- 
chide-Platz oberhalb Uzera und wenig unterhalb der Zu- 
sammenflussstelle beider Bion-Quellen haben wir bei der 
Glola'schen Exkursion schon kennen gelernt. Man über- 
schreitet, um nach Gebi zu gelangen, natürlich die hier ste- 
hende Brücke nicht, übersteigt die rechten Uferhöhen des 
Rion und befindet sich dann an der Ausmündungsstelle 
seines nordwestlichen Uuellthales, dessen Bach den Namen 
Bion beibehält und das bedeutender und wasserreicher ist 
als das östliche. Es erö&en sich sehr bald, nachdem man 
zwischen Gebüschen der Ellem und Haselnuss und durch 
Junghölzer der Zitterpappel und Weissbirke hingeritten 
(wilde Birnen und Äpfel fehlen hier nicht, sie sind noch 
höher, als Gebi gelegen, im Bion-Thale zu finden), die freieren 
Flächen des Thaies, welche in sanfter Neigung, immer auf 
dem rechten Ufer des Baches, von der Tschiora^Höhe sich 
herabsenken und die AdLezfelder und Wiesen der Bewohner 
von Tschiora in sich schliessen. Die Wahrnehmung einiger 
kleiner Hirsenfelder (die wirkliche Hirse, Panicum milia- 
ceum, L.) wurde notirt, sie ist in so fem für die Verbreitung 
dieses Grases sehr interessant, als es nirgends in beiden Swa- 
nien, noch auch in der Badscha so hoch im Gebirge kultivirt 
wird. Selbst nahe oberhalb Gebi lag auf stark gegen SW. 
geneigter Bergfiäche ein Hirsenfeld. Die günstige Exposition 
mag allein das Beifen der Hirse hier ermöglichen. Wir 
blieben bis zum Dorfe Gebi immer auf dem rechten Bion-Ufer; 
das Gerinne des Baches erweitert sich ansehnlich bei dem 
Dorfe Tschiora, hier müssen die reichlichen Frühlingswasser 
des Phasis oft arg austreten. Nur magere Weide deckte 
sehr mangelhaft die trocken liegenden Gerolle dieser Erwei- 
terung. Bald oberhalb Tschiora, welches ein grosses, eng 
gebautes Dorf mit 87 Feuerstellen ist, nimmt man Gebi in 
NW. mit seinen vielen Thürmen gewahr. Li der oberen 



1) Ausser Zedisi noeh die Dörfer Kwedi, Iri, Qimda und Sksmori. 



6. Radde'8 Reisen und Forschungen im Kaukasus, im Jahre 1864. 



51 



Badseha exinnert dieseB au den Rion-Quellen höchst gelegene 
Dorf allean durch seine Bauart an die Swamsohen Dörfer. 
Gebi erreichte ich am Abend des 2. September. Am 3. 
gingen wir weiter; die Ecke, in welcher die Schoda-Kette 
mit dem Dadian-Schwanisohen Scheidegebirge und mit der 
Eaokasisdien Hauptkette susammenstöest, war unser ZieL 
Wenig oberhalb jGlebi engt sich das Bion-Thal ein. Man tritt, 
nachdem znerst eine Strecke auf dem linken Ufer zurück» 
gelegt wurde und mehrere Wildbädie paesirt sind, in die 
Wälder und auf die Stellungen des rechten Ufers. An einigen 
freien Stellen kann das Auge die einachlieeaende Hochgebirgs- 
landsdiaft einigermaassen überblicken und sichorientiren. Die 
Gliederangen der Schoda-Kette, welche in einzelnen benann- 
ten Höhen die Schneeregion erreichen, in allen anderen aber 
höher als die Baumgrenze gelegen sind, markirten sich links 
ron nns (d. h. dem rechten Rion-Quellufer entlang). Beohts 
dagegen erheben sich yom Fusse der bewaldeten Oebirge die 
Höhen der hier etwas mehr von Ost nach Süd geneigten 
Kaukasischen Hauptkette, deren gletscheiführende Oruppi- 
mngra ebenfalls benannt sind. In NW. schliessen die Eis- 
höhen des £demis-mta (Paradies-Gebirge) das immer enger 
werdende Phasis-Quellthal und gegen SO. gewendet sieht 
man die nadelholzfährenden sogenannten Glola-Gebirge (die 
vir früher als Gheske, Chamsela und Katari-tsweri kennen 
lernten) den hohen dunklen Band dieses Bildes formen. 

Nachmittags am 3. September gelangten wir zum Platze 
SasBagonelli. Der Edemis-mta lag nahe im Norden mit sei- 
ner östlichen Gletscherhälffce vor uns, vom Pass-nita war 
hier noch Nichts zu sehen. Die Höhen des Goribolo-Gtebir- 
ges, an dessen Fuss sich eben der Sassagonelli-Platz befin- 
det nnd welches in seiner yorderen Hälfte auch als Sassano- 
goris-mta bezeichnet wird, verdeckten ihn. Auf dem 
Wege zn unserem Halteort, den wir im Freien nahe dem 
rechten Bion-Ufer und nicht in der schmutzigen Sennhütte, 
die am Abhänge steht, wählten, hat man Gelegenheit, die 
änssersten Knltnrgrenzen für Gerste und Hafer zn bestim- 
men, sie liegen noch im Bereiche von Fagus, Acer und 
nmiiB. Anffallend war die Unfruchtbarkeit der Eberesche 
(Sorhus) in dieser Gegend und in dieser Höhe, als Strauch 
Würde sie unterhalb Sassagonelli äusserst gemein, aber nir- 
gends fruchttragend angetroffen. 

Im Verlaufe des 4. Septembeir wurde nicht nur die 
Ooriholo-Höhe erstiegen, sondern auch die Bückreise nach 
Oebi forcirt Mein längeres Weilen auf den mit frischem 
Sdmee bedeckten Feldern, die ich auf der Goribolo-Höhe 
&nd, musste in mir Besorgnisse wegen rückkehrenden Fie- 
bers erwecken. Am frühen Morgen, als das tiefe Bion-Thal 
noch ganz in Schatten gehüllt war und 4ie Goribolo-Höhe 
sich im ersten Sonnenschein zu vergolden begann, betraten 
vir die ungemein steilen Südostabhänge dieses Gebirges. 



Mit dem Ersteigen der vorderen Xuppel, die sehr üppig 
mit zum Theil hohen Gewächsen, darunter wieder Scabiosa, 
Campanula, Inula und UmbeUiferen, bestanden ist, hatten 
wir die Baumgrenze (hier Betula alba) tief unter uns lie- 
gen, traten dann in die niedrige alpine Flora, streiften die 
vereinzelt gruppirten Bhododendron-Gebüsche und berührten 
die ersten frischen Schneeschrammen. In ihrer Nähe blühte 
der schwefelgelbe Crocus ?, welcher jedoch der Kälte wegen 
seine Blumen nicht recht ent&lten konnte. Die meisten 
(Gewächse lagen, vom Froste geschwächt, geneigt am Boden. 
Eine Einsattelung, die zwischen der vorderen Kuppel und 
dem höchsten Goribolo-Grat gelten, eröffiiete hier schon 
die Aussicht auf einen Theil des Pass-mta. Ein lange er- 
sehnter Anblick! — Man wird gewissermaassen enttäuscht, 
wenn man endlich dieses berühmte Gebirge sieht. Man 
brachte die vorgefrusste Meinung mit, es müsste der aus- 
serste Quellberg des Bion auch der hödiste im Gebii^ sein. 
Das ist gar nicht der FalL Es ist der Pass-mta beiden, 
dem Lapuri in NW. und dem Edemis-mta in OSO., ganz 
und gar an Höhe untergeordnet, aber er tritt weit gegen 
Westen aus der Hauptkette hervor und diess macht ihn auf- 
fallend. Um 11 Uhr war der Goribolo-Grat ersti^en. 
Wir gingen auf schmalen Schneefeldem. Unmittelbar im 
Norden vor uns lag, geschieden durch die tiefe Phasis- 
Binne, das nackte braune Massiv des, wie es scheint, schie- 
ferigen (?) Pass-mta mit seinem am westlichen Ende auf- 
gethürmten stumpfen Kegel. Hinter ihm schaute in NW. 
der Lapuri-Gletscher vor, weiter sah man die Quellhöhen 
der nördlichen Tskenis-Tsqali- Quelle, die steile Neschka- 
Scheide zwischen beiden. Bechts vom Pass-mta, d. h. 
gegen Ost und OSO., erheben sich die beiden grossen Glet- 
scher des Paradies-Gebirges. Eine vortretende, bedeutend 
grosse, kahle Felsmasse trennt den Fuss dieser Gletscher 
zum Bion-Thale hin, auf ihrer Höhe mögen sie wohl mit 
einander verschmelzen. Einem verschwindend kleinen Fim- 
felde, dem die an den grösseren Kaukasischen Gletschern 
so gewöhnlichen senkrechten Eisstufen fehlen, entquillt im 
Osttheile des Pass-mta die äusserste kleine Quelle des Phasis. 

Am 5. Septbr. nach Oni über Gebi zurückgekehrt befiel 
mieh aufs Neue das Fieber. Die Exkursionen, welche ich 
im Herbste dieses Jahres in der Colchischen Ebene zu 
machen gedachte, mussten angegeben werden. Krank er- 
reichte ich am 8. Kutais und am 13. September Tifüs. 
Auch jetzt noch weicht die an den Bion-QueUen mir zu- 
gezogene hartnäckige Krankheit nicht ganz. 

Im nächsten Sommer wird das untere Mingrelien, Ab- 
chasien und Gurion von mir bereist werden. Ist es mög- 
lich, so soll mir der Besuch des oberen Theiles vom Kura- 
Thale, so weit er in Bussischen Grenzen gelegen, einige 
Yergleichungen mit dem Bion-Systeme gestatten. 



Ö2 



Fraa Baronin v. Gerstdorf s Reise in Syrien von Aleppo nach Deir am Eaphrat 1864 

Mit Bemerkungen von Dr. A. D. Mordtmann ^). 

2, November. Der Aufbruch sollte früh Morgens Statt 
finden, aber erst gegen Kittag kamen die Kameele und wir 
bestiegen um 12 Uhr die Pferde; wir litten recht viel von 
der Sonne, überdiess hatte Albert's Tschausch meinen R^en- 
schirm und Sonnenschirm eingepackt und ich musste mich 
vor den brennenden Sonnenstrahlen durch doppelt zusam- 
mengelegte Tücher auf dem Kopfe zu schützen suchen« 
Unsere Karawane bestand aus 6 Kameelen, 2 Maulthieren, 
Alhert's Tschausch, unserem Soldaten Derwisch und einem 
Konstantinopeler Baja Giorgio, der nach Deir reiste, um 
dort Geschäfte zu machen; femer war die Alte, meine 
Sklavin Fatma und ich da; wir sollten noch viele Beglei- 
tung haben, aber w^en Mangels an Transport -Kameelen 
waren fast alle Soldaten zurückgeblieben, ausgenommen 5 
Jäger, 4 Infanteristen und 40 Kavalleristen, die aber alle 
schon in der Frühe mit dem Transport, welcher aus Reis 
für die Soldaten in Deir bestand, fortgegangen waren. 

Nach einem dreistündigen Bitt verschwand allmählich 
Aleppo mit seinen Minarets und endlich auch die grosse 
Citadelle, ohne dass ich darüber grosses Bedauern empfand; 
ich hinterliess keine liebe Freundin, keine Lieblingspro- 
menade, Nichts, was mir hätte Leid thun können, ausser 
Qxeinem Piano, an welchem ich so manche Stunde zuge- 
bracht hatte und welches ich jetzt zurücklassen musste, 
sonst Nichts. — Adieu, Aleppo! 



') Zum VerstSndiiisB des hier folgenden Beise-Tagebaches emd einige 
Bemerkungen erforderlioh. Die Sohreiberin ist' meine Tochter, Ehefrsn 
des Baron Albert r. Gentdorf, welcher seit 16 Jahren in K. Türkischen 
Müitardiensten steht, im Terwichenen Sommer als Oberst des 5. Re- 
giments des 6. Armeecorps die Änese-Araber in der Syrischen Wüste 
unterwarf und kttrzUch xnm Militär- und CiTÜ-Kommandanten von Deir 
ernannt ist. In Folge dieser Ernennung sah sich meine Tochter tct- 
anlasst, ihren bisherigen Wohnort Aleppo su yerlassen und ebenfalls 
nach Deir su reisen. Das unterwegs geführte Beise- Tagebuch hat sie 
mir in Form eines Briefes sugeschickt und in Betracht des reichen In- 
haltes und der mannichfaltigen neuen Notisen über die Geographie dieser 
Strecke, über die Lebensart und Sitten der Bewohner übergebe ich 
dieses Tagebuch der Öffentlichkeit. 

An dem Styl habe ich Nichts geändert und weggelassen, mit Aus- 
nahme dessen, was sich auf Famüienrerhältnisse besieht. Eine solche 
Beise ist etwas gans Anderes als eine Beise im Eisenbahnwagen von 
der Besidens bis zum Badeorte und unter so gewaltigen Naturscenen, 
in der Wüste und unter den aufregenden Scenen eines Feldzuges hat 
man eben nicht Zeit, an dem Periodenbau zu schleifen und sich um die 
Begeln des Styls zu bekümmern, um so weniger, da sie an ihren Vater 
schreibt und nicht im Entferntesten daran denkt, als Blue-Stocking in 
eleganten Zirkeln zu glänzen oder mit falschem Pathos und erlogenen 
Gefühlen su prunken. Zwar hat sie sich in Konstantinopel in den 
hdchsten Kreisen bewegt, dann wenige Monate darauf war sie Zeuge 
der Schreckensscenen von Damaskus; alles das aber vermochte nicht 
die natürliche Weiblichkeit ihres Charakters zu yemichten, und in dem 
gegenwärtigen Briefe giebt sie sich ganz, wie sie ist. In den An- 
merkungen habe ich es yersucht, einige Besultate ibrer Beise für die 
Tergleichende Geographie jener Strecke anzudeuten. 

Dr. A. D. Mordtmann. 



Um 4 Uhr kamen wir bei einem kleinen Dorfe vorbei, 
dessen Häuser zuckerhutförmig gebaut sind, gerade wie in 
Sefire, es heisst Nerab und lag su unserer Hechten 0; etwas 
weiter hinauf kamen wir noeh bei einem kleinen Dorf Tor- 
bei, welches eben so wie Nerab aussah, nur dass es uns 
zur Linken lag, es heisst Dsohibrin; gegen Abend liessen 
wir noch ein Dorf hinter uns, Namens Bulat ^); diese ganze 
Gegend war mir ziemlich unbekannt, denn ab ich vor ein 
Paar Monaten nach Tedif reiste, führte der Weg von der 
anderen Seite, und als ich wieder aus Dschedeide nach 
Aleppo kam, passirten wir zwar diesen Weg, es war aber 
damals Nachts, so dass ich nicht einmal gut sehen konnte, 
und ich war zu faul, um mich zu erkundigen. Die Beise 
ging sehr langsam vor sich, alle Augenblicke fielen die 
Kameele zusanunen, so dass es Nacht wurde, ehe wir un- 
seren Bestimmungsort, Ain Saber, erblickten; wir mussten 
dahin durch einen abscheulichen Sumpf reiten, und ab wir 
ankamen, konnte man kein Haus för ims finden; dazu war 
es stockfinster, die Soldaten mit dem Transporte waren 
schon lange vor uns angelangt und schliefen den Schlaf des 
Oerechten, aber der Uebe Gott vergass uns nicht und schickte 
uns seinen Engel in der Person des Omer Aga, des neu 
ernannten Mudir von Dschabul, der jetzt auf der Hinreise 
begriffen war. Nachdem er dem Dorf- Scheich einige Ohr- 
feigen, die lebendige und nützlichste Sprache der Araber, 
beigebracht hatte, wurde uns sogleich ein Zuckerhut ein« 
geräumt, jedoch kam mir beim Hereintreten ein fürchter- 
licher Qualm entgegen, so dass ich mich schnell retirirte 
und einen Soldaten auf Bekognoscirung schickte; dieser 
fand in der Mitte des Hauses einen grossen Haufen ange« 
zündeten Mistes, woran sich wahrscheinlich die früheren 
Hausgenossen erwärmt hatten; nachdem es hinlänglich aus- 
gelöscht war, spazierten wir hinein, hätte ich aber gewusst, 
welche Nacht mir bevorstand, wäre ich draussen geblieben. 
Auf einem weissen Lehmkrug stand eine Lampe, worin 
statt Öl Butter brannte, der Scheich hatte uns einen grossen 
Teppich auf dem Boden ausgebreitet, auf welchem ich mich 
gern ausgestreckt hätte, denn in meinem Kopfe schienen 
die Kobolde herumzutanzen; aber die Kameele waren im 
Schlamm stecken geblieben, abo auch unser Bett, Licht 
u. 8. w.; endlich nach langem Warten kamen sie an und 
vor Allem suchte man unsere Lichte und befreite mich 



Sefire, in der Nahe dei Deehftbnl-See's , war von der Reisenden 
einige Monate früher besucht worden. Das Dorf Nerab ist auf Kie* 
perf 8 grosser Karte sur Linken des Weges gesdohnet 

>) Auf Kieperfs Karte Belad. 



Frau Baronin y. GerBtdorf 8 Reise in Syrien Ton Aleppo nach Deir am Enphrat 



68 



Ton der Batteriampe, dann machte man mein Bett rmä ich 
1^ midi nieder, um 2u schlafen. Eitler Wahn! Die 
Eöhe von der ganzen Wüste schienen hier eine General- 
Tenammlnng zu halten, in eifern Nu war mein ganzer 
Körper in holperige Berge und Hügel umgewandelt; meiner 
Alten und der Patma ging es eben so; das Schlafen hatte 
ich angegeben, aber mit welcher Sehnsucht erwartete ich 
den Morgen! Mir schien die Nacht endlos, doch wie Alles 
und Jedes sein Ende hat, so auch diese qualyolle Nacht» 
und wir waren von der ganzen Karawane am ersten fertig. 
3. November. Unsere Beisegesellschaft wurde durch die 
Verdnigung mit dem Beis-Transport, der aus 100 Kameelen 
und den dazu gehörigen Truppen bestand, vergrössert; Tor 
unserer Abreise kauften wir noch einige Wassermelonen und 
Patlidschan '), denn hier waren ganze Felder damit bebaut. 
— Du kannst Dir denken, in welcher Stimmung ich einher» 
ritt, müde, mit geschwollenen Augen. Dicht vor Bschabul, 
ungefähr 2 Stunden von Ain Saber, setzten wir uns, assen 
Etwas Ton unserem gestrigen, nicht g^essenen Mittags- 
mahl und verzehrten eine Wassermelone, die mir besser 
schmeckte als alle, die ich seit 3 Monaten verzehrt hatte. 
Bann ritten wir über den Dsohabul-See, der an einer Stelle 
gangbar ist, hinüber nach dem gleichnamigen Orte Dsohabul^; 
die Einwohner sassen auf ihren Salzbergen und gafiten uns 
verwundert an; weil wir nicht abstiegen, luden uns Einige 
ein, uns in ihren Häusern, die mit platten Dächern ver- 
sehen waren, auszuruhen; wir hielten uns aber nicht auf 
und ritten vorbei durch endlose Ebenen. Zuweilen sah man 
hinten am Horizont kleine Hügel, hinter denen, wie man 
uns yersicherte, Ümm el Merra liege; doch durch wie viele 
Ebenen und über wie viele Hügel kamen wir, ehe wir den 
Hügel passirten, hinter welchem Ümm el Merra lag! Hätte 
man aber nicht Halt kommandirt und gesagt, dass wir da 
wären, wäre ich noch weiter geritten; ich dachte mir ein 
Dorf, ein Zelt, Bäume; Nichts von dem, wieder eine un- 
endliche Ebene, die aber einen Brunnen besass. Osman 
Aga licss uns schnell unser grünes Zelt aufschlagen, weil 
man aber vergessen hatte, aus Aleppo Pflöcke mitzunehmen, 
mussten die Soldaten eine Viertelstunde lang Steine suchen, 
nicht einmal Steine waren auf dieser Ebene. Endlich brachte 
man doch so viel zusammen, um mein Zelt zu befestigen, 
in der Hoffiaung, dass Nachts kein Windstoss käme, denn 
dann würde ich mich bequemen müssen, in der freien Luft 
2u schlafen. Mein erstes Geschäft war, mir zwei Eimer 



>) Solanum Melongena, Liim. 

^ Dtchabnl ist das alte Qabbula, welches tob Proeopins (de B. 
Pen. I, 9 und de Aedif. U, 9) und Job. Malala p. 461, 462 edit. 
BomL erwähnt wird. Die Ton Procopius angegebene Entfernnng Ton 
Ckilcis (110 Stadien) stimmt gans genau mit der Entfernnng des heu- 
tigen Bsehabnl Ton Kinnesrin. Justinian hat die Festungswerke tob 
(Hbbnla 



Wasser auf den Kopf zu schütten, meine Haare waren wie 
Stroh anzufühlen; nachdem ich sie gut einpomadirt und 
frisirt hatte, langte unsere Alte das Essen her, welches aus 
Braten und Brod bestand; ein Jäger, welcher unterwegs 
eine wilde Gans geschossen und dann gebraten hatte, bot 
uns ihre Schinken an. Nach dem Essen zimdete man auf 
allen Ecken des Lagers Feuer an, die Jäger fingen trotz 
ihrer Müdigkeit an, lustig zu singen und zu tanzen, wozu 
einer die Sas spielte '); mich lullte dieser Lärm in Schlal 
4, November, Diessmal war ich des Morgens zuletzt 
fertig, Osman Aga kam zu mir und sagte, wir hätten heute 
einen Marsch von 10 Stunden vor uns, dafür aber würde 
ich das Vergnügen haben, den Murad (Euphrat) zu sehen. 
(Gestern und Torgestem dauerte unser Marsch jeden Tag 
nur 7 Stunden.) Qiorgio bot mir einen grossen Begenschiim 
an, den ich mit Dank annahm und der mich auch ohne 
Kopfschmerzen an unser heutiges Ziel brachte. Zuerst war 
unsere Route sehr langweilig, nur Ebenen wie gestei?i; 
nach 7 Stunden aber kamen wir in eine Schlucht, wo die 
Erde ganz sandig war und dabei kleine Basenfiecke zum 
Vorschein kamen; wahrscheinlich muss hier ein Fluss ge* 
we^n sein, oder auch denke ich mir, dass der Euphrat im 
Winter überfliesst und sich hierher ableitet Bei unserer 
Ankunft in dieser Schlucht fl<^en ganze Schaaren ron 
Vögeln auf, unser Tschausch hatte das Glück, zwei der« 
selben zu tödten, es waren Trappen; ihr Fleisch schmeckt 
sehr gut^). Als wir aus der sandigen Schlucht heraus- 
kamen, erblickten wir eine grosse grüne Ebene, an deren 
Ende man den Euphrat nur noch eine halbe Stunde yon 
uns entfernt sah; aber welche Täuschung! Es dauerte noch 
eine gute Stunde, ehe wir anlangten. Neben dem Euphrat 
standen einige Soldatenzelte, worin Albert einen Kapitän 
mit 50 Soldaten gelassen hat; daneben sind ungefähr sedis 
Arabische Zelte, dem Scheich Hadschu angehörig; er selbst 
war abwesend, nur seine Frau und Töchter waren da, die 
mich empfingen, indem sie mir die Hand küssten, mich unter 
den Ann nahmen und in ihr Zelt führten; eine Araberin 
war gerade damit beschäftigt, Bari (Hirse) zu mahlen; sie 
klagten mir, dass sie dieses Jahr Hirse essen müssten, weil 
die Heuschrecken allen Weizen aufgefressen haben. Sie 
backen das Hirsenbrod nicht, wie sie ihr Weizenbrod backen, 
wie ich es bis jetzt bei ihnen gesehen habe, sondern sie 
machen aus der gemahlenen Hirse einen grossen Eloss mit 
Wasser und Sabc, ungefähr 8 Okka (20 Pfd.) schwer, dann 



1) Sas ist ein Saiteninstrument mit sehr langem Arm und kleinem, 
fast kegelförmigen Besonansboden und wird wie die Guitarre mit den 
Fingern gespielt. 

*) Dass^be sagt Xenophon, als er durch diese Gegend marschirte 
(Anab. I, 5, 8) : „Wenn man schneU ISuft, kann man die Trappen fan- 
gen, denn sie fliegen nur kurs wie die Bebbübner und ermUden schnell; 
ihr Fleisch war sehr wohlschmeckend." 



54 



Frau Baronin ▼. Gerstdorfs Reise in Syrien von Aleppo nach Deir am Euphrat. 



zünden sie in oinem Erdloch Feuer an, aber nioht Mi8l>- 
feuer, denn von hier fangen schon die Waldungen an, also 
haben sie Holz genug; nachdem das Holz ausgebrannt ist, 
werfen sie den Eloss in diese Ghrube, bedecken ihn auch 
noch Ton oben mit Fener und lassen ihn eine Viertel- 
stonde backen, worauf sie es mit den Händen herausholen 
und neben sich zum Abkühlen hinlegen; es sah ganz 
schwarz aus nnd hatte eine fingerdicke Schmutzkruste; 
dieses so zubereitete Brod nennen sie Tarmüs. Ich bat die 
Hansherrin, mir ein Stückchen Tarmüüs zu geben, worauf 
sie mir ganz stolz ein grosses Stück yom Kloss abbrach; 
es war gar nicht wie Brod, sondern wie Brei; mir schien 
es sehr gut ein Leinsamen-Kataplasma vertreten zu können. 
Ich hatte nicht den Muth, es zu essen; um sie jedoch nicht 
zu kränken, nahm ich es mit in mein Zelt, das man wäh- 
renddessen aufgeschlagen hatte, yertheilte es d^ unter ihre 
Hunde und zog es vor, mit dem Braten, welchen der Der- 
wisch von dem für uns geschlachteten Schafe zubereitet 
hatte, meinen hnngerigen Magen zu befriedigen. Auch such- 
ten wir den Zwiebacksack hervor; früher hatte ich diesen 
Sack verachtet, und als man mir in Aleppo sagte, dass man 
40 Okka (100 Pfd.) Zwieback för den Weg bestellt hatte, 
meinte ich, dass es unnütz sei; aber wie schnell war ich 
von dieser Meinung zurückgekommen! Jetzt, nach An- 
schauung des TarmfU», kamen mir die 40 Okka zu wenig 
vor. Nach unserem Mittagsmahl setzte ich mich vor mein 
Zelt und schaute dem Treiben der Soldaten zu, auch be- 
merkte ich etwas Sonderbares an den Kameelen; nämlich 
wenn wir in unserer Station angelangt sind, so lässt man 
die Kameele, nachdem man sie abgeladen hat, frei herum- 
laufen; mir blieb es immer ein Bäthsel, wie man sie später 
wieder einfängt. Diesen Abend konnte ich es sehen; ein 
jeder Kameeltreiber fing an zu schreien „hui-hoi, hui-hoi", 
ohne sich von der Stelle zu bewegen, worauf von allen 
Ecken und Enden die Kameele majestätischen Schrittes 
heranzogen und jedes sich zu seinem Herrn sammelte. Als 
sie alle beisammen waren, steckte man jedem Kameel 
7 Mehlklösse ins Maul, weiter bekommen sie bis zum an- 
deren Abend Nichts, ausser den Disteln, die sie sich selbst 
unterwegs pflücken. Ich schlief auch diese Nacht wieder 
bei dem Gesang der Soldaten, dem Gfrulzen der Kameele 
und dem Blöken der Schafe ein. 

5, Nw0mb9r. Ich wachte am Moi^n auf, ehe die 
Sonne aufging, und machte mich ohne Yerdriesslichkeit auf 
den Weg; den Sonnenaufgang sahen wir zu Pferde. Die 
Beute führte uns durch Waldungen, dann durch eine Ebene, 
an deren Ende ich zu meiner Rechten die Buincn von 
Kalaa Balis sah. Da sie vom Wege abwärts lagen, wollte 
Niemand hinreiten, ich liess mich aber nicht davon ab- 
halten und lenkte mein Pferd hin. Zuerst besah ich mir 



das Kastell, welches auf einem Hügel liegt; die Mauern 
stehen nodi unverletzt da, auch sieht man unten einige 
mittelmässige Wölbungen; weiter hinten sah ich noch viele 
Eninen, aber man drängte zum Fortgehen. Zehn Minuten 
vom Kastell entfernt steht auf der Ebene ein ziemlich 
hoher Thurm in Form eines Minarets; in der Mitte des 
Thurmes sind Inschriften mit Arabischen Buchstaben ge- 
schiieben, so viel konnte ich erkennen, aber es war zu 
weit entfernt, um sie mit blossen Augen lesen zu können. 
Eine gute Wendeltreppe führt zur Spitze des Thurmes, ich 
wollte hinaufiiteigen, man liess mich aber nicht; dann hatte 
ich das Glück, am Fusse des Thurmes eine Münze zu finden '). 
Wir hatten den Euphrat schon wieder aus dem Gesicht 
verloren und sahen ihn nicht eher wieder, als bis wir unser 
Nachtlager erreicht hatten, was bald geschah; wir passirten 
nur noch eine Schlucht und kamen dann über eine Anhöhe. 
Als diese zu Ende war, sahen wir Dipsi oder Scheich Omer; 
im Ganzen dauerte dieser Marsch nur 5 Stunden. Dipsi 
besteht auch aus Arabischen Zelten, deren Oberhaupt Scheich 
Ferredsch ist Als er durch einen Yorreiter die Nachricht 
erhielt, dass die Frau des Omer Bej ankommt, kam er mir 
mit dem Soheichscepter in der Rechten entgegen, nahm mir 
die Zügel aus der Hand und führte mich in sein Zelt, wo 
mich seine Frauen mit der gewöhnlichen Handkuss-Cere- 
monie empfingen und mir einen guten Jemen-Kaffee machten. 
Ich konnte mich hier nicht genug wundem, welchen £e- 
spekt man vor Albert hat Wer spricht hier vom Yali oder 
vom Ferik Pascha? Yielleicht in den Zeitungen, aber hier 
in der Wüste nioht, nur von Omer Bej weiss man zu 
sprechen; bei seinem Namen zittern sie; wenn die Kinder 
weinen, sagt man zu ihnen: „El Tavil (der Lange) konunt" 



^) Über die ganze Gegend, durch welche die Heise meiner Tochter 
ging, sind die Berichte der Slteren und neueren Geographen, Beise- 
beschreiber und Historiker sehr schweigsam. Die Alten kannten diesen 
Ort unter dem Namen Barbalissus oder Barbarissus, jedoch ist meines 
Wissens Ptolemäus der ilteste Schriftsteller, welcher diesen Ort er- 
w&hnt; die Araber wissen ebenfalls nicht Tiel davon zu berichten. Nach 
Procopius wurden die Festungswerke von Justinian angelegt. Am aus- 
führlichsten spricht sich Rabbi Benjamin Ton Tudela, welcher gegen 
1170 hier durchkam, über Balis aus, indem er sagt: „Zwei Meilen [soll 
wohl heissen: zwei Tagereisen] yon Aleppo kam ich in Baalits an, 
welches in alten Zeiten Pethoran hiess, nahe bei dem Euphrat. Hier 
sieht man noch den Thurm des Bileam, des Sohnes Peor; derselbe ist 
Ton einer Form, die den Stunden des Tages entspricht. Die Zahl der 
in der Stadt wohnenden Juden ist unbedeutend." — Bauwolf passirte 
diesen Ort im J. 1574; damals gehörte er einem Scheich, der in der 
Umgegend viele Besitzungen hatte und unabhängig vom Sultan war. — 
Auf den neueren Karten unterscheidet man Kalaa Balis von Balis, wel- 
cher letztere Ort ungefähr eine Meile nördlich liegt; ich weiss aber 
nicht, auf welche Autorität ein solcher Doppelort in unsere Karten ein- 
getragen ist; mir scheint dieser zuletzt erwähnte Ort Baus das von 
Procopius (de beU. Pers. II, 12) erwähnte Obbane zu sein. Die In- 
sehrift an dem Thurm dürfte jedenfalls von Interesse sein, da es dock 
wohl derselbe Thurm ist, den Benjamin schon vor 700 Jahren sah, und 
es ist zu bedauern, dass meine Tochter, welche Arabisch spricht und 
•chreibt, hicht mit einem Fernrohre versehen war, um die Inschrift zu 
lesen. 



Frau Baronin y. Gerstdorfs Reise in Syrien von Aleppo nach Deir am Euplirat. 



bb 



Der Seheich Ferredsch bewunderte Alberf b Courage w'iSihr 
lend des dreitägigen KriegeB in Hamra, er erzählte, dasi 
keiner von den Paschas damals über den Fluss nach Hamra 
gefahren wäre, aber dass Albert immer an den schlechtesten 
Stellen zu finden war. Die Frau des Scheich brachte mir 
m Stück Tarmüsy welches ich aber dankend abldmte und 
mich in mein Zelt begab. Später liess der Soheich für 
mich ein Schaf schlachten, wovon Giorgio eine gute Suppe 
und aus dem Übrigen einen Braten machte, den wir zum 
Frühstück für morgen aufbewahrten ^). 

Als ich Abends eben eingeschlafen war, hörte ich ein 
fürchterliches Konoert von Kindergeschrei oder vielmehr wie 
henlende Hunde. Ich fuhr erschrocken auf und konnte mir 
nicht erklären, was das zu bedeuten hatte. Die Alte ging 
hinaus, um die Ursache zu erfahren, worauf man ihr sagte, 



^) Ohne et zu ahnen, hat die Verfasserin hier ein Prol^lem der Ter- 
gleichenden Geographie gelöst, welches hisher allen Versuchen trotzte. 
Der Name Seheich Omer steht schon anf Kieperts grosser Karte, aber 
der zweite Name dieser Station, Dipsi, war bisher unbekannt, wenigstens 
liabe ich ihn nirgends erwähnt geliinden; dieser Name Dipsi aber iat 
aogen&eheinlich der heutige Arabische Beprasentant des HebräischeB 
nccri (Thifsach, d. i. Übergangsort) 1 Kon. 5, 4 und des Sd^axof, 
Thapsacus der Ghriechen and Römer, welches nach den unbestimmten 
Angaben der Alten so schwer zu finden war; d'AnyiUe, Bennell u. s. w. 
rerlegten es fiel weiter ostlich nach Deir, Andere nach Dscherabolos, 
in der neueren Zeit Bitter, Droysen, Forbiger, Ainsworth nach El 
Hsmmam. Die beigebrachten Gründe sind durchaus nicht überzeugend, 
bauptsaehlich deshalb, weil die Angaben der Alten zu wenig Anhalts- 
pmite darbieten. Die alttestamentliehe Stelle so wie Arrian. Exp. 
Alex. U, 13, lil, 6. 7, Diod. XIV, 21 und Plut. Vit. ParaU. in Alex. 
aber den Marsch Alexander's geben gar keinen Anhaltspunkt, ausser 
dass damals die Ton Klein-Asien und Mesopotamien marschirenden Heere 
hier über den Euphrat setzten , womit nicht Tiel gewonnen ist. Mehr 
Detail giebt Xenophon fiber den Marsch der Zehntausend. Nach seinen 
Angaben zogen sie 

Ton den Kilikiaohen Engpassen bis nach 

der Stadt Myriandrus 1 Station, 

Ton Myriandrus bis zum Flusse Chalus 4 

Tom Chalus bis zur Queue des Daradax ö 

Ton der Quelle des Daradax bis Thapsacus 8 

Ton Thapsacus ftber den Euphrat bis zum 

Araxes-Fluss 9 

Diese Anga1)en scheinen auf den ersten Anblick sehr bestimmt, aber 
bei näherer Prfifnng ergeben sie sich als ganz unbrauchbar. Einen 
Fluss Chalus, Daradax und Araxes kennt kein anderer Schriftsteller in 
diesen Gegenden, und will man auch zugeben, dass der Chalus der Ko- 
weik bei Aleppo, der Araxes der heutige Chabur und der Daradax der 
tof Kiepert's grosser Karte Terzeichnete kleine Fluss nördlich Ton Balis 
ist, 90 stimmen doch die obigen Entfernungen so wenig mit der Wirk- 
lichkeit überein, dass man annehmen muss, entweder Xenophon habe 
spater aus dem Gedaehtniss diese Angaben gemacht oder der jüngere 



5 Parasangen, 
20 „ 
30 „ 
16 

60 



dass es Schakale waren (die Araber nennen sie ,,wawa)"^ 
sie kamen alle Augenblicke didit an mein Zelt Denke Dir 
meinen Schrecken, ab ich Nachts ungefähr um 3 Uhr er- 
wachte und ein grosses Thier im Zelte sah ; ich schrie laut 
auf, so dass die Alte davon erwachte; das Thier ergab sich 
als ein unschuldiger Hund, den wir hinausjagten« Mit dem 
Schlaf war es aber vorbei, eben so mit unser^oi' morgenden 
Frühstück, welches der unschuldige Hund zu sich genom- 
men hatte. Traurig schaute mich die inhaltsleere Schüssel 
an und ich war böse über mich selbst, dass ich eine zu 
gute Meinung von dem Thäter gehabt hatte und ihn für 
sein unschuldiges Gesicht habe auszahlen lassen. Ich wollte 
anderes Fleisch kaufen, aber Osman Aga vertröstete mich da- 
mit, dass unsere nächste Station nur 8^ Strmden entfernt sei. 
(Schluss folgt.) 



Cyrus habe durch Hin- und HermSrsche die Hellenen Über die wahre 
Bichtung des Zuges tauschen wollen, wie diess schon in Klein-Asien der 
PaU war. 

Später Terschwindet Thapsacus aus der Geographie und Geschichte 
uad Zeugma tritt an dessen Stelle als Übergaagsort Über den Euplmt; 
Plinius (Hist. Nat. V» 21) sagt schon: „Thapsacum quondam, nunc 
Amphipolis", welche letstere Angabe wir auf sich beruhen lassen können. 

Aus Strabo erfahren wir, dass Eratosthenes die Stadt Thapsacus 
wegen ihrer Lage an der Biegung des Euphrat yon Norden nach Osten 
lum Ausgangspunkt seiner Ortsbestimmungen gewählt hat; es sei in 
gerader Linie 4800 Stadien Ton Babylon entfernt (was jedoch mit dar 
Wirklichkeit durchaus nicht Übereinstimmt, man mag Thapsacus setzen, 
wo man will). Da nun nach Ptolemäus Babylon und Thapsacus beide 
unter 80** N. Br. liegen (was ebenfiiUs der Wirklichkeit widerspricht), 
ao scheint hierin der Qnmd su liegen, dass Eratosthenes von hier ana 
seine Entfernungen rechnete. — Später erwähnt Stephanua yon Bycana 
noch den Ort, ohne uns jedoch weitere Aufklärungen zu geben, und so- 
mit sind wir gendthigt, aus diesen widersprechenden, unToUständigen 
und unwahren Angaben die Lage des Ortes zu bestimmen. Dass daher 
die neueren Geographen geradesu im Dunkeln tappten und nach WillkUr 
einen beliebigen Punkt festsetzten ist gar nicht zu verwundern und 
ich würde mich gar nicht mit diesem Problem beschäftigt haben, wenn 
mir nicht ein Paar zufällige Nebenumstände zu Hülfe gekommen wären, 
nämlich 1) der Name Dibsi oder Dipsi, der bisher den Geographen un- 
bekannt geblieben zu sein scheint und der sich auffallend der Hebräi- 
schen Form nähert, und 2) die Angabe des Plinius: „Thapsacum quon- 
dam, nunc Amphipolis, Arabes Scenitae", also gerade so, wie meine 
Tochter es gefunden hat; dazu kommt noch 3) daas gerade hier der 
Euphrat seinen Lauf in östlicher Bichtung bestimmt und 4) dass auch 
die Kiepert* sehe Karte an dieser Stelle (wahrscheinlich nach Angaben des 
Col. Chesney) eine Fürth anzeigt, die auch schon Xenophon kennt. 

Will man durchaus die Angaben des Xenophon und Ptolemäus auf- 
recht erhalten, wofür ich jedoch weder in Betreff des Einen noch des 
Anderen einen zwingenden Grund sehe, so bleibt nichts Anderes übrig, 
als zwei verschiedene Thapsacus anzunehmen, wie schon J. M. Hase, 
lange vor d'Anville, gethan hat. 



66 



Exkursionen um den Ortles* und Adamello-Stock. 

Von Dr. P. O. Lorentz. 



(SchluMi).) 



Gern wären wir nun quer über das Gebirge direkt nach 
dem Tonale gegangen, aber da erst in Fucine Gelegenheit 
war, einen Theil unserer Sammlungen zur Post zu geben, 
80 muBsten wir diesen Weg wählen. Durch die Valle di Pei, 
deren freundliches und heiteres Ansehen schon oben ge- 
schildert wurde y legten wir ihn in zwei kleinen Stunden 
zurüoL In der That mischt sich hier das Grossartige und 
Liebliche in wunderbarer Weise; über das lachende Thal 
mit seinen weissen Ortschaften an den Hängen ragen im 
Hintergrunde Rocca Marcia und Yioz-Spitz empor mit schö- 
nen Gletschern und ein wilder Felskamm zieht sich von 
ihnen aus nach dem Hintergrunde des la Mare-Thales. Vom 
im Thalo winkt das freundliche Fucine, von einer romanti- 
schen Burgruine überragt. Von Fucine (2537 F., Trinker 
und Friese) bogen wir ins Vcrmiglio-Thal ein auf der präch- 
tigen Strasse, die zum Tonale - Übergang führt; der Weg 
zieht sich am Südhange langsam, aber stetig in die Höhe 
und tief und immer tiefer liegen Thal und Bach unter uns, 
während hoch oben Getreidefelder und die am Hange hin- 
geklebten Ortschaften mit ihren grauen verfallenen Häusern 
uns noch begleiten. Längs des Weges begegnet uns schon 
manche südliche Pilanzenf orm : Achillea tomentosa, Poten- 
tilla recta, Silene Armeria, Oampanula spicata, Chondrilla 
juncea, Artemisia Absinthium und campestris, Massenvege- 
tation bildend; von Moosen zeichnet sich besonders die 
Massenvegetation von fruchtendem Bryum alpinum aus, cha- 
rakteristisch für den ganzen Stock. 

Die Strassenbauten haben das Gestein an unserer Berg- 
seite schön entblösst; die Hauptmasse besteht aus Glimmer- 
schiefer mit dicken Gängen von Adamello-Granit und einem 
dunklen syenitischen Gestein; weiter nach dem Ende des 
Thaies ist auch eine Strecke der Strasse in Urkalk gebaut 
Der Adamello-Granit! Was wir hier als einfachen Gang be- 
grÜBsen, streckt uns gerade gegenüber seine umgletscherten, 
wilden, grauen Zacken in die Wolken. Im Anfange des 
Thaies zwar ist uns das Granitgebirge noch durch sanfte 
Schieferformen verdockt; wir befinden uns noch zu niedrig, 
als dass uns über die sekundären Kämme, mit denen sich 
der Hauptkamm nach dorn Thale abdacht, schon der letztere 
sichtbar würde, und so sind es hier um so weichere Formen, 
als sich der Thonsohiofer unmittelbar dem Granit auflagert ; 
ein Gestein, das bloss dadurch eine gewisse Energie beweist, 
dass es verwüstende Ströme und Halden zermalmten Ge- 
steines an seinem Fusse aufgethürmt- — Aber je mehr wir 
uns dem Ende des Thaies nähern, desto wilder und energi- 
scher treten uns die Granitformen entgegen und auch desto 
näher, bis sie ganz an den Vellon-Bach vorrücken. Es sind 
hauptsächlich drei Hauptbilder, die beim allmählichen Em- 
porsteigen nach einander unseren Blick auf sich ziehen. Zu- 
erst, bis Vermiglio, ist es der noch in Schiefer gebettete 
Monte Palu, schl£Uiker Gestalt, mit einem begletscherten 
Eär, der hier ins Thal herabschaut Dann tritt uns der 



*) Den enten Theü s. im Torigen Heft, S. 1 ff. nebst Tafel 1 a. S. 



wilde Kamm des Presanelia-Stookes entgegen. Unmittelbar 
über der steilen hohen Stufe, durch die das Seitenthal ins 
Hauptthal abfällt und in die sich der Gletscherbach ein 
tiefes wildes Bett gewühlt, öffnen uns die auseinander- 
tretenden bewaldeten Vorberge einen Bück auf die wilde 
Scenerie des Hauptkammes. Welch' ein ödes, todtes Ge- 
birge ! Sohlanke, schmale Kämme schwingen sich in schönen, 
kühnen Linien empor, aber diese Linien verlaufen nicht 
wie im Schiefergebirge kontinuirlich in ihrer schlanken 
Schwingung, sie sind in tausend wilde Zacken zerfasert, 
durch tausend Homer und Spitzen unterbrochen, eben so 
sind die Wände des fahlen grauen Gesteines in wilde Kunsea 
und Klüfte zerrissen und zerspalten; ein grossartiger An- 
blick, aber» kalt, wild, öde, hier erstirbt alles Leben, hier 
wohnt der Tod. Aber doch ist diess noch die liebenswür- 
digere Seite des Bergstockes; wie im ganzen Gebirge, so 
ist auch hier das Gletscher-Phänomen vorzugsweise auf der 
Nordseite entwickelt; in weichen Wellenlinien hat hier die 
Cima de Nardis den weissen Schneemantel um sich ge- 
schlungen und gestaltet sich so zur Vedretta Presanella um; 
auf dem Hauptkamme selbst gucken bloss auf der höchsten 
Schneide Felsen hervor, aber ins Sarka-Thal herab grinst 
das Felsengeripp nackt und unverhüllt. Das dritte Bild 
bieten uns die Gletscher, die sich auf der Ostseite des Monte 
Seile und Monte Piscanna weithin erstrecken imd aus denen 
die Cima de Dessen und andere Höhenpunkte emporragen. 
Li den wesentlichen Zügen dem vorigen ähnlich, ist doch 
das Ganze massiger und bietet durch Vor- und Zurücktreten 
der einzelnen Partien mehr B«lief als der einfache, west- 
östlich verlaufende Kamm des Presanella-Zuges; dazu grüsst 
das Vellon-Thal hier an seinem Ende freundlicher und ma- 
lerischer aus der Tiefe herauf als in seiner Mitte. — Ver- 
miglio ist der Hauptort des Thaies, die einzige der mancherlei 
Ortschaften des Thaies, welche unmittelbar an der Strasse 
liegt, so wie auch die letzte derselben. Bald hinter ihr 
hört der Getreidebau auf. Hat man einen Führer über das 
Gebirge nach der Val di Genova nöthig, so muss man ihn 
hier mitnehmen. Das Gasthaus ist erträglich, doch findet 
man besseres Unterkommen auf dem Hospiz, das auch be- 
quemer für Bergwanderungen gelegen ist Zwischen hier 
und dem letzteren liegt noch eine Cantoniera, wo man 
Wein, Brod und Käse erhält, aber für gewöhnlich kein 
Nachtlager, da Alles von den Strassenarbeitem okkupirt ist, 
Li Vermiglio muss man auch die Pässe visiren lassen. 

Dicht hinter der Cantoniera stehen wir über dem oberen 
Ende des Thaies, das scheinbar stumpf endigt, denn dos 
Bächlein, das ihm von der Tonale-Mulde zukommt, ist nur 
ein schmaler Wasserfaden, der kein Thal bildet. Die Haupt- 
adem des Vellon-Baches kommen von den Seiten her, be- 
sonders von den Gletschern des Monte Piscanna. Es beginnt 
nun jene breite Hochfläche, die sich vom Monte Tonale 
sanft und allmählich abdachend an die pralligen Granit- 
stimen des Monte Seile und Monte Piscanna anlehnt und 
sieh von West nach Ost stundenweit erstreckt Das Hospiz 



Exknrsicmen um den OiÜm- und AdameUo-Stock. 



»7 



begt nieht tuunittelbar an der Strasse, Boadem eine Viertel* 
Stande abeeite. Didht hinter der Gantoniera miue man links 
abbi^;«! und sieh über die weite hügelige Hoohfläche ohne 
besonderen Weg zum Ziele dnrchflnden; man thut daher 
lehr weise, sich, besonders wenn man Abends anlangt, von 
der Gsntoniera einen Buben als Wegweiser mitzunehmen. -^ 
Da aof dem Hospis kein Führer zu haben war, mussten 
wir am anderen Tage nach Yenniglio zurück und bestimm- 
ten den Yonnittag zu einem Ausflug nach den Hängen des 
Monte Tonale, die sidi in weiten sanften Almen bis zu 
seinem Schiefeikamm erstrecken. Bas Tonale -Hospiz liegt 
schon über der Waldregion (6251 ¥,), yielleicht noch nicht 
über der absoluten Baomgrenze, aber der Sturm, der immer 
diese Hochfläche fegt, lässt schwerlich hochstSmmiges Holz 
tofkommen. Die Alpweiden waren eben gemäht oder waren 
noch von munteren Heuern belebt, die Ausbeute an Pha- 
nerogamen war daher gering und bot nichts Ausgezeichnetes 
mehr; das Herrorragendste war: Salix Myinnites, Semper- 
Timm Wulfenii, Trifolium alpinum, Anemone alpina, Loni- 
oeia coerulea, Hieracium Hoppeanum, aurantiacum, Auricula, 
Filosella und yulgatum, Gentiana punctata, Luzula lutea, 
multiflora, glabrata, spadicea; an sumpfigen Stellen Allium 
nbiricum, Girsium spinosissimum und acaule, Pedicularis 
Terticiliata, Garex capillaris, pauciflora, mucronata, aterrima, 
Senedo Doronicum, Soyeria montana, Alchenülla pubescens, 
Centaurea nervosa, Betonica hirsuta, Aiotostaphylos alpina, 
Gnaphalinm Leontopodium, Hedysarum obseumm, Horminum 
pyienaicum. Weiter oben tritt Kalk auf und bunt mischt 
sich nun auch die Kalk- und Schieferflora ein: Ehamnus 
Pmnilio mit Leontopodium, Gypsophila repens, Anemone 
Baldensis, Orepis Jaoquini, Draba aizoides neben Aster al- 
pinuB und Hypnum rugoeum. Li YersumpAmgen und an 
Bachrändem zeigte sich neben Gewöhnlichem nidht selten 
Hjpnum reTolrens, unter Heidelbeersträuchem wucherte 
schön fruchtend Dicranum Muehlenbeckü , zwischen Gras 
sagte sich Dicranum albicans und Barbula fragilis als Mas- 
senTegetatiozL. — Hoch am Berge präsentirt sich der Pre- 
sanella-Zug abermals prachtvoll in seiner grossartigen Wild- 
heit, als ein schmaler, wild gesägter Kamm, dessen Zähne 
bald nach Nord, bald nach Süd aus der Kammlinie heraus- 
treten. 

Gegen Abend wurde nach VermigUo znrückgeschlendert 
und mit Führer und Träger akkordirt. Da man von hier 
«iB nochmals zur Cantoniera zurück muss, so thut der Bei- 
sende gut, auf dem Wege nach Tonale in Yenniglio vor- 
zusprechen und den Führer am anderen Morgen nach der 
Cantoniera zu bestellen; konunt er von Ponte di Legno, so 
kann er einen Buben nach Yenniglio schicken und den 
Führer bestellen lassen. Yen Yenniglio aus über die Pre- 
sanella- Gletscher das Genova-Thal zu gewinnen, scheint 
nach Dr. v. Buthner's missglücktem Yersuche und nach den 
Äusserungen des Führers nicht ausführbar zu sein. 

Am anderen Morgen um 6 Uhr waren wir an der Can- 
toniera angelangt und nun begann der Ansteig über den 
Bergriegel, den der Monte Sello nach Osten vorschiebt Er 
ist nicht steil, indem er zur Schieferhülle des Granitkemes 
gdiört, und besteht aus bewachsenen, durch kleine Wände 
unterbrochenen Berglehnen. Am geschützten Hange zieht 
sidi die Baumregion noch eine kleine Strecke hinan, doch 
macht sie bald der Buschregion Platz, die aus Alnus viridis, 

Fatennann's Oeogr. Mittheilimgen. 1865, Heft n. 



Junipems nana und Bhododendron ferrugineum 
gesetzt ist, in die sich Haidelbeersträucher mischen. Im 
Ganzen ist der Hang trocken, daher sowohl die Phanero- 
gamen- als besonders auch die Moosflora spärlich. Ausser 
der gewöhnlichen Moosvegetation der Buschzone wiegen 
Hhaoomitrien vor, besonders protensum und sudeticum, An- 
dreaea alpestris an Felsen hie und da. SLaum über den 
Grenzen der Waldregion zeigt sich als seltener Flüchtling 
aus höheren Regionen Andreaea nivalis schön fruchtend, 
mit einigen Bösohen von A. crassinervia. Dann steigt der 
Weg wieder hinab zu einer Yertiefrmg zwischen dem über- 
schrittenen und einem nädisten Bergriegel; Hieracium ochro- 
leucum zeigt sich spärlichst, dann Bupleurum stellatum, Bosa 
alpina, Allosoms crispus in Masse. 

Nachdem noch ein niedriger Bergriegel überschritten war, 
gelangten wir zu einer Alm, wo imser Führer Halt machte^ 
um frische Polenta zu gemessen. Bald aber brachen wir 
wieder auf, erst über ein unebenes Terrain, wo die Yege- 
tation, besonders der Moose, überaus spärlich war; wir sind 
in den Bereich des Granits eingetreten. In der Tiefe winkt 
ein kleiner See in einer vermoorten Mulde. Dann geht es 
ernstlich aufr^ärts, die Buschregion ist überstiegen, der 
nackte Fels gewinnt immer mehr Boden ; Anfangs klammem 
sieh noch Zwergweiden an das Gestein, dann hören auch sie 
auf. Grimmia mollis, Banunculus glacialis beginnen, dabei 
Limnobium ahrticum, Sibbaldia procumbens, Saadfraga ste- 
nopetala, noch höher aber Pedicularis rostrata, an ebeneren 
Stellen gewinnen Polytricha und Webera Ludwigii Boden, 
eine zarte Form von Andreaea nivalis muss aus dem ge- 
frorenen Boden gestemmt werden. Kurz nach 12 Uhr 
stehen wir auf einer Felsenkuppe, die bereits rings von 
einem Gletscher umflossen ist, die Steigeisen werden an- 
gelegt und der letztere betreten. Erst geht es fast eben, 
dann aber steil über die Wölbung des Eises hinan, oben ist 
der Gletscher nach allen Seiten zerklüftet, auf der Höhe 
der Wölbung so wie da, wo er an das steile Fimfeld an- 
stösst, aber unter Leitung imseres trefOichen Führers wer- 
den alle diese Klüfte theils mit Hülfe des Alpstockes über- 
sprungen, theils auf Schneebrücken passirt; der beginnenden 
Schneeblindheit wird durch Schwärzen des Brillenglases 
.mittelst eines Schwefelholzes abgeholfen. Dann geht es 
über ein steiles Fimfeld beschwerlich aufwärts; noch sind 
einige breite Klüfte zu überwinden, audi diess geht glück- 
lich von Statten und nach einstündiger Gletscherwanderung 
ist das Joch erreicht 

Die Aussicht, die sich hier entfaltet, ist überaus prächtig. 
Nach Norden unter uns der ungeheuere Gletscher, zu seinen 
Füssen einige tiefblaue kleine See'n, links fassen ihn wilde 
Wände ein, theils unmittelbar aus dem Eise aufsteigend, 
theils durch Blockhalden mit ihm vermittelt, rechts ragen 
dagegen bloss einige unbedeutende Felsköpfe aus dem Glet- 
scher empor. Weiterhin entfaltet sich ein ausgedehnter 
Blick auf den ganzen Südhang des Ortles-Stockes. Hinter 
Monte Tonale und Cima de Montoz tritt als Anfang des 
begletsoherten Kammes zuerst Come dei tre Signori hervor, 
dem sich Piz della Marc Yioz und Rocca Marcia anschliessen. 
Die bis hierher einfache Kette breitet sich nun in die Anne 
des Hauptstockes aus einander, links mit Monte Fomo, Con- 
finale und Cristallo, rechts mit Zufallspitz und der sich 
nach Ulten hinziehenden Kette. Das Berggewirre, das anf 

8 



M 



EsÜEunioiMii um d«o Orflee» mid Adaviello-Stock. 



beiden Seiten von diesen Azmen nneohleseen wird, enchea 
wir nicht weiter zu enträthseln, die meisten dieser Häupter 
lind uns noch su fremd, als dase wir uns venucht fohlten» 
eie XU erkennen und zu begrÜBsen. — Ganz in der Feme 
in ONO. ist ein b^letscherter Stock sichtbar, vielleicht der 
Yenediger- oder Biesenfemer-Oruppe zngehöng. Alles ist in 
die wannen Töne des Südens gehüllt 

Noch interessanter als diese weite Bundschau war uns 
der Bück nach Süden mitten in das Herz des Gentral- 
stockes, der das Hauptziel unserer Wanderung war. Un- 
mittelbar unter uns zeigt sich ein Büd unsäglicher Wildr 
heit und Verwüstung; in einem steilen Hange, &st senk* 
recht, fallt die Sohneide, auf der wir stehen, zu Thale, ganz 
mit ungeheueren, scharfkantigen, ebenflächigen Granitblöcken 
bedeckt £s ist ein schönes Gestein, in der hellen fein- 
kömigen Grundmasse sind pechsohwaize glänzende Glimmer* 
und Hornblende -£ry stalle eingestreut, das Ganze ist glas- 
hart, klingend. Wie im Grossen die Sdineiden des Gebiiges 
in ungemilderter Schärfe aufragen, so sind auch die Blöcke 
noch so scharfkantig, ab wären sie erst gestern yom Pelsen 
losgebrochen; Jahrtausende lange Einwirkung von Schnee 
und Bogen, Prost und Hitze konnte noch nicht die kleinste 
Kante oder Ecke abrunden. Bloss hie und da, wo sich die 
schwarzen Krystalle stärker in der Grundmasse anhäufen 
und dunklere Knollen in ihr bilden, sind diese zuweilen 
ausgewittert und haben napfformige Vertiefungen in den 
ebenen Flächen hinterlassen. So zeigt sich auf dem Ab- 
hänge imter uns keine Spur grünenden Lebens, kein Halm- 
ehen spriesst zwischen dem Gestein herror, bloss ein ein- 
sames geschwärztes Moos, Grimmia contorta, führt in einer 
Feksspalte ein kümmerliches Dasein. — Zu unserer linken 
ragt die Gima de Bossen (9609 F., Cat) aus dem Eke 
empor und sendet einen Vorsprung nach Süden, den Skolom 
(9607 F.)* Nachdem sich donelbe zu einer flachen Lücke 
' gesenkt, steigt er gleich wieder als wilder Kopf empor, 
l^chsam aus ungeheueren Blöcken angebaut, und stürzt 
sieh dann in fürchterlichen Wänden zu Thale. I>ie GimA 
ragt nicht viel über unseren Standpunkt empor, so dass sieh 
die Höhe desselben dadurch wie auch durch VergLnch mit 
der Lobbia auf ca. 9200 F. eigiebt Aus der Lücke jenes 
Vorsprunges schaut dann der Südabhang des Presanella her- 
em, an unsäglicher Härte und Kühnheit der Linien, an Öde 
und Wildheit kaum mit einer anderen Soenerie der Alpen 
rergleichbar. — Jenseit des Thaies, dessen tiefere und mil- 
dere Partien uns durch den wilden Hang unter uns ver- 
deckt sind, ragt nur der Adamello-Stock hervor. Es sind 
zwei Thaläste, in die sich der oberste Theil der Val di Ge- 
nova spaltet, und sie werden in der Mitte durch einen Kamm 
getrennt, dessen südlichsten und höchsten Punkt der Monte 
Fumo (Bumo der Sonklar'schen Karte, durch Druckfehler ?), 
dessen nördlichsten die Lobbia bildet; aber diese beiden 
Thaläste sind bis zum obersten Bande mit Eis angefüllt, so 
dass der Gletsoherstrom stellenweise noch die Kammhölis 
überfluthet und von einem Thale zum anderen überfliesst 
Der westliche grössere Gletscher ist der Bedole-, der öst- 
liche der Matterot-Gletscher. Der erstere spaltet sich weiter 
oben abermals in zwei Äste, die durch einen vom Monte 
Adamello herziehenden Kamm und durch die Gima de Man- 
dron getrennt sind; der rechte Arm, der Venezia-Gletscher, 
verläuft fast nördlich und lehnt sich an den Presanelia-Zug 



an. Fast in der Mitte des ganzen Bildes steigt, AUes über- 
ragend, bis zur Spitze in Weiss gehüllt, die schlanke Schneide 
des Königs des Gebirges» des Adamello selbst, empor. Der 
Matterot-Gletscher ist im Osten von StaUel, Cäoc und Qaii 
eingeÜBisst; bald fallen diese Berge in wilden Wänden zum 
Gletscher ab, bald erlanben sie dem Eise, an ihren steilen 
Hängen weit emporzusteigen und sie auch wohl, wie den 
Adamello, bis zur Spitze in blendendes Weiss zu hüllen. 
Die Gima de Mandron aber bildet nach Osten einen sanften 
Hang, der unmittelbar mit der obersten Stufe des Genova> 
Thaies zusammenhängt und fiist unmerklich bis zur Höhe 
des Bedole-Gletschers emporleitet Wie wild auch der Ab- 
sturz dieser ungeheueren Gletschermassen in ihrem unteren, 
uns hier verdeckten Theile zerklüftet ist, die obere Fläche 
zieht sich in ganz sanfter Neigung hin und scheint von 
hier aus betrachtet leicht gangbar. Sie bietet ohne Zweifel 
einen guten, wenn auch langen Weg zum anderen Thal- 
hange und eine gute Basis für eine Adamello -Besteigung. 
Über den Venezia-Gletscher führt ein Weg in die Val 
Narcanello und nach Ponte di Legno, den zu passiren wir 
beabsichtigten, ein Plan, den wir jedoch später angaben. 
Was sich im Osten an die Kette des Car^StaUel-Cioc an- 
sehliesst, stellt sich als radial verlauf ende wilde Granit- 
kämme dar, welche tiefe Thalschlünde einschliessen. Auch 
aus der Öffiiung des Thaies schauen noch Gebii^ herein« 
Nicht leicht dürfte sich ein günstigerer Standpunkt zum 
Überblicke der Adamello -Gletscher bieten als der unsrige, 
daher verweilten wir fast zwei Stunden auf der eisigen 
Schneide und verfehlten nicht, diese Scene dem Skizzen- 
buche einzuverleiben. 

Jetzt galt es hinabzuklettem. Wie steil auch der Hang 
ist, wie angenehm steigt sich's auf diesem Gesteine! Seine 
kömige Beschaffenheit, seine geradaa Flächen geben dem 
Fusse einen sicheren Halt, selbst über steil geneigte Ebenen 
sehreitet man leicht und unbesorgt und springt gefahrlos 
von einem Blocke zum anderen. Welche Qual wäre ein 
soldier Hang mit solchen Blöcken im Dolomit-Gtebizge ! Aber 
anch heute sollte uns Ähnliches nicht erspart bleiben. — * 
Allmählich zeigt sieh etwas Leben, das Gras gewinnt Boden, 
dazwischen Aronicum gladale, dann stellen sich auch Alpen- 
sträucher ein: die Grünerle und Latsche, Zwergwachhold^, 
Alpenrosen, Heidelbeeren und Erica wachsen hier in fried- 
licher Gemeinschaft Die Thal- oder Bergstufe, auf der wir 
uns befinden, bildet ein weites unebenes Plateau, allmählich 
sich emporziehend und mit der steilen Schneide durch eine 
Blockhalde vermittelt, zur unteren Thalstufe aber in unge- 
heueren senkrechten Felsenwänden abfallend. In ihren Ver- 
tiefungen glänzen eine ganze Anzahl liebliche tiefblaue 
See'n, dabei ist sie vielfach von den Bergwässem zerrissen, 
die sich tiefe, von steilen Wänden eingefasste Bunsen in sie 
eingewühlt — Nur bis hierher kannte der Führer den Weg, 
eine elende Schafhütte, zu der wir kamen, zeigte sich ver- 
lassen, der Hirt war bei seinen Thieren noch höher im Ge- 
birge. So wurden denn auf eigene Faust verschiedene Ver- 
suche gemacht, die Wände zu forciren, aber vergeblich; 
gerade zu unseren Füssen winkte die Bedole-Alpe freund- 
lich herauf, uns schien es fsst ein Spott An mühseligem 
Steigen fohlte es dabei nicht, bald über steile Bachrunsen, 
bald durch Latschen-, Erlen- und Alpenrosen-Dickichte; das 
Anstrengendste und Ermüdeodste aber, was dem Alpea- 



EzkiirnoneD nai dm OiÜes- mid Adamello^Stodc. 



69 



Wiodarar aaMoeflen kann, er wurüit ihn da, wo F«ataoft 
pnngens Boem. et Schult. Bteik Hänge bekleidei Dies Gras 
wird nie gemäht, auch das Vieh scheint es au yenohmähen, 
•0 wächst es in langen Büschen, die sich in der Bichtung 
des Abhanges niederlegen und eine spiegelglatte Fläehe 
bilden, auf der man nur mit grösster Vorsicht und An- 
ftiengmig das Ausgleiten Yermeidet Auch die Steigeisen, 
die sonst auf steilen Ghmshängen so gute Dienste thun, 
hei&n hiw Nichts, da man mit ihnen leicht in dem langen 
Geflechte hängen bläht — Schon nahte der Abend und 
wir dachten an ein Übernachten im Freien, denn die Schaf« 
hotte hat höchstens für den Hirten Baum, da erschien plöts* 
Mch auf einer Felswand über uns, scharf gegen den hellen 
Abcndhimmei abstechend, eine hohe Gestalt in weissem ICan« 
tel: es war der Hirt und bald verkündete audi Gebell und 
Blöken das Nahen der Heerde. Jetst mussten wir erst 
fteil und hoeh wieder empor und über noch manche tiefe 
Banse nach dem vorderen Ende des Thaies zu. Da führte 
einer dieser Bachschlünde, statt über der Felswand abzu- 
brechen, steil und eng b|s zu deren Fuss und nun war bald, 
bei schon vorgeschrittener Dunkelheit, die Bedole-Alpe erreicht 

Wir hatten so mehr, als wir für heute wünschenswerth 
fanden, Gelegenheit gehabt, das Terrain dieser Bergstnfe in 
botanischer Hinsicht kennen zu lernen, und hatten uns 
überzeugt, dass etwas Öderes und Sterileres kaum gedacht 
werden kann. Über der Strauchregion zeigte sich im Wasser 
Grimmia molbs und Dicranella squarrosa und an einer Fels- 
wand eine Massenvegetation von Hjpnum moUe und Bra- 
chjthecium plumosum, an trockenen Felsen kaum eine ver- 
trocknete Grinmiia oder Andreaea, in der Strauchregion die 
Charakterpflanzen des Stockes: Bupleurum stellatum, Bho- 
diola rosea, Hieracium albidum nebst H. sphaerocephalum 
und Salix Lapponum; im Bachschlunde Luzula nivea, Saus- 
rares alpina und Edelweiss, das bei den Leuten nicht ein- 
mal einen Namen tragt, dabei nebst vertrockneten Grimmien 
nnd Bhacomitrien spärlich etwas Grimmia unicolor. Dieser 
Umstand reifte unseren Entschluss, statt, wie wir Anfangs 
wollten, einige Tage dieser hintersten Thalstnfe zu widmen 
und dann über den Gletscher nach dem Lombaidischen vor- 
ludringen, gleich morgen nach Pinzolo zu gehen und einen 
anderen, vielleicht reicheren Übergang zu suchen. 

Die Hütte war ungewöhnlich bevölkert; ursprünglich bloss 
för 3 bis 4 Personen berechnet enthielt sie heute 6 bis 8, 
unter denen sich auc^ Cesare Caturani aus Strembo bei 
Pinzolo, der Hm. v. Sonklar geföhrt, befand und das schöne 
Geschlecht durch ein Mädchen von ca. 1 2 Jahren vertreten 
war; dazu kamen nun noch unsere vier werthen Persön- 
lichkeiten. Die Leute waren freundlich und gutwillig und 
lieseen uns jede Gefälligkeit und £rquickimg angedeihen, 
die in ihren Kräften stand ; freilich bestanden diese nur in 
Himbeeren, Polenta, Käse und Milch. Das Lager war pri- 
mitiT genug, unter dem Dache der Hütte, durch die nach 
allen Seiten der kalte Nachtwind pM, war eine schmale 
Lagerstatt ; für, Zwei berechnet musste sie heute für Drei 
dienen, so dass wenigstens Einer immer auf der Seite liegen 
mnsetc. Einige vereinsamte Halme auf den Bretem be- 
deateten Heu und eine alte Kotze, die uns zum Zudecken 
gegeben wurde, erschien als ein wahres Erbsündenregister 
T. Sonklar's. Nur gegen diese schützte mich das göttUche 
Gnsdengeachenk aus Persien. 



Am anderen Morgen nahmen wir erat Abschied von 
Führer, dessen Namen wir leider nicht notiri Bs 
war ein prächtiger, kühner und gewandter Mann, em Gemsen- 
jäger, der auch viel von den Bären zu erzählen wusste, die 
noch diese Gegenden duichhausen; drei derselben hatte er 
mit eigener Hand erlegt Dann drangen wir xuvördent 
durch Yenezia, das hinterste Ende des Thalbodens, bis zum 
Gletscher vor. Eine kleine Erhöhung des Thalbodens hinter 
der Hütte, mit hochstämmigem Fichtenwalde bestanden, ist ea, 
weldie diesen stolzen Namen fuhrt Herr v. Sonklar erkennt 
darin eine filte Frontalm(wäne und fand kein anstehendes 
Gestein bis ^um Gletscher; geht man aber vom Wege ab 
und durchstreift den Wald, so macht das Ganze doch nidht 
diesen Eindruck und es finden sich mehrere anstehende 
Felswände, zum Theil vom Bache blossgelegt. Die Vege- 
tation ist arm an Phanerogamen , an Moosen zeigt sioh, 
Dank dem Waldsohatten und dem verwitterten Holze, eine 
grössere Üppigkeit, darunter Bhacomitrium protensum und 
microcarpum, spärliche und unreife Dicranella Grevilleana» 
an Felsen prachtvoll entwickelt Webera longicolla, auf Wald- 
boden Brachythecium Starkii, reflexum, Hylocomium imibra^ 
tum mit den anderen Hylocomien. Unmittelbar vor dem 
Gletscher vereinzelt sich der Wald, nunmehr meist aus 
Lärchen bestehend ; eine unbedeutende Stimmoräne, von der 
der Gletscher bereits zurückgewichen ist, zeigt uns Adamello- 
Granit Wir befinden uns in einem schaurigen Gebiigs- 
schlunde, das untere Ende des Gletschers ist kaum über 
5000 F. hoch, zu unserer Linken steigt die Cima de Mat- 
terot über 9000 F. auf, während zu unserer Bechten jene 
Felswände senkrecht gegen 1500 F. emporstreben, die uns 
gestern vom Thale schieden; mit diesem durch grosse Schutt- 
halden vermittelt und die obere Bergstufe verdeckend er- 
hebt sich unmittelbar vor uns die Lobbia. Sie theilt die 
beiden Gletsoherarme , die sich muschelformig ausbreitend 
aus engen Felsenspalten hervorstürsen, neben den Haupt- 
armen kleinere Eisströmchen zur Seite über die Wände 
herabsenkend; der Thalboden selbst ist nur wenige hundert 
Schritte breit Die Vegetation ist die gewöhnliche des Glet- 
schersandes nebst einigen selteneren Arten: Epilobium Flei- 
schen, Linaria alpina, Trifolium caespitosum, Saxifiniga 
aizoides, Aizoon, brjoides, Salix repens, Alnus glutinöse, 
Hieracium pulmonarioides, Achilles atrata, Sagina saxatilis, 
Gampanula pusilla, Sempervivum montanum, Silene acaulis, 
rupestris, Pol3rtricha, Massenvegetation von Bhacomitrium 
canescens, Webera Ludwigii, dabei fruchtendes Hypnum 
molle. 

Die Scenen, die das Genova-Thal von Bedole bis Pin- 
zolo bietet, sind von Sonklar schon ausführlich mit ge- 
wöhnlicher Meisterschaft geschildert, ich erwähne sie daher 
nur kurz. Mittag war eben vorüber, Caturani war mit 
unseren Banzen nach Pinzolo voraus, so gingen wir leicht 
und ledig und nahmen uns Zeit, den Weg von vier kleinen 
Stunden zurückzulegen. Auf der Thalstufe von Bedole lock- 
ten uns die Blöcke seitlich vom Wege mit köstüchen Erd- 
und Himbeeren und mit der Aussicht auf Hypnum trachy- 
podium mid collinum, das in den Mauern an den einschüs- 
sigen Flächen solcher Blöcke selten fehlt; aber nur ein 
spärliches Exemplar des ersteren fiind sich. An der Öff- 
nung des wilden GercenarThales vorbei, das uns die nackten 
Felsgräten der Cima de Nardis in ihrer ganzen Entsetz- 

8» 



flO 



Exkursionen um den Orttee- und Adamello-StocL 



liohkeit xeigte, und über eine niedere Thaktufe gelangen wir 
rar ärmlichen Garet- Alm; bei der Scala della Tedesoa krümmt 
sich das Thal südöstlich, und nachdem wir diese Stufe über- 
schritten, befanden wir uns bei der Säge gleichen Namens, 
die uns Herr y. Sonklar als Station för das hintere Genova- 
Thal mehr empfohlen als die Malga di Bedole. Bald war 
die nächste Thalstufe erreicht, durch die Öffiiung des Thaies 
blickt der Brenta- Stock mit seinen schroffen Kalkmassen 
herein. Über die Scala de Buo stiegen wir nun zur Sega 
al Casol herab; nahe derselben fesselte uns lange der wun- 
dervolle Fall des Laris-Baches, der aus einer Waldschlucht 
hervorbraust; weithin wie Wolken verbreitet sich, der Wasser- 
staub zwischen dem frischen Grün der Waldung, und da- 
mit ein schärferer Kontrast zu dem feuchten Elemente mit 
seinen weissen Wolken nicht fehle, wüthete gerade ober- 
halb des Falles ein Waldbrand mit züngelnden Flammen 
und schwatzen Rauchwolken. Basch eilten wir nun im 
Thale weiter, bis uns ein ähnliches Naturschauspiel Halt 
gebot, der Nardis-Bach, der sich in zwei Armen über eine 
steile Felswand herabstürzt. Die Strasse windet sich hier 
zwischen haushohen Ghranitblöcken durch, die der nahe Fels 
zu Thale entsendet, imd malerisch rahmen diese die Ansicht 
des Falles ein. Schon befinden wir uns nahe dem vorderen 
Thalende, die Berge zur Bechten runden ihre vorderen 
Ecken und der warme Athem des Südens hat durch das 
weite sanfte Bendena-Thal vollen Zugang. Welcher ent^ 
zückende Kontrast zu dem engen, ernsten Gebirgsspalte, als 
uns auf ein Mal Kastanien-, Nussbäume, Stieleichen entgegen- 
traten, malerische Häuschen lieblich beschattend und sich 
bald zu einem prächtigen Haine sammelnd ! Auch die übrige 
Vegetation zeigt bereits einige südliche Fonnen, die Grimmia 
commutata und Orthotrichum anomalum, die hier kaum über 
die Kastaniengrenze hinausgehen, besiedeln die Blöcke, Leu- 
oodon tritt massenhaft auf, weiterhin Barbula inennis auf 
Mauererde, Goronilla Emerus, Achillea tomentosa, Bianthus 
Seguieri grüssen vom Felsen. Jetzt zeigt sich auch das 
Kirohlein San Ste&mo, entzückend auf einem steilen Felsen 
gelegen, zu dessen Füssen sich der Bach schäumend und 
tosend zu Thale stürzt, und durch die üppigen Kastanien^ 
zweige mit ihren spielenden Schatten glänzt das Eendena^ 
Thal lachend herauf mit seinem breiten, mit eingefriedigten 
Mais-, Bohnen- und Buchweizenfeldem kultivirten Thal- 
boden, seinen weissen Ortschaften xmd den sanften Wald- 
hängen, die es überragen. AUes wäre lachender Friede, 
schaute nicht im Osten über die Schieferberge ein wilder 
Kopf des Brenta-Stockes bleich und schroff herein. — Durch 
Kastanienwald geht es zur Tiefe, ein Gemsenjäger bringt einen 
prächtigen Bock, der uns zum Mahle dienen soll, und bald 
ist das Eendena-Thal quer durchschritten und Finzolo er- 
reicht. * r» 

Bas Gasthaus ist wirklich zu empfehlen, Naturalver- 
pflegung sowohl wie Betten und Preise, so dass wir uns 
während einiger Tage, die zum Trocknen und Versenden 
der Fflanzensammlungen verwendet wurden, ganz wohl be- 
fanden. Finzolo ist der alleräusserste Vorposten, bis wohin 
sich die Kultur des Touristenthums erstreckt So trafen 
wir eines Abends eine Gesellschaft aus Trient, die einen 
Ausflug hierher gemacht hatte, die sich indess als biedere, 
nach Trient verschlagene Leipziger entpuppten. 

Auf einem unserer Ausflüge in die nächste Umgegend 



zeiclmete ich von den Hängen des Monte Bitorto aus die 
beiliegende Skizze des Brenta-Stockes. 

Endlich gingen auch die schönen Tage von Finzolo zu 
Ende, eines Morgens um 4 Uhr setzten wir uns auf die 
Fost und Hessen uns durch das blühende Bendena-Thal 
nach Tione fahren, um dort unsere Fackete definitiv und 
ordnungsgemäss zur Fost zu geben. Ortschaft reiht sidL 
im Thale an Ortschaft, fast in jeder hatte der Fostwagen 
zu halten und trotz der Mhen Stunde Briefe und Fackete 
einzunehmen. Ansehen und Bauart der Häuser geben den 
Schein der Wohlhabenheit, die selbst stellenweise Geschmack 
im Gefolge hat; leider ist dieser Schein aber mehr ein 
Überbleibsel aus besserer Zeit als ein Ausfluss des jetzigen 
Zustandes, seitdem Seidenraupen- und Traabenkrankheit die 
wichtigsten Hül&quellen des Landes verstopft. 

In Tione gaben wir den Plan auf, durch die Val Valen- 
tine in die hintere Val di Fumo vorzudringen. Hm. Porta 
in Daone zu Lieb, den Herr v. Sonklar als guten Botaniker 
geschildert Wir wollten nun durch die ganze Val Daone 
bis zum Centralstock von Süden her vordringen und uns dem 
letzteren so nahe als möglich einen Übergang in die Val 
di Adame suchen. Es fand sidi sogleich eine Gelegenheit 
nach Cretto, ein Bauemkämlein der primitivsten Art, ein 
muldenförmiges Gitterwerk auf vier Bädern, nahm uns auf, 
führte uns bequem zur Wasserscheide bei Bondo, dann rasch 
und tief hinab in die Val Buon, wo vom Ende des Thaies 
der Lage d'Idro blau herauf glänzt, und schon um 1 1 Uhr 
wurden wir in Cretto von einem fast palastartigen Wirthshaiu 
aufgenommen. Nach einem guten Mittagsmahle brachen wir 
dann nach Daone auf, der Weg fuhrt an dem Hange hinan 
durch Weingärten zuerst zur Gemeinde Bersone, dann 
einen weiteren Absatz hinauf nach Daone ; der Südwind hat 
hier vollen Zutritt und die Vegetation trägt einen ent- 
sprechenden Charakter, um so mehr, als Cretto nur 1396 F. 
hoch (Lunelli) liegt. Weinstock, Maulbeer-Baum und Stiel- 
eiche schmücken die Hänge, Corydalis lutea die Mauern, 
Fabronia und Cylindrothecium Schleicheri die Felsen; doch 
ehe wir nach Daone kommen (2399 Fuss, Friese), ist schon 
die Begion des Weins überschritten und wir befinden uns 
in der Kastanien-Zone. Daone liegt hoch am Berghange 
hingeklebt, hoch über dem Chiese-Bach/ clor mit einem tie- 
fen Schlünde den Berghang durchwühlt, welcher ihn vom 
Thale schied. Es ist ein Italienisches Dorf der elendesten 
Art, seine Gassen ähneln meist mehr schmutzigen Höhlen 
als einem Kommunikations-Mittel rationeller Wesen. 

Da Kooperator Porta nicht mehr hier, sondern nach der 
Val Vestino versetzt war, entschlossen wir uns, noch an 
demselben Abend Boazzo zu erreichen. Wir eilten vorwärts, 
obwohl unsere Ranzen centnerschwer auf unseren Bücken 
lasteten. Das enge Thal verläuft hier in einem rothen 
Porphyrtuff, in steilen Wänden stürzt er sich zu Thale, 
mit dessen Sohle durch weite Schutthalden vermittelt, an 
denen wii^hin wanderten ; oben über den Wänden sind sanfte 
und üppige Matten. Wir wanderten noch länger in der 
Kastanien-Begion, von Neckera Sendtneriana, Grimmia com- 
mutata und leucophaea begleitet, auch Buchen begegneten uns 
hier, nach San Antonio zum ersten und einzigen Mal in 
diesem Bergstocke. Doch nicht lange mehr konnten wir 
unsere Beobachtungen fortsetzen, denn die Dunkelheit brach 
rasch herein. Überall, wo wir anfragten, hiess es, Boazzo 



Exknnionen um dea (>rtleB-< und Adamello-Stock^ 



61 



sei noch weit, wir massten bezweifeln, dort noch Jemand 
wach in finden, und wählten endlich anter solohen Um- 
ständen eine Hütte am Wege, deren Boden ein wenig Heu 
bedeckte, znm Nachtlager. 

Wir befanden uns Bchon im Adamello- Granit, durch 
eine Thalenge deseelben zwängte sich rauschend ein Bach; die 
Thalbildnng war übrigens dieselbe wie weiter vom im 
FoTphjTMUidBtein und die vorspringenden und zurücktreten- 
den steilen Felswände bilden manche schöne und malerische 
Ansicht Bald war am Morgen Boazzo erreicht, in einer 
gastlichen Holzerhütte erquickte uns Polenta, Xäse, Müch 
und Schnaps nnd ein Führer war auch bald gewonnen, ein' 
flotter Gomsenjäger, der ausser einem Banzen seine schwere 
Büchse trug. £s wurde der Übergang über den Monte 
Campe gewählt, ein anderer weiter hinten im Thale war 
den Leuten nicht bekannt und der Himmel, der sich düster 
umzog, mahnte, einen baldigen Ausweg aus diesem einsamen 
und ungastlichen Thale zu suchen. Dasselbe zieht sich 
stätig, aber ohne besondere Stufenbildung aufwärts; obwohl 
▼ir noch Granit anstehen sehen, kündigt die reidiere Y^e- 
tation schon im Voraus grösseren Gesteinswechsel an, wie 
▼ir ihn auch bald treffen; Carduus Personata, Cirsium 
Ensithales, Calamintha grandiflora, Tayloria splachnoides, 
das neue Hypnum (Drepanium) crispulum Hol!., Plagiothe- 
dum Müllerianum, Weisia denticulata, Orthotrichum Hutchin- 
siae waren seltenere Arten, die uns begegneten. Nachdem 
wir so eine tüchtige Strecke im Thalboden fortgewandert, 
wurde dann zur Linken der östliche Berghang betreten. 
Barch dünnen Fichtenbestand über Grasboden mit Gesträuch 
geht es hinan, Kalk- und Silicaten - Flora mischen sich 
bunt: Erica camea und Calluna mit Polygala Chamae- 
boxus, dabei Heidelbeersträucher und Cirsium, dann zer- 
streute Erlenbüsche und Alpenrosen. Die Baumregion macht 
hier bald der Strauchregion Platz, an benachbarten Ab- 
hängen geht sie indess weit höher hinan. — Auf dem Wege 
nun Lago begegnen uns die mannigfaltigsten Gesteine, be- 
sonders fallen bunte dicke Schiefer auf, die senkrecht auf- 
gerichtet sind. Wenn man über ihre Schichtenköpfe hin- 
Bchreitet, sehen sie wie Bandjaspis aus, sie sind hier auch 
mit Kalkschiefem vergesellschaffcet Studer („Geologie der 
Schweiz", 8. 295) thut ihrer auch von der anderen Berg- 
aeite Erwähnung und seine Vermuthung ist wahrscheinlich, 
dass sie mit der Tiroler Schieferzone in Verbindung stehen 
nnd den Granit dieser Kette in eine nördliche tmd südliche 
Hälfte scheiden, die sich auch petrographisch unterscheiden, 
indem der nördliche, der Adamello-Granit, mehr syenitisch 
iist, der südliche mehr einen echten Granit darstellt. 

Nun ist der Lago di Monte Gampo erreicht, an seinem 
Ufer die Malga gleichen Namens. Der Name der Karte, 
Lago di Gaf, ist den Leuten hier gänzlich unbekannt. 
Prachtyoll li^ der runde tiefblaue See in einem Berg- 
kessel, durch dessen Wände sich sein Abfiuss einen tiefen 
Schlund gewühlt. Nördlich und östlich sind es sanfte Ab- 
hänge, die ihn umgeben, westlich und südlich fasst ihn der 
Monte Saviore in weitem Bogen ein. Von den wilden ge- 
zackten Kämmen senkt sich ein steiler Hang fast glatter 
Granitplatten, bloss durch kleine Wände unterbrochen, zum 
8ee herab, ohne Zweifel der geebnete Boden eines früheren 
Gletschers. Das Wetter hat sich zum Schlechteren gewen- 
det, hoch über uns donnern Hochgewitter und senden uns 



hie und daBegensehauer herab. Der Weg zum Passe geht 
über Grashalden und Bergkuppen, von kleinen Wänden 
unterbrochen. Die Aussicht ist durch aufsteigende Nebel, 
die oft die Berge dicht einhüllen, meist getrübt, bloss hie 
und da öffnet sich ein Blick in die hintere Y9I di Fumo, 
welche sich in den Hauptzügen übereinstimmend mit der 
Val di Adame zeigt, in deren Hintergrund wir auf der 
anderen Seite einen guten Einblick hatten. Die Thaläohle 
scheint nicht hoch aufzusteigen und das hintere Ende in 
geringer Meereshöhe zu liegen. Die Berge, die es um- 
schHessen, zeigen den Terrassenbau, der das Gesetz dieses 
Stockes ist^ schroffe, wild gesägte Kämme senken sich in 
wilden Wänden zu einer sanft geneigten Terrasse, die 
chaotisch mit Blöcken bedeckt ist. Eine bedeutendere Ent- 
wickelung der Gletscher gehört der Nordseite an, hier 
schlingt sich nur ein schmäleres oder breiteres Eisband um 
den Fuss der höchsten Kämme. Diese Terrasse steigt dann 
wieder in senkrechten Wänden zur unteren Thalstufe ab. 
In der Mitte der Val di Adame zeigt sich eine Stufe, über 
die ein Wasserfall herabstürzt Auf der Höhe des Monte 
Campo-Passes steht die Grenzsäule zwischen Terrltorio Tiro- 
lese und Lombarde ')• Hier verliess uns unser Führer und 
wir mussten den schweren Banzen wieder selbst aufnehmen. 
Auf der Westseite der Kette, unmittelbar uns gegenüber, 
hängt die Vedretta di Saviore an dem steilen glatten 
Hange, man meint immer, sie müsse herabrutschen. Ihr 
entspringt der Saviore - Bach , der eine kurze Strecke im 
Thale weiter fliesst, um sich dann in den Lago d'Amo zu 
ergiessen. Fast die ganze nördliche Thalwand zeigt die 
eben beschriebenen glatt geriebenen Platten, die auf weite 
Strecken mit Lecidea geographica bewachsen sind, was ihren 
kalten grauen Ton in einen eben so kalten gelbgrünen ver- 
ändert; aber die Linien, in denen sie sich zu Thale senken, 
sind schön und edel geschwungen und erinnern an manche 
Gemälde von Calame. In der Tiefe stredkt sich der Lago 
d'Amo, den Thalgrund ganz ausfüllend, f]ordartig zwischen 
den steilen Hängen hin, das Ganze eins der schönsten Bil- 
der, welche die Alpen-Natur bieten kann. Der Weg zieht 
sich hoch am Hange über dem See hin, bis er das Ende 
des Thaies erreicht, und zeigt zwischen seinen Blöcken die 
unvermeidlichen Hieradum albidum, Bupleurum stellatum, 
Saxifraga aspera, Allosoms. Weiss schäumend stürzt sich 
vom der Saviore -Bach aus dem tiefblauen See zur Tiefe, 
aber wir folgen nicht seinem Laufe, sondern über sanfte 
Hänge faulen Gesteins herabsteigend wenden wir uns bald 
nördlich und ziehen uns an den Hängen des Monte Cam- 



*) Die GeneralBtabsktrte ron Tirol so wie die geognostische und 
nach ihnen fast alle anderen Karten siehen die Grense zuisehen Tirol 
nnd Lombardei Tom Monte Fnmo Östlich nach dem Leyade, dann süd- 
lich auf dem Hochrücken hin, welcher die Yal di Fumo., d. i. den 
oberen TheU der Yal di Daone, östlich begrenzt, und dann beim Lago 
di Gaf, der jetat auch- auf der Osterreichischen Kataster -Karte den 
Kamen Lago di Monte Gampo trügt, westlioh quer durch das Daone- 
Thal, so dass die Yal di Fnmo lur Lombardei gehörig erscheint. Den 
Natur- YerhSltnissen entsprechend gehört die Yal di Fumo aber sicher- 
lich zu Tirol, und obgleich die Sache keine grosse Bedeutung hat, so 
mag doch die Kotiz yon Interesse sein, dass sich die Bewohner der 
Hütten am Lago di Gaf zu Tirol rechnen und dass auch wirklich die 
jetzige Landesgrenze, wie mir Herr t. Sonklar ausdrücklich schrieb, 
die ganze Yal Daone mit dem Yal di Fumo genannten oberen Theil zu 
Tirol zieht, indem sie Tom Monte Fumo südlich auf der Bergreihe sich 
fortsetzt, welche die Yal di Adame von der Yal di Fnmo scheidet. 



«2 



Exkarsionen am den Orties- und Adamello'-Stock. 



peglio hin ziemlich weit in die Yalle dell* Adame, denn die 
sanften Hänge fallen unten in steilen Wänden zu Thale, 
die der gebahntere Weg weit nördlich nmgehen muss, bis 
er Bich im Zickzack durch dieselben herabwinden kann. 
Jäger, Holzer und Kohlenbrenner wissen übrigens einen nä- 
heren Weg durch das Geschröffl Der Weg bietet uns eine 
gute Einsicht in die hintere Val dell' Adame, die schon 
oben charakterisirt ist; nach yom senkt sich die Bergkette, 
die Val deir Adame und Val di Brate scheidet, in ausser- 
ordentlich sanften Hängen zu Thale; sie gehören schon dem 
Schiefermantel an; hoch hinauf erstreckt sich Getreide- und 
Wiesenbau und blühende Dörfer haben sich an denselben 
angesiedelt. Oben schliesst sich der Wald an, über dem 
aus den Wolken zuweilen ein Schieferkamm sichtbar wird. 
Auch die Nordhänge, die die Val Poja einfassen, sind sanft, 
mit Weide und Wald bedeckt. Auch ihre Höhen waren 
heute in Wolken gehüllt, so wie die Berge der Gatena 
Orobia, die der Öffnung des Foja-Thales gegenüber liegen, 
sich nur in den undeutlichsten Umrissen sehen Hessen. 

Die Hänge, über die wir herabstiegen, heute nur zu 
feucht, scheinen auch sonst nicht des belebenden Wassers 
zu ermangeln, wie schon das üppige Grünerlen-Gesträuch 
beweist, so wie eine ziemlich reiche und üppige Moos- 
Yegetation. Der Begen so wie das fortwährend über uns 
krachende Hochgewitter trieben uns leider zu rasch abwärts, 
als dass wir derselben die genügende Aufmerksamkeit hät- 
ten schenken können, daher sei nur Hylocomium Oakesii 
cfr. und Grimmia Muehlenbeckii an der oberen Grenze der 
Waldregion erwähnt — Endlich gelangten wir, von den Dä- 
monen des Wetters gepeitscht, Abends nach Valle, das am 
Berghange li^;t. Isola im Thale besteht nur aus wenigen 
Häusern und besitzt kein Wirthshaus. Da fanden wir 
denn eine Italienische Dorfkneipe der echtesten Art; das 
Gastzimmer im Erdgeschosse, zugleich Wohnzimmer und 
Küche, war ein enger, finsterer, ungepflasterter und schwarz 
geräucherter Baum, mit dürftigem schmutzigen Hausgeräthe 
zur Hälfte voll gepfropfL Ein Tisch mit zwei primitiven 
Bänken bildeten die Bequemlichkeit für die Gäste. Alles 
starrte von Schmutz, besonders die Menschen. Die Strasse 
nach Edolo führt an den Hängen des Poja -Thaies hin, 
Ton fruchtbaren Kulturen begleitet, in der Tiefe der Bach, 
hie und da ein Dörfchen, von Kastanien-Bäumen beschattet, 
mit malerischen Häusergruppen, rauschendem Bache aus der 
Schlucht, klappernder Mühle, Alles lieb und friedlich. Campa- 
nula spicata, Antirrhinum Orontium, Dianthus Seguieri, 
Malya Alcea, Circaea lutetiana, Teucrium Scorodonia, Cy- 
clamen, Scrophularia Hoppii, Grimmia commutata, leucophaea, 
Hymenostomum tortile, Atrichum angustatum, das wuchernde 
Leucodon an den Baumstämmen charakterisiren nebst Kasta- 
nien- und Nuss-Bäumen diese Begion als eine mildere. Kurz 
vor dem grossen Dorfe Oeyo öffnet sich der Blick auf das 
Oglio-Thal, das dicht unter uns eng ist und kaum Raum 
für Strasse und Fluss bietet, aber nach Süden auf weite 
und fruchtbare Auen blicken lässt. Der Südwind, den es 
den Hängen spendet, hat diesen sogleich eine andere Vege- 
tation entlockt, als wir bisher bemerkten. Weingelände, in 
Lauben gezogen oder zwischen Maulbeer -Bäumen aus- 
gespannt, bedecken den Hang, Maisfelder wecken den Ge- 
danken an Folenta und Feigen spriessen üppig aus Mauer- 
ritzen und Felsspalten. Unbeschreiblich malerisch liegt Gero 



am Hange inmitten dieser üppigen Vegetation; die Med« 
liehen Häuser sind von Beben ummokt, die ihre Thüien 
beschatten und die Strasse überdrehen. 

Tief unter uns hat sich der Sariore-Bach bereits mit- 
telst eines tiefen Sehlundes, den er in die steile Thalstufe 
gewühlt, einen Weg zum Oglio gebahnt; auch wir müssen 
nun ins Thal hinab und gelangen über einen steilen Hang 
mit Kastanien-Bäumen und Weingärten hinab zur breiten und 
schönen Kunststrasse, die dasselbe durdizieht In Cedegolo 
halten wir ein sybaritisohes Mittagsmahl von Folenta, Käse 
und vortrefflichem Wein. Nun steht uns so ziemlich die 
schwerste Prüfung auf der ganzen Heise bevor, vier starke 
Stunden bis Edolo auf der Landstrasse. 

Die Strasse wendet sich dem Laufe des Oglio entg^en, 
von Cedegolo aus bald ein Stück rein westlich, um dann in 
fast rein nördlicher Bichtung fortzulaufen. Schnurgerade 
zieht sich oft die Chaussee auf lange Strecken fort, auf 
beiden Seiten mit langweiligen Weiden eingefasst; öde und 
einsam, weithin begegnet man keinem Menschen, keinem 
Gefährt, keiner Ortschaft, die wenigen Dörfer liegen meist 
seitwärts an den Hängen. Der Anblick des Thaies ist kein 
freundlicher, der Thalboden, an vielen Stellen breit, ist 
nicht bebaut, weder mit Getreide noch mit Fruchtbäumen, 
er scheint öfteren Übers<^wemmungen ausgesetzt zu sein 
und dient als Weide oder ist eine mit Gebüschen besetzte Au. 
Das Ansehen der Bewohner ist stumpf und finster, kaum 
danken sie dem Gruss und man sieht sie häufig durch 
grosse Kröpfe entstellt. Die Hänge sind &st durchweg sanft, 
aus Schiefer bestehend, im Osten ragen vielfach über sie 
die schroffen, gesägten Granitkämme herein; auch sie sind 
nur mit dünnen Baumpflanzungen, meist Kastanien, punktirt 
oder mit Niedexholz bewachsen ; der trübe, regnerische Him- 
mel machte heute das Ganze noch unfreundlicher. Endlich 
zeigen sich Spuren von Kultur, terrassirte Weingärten und 
Maisfelder, Sägen und Mühlen, Piemontesische Soldaten, 
und bald ist nun die Metropole des Thaies, Edolo, erreidit, 
zur rechten Zeit, denn bald öffiien sich alle Sohleussen des 
Himmels, um heute ununterbrochen zu giessen, während 
der ganze folgende Tag ein ununterbrochenes Gewitter war. 
Edolo bietet recht gutes Unterkommen im „Löwe", in dem 
auch zugleich die Post sich befindet 

Am zweiten Tage nach unserer Ankunft war Sonntag 
und das Wetter zeigte wieder das freundlichste Gesicht; 
während daher zu Hause unsere Pflanzen trockneten, durch- 
streiften wir Stadt und Umgegend. Zunächst wanderten 
wir auf der schönen breiten Kunststrasse ein Stück im Gor- 
tena-Thal aufwärts, das hier rasch steigt, um dann mit 
einem breiten niedrigen Sattel die Wasserscheide zwischen 
Adda und Oglio zu erreichen. Edolo präsentirt sich von 
hier sehr gut, es ist ein freundliches Städtchen mit manchen 
breiten und schönen Strassen, sein Wahrzeichen eine grosse 
geschmacklose Kirche, die am Osthange über dem Orte 
thront. Seine Lage kann eine schöne genannt werden. 
Der Oglio kommt aus einer Thalenge hervor, um sich gleich 
wieder in einer solchen zu verlieren, hier aber, wo sich 
das Cortena-Thal mit ihm vereinigt, hat sich ein breiter 
fruchtbarer Thalkessel gebildet, in d6m und an dessen 
Hängen eine üppige Vegetation ausgebrütet wird und in 
dem sich das Städtchen hinbreitet Ln Westen ist es ganz 
von sanften Schiefergebirgen eingefasst, die unten einen 



Exkimioiifitt un den QrtkS" und Adamello-StocL 



sa 



KitDB TOD Wamgärtea tragen. Im Oston Bteigen die Schiefer- 
häa^B steil an, öde und yerbrannt» luid sogleich über ihnea 
erheben sich die schroffen Qmnitkämme. Etwas südlich 
stützt sich aus dem Inneren des QefaiTgeB die Val Babbia 
n ThalCy aas deren Hintergründe Schneeflecken nnd Eis- 
partien heryorgLänzen. Die Vegetation der südlich gele- 
genai Felswände xeigt Hypericum yeronense, Silene Otites 
häufig, Bipaaciis pilosus, Peucedänum Gervaria, Chondrilla 
juncea, Allium carinatam var. capsulifenun , Hieradum 
bopieoroideB, nmbellatiun forma und die gewöhnlichen süd^ 
liehen Massen - Vegetationen Ton Semperviven, Grimmia 
oommatata und leucophaea, Hedwigia, Barbula alpina var. 
inermiB Mild. 

Des anderen Morgens früh 4 Uhr wurde wieder auf- 
gebrochen. Durch die Val di Malga sollte unser Weg gehen, 
SOS deren hinterstem Theile sollte der Übergang nach dem 
Avio-Thale gewonnen werden, in einer Alphütte desselben 
wollten wir übernachten. So war der Eührer angewiesen, 
aber wider unseren Willen machte er unseren Plan zunichte, 
und statt abermals bis zum Herzen des Gebirgsstockes vorzu- 
dringen und die Lombardische Seite des Adamello in näch- 
ster Nähe studiren zu können, lernten wir zu unserem 
grossen Verdrusse bloss einen Ausschnitt seiner nordwest- 
lichen Ecke kennen. Noch bei dunkeler Nacht wurde Mu 
psflsirt, bei Morgengrauen die steilen Alpweiden, mit Crepis 
gracdiflora besäet; ehe der Tag völlig anbrach, waren wir 
schon ziemlich an der Grenze der Waidregioh angekommen. 
Auf einem gpiten Bergwege, der durdh Glimmerschieferfelsen 
fuhrt, wurde der Felsvorspnmg überschritten, der Edolo 
Ton der südlich einmündenden Val Babbia scheidet Die 
Moos-Vegetation ist hier, Dank dem Schiefer und den feuch- 
ten Westwinden, üppiger als auf der östlichen Seite, Giim- 
nia Muehlenbeckii übersieht am oberen Ende der Wald- 
tegion ganze felsblöcke. Als wir am Eingange des Thalea 
aiu der Waldregion heraustraten, präsentirte sich die ganze 
Ostena Qrobia unseren Blicken und weiter südlich schauen 
vilde, kahle Schroffen, wie es scheint, schon zum Ealk- 
gdbiige gehörig y herein. Die Kette nördlich von der Val 
Cortena dagegen zeigt durchweg milde Scfaieferformen, bloss 
einzelne ausgesetzte Köpfe zeigen die charakteristischen 
Formen des Kalkes. Dens^ben Eindruck erhält man von 
der jenseitigen Val Aviolo aus und von Vezza bis Ponte 
di Legno, wo wir an diesen Bergen hin wandern, treffen 
wir nur faules Gestein. Wir sind in die Val G^allinera ein- 
getreten, den nördlichen Ast von den beiden, in die sich 
die Val Babbia spaltet Es ist ein enges Thal, zu beiden 
Seiten erheben sich über uns wilde, schroffe, furchtbare 
Kämme, oben wild gezackt, an den Seiten mit eckigen Li- 
nien zerschroten und zerfdrcht, grau und todi Sie schei- 
nen dem Adamello - Granit anzugehören, der Abhang zu 
ihren Füssen, auf dem wir fortschreiten, besteht dagegen 
ans einem roüien, grobkörnigen, leichter verwitterbaren Gra- 
nit, der, wie es scheint, gangartig den Adamello -Granit 
durchsetzt. Der Bach hat sich in ihm ein tiefes, schlund- 
tftiges Bett aasgewühlt, in dem er raschen Falles zur Tiefe 
eilt Das Ende des Thaies ist von einem eben so wild 
gesägten Elamme abgeschlossen, nur wo der rothe Granit 
durchsetzt, zeigt sich ein sanfterer, bis zur Schneide be- 
gisster Hang, der sich, wie wir später sahen, in gleicher 
Weise zur Val Aviolo absenkt. Letzteres Gestein zeigt 



eine weit reichere, üppigexe Vegetation als der öde Adamello* 
Ghranit; Grimmia Muehlenbeckii hat sich auf ihm angesiedelt» 
Grimmia torquata, Bryum subrotundum, Webera elongata» 
Weisia Wimmeriana, Brachythecium trachypodium, beide 
spärlichst, Grinmiia spiralis, epüifera, ovata, Heterodadium 
^morphum, Dicranum longifolium, Orthotrichum rupestre var. 
Sehlmeyeri, Pseudoleskea atrovirens ofr., Arctostaphyloa 
alpina, Saxifraga aspera u. s. w. Bei weiterem Verdangen 
zeigt sich eine Ahn, prächtig auf einem Felsvorsprunge ge- 
legen, jetzt verlassen, ein Gemsenjäger gesellt sich zu uosy 
ein fröhlicher, schöner Mann. Neben der Gemse haust auch 
hier noch häufig der Bär und fast jede Woche sollen Fälle 
vorkommen, dass er Vieh zerreisst 

Wir schreiten am Nordhange des Thaies fort, über uns 
hängt an der Cima de Baitone ein Gletscher, manche Zunge 
durch Bergesspalten zu Thale sendend, die einen Streifen 
Gerolle und Febblöcke vor sich her zu Thale schieben. Vor 
diesen Eismassen senken sich rasch die Vegetations-Linien. 
Obwohl in horizontaler Linie nur wenig über der Baum- 
grenze, wandeln wir doch schon auf Zwergweiden. Die 
Buschregion, durch Bhododendron ferrugineum (MontiÜetsch 
vom Führer benannt) und Alnus viridis (MärOsch) repräsen- 
tirt, war nur schmal, doch sendet sie noch einzelne Vertreter 
in unsere Eegion. Die Vegetation ist wiederum spärlich, 
denn wir wandeln wieder auf Adamello-Granit Aber wohin 
wird uns unser Führer bringen? Das Ende des Thaies ist 
mit der schon erwähnten steilen, scheinbar unersteiglichen, 
ooulissenartig schmalen Granitwand verschlossen, aus welcher 
der Monte Aviolo als höchster Punkt hervorragt; gerade auf 
sie geht unser Weg zu, der sanftere Abhang des rothen 
Granits bleibt zur Linken. Schon beginnea wir sie zu er- 
klettern und die schändliche Festuca macht die Vorsprünge, 
auf denen man sonst sicher fassen könnte, zu problemati- 
schen Haltpunkten, immer steiler erhebt sich vor uns die 
Wand und bald muss das Klettern zu Ende sein. Da 
biegen wir um eine Felsenecke und das Bäthsel ist gelöst: 
ein Zahn der Granitsäge hat sich etwas westlich heraus- 
gegeben und zwischen senkrechten Wänden eingeklemmt 
zeigt sich ein schroffes enges Kamin, das zur Höhe fuhrt 
Angenehm ist das Klettern durc^ dasselbe nicht, theils sind 
die Felsen vom Wasser glatt gewaschen, theils drohen vom 
Voransteigenden losgelöste Felsstücke den Nachkletternden 
Gefahr, doch ist es bald überwunden. Es zeigt noch ein- 
zelne Alpenrosen, Adenostyles albifrons, Pedioularis Jaquini, 
Bliodiola rosea, Anemone alpina, B«munculus pyrenaicus, 
Gnaphalium Leontopodium und carpathicum, Doronicum gla- 
dale, Hieracium villosum, Luzula lutea, einige Grimmien, 
Anoectangium compactum, Tayloria serrata. 

Wo möglich noch steiler und wilder geht es auf der 
anderen Seite herab und wir befinden uns nun auf der 
obersten Thalstufe der Val Aviolo (der Name Val Paghero 
der Karten ist den Leuten ganz unbekannt). Es ist ein 
wildes, mit Felsblöcken besäetes Terrain, das sich in schroffen 
Wänden zur Tiefe stürzt; die Vedretta di Campo sendet 
audh in dieses Thal manche Arme und einer derselben er- 
streckt sich als schmale Zunge bis zum vorderen Ende 
dieser Thabtufe. Vor uns stürzt sich der Monte Aviolo in 
senkrechten Wänden herab, er springt aus der Granitsäge 
dreieckig nach dem Thale vor, seine Höhe verschwindet 
gegen die Cinm di Pomina, die nördlich von ihm empor^ 



64 



Exkarsionen um den OrÜeB- und AdameUb-Stook. 



ragt, und die Gima de Baitone , an die er sieh aüdlich an- 
lehnt; weiter vom im Thale wird es noch deutlicher, daae 
es nur der höchste Funkt eines schmalen Kammes ist, der 
diese beiden Bergriesen verbindet. Gegenüber erhebt sich 
der Monte Avio, ebenfalls mit Gletscherstreifen; durch ein 
ähnliches Kamin seiner schroffen Hänge sollen wir nach 
der Yal d'Avio hinüber gelangen, freilich nur nach seinem 
mittleren Theile; der Zweck, ihr hinterstes Ende kennen zu 
lernen, ist verfehlt Immerhin konnten wir hoffen, von da 
die Westseite des Adamello (dessen Name unseren Beglei- 
tern gänzlich unbekannt war) zu sehen und zu zeichnen. 
Vielleicht können wir die Gletscherzunge umsteigen oder 
überklettern, dann müssen wir nicht durch das hohe Gewand 
bis zur unteren Thalstufe und dann eben so hoch wieder 
hinauf. Als aber diese Hoffnung fehlschlug und wir weit 
zurück muBsten, um einen mühsamen Weg durch die Felsen 
zu finden, als sich auch dichte Nebel erhoben, zu Wolken 
zusammenballten und um die Gipfel der Berge lagerten und 
so unsere Hoffnung auf den Anblick des Adamello fast 
verschwand, entschlossen wir uns rasch, nachVezza hinab- 
zusteigen und so noch am nämlichen Tage nach Fönte di 
Legno zu eilen. So gelangten wir in die untere Thalstufe, 
ein fast ebenes, weites, versumpftes Terrain; an einer Hütte 
fanden wir köstUche Milch und die Leute waren kaum zu 
bewegen, Bezahlung dafür anzunehmen. Die Vegetation 
war hier reicher als in dem öden, fast gänzlich sterilen 
Ghranitgeschröff; an den Bächlein fand sich Hypnum moUe, 
in kleinen Versumpfungen Hypnum revolvens und exannu- 
latum, im Moore Sphagnum rigidum, Trematodon ambiguus, 
Meesia paludosa, Carex irrigua. — Auch diese Stufe stürzt 
sich durch hohe senkrechte Wände zum niederen Thalboden 
herab; kaum konnten die Hirten einen Weg durch die 
Schlucht bahnen, indem wir zum ersten Mal in diesem 
Stock die sonst so häufige Sazifraga rotundifolia antrafen. 
Zur Seite dieser Schlucht führt ebenfalls ein Weg ins Avio- 
Thal, auch ein schroffer wilder Kamm, aber in grösseren 
Dimensionen gebaut, von zwei himmelhohen Granitwänden 
eingeschlossen, die sich etwas aus der Kammrichtung heraus- 
gegeben, sie sind dünn wie Mauern und haben das An- 
sehen einer Klappe, die sich jeden Augenblick schliessen 
kann. 

Zu unseren Füssen liegt Vezza und die Val grande, 
die sich über ihm öffnet, im ELintergrunde von einem Glet- 
scher geschlossen, den die Leute Vedretta della Valle grande 
nennen. Haben wir die steilen Wände hinter uns, so sind 
auch die Schrecken des Thaies zu Ende, wir befinden uns 
im Gebiete des Schiefers, der ims mit sanften und frucht- 
baren Hängen umgiebt und manchem Bauernhause Boden 
gewährt. — Noch eine Thalstufe ist zu überwinden, aber 
sie ist dem Charakter des Gesteins gemäss keine Wand, 
sondern nur ein steiler Hang ; nachdem wir dann noch das 
Oglio-Thal überschritten, befinden wir uns in Vezza. Von 
hier mussten wir 3 Stunden auf der Landstrasse bis Fönte 
di Legno wandern. Der Weg ist einförmig genug, um so 
mehr, als die Wolken im Adamello-Stocke fast bis zur Thal- 
sohle herabhingen und uns jeden Einblick in sein Herz 
durch die Thalöffiiungen verwehrten '). Zu unserer Linken 



^) Dieser Lttcke memer BanteUnng hüft zum Theil ab t. Bahl't 
TortreffUohe Abhsndlnng „Beiträge cor Kenntnifls der eraptiTen Go- 



sind sanfte Hänge faulen Gesteins, durch ^ne sorgfältige 
Terrassenkultur der Natur des Gesteins gemäss bis hodi 
hinauf bebaut und mit Ortschaften besetzt. 

Der Weg, den wir am anderen Morgen nahmen, führt 
erst hoch am Osthange des Oglio-Thales hin, an den statt- 
lichen Dörfern Sovano und Freoasaglio vorbei, um dann 
nach NW. sich wendend in die Val Mazza einzubiegen« 
Der Himmel war der Umschau nicht günstig, dunkele Nebel 
lagen auf den Bergen, besonders auf der Adamello-Gruppe, 
und nur der Sturm, der sie peitschte, Hess auf Augen- 
blicke ein oder das andere Berghaupt ersdieinen. So konnte 
wir nur erkennen, dass sich südöstlich von Fönte di Legno 
wilde Berghäupter in den grotesken Granitformen bis zu 
grossen Höhen erheben, hie und da von Schneeflecken und 
Gletschern umlagert, ohne uns von den einzelnen Rechen- 
schaft geben zu können. Wir selbst bewegten uns in 
sanften Schiefeiformen , durchweg in dunklem faulen Ge- 
stein, durch das sich das Mazza-Thal ohne deutliche Stufen- 
bildung bis zu seiner Wiege hinanzieht Der Thalboden 
biigt fruchtbare Weiden; im Gerolle des Baches massenhaft 
Epilobium Fleischen; mancherlei Bauernhöfe und ein klei- 
nes Bad mit angenehmen Säuerling finden hier Stätte. Die 
Hänge sind hie und da mit Felswänden unterbrochen, über 
die sich Bäche in hübschen Fällen herabstürzen, oben lassen 
die treibenden Wolken hie und da Kämme und Schneiden 
durchblicken. 

Wo sich das Thal nach Westen wendet, um nun rasch 
seinen Anfang zu erreichen, betritt der Weg den Berghang 
und ersteigt denselben breit und wohlgebahnt; an einer 
Alm wird Rast und Mittag gemacht, dann bis zur Eamm- 
höhe fortgeschritten. Von hier muss der Blick auf die 
Adamello-Ghiippe prachtvoll sein, wie uns blitzartig ver- 
schwindende Bilder ahnen liessen. In einer sumpfigen 
Mulde liegt unter uns der Lago oscuro eingebettet Bald 
wird die Grasnarbe spärlicher und nackte Schieferplatten 
gewinnen Boden, eine echt hochalpine Vegetation macht 
sich geltend, doch ist dieselbe spärlich; neben Banunculus 
glacialis zeigt sich häufig Achillea pentaphyllea, doch bieten 
die Westhänge, die zu unserer Bechten emporragen, ein 
für den Bryologen viel versprechendes Ansehen; gleichsam 
als Angeld begegnet uns ein Böschen von Zieria demissa. Die 
Jochhöhe ist schwer zu schätzen, um so mehr, da weder 
der Süd- noch der Nordhang eine Buschregion zeigt. Sie ist 
kaum unter 8000 Fuss. Jenseit derselben betreten wir 
ein weites flaches Becken, von Schutt imd Felsplatten an- 
gefüllt, in das der Westhang seine Gletscherbäche ergiesst 
Lidern sich so der Boden des Beckens seicht mit weisslich- 
grauem Gletscherwasser anfüllt, entsteht der Li^o bianco. 
Der Blick, den unser Standpunkt bietet, ist sicher einer 
der schönsten und mannigfaltigsten, die ein Alpenübergang 
gewährt Dicht neben uns im Osten ragt Gerne dei tre 
Signori empor, von dieser Seite ein wildes Hom, im Norden 
begletschert, an ihn schliesst sich mittelst einer Schneide der 
Fizzo alto, der auf der anderen Seite Fiz Tresero heisst, 
grosse Gletschermassen an seinen Seiten, fast bis zur Spitze 
im reinsten Weiss erglänzend. Quer vor der Öffnung des 



Bteine der Alpen" (Zeitschrift der Deutschen Geologischen GFesellschaft, 
Bd. XYI, 1864, 2. Heft) , die ich eben nach Beendigung dieses Beise- 
berichtes su Händen bdLomme. 



Exkunion« um den Qrttes- und Adamdlo-Stock. 



«5 



Thaies Bohliesst sidi ihm nach West zu ein fast nnunter* 
brochener Oletecherkrans an, der sich an Monte Torno und 
Monte Confinale anlegt; hinter beiden kommt dann der 
Monte Cristaiio snm Yorsehein. Die Aussicht auf denselben 
Mfaliesst sur Linken der Monte Gobetta ab mit sanften, ele- 
ganten Schieferformen; nun dehnt sich im Westen eine weite 
Fische üppiger Alpenweiden aus, aus denen sich bloss weit 
nach Süden zwei schon gefimte, begletscherte Massen empor- 
heben, Monte Oavia, weiter zurück Monte Coleazza* ersterer 
der Form nach in Schiefer, letzterer in Kalk aufgebaut. 
Leider wendete sich nun fuj: uns das Wetter immer mehr 
zum Schlimmeren und einzelne Begenschauer trieb^i zur 
Eile. Der Weg zieht sich hoch über den Hängen des 
Garia-Baches hin, der sich einen tiefen, grausenhaften Schlund 
in den faulen Schiefer gewühlt hat Noch erwartet uns eins 
der herrlichsten liaturschauspiele. Plötzlich sehen wir vor 
vm einen Gletscher, der sich von den Fimmeeren des Fizzo 
alto und Pizzo della Marc zur Tiefe wälzt Es ist* ein 
ungeheuerer Halbkreis, mit wild bewegten Eiswogen an- 
geiiillt; Abstürze, Eisnadeln, blaue Klüfte bieten sich dem 
Auge im buntesten Gewirre, ein wildes Meer, in dem 
Augenblick erstarrt, wo es sich von den Höhen herabstür- 
zen wollte, um den Kontinent zu überfluthen. Wir kommen 
dicht an seinem unteren Ende vorbei; wer noch keine 
Gletschcrschliffe gesehen, kann sie hier studiren. Der Bach, 
der sich diesem eisigen Schoosse entringt, hat sich eine tiefe 
▼ilde Schlucht in den weichen Eels gegraben. Das obere 
Ende ist mit herabgefallenem blauen Eise und Schutt be- 
deckt, dann geht es in schwindelnde Tiefe hinab, die auf 
einer Brücke (Ponte di Pietra) überschritten wird und aus 
welcher das Tosen des Baches wie Donner heraufklingt 
Unter einem überhängenden Felsen suchen wir Schutz; so 
gut der Weg scheint — der achtstündige Weg yon Ponte di 
Legno nach S^ Caterina ist ein wahrer Spaziergang — y hat er 
doch bei einfallendem schlimmen Wetter seine Gefidiren; 
einige Kreuze zeigen uns an, dass an derselben Stelle 
13 Wanderer in Sturm und S<shneegestöl)er ihren Tod ge- 
funden. Bald hatten wir nun gründlich durchnässt S^ Ca- 
terina erreicht tmd konnten uns yon allen diesen Strapazen 
nach Gefallen ausruhen. Es ist ein grosses schönes Bad, 
mit bestem Luxus eingerichtet, mit Schweizer Yerpflegimg, 
aber auch Schweizer Preisen, doch nicht übermässig. Die 
Monte Fomo-Partie musste aufgegeben werden, denn das 
gestrige Gewitter hatte Schnee bis zur Thalsohle herab- 
geworfen, so mussten wir den Ausgang des Thaies suchen. 
Bis zur iSinmündung des Zebru-Thales begleitete uns noch 
der Glimmerschiefer, noch manche hübsche Pflanze bergend : 
Bi^-nm pallescens contextum, Grimmia spiralis, elatior, eine 
wsdire Massen- Vegetation von Barbula fragilis, Coscinodon, 
Zieria julacea, Distichium inclinatum, Trichostomum topha- 
ceam, Webera elongata in seltener Üppigkeit, Tichostomum 
glauoescens, Barbula mucronifoHa. Yon den Hochgipfeln 
schaut bloss der edel geformte Piz Tresero schlank und 
majestätisch herein. 

Wenn wir die Einmündung des Zebru- Thaies paseirt 
haben, treten die schroffen Kalkwände des Monte Cristallo- 
Zages in Sicht, schwarz und hässlich, mit eckigen For- 
men und öden grauen Beussen unter den Wänden. Bald 
u«t Bomiio erreicht ; todt und öde ziehen sich die schwarzen 
und rothen Kalkschroffen, allmählich niedriger werdend, 
Petermann'B Geogr. Mittheüungen. 1S66, Heft II. 



nach der Schweiz hin, sonst ist das weite Becken, in dem 
es liegt, von Schieferformen umgdben, die sich aber weder 
zu besonderer Höhe noch Schönheit erheben; bloss der 
beeiste Piz Tresero im Hintergrunde des Furva- Thaies 
macht einen wahrhaft noblen Effekt Der öde Charakter, 
den das Kalkgebirge giebt, wird noch durch die Baumlosig- 
keit des weiten Beckens erhöht In den Bädern von Bormio 
wurde noch eingekehrt, die elegante Einrichtung betrachtet 
und ein erquickendes warmes Bad genommen. Diese war- 
men Quellen bedürfen zu ihrer Erklärung nicht des Erd- 
feners, ein Blick auf das Gestein, dem sie entströmen, 
scheint eine leichtere Erklärung an die Hand zu geben* 
Der schwarze bituminöse Kalkstein ist mit eingesprengtem 
Schwefelkies erfüllt; wo sich diess leicht zersetzbare Ge- 
stein unter Beihülfe der zusickemden Gewässer in grösseren 
Heerden zersetzt, kann wohl dieser chemische Prozess eine 
Temperatur von 30** hervorbringen. 

Der Weg über das Wormser Joch, den wir nun zurück- 
legten, ist männiglich wohlbekannt und oft beschrieben 
und illustrirt, ich kann mich daher wohl einer näheren 
Schilderung desselben überhoben erachten. 

So wenig und selten bisher die von uns durchwanderten 
Gegenden von Touristen besucht wurden, so hat sich auch 
die Wissenschaft erst wenig mit diesen Gegenden beschäf- 
tigt, und wie in botanischer Beziehung unser Gebii^quar- 
tier noch fast jungfräulich zu nennen war, so war es auch 
in orographischer Beziehung ' bis auf die neueste Zeit noch 
wenig bekannt. Besonders die Bedeutung des Adamello- 
Stockes als selbstständiger, von dem Ortles-Stocke deutlich 
unterschiedener Gentralmasse war noch wenig in das wissen- 
sdiaftliche Publikum gedrungen, meist wurde er nur als 
Appendix zu diesem behandelt 

Der treffliche Schaubach fasst unter den Ortles- Alpen 
zusammen „das grosse und wahrhaft erhabene Gebirgsquar- 
tier, welches vom Münster- und Adda-Thale, der südlichen 
Ebene von Lecco bis Verona und vom Etsch-Thale bis Glums 
umrandet wird". Diess Gebiet theilt er 1. in die Ortler 
Alpen im engeren Sinne. Grenzen: Glums, Latsch, Meran, 
Tscherms, Ulten-Thal bis gegen Pangraz, südlich über das 
Spitzner Joch in das Nosbacher Thal, in die Tai di Sole 
bis Pellizano, über den Tonale in die Yal Camonica, bei 
Edolo hinaus ins Adda-Thal, über Tirano, Bormio, S. Gia- 
como ins oberste Münster-Thal, über S^ Maria, Münster, 
Tauffers nach Glums zurück. 2. Die Tridentiner Alpen: 
vom Tonale am Nosbach hinab bis Cles, über das Spitzner 
Joch nach Tscherms, der Etsch entlang bis Verona, von da 
bis zum Austritte des Oglio aus denl Iseo-See und dem 
Oglio entlang bis zum Tonale. 3. Die Veltliner Alpen. 
Diese drei Abtheilungen werden nur als TJntergmppen der 
Hauptgmppe gedacht, die sich als die orographische Einheit 
darstellt. Dass diese Eintheilung keine ganz natürliche ge- 
nannt werden kann, wird später noch mehr einleuchten. 
Auch Studer in seiner Geologie der Schweiz lässt dem 
AdameUo-Stock als orographischer Einheit, als wesentlichem 
Gliede in dem Aufbau des Alpen-G^ebirge8 wenig Gerechtig- 
keit widerfahren, nur die Ccntralmasscn gelten ihm als 
rechte und echte, die in ihrem Mittelpunkte die fächer- 
förmige Stmktur der Gneise und krystallinischen Schiefer 
zeigen; Gebirgsglieder wie das unsrige waren ihm „stock- 
formig und abnorm hervorgetriebene Massen''. 

9 



Ezkursionen um den Qrtlte- und Adamello*Stock. 



Stotter, dessen Einleitung zu seiner unyoUendet hinter* 
lassenen Orographie von Tirol den Erläuterungen zur 
geognostischen Karte dieses Landes voigedruckt ist, weiss 
Ton diesen Hassen wenig zu sagen, er fasst beide als 
Giudicaria-Masse zusammen, aber „ihre Ghrenze ist nur, so 
weit sie auf Tirdlischem Boden steht, ermittelt", — „wie 
weit gegen Süden und Westen diese Masse sich ausdehnt, 
ist uns unbekannt'' (!). Diese Anschauung, die beide Massen 
als zusammengehörig betrachtet, ist seitdem die herrschende 
geblieben ; selbstständige orographische Untersuchungen wur- 
den diesen Gegenden nicht gewidmet, sondern dieselben 
nur beiläufig erwähnt, so fasst z. B. noch GKimbel 1861 
in der Einleitung zu seinem klassischen Werke beide Stöcke 
als eine Gentralmasse zusammen, S. 139: „Hier erscheint 
als Gentralmasse der Sienit- Granit des Monte Adamello, 
welcher, von Glimmerschiefer und dieser von Thonschiefer 
umhüllt, eine kuppenformige Lagerung bedingt und in der 
Gruppe der Ortles-Berge zu sehr ansehnlichen Kulminations- 
Punkten emporragt". 

Erst im Jahre 1864 hat (ausser dem schon erwähn- 
ten Aufsatze in den Mittheilungen des Alpen - Vereins) 
V. Sonklar in der Österreichischen B«vue, Bd. 3 und 4, 
in einem Aufsätze „über die Eintheilung der Ostalpen" 
auch in diese Gegenden die Leuchte seiner ausgezeichneten 
orographischen Untersuchungen getragen. Er theilt die süd- 
lichen Alpen in die südlichen Urgebirgs- Alpen und die süd- 
lichen Kalk- Alpen und rechnet zu den ersteren die Ortler 
Alpen, die Adamello - Gruppe und die Orobische Gruppe. 
Die ersteren begrenzt er folgendermaassen : „Sie hängen ver- 
mittelst des Stilfser Joches ') am Piz Umbrail mit dem 
Südarme der Rhätischen Alpen zusammen und sind nörd- 
lich von Tresenda bis Bormio durch die Adda, von Trafoi 
bis Prad durch das Trafoi-Thal, von Eirs bis Lana durch 
die Etsch, östlich durch den Sattel am Spitzner Joch in 
Ulten und die Val di Rumo, südlich durch die Val di Sole, 
den Tonale -Pass und den Oglio bis Edolo und westlich 
durch die Val Cortena zwischen Edolo und Tresenda um- 
schlossen." Die Grenzen der Adamello-Gruppe „laufen, wenn 
man die kleine Kalkregion im Süden der Val Daone ein- 
rechnet, vom Lago d'Iseo längs des Oglio nach Edolo, von 
da über den Tonale und im Val di Sole bis Dimaro, über 
die Madonna di Campiglio bis Pinzolo, Tione und über den 
ungewöhnlich tiefen Sattel bei Breguzzo nach Condino, 
Storo und in diie Ebene hinaus". — Diese kurze Notiz 
scheint es nicht überflüssig zu machen, dass wir uns etwas 
ausführlicher mit diesen Massen, besonders mit der süd- 
lichen beschäftigen und uns ein Bild von derselben zu ent- 
werfen suchen. 

Seit Escher und Studer die Idee der Centralkette der 
Alpen definitiv aus der Wissenschaft entfernt und dafür die 
an einander gereihten Centralmassen eingeführt und deren 
Wesen in klassischer Weise dargelegt haben (Geologische 



Beschreibung von Mittelbünden, SS. 10 ff.), muss die Auf- 
suchung und Feststellung dieser die Grundlage jeder natür- 
liehen Eintheilung des Alpen-Gebirges sein; sie sind das 
aktive Element, das dem Gebirge seine Gestalt gegeben; 
die speziellen Verhältnisse der nicht metamorphosirten 
Sediment-Gebilde, welche dieselben in den Alpen zeigen, 
müssen sich auf rein mechanische Weise aus den Hebungs- 
und Gestaltungs - Verhältnissen der Centralmassen erklämi 
lassen. — Wie wir es nun von den ötzthaler Alpen cm 
nach Osten hin mit einer Anzahl eng an einander gereihter 
Central-Ellipsoide zu thun haben, deren Axe im Grossen 
und Ganzen westöstlich verläuft und denen nördlich eine 
Beihe von Kalkketten vorgelagert, ist, die ihre Gestalt und 
Bichtung der Erhebung der ersteren danken , während ihnen 
im Süden theils selbstständige Centralmassen vorliegen, 
theüs die südlidien Kalkketten sich ihrem Einflüsse mehr 
oder weniger entzogen, so haben wir es hier mit analogen 
Verl|ältnissen zu thun. Wir haben ebenfalls an einander 
gereihte, durch Sättel verbundene Centralmassen, deren Axe 
aber von Nord nach Süd verläuft. Ln Osten sind ihnen 
ebenfallB mehrere Kalkketten vorgelagert, deren Regelmässig- 
keit durch häufige Porphyr - Ausbrüche im Ganzen und 
Grossen nicht getrübt wird; im Süden stösst ihre Schiefer- 
hülle mit denjenigen der Bhätischen und Orobischen Kette 
zusammen. Ln Süden ist das XJrgebirge von späteren Sedi- 
mentschichten überlagert. 

Eine gute Abgrenzung der Centralmassen nun wie der 
übrigen Theile des Gebirges muss sich nach v. Sonklar 
(a. a. 0. Bd. 3, S. 181) als ein „möglichst wenig anfecht- 
barer Komprombs zwischen Orographie und Geologie" dar- 
stellen. Ehe wir aber einen solchen Kompromiss ver- 
suchen können, müssen wir zunächst sehen, was jeder 
dieser beiden Gesichtspunkte für sidi allein erheischt. 

Berücksiditigen wir zuerst die geognostischen Verhält- 
nisse nnd fragen uns, was in petrographisoher Beziehung 
zu einer Centralmasse gehört, so wird die Antwort lauten: 
die massigen Gesteine der Granit-Familie, die Gneis-Familie 
und die metamorphischen Schiefer. Mit den letzteren zu 
den Centralmassen wird auch ein grosser Theil der grauen 
Schiefer zu rechnen sein, die, durch unmerkliche Übergänge 
mit den kristallinischen Schiefem verbunden, von den be- 



^) Die Abgrenzung dieses Stockes mittelst des Fraele- und Milnster- 
Thales scheint mir natürlicher als die von Sonklar angenommene Grenze 
am StUfser Joch. Steht man auf dem Kamme des Monte Branlio , so 
kann man sich des Eindmches nicht erwehren, dass dieser, der sich so 
allmählich nach Westen abdacht und durch die Lttcke des Wormser 
Jochs mehr mit dem Monte Gristallo yerbunden als Ton ihm getrennt 
ist, die unmittelbare Fortsetzung des Oebirgszuges bildet; doch iriU 
ich mit dem berühmten Orographen nicht rechten. 



Als geognostische Hülfsmittel wurden mir bekannt: für die Ti- 
roler Seite die treffliche geognostische Karte, die aber mit der Landes- 
grenze abschneidet, nebst den petrogmphisehen Erläuterungen dazu ; auf 
Lombardischer Seite sind es fast nur die Arbeiten Eacher*« und Stu- 
der's, die in allein würdiger Weise, fern von 6renzp(ahl>Geologie und 
Kirchthur ms- Wissenschaft, sich die Grenzen ihrer Beobachtungen nach, 
der Natur der Fragen zogen, die sie sich gestellt, und so ihren Blick auch 
über die Grenze herüber sendeten. Doch sind die Notizen in Studer'» 
Geologie der Schweiz, aus denen die Koloiimng der geognostiBchen 
Karte hervorgegangen, spärlich. Herrn von Hauer's geologische Karte 
der Lombardei (Jahrb. der Geologischen Reichs- Anstalt 1858) basirt für 
unseren Stock nur auf Studer; in West und Ost schliesst sie mit der 
Landesgrenze ab, im Norden erreicht sie dieselbe nicht. Auch die For- 
schungen von Stoppani, Curioni u. A. beziehen sich nur auf die Sedi- 
mentschichten. Nach Beendigung dieser Arbeit erhielt ich noch den 
Aufsatz von Gerhard vom Rath : „Beiträge zur Kenntniss der eruptiven 
Gesteine der Alpen" (Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesell- 
schaft 1864, SS. 249 ff.); über die Gegend von S** Gaterina und den 
Qavia-Pass steht Einiges von demselben Verfasser ebendaselbst, Bd. X, 
SS. 204 ff. Ersteren Aufsatz erhielt ich erst nach Beendigung der 
Arbeit, habe ihn daher nur für diesen letzten Theil derselben benutzt^ 
im Reisebericht ist Adamello- Granit statt „Tonalit" stehen gebUeben. 



EzklinkMiea am den Ortl«^ und AdameUo^toek. 



67 



deuteadaten Gaologea jetst in weit engere Beau^ong zu 
diesen gestellt werdoi ab früher, wo man sie mit den 
tirauwaekenschiefeni des mittlesen Deutschlands ideutifioirte. 
Ihr on^praphischer Zusanunenhang mit dem Hebungscentrum 
igt aber ia yieieu Fällea ein anderer als der der eigentlich 
bystalliniachen Schiefer. Wahrend die letzteren sich meist 
eng an das Central-Oestein anschmiegen und durch ihr Strei- 
dieu und Fallen in der Regel die engste Beziehung zu ihm 
erkennen lassen, finden sich die weicheren, weniger meta- 
morphoeirten, dunkelen Sdiiefer oft durch breite Erosions- 
Thäler Toa den Hauptmassen getrennt, scheinbar selbststän- 
dige Gebir^izüge bildend und mit jenen durch breite und 
fladie Sättel yerbunden, wie uns das Kitzbichler Mittel- 
gebirge, das Yon der Tauem-Kette durch das breite Erosions- 
Thai der Salzach geschieden und durch den Gerloss-Sattel 
damit verbunden ist, davon ein eklatantes Beispiel liefert. 
Ton der grösseren Unregelmässigkeit im Streichen und 
Fallen sehen wir an unserem Stocke einen EalL Während 
man sieh kaum irgendwo anders eine regelmässigere Aufla- 
gerang der krjstallinisdien Schiefer an das Central-Gestein 
denken kann, als es hier der* Fall ist, zeigen die Thon- 
glimmerschiefer, wo sie im Nosbach unmittelbar auf dem 
Granit aufliegen, ein widersinniges Verflachen. 

Dürfen wir uns so berechtigt glauben, die in unserem 
Stocke auftretenden (nicht bedeutenden) Massen von Thon- 
gümmerschiefer einfach zur CSentralmasse hinzuzunehmen, so 
können wir nun daran gehen, ims ein Bild vom geognoeti- 
«chen Aufbau des Gebirges zu machen und seine Grenzen 
nach diesem Gesichtspunkte abzustecken. Wie uns nun die 
orographisohe Gliederung dieses Bergstockes grosse und ein- 
fache Yeiiiiütnisse bietet (betrachtet man z. B. das Blatt 
Trient der WörFsehen Karte und eins aus der Tauem- 
Grappe, z. B. das Blatt Hallein, so gUubt man kaum, dass 
beide nach demselben ICaassstabe gezeichnet sind), so ist 
anch der geologische Bau desselben ungemein einfiwh. An 
ein ungeheueres Fdsgewölbe eines Granit -Syenits, den 
Herr vomBath als öne neue Gesteind-Species mit dem Namen 
Tonalit bezeichnet, lagern sich steil angerichtet Gümmer- 
und Thonaduefer mantelformig an, je näher der Gesteins- 
grenze, desto steiler; während nahe der Berührungsfläche 
der Einfallswinkel bis 80'' beträgt, sinkt er nach den Thal- 
ausgängen zu bis auf 30°. Das Streichen der Schichten 
ist fast durchweg parallel der Gesteinsgrenze. Sehr gross 
iflt die Einförmigkeit dieser Gesteine, besonders die Central- 
masse des Tonahts zeigt äusserst wenig Abänderungen; die 
untergeordneten Gesteine, die sich im Sohiefermantel zeigen, 
übergehen wir hier. 

Suchen wir nun die Grenzen dieser so gearteten] Masse 
auf, so finden wir, dass sie keineswegs überall, mit den 
Grenzen, welche der Orograph zieht, zusammenfallen, am 
wenigsten im Norden, denn hier scheint keineswegs die 
niedrige Einsenkung des Tonale auch die geognostiBche 
Grenze zu bilden, vielmehr sehen wir die Schiefer, die diese 
Hochfläche und den Monte Tonale zusammensetzen, parallel 
der Gesteinsgrenze gegen den Tonalit streichen und unter 
einem starken Winkel nach Norden einfallen, so dass sie 
ganz das nämliche Verhalten zeigen wie der Schiefermantel 
im ganzen Umfange des Tonalit-Eems. Dasselbe sehen wir 
in der Bergkette, die sich von der Cima di Nalbiol nach 
Osten zieht und die von Val Vermiglio, Val Pei und Val 



del Monte eingesdüoasen ist, während jenseit des Noee* 
Baches die Schiefer mantel- oder sattelförmig sich an die 
vom Ortles- Stock herkommende Bergkette anlegen. Diese 
reohtsinnig einfiülenden Schiefer sind dann vom Hauptstock 
her mit Granit und Syenit-Gängen durchzogen. Wir werden 
also wohl die geognostische Grenze nicht durch die Val 
Vermiglio, sondern durch die Val Pei und Val del Monte 
legen müssen und der Tonalit ennangelt dann am TonaLe 
nicht seiner Schieferhülle, wie es sonst der FaU sein würde. 
Von der Cima di Kalbiol schwingt sich nun die Kette 
nordwestlich und 1^ sich an die von Norden kommende 
Kette, an die Come dei tre Signori, an; wo nun die geogno- 
stische Grenze sich befindet, müssen erst weitere Unter- 
suchungen lehren; nach Westen schliesst sich nun durch 
einen Sattel von circa 8000 E. die Gruppe des Monte Gavia 
an^ eine lang gezogene ein&che Bergkette, die sich nach 
SW. um unseren Stock herumschwingt, bis sie sich zum 
breiten Sattel der Wasserscheide zwischen Corteno- und Bel- 
viso*Thal senkt; nur wo der Hauptstock, der begletscherte 
Monte Gavia, den gabelspaltigen Ast des Sasso-Maurone 
nach Süden sendet, hat sie etwas mehr Körper. Im Norden 
ist diese Kette durch das Bezzo-Thal und einen breiten 
flachen Sattel von der Gruppe des Gobetta und Sobretta 
geschieden. Den Bergformen nach besteht sie grossentheils 
aus faulen Schiefem, denen sich im Norden am Gavia-Passe 
wieder Glimmerschiefer vorlagert. Es scheint nicht unmög- 
lich, dass auch sie als äussere Schieferzone zur Gentral- 
masse des Adamello zu rechnen ist. Untersuchungen über 
Streichen und Fallen der Schichten müssten darüber Aus- 
kunft geben. Wir hätten dann ein ähnliches Verhältniss 
wie beim Kitzbichler Mittelgebirge. — Die Gavia- und So- 
bretta -Gruppe lagern ohnediess etwas unoiganisch und 
fremdartig zwischen den Schenkeln des sonst so einfach 
und regelnübsig gebauten Ortles -Stockes, die eine dieser 
Gruppen hätte dann eine rationellere Stelle erhalten. — 
Von Edolo aus scheint nun die Grenze zwischen Adamello- 
und Orobia-Gruppe wieder beiläufig dem Oglio zu folgen 
bis zur Mündung des PojarThales. 

Die Kette , welche Valle di Fumo von Valle di Adame 
trennt, verläuft, ungleich der östlichen Umgrenzung des 
Fumo-Thales, bloss in ihrem nördlichsten Theile in Granit, 
ihr mittelster Theil besteht aus Glimmerschiefer; am Monte 
Gastello thürmt sich der Granit wieder zu einer gewaltigen 
begletscherten Masse auf; die Val di Adame und Fumo, die 
bisher einen nordsüdlichen Verlauf nahmen , biegen nun als 
Poja- und Daone-Thal nach West und Ost aus, von dieser 
Bergmasse abgelenkt Die Schiefer, welche die Gastello-Masse 
im Westen umgrenzen, vermehren nach Escher ihren FaLl- 
winkel, je mehr sie sich um die Gastello-Masse nach Norden 
herumschwingen, bis sie, zwischen den beiden Granitmassen 
eingeklenmit , senkrecht aufgerichtet sind. Diese Schiefer 
bedingen aber nicht nur eine lokale Trennung der beiden 
Granitmassen, sondern auch eine petrographische, indem die 
nördliche Masse echter Tonalit, die südliche mehr rein gra- 
nitischer Natur ist Auch von dieser Gastello-Masse laufen 
Thäler strahlenförmig aus. Herr vom Bath halt dieselbe, wie 
ich glaube, mit Eecht für eine besondere Gentralmasse. 
Schon Escher vermuthete, dass die Schiefer im Osten mit 
der Schieferzone im Westen in direkter Verbindung stehen. 
Ist diese wahrscheinliche Vermuthung richtig, so würde an- 

9» 



68 



Ezkumonen um den Ordw^ imd AdaaieUo^Stoek. 



annehmen sein, daM sich eine wahndieinlich sdimale 
Schielenone yon der Höhe des Monte Gampo-PaMefl mr 
Sohle des Daone-Thales hinabzieht und nahe derselben die 
Oranitmaseen durohsetzt, nm sich im Süden unter den Kalk- 
massen der Cima del Frate zu yerüeren. Die Grenze 
zwischen beiden Massen würde daher ungefähr vom Oglio* 
Thale aus dem Poja-Thale folgen bis zur Höhe des Monte 
GampOy sich von da ins Daone-Thal hinabziehen und dieses 
bis zu seinem Ausgange begleiten. Der Granit und die 
Schieferhülle der Monte Gastello-Masse scheinen sich rasch 
zu senken und von jüngeren Sedimentgebilden überlagert zu 
werden, besonders von mächtigen Yerrucano- Massen, in 
deren Mitte der Schiefer im Süden wieder auftaudit. 

Wie die mächtige Ortles-Masse sich zur Adamello-Masse 
an Umfang und Gipfelhöhe verhält, so ungefähr würde sich 
die letztere zur kleinen Castello- Masse verhalten und ein 
gradweises Abnehmen der Gentrahnassen nach Süden an 
Umfang und Höhe andeuten. 

Im Osten endlich folgt die geognostische Grenze bei- 
läufig, aber nicht streng den Wasserläufen, die dem Oro- 
graphen seine Grenzen liefern. Bald greifen die Kalkgebüde, * 
wie am Arno -Bache, nach Westen über diese Grenze her- 
über, am Monte Stabolfes die Schiefergebilde überlagernd, 
bald schneiden, wie im Norden des Bendena- Thaies, tiefe 
Thalftirchen Thonschiefer- Partien von der Hauptmasse ab. 
Wie im Osten des Ortles-Stockes finden sich auch hier zwi- 
schen Thonschiefer und Kalk Porphyrausbrüche, begleitet 
von den mächtigen Massen ihres rothen Tuffs. 

Allen diesen Differenzen des Geognosten gegenüber wird 
aber der Orograph kaum von seiner Grenzbestimmung ab- 
lassen, vielleicht am ehesten im Norden, wenn dort die 
geognostische Grenze genauer bekannt sein wird, und wenn 
wir nun den Reliefformen unseres Gebiets eine genauere 
Betrachtung widmen, so halten wir uns an die orographi- 
schen Grenzbestimmungen, lassen jedoch die wenig bekannte 
südliche Gastello-Masse ausser Betracht. 

Die ganze Masse hat eine beiläufig ovale Gestalt, das 
schmale £nde des Ovals würde nach petrographischer Be- 
stimmung in Pejo liegen und die lange Aze ziemlich genau 
nordsüdlich verlaufen, nach orographischer Abgrenzung liegt 
jenes in Dimaro und die lange Aze verläuft von NO. 
nach SW. Ihre Länge von Dimaro bis zur Oglio-Biegung 
bei Borzo Demo beträgt 7 Deutsche Meilen, die grösste Breite 
von Westen nach Osten, von Edolo bis Strembo, 4^, die 
grösste Länge von Norden nach Süden, von Fucine bis Pieve 
di Buono, 5,9. 

Dieser Gebii^stock erscheint als ein Massiv, das sidi 
zwar mit seinem Schiefermantel allseitig in nicht zu steilen 
Hängen zu seinen Begrenztmgslinien herabsenkt, aber von 
der Thalsohle rasch zu den grössten Höhen emporschwillt. 
Die Tafelmasse, auf der es aufgesetzt ist, ist eine Fläche, 
die sich etwas nach Süden, unbedeutend nach Westen neigt. 
Yon Dimaro *) 2332 F. (geogn. Sparte) bis Pieve di Buono 
1678 F., auf eine Strecke von 6 Deutschen Meilen, beträgt 



1) Die Höhen entnehme ich theila den Erlänternngen tni geognosti- 
tehen Karte Ton Tirol und den Angaben auf dieaer selbst, theüs der 
Sammlung der Höhen im Lombardisch-YenetianiBohen Königreiche, Jahrb. 
d. K. K. Oeol. Reichsanstalt 1851, besonders aber einem Auszüge aus 
der Österreichischen Katasterkarte, den ich der grossen Qttte des Herrn 
OberstUeutenant y. Sonklar yerdanke und der sehr sahireiche Höhen- 



die Neigung 654 F.; weit stärker ist die Neigung von da 
nach Süden, auf der knrsen Strecke von 2,S5 Meilen bia 
xum Idro-See 9S1,4I F. £. erreicht dieselbe 749,6 F. Vom 
Ausflusse des See's senkt sieh der Chiese noch rascher su 
der wenig über dem Meere erhabenen Lombardisohen Ebene. 
Vergleichen wir ungefähr in gleicher Breite liegende Orte, 
so finden wir von Gadersone (Gas.) 2248,s F. nach Edolo 
3212 F. (Marmortafel im Orte 2206 F., Notusie suUa 
Lombardia) eine Senkung von 36 F. auf 4^ Meilen, yon 
Tione 1730 F. nach Capo di Ponte 1326 F. eine west- 
liche Senkung von 404 F. auf ca. 4 Meilen, der Spiegel 
des Idro-See's ist um 324,4 F. höher als der des Iseo. 
Diese Senkung bietet aber in Westen und Osten verschie- 
dene Verhältnisse. Von der Wasserscheide des Tonale- 
Passes 6244 F. E., der also Dimaro um 3912 F. überhöht, 
senkt sich der Wasserlanf rasch nach Ponte di Legno herab, 
um dann in der sanften und regelmässigen Senkung eines 
einzigen Flussgebietes die Ebene zu erreichen; die östliche 
Grenzlinie ist dagegen yon zwei Wasserscheiden unterbrochen 
und gehört yier yerschiedenen Wasserläufen und drei yer- 
schiedenen Flussgebieten aifl Zuerst überhöht der Pass bei 
Santa Maria di Gampiglio (5000 F. Sonkl., 5313 F. Trink.) 
Dimaro um 2668 F. (resp. 2981 F.), von ihm geht der Selya> 
Bach zum Noce, der Nambino-Bach zur Sarca, die Gewässer 
des einen Flusses eilen zur Etsch, die des anderen zum Po; 
die Wasserscheide yon Bondo 2537 F. (y. Sonklar) überhöht 
Tione um 807 F., yon ihr kommt der Arno-Bach herab zur 
Sarca, nach Süden eilt der Boncone-(?)Bach zum Chieee 
und zum Oglio. 

Auf dieser Tafelmasse ist nun ein Bergmassiy aufgesetzt 
yon 10.000 F. mittlerer Gipfelhöhe O- Es befinden sich 
darunter 3 Gipfel über 11.000, 12 zwischen 10.000 und 
11.000, 17 zwischen 9000 und 10.000, 9 zwischen 8000 
und 9000, 10 zwischen 7000 und 8000, 2 zwischen 6000 
und 7000 und einer zwischen 5000 und 6000 Fuss. Der 
höchste Punkt, der Monte Adamello, 11.409 F. (y. Sonklar), 
liegt ziemlich in der Mitte, etwas nach Westen gerückt. 
Die mittlere Kamm- und Sattelhöhe dürfte sich yon der 
mittleren Gipfelhöhe nicht bedeutend unterscheiden, da die 
Kämme und Spitzen nicht sehr über die Basis des Fels- 
gewölbes emporragen. Betrachten wir den Stock im Ganzen, 
so sehen wir die Thäler nach allen Seiten strahlenförmig^ 
auslaufen. Die Val Presena, die Wiege des Vellon-Thales, 
yerläuft Anfangs fast nördlich, um dann an der mächtigen 
yorgelagerten Ortles-Masse nach Osten abzubiegen; aus dem- 
selben Grunde biegt sich die Valle Naroanello nach Westen, 
aber das Ayio-, Valaro- und Ayiolo-Thal yerlaufen rein nörd- 
lich, das kleine Finale-Thal nach NW. Mojar, Re- undBabbia- 



angaben enthält. Leider umfasst er nur den nördlichen Theil des Ada- 
mello -Stockes. Ich nehme gern Gelegenheit, dem Terehrten Forscher 
für seine Freundlichkeit aueh öffentlich zu danken. 

*) £b standen mir bei dieser Berechnung 50 Gipfelhöhen auf Tiro- 
lischer, 4 auf Lombardischer Seite zu Gebote, die Tirolischen geben ein 
Mittel von 9020,4 F., die Lombardischen von 10.758,75 F., Gesammt- 
mittel 9889,67 F. Das Lombardische Mittel ist aber zu hoch, denn es 
sind dabei 2 Höhen über 11.000 F., das Tirolische dagegen zu niedrig, 
denn es sind darunter 18 Höhen unter 8000 F., die mehr als Henror- 
ragungen in der Abdachung des Gebirges denn als eigentliche Hoch- 
gipfel zu betrachten sind. Ohne sie erhalten wir ein Mittel ron 9948,9 F. 
auf Tirolischer Seite, Gesammtmittel mit dem Lombardischen 10.353,47 F. 
So wird die Höhe yon 10.000 F. wohl die richtige Mitte halten. 



EzkuraioMn um den Ortles- und Adamello^Stock. 



69 



Thal verianfen rein westUch, eben bo Valle di Malga mit . 
Yal MiUer; Brate-, Adame- und Fumo-Thal verlanien süd- i 
Hch, Yal Bregozzo, Yalentino und Boraago haben einen öat- | 
lidien Verianfl 

Alle diese Thäler sind wilde, sohluchtartige Spaltenthäler, 
in mehr oder weniger hohen und schroff abgesetzten Stufen 
terraMenfbnnig au&teigend, im Hintergründe meist durch 
steile Felswände geschlossen. Die einzelnen Absätze zeigen 
öfter See'n und TBisumpfte Flächen. Die kleineren Thäler 
zeigen meist diesen Bau weit entwickelter und prägnanter 
ab die grossen Hauptthäler. Dennoch wüiden wir uns den 
Bau des Gebirges zu einfach vorstellen, wollten wir es uns 
als ein Gebiiigsgewölbe denken, in der Mitte am höchsten 
aufgeschwellt, dureh seine Thalspalten in Sektoren zerlegt 
Wir sehen dasselbe vielmehr ans mehreren Gruppen be- 
stehen, die sich zwar zum Ganzen des Gebirges an einander 
fügen, aber eine gewisse Selbstständigkeit bewahren und 
das Maximum ihrer Höhen- und Massenentwickelung keines- 
wegs zunächst dem Centrum des Ganzen haben. 

Es sind vier solche Stöcke, aus denen sich unser Ge- 
birge zusammensetzt: 1. Der centrale Stock des Adamello 
mit dem Könige des Gebirges selbst, ein hoher Felsendom, 
mit quadratmeilengrossen £isilächen bedeckt, aus dem die 
Uöhenpunkte hervorragen. Über das Detail seines oro* 
graphischen Aufbaues gestehe ich nicht völlig im Klaren 
zu sein, zumal ich ihn von der Lombardischen Seite nicht 
erblickte. Vielleicht ist die Besteigung des Adamello selbst, 
die ich durchaus nicht für unmöglich halte, das einzige 
Mitte], einen vollkommen guten Überblick zu erhalten. Dieser 
Centrsdstock sendet nach allen Seiten Kämme aus, die ver- 
schiedene Thäler sondern, so vom Monte Fumo (ca. 10.500 F. 
T. Sonklar) den oben übergletscherten Kamm, der vorn in 
der Lobbia 93d0 F. aufragt, dann die Kämme zwischen den 
Thälem Fumo, Adame, Brate, Malga, dann zwischen Avio, 
Seria und NaroaneUo. Zu dem obersten Avio- und Malga- 
Thale, wo er den Baitone-Stock nahe gegenüber hat, sendet 
er kurze Thalschluchten, die sich als die obersten Yer- 
xweigangen dieser Thäler darstellen; die bedeutendste ist 
die Yal Miller. Alle diese Thäler sind wenig bekannt, ver- 
laufen nur eine kurze Strecke im Granit und scheinen alle 
einen sehr ausgezeichneten Stufenbau zu zeigen ; nach Nor- 
den sendet unser Stock einen Kamm aus, der sich in Oima 
di Lage scuro 10.001 F., Monte Piscaima 9öö7,4 F. und 
Monte Sello 7682,4 F. M^ell senkt 

2. An die Cima di Lage scuro legt sich der zweite Haupt- 
stock, der Presanella-Zug, an. Seine Hauptdimension ist 
seine Längenerstreckung von West nach Ost, Anfangs ein 
schmaler Kamm, der von der Einmündung des Fresena- 
Thales bis zur Biegung des Yal di Genova nicht ganz eine 
Meile Breite besitzt, um dann im Meridian seines Höhe- 
punktes (beiläufig von Yermiglio über die Cima di Nardis 
nach der Einmündung des Laris-Baches) die doppelte Breite 
zu erreichen, ungeheuere Gletschermassen zu tragen und 
nach beiden Thälem schroff abzustürzen; die Sarca wird 
durch diese Massenzunahme aus einer fast nördlichen Rich- 
tung in weitem Bogen nach SO. gedrängt. Die Breite des 
8todces nimmt zwar noch zu — von Dimaro bis zum Ein- 
flüsse des Nambino- Baches in die Sarca sind es fest 3 
Meilen — , aber es sind nun die sanften, weithin verflächten 
Hange des Schiefergebirges, die sich von dem niedriger 



werdenden Hauptkamme aus verbreiten. Breitere und 
grössere Thaläste und eine ganze Anzahl von See'n charak- 
terisiren femer diesen Theil des Gebirges. Yon dem An- 
schlüsse an die Cima di Lage scuro hebt sich der Haupt- 
kamm alhnählich nach der Cima de Nardis (Presanella) zu, 
um sich dann wieder zu senken. Yon Westen nach Osten 
folgen sich Cima de Dosson 9699, La Brasazza 10.512, 
S. Giacomo 10.373, Presanella I 10.939, IT (Oima de Nar- 
dis) 11.270, Amola U 10.334, I 10.198, Reuza 10.278, 
Cima Yalpiana 9338, Caldonei 9178, Cima de Baselga 8843 F. 
Die Breitenentwickelung, die dieser Stock an der Yedr. 
Presanella gewinnt, entsteht hauptsächlich durch Aussenden 
von Ästen nach Süden ; der westlichste Ast gabelt sich bald 
und sendet nach Westen die Cima Ceren, der längere öst- 
liche Ast senkt sich durch Larda 10.395, Rochetta 9527 F., 
um mit Tumale 8155 F. steil nach der Sarca abzufallen. 
Der nächste Ast ist noch länger und senkt sich in dem 
Winkel zwischen dem Nardis- und Nambrone-Thale schon 
allmählicher herab. Die beiden letzten Äste sind Ceridole 
7619 und Lanzia 7316 F. Noch sanfter senkt sich der 
Ast zwischen dem Nambrone- und Nambino-Thale; nadi 
Bitorto I 8496 und II 7612 F. folgen sanfte Hänge. Nach 
Norden zweigt sich nur Ein bedeutenderer Kamm ab, der 
den Palu- Spitz 9537 und Palu-Berg 7982 F. trägt. Die 
mittlere Höhe des ganzen Stockes beträgt nach diesen Daten 
9614 F., die des Hauptkammes 10.088 F. 

3. Der Laris- Stock. Auch er hat eine vorwiegende 
Längenentwickelung und zwar von Nord nach Süd. Er 
legt sich mit der Bergseite, die Cima de Matterot, Stablel 
und Cioc bilden, an den Hauptstock an und verläuft nun 
über Monte Levade, Capo di Cane, Cima del Frate bis zu 
Dos dei Morti. Im Westen begrenzt ihn das Fumo-Thal, 
dem er bloss kurze Thaläste und steile Abstürze zusendet; 
seine Hauptmassen-Entwickelung erreicht er nach Osten hin, 
wohin er zahlreiche Äste entsendet, die die grossen Thäler 
Borzago, Yalentino, das doppelästige Breguzzo-Thal und die 
kleine Yalle di Bonoone bilden. Am höchsten und läng- 
sten sind diese Seitenkämme im Norden, nach Süden zu 
verjüngen sie sich, so dass der ganze Stock die Gestalt 
eines Dreiecks erhält Der nördlichste, selbst mehrfach ver- 
äbtelte Seltenkamm entsendet nach Norden die bedeutenden 
Thäler des Laris-Baches und das mehrfach ausgreifende Ger- 
menega-ThaL Der Hauptkonun verläuft über Cima de Mat- 
terot 8494, Stablel 9062, Cioc 9730, Cima de Levade 
10.600, Le Sede 10.770 zum Car^ alto 10,964 F., dem 
Höhepunkte der Gruppe, von da über Col di mezzo 9275, 
Capo di Cane 9369, Crepa di Trivena I 9490, II 9536 F., 
Cima del Frate und Monte Stabolfes nach Dos dei Morti. 
Der bedeutendste Seitenast läuft auch hier vom Höhepunkte 
des Gebirges aus, oben vom ungeheueren Laris -Gletscher 
überhöht, der sich vom Monte Levade hierher zieht; er ver- 
läuft in breiten sanften Hängen, die mit See'n besäet sind, 
nach dem Winkel, den die Biegung des Sarca-Thales macht, 
und sendet nach Norden mehrere bedeutende Äste aus, die 
sich ebenfalls ziemlich schnell erniedrigen. Der Hauptkamm 
verläuft über Covel 9074, Fomas 8130, Costaccia 7660 F., 
um sich in seinen Ausläufern, z. B. Stablei Paletti 6387, 
Como alto 7171, Campol 6322 F., zwischen Yal Borzago, 
Bendena und Genova auszubreiten. Der bedeutendste nörd- 
liche Ast senkt sich in Ospedale 8464 und Lom 7589 F. 



70 



Exkursionen um den Ortlea- und Adamello^Stock. 



zum Geuova*Thale. Der Ast zwisohen Yal Borzago und 
Yal YaLentino Terläuft Banft vom Thale über den Como 
basso 6767,s und Car^ 9569 F. zum Gar^ alto. Zwischen 
Yalle Yalentino und Breguzzo yerläuft yom Capo di Gane 
ein Bergzug y der sohon oben einen Ast nach Norden ab« 
sendet, um sich dann in zwei grössere Äste zu spalten, 
deren südlicher die Yalle di Breguzzo aus der östlichen 
Richtung in eine südöstliche drängt und die zwischen sich 
das kleine Thal des Final-Baches einscbliessen. Seine höch- 
sten Funkte nahe dem Hauptaste sind La Yalle 9026, Tof 
bianca 8501, Grepa di Yalbona 8035 F. Ben südlichsten 
Gipfel des Bergstockes übergehe ich hier, da mir über den* 
selben keine Höhenmessungen zu Gebote stehen. 

4. Aus demselben Grunde kaim ich nur wenige Worte 
sagen über den yierten und kleinsten Stock des Adamello« 
Gebirges, den Baitone-Stock, der auf Lombardischem Gebiete 
üegt. Wie der Adamello-Stock zeigt er keine vorwiegende 
Längenerstreckung, sondern bildet eine fast hufeisenförmige, 
begletscherte Hauptmasse, die den konvexen Theü nach 
aussen kehrt, mit den steilen Abstürzen des konkaven die 
Hochsee'n des Malga- Thaies umfasst Mit dem Adamello- 
Stock hangt er durch die schmale und, wie es scheint, niedrige 
Schneide zusammen, die Malga- und Avio-Thal trennen; 
seine Grenzen bilden diese beiden Thäler. Er sendet nach 
allen Seiten kurze Kämme aus, die eben solche Thaler eüi- 



schliessen. Sie öffiien sich meist hoch über dem Haupt- 
thal und zeigen an der Grenze zwisehen Granit und Sohiefer 
meist durch hohe Felswände gebildete Stufen. Die Thal* 
äste, die sich nach dem Malga- und Avio-Thale herabsenken, 
sind sehr kurz. Die höchste Erhebung (?) bildet der Gomo 
di Granate, 9809 F. 

So weit das Bild, das mir meine Anschauungen und die 
mir zu Gebote stehenden Daten vom Adamello-Stock zu 
entwerfen erlauben. Obgleich dasselbe noch in vielen Punkten 
unvollständig ist, hoffe ich doch, dass es ein nicht unwill- 
kommener Beitrag zu der Kenntniss des bisher so wenig 
beachteten Gtebirgsstockes sein wird. Die botanischen Be- 
sultate werde ich an einem anderen Orte spezieller aus- 
föhren, die charakteristischen Pflanzen habe ich im Beise- 
berichte hervorgehoben. Sollte mir das Ungewisse Schicksal 
wieder eine längere Gebirgsreise gestatten, so wird es mir 
selbst vergönnt sein, die Lüdcen in der Kenntniss dieses 
Gebirges nach Kräften auszufüllen, wie es mein lebhafter 
Wunsch ist; sonst dient diese Skizze vielleicht Anderen 
zur Anregung, diess zu thuiL Yen dem viel gewaltigeren 
und mannig&ltigeren Ortles-Stocke ausführlicher zu handeln, 
muss ich mir hier versagen, meine eigenen Anschauungen 
und die mir zu (Gebote stehenden Daten so wie der zu- 
gemessene Baum sind zu spärlich, um diess auch nur in so 
ausführlicher Weise wie bei dem Adamello-Stock zu thun. 



Briefe von Gerhard Rohlfs. 



Seitdem wir im vorigen Hefte (S. 35) die glückliche 
Beendigung der Bohlfs'schen Reise von Marokko über Tuat 
und Ghadames nach Tripoli gemeldet, sind seine Tagebücher 
und einige weitere Briefe eingetroffen. Es wurde sofort 
die Konstruktion der Beute vorgenommen und zu unserer 
Freude stellte sich heraus', dass die mit dem Kompass in 
der Hand durchgeführte Beuten -Aufnahme ein hinlänglich 
genaues Besultat ergiebt, um die bisherigen Karten sehr 
wesentlich zu berichtigen. Namentlich ist die Strecke von 
Tuat nach Ghadames, die auch noch auf Duveyrier's eben er- 
schienener grossen Elarte als einfaches geradliniges Itinerar 
erscheint, ganz vortrefflich beschrieben und sehr reich an geo- 
graphischem Detail. In Yergleich mit de Gollomb's vom 
Däpdt de la guerre herausgegebener grossen Karte der 
Oasen Gurara, Tuat u. s. w. (1 : 400.000) ergiebt sich eine 
beträchtliche Beduktion der Entfernungen, die jedoch nicht 
so bedeutend sein kann, als sie Duveyrier annimmt. Die 
Lage von Tuat, dann ferner die der Oasen Aulef, Titt, 
Akebli, Lirhar und ihre relative Position zu Ainsalah, das 
als durch Laing's Bestimmungen festgestellt betrachtet wer- 
den muss, erscheint daher anders als auf allen vorhandenen 
Karten. Abgesehen übrigens von der Beuten - Aufnahme 
und ihrem Einfluss auf die Karten enthält das Tagebuch 
eine ausführliche Beschreibung der ganzen Oasengruppe von 
Tuat, wo ein verlängerter Aufenthalt (13. August bis 
10. Septbr. 1864) und die Yerkleidung als Mohammedaner 
dem Beisenden das Eindringen in alle Kreise und Yerhalt- 
nisse ermöglichten, ferner Beobachtungen über die Krank- 



heiten der durchreisten Länder, über die Eigenthümliehkeiten 
der Bewohner und Zustände und ist zudem sehr spannend 
und interessant geschrieben. Aus den fleissig durchgeführten 
Ablesungen des holosterischen Barometers werden sich die 
Höhen aller widitigeren Punkte des Weges berechnen lassen. 
Bereits im nächsten Hefte werden wir mit der Publi- 
kation des Tagebuches beginnen, für jetzt müssen wir uns 
mit Auszügen aus einigen Briefen des Beisenden begnügen, 
die über seinen Aufenthalt in Tripoli, seine Lage, Auseich- 
ten und Pläne Nachricht geben und von denen der erste, 
in seiner Ankunft sehr verspätete, auch vom Übergang 
über den Marokkanischen Atlas handelt. 

Ksor Beranin, Mdaghra, 27. Mai 1864. 
Der Atlas ist glücklich überstiegen, und zwar an einer 
seiner höchsten Stellen; den TUed Gigo, TUed Sebu, TUed 
Muluia dicht an ihrer Quelle überschreitend überstieg ioh 
das mit ewigem Schnee bedeckte Gebirge Aiaschin (Djebel 
Magran), stieg den Fluss Gers und Sis hinab und befinde 
mich diesen Augenblick in der Oasis Mdaghra in glücklicher 
Sicherheit, unter ziemlich civilisirten Menschen, bei einem 
Litendanten des Grossscheri£ Zwanzig Tage gefährlichen 
Marsches durch das Gebirge haben mich hierher ge- 
bracht Auf dem höchsten Punkt des Atlas hatte ich die 
Bräune und kaltes Pieber, hier jedoch, wo das Thermometer 
des Mittags im Schatten bis 35^ G. steigt, bin ich schnell 
hergestellt und Erquicke mich jetzt an Äpfeln, Aprikosen 
und Pflaumen. — Morgen werde ich noch rasten, was auch. 



Briefe von Gerhard Rohlfs. 



71 



meinen Pferden nothwendig ist, dann nach Ertib auf- 
brechen» was einen halben Tag you hier südlidi, auch am 
ITed SiS| liegt, dort beim Enkel des Snltan Sliman einige 
Tage rabrii^n nnd Ton dort naoh Tafilet reisen, was einen 
Tag Büdlidi von Ertib liegt. Wie ich bis jetzt ans der 
Aufnahme nach den mir vom Scherif gegebenen Empfeh- 
langsbriefen schliessen kann, darf ich auf den glücklichsten 
Erfolg meiner Beise hoffen; bloss hätten meine Geldmittel 
grosser sein sollen, entweder viel oder gar Nichts bei sol- 
dien Reisen. Indess schlage ich mich durch, das Nöthigste 
habe ich. Meine beiden PfSarde werde ich hier verkaufen, 
eins vielleicht mit etwas Yortheii, das andere jedoch, das sehr 
gelitten, werde ich fdr einen Spottpreis hergeben müssen. 
Ende Juni denke ich in Tuat zu sein, Anfangs Juli in Ain 
Salah. 

Doch ich Bchliesse, weil man mir zusieht und die Musel- 
manen nie lange Brieife schreiben, man sieht mir auf die 
Finger. 

Tripoli, 30. Dezember 1864. 

Meinen heiligen Weihnachtsabend habe ich in einer 
Höhle bei den Trochlodyten im Djebel Ghurian im 
Süden von Tripoli gefeiert, gefeiert kann ich sagen, denn 
wenn ich auch Abends mit den Bewohnern in einer Berg- 
höhle iSesometa ass (eine Art Polenta mit Ölsauce), so 
hatte mein Herz sich doch den ganzen Tag an der schönen 
Ber^egend erwärmt und meine Augen konnten sich nicht 
genug au dem grünen Ölbaumwald weiden nach einem 
achtmonatlichen Aufenthalt in der Grossen Wüste. Gestern 
Abend bin ich hier angekommen und habe bei allen Kon- 
suln und anwesenden Europäern den höflichsten Empfang ge- 
funden, namentlich hat es der Österreichische Konsul, gebomer 
Italicner, der alle Staaten Deutschlands repräsentirt mit 
Ausnahme xmserer Hansestädte, so wie seine ganze Familie 
an Aufitnerksamkeiten aller Art nicht fehlen lassen, um 
mir den Aufenthalt in einer Stadt so angenehm wie mög- 
lich zu machen, einer Stadt, die einestheils so civilisirt ist, 
dass sie einen Telegraph besitzt, andemtheils aber noch so 
zurück ist, dass man in ihr nicht einmal ein Europäisches 
Gasthaus findet. Ich bin nidit nur ohne Geld hiera nge- 
kommen, sondern schuldete noch eine Summe von 85 Francs. 
Wenn man mit Bedienung reist, Wa£fen und Pferde zu 
kaufen hat, Kameele miethen muss und 1 Jahr und 5 Mo- 
nate abwesend ist, so ist eine Summe von 600 Thlr. bald 
verausgabt. Dazu kommt die grosse Theuerung aller Lebens- 
mittel in der Wüste, die manchmal aufsÄusserste steigt. Doch 
ich habe mein Geld gut angewandt, und was die Franzosen 
nicht konnten, indem sie Oberst Colonieu und Burin ab- 
sandten und sogar einen Mohammedaner Namens Mohamed 
Uesani ausschickten, um die grossen Oasen Tuat und Tidi- 
kelt zu bereisen, ich habe es gekonnt. Von Norden naoh 
Süden habe ich beide Oasen explorirt und in meinem Tage- 
buche findet sich eine genaue Beschreibung derselben. In 
Ain Salah hatte ich noch das nöthige Geld, um nach Tim- 
buktu zu kommen, wäre dort aber ohne Heller angelangt; 
deshalb zog ich es vor, auf Tripoli zurückzugehen, das in 
i^eieher Distanz von Ain Salah Hegt. 

Ich bedarf einen ufsuen Fass vom Senat in Bremen, da 
ich meinen alten so wie auch alle Fhotographien habe ver- 
brennen müssen. Meine Sicherheit erforderte es, da man 
meine Sachen durchsuchen wollte und, wenn man sie gefunden 



hätte, mich sicher getödtet haben~ würde. Gott sei Dank» 
dass ich glücklich den Weg passirt habe;* noch lange nach 
mir wird ihn kein anderer Europäer bereisen können und der 
rXJed Ssaura wird selbst von den Mohammedanern nie be- 
reist. Hier war es auch, wo ich meinem Bedienten eines 
Tages ein Certifikat über gutes Betragen ausstellte, damit 
er dann sein Geld in Tanger erheben könne, denn ich 
glaubte sicher, man würde mich ermorden. Ich bin glücklich 
aus allen Gefahren herausgekommen und werde mein Ziel 
auch erreichen; Alles muss man lernen, auch da^ Eeisen, 
und das Wüstenreisen und Reisen unter den fanatischen 
Mohammedanern mehr als alles Andere. Meinen Bedienten 
entlasse ich natürlich nicht, weil ich ja in Kürze wieder 
abreise, sobald mein Körper und Geist sich etwas erholt 
haben. Mittlerweile fehlt es mir an Nichts, die Konsuln 
kommen häufig; mich zu besuchen, ob ich gleich im Tür- 
kischen Funduk, wo ich logire, ihnen nicht einmal einen 
Stuhl anbieten kann. 

31. Dezember 1864. 

Die telegraphische Depesche nach Bremen, die vorgestern 
meine Ankunft in Tripoli meldete, hat mir 38 Francs ge- 
kostet, die der Österreichische Konsul bezahlt hat. Sie ist so 
theuer, weil der Telegraph von hier bis Malta in Händen der 
privaten Englisch - Ostindischen Kompagnie ist, die sich 
enorm bezahlen lässt. Doch das macht Nichts, Ihr habt doch 
noch vor Jahresschluss Nachricht von mir bekommen und 
morgen am Neujahr werde ich Nachricht und hoffentlich auch 
Geld haben, denn ich bin ganz blanc, wie der Franzose sagt. 
Trotzdem habe ich heute dem Englischen Konsul eine Yi- 
site machen müssen, „trotzdem" sage ich, denn meine Wüsten- 
kleider sind eben nicht allzu sehr konvenabel, um Visiten 
zu machen; trotzdem war ich sogar gestern Abend zum 
Theo eingeladen und habe mit Gewalt mich fugen müssen, 
denn zwei reizende junge Mädchen, eben erst aus dem 
Pensionat von Paris konmiend, wünschten mich zu sehen 
und ihr Yater, ein alter Französischer Kapitän, entführte 
mich par force aus meinem Zinuner. Ich präsentirte mich 
mit meinem Haik und Burnus und hatte nicht einmal die 
Unaussprechlichen an (was man aber wegen der langen 
Arabertracht nicht merken > kann) , denn ich hatte sie bei 
meiner Ankunft als unbrauchbar weggeworfen. So lebe ich 
in Tripoli en Berberie. Auf dem Englischen Konsulate hat 
der Konsul mir mehrere von Petermann's „Geogr. Mitthei- 
lungen" gegeben, die an Beurmann adressirt waren und 
nicht mehr in seine Hände gekonunen sind. Auch befinden 
sich dort noch von seinen eigenen Büchern, als astronomi- 
sche, physikalische u. s. w. Ich weiss nicht, ob seine Fa- 
milie Nachricht davon hat. 

1. Januar 1865. 

Auch heute ist noch keine Antwort mit dem Telegraph 
eingetroffen, was mich beunruhigt, vielleicht war der Tele- 
graph die Festtage über sehr beschäftigt. Ich bin auch 
den ganzen Tag, falls ich nicht Besuch habe, beschäftigt, 
einestheils mein Tagebuch zu schreiben, damit ich es mit 
dem nächsten Courier fortsenden kann, andemtheils um 
meine Tai^sche Granunatik, die ich in Tuat für die Lon- 
doner Gesellschaft angefangen habe, zu vollenden. Mein 
Essen lasse ich mir aus einer Garküche konunen, die in- 
dess sehr theuer ist, für mich und meinen Bedienten bei- 
nahe 7 Francs per Tag, während es hier doch sonst ausser- 



72 



Briefe von Gerhard RohUb. 



ordentlich billig zu leben ist, was die Lebensmittel anbe* 
tnftt. Da ich indess ohne Sou angekommen bin und der 
Konsal mich dahin rekommandirt hat, mnss ich froh sein, 
dass man es mir kreditirt; sobald aber Geld kommt, ändere 
ich das und lasse mir Ton meinem Burschen kochen. An 
Ausgehen kann ich auch nicht denken, da ich keine Kleider 
habe, mit denen ich mich vor Damen sehen lassen könnte ; 
doch es wird ja wohl morgen Etwas eintreffen und mein 
Tagebuch wird diess Mal bedeutender als das erste, so dass 
ich hoffe, dass es wohl 200 Thlr. wird abwerfen können. 

2. Januar 1865. 

Heute Morgen um 8^ Uhr ist die Depesche an Konsul 
Rossi hier eingetroffen und gleich darauf war er so freund- 
lich, mir dieselbe zu überbringen. Überhaupt föhrt er fort, 
mich auf äusserst liebenswürdige und zuvorkommende Weise 
zu behandeln. Ich habe mir, da alle Konsuln meinen Be- 
such wünschen, einen konvenablen Tuchanzug machen lassen 
müssen, jedoch k la Turque, da ich wegen der hiesigen 
muselmanischen Bevölkerung mich nicht auf Europäisch 
kleiden darf, im Fall ich von hier wieder ins Innere gehe. 
Alle Europäisch- Afrikanischen Reisenden haben vor mir das- 
selbe gethan. Ich habe heute zum ersten Mal die Stadt 
etwas gesehen, welch' Getreibe und Gewühl von Türken, 
Arabern und Europäern! Jedoch sind letztere vermöge der 
Konsuln die vorherrschenden, obgleich die beiden ersteren 
an Zahl überwiegen. Früher, als ich wünschte, habe ich 
den Brief beendigen müssen, mein Haus ist wie ein Wall- 
fahrtsort; obgleich ich nicht ausgehe, kommt alle Welt, 
mich zu besuchen, und geht Einer fort, kommt ein Anderer 
wieder. 

4. Januar 1865. 

Konsul Rossi, der mir gestern einen Korb Bayerisch 
Bier schickte, war heute beim Bascha der Regentschaft und 
da entspann sich folgendes Gespräch: „Man sagt mir, es 
ist einer Deiner Landsleute von weit her angekommen, der 
soll sogar Tuat durchreist haben, wie heisst er?" — Er 
nennt sich Mustcbfa, ist gerade nicht aus meinem Lande, 
jedoch habe ich ihn kennen gelernt. — „Die Mohammeda- 
ner behaupten, dass er kaum angekommen christliche Klei- 
der angezogen habe, das beweist also, dass er unsere Reli- 
gion bloss als Deckmantel benutzt hat" — Das sind Lügen, 
denn Mustafa hat heute noch seine Arabertracht und er- 
wartet nur seinen neuen Anzug, um Ew. Excellenz sich 
vorzustellen. — »»Ah! Jedoch hat man mir gesagt, dass er 
sofort nach seiner Ankunft 10 Depeschen in sein Heimaths- 
land geschickt hat" — Das ist auch eine Lvgc, Mustafa 
hat bloss seinem Bruder -seine Ankunft telegraphirt und um 
Geld gebeten, da er entblösst von Mitteln hier ankam, und 
sein Bruder hat ihm einen Kredit auf mein Haus eröffnet. — 
„Ah, Ah, einen Kredit, einen Kredit-Brief, nicht wahr? Er 
ist also von grosser Herkunft? — Er muss jedenfalls von 
gutem Hause sein, sonst hätte er nicht solche Erziehung. — 
„Ah, wie hat er es denn aber möglich machen können, 
Tuat zu durchreisen ? — Wie er mir sagt, mit Empfehlungs- 
briefen von Marokkanischen Grossen. — „Ah, das ist selt- 
sam; aber würde der Mann sich nicht bei mir sehen lassen? 
Ich habe grosse Begier, ihn kennen zu lernen." — loh 
habe Ew. Exzellenz schon gesagt, dass, sobald er konvenabel 
angezogen ist, er mit seinem Konsul sich vorstellen wird. — 



„Wer ist denn sein Konsul, bist Da es nicht?" r- Nein, 
der Englische Konsul. — „Ah, das ist sonderbar, aber Itu» 
ihm ein Willkommen von mir wünschen und sage ihm, 
dass ich begierig bin, seine Bekanntschaft zu machen." — 
Ich denke, ich kann morgen diese Neugier des Bascha- 
Gouvemeurs befriedigen, denn morgen hoffe ich mich an- 
ziehen zu können. Mittlerweile fange ich an, mich zu füh- 
len, d. h. zu ruhen, denn im Anfang war ich noch so err^ 
von den fürchterlichen Strapazen, die ich namentlich in den 
letzten Monaten gehabt, dass ich gar keine Ermüdung 
spürte, jetzt aber fühle ich, dass es mir Noth thut, wenig- 
stens einige Zeit, vier oder sechs Wochen, kräftige Kost 
zu gemessen und den Körper vollkommen ruhen zu lassen. 
Seit Monaten habe ich gar Nichts als Mehl und Dattek 
genossen und ich glaube, es ist bloss mein Geist gewesen, 
der meinen Körper gegen so grosse Strapazen , wie ich sie 
durchgemacht habe, aufrecht erhielt. Die mit mir gekom- 
menen Tuareg gefallen sich indess darin, zu verbreiten: 
„Ah, dieser Christenhund, Französischer Spion, der Erste, der 
unser Land durchreist hat und der so fleissig betete unter- 
wegs, das hätten wir wissen sollen, dass er ungläubig ist, 
tausend Mal hätten wir ihn dann getödtet", so erzählen sie 
in der Stadt. 

5. Januar 1865. 
Noch einige Worte, ehe ich schlafen gehe. Es ist sonder- 
bar, man könnte eine Kanone abschlössen und ich würde 
nicht aufwachen, während unterwegs auch das leiseste Ge- 
räusch mich erweckte. Das macht wohl das vollkommene 
Gefühl der Sicherheit, während man unterwegs sich immer 
mit halb offenem Auge schlafen legte. Ich habe heute 
angefangen, die ungeduldige Neugier der Leute zu befrie- 
digen, indem mein Anzug fertig wurde und ich einige Be- 
suche machen konnte, so bei meinem Konsul (welche Ano- 
malie, dass wir Hanseaten uns allein unter Englischem 
Schutze befinden, da doch alle anderen Deutschen unter des 
Österreichischen Konsuls Eossi Protektorat stehen!), der mich 
seiner Frau vorstellte, dann bei dem Spanischen Konsul 
und Yicekonsul, die mir beide ein Kompliment über das 
andere machten: „Man hat uns gesagt, dass Sie Polyglott 
sind, man hat uns gesagt, dass Sie ganz Inner- Afrika 
durchreist haben.*' Ich musste natürlich alle diese Kompli- 
mente zurückweisen, jedoch acceptirte ich mit Vergnügen 
eine Havanna -Gigarre. Mein Diener besorgt mir jetzt 
meine Küche, und obgleich ich einige Auslagen hatte, um 
Teller, Gabeln u. s. w. zu kaufen, denn ich kann hier in 
der Stadt doch nicht gut mit der Hand essen, so stehe 
ich mich dennoch billiger dabei, als wenn ich aus der Grie- 
chischen Garküche esse, zumal dieser Grieche trotz des 
hohen Preises von 1 1 Sbili (etwa 7 Francs) per Tag jeden- 
falls Abkömmling der Spartaner sein muss, denn das Essen, 
welches er mir schickte, war äusserst einfach. Mein Bursche, 
geborner Bifraubritter , ist nun zwar auch kein Tortoni, 
aber wenn man so lange bloss Datteln und Datteln und 
nochmals Datteln zu Morgen, Mittag und Abend gegessen 
hat, ist man nicht zu sehr ftiand. Abends bin ich immer 
allein und zu Hause, da nach dem Abendgebet Niemand, 
falls er nicht eine offizielle Stellung hat, auf die Strasse 
gehen darf,' sonst wird er von Patrouillen arretirt. Die 
Türken haben strenge Polizei, das hindert aber nicht, dass 
fast alle Monate Mord- und Raubfalle mitten in der Stadt 



Briefe von Gerhard Rohlfs. 



78 



TorkommeiL Nun, falls sie nicht uns Europäer ermorden, 
mögen sie sich in Gottes Namen Alle erwürgen, ein Araber 
oder Türke weniger ist immer eine Wohlthat. Ich möchte 
fon diesen verfaulten Völkern sagen, was mir ein Sauia-Ghef 
in Karsas am TUed Saura von den räuberischen TJled Rlnema 
^e: „Bringst Bu einen Blnema um, kommst Du in den 
Himmel, bringt Dich ein Rlnema um, kommst Du in den 
Himmel; bringt Dich ein Rlnema um, geht er in die Hölle, 
bringst Du einen Rlnema um, geht er in die Hölle." 

8. Januar 1865. 

Heute war ich bei einem splendiden Prühstück auf dem 
Österreichischen General-Konsulat. Der Konsul sucht eine 
Ehre darin, mir Alles zu Gute zu thun, weil alle anderen 
Deutschen Reisenden, obwohl offiziell unter seinem Schutze 
stehend, von fremden Konsuln protegirt wurden; er will 
es den anderen Konsuln und namentlich dem Englischen, 
unter dessen offiziellem Protektorat ich hier bin, zeigen, 
dass ein Deutscher auch im Deutschen Konsulat gut auf- 
genommen wird. Das Frühstück bestand ganz und gar aus 
Europäischen Leckerbissen, denn wie man in Europa Afri- 
kanische Produkte kommen lässt, so beziehen die hiesigen 
Feinschmecker ihre Sachen aus Europa, Da waren Arti- 
schocken von Malta, Schinken von Livomo, Salami von 
Verona, Fische aus Frankreich u. s. w. u. s. w., ohne von 
den Weinen zu sprechen, die zum Schlüsse vom brausenden 
Champagner verdrängt wurden. 

Das Tagebuch, das ich mit diesem Briefe schicke, muss 
in Betreff der Rechtschreibung und Stylisirung korrigirt 
werden, da ich seit 10 Jahren oder länger fast kein einziges 
Beutsches Buch in die Hände bekommen habe. Doch bitte 
ich, Nichts an den mit Lateinischen Lettern geschriebenen 
Wörtern zn ändern, denn sie sind alle so geschrieben, wie 
sie im Deutschen ausgesprochen werden müssen, wenn auch 
manchmal der Arabischen Schreibweise dadurch Abbruch 
geschehen ist. 

11. Januar 1865. 
Heute schliesse ich, da der Dampfer um 11 Uhr fort- 
geht; nochmals viele Orüsse und Dank. Sei so gut und 
sende das Tagebuch so bald wie möglich an Dr. Petermann 
and den inliegenden Brief an Herrn Henri Duvejrrier in 
Paris, da ich ihn nicht von hier frankiren kann und der 
Tuar^-Chef, der ihn geschrieben, mich gebeten hat, ihn 
80 schnell wie möglich zu befördern. Zugleich schicke ich. 
ein Originalheffc über meine Ausgaben vom Juli 1864 an, 
woraus ersichtlich ist, wie ich das Geld verwendet habe 
und dass ich diese Reise mit so viel Francs gemacht habe, 
wie Andere Thaler ausgegeben haben würden; indess habe 
ich diess Mal nicht so gelitten wie auf meinen früheren 
Beisen, war es ja doch schon ein Genuss für mich,^ dass cih 
alle Tage Kaffee trinken konnte. 

Marseille, 5. Februar 1865. 
Diren Brief vom 24. vorigen Monats habe ich in Malta er- 
halten ; vielen Dank für Ihre Rathschläge und ermuthigenden 
Aussichten für meine fernere Reise. Meine Sehnsucht in- 
dess, meine Geschwister nach so langer Trennung einmal 
wieder umarmen zu können, nahm so zu, dass ich es nicht 
mehr aushalten konnte, zumal mir ja bald wieder eine 



lange Abwesenheit bevorsteht. So beschloss ich denn, auf 
14 Tage nach Bremen zu gehen, und werde dann Ende die- 
ses Monats selbst bei Dmen^ vorsprechen , um über meine 
weitere Reise zu berathen. Nämlich direkt nach Tuat und 
Timbuktu zu gehen, würde in diesem Augenblick nicht 
rathsam sein, indem die mit mir gekommenen Leute von 
Ain Ssalah in Tripoli offen erklärten, dass sie mich tödten 
würden, da sie jetzt wüssten, dass ich Christ sei. Ich 
denke daher, wenn anders Ihnen der Weg gefällt, über 
Fesan und das Tebu-Land so weit wie möglich nach Süden 
vorzudringen und dann vielleicht über Timbuktu zurückzu- 
kehren. Wünschten Sie aber ausdrücklich, dass ich direkt 
nach Timbuktu gehen möchte, dann würde ich allerdings 
den Weg über rUed Irharhar bis an seine Quelle vorziehen. 
Doch über alles diess mündlich. 

Was die Höhenbestimmungen anbetrifft, so sende ich 
Ihnen nach meiner Ankunft in Bremen die Tabellen selbst; 
ich stellte täglich drei Beobachtungen an, Morgens, Nach- 
mittags 1 Uhr und Abends, dieselben dürften also nament- 
lich für die Orte, wo ich längere Zeit weilte, ein genaues 
Resultat geben. Was die Atlas-Gegend anbetrifft, so hoffe 
ich, dass eben diese barometrischen Aufzeichnungen Ihnen 
das gewünschte Resultat geben werden, denn leider war es 
mir während des ersten Theils der Reise nnmöglich, täglich 
mein Tagebuch zu führen, wie ich es später konnte, da 
meine Mittel mir nicht erlaubt hatten, ein Zelt anzuschaffen, 
und ich nicht unter den Augen der Berber schreiben durfte; 
ich konnte daher nur flüchtige Notizen machen und sie 
dann in Tafllet ausarbeiten. Ich möchte gern vor der 
grossen Hitze die Wüste erreichen, d. h. ich denke bis 
Mitte März wieder in Tripoli zu sein und von dort nach 
einem Aufenthalt von 14 Tagen, die ich zur Ausrüstung be- 
darf, ins Innere aufzubrechen. TJm mit der Ain-Ssalah-Kara- 
wane zu gehen, ist es in der That zu spät, da dieselbe nach 
Beendigung des Rhamadan wohl nicht zaudern dürfte abzu- 
reisen, wenn anders Friede ist Steht mir indess die Geld- 
summe zu Gebote, die Sie mir andeuten, dann kann ich 
eine eigene Karawane bilden und habe nicht nöthig, mich 
an die Trakasserien einer Waaren-Karawane zu binden. 



Naehtehrift, — Am 17. Februar erfreute uns Herr 
Rohlfs mit seinem Besuch in Gotha, wobei ausser seinen 
bisherigen Reisen und der Publikation seiner Aufzeichnungen 
die von ihm projektirte neue, grössere Reise ins Innere von 
Afrika Hauptgegenstand der Besprechung war. Am 23. 
reiste er von Bremen ab, um über Paris und Marseille 
nach Afrika zurückzukehren. Es ist noch ungewiss, ob 
er das Tuareg-Land, namentlich den Igharghar (den alten 
^^S^O) ^AB Gebirgsland der Hog^r und die ganz unbe- 
kannte Region von Ideles südlich und östlich nach dem 
Kowarra hin und in dessen Quellgebiet, — oder das Tebu- 
Land für seine neuen Explorationen wählt, doch ist das 
erstere das wahrscheinlichere. Wir sind überzeugt, dass er 
überall, wo ihn die Umstände einigermaassen begünstigen. 
Tüchtiges für die Wissenschaft leisten wird, und begleiten 
ihn mit dem aufrichtigen Wunsche, dass sein edles Streben 
durch den vollständigsten Erfolg belohnt werden möge. 



Petennaiui'i Oeogr. MittheUungen. 1865, Heft U. 



10 



74 



Geographische Literatur. 



JBUJttOFA« 



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Bühling, A.: Qeographisch-statistiBch- topographisches Handbuch des 
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Floker, A.: Die BeTölkemng des KSnigreichs Böhmen in ihren wich- 
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1864. 1} Thlr. 

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Hoffimann, W., und F. Th. Hoffinann: üniTersal- Lexikon der Geo- 
graphie, Statistik und Topographie sämmtlicher Deutschen Bundes- 
staaten. Königreich Hannover. A^. Leipzig, Payne, 1864. 18 Sgr. 

Jahrbuch, Statistisches der Österreichischen Monarchie für das 

Jahr 1863. Herausgegeben von der K. K. Statist. Gentral-Kommission. 
8<>. Wien, Prandel & Ewald, 1864. 2 Thlr. 12 Sgr. 

Jicinaky, W. : Das Mährisch-Schlesische Steinkohlen-ReTier bei Mah- 
risch-Ostrau. 8° mit Atlas in Fol. Wien, Gerold, 1864. 4^ Thlr. 

Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik. Herausgegeben von der 
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1 Thlr. 2 Sgr. 

Ompoiyi: Szünnapi kir&ndul(U Erd^Iy nyugoti hegyei köz6. (Ausflug 
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1864. 60 Kr. 

Reisenholfer, Rud.: Handbuch der Statistik der Österreichischen Mo- 
narchie. (In Ungarischer Sprache.) 8^ 160 SS. Klausenburg, Stein, 
1864. 1 fl. Ö. W. 

Spitzer: Gesammt- Übersicht über die Produktion, Konsumtion und 
Girkulation der Mineralkohle als Erläuterung zur Kohlenrevier-Karte 
des Kaiserstaats Österreich nach authentischen Quellen. 8<), 105 SS. 
mit 1 Karte. Wien, Prandel & Ewald, 1864. 1 fl. 

St^pan, J. L.: Geographie des Königreichs Ungarn, Grossfürstenthums 
Siebenbürgen, der Königreiche Kroatien, SlaTonien und Dalmatien. 
(In SloTakischer Sprache.) 8^ 138 SS. Pest, Lauffer, 1864. 80 Kr. 

V. Deohen: Geognostische Karte Ton Rheinland und Westphalen. 
1:80.000. Sektion Perl und Sektion Wetzlar. Berlin, Schropp, 1866. 

k 1 Thlr. 

Engelhardt, F. B. : Karte der Provinz Preussen. Lith. Berlin, Schropp, 
1864. i Thlr. 

Franicfurt a. IM., Topographische Karte der Umgegend von , 

vom Grossherzogl. Hessischen General-Quartiermeisterstab. 1 : 25.000. 
Sekt. 4: Neu-Isenburg. Frankfurt, Jaeger, 1865. J Thlr. 

Liebenow, W. : Spezialkarte vom nordwestlichen Deutschland. 1 : 300.000. 
Bl. IV. Lith. Hannover, Gppermann, 1864. | Thlr. 

Mittelrheinischer Geol. Verein: Geologische Spezialkarte des Gross- 
herzogthums Hessen und der angrenzenden Landesgebiete. 1 : 50.000. 
Sekt. Darmstadt, geologisch bearbeitet von R. Ludwig. Chromolith. 
Mit Text in 8°. Darmstadt, Jonghaus, 1864. 2} Thlr. 

V. Stfilin und Bach: Die Herrschaftsgebiete des jetzigen Königreichs 
Württemberg nach dem Staüd von 1801. Herausgegeben von dem 
K. Statistisch-Topographischen Bureau. 4 BI. 1 : 200.000. Lith. Stutt- 
gart 1864. 

Steyer, F. A. C.: Postkarte des Kgl. Sächsischen Postbezirks, umfas- 
send das Königreich Sachsen und das Hersogthum Sachsen- Altenburg. 
2 Bl. 1:309.208. Dresden, DieUe, 1864. l| Thlr. 

Schinreiz. 

Progettl per la ferrovia di varchi della Spluga e del Septimer, stu- 
diati a cura della Society Vanotti e Finardi. Milano 1864. 

FOr den Plun , die Ober-Itmlieolsohen Eisenbahnen durch die Sehwele mit 
Deutschland in unmittelbare Verbindung zu briD^en, iat eine GeseUBchaft Va> 
notti and Finardi ausammeng«treten und hat Studien Über die Päaae des SpIO- 
fcen und Septimer machen lasnen , w&hrend Andere fQr eine Benutzung des 
Lnkmanier oder Gotthardt thütig sind. Die Abgeordneten der Provinz Malland 
haben nun diese Angelegenheit besonders betrieben und in einem sehr kostspie- 
ligen Atlas die betreffenden Vorarbeiten herausgegeben, um das Gutachten der 



SaebventXadigvn sowohl ala Aller, welche dabei betiiefUgt slad, zu veroehaiM, 
ob der Uebergang über die Alpen über den 8plflgea oder über den Septimer 
Tonusiehen Ist. (G»h«lmr>tft NHgtöuur.) 

Dänemark, Schweden und Korwegen. 



Dalarne, Beskrlfning ofver provinsen 



m. Vester-Dalarnet 



f5gderi. 1. Floda socken, 8^, 42 pp.; 2. NAs socken, 8^, 64 pp. 
Falun, Schmidt, 1864. 1} Bdr. 

Edlund, £.: Meteorologiska iakttagelser i Sverige. 4. Bd. 1862. 4^ 
168 pp. Stockholm, Korstedt, 1864. 5 Rdr. 

8teti8tik, Bidrag tiU Sveriges officiela - . A. Befolkoings-statistik. 

Ny följd. II. 2. Statistiska central-byrf^na underdaniga berättelse för 
ären 1856 med 1860. Afd. 2, innehällande folkraSngden den 31 de- 
cember 1860 inom sarskilda administrativa omraden, samt efter hos- 
hill eller matlag, k5n och civilstAnd, jemte vigde par, leh-ande födde 
och aflidne, 1856—1860, forsamlingsvis. 4®, 224 pp. Stockholm, Nor- 
stedt, 1864. 

Erdmann, A.: Sveriges geologiska undersdkning. 1:50.000. BL 9: Ssf- 
staholm, 10: Ängsö, 11: Köping, 12: Hellefors, 13: Lindhohn. Mit 
Text. Stockholm, Norstedt, 1864. ^ 2 Rdr. 

Qpäf, A. : Das Königreich Dänemark, die Herzogthämer Schleswig-Hol- 
stein und Lauenburg nebst den Europäisch-Däniachen Kolonien und 
den FSr-Öer. Kpfirst. Weimar, Geogr. Institut, 1865. ^ Thlr. 

Topograflaka Corpsens Karta dfver Sverige. 1:100.000. Blatt 19: 
Tstad. Stociüiolm, Bonnier, 1864. 51 Bdr. 

Niederlande und Belgien. 

Belgien's Handel und Schifffahrt im Jahre 1863. (Moniteur Beige, 
Nr. 303; Preuss. Handels-Archiv, 25. Novbr. 1864, SS. 605—509.) 

Clement, Gh.: Apercu gön^ral de la Constitution göologique et de la 
richesse minerale du Luxembourg. 8^, 156 pp. mit 7 Tafeln. Arlon 
1864. 2 TMr. 

Querapd, La Belgique ancienne et moderne. Le Brabant. 12®. Brüssel, 
Muquardt, 1864. J Thhr., Ausg. in 8« 1^ Thlr. 

Lijat van Nederlandsche plaatsnamen, naar de nieuwera regelen gespeld. 

üitgegeven door de Kon. Akademie van Wetenschappen. 8°, 118 pp. 

Amsterdam, van der Post, 1864. 90 c. 

Karten« 

'8 Gravenhage, Nieuwe kaart van 



Opgedragen aan den £del 
Achtbaren Raad dier Gemeente. Fol. Lith. 's Gravenhaee, Spanier, 
1864. 5 fl. 

Soheveningen, Nieuwe kaart van . Opgedragen «an den Edel 

Achtbaren Raad dier Gemeente. Fol. Lith. 's Graveuhage, Spanier, 
1864. 5 fl. 

Smuldert, J.: Nieuwe kaart van het koningrijk der Nederlanden op de 
schaal van 1:200.000 vervaardigd naar de groote Topograph, kaart 
van het Ministerie van Oorlog, onder toeaigt van £. OUvier Dz. ea 
P. H. Witkamp. 6 Bl. Lith. Amsterdam, Brinkman, 1864. 

81 fl., kolorirt 94 fl. 

GroBS-Britannien und Irland. 

Andree, Dr. R.: Von Oban nach Staffa und Jona. (Globus, 7. Bd., 

8. Lfg., SS. 77—81.) 
Handelsverhiltniaae Gross-Britanniens in 1863. (Times, Nr. 24.952 ; 

Preuss. Handels- Archiv, 18. November 1864, SS. 499 — 503.) 

Frankreich. 

Des Moulina, Ch.: Le bassin hydrographique du Couzeau dans ses 
rapports avec la vallee de la Dordogne, la question diluviale et les 
süex ouvrÄs. 8°, 180 pp. et planche. Bordeaux, Goderc, 1864. (Ex- 
trait des Actes de la Soci6t4 Linn^enne de Bordeaux, S* aArie, t. 25, 
2* livraison, octobre 1864.) 

Giraud, Abbe M. : Recherches relatives h la gSographie et aux antiqui- 
t^s, ou dictionnaire topographique et r^pertoire arch^ologique du 
canton de Beausset, avec un appendice sur Bandol. 8^, 166 pp. 
Toulon, impr. Aurel, 1864. 

Qodron, D.-A.: Une visite g4ologique et botaniqne au lae de Fondro* 
meyx (Vosges). 8°, 10 pp. (Extrait des M^moires de l'Acad^mie de 
Stanislas). Nancy, impr. V* Raybois, 1864. 



läterator. 



75 



^Hyot, I>r..J.: Svr U Titicultare du nord-est de la Fnnee. Rapport 
k S. £xc. M. Armand B6hic, miniatre da ragricuUnre eto. 8®, 292 pp. 
Paria, impr. impMale, 1864. 

Lacaq, U. : Lea eanx nimirales du maaaif oentral d« la France conei- 
dirtea dana leura rapporta aTeo la ehimie et la g^logie. 8®. Paris 1864. 
Ustenraetannfeen ▼on 512 MineralqueUen in der Aovericne. 

Millet de La Turtaudi^re, P.-A.: Indicateur de Maine-et-Loire, on 
indication par communee de ce que chacune d'elles renferme, sous 
lea rapporta de la g^ographie, des productions naturelles, des monu- 
moBta Matoriques, de Tindustrie et du commerce. Tome I. 8", 774 pp. 
mit 86 Tafeln. Angers, Coanier, 1864. 

Pascal, L.: £tude g^ologique du Yelaf. 18°, 444 pp. mit 1 Karte. 
Paria, Lacroix, 1864. ä fr. 

Roaaignoli E.-A.: Monographies communales, on Etüde statiatique, 

hiatorique et monumentale du d^partement du Tarn. 1** partie. Arron- 

disaement de Qaillac. T. 2. 8^ 390 pp. Toulouse, Delboy, 1864. 7^ fr. 

Dle«e If onofpmphia Ober da« ArrondiRMment Gaillae wird 4 B£nd« urnfMien, 

deren jeder mit BobcachDitten, Litbogrmpbien and einer Cantons-Karte Ulostrirt lit 

Karten. 

Bannet, Ed.: Carte routitoe et agronomique du d^p* des Bouches-du- 

Rhdno, dresche aux frais du d^partement. Paris, impr. Lemercier, 1864. 
La Bniyere, de: Atlas et g^ograpbie de la France. 8^, 112 pp. et 

92 cartea. Paris, Vert, 1864. 6 fr. 

Montagnes fran^aises. Carte topographique de la chaine des pays 

d'AuTergne. Paris, impr. Simon Ra^on, 1864. 
Voagee, Carte topographique des hautes . ReKef du sol figur4 

par des cdtea d'altitude et des teintes sur les pentes. 6 Bl. Paris, 

impr. Simon-Ra^on, 1864. 

Spanien und Portugal. 

Ettadiatica general del comercio esterior de Espana con sus posesiones 
de Ultramar j potencias estranjeras en 1862. Formada por la direc- 
don general de aduanas. Fol. 640 pp. Madrid 1864. 

Schnitze, Dr. R.: Ben sogenannte Leste auf Madeira. (Das Aus- 
land 1864, Nr. 53, SS. 1257—1260.) 

Aoalübrllcbefl Aber den troekenen nnd helsaen, am Afrika nach Madeira 
blnUber webenden Ostwind. 

Willkomm, M. : Der Felsenpass Despena perros in der Sierra Morena. 
(Globus, 7. Bd., 6. Lfg., SS. 184-187.) 



Maueliecorwe, O.: Carte des chemins de fer de l'Espagne et du Por- 
tugal. Brüssel, ran der Maelen, 1864. 1) Thir. 

ItaUen. 

Cocchi, GaT. Igino: Sulla geologia dell' Italia centrale. Bstratto di 
aleune lezioni orali date nel maggio 1864. S^. Firense, tip. Mariani, 
1864. 3 Hre. 

Gotta, O. R.: Cenni statistici sul eircondario di Monia. Monsa, tip. 
Corbetta, 1864. 

Elba und seine Bisenerze. (Daa Aualand 1864, Nr. 52, 88.1234—1237.) 
Ana 6er Re^ne des deux Mondes. 

Qiordano, F.: Industria del ferro in Italia. 4^ 437 pp. mit 7 Karten 
und Planen. Torino, Cotta, 1864. 

Nachdem schon die frOhere Neapolitanische Regierung ▼ersncht hatte . sieh 
Ton der Kngliscben Elsen-Tnduatrie unabhSngig zu maeben, und an diesem 
Zweck die grosse Maschinenbau-Anstalt in Portid angelegt worden war , hat 
daa Italienische Marine-Ministerium eine Kommission ernannt, um den Umfling 
der Eisen-Indnstrie in Italien zu ermitteln. Die Ermittelungen dieser Komrois- 
«Ion sind nunmebr von dem Ingenieur CHordano in dem Torliegenden Werke 
der Oelfentlichkeit flbergeben worden. Hiernach ist die £isen>Prodnktlon in 
ItoUeo wirklich aoaserordentUch , woTon man Übrigens nicht Qberrascbt ist, 
wenn man dort die ungeheuere Verschwendnng an eisernen Gittern und Balko- 
nen an fast allen Häusern za bemerken Gelegenbeit gehabt bat Ueber die 
Tcrsehiedenen Regiere der Eisen-Industrle sind sehr zweckmJIssige Karten bei- 
tengt aaf denen ae Berg- nnd Hüttenwerke genau bezeicbnet sind. ZavSr^ 
den! erscheinen die Aosllufer der Alpen nsch der Lombardei , sodann das 
Tlkal von AosU im Piemontesischen, dann die Toskanischen Maremmen mit der 
Insel Elba, endlich der swlseben Plzzo nnd dem Oolf Ton Sqnlllaoe gelegene 
Tb«n Ton Calabrien. (Qeheimrath Neige^ur.) 

Longhi, A.: Qeografia dell* Italia antica e geografia fidca delle regioni 
franeeai, germaniche e greche. 16^. Hüano, Brigola, 1864. 60 o. 

Regno (II) d'Italia. Descrisione di tutte le prorinde comprese e delle 
altre cbe dorrebbero fame parte, corredata d'una earta geograflca. 
HQsno, Ouigoni, 1864. H Ure. 

Statittica del Regno d'ItaUa, popolaaione, moTtmento dello stato oiTÜe 
neu' anno 1862, pubbUcata per cura del Ministero di Agricoltura ecc. 
4°, 260 pp. Firense, Tofani, 1864. 



Ksurteix. 
Atlanta geografieo d'Italia, 13 BL Milano, Pagnoni, 1864. 3 lire. 

Hauohecorne, G.: Carte des chemina de fer d'Italie et de la Suiase. 

Brttssel, Tan der Maelen, 1864. 1} ThIr. 

Italia, Nuova carta esatta d' — (18ß4) con tutte le strade ferrate. 

Milano, PoUtti, 1864. 1} lire. 

Ragno d'Italia, Kuora carta del . Fol. Milano, Sonsogno,1864. 60c. 

Sardln. Qeneralstab: Carta degli Stati di 8. M. Sarda in terraferma, 

1:50.000. Bl. 45: Cirie, 68: Chieri, 80: Pogetto Theniers. Turin, 

Loescber, 1864. k Bl. ) Tblr. 

Griechenland« Türkiaohes Reich in Europa und Asien« 

Aptera auf Creta. (Zeitschrift f&r Allgem. Erdkunde, Juli und Au- 
gust 1864, 8. 149.) 

Carl Wescber, welcher tod der Fransödsehen Regierung mit einer wiasea- 
scfaafUiehen Untersuebnng Creta's betreut worden war, berichtet in der wRevne 
arehdologique" (Jnli 1864). dass seine Ausgrabungen die Lage der alten Stadt 
Aptera an der Stelle des iientigen PalKokastro ▼ollkommen ausser Zweifel ge- 
stellt babrn. 

Baumelster, Dr. Aug.: Topographische Skizze der Insel Euboia. 4®, 
74 88. mit 2 lithogr. Tafeln. Programm des Katharineums in Lttbeck. 
Lftbeck 1864. | Thlr. 

Fttr die alte Oeograpbie beaehtenswerth. Der Verfluser hielt sieb 1854 lun- 
gere Zelt auf der Insel anf. 

Beke, Mrs.: Jacob's Flight, or a pilgrimage to Haran and thence in 
the Patriarch's footsteps into the Promised Land. With an intro- 
duction and a map by Dr. Beke. 8^ London, Longman, 1864. 

Bulgarien, Zur Ethnographie ron — . (Das Ausland 1864, Nr. 43, 

88. 1027—1029.) 

Aus ▼. Hahn's nReise tou Belgrad nach Salonik**. 

Coalantinl, Capit. C. : Manuale pratico-costiere per la narigasione dell' 
Arcipelago dal Capo 8. Angelo al mare £geo con le adiacenti isole 
Sporadi e Cicladi ecc. 8", 213 pp. Triest, Coen, 1864. 1 Thlr. 

Cotta, B. T.: Erzlagerstätten im Banat und in Serbien. 8^, 108 88. 
mit 1 geol. Karte. Wien, Braumttller,*n864. 1} Thlr. 

Cjpern, Die Erzeugnisse der Insel . (Das Ausland 1864, Nr. 43, 

SS. 1022—1025.) 

QedrSngte, reiehbaltlge Znsammenstellnng. 

Dalloz, Ed.: La production min^rale en Turquie. (Le Moniteur uni- 
versel, 20. September 1864.) 

Zttsammenstellnng der Fundorte nutzbarer Mineralien im Türklseben Reich 
nebst statistlseben Angaben Hber die Qewinnung und Bemerkungen Aber das 
Hüttenwesen n. s. w. 

Dafyell, R. A. 0.: Earthquake of Erserum, June 1859. (Journale of 
the R. Geogr. Society of London, Yol. XXXIII, 1863, pp. 234—237.) 
Berichtet nur über die Wirkungen , den angerichteten Sehaden u. s. w., so 
wie Über einige frOhere Erdbeben in dortiger Qegend, ohne nühere Unter- 
suchungen. 

Danton, W.*. Serbien und die Serben. Nach anderen Quellen und ei- 
genen Erfahrungen frei bearbeitet ron D. ▼. Colin. 8°, 328 SS. mit 
1 Karte. Berlin, Wiegandt k Grieben, 1864. 1} Thlr. 

Qabryel, L.: Danu\>e, Nil et Jourdain, souvenirs et impreasions de 
Toyage. 2 toIs. 18", 446 pp. Paris, Dentu, 1864. 

KanitZ, F.: Der Pass Ton Belgraidschik in Bulgarien. ICit Abbildung. 
(Leipziger Illustrirte Ztg. 17. September 1864, SS. 198 und 199.) 

Krookow, C. Graf: Ein Besuch bei Eya's Grab. (Das Ausland 1864, 
Nr. 48, SS. 1148—1160.) 

Diese Beschreibung des sogenannten Eva^Orabea bei DJedda Ist, so ▼iel uns 
bekannt, der erste Bericht, den Graf Krodcow Ober seine Reise nach Nordost- 
Afrika Teröffentllcht hat 

Marquessao, de: Benseignements sur les ports de Yniada et de Midia, 
mer Noire. (Annales hydrographiques, 1*' trimestre 1864.) 

Mills, Rer. J.: Three months' reaidence at Nablus and an aecount of 
the modern Samaritans. 8^ 347 pp. London, Murray, 1864. 104 s. 

PeiTOt, G.: Memoire sur l'Ue de Thasos. 8^, 107 pp. et 4 pl. Paris. 
(Extrait des Archires des missions scientifiques et litt^raires, t. 1, 
2- s4rie.) 

Peters , Prof. K. : Vorläufiger Bericht Über eine geologische Unter- ' 
Buchung der Dobrudacha. 8^ 29 SS. Wien, Gerold, 1864. 4 Sgr. 

Fressens!^, E. de : Le pays de rJ^rangile, notes d'un Toyage en Orient. 
18^ 339 pp. mit 1 Karte. Paria, Meyrueis, 1864. 3 fr. 

Rosen , G. : Das Palästinensische Felsengrab und seine Bedeutung ftlr 
die fonnelle Ausbildung der christUchen Kirche. (Zeitschrift für All- 
gemeine Erdkunde, September 1864, SS*. 161 — 182.) 

Untersuehongen Aber die Bestattungswelse der alten Joden und die Ansbll* 
dnng der FelsenffrKber sn Kirchenkrypten nnd Kstakomben, mit Bemerkniiffen 
Über die Jfidisch-christfieben Yorstellnngen , welche aieb an die Grabstlttea 
knOpfen, und mit Erörterungen Ober das RStbsel des Ursprungs der Marien- 
Gkabklrehe, der Krjrpte der St. Jobaanls-Klrehe von Sebaste und der Krena- 
aalBndangs-Kapelle in der heiUgen Grabeskirohe. 

lO» 



76 



Literatur. 



Roten, G.: Zur Geographie Paliatina'i. Mit 1 Karte. (Zeitschrift Ar 
Allgemeine Erdkunde, September 1864, SS. 218^231.) 

Ein KIrtehen der OvbirRicegtDd nflrdlioh von Hebron (HochthiUw der Wadia 
Belt Qibtin nnd SOr) fm Musutab von 1 : 800.00(S die Konsal Roson Im J. 18S6 
anf mefareron, im Text bM«hriebenen Anaflflff^n mit dem Kompase in der Hand 
rekognoadrte , nnd einer Route von Jaffa nach Hebron, die er im J. 1869 be> 
relat hat. Den Schliias dee Aufsatsea bilden krltiaohe Bemerlcnngen Ober die 
▼an de Velde'ache nnd die Kiepert'eehe Karte (von 1867). 

Sohmidt, J. F. Jul.*. Beiträge snr physikalischen Geographie von 
Griechenland. 2. Bd. (Publicationa de TObservatoire d' Äthanes, 2* b6- 
rie, T. U.) 4^ 228 SS. Athen, Wüberg, 1864., 4 Thlr. 

Meteoroloffitcbe Beobaobtangen and HOhenmeeaungen machen den Inhalt 
dieeea Bandes ans, und xwar sind von ^rateren die In den Jahren 1860 und 
1861 aa Athen angestellten ausführlich raitgetheüt. Mit dem Jahre 1859 liegt 
demnadi schon eine vollttilndlge dre^Sbrlge Reihe vor. Die Jahresmittel des 
auf 0* redacirten Barometerstandes waren In Athen bei 39^ Toisen Seehöbe 
im J. 1869 = 834,09, ink J. 1860 rr 835,os, Im J. 186l=:S34,sa Pariser Linien. 
Die darehsehnittUcbe Jahrestemperatur betrag 1858= 17,6e*, im J. 1860 = 19,09*, 
Im J. 1861 = 18,«i* G., Im Mittel alao 18.4S* a oder 14,74* R. Die üoesersten 
Maxima und Minima der Tempwatnr waren im Jahre 1869 + 36* und — 4*, im 
Jahre 1860 = -f 40,i* nnd — «,*•, im J. 1861 = -»- 40,6* und — 1,T* O, der 
höchste beobachtete Wirmegrad also 40,6* O, oder 38,6* R. Die nördlichen 
Winde sind vorherrschend und fast co Jeder Zeit, namentlich aber Im Sommer, 
sehr gewaltsam; Ost* und BOdost-Wind sind sehr selten, die Ubriieen von mltt* 
lerer HfinfigkeiL Wie heiter der Himmel Griechenlands ist, beweist die Beob- 
achtung, daas 1860 and 1861 nur Je 38 Tage vorwiegend wolkig waren, dass In 
dem erstgenannten Jahre an 6 Tagen, in dem letateren nur an 1 Tag die 
Sonne gar nicht com Vorschein kam. Die grösste Zahl der heiteren Tage 
gleichen den vollkommensten und schönsten Sommertagen, wie sie Im mittleren 
ISaropa nur selten vorkommen. Gewitter sind selten. Die Regenmenge betrag 
1860 = 173,94 Pariner Linien oder 1' 2" &,S4"', Im Jahre 1861 = 189,('" oder 
10* 9,9'"; stärkere RegenfXUe traten In ersterem Jahre nur 12, in letJEterem 
nur 11 ein. Die mittlere Feuchtigkeit der Luft Morgens nnd Abends Ist in 
Athen so gering wie im mittleren und nördlichen Europa das Minimum der 
Fenchtigkelt MItUgs Im Sommer; das Jahresmittel stellt sich fUr 1860 auf 62^. 
für 1861 auf 64,8 Proaent. Sehr selten selbst bei dem heftigsten Regen und 
Than findet man 100 Prozent, wogegen die Trockenheit cur Zelt der gröesten 
Dürre, wenn die Etesien wehen, bis 10 Proaent herabgeht. Der höchste Werth 
für den jiUirlfchen Thaufall ist nur auf 1,9 bis 2'" au sch&tsen , d. L etwa '/•• 
oder Vm der J&hrllchen Regenmenge oder '/mm bis '/im des JKbrllch Im Freien 
verdunstenden Wassers. — Den meteorologischen Beobachtungen schllesst sloh 
eine lange Reihe von Temperatar-Bestimmungen des Meeres , stehender, fUes* 
aender and Quellwasser an, sowohl In Attika wie In Böotlen, auf dem Isthmas, 
dem Peloponnes und den Inseln; sie sind cum Theil von Dr. KrUper an- 
gestellt. Ferner finden wir ausfOhrllche Untersuchungen Aber die Seehöhe des 
BarometergefSsses In der Sternwarte au Athen, welche nicht 67,9 Toisen be- 
tragt, wie firtlber angenommen wurde, sondern 64,99 Toisen, so daas alle im 
Bericht für 1869 gedruckten Seeböhen von S. 69 bis S. 103 um 8,TS Toisen 
oder 16,7 Pariser Fuss au verkleinern sind. Endlich enthKlt der Band wieder 
eine betrftchtlldie Anzahl von Höbenmessungen in Athen und Umgegend, In 
Attika, Böotlen, Euböa, auf Aegina, dem Isthmus von Korinth, im Peloponnes, 
auf Zakynthos und Kephalonia. 

Serbien, BeTölkemngs-Statistik von . (Zeitschrift fUr Allgem. 

Erdkunde, September 1864, SS. 284 und 236.) 

Der im Jahre 1863 zu Belgrad In Serbiacher Sprache erschienenen amtlichen 
Statistik entnommen. Die letzte VoIksaiOilung fand Im J. 1869 Statt Hiemach 
beateht die Bevölkerung aus 936.088 Serben, 122.893 RumXnen, 16.000 ZIgen- 
nem, 300 Jaden, 400 Fremden verschiedener Nationen, zusammen 1.078.981 See- 
len. Die Bevölkerung derStfidte und Flecken beträgt: Belgrad 18.860, Posch», 
rewats 6309, Schabata 4366. Jagodlna 4009, Kragi^evatz 8964, Svllajnate 3847, 
Smederewo 8680, Njegotin 8883, Paratjin 3263» Alekslnate 3016, ZalUchar 8864, 
Kruschevatz 8667, Ki^aievatz 8388, Gradisch^e 8176, Caprija 8116, UschltzaSOO, 
Waljewo 1866, Losnitza 1608, Tschatschak 1626, Karanovac 1609, Rladowa 1369, 
Unter-MIIanovatz 1196, Palanka 1887, Banja 1178, I^eschnitza 862, Ivanltza736, 
Batotschina 782, Ra£a 687, Üb 641, Ober-Mllanovata 639, Ohrenovatc 669, Mal- 
danpek 668, Raian 629, Terstenik 482, KrapanJ 486, Poschega 416, Mitrovita 184. 



Smyrna, Eine Konsular- Reise durch das General-GouTernement . 

(Globus, 6. Bd., 7. Lfg. SS. 207 — 210; 8. Lfg. SS. 248 — 246; 
9. Lfg. SS. 273—277; 11. Lfg. SS. 342—347.) 
Launige Beachreibnng eines Ausflugs von Smyrna nach Aidin, das MXander- 
Thal aufwfirts nach den Ruinen von Aphrodlsias (Gelra), Aber den Baba-Dag 
nach DenIsIU, den Rainen von Laodicea und Hierapolis (TUrkisoh Pambuc Ka> 
leasi, Juruklsch Tarouk), wo die wunderbaren Tropfoteinbildungen besonders 
das Interesse der Reisenden erregten, and Aber Alaschehr und Sardes zarttck. 
Wahrscheinlich von dem Preusaischen Konsal za Smyrna, Freiherrn von BQlow. 

Tchihatchef, P. de: Le Bosphore et Constantinople ayec perspectires 
des pays limitrophes. 8^, 600 pp., 2 cartes et 9 pl. Paris, Mor- 
gand, 1864. 15 fr. 

Unger, Dr. F., und Dr. Th. Kotschy: Die Insel Cypem, ihrer physi- 
schen und organischen Natur nach mit Bttcksicht auf ihre frühere 
Geschichte geschildert. 8«, 610 SS. mit 1 geol. Karte. Wien, Brau- 
müUer, 1864. 4{ Thlr. 

Walker, Mary A. : Through Macedonia to the Alhanian lakes. 8°. Lon- 
don, Ghapman, 1864. 20 s. 
Karten. 

Qrif, A.: Die Europäische Türkei mit den Sohutzstaaten. Kpfrst. 

Weimar, Geogr. Institut, 1865. ^ Thlr. 

Riesa, B.: Die Lander der Heiligen Schrift. Historisch-geographischer 

Bibel-Atlas. 7 Karten. Lith. FoL Freiburg im Br., Herder, 1864. 

In Mappe } Thlr. 



Syria, Coast of . Sheet 2: Markhab to Ras en*Nak^ surv.by 

Comm' ManseU, 1860. Correetiona to April 1864. London, Hydrogr. 

Office, 1864. (Nr. 2633.) 8 t. 

Zente Bay, lonian Islands, surr, by F. W. Jarrad under the direetioa 

of Comm' Mansell, 1863. 1:6.625. London, Hydrogr. Office, 1864. 

(Nr. 1762.) 11 8. 

BuBsisohes Reich in Europa und Aeien. 

Berg^, Ad. : Voyage en Mingr61ie ez6cut4 en 1862. 8^ 51 pp. (Kxtrait 
de U ReTue deTOrient, de TAlg^rie et des colonies, jnület—aoüt 1864.) 
Paris, Duprat, 1864. 

Lanoye, F. de: La Sib^rie d'apris les Toyageurs les plus r^cents. 8^. 
Paris, Haehette, 1865. 16 8gr. 

Maek: Der Stamm der Mangu am unteren Amur. (Das Ausland 1864, 
Nr. 48, SS. 1141—1142.) 

Aus Maak's Rnsslscbem Werk über das Amur-Gkbiet 

Perrey, AL: Documenta sur les tremblements de terre et lesph^nome- 
nes Tolcaniques dans Tarchipel des Kouriles et au Kamtschatka. 8^, 
166 pp. (Extrait des Annales de la Soc. imp^r. d'agriculture ete. 
de Lyon, 1863). Lyon, impr. Barret, 1864. 

Rupreoht, F. J. : Barometrische Hohenbestimmungen im Caucasus, aus- 
geführt in den Jahren 1860 und 1861 für pflanzengeographisehe 
Zwecke, nebst Betrachtungen über die obere Grenze der Koltor- 
pflanzen. (M^moires de TAcad^mie imper. des sciences de St.-P^t«r8- 
bourg, 7* Serie, T. VU, Nr. 1.) 4», 132 SS. St. Petersburg 1863. 

IJ Thlr. 
Auf seinen botanischen Reisen Im Kankaans In den Jahren 1860 und 1861 
bat der berühmte Akademiker Ruprecht an 468 Punkten barometrijtche Höhen- 
beatimmungen ausfl^eftthrt , die einen um so werthvoileren Beitrag aar Hypso- 
metrie Jenes Qeblrfi^landes bilden, als sie zum bei weitem grösaten Theil vorher 
nicht Kemesaene Punkte betreffen und mit grosser Sorgfalt angestellt und be- 
rechnet wurden. Die Reisen erstreckten sich anf die Umgegend von TifUs, 
Kacbetlen, Tuaehetien, den DagesUn, Pschawien, Chewsnrien, die Grusinische 
MUltSrstrasse awlachen Tifll« und Wladlkawkas, Ossetlen, die Radscba, Imere- 
tien und den Weg von Kutais über das AcbaUittche Gebirge nach Abbas-tuman. 
Ruprecht theilt nach den Vorbemerkungen Bber die Genauigkeit barometri- 
scher Höhenbestimmangen, die Fehlerquellen^ E^rechnnngtimeChoden, die In- 
strumente und ihren Transport die Elemente seiner Beobachtungen zugleich 
mit den berechneten Resultaten mit, wodurch seine Abhandlung einen bedeu- 
tenden Umfang bekommen hat, aber auch für die Benutzung den vollstXndig- 
sten Aufschluss giebt Als erste Beilage finden wir sodann eine mUhsams 
Zusammenstellung aller bekannt gewordenen Htthenbesdmmungen aufderPosl- 
strasae awlachen Wladikawkaa und Tiflls, wobei sich die Parrot*schen HShen- 
aablen (1811) durchschnittlich um 68, die Heyer*achen (18Sd) am 15 Toisen so 
niedrig herausstellen. Die Hübe des meteorologischen Observatoriums am 
Awlabar an TIfUs, welche den Berechnungen der Ruprechfschen Messungen 
SU Grande liegt, wurde aa 1500 Engl. F. oder 88i,e Toisen angenommen, aber 
nach des Verlhssers Reohnang auf 8. 119 wilre diese Zahl um 5,M Toisen zu 
gross, nnd da sich die allermeisten barometrischen Höhenbeatimmnngen im 
Kaukasus anf dieses Observatorium beziehen, ao ist eine erneute sorgfSltlge 
Ermittelung seiner absoluten Höhe ein dringendes Desideratum. In der zwei- 
ten Beilage, welche von den mittleren Jahres-BarometentXnden zu Tiflis, Baku, 
« Lenkoran, Redut Kaie und Alaglr handelt, wird unter Anderem eine UebersleM 
der bis jetzt fUr die Depression des Kaspischen Meeres erhaltenen Werthe 
gegeben. Die H5he des Alagir-Obaervatoriums (in 4S* &5' N. Br. am Ardon in 
Osselien) Ut zu SOeo Engt F. oder SS2,16 Toisen in Reohnang genommen. Im 
Kaokaslschen Kalender fttr 1868 aber iat diese Zahl In Folge einer trigono- 
metrisch-geodätischen Operation aaf 8040 F. oder 819 Toisen herabgesetzt. Die 
dritte Beilage entblUt eine Vergleichung der Ruprecht'schen Höbenbestimman- 
gen mit fremden, die vierte eine Tabelle der wichtigeren vorher unbestimmten 
Höhenpunkte aus dem vorausgegangenen grossen Verzeichnisse nnd als Anhang 
Bind noch die Beobachtungen Über die oberen Grenzen des Getreidebaues und 
einiger anderer Kulturen im Kaukasus beigefügt, ein nicht anbedeutendes 
Material wenigstens für den östlichen Theil des Gebirges. 

Sohmidl, A. y.: Einige Notisen über die Insel Hunö. 8^ Dorpat, Gla- 
ser, 1864. 8 Sgr. 

Schwarz, L.: Ausführlicher Bericht über die Resultate der Untersu- 
chungen, welche die mathematische Abtheilung der Sibirischen Expe- 
dition der KaiserL Russ. Geogr. Gesellschaft ausgeführt hat. A\ 
400 SS. mit 1 Karte. St. Petersburg 1864. (In Russischer Sprache.) 

4 Thlr. 12 Sgr. 

Siehe S. 408 des Jahrganges 1964. 

Schweizer, G.: Untersuchungen über die in der Nähe Ton Moskau 

Statt findende Lokal - Attraktion. Dritte Mittheilung. Mit 1 Karte. 

(Bulletin de la Soc. imp4r. des Naturalistes de Moscou, 1864, Nr. I, 

pp. 96-171.) 

FortgeseUte MlttheUungen über das interessante PhÜnomen, apeziell fiber 
die Untersuchungen in den Jahren 1862 und 1868, mit einer die Vertbeilimg 
nnd Stürke der magnetischen Lokal-Attraktlon bei Moskau anacbauJIch ma- 
chenden Uebersichtakarte. 
Struve, H.: Kurser Bericht über eine Reise auf dem Ladoga-See. 
(Bulletin de l'Acadimie imp6r. des sciences de St.-P4ter8bourg, 
T. Vn, Nr. 6, pp. 610— ölö.) 

Untersuchung einiger Wasserproben ans der Tiefe des I/adoga-Se«*s, die be- 
weisen, daas zwischen ihm und dem artesischen Bronnen in Petersburg kein 
Zusammenhang ezlHtlrt. 



Literstur. 



77 



C: Kurte tob Kurland. Revid. Ausgabe. 6 Bl. Ijth. 
MiUn, Beyher, 1864. 5 Thlr., auf Leinwand 6 Thlr. 

Schwarz , Ludw. : Karte der Fluesgebiete des Amur , der südlichen 
Lena und Jenissei und der Insel Sachalin, susammen^esteUt nach den 
Arbeiten der Sibirischen Expedition der Kais. Buss. Geogr. Gesell- 
schaft. 7 BI. 1: 1.680.000. Lith. St. Petersburg 1864. (in Russischer 
Sprache.) 7 Rubel (10 Thlr. 8 Sgr.). 

Siebe »Geop-. Mitth.'* 1864, 88. 410, 471 und Tafel 14. 

ASIEN. 

Benooulen, Gfsements houillers de - — , cöte occidentale de Sumatra. 
(Rerue maritime et coloniale, Koyember 1864, pp. 559 — 564.) 

Nach den hier resumlrten oflirlellen Berichten bilden die in den Jahren 18S8 
bis 18€0 entdeckten Kohlenlager eine Reihe von Htti^eln, 95 bis 40 Kilometer 
▼on BenlKiilen an dem «lelebnamigen Fluae gelegen und ein Areal von 4780 Me< 
ter L£nire und 8740 MHer Breite einnehmend. Man berechnet die daselbst 
aofgespeicbene Masse der Kohlen auf 200 Millionen Kublk-Meter. Bis jetst 
ist die Aoabeute wegen mangelnder ArbeitakrÜfte and Transportmittel noch 
sieht in Angriff genommen worden. 

Etosyrao de Lauture, Comte d': MAmoires sur la Chine. Gouveme- 
ment 4^, 81 pp. — Goutumes. 4^, 95 pp. Paris, libr. du Magasin 
pittoresque, 1864. 

Goldtmid, Major F. J. : Diary of proceedings of the mission into 
Mckran for poUtical and survey purposes, £rom the 12"* to the 
19"* December 1861. Mit 1 Karte. (Journal of the R. Geogr. So- 
ciety of London, Vol. XXXIU, 1863, pp. 181—218.) 

Das ausführliche Tagebuch mit wisHenschaftliehen Anli&ngen über dfe frtther 
hl den nProceedinK»" der Londoner Oeogr. Oeselliichaft nur kurs erwähnte 
Belse von Knrratschi I&ngs der KÜJite nach Gwadnr. Karte und Text sind für 
die Geographie dieser KUstenstrecke von grossem Wnrth. 

Grant, C. M.: Joumey firom Pekin to St. Petersburg, across the de- 
sert of Gobi. Mit 1 Karte. (Journal of the R. Geogr. Soc. of London, 
VoL XXXIII, 1863, pp. 167—177.) 

Von Peking bis Kaigan ^dss Übrigens nicht in 40* 45' N. Br. und 115» Oestl. L. 
liegt, sondern nach Fuss und Bunge in 40* 52' N. Br. und 114" 47' Oestl. L. v. Or.) 
ist der Weg genau bekannt, von da bis Urga reiste aber Qrant auf einer noch 
Dicht beschriebenen Route. Leider hat er tiie nicht aufgenommen, nicht einmal 
Linge und Richtung des 'Weges zwischen Je zwei Stationen sind angegeben, 
so dass er auf dem kleinen Kärtchen nur angedeutet werden konnte. Auch 
(m Uebrigen ist der Berielit sehr dürftig und in Vergleich zu früheren Ar- 
beiten (Klaproth, TImkowskI, Fuss und Bunge, die Englische Karte von 1858) 
verthloB. 

ivanin: Chiwa und der Amu-Daria. (Morskoi Sbomik, Juli, Sep- 
tember 1864.) 

Korn : Excursion dans les fordts qui s'^tendent entre Tay Ninh et 
Kelim, fironüires de la Cochinchine et du Gambodge. (Revue mari- 
time et coloniale, NoTember 1864, pp. 453 — 465.) 

Da nur die einhelmiechen Namen für die Bäume und anderen Pflanzen ge- 
geben sind, so scheint uns diese BMchreibung Gochinchineslseber WlQder 
nutzloB. 

Larclause, B. de: Une toumie chez les Moi de la Cochinchine. (Reyue 
maritime et coloniale, NoYcmber 1864, pp. 642 — 646.) 
Enthält unter Anderem Einiges über die Stieng. 

Maltzan, H. t.: Meine Wallfahrt nach Mekka. Reise in der Küsten- 
engend und im Inneren tou Hedschas. 2 Bde. 8^ Leipzig, Dyk, 1865. 

H Thlr. 

Meadows, T. T.: Report on the consular district of Kew-chwang. 
(Nautical Magazine, Oktober 1864, pp. 505—514.) 

Kew-chvrang:, an einem selbst für Kähne nicht fahrbaren Zufluss eines Unken 
Annes des Leao-FIusses gelegen, war zwar vor 80 bis 100 Jshren der nächste 
Krobse Handel splaU bei der Mündung dieses Flusses, aber seit 85 Jahren etwa 
ist ein allmählich emporgewachsener Ort unfern der Mündung selbst, SO EngL 
Hin. Von New-chwang, das Centrum für den überseeischen Handel der südlichen 
Mandschurei geworden. Dieser Ort, der Sitz des Englischen Konsulats, wird 
▼Ott den Seefahrern und Kauflenten China's New-kow, d. i. Hafen von New- 
ehvang, von den Seelenten des Golfs von Petscheli Ting-kow, ofiHziell Muh- 
kov-ying, von den Bewohnern der Gegend aber Ying-tze genannt. Er über- 
tri« die von Dr. Williams in »The Middle Kingdom" erwähnten 8(1d-Mandschu- 
rischen Uafenorte Kin-chow und Kae-chow eben so an Bevölkerung nnd Leb- 
bsitigkeit de« Handels wie sein Hafen Jene an Tiefe und Sicherheit. Die 
Ifsndsrine behaupten, Ying-tze habe 200.000 Einwohner, Meadows, welcher als 
Konsul Jahr and Tag dort gewohnt , schätzt die Bevölkerung nur auf S0.000. 
Der grosse Ansführartikel sind Hülsenfrüchte nnd der Handel erstreckt sich 
von hier bis zum Snngari und den Leao oder Sira-muren aufwärts in die öst- 
liche Mongolei, denn dort ist die Chinesische Kolonisation während der letzten 
SO Jshre SOG bis 800 Engl. Meilen Jenseit der Pallisaden vorgedrungen. Am 
Sebluss theilt Meadows die Hanptresultate seiner einjährigen (1868) meteorolo- 
fisehen Beobachtungen zu Ying-tze mit. 

Michie, A.: NarratiTe of a journey from Tientsin to Moukden in Man- 
choria in Jnly 1861. Mit 1 Karte. (Journal of the R. Geogr. So- 
ciety, Vol. XXXni, 1863, pp. 153-166.) 

Das Tagebuch der Reise, von welcher der »North China Herald" nnd nach 
ihm die ifOeogr. Mitth." (18G2, SS. 160 nnd 151) einen ziemlich erschöpfenden 
kürzeren Berieht veröffentlicht haben. Auf der Karte ist die Reiseroute ein- 
fach nach den Hauptpunkten eingetragen, da zu einer speziolleren Konstruktion 
der Ronte die Aufzeiehoungen nicht hinreichen. 



Michie, A.: The Siberian oTerland route firom Peking to 8t. Petora- 
bonrg through the deserts and steppes of Mongolia, Tartary, etc. 
8^ 416 pp. mit Karten. London 1864. 16 s. 

MoHnt, de: Yoyage k Jara, 1858—61. (Le Tour du Monde, T. X, 
1864, 2' semestre, pp. 231—288.) 

Sehr habeebe Zeichnungen eines Künstlers mit Sehnderungen von Batavia» 
Soerabaja, Boitenzoorg und einer Exkursion in die Preanger Begentaehaften. 

Olipiiant, L. ; A visit to the island of Tsuaima. Mit 1 Karte. (Journal 
of the R. Geogr. Society, Vol. XXXIII, 1863, pp. 178—181.) 

Eine gedrängte, aber anschauliche nnd sich nicht in Details verlierende Be- 
schreibung der 8uonada-See und der Insel Tfenslma In der Strasse von Korea, 
weiche der Verfasser im August 1961 besuchte, ohne Jedoch mehr als einige 
Kflstenpunkte zu berühren. Anf dem beigegebenen Kärtchen Ist die Insel In 
grossem Msassstabe dargestellt mit Benutzung der Auftiahmen des Enfl^lsehen 
VermessungsschliTes nAotaeon** anter Capt. Ward im August 1861. 

Ost-Asien, Die Preussische Expedition nach . 1. Bd. 8^ 374 SS. 

mit 2 Karten und 12 Bildern. Berlin, y. Decker, 1864. 4 Thlr. 

Poussielgue, A.: Relation de yoyage de Shang-hai äMoscou, parP^in, 
la Mongolie et la Russie asiatiquo, 1859-1862. Mit 4 Karten. (Le 
Tour du Monde, T. X, 1864, 2* semestre, pp. 289—336.) 

Fortsetzung mit der Beschreibung des ersten Theils der Reise von Peking 
über Kaigan, Kntnl, Urga nach Selenginsk und Irkntsk. Ueber diese Reise ist 
eine Itinerar-Karte in 2 Bl. nach der Aufnahme des Kapitän Boavier bei- 
gegeben, während die beiden anderen Karten Kopien kleine^ Chineaisdker 
Weltkarten sind. «, 

Solimarda, L. K. : Der südwestliche Theil yon Ceylon. (Globus, 1'. Bd., 
6. Lfg. SS. 178—181; 7. Lfg. SS. 209—212.) 

Brster Anblick, Geolo|rfsches, Vegetation , die Cooospalme, das Thal von 
OlllemaJIe, Pflanzungen, Strassen, Wälder, Thierleben. 

Spiegel, Prof. Ft.: Die auswärtigen Beziehungen Persiens. III. Die 
Linder im Westen. 1. (Das Ausland 1864, Kr. 45, 83.1097-1061; 
Nr. 46, SS. 1087—1091.) 
Behandelt Mesopotamien. 

Taylor, Bayard *. On central Asia. (Proceedings of the American Oeogr. 
and Statist. Soc. of New York, 1863—64. Vol. II, Nr, 2.) 

Uftther, J.: A joumey from London to PersepoUs, including wände- 
rings in Daghestan, Georgia, Armenia, Kurdistan, Mesopotamia and 
Persia. 8^", 716 pp. London, Hurst & Blackett, 1865. 42 s. 

Vambery, A.: Travels in Central- Asia , being the account of a joumey 
from Teheran across the Turkoman Desert, on the Eastem shore of 
the Caspian to Khiya, Bokhara and Samarcand, performed in the 
year 1863. 8^ 460 pp. London, Murray, 1864. 21 s. 

Wallaoe, Alfr. R. : On the physical geography of the Malay Arohipe- 
lago. Mit 1 Karte. (Journal of the Royal Geogr. Society, Vol. TXTlTT^ 
1863, pp. 217—234.) 

Anf diesen wenigen Seiten linden wir ein grossartig aufgefasstes, echt natur- 
wissenschaftlich, vielseitig and geistreich diirchgeflihrtes Bild des Indlachen 
Archipels, wie man dergleichen nur sehr selten in der geographischen Literatur 
begegnet. Nach einem einleitenden Kapitel ttber den Umfting des Archipels, 
au welchem Wallaoe Im Westen die Nikobaren und die Malayische Halbinsel, 
im Osten Meu-Guinea und die Salomon-Inseln rechnet, über Lage und Grösse 
mit angestellten Vergleichen, unterscheidet und charakterisirt er zunächst die 
vulkanischen und die nicht-vulkanischen Inseln, sodann die von Wald bedeck- 
ten und die oifenen, ferner die AbtheUung des Archipels, welehe deutlich mar- 
klrte Jahreszelten hat, und die, wo diess nicht der FsJl ist, endlidi die West- 
liche oder Indo-Mala^ische und die Oestliche oder Austro-Malay Ische Region, 
deren Grenze er durch die Celebes-See, die Macassar- nnd die Lombok-Strasse 
zieht Bei Erklärung dieser Unterschiede, namentlich derer zwischen den bei- 
den letztgenannten Regionen, geht er von umfassenden Gesichtspunkten ans, 
zieht die Lehren der Geologie wie die der Geographie der Pflanzen und Thiere 
gleichmässig bei und zeigt Insbesondere, wie dort nicht klimatische nnd andere 
physische Bedingungen der OberflJKehe die Verschiedenheit der Fauna und 
Flora bewirkten, sondern wie diese nur durch geologische Vorgänge, durch 
Niveau- Veränderungen und dadurch entstandene Lostrennungen und Verbin- 
dungen der Länder und Inseln sich erklären lässt Die Karte Ist eine ein- 
fache Uebersichtskarte. Eine Deutsche Uebersetznng des Aufsatzes siehe In 
»das Ausland" 1864, Nr. 51, 8. 1815. 

Yokohama, Jahreshericht des Preussischen Konsulats zu - — - (Ka- 
nagawa) für 1863. (Preuss. Handels -Archir, 4. NoTcmber 1864, 
SS. 443—456.) 

Gewährt spezielle Einsicht in den Handelsverkehr von Yokohama wo Im 
J. 1863 der Import 5.91&54S , der Export 18.60S.775 , der Ctoldbarren-Import 
965.000, der Werth der an Japanesische FQrsten verkauften Schiffe 815t.O0«, 
der Gesammtumsatz mithin 86.299.317 Preuss. Thaler betrug, an welchem Prens- 
sische Schiffe mit 967.811 Thlr. bethelllgt waren. 

China, East coast Amoy, inner harbour, surv. by £dw. Wilds, 1863. 

1:12.160. London, Hydrogr. Office, 1864. (Nr. 1764.) 1^ s. 

Delawan Bay, Balabac Island, sury. by Comm' Bäte, 1850. 1:36.250. 

London, Hydrogr. Office, 1864. (Nr. 966.) J s. 

Balabac ist eine kleine Insel zwischen Bomeo und Palawan. 

AFBIKA. 
Aube, Capit. T.: Le fleure du S4n^al. Mit 1 Karte und 1 Tafel. 
CReyue maritime et coloniale, Oktober 1864, pp. 266 — 288.) 
Handelt von den Schwierigkelten, welche der Senegal der SchlfllUirt bietet. 



78 



Literatar. 



sowohl oberhalb Mafa bU Bakel and weiter eafwürtii alt an der MHndunff dea 
FluMes. wo die Terioderlicbe Barre aeitweis das Bio- und Auslaufen der Schiffe 
nnmöfflleh maeht, und Ton den Mitteln anr Verminderung dieser Behwierlgkelten. 
Eine Spesialkarte der FlassmOndanir und ein Diagramm, welches das lUglme 
des Senegal su 8t Lonis, Dsgana, Podor Richard Toll, Bakel und Matam flir 
das Jahr 1861 TorfDhrt, sind werthToUe Zugaben. 

BainM, Th.: Kzploratioiis in South- West- Africa , being an acconot of 
a jonrney in the jears 1861 and 1868 from WaWisch Bay on tha 
Weatern coast to Lake X'gami and the Victoria Falls. 8<*, 647 pp. 
mit 3 Karten. London, Longman, 1864. 21 8. 

Btker, S.W.: Journey to Abyssinia in 1862. (Journal of the R. Geogr. 
Society of London, Vol. XXXIU, 1863, pp. 237—241.) 

Diese kurse Notis berichter nur nothdttrftig Über den Verlauf der Baker'- 
soheo Reisen am Atbara, Setit, Rabad, Dlnder und Blauen Nil, dessen wich- 
tige Aufturiimen wir durch die Umsicht und den Elfer des Herrn von Heuglln 
ewelten und Im Torigen Jahre publidrten (nOeogr. Mitth." Erg&nsungsheft 
Nr. 14, 8. 46, Tafel S* und 8*>.). 

Bedingfleld, Capt.: Narrative of a journey from Lagos to Odi, the 
capital of the Ijebu Gountry, in the month of January 1862. (Jour- 
nal of the R. Geogr. Society of London, Vol. XXXllI, 1863, pp. 214 
—217.) 

Höchst unbedeutend, ohne allen Werth. 

Burton, Capt. R. F.: An account of an ezploration of the Elephant 
Mountain in Western Equatorial Africa. (Journal of the R. Geogr. 
Society of London, Vol. XXXIII, 1863, pp. 241—250.) 

Der Nanga oder Blephantenberg, wie er nach seiner auffeilenden Gestalt ge- 
nannt wird, erhebt sich 1707 Engl. Fuss hoch 11 Engl. Min. satlöstllcb von der 
Orocsen Batonga-Bal (9* &8' N. Br) an der Afrikanischen Westküste und ge- 
hört den dicht bewaldeten Vorbergen an , welche swischen der KUste und der 
Sierra del Crystal liegen. Die letztere glaubt Burton nach eingesogenen Er- 
kundigungen 100 bis l.'M) Engl. Min. von der Kttste entfernt, kahl und aus 
Primitlv-Gestelnen bestehend. Leider theilt er nicht das Geringste darilber 
mit, was er von dem Gipfel dea nie vorher von Europäern betretenen Ele- 
phantenberges aus sab, sondern er beschreibt nur den Weg dahin und die klei- 
nen Erlebnisse während der Exkursion , die im September 186S ausgeführt 
wurde. Das Waldland dieser KUstengegend lat reich an Cardamomen, Kola» 
Nassen (Stercolla acumlnata), Oelpalmen, Kokospalmen und Kautsehuk-Pflansen. 

Cape Verde Islands, Where is Monte Gordo in the - --} (Nautical 
Magaaine, Oktober 1864, pp. 544—646.) 

In Pnrdy*s Atlsntlo Memoir , auf der Britischen AdmiralltHts-Karte der Kap 
Verdisehen Inseln und In anderen maassgebenden Publikationen findet mao 
den Monte Gordo mit 4900 F. Höhe auf der kleinen Insel Branea angegeben, 
diess beruht aber nur auf einer flüchtigen und IrrthUmllchen Benutzung von 
Owen*s Bericht Ober seine barometrische Messung des In Wirklichkeit auf der 
Insel San Nicolas gelegenen Berges, die annähernd 4980 BngL Fuss ergab, 
wiOirend Commander Wlles die Höhe des Berges neuerdings trigonometriseh 
von dem Meere ans zu 4415 F. bestimmte. Der Name Olho do Mar, den die 
Britische Admiralit&ts-Karte dem Berg auf San Nleolas glebt, fKllt demnach weg. 

Central AfHoa, Three years in , being a Mstory of the Oxford, 

Cambridge, Dublin and Dnrham Mission. Prepared by order of the 
general committee. 8^ 106 pp. mit 1 Karte. London, Bell, 1863. 

Zwar sind in Zeltungen und Mlsslons-Joumalen ziemlich viele Briefe von 
Mitgliedern der Llvlngstone*sohen Expedition und der Mission sm Schlre selbst 
gedruckt worden, so dass msn Aber Hie wichtigeren Ereignisse und such Aber 
viele DeUils In Bezug auf diese Mission unterrichtet Ist , die, mit so reichen 
Mlttetn ansgerOstet, mit so grossen Hotfhungen begonnen , Schlsg auf Schlag 
vom Unglück heimgesucht wurde und bis Jetzt fsst gar keinen Erfolg aufkn- 
weisen hat; aber es ist gans angenehm, das Zerstreute hier gesammelt und zn 
einer zuzamraenhüngenden Oesehlchte der Mission zu Magomero und Chlbisa 
verarbeitet zu finden. Nach geographischem Material wird man sich freilich In 
dem Sehriftehen vergebens umsehen, wenn wir die kleine Kartenskizze der 
Qegend zwischen dem Schlre und dem Scbirwa-See ausnehmen, doch hftngt 
das ganze Unternehmen so Innig mit der nunmehr beendeten LIvingstone'schen 
Expedition zusammen, dass es bei der EntdecknngRgeschlchte von Afrika nicht 
unbeachtet bleiben kann, audi sind die landschaftlichen Ansichten, nsmentllch 
die Aussicht von Magomero auf die angeblich 10.000 Engl. Fuss hohen Mllsnji- 
Berge, von Interesse. 

Charnay, D.-. Madagascar k toI d'oiaeau. Mit 1 Karte. (Le Tour du 
Monde, T. X, 1864, 2' semestre, pp. 193^231.) 

Vermischte Notizen und Schildemngen mit hübschen Illustrationen. Auf dem 
Kartenblatt sind dss nördliche Madagaskar, die OstkUste mit den ehemaligen 
Französisdien Etablissements und die Gruppe der Comoren sklzzlrt. 

Detor, Prof. £. : Reisebriefe aus Afrika an J. y. Liebig. Die Bewohner 
dea Suf. (Augth. AUgem. Zeitung, 21. u. 22. Novbr. 1864, Beilage.) 

Desor, Prof. E. : Reisebriefe aus Afrika an J. t. Liebig. Das Alter der 
Sahara. (Augsb. Allgem. Zeitung, 9. und 10. Januar 1865, Beilage.) 
Escher's Theorie von dem ursächlichen Zusammenhang zwischen einem ehe- 
msllgen Binnenmeer der Sahara nnd dtr Eiszeit der Alpen wird durch (tte 
Entdeckung der Schweizerischen Afrika-Reisenden nntentUtzt, dsss zwischen 
der Oase des Suf und dem Schott Melrhir ein muschelfUhrendes, Sandlager 
weithin sich ausdehnt, welches unstreitig aus wenig salzhaltigem Wasser niedei^ 
geschlsgen ist 

Eipperle, Reisebericht der Pilger -Missionare , Graud - Lienard 

u. 8. w. Ton Kairo nach Chartum. (Das Ausland 1864, Kr. 42, 
88. 1000—1002.) 

Die Spezialitüten über die Art des Reisens nnd namentlich Über die Kosten 
werden für Manchen von Nutzen oder Interesse sein. 

Qabryel, L.: Danube, Nil et Jourdain, aouTenin et impreasiona de 
Toyage. 2 toU. 18% 446 pp. Paria, Dentu, 1864. 



Qermain: Renaeignements hydngraphiqoea anr la cöte Orientale de 
Madagaaear, comprenant Tfle Fong, Tamatave, Foulepointe, Mabambo, 
F4n4riTe, Sainte-Marie et Tintingue. (Annalee bydrographiquea, 2' se- 
meatre 1864.) 

Qrant, Capt. J. A.: A walk acroaa Africa, or domeatic acenes from 
my Nile journey. 8^ mit 1 Karte. Edinburgh and I«ondon, Black- 
wood, 1864. 15 8. 

Quillemin, £dm.: Notice sur une exploration g^ologique de Mada- 
gascar. (Comptes rendus hebdom. 12. Desbr. 1864, pp. 993—996.) 

Hartmann, B.: Naturgeschichtlich-medicinisehe Skisze der Nfl-Lauder. 
1. Abth. Geographie und Naturge84!biehte dee Nil-Landes. 8<^. Berlin, 
SchuUe, 1865. 1} Thlr. 

Heuglin, Th. y. : Omithologische Miseellen aus Central- Afrika. (Journal 
für Ornithologie von Cabanis und Baldamus, 12. Jahrg. 4. Heft.) 
Siehe Brgänzungsheft Nr. Ih der nGeogr. Mitth." S. 3S. 

Itinerario de Quelimaue a Tete pelo Zambese, 1860. — Noticiaa do 
districto de Tete. — Noticiaa do distrioto de Quelimane. (Boletin e 
Annaes do Conselho ultramarine, No. 111, August 1863.) 

Leolero, Dr. L. : (Jne mission m6dicale en Kabylie. 8°, 261 pp. mit 
1 Karte. Alger (Paria, BaUUtee) 1864. 4 fir. 

Livingstone'a Expedition to Lake Nyaasa in 1861—63. (Journal of the 
B. Geogr. Society of London, Yol. XXXIII, 1863, pp. 251—276.) 

Briefe von Dr. LIvingstone, Missionär Burrup, Mr. Charlea Livingscune, 
MIssIon&r Stewart, Mr. Waller nnd Missionar Procter mit verbindenden Noti- 
zen, alles Wichtigere daraus ist indess schon früher bekannt geworden. 

Locher, Fr.: Nach den Oasen Ton Laghuat. 8°, 216 SS. mit 1 Karten- 
skizse. Bern, Haller, 1864. j Thlr. 

Die Reise des Verfassers, eines Juristen aus der Schweiz, fiQlt in die letzten 
Monate des Jahres 1868 und war dadurch veranlasat, dass ihn die Vormund- 
schaftsbehörde der Stadt ZQrleh mit Liquidation einer In Algerlen gelegenen 
Erbschaft beauftragte. Er kam über Lyon und Marseille nach Algler, hatte 
Zeit, alles Sehenswerthe In dieser Stadt und In einigen benachbarten Orten 
kennen zu lernen , und da ihn seine OeschSflssache zu ISngerem AnfenUialt 
nöthigte, ao machte er auch einen Ausflug nach LsfrhuaL Sein kleinee Buch 
tritt bescheiden auf, ist von einem sehr dürftigen Kiirichen begleitet und will 
sieh durchaus nicht der wissenschaftlichen Relneifterstur über Afrika beigesellen, 
sber es zeichnet sich durch Zweierlei au». Ein Mal Interessirte sich der Ver- 
fasser lebhaft für Rechtspflege und Verwaltung, daher finden wir liierUber 
sachkundige Mittheilungen, die sich nicht auf Kritik beschriinkeD, sondern mehr 
noch das Verfahren hei den verschiedenen Behörd<>n beschreiben, Beispiele 
von Prozessen und Erkenntnissen brin;;en. Dabei ist er bemQht, das Gute 
eben so willig anzuerkennen und hervorzuheben wie das Verwerfliche zn kri- 
tisiren, denn wührend er In dem letzten, der Administration ausdchllesslich gewld- 
meten Kapitel die SQnden der Franzosen in der Kolonlslrung, Bestenernng 
n. s. w. blossdeckt, finden wir an anderer Stelle den Ausspruch, daas es sich In 
Algerlen trotz der Mllltfirherrschaft freier und ungezwungener lebe als In man- 
cher vorgeschrittenen Republik. Zweitens bildet das Ruch eine angenehme, 
aehr unterhaltende Lektüre, was sich nicht gerade von allen Afrikanischen 
Reisebeschrelbnngen sagen liisst Die Sehlldeningan sind von aller Phrase 
tr^l, aber um so munterer, verst&ndllcher, man möchte sagen gemflthllcher, nnd 
eine Menge eingestreuter Anekdoten, launiger Bemerkungen nnd Witze, ne- 
mentUch In den ersten Abschnitten, machen das Buch zu einer Erfrischung 
fUr den, der aus Hunderten von trockenen Itinersren oder auch von faden, 
phrasenhaften Beschreibungen sich ein Bild von den Afrikanischen Lindern 
zusammenzusetzen sucht Eine sorgflOtigere Korrektur wibre sehr wQnsehens» 
werth gewesen. 

Menin: Carta del yiaggio di esplorazione del Nile del Sign. Miani. (Atti 
dell' Istituto Veneto, Tomo IX, Serie 3", Disp. 6'.) 

Nardi, Monsign. F.: Memoria suÜa scoperta delle origini delNilo fatta 
da Speke e Graut. Roma 1864. 

Niger, Die neuesten Handels- und Schifffahrts - Unternehmungen auf 
dem . (Dae Ausland 1864, Nr. 44, SS 1039—1042.) 

Rede von A. Hamilton In der Generalversammlung der »Kompagnie von 
Kaufleuten fUr Aftrika" Über Qesohlebte, Stand und Aussichten der Uandela- 
Unternehmungen auf dem Niger. 

Speke, Capt. J. H.: The Upper Basin of the Nile, from inspection 
and information. Mit 1 Karte. (Journal of the R. Geogr. Society of 
London, Vol. XXXiU, iÖG3, pp. 322—346.) 

Obwohl dieser kurze Bericlit des durch einen nngllicklichen Zufall so früh 
verstorbenen wackeren Speke neben sdnem Reisewerk unbedeutend erscheint, 
so hat er doch gerade fUr die Beurtheilung seiner Arbeiten einen nicht geringen 
Werth, Indem wir darin klar und mit erapfehlenswerther Aufrichtigkeit unter- 
schieden finden, wss der Reisende itelhst sah und was er ans den Aussagen 
Anderer u. s. w. komhinlrte. Im Anhang sind die astronomischen Po«itions- 
Bestimmungen ausftthrlicher, die Höhenmessungen und Bestimmungen der magne- 
tischen Deklination vollständiger mitgethellt Auch die Ksrte ist In fast drei 
Mal so grossem Maassstabe gezeichnet als die dem Reisewerk beigegeben e, 
doch enth&lt sie nur wenig mehr Detail und weicht in keinem wesentlichen 
Punkt von jener ab, ausser dass die »Mountains of the Moon** nördlich vom 
Rosizi-See (wshrscheinlich sehr gegen den Willen Speke's) weggelassen sind. 

Staokelberg, B. G.: Der Nil und der Sues- Kanal im J- 1864. (Bai* 
tische MonaUschrift, 10. Bd., 2. Heft, August 1864.) 

Teisaier, 0.: Algirie. Geographie, histoire, statistique, deaoription dea 
▼illea, TÜlagea et hameaux, organiaation dea tribus etc. 16^, 112 pp. 
Marseille, Camoin, 1864. 50 o. 

Tinne, John A.: Geographical Notea of expeditiona in Central Africa 
hj three Dutch Ladiea. 8^ 44 pp. mit 2 Karten. (From the Trans- 



Literator. 



79 



actions of th6 HistoTie Society of Laneaslilr« and Glieslure, Vol. XYI.) 
liycrpool, Bnkell, 1864. 

»ielM dS« BinJtitanfir mm RrfcftncrnifpiUft Nr. 16 d«r nQwigr, MlttlMil." 
Vaux, W. S.: On the knowledge which the andents poaseased of the 
sonrces of tbe Nile. Mit 1 £arte. (Trantactioiu of the Royal Society 
of Literatnre, YoL VIU, Part I.) 

ZosammcoaUillang und Erörtttraoff der in den alten SchrifUtellern Yorkom- 
meaden Angaben fiber Uraprang und Laof des NU. 

AUSTBAIilSSN xtnd POIiTNSSIEN. 

Anderson, R.: The HawaiiaA lalands, their progrees and condition 
ander miseionary labonrs. 12^ (Boston) London 1864. 10 s. 

Finsch, 0.: Nen-Ghiinea and seine Bewohner. S^, 190 SS. mit 1 Karte. 
Bremen, Müller, 1865. 1) Thlr. 

Hochstetter, Dr. Ferd. y.: Geologie yon Nen-Seeland. 4<>, 321 SS. 
mit 6 Karten. Aach anter dem Titel: Reise der Österr. Fregatte 
Noyara am die £rde, Geologischer Theil, 1. Bd. 1. Abtheil. Wien, 
Gerold, 1864. 12 Thlr. 

Nouvelle-CalMonie, Note sar la — — destin^e k seryir d'instrao- 
tion aax Colons immigrants dans cette colonie. (Ueyae maritime et 
coloniale, Oktober 1864, pp. 225—246.) 

Ea lat bier Allea kurz snaammengefaaat, waa den Einwanderer vorangawelae 
interaaairen kann, Notizen fiber Klima, Kommnnlkations-MIttel, Bodenkultur, 
Mineralprodukte, Eingebome, Preise der Lebenamittel, fremde Markte, Kultus, 
Sebalen, Krank «>nhXnaer, Zölle nnd die Gesetxe fiber den Bodenerwerb. 

Woods, J. £. T.: North Aastralia, its physical geography and natoral 
history. Adelaide, Cox, 1864. 

K.art«>ii. 

FannJng Island, North Pacific, sketch saryey by Capt. G. H. Richards, 

1863. 1:47.420. London, flydrogr. Office, 1864. (Nr. 2867.) 1 s. 
Jevezy, £.*• Thecolony of Victoria, from a model execated at the Snr- 

yeyor General's office. 1:3.600.000. Lith. Melboome 1. Dezbr. 1863. 
Diese nach einem Relief geaeichnete Karte macht zwar einen gewiosen plasti- 
schen Effekt durch Anwendung aeitlleber Beleuchtung, hat aber weder ffir die 
Orographie noch sonst einen besonderen Werth. 

Johnston, W. and A. K.; NewZealand. 1:1.172.000. Lith. Edinburgh, 
JTohnaton (London, Stanford) 1864. 17 s. 

Die Karte ist in grossem Wandkarten-Format nnd zeigt auch durch die 
bi«it nnd grell kolorlrten ProTins-Qrensen wie dureh die starke nnd grosse 
Schrift ihre Bestimmung, in GeschJUlsiokalen u. s. w. anfgsbängt su werden. 
Die neneren Aufnahmen sind benatst, aber die Terraindarstellnng, welche ge- 
rade für dieses Land mit seinen bis an 13.000 Fürs hohen mttehtigen Schnee- 
g«birgcn nnd Vulkanen Ton grömtw Wichtigkeit Ist, ist — wie in allen Jobn- 
ston'seben Karten — Afiehtlg, liederlich nnd ohne alles Venitftndniss geseiebnet. 
Unsere Karte im Stleler'Bchen Handatlas (Nr. 50«) giebt eine Tiel bessere nnd 
richtigere Vorsteünng dieser Intermsanten Alpenlünder. 

Selwyn, AUr. R. C: Victoria geologically colored. 1:506.880. 8 Bl. 
Lith. Melbourne, Goyemment Printing Office, 1863. 

Selwyn, A. R. C: Geological sunrey of Victoria. 1:81.680. 13 BL 
lith. Melbourne, Goyemment Printing Office, 1863 — 64. 

Wir werden unsere Leser mit dieser bedeutenden Arbeit spSter eingehend 
bekannt machen. 

NOBB- AMERIKA. 

British North America. Comprising Canada, British Central North 
America, British Columbia, Vancouyer's Island, Noya Scotia and 
Cape Breton, New Brunswick, Prince Edward's Island, Newfoundland 
snd Labrador. 8<^, 378 pp. mit Karten. London, Religious Tract So- 
ciety, 1864. H «. 
Geographische nnd ststistiscbe Beschrelbang sfimmtlicber Provinsen von Bri- 
tioch-Nord-Ameriks. 

Hind, Prof. H. T. : Obseryations on supposed glacial drift in the La- 
brador Peninsula. (The Canadian Naturalist and Geologist, August 

1864, pp. 300—304.) 

Prof. Uind beobachtete auf seiner Expedition in das Moisie-Thal auf Labrador 
(1861) eine ausserordentliche Menge Erratischer Blöcke von riesigen Dirnen« 
Kienen nnd swar ei;st in einer Höhe von 1500 and mehr Engl. Fuss. Auch 
andere Reisends berichten von solchen aus Gneis und Labrsdorit bestehenden 
Blöcken in Tcrschiedenen Theilen der Halbinsel nnd Prof. Hind hfilt dafür, 
daaa sie ehemaligen Gletschern, nicht Bisbergen, ihren Transport Terdsnken. 

Kupfergewinnung in den Minen des Lake Superior im Jahre 1863. 
Nach Hunt's Merchant's Magazine, 1864, p. 426 ff., inZeiUchrift für 
Angern. Brdkunde, September 1864, SS. 23T— 238). 

Der Portage Lake District lieferte 4104,5», der Keweenaw Distriet 8489,19. 
der Ontonagon District 8004,7 Tons, alle drei zusammen 8548,58 Tons und 
seit 1($45, wo der Bergwerksbetrieb am Oberen See in regelmXasigen Gang 
kam, sind 57.664 Tons Robkupfer gewonnen worden. 

Neumann, K. Fr. : Die Territorien der Vereinigten Staaten im Beginne 
des Jahres 1864. (Zeitschrift fUr Allgemeine Erdkunde, September 

1864, S. 183—812.) 

Besehreibende nnd statistische Notixen über die sehn Territorien, den Distrikt 
Columbia und den neuen Staat West-VirRinien, mit Hinweis auf ihrs grossen 
satarUchen HtUftqnellen, Ihr rasches Aufblähen u. s. w. und mit einer Einlei- 



tung ttber die Bildung der Territorien, ihr VerblOtaiss snr Union nnd die dar- 
auf besOgllohen Gesetse. 

Perrot, N.: Memoire sur les moeurs, coustnmes et religion de« sau- 
▼ages de TAm^rique septentrionale. PubU6 pour la premiire fois aTec 
des notes et un index par le R4v. P. Tailhan, Sqc. J. 8", 890 pp. 
(BibUotheca Americana, Vol. III.) Paris, Franck, 1864. 3| Thlr! 
Das aus dem 17. Jabrbandert stammende Manuskript wurde in <Vn? ds auf' 
gefunden« 

Richthof en, Ferd. Frhr. t.: Reisebericht aua Califomien, d. d. Los 
Angelos, 22. Decbr. 1863. (ZeiUchrift der Deutschen Geolöciaehea 
Gesellschaft, Bd. XVI, 1864, Heft 2, SS. 331—340.) 

Der Verlaseer berichtet hier an das Preuuisehe Ministerium fQr Handel nnd 
Gewerbe «ber seine Ausflüge und Reisen in Californien und den angrensendeo 
Territorien und In gedrängter Weise Ober die Beschaffenheit der KOstenketten. 
die SUberrolnen von Waaboe, die Minendistrikte am Humboldt-Gebinre und am 
Reese River, endlich ttber die Verbkltnisse von Los Angelos. Es ist ein knrser 
Äi^f"R *"" ^.f Abhandlung, welche als Ergfinaungs-Heft Nr. 14 der „Geogr. 
Mittheilungen" erschienen ist " ^ 

Waltz, Th.; Die Indianer Nordamerika's. Eine Studie. 8" Leiniig 
Fleischer, 1865. ^ fhlr! 

Karten. 

Newfoundland, Bast coast. Broyle Harbour to Renewse Harbour 
eurv. by Capt. Orlebar, 1863. 1: 36.300. London, Hydrogr. Office' 
1864. (Nr. 376.) ^ ^ ^ ^\ 

MITTEL- AMERIKA. 
Arohivea de la commission scientifique du Mexique. Publikes sous les 
auspices du Ministire de Tlnstruction publique. T. 1. ] . livr. 8**. Paris 

^ ^^^^' I.. « Tx. T. P^- ^"*^ 2 Thhr. 12 Sgr. 

Covarrubias, Fr. Dia«: Determinacion de la posicion geogrifica de 

Mexico. (Boletin de la Sociedad mexicana de eeoerrafia v estadistica 

T. X, Nr. 3, 1864.) ' ** 

Datloz, Ed.: L'Etst de Chihuahua. (Moniteur uniyerseL 24 26 u 27 

31. Descmber 1864.) • • •» 

Der Aufsatz handelt hauptolKchlicb von den Naturprodukten, den volkswirth- 

Bchaftllehen Znstknden und den socialen VerhUtnissen. 
Deville, Ch. Sainte-Claire: Hypsometrie des Antilles, extrait du Voyage 

gÄologique aux Antilles et aux fies de TAn^riffe et de Foeo. 4® Paris 

1864. 
Eden, Ch. : Ascent of El Viejo, an extinct volcano in Central America. 

(The Alpine Journal, Vol. I, pp. 223—236.) 
Beschreibung einer im J. 1860 unternommenen Besteigung des auch früher 

Ton Sir Edward Belcher und Squier be««egenen Vulkan! El VIejo, mit dner 
. Zeichnung der Krater. Wissenschaftlichen Werth im strengeren Sinne hst d« 

Auuatc nicht. 

Escalera, E., y M. G. Llana: Historia y descripcion de M^jico 4» 
348 pp. Madrid, Medina, 1864. 20 reales' 

Hauslab, F. t.: Über die Bodengestaltung in Mexiko und deren Ein- 
fluss auf Verkehr und militärischen Angriff und Vertheidigung 8° 
Wien, Gerold, 1864. 1* Thlr" 

Malier, J. W. T. : Beisen in den Vereinigten Staaten, Canada nnd Mexico 
3. Bd.: Beiträge zur Geschichte, Statistik und Zoologie von Mexico 
8<*. Leipzig, Brockhaus, 1865. 4 »^^i^' 

Ksurten. 

West Indiet, Leeward Islands. St Christopher and Neyls, sutt. by 
Capt. Barnett 1848; Eustatius and Saba, surv. by Lieut.' Lawrance 
18Ö0. 1:66.700. London, Hydrogr. Office, 1864. (Nr. 487.) 3 s. 

8ÜD-AMEBIKA. 
Barros, Lieut. A. C. de Marize : Voyage de la coryette brisüienne „Bei- 
monte" dans les Amasones en 1862. (RoTue maritime et coloniale 
November 1864, pp, 433—452.) ' 

Beachtenswerthe Notlaen über den Amazonenstrom aufwärts bis «ur Mftndunc 
des Rio Kegro, namentlich auch Ober die Ortschaften an seinen Ufern 
Bates, H. W.: On the Delta of the Amazons. (The Reader. 1 Oktober 
1864, pp. 422-423.) 

Dieser in einer Sektionsaitzung der British Association su Bath celMitaiia 
Vortrag bestätigt die r. Martius'sche Ansicht, dass das Delta-Land des Ama- 
sonenstromes geologisch und zoologisch zu Gntana, nicht zu Brasilien In näch- 
ster Beziehung stsht und dass es keineswegs vorzugsweise ans Abhuramneen 
des Flusses besteht «e«««iKe« 

Cooks : Die Produkte der Montana von Peru. (Das Ausland 1864 

Nr. 46, SS. 1091—1093.) ' 

Handelt tou den reichen Naturschätzen der Waldregion , die sich vom 0st- 

liehen Abhang der CordiUeren bis zu den Grenzen von Bolivia. BrasIUen und 

Ecuador erstreckt. 

Colonies f^n^aises (Les). Guyane. Mit 1 Karte. (RoTue maritime 
et coloniale, Dezember 1864, pp. 693 — 767). 

Die Spezislbeschreibnng der 14 Gemeinden, die offiziellen statistischen Daten, 
die bis auf die neueste Zeit relohenden Naclirichten aber die Transportation 
Einwanderung und Kolonisation, Bodenkultur. Indubtrie, Handel sind sehr werth- 
▼oU, den Abschnitt ttber dss Klima hätten^ wir ausfahrlicber gewOnscht. Die 



80 



Literatur. 



b«lg«gtbeoe Uab«nlehtiluurt« seigt, diua man aueh J«tat Ton dam Innenn 6m 
I^uide« Niobts als die FlaMlinlen kennt. 

Markham, C. B.*. Zwei Reiten in Peru. Ana dem Bnglisohen. 8^ 
324 SS. Leipsig, Senf; 1965. 1 Thlr. 

Faraguay-Thee, Der oder Terba Mati yon Spanisoh-Slldamerika. 

(Bas Ausland 1864, Nr. 42, S. 996—998.) 

Pouoei, B.: Mes itiniraires dans les proTinces du Rio de la Plata, 
1854 — 57. Proyince de Catamarca. 8°, 55 pp. Paris, impr. Mar- 
tinet, 1864. 1 &. 

8ohnepp, Dr. B.: BGssion scientifique dans TAm^rique du Sud. 8^, 
100 pp. Paris, (Hraud, 1864. 

Mit dem In den nGeogr. MitthellunRen " bereite erwIOinten Bericht an die 
Pariser Akademie über die Verba Matd, Ihr Vorkommen, ihre botanischen BiKen- 
schaften, Binaammlnng, VerarbeltunK an Thee, Ober den Handel mit derselben, 
ihre Verwendung, chemische ZuBaromensetxunff und physiologische Wirkung, 
sind in diesem Heft noch avel andere Arbeiten susammengestellt , eine eben- 
lUIs Tor der Akademie der Wissenschaften zu Paris am 25. Januar und 1&. Febr. 
1864 Terlesene über Produktion, Konservation und Mandel mit Fleiseh am La 
Plata und eine andere über die Einsehleppung des Qelben Fiebers nach Brasi- 
lien, die Epidemien zu Rio de Janeiro, die Beziehungen svlschen dem Qelben 
Fieber und den klimatischen Bedingungen und die Verbreitung der Krankheit 
bis Montevideo nad Buenos-Ayres. Dr. Schnepp, auch in der geographischen 
Literatur bereits bekannt als SekretSr des Institut dgyptlen zu Alexandria, 
dessen Publikationen, Bulletian und Mdmoires er redlglrte und unter Anderem 
mit einer Tortreiflldien Arbelt über das Klima von Aegypten bereicherte 
(s. ffOeogr. Mlttb.** 18M. Heft III, 8. 118), bereiste kUrzllch die La Plata-LSnäer 
als Arzt und mit dem Auftrag, die dortigen Nahrnngarolttel mit Bezug auf die 
Oesundhelt des Menschen zu studlren. Er hat als Resultat seiner Reise eine 
grosse Anzahl Berichte an das Französische Handels-Ministerlum erstattet, die 
drei in dem vorliegenden 8chriftohen vereinigten scheint er aber selbst als die 
in wiseensohaftllcher Hinsicht bedeutendsten anzusehen und namentlich ist die 
Arbeit Über die Viehzucht und ihre Produkte fUr die Kenntniss der La Plata- 
Staaten , Ihrer Bodenbenutznng , industriellen und kommerziellen, sogar ihrer 
kllmatisehen und allgemein physikalischen Verbiltnisse von nieht geringem 
Werth, obwohl die Angaben zum Theil nur knmpilirt sind. 

Spruoe's South -American explorations. (The Beader, 12. NoTember 
1864, p. 609.) 

Eine Uebersicht der von Dr. Riebard Bpruoe 1848 bis 1862 in Süd • Amerika 
ansgeftihrten Reisen. 

XCarten. 

Cortazar, A.: Piano general de la ciudad y puerto de San Sebastian, 
con la amplicacion de la nueva poblacion. Paris, impr. Thierry, 1864. 

POIiAB-BSaiONEN. 

Hall, Gh. Fr.: Life with the Esquimaux. 2 vols. 8<>, 700 pp. mit 
Karten und Illustrationen. London, Low, 1865. 24 s. 

Bericht über seine Expedition naeh der Frobisher-Bal, 29. Mal 1860 bis IS. B^p- 
tember 186S. 

OCBANE, HAUTIK. 

Becher, A. B.-. Die Besohiffung des Atlantischen Oceans. Aus dem 
Englischen yon A. Wagner. S^, Hamburg, Salomon, 1864. 2 Thlr. 

Beoher, A. B. : Anweisung sur Navigation des Indischen Oceans, sowie 
des Ohinesisohen und Australischen Meeres. Aus dem Englischen yon 
L. GSde. 8*^. Hamburg, Salomon, 1864. 2 Thlr. 

Born, W. F. : Anleitung, yon Nordta kommend bei dickem, unsichtigem 
Wetter die Hoofden und yon Westen kommend den Englischen Kanal 
SU suchen. Neu bearbeitet yon S. W. Schulthes. 8<^. Hamburg, 
Salomon, 1864. 18 Sgr. 

Carlst^n, 0. A.: Yerldshafyens yindar ooh strdmmar samt orkaners 
lopp och rörelser. 8*^, 208 pp. Stockholm, Haeggström, 1864. 5 Rdr. 

AliLaEHEIEÜES. 
Qeogr. Iiehr- und Handbücher, Statistik. 

Balbl, £.: Prinoipii generali della geografia. 16^. MiLino, Brigola, 
1864. li lire. 

Frijlink, H.: Handboek der aardrijkskunde, met gesohiedkundige aan- 
teekeningen. 2. Thl. 8^, XYI und SS. 249—475. Amsterdam, 
Frijlink, 1864. beide Theile 4 fl. 90 o. 

Qeograffa ampliada, astronömica, fisica, politica 6 histörica, redactada 
en SU parte astronömica por D. Alberto Lista y Aragon, eompletada 
en la flsioa, politica 4 histörica por D. Manuel Merry y Colon. 8^, 
292 pp. mit 3 Tafeln. Seyilla, Izquierdo, 1864. 

Stein und Hörschelmann: Handbuch der Geographie .und Statistik. 
7. Aufl. yon Wappäus. 1. Bd. 12. Lfg. (Mittel- und Süd -Amerika 
yon J. E. Wappäus, 5. Lfg., % Thlr.); 2. Bd. 8. Lfg. (Asien. 
Osmanisches Reich yon J. H. Brauer, 1 Thlr.) ; 8. Bd. 7. u. 8. Lfg. 
(Frankreich yon M. Block. Belgien yon X. Heuschling, 1 Thlr. 16 Sgr.) ; 
4. Bd. 8. L^. (Prenssen und die Deutschen Mittel- und Kleinstaaten 
Ton H. F. Brachem, 5. Lfg., | Thlr.). Leipsig, Hinrichs, 1864. 



Mathematische und phyaikalisohe G^e<^^aphie. 

Bou^ A. : Einige Bemerkungen Über die Physiognomik der Gebirgsketten, 

der Gebirge, der Berge, der Hügel, der Thiler, der Ebenen, sowie 

der yerschiedenen Felsarten. 8°, 27 SS. Wien, Gerold, 1864. 20 Nkr. 

Boue, A. : Über die kanalartige Form .gewisser ThSler und Flussbette. 

8^ 6 SS. Wien, Gerold, 1864. 5 Nkr. 

Beide Abhandlaniten ans den Sitaunireberlohten der Akademie der WiMen> 
■chaften au Wien ab^edmekt 
Groll : On the physical cause of the ehange of climate during geological 
epochs. (Pfailosophical Magasine, August 1864 ; The Reader, 10. Sep- 
tember 1864, pp. 331—332.) 

Der Verfanser findet alle Hypothenen aar ErklXmng der Eisaeit, anch die von 
Prof. Frankland aaffpetitelUe (Phil. Magas., Mal 1864), nnsureichend, nnr die Ver- 
ttndernngen In der Bxeentridtltt der Erdbahn und das Forteebreiten der Aeqai- 
noktien aeien snr Erkllrun^ der «Xkulären Verftnderunfen dee KItma's ftenKi^end. 
Kabtoh, Dr. W. : Das Pflansenleben der Erde. Eine Pflanzengeographie 
für Laien und Naturforscher. Nach dem Tode des Yerfassers mit 
einem Vorwort yersehen yon H. A. Berlepsch. 8^, 658 SS. mit 
59 Holzschnitten. Hannoyer, Bflmpler, 1865. 4 Thlr. 

Des Werk zerfSllt in S Theile. Der erste Theil behandelt daa Pflanzenreich 
in «einer Abhüngiffkeit von den koemisehen Verhältnissen der Erde. Der releh> 
baltiire Stoff ist abersiohtUoh icrappirt nnd selbststündlK dnrehfcearbeltet Für 
die Bereohnnnfr der Wärmeeumme in der Pflansenentwlckelang begrfindet der 
Verfeaeer eine neue Methode« durch welche die Fehlerquellen der fraheren 
mdicHchst vermieden werden. 

Der zweite Theil enthält die Phjrsiofniomik des Gewäeherelehes und die ell- 
gemeine Verbreitung der Pflanaen anf der Erde. Der Verfasser unterscheidet 
awischen Charakterpflanzen und oharakteristischen Pflanzen, zwischen Isnd* 
schafUieher Physiognomik nnd Physiognomik der Landschaftspflanzen und be- 
handelt hierauf die Physiognomik des Waldes in den verschiedenen Brdstrichen, 
die Physiognomik der Felder und Wiesen, der Wüsten und Steppen, der Meer- 
nnd Seevegetation. Auf die sich ansehllesaende Schilderung der physiofnio- 
mlacben Ornndtjrpen der Pflanzenwelt (durch gute Holzschnitte veranschaulicht) 
folgt die Physiognomik der Landsohsftspflaneen und die pflanzengeographische 
Elntheilnng der Erdoberfläche vom physlognomisehen Standpunkt ans. In der 
Pflanzenstatistik wird der Unterschied zwischen herrschenden und charakterlsti- 
achen Pflanzenfkmilien scharf raarkirt. 

Der dritte Theil glebt die Qeachichte der Pflanzenwelt. Der Verfasser er- 
örtert das unvermeidlicfae Für nnd Wider der Veränderlichkeit de^ Arten, schil- 
dert die Entwlekelnng des Pflaneenrelchthnms im Verlaufe der geologiwhen 
Epochen, «eht tiefer ein auf die Pflanzenwanderung der Gegenwart Den 
SohluKs bildet die Bintheilnng der Erdoberfläche in vier Kultnrzunen (der Som- 
mer-Orealien, des Weines, der Baumwolle nnd der Bananen), die Beschreibung 
der in Jeder derselben angebanten Pftanzenarten und die Einwirkung der Pflan- 
zenwelt auf Entstehung und Fortent Wickelung der Kultur überhaupt 

Das Pflanzenleben der Erde von Kabsob behandelt den massenhaft angewach- 
senen Stoff der Pflanzengeographie in einer den Naturforscher befriedigenden, 
I den Laien nngemein fesselnden nnd anregenden Form. Durob scharfe Hervor- 
hebung des physlognomisehen Elementes erhalten Auffassung nnd Darstellung 
einen eigenthttmllchen künstlerischen Reiz, der nnr selten dnreh flberschwäng- 
liehe Sinnigkeit gefiOsobt wird. — Es ist ein Bueh für Jeden Gkbildeten and 
kein aufmerksamer Leser wird es aus der Hand legen , ohne eine Fülle neuer 
Ansobanangen und (Gesichtspunkte gewonnen zu haben. 
Maps and their oonstmction. (Nautical Magasine, Juli 1864, pp. 337— 
344, Angnst pp. 411— 421, Oktober pp. 519 — 525, Noyember 
pp. 597—608.) 

Populäre Erörterungen über Gradmeesung, Triangulation, Lfingenbestlmmnng, 
das Zeichnen und Verviel Altigen der Karten, nebst einem UeberbHck des karto- 
graphischen Standpnnktee der Gegenwart 
Pietra Santa, P. de*. Essai de olimatologie th4oriqiie et pratique. 8^ 
377 pp. Paris, BaiUiöre, 1864. 7 fr. 

Studniöka, Dr. F. J.: Meteorologie, cili popis a yyklad ysech &kazu 
poydtmych. 8^ 89 SS. fiudweis, Zdarssa, 1864. 50 Nkr. 

Weltreisen, Sammelwerke, Verschiedenes. 

Almanaoh de Paris 1865. Annnaire gdn^ral de diplomatie, de poli- 
tiqne, d'histoire et de statistique pour tons les £tats du globe. 16^ 
Paris, Franck, 1864. i| Thlr. 

British Association (The) for the adyancement of science, Bath 1864. 
Authorized reprint of the reports in the special daily editions of the 
Bath Ghronide. 8°, 293 pp. Bath, Taylor, 1864. 5 s. 

Duval, J.: Des rapports entre la gdographie et riconomie politiqne. 
Disconrs In k la Soci6t4 de g6ographie de Paris. 8^, 100 pp. Paris, 
Bertrand, 1864 

Obgleich dieee Arbeit eehon in dem Bulletin der Pariser Qeogr. Gesellschaft 
(September, Oktober und November 1863) gedruckt war, ist sie doch bei ihrem 
^weiten Erscheinen als besondere Broschüre gewiss einer Anaelge werth. Des 
erste Kapitel bespricht die Formen der Kontinente nnd ihren EInflnss auf die 
Entwlekelnng der Völker. Es wird dabei nach einander und syetematiseh der 
EInflnss der Vorgebirge, Meere, Inseln, Meerengen, Berge, Thmer, Ebenen, 
Flüsse, Wälder, Ijandsee'n, Steppen, Wüsten nnd Oasen, nnterseelechen Bänke, 
Strömungen, Klimata, endlich der Minerallen, Vulkane, Pflansen and Tbiere er> 
örtert dann vom Mensohen, den Raoen, Sprachen, den MUnaen und (Gewichten, 
den Kommunikationen näher geeprochen und mit den Gentren der Bevölkerung 
geechloesen. Das zweite Kapitel handelt von dem Zusammenhang, welcher 
Bwlschen der Answandemng, der Kolonisation, dem Elend, der Armnth, der 
Sklaverei, der Handelsfreiheit nnd der Banmwollenkrisis besteht Ausserdem 
ist ein sehr interessantes synoptisches Tablean über die Internationalen Aus« 
tansebe beigegeben. 



iUeschloeseo am tl. Februar iNf« ) 







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Jahrgang 



1865 Tafel J 



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Gerhard Rohlfs* Tagebuch seiner Reise durch Marokko nach Tuat, 1864'). 

1. Abschnitt: Beise von Tanger bis Uled-Sidi- Hassen, 14. März bis 9. Mai 1864. 

(Mit Karte, ■. Tafel 4.) 



Arteila, dm 14. März 1864. — Am 14. Mäns nm 8 IJhr 
Morgens reiste ich mit meinem Diener Hamed und einem 
Führer von Tanger ab. Ein herrliches Fröhlingswetter be- 
tätigte uns und wir nahmen den Weg über Ain Dahlia 
(d. i. Weinrebenquelle) , der sich durch eine überall gut 
angebaute, durch zahlreiche Dörfer belebte G^^end hinzieht 
2wei Mal unterwegs wurden wir von bewaffiieten Leuten an- 
gehalten, die Weggeld auf unsere Pferde erheben wollten; 
ich fragte sie, ob sie sich durch einen Fitman vom Sultan 
legitimiren könnten, und da sie mir kein Stück Papier yor- 
bringen konnten, so zog ich weiter, ohne auf ihre Bekla- 
mationen zu hören. Später erfuhr ich, dass sie wirklich 
ermächtigt seien, als Wächter des Weges einen Tribut für 
jedes durchkommende Thier zu erheben. Wir ritten ohne 
Unterbrechung und kamen Abends um 4 Uhr in Arseila 
an, hatten mithin 8 Stunden von Tanger aus gebraucht. 
Die kleinen Flüsschen, die wir passirten, waren alle yom 
Begen stark angeschwollen, so dass die Pferde manchmal 
his an den Bauch ins Wasser kamen. 

Arseila fand ich unyerändert; ich logirte im Funduk 
m demselben Zimmer, in dem ich früher schon ein Mal 
übernachtet hatte. Was die Bevölkerung anbetrifft, so 
brachte ich in Erfahrung, dass die Zahl der Mohammedaner 
sich angeiahr auf öOO beläuft, die der Israeliten auf 100. 
Die Mauern dieses kleinen Städtchens sind eben so im Yer- 
&11 wie die aller anderen Orte im Marokkanischen Reiche; 
ans der ganzen Anlage dieser Mauern, den stellenweise 
noch erhaltenen Fenstern in den Thürmen, den geraden 
iStrassen ersieht man, dass diess Örtchen von Europäern 



') Es lag zwar in unserer Absicht, xuerst das bereits erwähnte 
(s. „Geo^. Mltth." 1864, S. 340) Tagebuch des Herrn Roblfs über 
seiaen früheren Aufenthalt in Marokko (1861 und 1862) zu publiciren, 
oBd wir hatten zu diesem Zweck die hier beiliegende Karte gezeichnet, 
welche alle Ton ihm in Marokko zurückgelegten Routen enthalt, mithin 
seine umfassende Kenntniss jenes Landes gleichsam yor Augen führt; 
iiuvischen traf aber das Tollständige Tagebuch über seine neue, für 
die Geographie ungleich wichtigere Beise Ton Marokko Über Tuat nach 
Qhadames und Tripoli bei uifs ein, und um die Veröffentlichung dieses 
letzteren niebt unnöthiger Weise zu verzögern, legen wir das frühere 
Tagebuch TorlSufig zurück und beginnen sogleich mit dem Druck des 
neuen. Wir beschränken uns jedoch für diess Mal auf den yerhältniss- 
ttiuig kleinen Theil, welcher die auf der Karte dargestellten Wege- 
strecken im nördlichen Marokko betrifft ^ weil die zu der Fortsetzung 
gehörenden Kartenblitter noch nicht yoUendet sind. A. P. 

Petermann's Oeogr. Mittheilungen. 1865, Heft III. 



erbaut ist. Speise war kaum zu haben, zu hohem Preise 
erlangte^ ich endlich spät ein Huhn und mein aus Arseila 
gebürtiger Führer liess mir durch seine Frau ein Brod 
backen. 

Ich habe anzuführen vei^essen, dass ich gestern im 
Hafen tou Tanger eine alte Bekanntschaft traf, den Kadi 
(BJchter) yon Tarudant in Sus, der sich als Pilger nach 
Mekka begiebt. Niemand war mehr erstaunt als er, mich 
in Tanger zu finden; ich war glücklich, ihm einen Beweis 
meiner Dankbarkeit für die freundliche Aufnahme, die er 
mir hatte zu Theil werden lassen, geben zu können; ich 
machte ihm nämlich einen silbernen Bleistift zum Geschenk, 
worüber er sich sehr freute. Der Mann sah jetzt auf dieser 
seiner Reise zum ersten Mal Christen, die er sich früher 
immer als die verworfensten und schlechtesten Menschen 
▼orgestellt hatte, und war ganz entzückt, nur liebenswür- 
dige Leute zu finden, Leute, die ihn weder belogen noch 
betrogen, wie er es von seinen Glaubensgenossen gewohnt 
war. Auch auf dem Wege begegneten uns noch zahlreiche 
Karawanen, die ebenfalls in Tanger sich einbarquiren woll- 
ten, um eine ihnen Torgeschriebene Pflicht zu erfüllen, 
nämlich den schwarzen Stein in Mekka zu küssen. Ich 
bemerke hier beiläufig, dass man bei uns in Deutschland 
gewöhnlich glaubt, die Mohammedaner unternähmen die 
Pilgerfahrt, um zum Grabe Mohanmied's zu gehen. Das ist 
irrig. Die Pilgeifahrt, durch die der Mohammedaner den 
Titel el Hadj (Pilger) erlangt, wurde schon zu Lebzeiten 
Mohammed's gemacht, der diesen abergläubischen Eitus, d. h. 
die Kaaba oder den schwarzen Stein, auf dem Abraham 
geopfert haben soll, zu küssen, nicht abzuschaffen wagte, 
weil damit ein Haupteinkommen der Mekka-Bewohner, mit 
denen er sich vor allen Dingen zu versöhnen suchte, verbunden 
war. Mohammed gebot also als eine der Pflichten des 
Muselman, die Pilgerfahrt nach Mekka nach wie vor zu 
unternehmen; später verknüpfte sich damit noch der Be- 
such Medina's ^) , wo Mohammed zwischen seinen beiden 
ersten Kalifen begraben liegt. 



') Medina hiess früher Jatreb uud nahm nach der Flucht Moham- 
med's den Kamen Medina, was „Stadt" schlechtweg bedeutet, an. 

11 



82 



Gerhard Rohlfs" Tagebuch seiner Heise durch Marokko nach Tuat, 1864. 



LaraueK den 16. Man. — Um 7| Uhr brachen wir 
gestern Morgen auf, durchritten rasch die Gärten, die Arseila 
umgürten, und wendeten uns dann nach dem Meere, um 
am Strande des Oceans unseren Weg fortzusetzen. Um 
10 Uhr frühstückten wir bei Sidi-Bu-Smreit, einem kleinen 
Dörfchen mit einer weissen Grabeskuppel des Heiliges, der 
dem Orte seinen Namen gegeben. Der Weg fuhrt dann fast 
ohne Unterbrechung am Strande hin. Um 2 Uhr Nach- 
mittags waren wir an der Mündung des FUed (Fluss) Euss 
und hatten vor uns die freundliche Stadt Laraisch oder 
Larache, wie die Spanier und Franzosen schreiben. Meine 
Pferde stellte ich ins Funduk und stieg selbst bei einem 
Spanier ab, der so freundlich war, mir sein Dach anzubie- 
ten. Sein Logis behagte mir so gut, dass ich auch heute 
am 16. noch hier weile. Heute Morgen liess mich der 
Französische Konsul rufen, er hatte geglaubt, ich sei Fran- 
zose, da er mich Tags vorher hatte sprechen hören. Diess 
verschaffte mir die neuesten Zeitungen und einen Empfeh- 
lungsbrief für Lxor, obgleich ich denselben nicht einmal 
nöthig gehabt hätte, denn ich habe dort ausserdem Bekannte. 
Heute Nachmittag führte mich ein Abkömmling Sidi- 
Hamed-ben-Nasser's, dessen Stamm-Sauia in Tammagrut am 
rUed Draa liegt, in seine Gärten spazieren. Die Nasseri 
haben eine grosse Anzahl Filial-Sauia, so auch hier eine 
solche, und geben sich dann im Auslande gewöhnlich für 
SchürfSa (Plural von Scherif,, Abkömmling Mohammed's) 
aus, obgleich sie bloss Marabutin (Plural von Marabut, 
Abkömmling eines Jüngers des Propheten oder sonst eines 
heiligen Mannes) sind. So wurde er auch hier allgemein 
mit dem Titel „muley" beehrt, der nur dem Scherif zu- 
kommt Er war nie in seinem Heimathlande gewesen und 
war ganz erfreut zu erfahren, dass ich das Grabmal seines 
Yorfahren Hamed-ben- Nasser besucht habe. Ich musste 
ihm viel von Si-Bu-Bekr, dem jetzigen Chef der Nasseri, 
erzählen. Abends unter den Hallen wurde ich von zwei 
Beni-Suava angeredet, die mich vor einigen Monaten in 
Abiod-Sidi-Scheich gesehen hatten; es waren die Kameraden 
der drei im Monat November vorigen Jahres ermordeten 
Beni-Suava, deren Mörder augenblicklich wohl in Geryville 
entdeckt sind. Die Suava geüelen sich hier nicht und 
waren im Begriff, nach Tanger zu gehen, um sich von 
dort nach der Grossen Eabylie, ihrem Heimathlande, ein- 
zuschiffen. 

Lxor fAhkassarJ» den 19, März, — Vorgestern um 8 Uhr 
Morgens brachen wir von Laraisch auf; wir hatten bald 
die Sandzone hinter uns, welche diese Stadt umgiebt, und 
uns immer östlich haltend erreichten wir den herrlichen 
Eorkeichenwald , der etwas nördlich von hier anfängt und 
sich südlich bis ans Gebirge Muley-Dris-Serone hinzieht, 
parallel mit dem Meeresufer, aber erst einige Stunden land- 



einwärts beginnend. Die herrlichste Vegetation entfaltet 
sich hier auf dem schwarzen Humus, namentlich Lupinen 
und viele Famkräuter bot diese Jahreszeit. Die Breite des 
Waldes mag an den meisten Stellen gegen 3 Stunden be- 
tragen, mitunter jedoch mehr, mitunter weniger. Sodann 
erreicht man einen leichten Hügelzug, ebenfalls mit Kork- 
eichen und Lentisken bedeckt. In einem der kleinen Thäler 
frühstückten wir und hatten dann bald die überaus acht- 
bare Ebene des TUed Kuss erreicht, in der Lxor-el-kebir 
liegt. Der Fluss war bedeutend angeschwollen, so dass wir 
meine Effekten sämmtlich umladen mussten, indem die 
Schueri (grosse Strohkörbe an den Seiten der Pferde) zu 
tief hingen. Dennoch konnten wir nicht verhindern, dass 
ein Theil der Sachen nass wurde, auch £ng es noch an 
zu regnen. Glücklidier Weise war die Stadt nicht fem und 
um 2 Uhr hielten wir vor dem Funduk, wo ich früher 
schon mehrere Mal logirt hatte. Bald darauf ging ich, 
den Empfehlungsbrief des Französischen Konsuls de Laroche 
an seine Bestimmung Si-ben- Allel abzugeben. Ich fand ihn 
krank, konnte ihn deshalb nicht zu sehen bekommen, liess 
jedoch den Brief zurück und wurde, in meinem Funduk 
angekommen, sogleich von seinem Bedienten eingeholt, der 
mich in ein anderes Wirthshaus einlogiren und mit Allem 
versehen sollte. Ich quartierte also um und bekam im 
anderen Funduk ein Zimmer neben dem eines Tlem9ani, 
Si Yussuf , der ein Freund von Si-ben- Allel war und für 
meine Nahrung zu sorgen hatte. Den folgenden Morgen 
liess mich denn auch Si-ben-Allel zu sich bieten. Er be- 
zeigte sich äusserst freundschaftlich (der Empfehlungsbrief 
des Herrn de Laroche muss also wohl sehr dringend ge- 
wesen sein, und wie ich hernach erfuhr, hat Si-ben-Allel 
einen Französischen Pass, d. h. er steht unter Französischer 
Protektion) und ich muss auch gestehen, dass er es mir 
an Nichts hat fehlen lassen. Da er das Fieber hatte, gah 
ich ihm ein Brechmittel und einige Gramme Chinin. 

Den 24, März, — Es ist ein solcher Eegeu eingetreten, 
dass es unmöglich ist, weiter zu reisen, abgesehen davon, 
dass der Fluss über 30 F. hoch angeschwollen ist, denn 
ein Theil der Stadt steht heute unter Wasser, obgleich 
dieselbe noch V* Stunde vom TUed Kuss entfernt liegt. 
Ich muss in Geduld warten, bis das Wetter sich bessert 
und das Wasser fällt, um den Fluss passiren zu können. 
Vorgestern hatte ich vor, einen anderen Weg einzuschlagen 
und über Nuss-moda oder Karia-ben-auda nach Uesan 2u 
gehen. Ich hatte mich schon auf den Weg gemacht, um 
meine Pferde übersetzen zu lassen, aber es trat ein solcher 
Regenschauer ein, dass ich gezwungen war, wieder umzu- 
kehren. In der Stadt herrscht ein bodenloser Schmutz, da 
die Strassen nicht gepflastert sind und das Erdreich hier 
sehr schlammig ist, dennoch habe ich sie mehrmals ganz 



Oerhard Bohlfs* Tagebuch seiner Reise durch Marokko nach Tnat, 1864. 



83 



durchlaufen, einesdieilfi um mich ins Bad zu begeben, das 
am südwestlichen Ende- liegt, andemtheils um 8i-ben- Allel 
xn besuchen, der ganz am entgegengesetzten Ende wohnt. 
Diese grosse Stadt, die jetzt noch über 2600 Häuser und 
etwa 30.000 Einwohner zählt, muss einst bedeutend grösser 
gewesen sein, wie man aus den zahlreichen noch Torhan«' 
denen Moscheen schliessen kann. Ich habe nicht erfahren 
können, was ihr den Zorn des Sultan Muley-Ismael zuzog, 
genug dieser zerstörte sie fast gänzlich und seit der Zeit 
hat sie sich nie wieder recht erholt. Als Centralpunkt 
jedoch herrlich gelegen, wird sie gewiss bald wieder einen 
bedeutenden Bang einnehmen, sobald das Marokkanische 
Reich' einst den Europäern geöffnet sein wird. Die jüdische 
fioTölkerung mag sich auf 120 Familien belaufen, sie woh- 
nen hier nicht wie in den anderen Städten im Inneren in 
der Milha oder einem al^eschlossenen Viertel, sondern ver- 
mischt mit den Gläubigen wie in den Hafenstädten. Ent- 
setztich langweilig sind die Abende, da ich gezwungen bin, 
den Thee bei ^ Tussuf Tlem^ani zu nehmen. Aus Mangel 
an Unterhaltung amüsirt man sich mit kindischen Spielen 
oder singt in Begleitung der Gimboi (einer Art Guitarre mit 
3 Saiten), oder man macht schlechte Witze, zu denen man 
gezwungenermaassen lachen muss. 

Den 25, Märt, — Das* Wetter hat endlich einen hei- 
teren Charakter angenommen und das Barometer, das am 
ersten Tage auf 74,3 gefallen war, steht jetzt auf 76,u. 
Die Temperatur ist des Morgens und Abends immer noch 
kühl, ste^ jedoch selbst an diesen regnerischen Tagen in den 
enten Nachmittagsstunden gegen 25^ G. Ich war heute 
am rUed Kuss, das Wasser hat bedeutend abgenommen, 
ist indess immer noch nicht passirbar. Zum Flusse fuhrt 
in südwestlicher Richtung eine breite gepflasterte Strasse, 
beiderseits von den üppigsten Gärten eingefasst. Die hie- 
sige Gartenzucht legt sich besonders auf Äpfel, Melonen 
und Pistacien, obgleich auch alle anderen Fruchte und 
Gemüse gedeihen. Man fängt auch an, wie in Arbat und 
Tetnan, Baumwolle zu pflanzen, und erreicht gute Besul- 
täte. Eigenthümlich ist die Vorliebe der Störche für diese 
Stadt, auf manchen Häusern sieht man drei Nester, sogar 
auf den Bäumen in den Gärten findet man solche, eben so 
aof den meisten Minarets, deren ich heute 84 zählte. Man 
könnte daraus auf die Zahl der Moscheen schliessen, allein 
es giebt wohl noch eine eben so grosse Zahl ohne Mina- 
rets, wenn gleich die meisten verlassen sind oder doch nur 
noch bei besonderen Gelegenheiten benutzt werden. Wie 
weit der Europäische Einfluss jetzt schon hier geht, ersieht 
man an Si-ben- Allel. Dieser Mann, sehr begütert nament- 
lich an £indyieh und Schafen, war im Begriff, vom Sultan 
ausgeplündert zu werden, und zu dem Ende schon in Haft, 
um sich gegen eine starke Summe frei zu kaufen, als er 



sich unter Franzosischen Schutz begab, und jetzt wagt kein 
Mensch, ihm Etwas anzuthun. 

Ue$an, den 1, April, — Den ersten Ostertag war ich 
Mittags beim ehemaligen Konsul Abd-el-Kader's in Gran, 
Si-Mhamed, der jetzt Marokko bewohnt und ein reicher, an- 
gesehener Mann ist Mittwoch am 30. erlaubte mir end- 
lich das Wetter aufzubrechen. Der TUed Kuss war noch 
so angeschwollen, dass die Pferde in der Barke übergesetzt 
werden mussten, dann nahm ich meinen Weg auf Sidi- 
Gassem zu in gerader südlicher Eichtung. Nach einem 
dreistündigen Ritt erreichten wir die ersten Yorberge jenes 
Gebirges, das südlich Tom TUed Kuss läuft und in engem 
Zusammenhange mit den Gebirgszügen des Rif und den 
Bergen Schaun's, Tetuan's und Ceuta's steht. Bald waren 
wir mitten im Gebirge, indem wir uns ohne Weg in süd- 
östlicher Richtung gegen den Djebel Ssur-Ssur hin beweg- 
ten, welcher der Knotenpunkt der Gebirgskette ist Das 
schönste Wetter begünstigte uns und die herrliche Natur 
um diese Jahreszeit in üppigster Fracht begeisterte meine 
Fferdetreiber fortwährend zum Singen. Jedoch konnten wir 
uns nur langsam fortbewegen, da der Boden manchmal 
grundlos war. Überaus gut bewässert, obgleich die grös- 
seren Bäche, namentlich der TTJed Milha, wie schon sein 
Name andeutet (milha =: Salz), meistens salzhaltig sind, bringt 
die Gegend Alles hervor, was sich der Mensch nur wünschen 
kann. Wein, Öl, Feigen, Getreide und grosse Bohnen bil- 
den die Hauptkultur dieser gesegneten Gegend. Wir Hessen 
rechts die Dörfer Aschar und Bestia und befanden uns gegen 
Mittag vor der breiten Westseite des Djebel Ssur-Ssur, der 
eine relaÜTe Höhe von etwa 1500 Fuss haben kann. Wir 
zogen uns nun südlich um ihn herum. An der Nordseite 
der Westflanke dieses mächtigen Berges liegt das Dorf oder 
der tschar I) Gissa mit etwa 40 Häusern, am Südende der 
tschar Demmna ungefähr von gleicher Grösse. Wir be- 
rührten keines von beiden und bogen um den Südrand des 
Berges, wo wir auf die kleine neu erbaute Grabkuppel Sidi- 
Ali-ben- Allel stiessen; dann zogen wir in direkt östlicher 
Richtung weiter, Hessen etwas nördHch von uns den tschar 
Smkil und befanden uns um 2 Uhr Nachmittags auf dem 
Platze, wo Freitags Markt abgehalten wird und welcher 
deshalb chamis-el-Ssur-Ssur genannt wird. Wir mussten 
hier unseren Thieren etwas Ruhe gönnen und wir selbst 
waren auch froh, uns auf dem grünen Rasenteppich etwas 
ausruhen zu können. Durch mein Femglas erblickte ich 
TJesan und die dahinter liegenden mächtigen Berge. Das 
Gebirge besteht durchweg aus Sandstein, doch war dicht 
bei chamis-el-Ssur-Ssur eine mächtige Lage Marienglas offen 



^) tsohar oder richtiger dschar nennen die hiesigen Bewohner die 
Dörfer, die in der Wüste ksar oder ksor heissen. 



84 



Gerhard Rohlfs' Tagebuch seiner Beise durch Marokko nach Tnat, 1864. 



ira Tage. Die Beyölkenmg der Gkgend, obgleieh ansäaogy 
ist darchauB ArabiBch nnd nicht etwa wie am Bif Berbe- 
lisoh, Niemand versteht hier schellah oder die Berber- 
Sprache. Ich habe mehrfach bemerkt, dass in Marokko die 
Araber bedeutend säBsiger sind ab in Algerien und die 
Zelte überall von festen Wohnungen verdrängt werden« 

Wir verfolgten nun den kleinen Tüed Milha, der von 
Westen nach Osten strömt und sich wie fast alle Bäche 
dieses Gebirges in den rUed Kuss ergiesst Um 5 ühr 
Abends erreichten wir den tschar Sbab; ich meldete mich 
beim Scheich des Dorfes Namens Hume als ein Freund des 
Oross-Scherifs an und fand die zuvorkommendste Aufnahme. 
Meine Thiere versorgte er mit Gerste und sandte uns selbst 
Abends das hier landesübliche Gericht Kuskussu so wie 
ausserdem Ölpfannkuchen. Als ich ihm darauf ein Paar 
Tassen Kaffee schickte, sandte er mir sogar noch einige 
Brode für den folgenden Tag. Die Häuser in den Dörfern 
sind alle auf dieselbe Art erbaut; sie umschliessen nur 
einen mehr oder minder langen Baum, der etwas mehr als 
3 Meter Breite hat, sind aus Stein und Lehm aufgeführt 
und durchweg mit Stroh oder Binsen gedeckt. Fenster 
findet man nii^nds, nur eine niedrige Thür dient als Ein- 
gang und um Licht zu geben; ein Beicher hat msrnchmal 
drei oder vier solcher Häuser, die dann einen Hof bilden, 
in dem Nachts das Yieh bewahrt wird. Jedes Dorf hat 
eine Jemma (Moschee), die als Gotteshaus dient und um 
die Fremden zu bewirthen und zu übernachten. Hier kom- 
men Abends die verheiratheten Bewohner zusammen, jeder 
bringt seine Schüssel mit und die Gäste essen in Gemein- 
schaft mit den Bewohnern ; die Kinder bekommen die Beste, 
die Weiber essen für sich zu Hause. Dieser Gebrauch 
herrscht durchweg in Marokko, auch bei den Zelt- oder 
Duar-Bewohnem , wo die Jemma in einem Zelte besteht, 
wogegen in den östlichen Berber-Staaten die Fremden nach 
Art der Einquartierung bei und von den Einwohnern je 
nach ihrer Tour beköstigt und manchmal auch beherbei^ 
werden. Sbab ist ein grosses, langes, jedoch weitläufig 
gebautes Dorf, vor lauter Ölbäumen, auf deren stumpfen 
Ästen wohl eben so viele Störche nisten, wie das Dorf 
menschliche Bewohner hat, sieht man die Häuser desselben 
kaum. 

Am folgenden Morgen um 6 Uhr brachen wir auf und 
hatten bald die reizende Schlucht Schurr-Schurr erreicht, die 
sich mit einer 20 Fuss hohen Kaskade eröffnet und dann in 
östlicher Richtung, von Ölbäumen und Weinranken umlaubt, 
auf ein waldiges Plateau führt. Links Hessen wir den Ort 
Hamira, rechts den tschar Emel, die die hohe Grabstätte 
des Scherif Sidi-Ali beherrscht. Die Wege waren so grund- 
los, dass wir mehrere Mal absteigen mussten, weil die 
Pferde nicht weiter konnten. Man erblickt jetzt Kascherin, 



einen der Vororte Uesan's, und um 11 ühr rückten wir in 
dieses Städtchen ein. Von Kascherin bis Uesan hat man 
nur noch ein halbes Stündchen, das schnell vergeht, indem 
man fortwährend zwischen den üppigsten Gärten sich be- 
findet, ausserdem noch das kleine, dicht vor üesan liegende 
Dörfchen Bmel pasairt. Um 11^ Uhr hielt ich vor der 
Thür der Sauia (Sloster und Wallfahrtsort), zum Staunen 
und zur Freude der Bewohner, die mich todt geglaubt, da 
ein Benegat, den ich bei meiner letzten Beise in Mogador 
angetroffen, dem Scherif geschrieben hatte, ich sei am VVed 
Nun getödtet worden. Weit von der Wahrheit war er 
freilich nicht abgewichen. 

Dm 2. April. — Sidi-el-Hadj- Absalom , der sich erst 
vor einigen Monaten mit einer dritten Frau verheirathet 
hat, war sehr wenig für die Welt sichtbar, jedoch kaum 
angemeldet, kam er aus seinem Hause, um mich zu em- 
pfangen. Er war auf das Höchste erfreut, mich wieder zu 
sehen, und befahl auf der Stelle, mir meine frühere Woh- 
nung wieder einzuräumen. Diese besteht in einem hüb- 
schen Pavillon im Beat (Blumenterrasse) seines weitläufigen 
Gebäudes, das zugleich mit der Jemma ein ganzes besonderes 
Stadtviertel bildet Ich war schnell eingerichtet und ging 
dann zurück, lun ihm meine Geschenke zu überreichen, eine 
sehr hübsche Kaffeemaschine, eine Doppelflinte mit allem 
Zubehör und mehrere Jahrgänge des Monde illustrd. Für 
letztere interessirte er sich am meisten, den ganzen Tag 
nebst dem folgenden hatte ich damit zuzubringen, ihm die 
Bilder der Illustrirten Zeitung zu erklären. Ich hätte ihm 
gern unsere Leipziger Illustrirte Zeitimg mitgebracht, da 
die Französische sehr wenig Bilder von Deutschland ent- 
hält, aber nirgends konnte ich in Algerien alte oder neue 
Bände davon bekommen. Sidi war sehr zufrieden mit mei- 
nen Geschenken, da ich als alter Hausfreund gar nicht 
nöthig gehabt hätte, ihm Etwas anzubieten; ich dachte 
aber, dass ich für meine weitere Heise diese bis zum Sudan 
hin einflussreichste Persönlichkeit nie zu viel karessiren 
könnte. Ich furchte nur, dass ich zu lange seine Gast- 
freundscheLft annehmen muss, und meine Ungeduld treibt 
mich weiter, damit ich so bald wie möglich das mir vor- 
gesteckte Ziel erreiche. Unterdess überhäuft mich Sidi mit 
Aufmerksamkeiten aller Art, er führte mich sogar ins In- 
nere seines Hauses, in welches selbst seine Verwandten 
nicht kommen, damit ich seine neuen Bauten besehen sollte; 
die Speisen erhalte ich nur aus seiner Küche und zwar 
nur Fleischspeisen, da er weiss, dass ich den Kuskus nicht 
liebe. Ausserdem hat er mir noch zwei Domestiken bei- 
gesellt und seinen beiden Günstlingen so wie seinem Yettcr 
Sidi-Hamed-ben-Mikki , der mein Freund von früher her 
ist, befohlen, über alle meine Bedürfnisse zu wachen und 
meine Wünsche zu erfüllen. Heute Morgen liess er mir 



Gerhard BohUs' Tagebuch seiner Reise durch Marokko nadi Tuat, 1864. 



85 



das Pferd seines ältesten Sohnes Sidi*el-Arbi, der jetst 
10 Jahre zählt, mit einem Englisdien Sattel gesattelt Tor^ 
fahren, ich musste ihn dann nach einem nahe gelegenen, 
Ton ihm gegründeten Dorfe begleiten, wo er Yiehzueht 
treiben läwt, und zwar waren ausser ihm nur seine 
Gönstlinge, die ihn nie verlassen, und eine Menge Do- 
mestiken und Sklaven mit. Wir fröhstiiditen dort und zum 
Hittagsessen kamen auch noch mehrere Sohtirfa heraus- 
gentten. 

Seit ich Lxor verlassen, hat mein Barometer seinen 
Standpunkt auffallend verändert, von 75,19, worauf es 
sich dort durchschnittlich hielt, fand ich es bei meiner 
Aninnft hier auf 73,16 zurückgegangen und es hält sich 
dabei mit wenigen Abweichungen, weil Uesan schon bedeu- 
tend über dem Meere liegt. 

Dm 4, Aprü, — Heute Motten um 7 Uhr machte ich 
mich mit meinem Burschen Hamed auf, den Djebel bu- 
Helliill, an dessen Fuss Uesan liegt, zu besteigen. Bei 
schönstem Wetter hatten wir schon um 7 Uhr über 19^ G. 
Wärme. Uesan liegt am nördlichen Abhänge des Berges, 
der rundum mit Oliven, Wein und Feigen bewachsen ist 
und an /dessen anderen Seiten, namentlich an der östlichen, 
noch mehrere Dörfer liegen. Der Berg hat zwei Haupt- 
gipfel, von denen der westlichste der höchste ist; diesen 
bestiegen wir, nicht ohne Mühe, da sein letztes Drittel sehr 
steil und mit verwachsenem Gebüsch aus Brombeeren, wil- 
den Oliven und anderen Domen bewachsen ist. Um kein 
Anfisehen zu erregen, waren wir zu Fuss, mein Barsdiie 
hatte in einer ledernen Tasche Kaffee, Zucker, einen klei- 
nen Wasserschlauch, Thermometer, Femglas und Boussole, 
ich selbst trug das Barometer. Wasser kochte bei 76^ K 
oder 95** C. Auf dem Gipfel des Berges hat man ein Pano- 
rama ohne Gleicheit, bis ans Meer hin reicht der Blick, 
wie man denn vom Strande bei Laraisch aus auch 
den Djebel bu-Hellüll deutlich sieht. Gegen Mittag waren 
wir wieder unten und das Barometer hatte ungefähr 
wieder seinen alten Standpunkt angenommen, es bezeich- 
nete 73,14. 

Der Scherif ist jetzt vollkommen über mich im Klaren, 
nnd ol^leicfa er weiss, dass ich ihn unmittelbar nach un- 
serer Rückkehr von Muley-bu-Slemm verlassen werde, hört 
er doch nicht auf, mir Aufinerksamkeiten aller Art zu er- 
weisen. Ich habe ihm sogar gesagt, dass ich nach dem 
Sudan gehe, da ich dachte, es sei besser, ihm reinen Wein 
einzuschenken, und ich hatte mich darin nicht getäuscht, 
denn er hat mir nun versprochen, mich bis Tafilet mit seinen 
Leuten zu senden und mir dann Briefe für Tuat zu geben. 
Ich habe freilich, so weit es in meinen Kräften stand, alle 
aeine Wünsche erfüllt, ihm sogar gestern meinen sehr hübsch 
gearbeiteten Revolver gegeben, da er ihn zu haben wünschte ; 



er sandte mir darauf einen minder guten Bevolver als 
Gegengeschenk. Mein holosterisches Barometer habe ich 
nur retten können, indem ich ihm sagte, dass es mir von 
der Begierung anvertraut sei ; eine kleine, sehr hübsche und 
genau graduirte Boussole jedoch konnte ich ihm nicht ver* 
weigern, da er alle übrigen sah; er wählte sich gerade die 
beste. Ich verschmerze diess Alles indess gern, wenn ich 
nur glücklich Tuat erreiche, und das hoffe ich mit seiner 
Hülfe. Ich kann nicht genug die herrli<!he Natur hier be- 
wundem, nur Schade, dass, sobald ich mich etwas von der 
Stadt entferne, der Scherif mich gleich zurückrufen lässt, 
um ihm C^sellschait zu leisten. ' 

Karia-hen-Äuda . den 18. April. — Da der Aufbruch 
Sidi*s für gestern bestimmt war, bat ich ihn, mich einen 
Tag vorher abreisen zu lassen, um den Djebel Ssur-Ssur 
zu besteigen; er bewilligte gern mein Qesuoh und gab mir 
sogar seinen Cousin Sidi-Hamed-ben-Mikki zur Begleitung, 
falls die misstrauischen Bergbewohner mir etwa Schwierig- 
keiten bereiten würden. Vorgestern Morgen also brachen 
wir früh auf, ich ritt das Pferd seines ältesten Sohnes, weil 
der Scherif wollte, dass es so lange zu meiner Disposition 
bleibe, als ich sein Gast sei. Ausser meinem Burschen 
hatten wir noch einen Sklaven mit uns. Leider war das 
Wetter so fürchterlich, dass ich wenig von der schönen 
Gegend gcniessen konnte, der Eegen strömte in solchen 
Güssen, dass wir bald bis auf die Haut durchnässt waren; 
dabei bereitete der schlüpfrige Boden, das Anschwellen der 
Bäche uns manchmal ernstliche Hindemisse. Wir Hessen 
rechts die Dörfer Gesro und Djlaulau, uns immer in west- 
nordwestlicher Sichtung haltend, passirten den Bach TTJed 
Busiri, der sich in den von NO. kommenden, hinter dem 
Djebel bu-Hellüll entspringenden FXJed Sedj ergiesst, dann 
den rUed Sedj selbst, der hier von Norden nach Süden 
fliesst und etwa 2 Stunden weiter in den Tüed Euss mün* 
det, kamen durch das Dorf Tscheralia und erreichten immer 
in derselben oben angegebenen Eichtung das Dorf Hamara, 
Eigenthum des Scherifs. Von Muley-Hamed-ben-Mikki be* 
gleitet, wurden wir natürlich gut angenommen, jedoch 
schlugen wir das angebotene Frühstück aus, um so bald 
wie möglich unser Ziel zu erreichen, und nahmen nur zwei 
Mann Begleitung mit, theils um uns den Weg zu zeigen, 
theils auch als Bedeckung. Der Eegen belästigte uns dabei 
wie vorher, nur mit Mühe konnten wir uns vorwärts be- . 
wegen; endlich um 3 TJhr Nachmittags hatten wir auf 
halber Beigeshöhe das Dorf Sauia erreicht, wo wir über- 
nachten wollten. Drei angestellte barometrische Beobach- 
tungen ergaben für diess Dorf 7i2,6. Um die Neugier der 
Bewohner abzulenken, gingen Muley-Hamed und ich sofort 
nach der Grabstätte des Heiligen Sidi Ali-ben-Hamed. Hier 
vor dem Grabe niederknieend betete Muley-Hamed einige 



86 



Oerhard RoUfB' Tagebuch seiner Heise durch Marokko nach Tnat, 1864. 



Suren ans dem Koran, dachte dabei aber wahncheinlich 
an die Flasche Schnape, die ich ihm nach glücklicher Be- 
steigung des Berges zu kaufen versprochen hatte. Dann 
gingen wir ins Dorf selbst und stiegen in der Jemma ab. 
Unsere Ankunft, zumal das Englische Sattelzeug meines 
Pferdes hatte dort schon die ganze Bewohnerschaft des 
Dorfes versammelt, aber Niemand sagte mir nur Ein unan- 
ständiges Wort, da sie mich in Begleitung des Cousins Sidi- 
el-Hadj-Absalom's' sahen und da sie vermutheten, dass wir 
nur gekommen wären, die Grabstätte ihres Heiligen zu be- 
suchen, wie das hier ähnlich wie in den katholischen Län- 
dern sehr gebräuchlich ist Nachdem ich mich etwas erholt 
und sich auch glücklicher Weise das Wetter gebessert hatte, 
nahm ich Barometer, Femglas und Berolyer, um den Gipfel 
des Berges zu ersteigen. Ein Dorfbewohner, noch dazu 
Soherif, bot sich an, mich zu begleiten, was ich annahm. 
Fast war es mir jedoch unmöglich, den Gipfel zu erklim- 
men, die Steilheit des Berges, der glatte Boden, das manch- 
mal undurchdringliche Unterholz, dazu die lästige Kleidung, 
welche die freie Bewegung des Körpers hindert, waren mehr 
als genug, um einen Anderen, nicht an dergleichen Ge- 
wöhnten umkehren zu machen. Es kamen Stellen, wo wir 
manchmal auf allen Vieren kriechen mussten, um uns 
einen Weg durch das dicht verwachsene Gebüsch zu bah- 
nen. Endlich jedoch wurden unsere Mühen und Beschwer- 
den belohnt, wir erreichten die grosse Mauer, die den Berg 
krönt und die nach der Aussage meines Begleiters von den 
Christen herrühren soll, wie denn die Bewohner sänmitliche 
alten Bauten den Christen in die Schuhe schieben. Meiner 
Meinung nach rührt dieselbe weder von den Römern noch 
von christlichen YcAkem her, sondern ist wohl bloss der 
Überrest eines Wartthurms, den die Araber hier in der 
Zeit ihrer Glanzperiode bauten. Was soll ich noch von 
der bewundemswerthen Aussicht sagen, die man von 
dem Gipfel aus geniesst? Wie man vom ganzen Eharb 
aus überall diesen kolossalen Berg erblickt, so übersieht 
man von ihm aus den ganzen Eharb, im Westen vom 
weiten Ocean begrenzt Da ich höchst wahrscheinlich 
der erste Europäer war, der diesen Berg bestiegen, so 
feuerte ich sechs Mal meine Pistole ab, was den Scherif, 
der mich begleitete, nicht wenig verwunderte, indem er 
sich nicht erklären konnte, wie sechs Schüsse nach einander 
aus Einem Laufe herauskommen konnten. Kurz vor Sonnen- 
untergang erreichten wir das Dorf. Hier erwartete uns ein 
reichliches Mahl, aus mehreren verschieden zubereiteten 
Kuskusschüsseln bestehend. Ich hatte grosse Sorge für 
unseren kleinen Sklaven, da die Bewohner sehr diebisch 
sind und ihn leicht hätten stehlen können. Kam es doch 
neulich vor, dass die eigenen Leute des Scherif ein Kind, 
noch dazu ein weisses, stahlen und es an die Bergbewohner 



von Beni Msara für den Spottpreis von einem Duto 
(5 Francs) verkauften. Wir liessen aus Voisicht den Sklaven 
in der Jemma selbst schlafen, während wir Anderen in der 
Veranda ausserhalb derselben blieben, um nicht gar zu sehr 
von dem Ungeziefer geplagt zu werden. 

Am folgenden Morgen machten wir uns um 5 Uhr 
gegen Süden auf den Weg. Man kann sich keine herrlichere 
Gegend denken als diess üppige Gebirgsland, wo jeder Fleck 
angebaut ist und doch Alles dem Auge wild erscheint, denn 
hier giebt es keine Hecken, keine Einfriedigungen wie bei 
uns ; hier Gbtreide und Bohnen, dort Feigen und Wein mit 
Öl vermischt. Alles bunt durch einander, und jeder Gipfel 
von einem Dorfe gekrönt wie in der Grossen Kabylie. Dazu 
überall Wasser und die Quellen auch wie in der Kabylie 
überall von zierlichen Überwölbungen gegen die Sonne ge- 
schützt. Bald jedoch hatten wir das Oebirge hinter uns uod 
befanden uns nun in mnem fruchtbaren, überall angebauten, 
wellenförmigen Land. Gegen 9 Uhr Morgens hatten wir 
den rUed Mda erreicht, der aus demselben Gebirge etwa in 
der Breite von Uesan entspringend von West nach Ost 
dem Atlantischen Ocean zuströmt und in einen Sumpfsee 
südlich von Muley-bu-Slemm einmündet Ein Mann, der 
mit einem grosse^ Fisch uns entgegengekommen war, 
wurde von Muley-Hamed in Kontribution genommen, und 
als er erfuhr, wem er den Fisch zu geben hätte, unterzog 
er sich dem Befehl mit frommem Diensteifer; wir brieten 
ihn dann am Ladstock in einem nahe gelegenen Orangen- 
garten und die Bewohner eines benachbarten Dorfes liefer- 
ten uns ein Brod dazu. Noch 2 Stunden hatten wir 
von hier bis zur Karia-ben-Auda, vorher jedoch passirten 
wir noch Busra, eine ehemalige befestigte Stadt, von der 
Nichts weiter übrig ist als eine über 100 Meter lange, 
3 Meter breite und hohe Mauer aus Stein und Kalk, die 
aussen von Thürmen flankirt ist und in nordöstlicher Rich- 
tung verläuft. Dicht dabei liegt ein Tschar desselben Na- 
mens. Dann stiessen wir auf Ain-Djrift, eine Quelle von 
einem alten Gewölbe überdeckt, das jedoch stellenweise 
schon eingefallen war. Noch einen kleinen Ritt und wir 
hatten die beiden Gebäude der Karia-ben-Auda vor uns, 
von den zahlreichen Duar umgeben, welche die Nähe des 
Kaid anzieht. Da Sidi-el-Hadj-Absalom noch nicht an- 
gekommen war und der Kaid ben-Auda sich gerade an- 
schickte aufzusteigen , um ihm entgegenzueilen, so schlössen 
wir uns an und stiessen 'nach einer Viertelstunde auf den 
Scherif und sein zahlreiches Gefolge. Nach den üblichen 
Begrüssungen kehrten wir um und begaben uns in das 
Haus des Kaid, wo dem Scherif ein festlicher Empfang be- 
reitet war. Eäucherung mit "Weihrauch und wohlriechen- 
dem Holz, Besprengen mit Bosenwasser, Theetrinken, Ver- 
tilgen von ungeheueren Schüsseln bildeten den Haupttheil 



Qerhard Bohlft' Tagebuch semer Beise durch Marokko nach Tuat, 1864. 



87 



dieser Festlichkeit^ bei der es die Etiquette nicht erlaubte, 
das» gesprochen wurde. Die einzigen gewechselten Worte 
waren wohl zwischen mir und dem Scherif , der mir einen 
in meiner Abwesenheit vom Englischen Gesandten in Tan- 
ger für mich eingelaufenen Brief überreichte. Endlich war 
diese steife Ceremonie vorüber und wir konnten in unser 
Lager, das mittlerweile aufgeschlagen worden war, zurück« 
kehren. Abends fand yor dem Zelte des Scherif grosses 
Wettrennen der Kavaliere vom Hause des £aid Statt. 
Unser Lager ist augenblicklich noch klein, es besteht aus 
15 Zelten, wird aber bald anschwellen durch die Besucher 
und Freunde, die eintreffen werden, um den Scherif zu 
flehen und den Ausflug mitzumachen. 

Heute liesB mich Sidi rufen, um mit ihm zu frühstücken, 
and behielt mich dann den ganzen Tag bei sich. Eine 
Schüssel folgte der anderen und in mein Zelt zurückgekehrt 
fand ich ausserdem noch mein Diner, mehrere mit Mandeln 
in Butter gebackene Hühner. Man wundert sich vielleicht, 
da^s ich immer^von Essen spreche, das ist indess hier die 
Hauptsache und für die Mauren die einzige Unterhaltung, 
für sie dreht sich AUes dämm. Heute Morgen hatten wir 
einen furchtbaren Regen, der den ganzen Boden in einen 
Sumpf verwandelte. Wir waren genöthigt, unser Zelt umzu- 
schlagen, um es auf eine kleine Anhöhe zu verlegen. In 
diesem Augenblick, 6 XJhr Abends, klärt sich das Wetter 
auf und man organisirt zur Stunde wieder ein grosses Wett- 
rennen vor unserem Lager. Die Öflhung meines Zeltes 
nach Süden zu erlaubt mir, geradezu auf die Yier-Hügelkette 
Ssülfett zu blicken, während man sonst von hier aus rings 
herum nichts Merkwürdiges erblickt. 

Lella Ifeimuna, den 20. April. — Gestern blieben wir 
auf der Karia, da uns der Kaid durchaus nicht fortlassen 
wollte; zahlreiche Deputationen kamen aus der Umgegend, 
um dem Scherif Gaben darzubringen und ihn zu begrüssen. 
Tnter Anderen kam ein Mann und verlangte, dass Sidi-el- 
Hadj-Absalom seinen Kopf berühre, um ihn von einer Krank- 
heit zu heilen, eine Frau verlangte ein Gleiches, um fruchtbar 
zu werden. Andere baten um guten Bath; der Scherif be- 
friedigte Alle und alle Welt ging zufrieden von ihm. Ob er 
wirklich von seiner Wunderkraft überzeugt ist, weiss ich 
nicht, glaube es aber fast, denn er ist ja der direkteste 
Abkömmling des Propheten und von klein auf gewohnt, 
sich als solchen anzusehen. Dass er aber dabei auch sehr 
auf seine materiellen Yortheile sieht, kann ich ebenfalls be- 
Btätigen. Vom Eaid ging er sehr zufrieden hinweg, da 
ihm jener heute Morgen nach dem Frühstück ein kostbares, 
weisses, gesatteltes Pferd vorführte und einen Beutel mit Geld 
überreichte, der nach meiner Schätzung etwa 1000 Francs 
enthalten konnte. Dann sassen wir auf und schlugen eine 
nordwesüiche Eichtung ein. Unser Marsch dauerte nicht 



lange, nach 3 Standen hatten wir Lella Meimuna, einen 
Duar, erreicht und die Zelte wurden aufgeschlagen. 

Es befindet sich hier eine niedliche Kuppel, die der frau 
Lella Meimuna als Grabstätte dient, didit daneben ist eine 
kleine Jemma, aus zwei Schiffen bestehend. Gleich nach der 
Ankunft begab sich Sidi mit seinem ganzen Gefolge in die 
Grabstätte und dort wurden die üblichen Suren aus dem 
Koran abgeleiert; dann brachte uns das Volk Milch und Brod, 
das ohne Umstände auf dem Grabe >eingenommen wurde. Au- 
genblicklich findet wieder grosses Wettrennen vor unserem 
Lager Statt und der Bruder des Kaid ben-Auda stellt sich 
ein, um mit uns weiter zu gehen ; morgen kommt der Kaid 
selbst und noch Andere aus der Umgegend werden erwartet. 
Von hier aus erblickt man Muley-bu-Slemm in gerader 
westlicher Richtui^. 

Mtäey-hu-Slemm. dm 22, April. — Gestern Morgen 
kamen wir sehr früh hier an. Die ganze Bewohnerschaft 
der Umgegend begleitete den Scherif mit Fahnen und fort- 
während La-ilaha il- Allah (Ausser Allah kein Gott) singend. 
Auf dem Wege stiess uns sonst nichts Merkwürdiges auf; 
wir ruhten einen Augenblick bei der kleinen Quelle Ain- 
Tissuth, merkwürdig wegen der Menge Fische', die sich 
unbelästigt darin aufhalten, da sie von den Eingebomen 
als heilig angesehen werden. -In Bu-Slemm angekommen 
begaben wir uns sofort nach der Grabstätte des Heiligen, 
einem geräumigen Dom, der seit Menschengedenken vom 
Meeressande eingehüllt war, dieses Jahr aber durch ein 
Wunder Gottes den Menschen geöffiiet war'), damit die 
Gläubigen wieder ihr Gebet am Grabe dieses Heiligen ver- 
richten können. Wir begaben uns sofort nach unserer An- 
kunft in das Mausoleum, das geräumig imd geschmackvoll 
ist; man musste vom Sand aus zur Thür mit einer Leiter 
hinuntersteigen. Von den drei Gräbern, die sich darin be- 
finden, weiss man nicht mit Bestimmtheit, welches dem 
Heiligen angehört, wir küssten sie daher alle drei mit 
gleicher Fhrfurcht. Dann wurden wieder viele Suren 
hergesagt und lüerauf kehrten wir in unser mittlerweile auf 
den Sanddünen aufgeschlagenes Lager zurück. Dieses fanden 
wir bedeutend vergrössert durch die Ankunft des Kaid 
ben-Auda, des Kaid uld-Dauia und des Kaid el-Abessi; 
letzterer besonders hatte ein zahlreiches Gefolge bei sichu 
Ich füge hier hinzu, dass die Provinz Bharb von zwei 
Kaids regiert wird, die nordöstliche Hälfte vom Kaid ben- 
Auda, die südwestliche vom Kaid el-Abessi, der in der 
gleichnamigen Karia seine Residenz hat. 

Es finden sich hier noch verschiedene andere Dome, 
einige jedoch bis oben im Sande vergraben. Die Eingebomen, 



^) Wahrscheinlicli wurde der Meereseand dorcli die grosse Sprmg- 
flttth am 9. MKrs d. J. weggenommMi. 



88 



Gerhard Rohl&' Tagebuch seiner Reise durch Marokko nach Taat, 1864. 



die darin Gottes Willen sehen, wagen nicht, sie auszugraben, 
was sie mit leichter Mühe thun könnten. Der Heilige 
Muley-bu-Slemm, der dem Ort seinen Namen gegeben hat, 
soll Yon Äg3rpten gekommen sein. 

Die yersohiedenen kleinen Bäche und Flüsse, die theils 
aus dem Laraischer Holz kommen, wie der l'Ued Mschr^ 
el-chodor, theils selbst yon Noss-moda, ergiessen sich 
hier in einen grossen See, der beuteiförmig nach Süden 
sich ausdehnt Durch Dünen ist dieser salzige See vom 
Ooean getrennt, manchmal jedoch durch einen Abfluss mit 
dem Meere yerbunden; diess war der Fall, als ich yor zwei 
Jahren bu-Slemm besuchte. Der Ort zeichnet sich sonst 
durch Nichts aus, am Meeresstrande findet man indess die 
zierlichsten Muscheln, ich sah selbst einen Eorallenwuchs 
yon äusserst schöner Form. Das Wetter war indess fort* 
während der Art, dass man sich kaum aus den Zelten heraus- 
wagen konnte, Bogen und Sturm wechselten mit einander 
ab, w«s aber das Volk der Umgegend nicht abhielt, eifrig 
das Lager zu besuchen, um den Segen des Scherif zu em- 
pfangen ; namentlich waren auch seine beiden kleinen Söhne, 
Sidi-el-Arbi, 12 Jahre alt, und Sidi-Mohammed, 8 Jahre alt, 
Gegenstände der Bewunderung und Anbetung. Wenn man 
in Französischen Geschichts- und Geographiebüchem liest, 
dass der älteste Sohn des Scherif, Sidi-el-Arbi, ein skrophu- 
löses, unfähiges Geschöpf sei, so ist das eben so grundfalsch, 
als was man über die Person des Scherif selbst berichtet. 
Dieser junge Knabe, der sehr aufgeweckt ist, yon gebräun- 
ter Farbe, hat die ganze Exkursion zu Pferde mitgemacht, 
wie sein jüngerer Bruder, was gewiss eine gute Konstitu- 
tion beweist. Was seinen Charakter anbetrifft, so ist der- 
selbe ernst, würdeyoll und zurückhaltend und ich wundere 
mich nur, wie der Knabe bei seiner Erziehung oder eigentlich 
Nichterziehung so liebenswürdig sein kann, denn wenn man 
bedenkt, dass man ihm allen Willen lässt und jeden seiner 
Wünsche erfüllt — wird er doch wie sein Vater fast als 
^ Gott yerehrt — , so ist es gewiss zu yerwundem, wenn 
ich sage, dass derselbe bis jetzt gar keine bösen Eigen- 
schaften zeigt. 

Karia el- Abesst, dm 25, April. — Vorgestern Mh 
brachen wir auf, uns in südlicher Bichtung längs des Mee- 
res haltend; ein ungeheueres Gefolge begleitete uns trotz 
des Begens, der in Strömen auf uns lierabfloss. Nach einem 
zweistündigen scharfen Bitt yerliessen wir das Meer und 
bogen südöstlich ins Land ein, kamen eine kurze Strecke 
durch das Korkeichenholz und erreichten den grossen Sumpf 
yon Ain-Felfel, der fast ganz yon Wasser bedeckt war. 
Hier wurde eine Jagd yon den yersohiedenen Kaid an- 
gestellt, welche behaupteten, der Sumpf sei yoU yon Wild- 
schweinen und Schakals. Sidi wie auch ich und unser ei- 
genes Gefolge blieben am Waldrande, überzeugt, dass die 



Jäger ausser Wasseriiühnem und Enten Nichts im Sompfe 
antreffen würden. So war es denn auch in der That, nach 
dreistündigem Jagen war bloss ein Schwein aufgetrieben 
und diess entwischte den Jägern noch dazu in den Wald. 
Durchnässt eilten wir Ain-Felfel zu, wo wir unsere Zelte 
aufgeschlagen fanden. Wir blieben nur die Nacht, brachen 
am folgenden Morgen früh anf, indem wir die Jagd in dem 
dichten Korkeichenwald in südöstlicher Bichtung fortsetzten 
und unsere Bagage nach Bas-el-Daura yoraussandten , wo 
wir die Gastfreundschaft des Kaid uld-Dauia annehmen 
wollten. Wir waren heute glücklicher, sieben grosse Schweine 
wurden getödtet und den Windhunden zur Nahrung über- 
lassen, ausserdem erbeuteten wir einen ganzen Trupp junger 
Schweinchen, yon denen ich drei mitnahm. Füchse und 
Schakale wurden wohl aufgetrieben, aber nicht erlegt, eben 
so gab man nicht Acht auf die zahlreichen Hasen, Kanin- 
chen, Bebhühner und sonstiges kleines Wild. 

Um 4 Uhr Nachmittags kamen wir beim uld-Dauia an. 
Auch hier blieben wir nur eine Nacht und unter fortwäh- 
rendem Bogen brachen wir am folgenden Morgen um 6 Uhr 
auf. Unsere Bichtung war OSO. Wir hatten zwei Mal 
den rUed Mda zu passiren, der sich unweit yon hier süd- 
lich in einen Sumpf yerliert, und da der Fluss durch den 
anhaltenden Begen sehr angeschwollen war, musste ich 
jedes Mal abladen lassen, um Bücher, Instrumente und 
Medikamente yor dem Wasser zu bewahren. Um 1 ühr 
kamen wir nach einem scharfen Bitt bei der Karia el-Abessi 
an und eben jetzt findet grosses Wettrennen yor dem Zelte 
des Scherif Statt. Eigenthümlich sind hier die zahlreichen 
runden kleinen Hügel, die, jedenfalls yon Menschenhänden 
aufgeworfen, ganz das Aussehen wie unsere Hünengräber 
in der Lüneburger Haide haben. Das Wetter hat sich 
endlich aufgeheitert und yerspricht gut zu werden. 

Uesan, den 27, April. — Gestern Morgen brachen wir 
schon um 5 Uhr auf und eilten hierher; fortwährend im 
Trabe reitend erreichten wir bald den kleinen Tüed Tinn, der 
yom Gebirge Nuss-moda kommend sich nach Aussage der 
Leute in den TUed Ardat ei^iesst. Die Wege waren ent- 
setzlich, namentlich als wir das Gebirge erreicht hatten, 
um 2 Uhr jedoch langten wir schon in Uesan an, freilich 
kam das Gepäck erst Abends um 8 Uhr nach. Ich hatte 
die* Freude, hier Briefe yon unserem Konsul in Gibraltar 
und yom Englischen Gesandten in Tanger nebst Zeitungen 
yorzufinden. Auch^ schickte mir unser Konsul ein Engli- 
sches Gewehr mit Zubehör, da dasselbe aber unglücklicher 
Weise durch die Hände Sidi's ging, verlangte er es von 
mir zum Geschenk. Ich musste also zufrieden sein, dass 
er sich bereit erklärte, mir die andere Doppelflinte wieder 
herauszugeben, was er denn auch gethan hat. Man sieht 
daraus, wie man der Willkür Preis gegeben ist, denn hätte 



Gerhard RoUfs* Tagebuch seiner Reise durch Marokko nach Tuat, 1864. 



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ich iie ihm verweigert, würde er mir keine Oeleitsbriefe 
für meine weitere Beise geben. In einigen Tag&a, nachdem 
ich mich etwas erholt, denke ich südwärts aufzubrechen. 

Ueam. dm 6. Mai. — Ein Glück für mich ist, dass 
vorgestern endlich aus der offenen Wunde meines Armes 
ein fast zoUgrosser Knochensplitter, hoffentlich der letzte, 
herausgekommen ist. Ich zog ihn selbst mit meiner Pin- 
oette heraus und die Wunde, die seit zwei Wochen stark 
eiterte, ist jetzt schon zugeheilt. Morgen werde ich nun ab- 
reisen mit einer Karawane der Beni-Mgill, die ihren Sitz am 
Noidabhange des Grossen Atlas haben und hierher gekommen 
sind, mn sich den Segen Sidi's zu holen. Dieser hat mich 
ihnen aufs Dringendste empfohlen und ihnen bei Yeriust 
seines Segens geboten, mich sicher nach Tafilet oder we- 
nigstens an Muley-Abd-er-Ehaman-ben-Sliman zu liefern. 
Ausserdem habe ich 20 Empfehlungsbriefe von Sidi für 
Tafilet, Tuat, Timmi, Tidikelt und Timbuktu an die ein- 
flussreichsten Persönlichkeiten. Die Beni-Mgill sind Berber 
and sprechen Schellah oder Berberisch, die meisten ver- 
stehen jedoch auch Arabisch. Dieser Tage kam von Buschar, 
wo ich voriges Jahr verwundet durchpassirte , ein Mann 
hierher pilgern, der mich sehr menschenfreundlich bei sich 
angenommen hatte und mich dann sicher nach Figig beglei- 
tete. Ich konnte ihm jetzt seine Wohlthaten erwiedem; 
aosserdem dass er bei mir logirt und ich ihn von Kopf zu 
Fuss neu gekleidet habe, verschaffte ich ihm mehrere Em- 
pfehlungsbriefe vom Scherif und seinen besonderen Segen. 

Kw Beramn, Mdaghra, dm 28. Mai, -r- Bis jetzt 
&nd sich noch nicht wieder Gelegenheit, ohne die Aufmerk- 
samkeit der Eingebomen zu erwecken, meine Erlebnisse 
und Beobachtungen einzutragen. Hier jedoch an sicherem 
Orte will ich Alles nachholen. 

In Begleitung der Beni-Mgill brachen wir also von 
TJesan am 7. Mai um 8 ühr Morgens auf, nachdem wir 
vorher an der Grabstätte des Sidi-el-Hadj el-Arbi den 
Segen des Höchsten far unsere gefahrvolle Wanderfahrt 
dnrch den Atlas erfleht hatten. Unser Weg führte uns in 
südlicher Richtung durch das TJesan umgebende Gebirge, 
in dem zahlreiche von Wein- und Ölbäumen umkränzte 
Dörfer versteckt liegen. Die Pilger der Beni-Mgill, alle 
zu Fuss und zwei weisse i^ahnen als Zeichen ihrer Pilger- 
fahrt mit sich führend, hörten nicht auf, ihr Lah ilaha il 
Allah zu singen, namentlich zeichneten sich die beiden sie 
begleitenden Weiber darin aus. Sie waren, wie gesagt, 
sämmtüch zu Fuss und, obgleich manche in ihrer Heimath 
begütert sind, aufs Ärmlichste gekleidet, um vor Kaub und 
Plünderung sicher zu sein. Wir allein, mein Bursche und 



Der Vater Sidi el-Hadj-Absalom's, sehr yerehrt und jetzt einer 
^ grössten Heiligen. 

Petermann's Geogr. MittheilttngeiL. 1865, Heft HI. 



idi, waren beritten. Das zog uns die Unannehmlichkeit 
zu, dass wir uns nach und nach mit sämmtlichem Gepäck 
unserer Karawane befassen mussten, was ich nicht ab- 
schlagen konnte, da wir ihnen so zu sagen anheim gegeben 
waren. Durch die schön angebaute Oegend dahin ziehend 
erreichten wir um 12 Uhr den kleinen TUed Brofran, der 
von Norden kommend sich in den l'Ued Aidat ergiessl, 
Zwei Stunden lang verfolgten wir seinen Lauf, verlieseen 
ihn dann und erreichten um 3 Uhr den TUed Ardat, den 
wir denn an dieser Stelle durchfurtheten. Wir hielten uns 
immer in südlicher Richtung, ohne an einen Weg, wie man 
ja überhaupt in ganz Marokko nur Pfade hat, gebunden 
zu sein. Links hatten wir jetzt den Djebel Auf, dann die 
Gebirgskette Djebel Seta, die eine relative Höhe von 800 F. 
haben kann.' Bechts im Westen sahen wir den hohen 
Djebel Kurr., der dem Djebel Bu-Hellül an Höhe wohl 
wenig nachsteht Li SSW. vor uns hatten wir den Djebel 
Tensfitt. Wir befanden uns jetzt fortwährend in einer 
wellenförmigen, fruchtbaren und überall au& Schönste an- 
gebauten Ebene. £in fürchtbares Gewitter, das plötzlich über 
uns hereinbrach, nöthigte uns, in einem nahen Dnar Unter- 
kommen zu suchen. Wir hatten kaum Zeit, unsere Sachen 
ins Jemma-Zelt zu flüchten, als ein Platzregen über uns 
hereinströmte, wie man sie eben nur in diesen südlichen 
Gegenden antrifft. Dazu war das Zelt sehr klein, so dass 
wir fast einer auf dem anderen lagen; ich hatte für meine 
Füsse keinen Platz im Zelte, so dass ich sie dem Regen 
Preis geben musste, und auf meiner Schulter ruhte die 
ganze Nacht hindurch das greise Haupt einer der Beni- 
Mgill, der nicht aufhörte, seine einförmigen Lieder zu singen. 
An Schlaf war für mich unter diesen Umständen nicht zu 
denken. Die Bewohner des Duar, deren Zelte durch den 
Gewittersturm zum Theil zu Boden gerissen wurden, be- 
wirtheten uns trotzdem sehr gastfreundlich, namentlich als 
sie erfuhren, dass ich erst kürzlich in ihrer Heimath Laghuat 
gewesen, von welchem Ort sie vor etwa 30 Jahren hierher 
ausgewandert waren. Sie bilden jetzt hier einen mäch- 
tigen Stamm und nennen sich noch heute Beni-Laghuati. 

Am 8. Mai brach der Meißen indess heiter an und um 
4^ Uhr machten wir uns auf den Weg. Der Boden war 
vom Hegen ausserordentlich schlüpfrig geworden, so dass 
wir uns nur langsam weiter bewegen konnten; um 8 Uhr 
erreichten wir den TUed Urga, wo ein Kahn Sidi-el-Hadj- 
Absalom's sich befindet, der uns übersetzte. Wir verweilten 
auf der anderen Seite einen Augenblick im Dorfe Ain- 
Mussa, das ebenfalls dem Scherif gehört, und setzten dann 
unseren Weg immer in südsüdöstlicher Richtung fort. Von 
hier aus in gerader östlicher Bichtung erblickten wir den 
hohen Djebel Muley-Busta, einen berühmten Wallfahrtsort, 
und vor uns im Süden tauchte jetzt die Gebirgskette des 



90 



Fraa Baronm y« Gertidorfs Beise in Syrien, Ton Aleppo nach Deir am Euphrat, 1864. 



Huley-DriM-Senme aii£ Um 13 Uhr Mittags hatten wir 
den Ujebel Tensfttt rechts im Westen. Um 4 Uhr Nach- 
mittags waren wir vor dem TUed Sebu, wo wir ebenfalls 
dnen Kahn des Scherif yoifanden, der uns übersetzte; wir 
marschirten dann noch bis spät in die Nadit, um einen 
Sania-Ort des Scherif Ain-Aly, zu erreichen. Endlich nm 
8 Uhr Abends langten wir an und erreichten mit ihm zu- 
gleich die ersten Yorgebiige des Djebel Mnley-DriBs-Serone, 
dessen Hanptrichtimg von Osten nach Westen geht Un- 
sere Leute wurden in die Jemma einquartiert , ich zog 
es des Ungeziefers halber vor, draussen meinen Teppich 
aasbreiten zu lassen und unter fireiem Hinmiel zu schlafen. 
Am 9. hatten wir einen höchst beschwerlichen Marsch^ 
die schlüpfrigen Wege, die steilen Berge und Klippen nah- 
men meine ganze Aufinerksamkeit in Ansprach, so dass ich 
die Schönheit der Gegend, die herrlichen öl- und Wein- 
pflanzangen rings umher wenig gemessen konnte. Unsere 
Bichtung wechselte natürlich jeden Augenblick, sich dem 
Gebirge fügend, jedoch war unsere Hauptrichttmg SO. Um 
8 Uhr Nachmittags hatten wir den Kamm des Gebirges 
erreicht und erblickten von hier aus Fes-el-4i6did, während 
die Altstadt selbst hinter dem Djebel Salah verborgen blieb. 



Die Stadt Muley-Dnss-Serone hatten wir rechts liegen lassen» 
MickenesB konnten wir der Berge halber nicht sehen. Vor 
uns breitete sich die Gurr-Ebene, weiter südlich die Siss- 
Ebene aus. Um 4 Uhr erreichten wir das Ton Schäi£ü 
bewohnte Dorf Uled-Sidi-Hassen, wo wir übernachteten. 
Das Barometer zeigte mir, dass wir uns hier auf gleicher 
Höhe mit dem Djebel. Bu-Hellül befanden, die Bergspitzen 
selbst waren jedoch mindestens noch 1000 Fuss höher. 
Müdigkeit vom anstrengenden Marsch erlaubte mir nicht, 
sie zu besteigen, um eine genaue barometrisdie Höhe zu 
erhalten. 

Hier am südlichen Abhänge des Berges fangt das Berber- 
Element an vorzuwalten, und wenn man die Karte von 
Marokko zur Hand nimmt, wird man finden, dass die Ara- 
ber nur einen sehr geringen Theil dieses Eeiches inne 
haben: Beni-Snassen, Garet, Biff im Norden haben Berbe- 
rische Bevölkerung, nur der Bharb, Beni-Haasen, Andjera 
und die Atlantische Küste bis zur Mündung des TUed Tensif 
sind von Arabern bewohnt, alles übrige Gebiet, welches 
der Atlas beherrscht, im Norden und Süden, haben Berber 
inne, theils ansässige, theils Nomaden. 



■^^^^^^^^^^»»rfM^^^^»>^^^^^^^/N^^*V^^«^ 



Frau Baronin v. Gerstdorfs Reise in Syrien, von Aleppo nach Deir am Euphrat, 1864 

Mit Bemerkangen von Dr. A, D^ Mordtmann. 

(SehlvMi).) 



6. November, — Wir stiegen erst nach Sonnenaufgang 
zu Pferde, und nachdem wir erst die Hirsefelder passirt 
hatten, ging es schnell Tor sich; dann ging es durch eine 
Ebene in den Wald, wo wir wieder den Euphrat aus dem 
Oesicht yerloren; nach dreistündigem Marsche sahen wir 
auf dem entgegengesetzten Ufer des Euphrat die Festung 
Ealaa Dschaber mit ihren Minarets; gegenüber lag unsere 
Station Abu Herere, über welche Zelte Scheich Gedru Ober- 
haupt ist; Albert hatte hier einen Kapitän mit Soldaten 
hergesetzt; dieser Kapitän kam mir entgegen und führte 
mich in das Zelt des Scheich, wo ich ausgezeichneten Jogurt 
fand. Der Hausherr gefiel mir gar nicht , ein alter 
Brummbart; als man ihm verständlich machte, dass er ein 
Schaf bringen sollte, legte er sogleich die Scheich- Würde 
ab und sagte, dass er nur ein Yellah sei; Osman Aga 
drohte ihm mit dem Stock, was aber zu T^'ichts führte, bis 
ihn unser Tschausch bei Seite nahm und ihm sagte : „Wenn 



1) Den ersten Theü s. im yorigen Heft, S. 62 ff. 



Du nicht sofort ein Schaf bringst, melde ich es dem Omer 
Bej." Keine Sekunde verging, so hatten wir das fetteste 
Schaf. Von hier an litten unsere armen Pferde recht viel, 
weil unsere mitgenommene Gerste zu Ende war und sie 
keine Hirse fressen wollten. 

7. November. — Heute standen wir ganz früh auf, weil 
wir einen langen Marsch vor ims hatten; ich kann nichts 
Besonderes über diesen Marsch sagen, ausser dass wir so- 
gleich den Euphrat verliessen und abwechselnd in Schluchten 
zwischen Bergen und Wäldern auf Ebenen ritten, bis wir 
endlich eine Stunde vor Sonnenuntergang rechts auf einem 
Hügel die Buinen von El Hammam sahen; sie hatten von 
ferne ganz die Form von Kameelen, ich wäre gern hinan- 
geritten , aber ich war zu müde ^). Hierauf passirten wir 
noch einen Wald und liessen uns dann auf einer Anhöhe 
nieder, wo wir den Euphrat wieder bei uns hatten; Tags 



') Die VerfaBserin sah den ganzen Tag Nichts Tom Euphrat und 
die Ruinen von £1 Hammam hatte sie zur Kechten ; dieser Ort lag also 
jedenfalls nicht am Euphrat und kann also schon aus diesem Grunde 
nicht Thapsacus sein. 



Frau Baronin y. Oerstdorf s Reise in Syrien, von Aleppo nach Deir am Eaphrat, 1864. 



91 



Terlieren wir ihn xuid* Abends haben wir ihn wieder; sein 
Wasser schmeckt sehr gut und süsslich. 

Diese Nacht schien man Furcht 2u haben, weil sie mein 
Zelt in ihrer Mitte aufschlagen Hessen und strenge Wache 
m halten kommandirt wurde, wahrscheinlich weil wir hier 
gani allein waren, kein Zelt, kein Haus, Nichts ausser 
ans. Ich weiss nicht, ob ich Courage hatte, oder war es 
ans Müdigkeit, genug, ich schlief so ruhig ein, als ob ich 
in einer Festung schliefe; aber das Vergnügen dauerte 
höchstens eine Stunde, als ich wie wahnsinnig aufwachte; 
die Schakale schienen mich in meinem Zelte umringt zu 
haben; ich schaute schnell unter das Zelt hinaus und sah 
die Schakale ganz nahe, 10 Schritt yon mir um ein Feuer 
heram, welches sich die Wachen angezündet hatten und 
dabei eingeschlafen waren; die Schakale wärmten sich an 
dem Feuer und musicirten dabei ; sie haben die GFrosse eines 
Hundes, nur dass ihnen die Haare zu Berge stehen wie 
Borsten. Die Soldaten wachtsn auf und schössen auf sie, 
worauf sie sich aus dem Staube mächten, um sogleich 
▼ieder zu kommen. Ich wurde diese Nacht zehn bis zwölf 
Mal durch die Schakfde geweckt, schlief aber immer wieder 
ein. Bis jetzt hatten wir glücklicher Weise keinen Tropfen 
Begen gehabt; jetzt hörte ich schwere Tropfen auf mein 
Zelt fallen; zum Glück dauerte es nur eine halbe Stunde. 

8, November. — Heute kündigte man mir an, dass wir 
bis nach Sabka, 12 volle Stunden, reiten müssten. Je eher, 
je lieber, dachte man, und wir waren bereits eine halbe 
Stunde auf dem Marsch, als uns die Sonne ihre ersten 
Strahlen zur Begleitung schickte, worüber wir sehr froh 
varen: Alles, nur keinen Begen auf den Weg. Nach einiger 
Zeit ze^te sich unseren Blicken die verfallene Stadt Bakka 
anf der anderen Seite des Euphrat; sie ist gross und sehr 
lang. Dann kamen wir endlich an Hamra vorbei. Was 
ist Hamra? Ein grosser, dicker, langer Wald, der sich bis 
nach Sabka hinzieht; durch die Gebüsche sah man die 
Laubhütten-Dächer der Bewohner; auch kam eine Heerde 
Bafelkühe ans Ufer, um Wasser zu trinken, sonst keine 
Spur yon Menschen und dass dieser Wald so viele Bewoh- 
ner birgt; aber an dem Ufer, wo wir ritten, sah man merk- 
liche Sachen, an denen man sehen konnte, welche tragische 
^nen sich hier ereignet haben. Auf der einen Seite zeig- 
ten einige frisch aufgeworfene Erdhügel die Ruhestätte der 
dort gefallenen Offiziere und Soldaten an; die Erdschanzen 
«tanden auch noch, und am meisten interessirte mich eine 
Art von Laube, welche Albert sich während seines dortigen 
Anfenthaltes vor seinem Zelte hatte machen lassen; mir 
schien, dass ich noch seine Tritte vernehmen könnte ; etwas 
weiterhin kamen wir zu der Stelle, wo Albert den Über- 
gang nach Hamra forcirt hatte; es war Nachts unter dem 
Feuer der Hamraner. Wir Hessen jetzt an dieser Stelle 



unsere Pferde tränken O* Im Ganzen war ioh froh, als wir 
vorbei waren; es sah mir die Gegend zu traurig aus; auch 
kamen dazu schwere schwarze Wolken herangezogen. Die 
Sonne machte ein gar zu düsteres Gesicht und mahnte uns, 
unsere Pferde anzutreiben; meinerseits war es nicht nöthig, 
ich ritt auf meiner Lieblingsstute Kasla Hau, welche man 
nur immer zurückhalten muss; jetzt liess ich ihr dreien 
Lauf, sie. spitzte ihre Ohren und ging mit mir in so schnei* 
lem Trabe vorwärts, dass ich die ganze Karawane hinter 
mir liess, und gerade als die Sonne unterging, befand ich 
mich zwischen den Hütten und Zelten der Sabka. Hier 
sah ich zum ersten Mal Hütten von geflochtenem Weiden- 
holz, welches mit Lehm verklebt und mit Laub zugedeckt 
wird; mit Mühe arbeitete ich mich durch die absdieulichen 
Hirsefelder, bis mir nahe am Ufer Omer Pascha en^egen 
kam und mir mein Zelt in einer Minute aufschlagen liess ^. 
Ich hatte für ihn Briefe von seiner Frau, die ich ihm 
ühergab ; er war so aufinerksam, mir Essen zu schicken ; er 
sah wohl ein, dass man jetzt Nachts nur ein mittelmässiges 
Essen für mich finden würde. Omer Pascha war auf der 
Rückreise nach Aleppo begriffen. 

Abmids besuchten mich die zwei Frauen des Scheich 
Fail mit seiner Nichte; letztere war ein wunderhübsches 
Mädchen, nur Schade, dass ihre Unterlippe blau gefärbt 
war; ich schenkte ihr einen grünen Glasring, über den sie 
siöh nicht genug freuen konnte. Ich musste ihr freigebig 
vorgekommen sein, denn darauf verlangte sie nach meinem 
Toilettespiegel, den ich ihr aber nicht geben konnte, weil 
idi keinen anderen besass und ich meine Eitelkeit nicht so 
weit beherrschen konnte , um mich nicht des Tages ein 
Mal im Spi^;el zu besehen. 

Nachdem sie fortgegangen waren, legte ich mich nieder, 
wachte aber mitten in der Nacht durch das furchterlidie 
Donnern und Blitzen des Himmels auf; unser Zelt hatte 
sich voll Wind geblasen wie ein Segel und drohte uns mit 
sich wegzureissen; die Pflöcke waren schon wenigstens zur 
Hälfte aus der Erde und gingen in die Winde; ich hätte 
mich trotz Donner und Blitz nicht gefürchtet, aber Omer 
Pascha hatte meine Zelte keinen Pik weit vom Euphrat 



*) Es war wenige Wochen Torher, im September und Oktober 1864, 
als mein Schwiegersohn in dem Feldzuge gegen die Aneze- Araber hier 
die Hamra nach einem dreitSgigen Kampfe zur Unterwerfung zwang. 
Die damals in den Zeitungen yerbreiteten Gerfiohte, als habe er ii la 
Pelissier den Wald anzünden und die Bewohner braten lassen, erweisen 
sich durch den schmucklosen Bericht meiner Tochter als müssige Er- 
findung eines übelwollenden Zeitungs-Korrespondenten. Aus den früher 
empfangenen Berichten meines Schwiegersohnes ergiebt sich, dass er 
Behufs der Unterwerfung und späteren Sicherung der Kommunikationen 
einen Weg durch den Wald habe aushauen lassen, NB. nachdem die 
Hamraner schon besiegt waren. 

') Der hier erwShnte Omer Pascha ist nicht der ron Bosnien, Ton 
der Donau, Ton der Krim und yon Mingrelien her bekannte Serdar 
Ekrem Omer Pascha (Lattas aus Kroatien), sondern ein Landsmann 
meines Schwiegersohnes. 

12* 



Frau Baronin v. GeiBtdorf s .Beise in Syrien, von Aleppo nach Deir am Euphrat, 1864. 



aufschlagen lassen , so dass, wenn das Zelt wegfliegt, es 
direkt ins Wasser fällt, welches hier noch dazu sehr tief 
ist; leider kann ich nicht schwimmen; es wäre also ein 
solches Bad, abgesehen von der Kälte, doch immer ein sehr 
unpraktisches für mich, wobei ich wohl meine Haut hätte 
lassen müssen. Also eins, zwei, drei, kroch ich zum Zelte 
hinaus und stand da baxfuss draussen; es ist gut, dass ich 
mich gewöhnt hatte, so lange ich auf der Reise war, mit 
einem Moi^enrock zu schlafen, sonst hätte ich mich gut 
erkälten können. Die Nacht war stockfinster und der Wind 
brauste wie eine Furie; ich fror zu Eis und wollte wieder 
in mein Zelt, aber zur Thür hinein; dabei fiel ich über 
eine Ofenröhre; ich rief nach Licht, aber der Wind hielt 
meine Worte in der Gurgel fest, so dass ich draussen war-> 
ten wollte, bis man mich zurückbrächte; aber auf ein Mal 
schien sich der ganze Himmel zu ö&en, es fuhr ein Blitz 
heraus, wie ich ihn noch nie gesehen hatte; während dessen 
hatte ich die Zeltthür gefunden und eilte hinein; dort an- 
gelangt klammerte ich mich um den mittleren Zeltstock 
fest, der alle Augenblicke einzufallen drohte; auch waren 
alle Soldaten aufgewacht und hämmerten wieder die Zelt^ 
pflöcke ein. Der Windstoss dauerte wohl eine Stunde; ich 
war immer auf dem Sprunge, um sogleich fortzueilen, wenn 
das Zelt wegfliegt ; doch der Windstoss legte sich und statt 
dessen öffneten sich alle Schleusen des Himmels ; ich kroch 
ganz zufrieden in mein Bett und föhlte erst jetzt, was für 
eiskalte Füsse ich bekommen hatte, aber mir thaten nur 
meine Pferde leid. Gegen Morgen hörte ich die Abgangs- 
trompete blasen; ich wollte mich ankleiden, aber nachdem 
ich Erkundigungen eingezogen hatte, legte ich mich wieder 
ins Bett, denn diese Trompete galt dem Om^ Pascha, wel- 
cher auch sogleich abreiste. 

9, November, — Des Morgens war keine Spur von dem 
nächtlichen Gewitter zu sehen; weil man aber gestern Abend 
für die Soldaten kein hinlängliches Essen zubereitet hatte, 
holte man es diesen Tag ein, indem wir erst um Mittag 
aufbrechen wollten; auch wir Hessen für uns kochen. Als 
wir Salz für unsere Suppe verlangten, brachte man uns 
einen feinen braunen Sand, der nichts weniger als wie 
Salz aussah, aber doch wie Salz schmeckte; man nimmt 
diess Salz von den Waldbäumen, welche man abschüttelt; 
später, als ich durch den Wald ritt, schüttelte ich selbst 
an den Zweigen und auch mir blieb die Hand voll Salz. 
Bis zum Essen setzte ich mich ans Ufer des Euphrat und 
sah, wie merkwürdig hier die Leute über den Euphrat 
schwimmen. Ein Araber mit seinem Pferde, welches er in 
der Bechten am Zügel hielt, während er in der Linken 
eine Lanze hatte, arbeitete sich mit den Füssen vorwärts; 
aber vorher hatte er einen Toluk (Schafsbalg) mit Wind 
aufgeblasen, worauf er sich wie zu Pferde setzte. Diesem 



Araberfolgte eine Araberin, welche ihr Kind auf dem Nacken 
mit der linken Hand festhielt und mit der Bechten den 
Toluk zu halten imd zu steuern schien; auch arbeitete sie 
mit den Füssen; einige Kühe und Schafe schwammen ihr 
nach. 

Nach Mittag ritten wir weiter, entfernten uns aber 
nicht vom Euphrat; am entgegengesetzten Ufer stand ein 
grosses Thier mit einem sehr langen Schwanz; seine Haut 
war getupft, woraus ich schloss, dass es ein Panther war; 
die Jäger schössen auf ihn, worauf er in vollem Galopp nach 
seinem Walde zurückeilte. Omer Pascha erzählte mir ge- 
stern Abend, dass die Löwen ihm zwei Eameele abgenom- 
men hätten; wir kamen richtig an dieser Stelle vorbei; 
von den beiden Eameelen war nur noch der Kopf mit dem 
Halse da; auch sah man daneben die Fusstapfen der Löwen; 
meine Stute riss bei diesem Anblicke aus. Es sollen hier 
auch viele Wildschweine sein; man versicherte mir, dass 
man gestern noch zwei geschossen hätte. Nach 4 Stunden 
kamen wir in ein kleines Dorf, welches aus Laubhütten 
und Arabischen Zelten bestand und über welches noch der 
Scheich Fail befehligte. Sein Bruder, Mehemed Aga, wel- 
cher mit ims gekommen war, liess uns sogleich ein Schaf 
schlachten und trieb auch etwas Weizen auf, wovon man 
für uns Msches Brod buk. Weizen schien man über- 
haupt gar nicht angebaut zu haben, ich sah nur einzig 
und allein Hirsenfelder. Die Frauen des Scheich besuchten 
mich ; ich erkannte sie immer gleich an ihren rothen Tuch- 
talaren; rothes Tuch lieben sie sehr; die Scheiche tragen 
gewöhnlich einen Schafspelz mit rothem Tuch, das ist ihr 
grösstes Saltanet (Staat, Putz). 

10, November. — Heute gingen wir bis nach Tibne, 
welches Dorf ebenfalis noch dem Scheich Fail gehört; es 
ist 8 Stunden vom gestrigen Dorfe entfernt. Unser gestriges 
Dorf heisst Gussile, welches ich hier nachträglich bemerke. 
Der Weg war sehr schlecht, voller Löcher und Ghruben; 
man glaubte, dass man mit dem Pferde über Kopf hinein 
fallen würde; sie wurden aber alle glücklich passirt, wenn 
auch nicht ohne Furcht, und wir athmeten hoch auf, so 
oft wir solche Stellen hinter uns hatten. In Tibne kamen 
wir ziemlich früh an; man schlachtete wieder ein Schaf 
für uns; Fleisch war mir schon zuwider, wie den Juden 
unter Moses die Wachteln in der Wüste. Ich, die Sklavin, 
mein Hund Minna und die Alte sassen um das Feuer herum 
und schauten zu, wie es brannte, als plötzlich eine grosse, 
dichte und undurchsichtige Staubwolke wie eine Welle 
heranrollte. Ehe ich mich ins Zelt retten konnte, waren 
meine Augen voller Strohsplitter, mein Mund voller Staub, 
obgleich ich ihn fest zukniff, meine Nase auch; der Wind 
blies in letztere so stark hinein, dass ich ihn in der Brust 
wehen hörte. Im Zelt war der Teppich gar nicht mehr 



Frau Baronin v. Gerstdorfs Beise in Syrien, von Aleppo nach Deir am Euphrai, 1864. 



von dem Foasboden zu unterscheiden. Ich steckte meinen 
Kopf in die Kissen ; meine Minna kroch ins Bett unter die 
Matratze; die Araber schrieen: ,fi'ie Bora, die Bora kommt!" 
So nennen sie diesen Wind. Unser Zelt wackelte noch 
unsicherer auf seinen Beinen als in Sabka. Die Soldaten 
riefen um Hülfe, worauf dann sechs bis sieben Soldaten 
kamen und unser Zelt festklopfen halfen; wenn der eine 
Pflock eingehauen war, kam der andere wieder heraus, so 
dass diese Menschen eine ganze Stunde damit zubrachten. 
Ich konnte es drinnen nicht aushalten; diess Mal hatte ich 
keine Furcht, ins Wasser geweht zu werden, wohl aber, 
da»8 der Blitz in unser Zelt einschlüge; es wetterleuchtete 
Ton allen Seiten; zur Thür liess man mich nicht hinaus 
nnd 80 kroch ich wieder unter dem Zelt hervor und setzte 
mich dranssen hin. £inige Araber kamen und stellten sich 
auf der Windseite hin, mit ihren Körpern eine Mauer 
bildend, damit der Staub mir nicht in die Augen käme. 
Einer deckte mich mit seiner Abba (Filzmantel) zu; trotz 
allem dem kam mir doch der Wind in den Mund, so daas 
es unmöglich war, ein einziges Wort zu sprechen. Ein 
£äel, welcher beladen vom Felde zurückkam, wurde vom 
Winde fortgeführt und fiel nieder. Dieser Sturm dauerte 
iwei Stunden , dann fing es an zu regnen oder vielmehr 
2u giessen; es donnerte und blitzte an drei bis vier ver- 
schiedenen Stellen; dranssen schmerzten uns die Augen 
Tom Blitz, drinnen hatten wir Furcht, dass der Blitz ein- 
schlüge. Ich war ganz desperat, ergab mich aber in mein 
Schicksal, indem ich ins Zelt ging und mir, wenn es zu 
stark blitzte, die Decke über den Kopf zog. Das Wasser 
fing an, in unser Zelt zu laufen, und unser Teppich war 
schon im Schlamm; um dem abzuhelfen, machte uns der 
Tschausch rings um das Zelt eine Grube, worin das Wasser 
abfloss. Bei dieser Geschichte konnte ich mich nicht genug 
über das Phlegma unseres Derwisch wundem; trotz Wind 
und Wetter sass er ganz ruhig und bereitete den Braten; 
hundert Mal verlosch das Feuer und er zündete es wieder 
unermüdlich an. Gegen Morgen hörte das TJngewitter auf . 
und mit dem schönen Wetter kam auch unser Appetit und 
wir liessen uns den Braten recht gut schmecken ^), 



^) Man yergleiche mit dieeer Schilderung die Beschreibung des 
Ammiinnt Mareellinns (Üb. XXIY, cap. 2) Ton einem ähnlichen Phäno- 
men, welches der Kaiser Jnlianns auf seinem Zuge längs des Enphrat 
erlebte: „Acciderat alind postridie dimm. Yentorum enim tnrbo ex- 
ortu plnresqne vertigines concitans ita confnderat omnia tecta, nt 
ttbemacnla mnlta conseinderentnr et snpini plerique müites stemeren- 
tnr Tel proni, spiiitn stabilitatem Testigii snbTertente. Nee minns 
eodem die aliud perienlosnm eyenit. Amne enim repente extra margines 
engito, mersae snnt quaedam fhunentariae naTCS, cataractis amlsis ad 
diifimdendas reprimendasqne aqnas rigare snetas opere saxeo structis." 
— Wenn also abgehärtete Bomische Soldaten der Gewalt der Elemente 
nicht sn widerstehen yermochten, so darf es eben nicht Wunder neh- 
men, wenn ein Franenzimmer Fnrcht zeigt, nnd ich habe daher die 
Stellen, welehe yon ihrer Qemüthsstimmnng sengen , nicht nnterdrttckt. 



11, November, — Unsere Pferde hatte das schlechte 
Wetter stark mitgenommen und sie gingen diesen Tag sehr 
langsam yor sich; der Weg war auch sehr schlecht, ein 
steiles Grebiige, dessen Fuss an das Ufer stösst; es besteht 
aus enormen Steinmassen, zwischen denen die Pferde^ sich 
mühsam einen Weg suchen mussten; die, welche schlechte 
Pferde ritten, mussten alle absteigen^ das Pferd braucht 
nur ein Mal zu stolpern oder auszurutschen, so fällt man 
direkt in den Abgrund, in die feuchten Wellen des Euphrat, 
von denen man kein Erbarmen hoffen durfte ; er sah schon 
so sehr wüthend aus mit seinen krausen weissen Wellen. 
Als wir um die Bergspitze herumkamen, sahen wir vor 
unseren Augen grossartige Buinen stehen; hinein führte 
ein mächtiges Portal; unserer Pferde Tritte hallten hohl 
wieder und mir schienen diese stummen Säulen viel sagen 
zu wollen von vergangenen Zeiten, hätten sie nur sprechen 
können. Das Gebäude, welches aus vielen Häusern oder 
Abtheilungen bestand, ist ein grosses Quadrat, mehr lang 
als breit, und liegt auf einem Berge ; das erste Haus fangt 
dicht am Fusse des Wassers an und das letzte Haus steht 
auf der Spitze des Berges. Mitten im Quadrat ist ein 
grosser freier Platz; ich stieg auf den Berg und besah mir 
das mittelste Gebäude, welches mir das grösste zu sein 
schien; ich gelangte dahin in einem Corridor, doch muss 
dieser Corridor eine Gallerie in der Mitte dieses Zimmers 
gewesen sein, denn wie ich mich umschaute, in der Mei- 
nung, dass ich mich auf ebenem Boden befände, sah ich das 
eigentliche Zimmer unter mir, so gross wie die Agia Sofia, 
mit ungeheueren eingehauenen Wölbungen aus Marmor- 
steinen, jede so gross wie ein Tisch, das ist nicht über- 
trieben, sei ganz sicher; ich stand neben einem einzigen 
Stein, der mir bis an den Hals reichte; eine Nische am 
Ende der Gallerie war noch in so gutem Zustande, dass 
man meinen sollte, sie wäre von gestern. Ich suchte die 
Thür, um von unten hinein zu kommen, es war mir aber 
nicht möglich. — Welche Schätze müssen hier sein, wenn 
man Nadisuchungen anstellen würde! Diesem Palast gegen- 
über bestieg ich noch ein kleines zweistöckiges Haus, zu 
welchem eine schöne Steintreppe hinaufführte; ich suchte 
nach Münzen, fand aber Nichts, nur Scherben von Krügen 
lagen in Unmasse umher. 

Als wir weiter ritten, erzählte mir Mehemed Aga, dass 
diese Gebäude der Mann der zwei Schwestern Halebi und 
Zehbi habe erbauen lassen; zuerst liess er für seine Lieb- 
lingsfrau Halebi ein Haus bauen, worüber die Zelibi eifer- 
süchtig wurde und auch eins verlangte ; der Mann gewährte 
es ihr und liess der Halebi gegenüber ihr ein Haus bauen 
welches aber lange nicht so schön wie das der Halebi aus- 
fiel; trotzdem wurde letztere darüber böse, weswegen der 
Mann, um sie zu befriedigen, für sie wieder ein Haus bauen 



94 



Frau Baronin v. Gerstdorfs Reise in Syrien, von Aleppo nach Deir am Euphrat, 1864. 



Hess; dann wurde wieder Zelibi^ böse u. b. w. u. b. w., 
genogy die hübsche HäuBerreihe gehörte der Halebi, die 
häsBÜche gegenüber der Zelibi. Mehr konnte mir Mehemed 
Aga nicht erzählen und wusBte nicht, was später mit ihnen 
geschehen ist; ich kann Dir auch nicht das Obige verbür- 
gen, ich schreibe Dir, was mir Mehemed Aga sagte und 
mir als wahr versicherte *). 

Von hier aus ritten wir noch einige Stunden, als uns 
der Sohn des Scheich Abd ul Süleiman entgegenkam, um 
mich nach seines Vaters Zelt in Abu Serai abzuholen; der 
Sohn war allerliebst; ein kleiner Bursche von kaum 7 Jah- 
ren ritt stolz und muthig auf einer grossen feurigen Stute, 
ohne Steigbügel, ohne Zaum, zum Führen nur einen Strick 
um den Hals. In ihrem Zelt angekommen erlaubte man mir 
nicht, mein Zelt aufschlagen zu lassen, und um sie nicht 
zu beleidigen, opferte ich eine ruhige Nacht Bei ihnen 
war es voll Flöhe und Läuse, o Jemine! die können Einen 
an der Wand hinaufziehen; sie waren aber so delikat, von 
mir als Gast keine Kopfsteuer zu nehmen. Der älteste 
Sohn des Scheich, Schelas, bat mich, wenn ich nach Deir 
käme, ihm einen Schafpelz mit rothem Tuch zu kaufen 
und zu schenken, was ich ihm auch versprochen habe und 
nächstens ihun werde. Der Scheich Abd ul Süleiman 



'} Bauwolf, welcher hier 1574 Torbei fuhr, fand den Ort gani 
unbewohnt, er beschwert sich, dass er über die Geschichte des Ortes 
Nichts Ton den Eingebomen habe erfahren können, weü er der Landes- 
sprache nicht michtig genug war und weil er durch allsu eifriges Nach- 
forschen Verdacht zu erregen befürchtete. Es ist das alte Zenobia, 
erbaut Ton der wohlbekannten Königin Ton Falmira, welche dem Orte 
ihren Namen gab. ChusraT I. wollte auf seinem Zuge nach Antiochia 
diesen Ort brandschatzen, fand ihn aber in einem zu elenden Zustande 
und marschirte weiter nach Sura (wobei er Thapsaeus hätte passiren 
müssen, f&lls es wirklich an der Stelle des heutigen El Hammam gelegen 
hat, woTon aber Procopius Nichts sagt). Justinian aber liess jene 
Prachtbauten aufRUiren, welche noch heute in ihren Überresten die 
Yerwunderung des Reisenden erregen; Procopius erzahlt, der Kaiser 
, habe den Architekten Isidor aus Müet, einen Neffen des berühmten 
Erbauers der Agia Sofia, hierher geschickt, um die Arbeiten zu leiten, 
und meine Tochter , welcher die Agia Sofia wohlbekannt ist , erkannte 
sofort den Styl dieses Prachtbaues wieder. Inzwischen scheint der 
Islam hier bald sein Zerstörungswerk begonnen zu haben und die Sage 
trat an die Stelle der beglaubigten Geschichte; wie man sich damals 
die Sache zurecht legte, kann man in der Ton B. Niebuhr übersetzten 
und Ton mir herausgegebenen „Eroberung tou Mesopotamien und Ar- 
menien durch Wakedi", SS. 4 — 15, lesen. Bie heutige Sage, welche 
Bauwolf nicht in Erfahrung bringen konnte, wird tou meiner Tochter 
mitgetheüt. 



schenkte mir eine weisse Stute, dieselbe, auf der ich seinea 
kleinen Sohn Nasil hatte reiten sehen; weil es aber nicht 
thunlich ist, dass ich Ton diesen Leuten Geschenke an- 
nehme, so lehnte ich die Stute, wenn auch mit traurigem 
Herzen, ab; sie war wunderschön. 

12. Novmbw. — Wir standen um 10 Uhr Türkisch 
auf (d. h. gegen 3 IJhr Europäischer Zeit); der Mond stand 
noch am Himmel; weil aber Deir nur noch 4 Stunden ent- 
fernt ist, wollten wir schnell hinkommen. Ich sah häufige 
Sternschnuppen fallen, eine machte sich wie eine Sonne 
auf und fiel wie ein Komet hinunter; dieses Letztere war 
sehr merkwürdig; meine Begleiter meinten, wenn wir er- 
zählen würden, dass wir einen Stern wie die Sonne gesehen 
haben, würde uns Niemand glauben. 

Der Weg bis nach Deir ist sehr gut, und noch ehe es 
Mittag war, konnten wir unseren künftigen Aufenthaltsort 
sehen. Es ist in der Ebene ein ziemlich grosser Berg, den 
man mit Lehmhäusem bebaut hat, schief und krumm; es 
ist gut, dass es hier keine Erdbeben giebt. In der Mitte 
der Stadt steht ein Minaret, sonst sieht Alles sehr ärmlich 
aus. Der erste Empfang ist ein abscheulicher Gestank, 
denn lieux d'aisance kennt man hier nicht; man macht das 
Alles vor seiner Thür ab und man wunderte sich, als 
Albert ein solches Gemach bauen liess. Seitdem er übri- 
gens hier das Givil-Blommando erhalten hat, läset er Jeden, 
Tor dessen Thür er Schmutz findet, einsperren. 

Albert erwartete mich an der Thür und führte mich in 
unser Haus; es ist zwei Etagen hoch und hat fünf Zim- 
mer; mein Zimmer ist wunderhübsch; es hat rabenschwarze 
Balken als Plafond und Fenster aus geöltem Papier; letz- 
tere hat Albert machen lassen, denn hier kennt man weder 
geölte Papierfenster noch Glasfenster. Dickt vor unserem 
Hause fiiesst ein kleiner Arm des Euphrat. Gestern brachte 
man mir einen grossen, einen Pik langen Fisch mit dem 
Versprechen, sobald man wieder einen spiesst, mir noch 
einen zu bringen. Hier geht das Fischen nicht leicht^ ob- 
gleich es Fische in Masse giebt; ein Fischer stellt sich am 
TJfer hin mit einem dreispitzigen Spiesse; kommt ihm ein 
Fisch nahe, so spiesst er ihn geschickt auf, ist aber der 
Fisch nur etwas klug, so geht er natürlich diesem Spiesse 
aus dem Wege. 



95 



Die projektirte Englische Expedition nach dem Nordpol 



1. Capt. Sherard Osbom's Plan 0- . 

In der £iiileituiig bemerkt Capt. Osbom zunäGhsty da89 
66 wohl keiner besonderen EntBchuldigong bedürfe, wenn 
er Yor der Geographischen Gesellschaft die Ausführbarkeit 
einer Erforschung des weiten unbekannten Saumes um den 
Nordpol darzuthun suche , da arktische Forschungen bei 
alleu wahren Freunden der Geographie und Naturwissen- 
schaften stets Theilnahme finden müssten, und geht dann 
sofort auf die verhältnissmässige Geringfügigkeit der Ge- 
fahren und Opfer über, die bei Polar-Ezpeditionen zu fürch- 
ten sind, ,4m Jahre 1818 waren Baffin's Entdeckungen 
einerseits und die Behring's andererseits nebst den Mün- 
dungen des Mackenzie- und Heam-Flusses Alles, was man 
Ton dem merkwürdigen Labyrinth von Wasser und Land 
wosste, das jetzt auf unseren Karten der arktischen Zone 
genau niedergelegt ist. Forscher zu Wasser und zu Lande 
haben diess Alles in 36 Jahren gethan, wohlgemerkt nicht 
immer in gut verproyiantirten , rasch von Funkt zu Funkt 
segehiden Schiffen, sondern zum grössten Theil auf müh- 
samen Fusswanderungen oder in offenen Booten, die TJfer 
jeder Bucht und jeden Fjordes veifolgend. Sir Leopold 
M'Clintock theilt der Boyal Dublin Society mit, dass er 
die bei der Aufsuchung Franklin's zu Fuss ausgeführten 
Beisen auf etwa 40.000 Naut. Meilen schätzt. Während 
dieser 36 Jahre ruhmvoller Unternehmungen zu Schiff, zu 
Boot und zu Schlitten verlor England von 42 auf einander 
folgenden Expeditionen nur eine einzige mit 128 Mann, 
keine der circa 100 Schlitten -Expeditionen, die innerhalb 
des Folarkreises sich abgearbeitet haben, ist verloren ge- 
gangen. Man zeige ^nir auf dem Erdkreis eine geographi- 
sche Entdeckung von gleicher Grösse oder in der Geschichte 
ein gleich schwieriges Werk, die mit geringeren Opfern an 
Menschenleben durchgeföhrt wären; erst dann werde ich 
zugeben, dass arktische Forschungen mit unverhältnissmäs- 
sigen Leiden verbunden seien. — Man stellt sich nicht 
freiwillig zum sicheren Tod oder zum Hungerleiden und 
doch kann ich versichern, dass der Dienst in den arktischen 
Meeren bei unseren Matrosen sehr beliebt ist; oft werde 
ieh von alten Gefährten gefragt: „„Herr, gehen wir 
wieder dahin? Vergessen Sie nicht, dass ich mich stellen 
werde!" " Innerhalb der letzten vier Jahre wurden den Hai- 
fischen weit mehr Matrosen vorgeworfen, die bei dem Dienst 
in China und an den Afrikanischen Küsten Krankheiten 



^) Vorgetragen in der YerBammliiDg der Königlichen Geographischen 
öesellichaft Ton London am 23. Januar 1865, unter dem Vorsitz des 
Sb Roderick I. Hurchison. 



erlagen , als je . auf den dreissigjährigen arktischen Beisen 
starben, und unsere Mannschaften und (Mziere wissen das." 

Nach kurzem Hinweis auf die Abgeschmacktheit der 
Ansicht, dass die Arbeiten in den Polar-Begionen kein an- 
deres Besultat gehabt hätten, als die Karten mit so und 
so viel Meilen nutzloser KüstenUnien zu bereichem, be- 
zeichnet Osbom als die Hauptpunkte seiner Erörterungen: 
die Richtung, in welcher eine Folar-Expedition mit Eück- 
sicht auf möglichst geringe Gefahr und möglichst grossen 
Erfolg zu unternehmen sei, die Art der Ausführung und 
die zu erwartenden wissenschaftlichen Besultate. Er führt 
diese Punkte in sehr interessanter Weise aus, wir müssen uns 
aber hier auf einen Auszug des Wesentlichen beschränken. 

Die dem Pol zunächst gelegenen bekannten Punkte sind 
die Enden von Spitzbergen und Nord-Grönland, jenes etwa 
600 Naut Meilen von ihm entfernt, dieses 120 Meilen 
näher. Im vorigen Jahrhundert wurde der Walfischfang 
beim Hakluyt - Head , dem nordwestlichen Kap von Spitz- 
bei^n, betrieben und wir haben übereinstimmende Zeug- 
nisse von allen jenen alten Fischern, dass das Meer oft 
noch 100 Meilen weiter gegen Norden eisfrei gefunden 
wurde. Segelschiffe sind also in jener Bichtung dem Pol 
sicherlich bis auf 500 Meilen nahe gekommen, ja alte Hol- 
ländische und Englische Schiffer betheuerten, den 88. Breiten- 
grad erreicht zu haben, und Einer erklärte dem Master 
Mozon, dem Hydrographen Earl's 11., er sei 2 Grad über 
den Pol hinausgesegelt, aber freilich wurde diess in dem 
träumerischen Amsterdam bei starkem Holländischen Bier 
erzählt. 

Sir Edward Barry kam 1827 auf seiner Boot-Expedition 
von Spitzbergen aus bis 82° 45' N. Br., dort stand er in 
der Nacht vom 22. Juli auf schwimmenden Eisfeldern, genau 
435 Naut Meilen vom Pol entfernt. Er musste den Ver- 
such einfach deshalb aufgeben, weil das Eis schneller gegen 
Süden sich fortbewegte, als die Mannschaft die Boote gegen 
Norden ziehen konnte. Man befand sich in der Höhe des 
arktischen Sommers und alle Eisfelder waren in Bewegung; 
die Erfahrung der letzten 20 Jahre lehrt uns, dass Pany, 
anstatt im Juni abzureisen, den Winter auf Spitzbergen 
hätte zubringen und im Februar von dort gegen Norden 
aufbrechen müssen. Zudem ist man jetzt zu solcher YoU- 
kommenheit in arktischen Schlitten-Reisen gekommen, dass 
die Mannschaft ein viel geringeres Gewicht zu ziehen hat 
und die Provisionen dennoch eben so viel Monate als früher 
Wochen ausreichen. Doch spricht Vieles gegen den Ver- 
such, den Pol zu Schlitten von Spitzbergen aus zu erreichen. 
Im Meridian dieser Insel ist kein Land gegen Norden 



96 



Die projektirte Englische Expedition nach dem Nordpol. 



bekannt, es fehlt daher an festen Punkten für Proviant- 
Depots, dagegen hat man guten Ghrund zu der Annahme, 
dass sich yom Smith-Sund aus Pestland oder Inseln weiter 
nach dem Pol hin fortsetzen. Die Eisfelder z. B., welche 
nach Spitzbergen herabtreiben, umschliessen keine eigent- 
lichen Eisberge, diese sind aber ein Produkt des Landes, 
von Gletschern geboren, nicht des Meeres, es kann also 
nördlich von Spitzbergen kein grösseres Land geben, wo- 
gegen es im Smith-Sund von Eisbergen wimmelt und die 
Gletscher gegen Norden hin an Grösse eher zu- als abneh- 
men, was nicht der Fall sein würde, wenn das Land beim 
Humboldt-Gletscher in 80* N. Br. plötzlich endete. Jene 
ungeheueren Anhäufungen von Schnee und Süsswassereis 
und ihre schönen Geschöpfe, die Eisberge, erzählen uns von 
grossen Ländern mit hohen Bergen und tiefen Thälem, 
welche den atmosphärischen Niederschlag von Jahrhunderten 
bergen, und versprechen die Fortsetzung der Küstenlinie 
und das gefrorene Meeresufer, deren es einzig bedarf, damit 
unsere Entdeckungs-Reisenden den Pol in Sicherheit erreichen 
können. Doch giebt es auch in der Eichtung von Spitz- 
bergen und Nowaja Semlja noch viel für die Wissenschaft 
zu thun und wohin die Besitzer von Jachten zum Vergnü- 
gen und arme Norwegische Fischer alljährlich in fast offenen 
Booten zum Fischfang segeln, werden Andere aus Liebe zur 
Wissenschaft ihren Weg finden, um unsere Kenntniss von 
den Gesetzen der Elektricität, des Lichtes, des Magnetismus, 
der Temperatur und der Luftströmungen zu vervollständigen. 
Man weist auf Dr. Kane's Schauder erregenden Bericht 
hin, um uns von Polar -Reisen zurückzuschrecken, aber 
Eane's Expedition war ein Privat-XJntemehmen, niemals ist 
in neuerer Zeit ein Seefahrer mit so unzureichender Aus- 
rüstung in das Polar -Meer eingefahren als Kane; mit nur 
17 Mann, darunter 2 Meuterern, ohne Dampfkraft für sein 
einsames Schiff, ohne geeignete Schlitten-Vorrichtungen, ohne 
Vorräthe an frischem Fleisch bei einer sehr geringen Menge 
von Gemüsen, mit Kohlen für nur 12 Monate Feuerung, 
ist es zu verwundem, dass er je zurückkehren konnte, um 
seine Leiden zu erzählen. Zu der nämlichen Zeit, als Kane 
1853 mit seiner kleinen Brigg „Advance" in den Smith- 
Sund einMir, waren ich und Capt. Richards im Wellington- 
Kanal unter Sir Edward Belcher, Kellett imd M*Cllintock 
in der Barrow-Strasse, M^Clure hatte gerade vom Grossen 
Ocean her kommend die Gewässer des Atlantischen Meeres 
erreicht, Collinson und Rae befanden sich auf Victoria-Land 
und Boothia, Inglefield machte eine seiner Sommertouren 
nach der Beechey-Lisel, es konnten nicht weniger als 
400 Britische IJnterthanen in den arktischen Meeren sein, 
aber alle erfreuten sich eines verhältnissmässigen Comforts, 
denn die Hülfsmittel einer Nation und einer grossen Flotte 
standen zu unserer Verfügung. 



Der äusserste bekannte Punkt von Grönland, den 
Mr. Morton von der Kane'schen Expedition erreichte, ist 
Kap Constitution in 81^ 22' N. Br. und das letzte auf der 
Westseite des Sundes erblickte Vorgebirge ist Kap Parry 
in 82^ 30' N. Br. oder nach der Annahme von Admiral 
Collinson, Capt. George und Mr. Arrowsmith in resp. 
80** 66' und 81** 56' N. Br. Morton konnte das Kap 
Constitution nicht umgehen, weil offenes Wasser den Fuss 
der Klippen bespülte, noch ersteigen, weil die Felsen zu 
steil waren; was darüber hinaus liegt, wissen wir daher 
nicht, aber ein so riesenhafter Gletscher wie der nach 
Humboldt benannte muss von ausgedehnten Firn- und 
Gletscher-Gebieten ausgehen und diess spricht für eine Fort^ 
Setzung Grönlands gegen Norden, wie auf der anderen Seite 
des Smith-Sundes, so weit Morton sehen konnte, eine Steü- 
küste mit einer schönen Bei^kette im Hintergrund, das 
Qrinnell-Land, gegen Norden hin sich ausdehnt. Kap Parry 
ist selbst nach der angegebenen Beduktion der Breite nur 
484 Naut. Meilen vom Pol entfernt, hin und zurück giebt 
eine Wegstrecke von 968 Meilen, die seit 1850 wiederholt 
von unseren arktischen Schlitten- und Boot-Eeisen über- 
troffen worden ist. 

Doch abgesehen von der Nähe zum Pol empfehlen noch 
andere Umstände diesen Weg unserer Aufinerksamkeit 
Dr. Kane glaubte, dass das offene Wasser, weiches im 
Frühsommer beim Kap Constitution sich vorfand, von grosser 
Ausdehnung sei, da ich aber in diesem Punkt aus guten 
Gründen sehr ungläubig bin, so will ich nicht die Vortheiie 
hervorheben, welche offenes Wasser einer Bootfahrt bieten 
würde. Der künftige Entdeckungs-Eeisende würde offenes 
Wasser an den Ufern des Grinnell-Landes mit Freuden be- 
grüssen, ffndet er aber keines, so wird er mit Eis sich 
begnügen und nur wünschen, dass das Festland oder Insek 
sich bis 87^ erstrecken, und ich behaupte, dass diess viel 
wahrscheinlicher ist als die Existenz eines offenen Meeres 
um den Nordpol. Um Kane's Polynia oder offenes Wasser 
war offenbar Thier- und Pflanzenleben viel reicher als an 
den Wasserlöchem in Eegent's Inlet, Wellington -Kanal 
oder Lancaster-Sund und die Möglichkeit, das Fleisch von 
Bennthieren, Bären, Seehunden oder Geflügel den mitgenom- 
menen Nahrungsmitteln beizufügen, ist eine wichtige Empfeh- 
lung für diesen Weg. Hier finden wir auch den Menschen 
in höherer Breite als in irgend einem anderen bekannten 
Theil der Erde. 

Sir John Boss entdeckte zuerst 1818 einen schönen 
Stamm arktischer Eingebomer in 7b^ 35' N. Br. und 
65* 32' W. L. V. Gr. und nannte diese isolirte Abtheilung 
der grossen Eskimo-Bace „Arktische Hochländer''. Spätere 
Expeditionen und Walflschfahrer hatten wiederholt Verkehr 
mit ihnen und wussten sie so zu gewinnen, dass sie 1854 



Die projektirte Englische Expedition nach dem Nordpol 



97 



Kane und seine Gefährten Tom Hungertod retteten^ Nahrung 
und Wohnung mit den armen Matrosen freudig theilten^ 
während sie im Jahre 1818 die Europäischen Ankömmlinge 
mit dem Tode bedroht hatten. Da sie keine Boote besitzen 
und solche nicht wie andere Eskimos aus Knochen und 
Seehondsfellen zu yerfertigen verstehen, so sind diese armen 
Geschöpfe zwischen den beiden grossen Gletschern Melyille 
and Humboldt, die sie nicht zu überschreiten wagen, ein- 
geadüossen, denn ins Innere vorzudringen verhindert der 
,,Semik Soak" oder grosse EiswalL Ihr Gebiet umfasst 
daher nur einen 600 Meilen langen Küstenstrich. Da kein 
Treibholz angeschwemmt wird, haben die Arktischen Hoch- 
länder nur Knochen, um Schlitten und Waffen daraus zu 
Teifertigen; die letzteren sind Messer, Harpunen und Lan- 
zen. Nicht einmal Bogen und Pfeile besitzen sie, um das 
Renuthier oder den Moschus-Ochsen zu tödten, daher die 
enteren unbelästigt auf den öden Anhöhen am Fuss der 
Gletscher umherschweifen. Auch ist die Kunst des Fisch- 
fanges unbekannt, obwohl Kaue See'n voll von Lachsforellen 
sah, aber mit Lanze und Harpune erlegt der Hochländer 
den Bär, den Seehund und das kräftige Walross und im 
Sommer fangt er den kleinen Alk in grosser Menge. Diese 
Lentc sind somit auf das Fleisch von Seethieren als Nah- 
rang angewiesen, dexm nie sah man, dass sie ein Kraut, 
ein Oras oder eine Beere genossen, und folglich hängt ihr 
Leben von dem Yorhandensein offenen Wassers bei der 
Käste in jeder Jahreszeit ab, ausserdem würden Alle in 
einem einzigen Winter sterben. Die Vorsehung hat es so 
eingerichtet, dass in Folge der oceanischen Strömungen und 
der Zerstörung der Eisfelder durch die von den Gletschern 
ab&llenden, beständig durch jene hindurch s^elnden rie- 
sigen Eisberge immer, selbst in der Tiefe eines Polarwinters, 
einiges „Nordwasser" und darin Walrosse und Bären zu 
finden sind. 

Die Männer sind kräftige, muntere Burschen mit weiter 
Brust und tiefer Stimme, die den Kampf mit Bären und 
Walrossen nicht scheuen, und doch zeigten diese armen 
Wilden in ihrem Benehmen gegen die ausgehungerte und 
nicht immer vernünftige Mannschaft der „Advance", dass 
ihnen die edleren Eigenschaften der menschlichen Natur 
nicht fehlen. Ihre Weiber, gutmüthige Seelen, waren theil- 
nehmend und sanft in ihrer Weise, denn nicht jede Euro- 
päische Mutter würde ihr hübsches warmes Kind als weiches 
Kiesen einem müden Wanderer unterlegen, wie es die Damen 
Ton Etah thaten, und die Jungfrauen vom Smith -Sund 
waren schön g^ii^» die Herzen von Einigen an Bord der 
nAdTance*' zu gewinnen. Mehr als Ein Geschichtchen beweist, 
dass trotz des harten Kampfes um die Existenz unter dem 
dO. Breitengrad die ungewaschenen, in Seehundsfell ge- 
kleideten Schönheiten des Murchison- Sundes eben so gut 

Fetermann'B Qeogr. Mittheilnng^en. 1865, Heft 1X1. 



ihre kleinen Liebeleien haben wie ihre weitröokigen Schwe- 
stern in südlicheren Klimaten. 

Die Anwesenheit von Menschen am Smith -Sund und 
zugleich von reichlichem thieiischen Leben kann auch künf- 
tigen Beisenden von grossem Nutzen sein, und dass Morton 
ein Bruchstück eines Eskimo-Schlittens zwischen d^m Hum- 
boldt-Gletscher und Kap Constitution fand, lässt vermuthen, 
dass auch noch jenseit jenes Gletschers Menschen wohnen. 
Schon an sich ist die Frage interessant, wie weit gegen 
den Pol hin menschliche Bewohner vorkommen. Einen 
grossen Yortheil bietet diese Bioute endlich auch durch die 
Nähe der Dänischen Ansiedelungen an der Küste von Grön- 
land, nach denen sich, wie es Kane that, die Beisenden 
zurückziehen können, wenn ihre Schiffe ein Unglück treffen 
sollte. 

Nach diesem Hinweis auf die Bichtung, die eine neue 
Polar -Expedition nehmen müsste, soll nun die Art ihrer 
Ausführung angedeutet werden. 

Eine Erforschung des Polar-Gebiets sollte immer unter 
den Auspicien und mit der Disciplin der Marine vor sich 
gehen, man bedarf dabei aller ihrer Hülfsquellen und Er- 
fahrungen, rein private Unternehmungen dieser Art flössen 
mir kein Vertrauen ein. Natürlich wird man nicht erwar- 
ten, dass die Admiralität in solchen Dingen die Initiative 
ergreift; Golumbus würde nie den neuen Kontinent erreicht, 
der unsterbliche Cook nie seine Eeisen um die Welt ge- 
macht haben, .die glänzenden Namen von Franklin, Boss 
und Parry würden nicht in die Bollen des Buhmes ein- 
getragen sein, wenn frühere Lords der Admiralität die An- 
regung zu wissenschaftlichen Forschungen und geographi- 
schen Entdeckungen hätten geben sollen; aber ich zweifle 
nicht, dass Männer der Wissenschaft — Männer, welche 
glauben, dass die Offiziere und Mannschaften der Marine 
zu etwas Besserem vorhanden sind, als um zu tödten und 
getödtet zu werden — den Herzog von Somerset der Ver- 
nunft und einem heilsamen Druck eben so zugänglich finden 
werden, als es frühere Erste Lords gewesen sind. Meine 
Hoffnung ist, dass durch den Einfluss der öffentlichen Mei- 
nung eine Polar-Ezpedition unter den Auspicien der Admi- 
ralität zu Stande konmit. 

Die Marine bedarf derThätigkeit, um aus dem Schlendrian 
aufgerüttelt zu werden und nicht dem Krebsschaden eines 
langen Friedens anheim zu fallen; dazu sind Polar-Expedi- 
tionen in moralischer wie in gesundheitlicher Bücksicht 
heilsamer als neue Kriege mit Aschanti und Japan. Würde 
es also zu viel gefordert sein, wenn wir um einen Bruch- 
theil der jährlich auf die Marine verwendeten ungeheueren 
Sununen, um zwei kleine Schraubendampfer und um 120 Offi- 
ziere und Matrosen von den 50.000 der Admiralität all- 
jährlich zur Disposition gestellten bitten? 

13 



98 



Die projektirte Englische Expedition naoh dem Nordpol. 



Nehmen wir an, es sei gewahrt und zwei Schiffe wie 
der „Pioneer'' und „Intrepid'' lägen im Frühjahr 1866 zum 
Auslaufen bereit. Sie würden nach der Baffin-Bai segeln 
und im August Kap York erreichen. Ein Schiff mit nur 
25 Mann bliebe bei Kap Isabella zurück, indess das andere 
mit 95 Mann sich einen Weg an der Westküste hinauf 
bahnte bis Kap Parry oder doch nach dieser Eichtung hin, 
ohne sich weiter als 300 Meilen von seinem Gefährten zu 
entfernen. Noch im Herbst würde sich das südliche Schiff 
durch Ddpdts mit dem nördlichen in Verbindung setzen 
und dieses würde solche Depots gegen den Pol hin anlegen, 
damit im Frühjahr Gebrauch davon gemacht werden kann. 
In den Jahren 1867 und 1868 müssten sodann Sohlitten- 
und Bootfahrten nach dem Pol hin und über das unbe- 
kannte Polar-Gebiet angestellt werden und 1869 würde die 
Expedition zu Schiff oder zu Boot vom Smith-Sund nach 
Upemavik zurückkehren. Sie würde also nur zwei Winter 
und drei Sommer ausbleiben, eine Zeit, die gesunde Männer 
bei geeigneten Vorkehrungen erfahrungsmässig recht gut in 
jenen Begionen aushalten können. 

Was die Entfernungen betrifft, so haben unsere Mann« 
Schäften schon grössere Strecken in den ödesten Gegenden 
der Kalten Zone zu Schlitten durchreist. So legte 1853 
MKülintock 1220 naut. Meilen in 105 Tagen zurück, Lieu- 
tenant Mecham 1203 Meilen, Capt. Bichards und ich 
,1093 Meilen, während die Entfernung von Kap Parry bis 
zum Pol und zurück nur 968 Meilen beträgt. Lieut. Ha- 
milton durcheilte mit einem Hundeschlitten und einem ein- 
zigen Begleiter' 1150 Meilen, ja bei den Expeditionen nach 
1853 wurden noch grössere Märsche ausgeführt und die 
Mannschaft litt dabei noch weniger. Im Jahre 1854 legte 
Mecham 1157 Meilen in nur 70 Tagen zurück, 1859 M^lin- 
tock 1330 und Young 1150 Meilen, auch stimmt Sir Leo- 
pold MK^lintock mir bei, dass es ganz gut möglich ist, eine 
Schlittenreise auf 1500 Meilen auszudehnen, das sind aber 
500 Meilen mehr, als man bedarf, um von Kap Parry nach 
dem Pol und zurück zu kommen. Dank der hart errungenen 
Er&hrung haben wir in 10 Jahren gelernt, die Zeit, welche 
eine Schlittenpartie sich vom Schiff entfernen kann, zu ver- 
doppeln und die Ausdehnung der Beise zu verdreifachen, 
zugleich aber die Mühe der Mannschaft und die persönliche 
Gefahr auf ein Minimum zu reduciren. 

Sir Leopold M^Clintock schrieb mir im Dezember: „Es 
freut mich, dass Sie die arktischen Forschungen wieder aus 
der Asche wühlen. Ich wollte, ich wäre jetzt in den Vor- 
bereitungen zu einer Beise nach dem Nordpol begriffen. 
Ich betrachte dieses Ziel als unserer Generation erreichbar, 
denn bei Schlittenreisen ist, wie Sie wissen, Erfahrung 
Macht.'' Kann man nach dieser Erklärung eines Offiziers, der 
sieben Winter und zehn Sommer in jenen Gewässern zu- 



gebracht hat, an der Ausführbarkeit der voigeschlagenen 
Expedition noch zweifeln? Ich glaube nicht und sicherlidi 
wird man mir beistimmen, dass er der geeignetste Mann ist, 
um eine solche Expedition zu fuhren. 

Zum Schluss haben wir die Vortheile anzudeuten, welche 
eine Erforschung des Polar-Gebiets gewähren kann. 

Zunächst haben wir um den Nordpol ein unbekanntes 
Gebiet von 1.131.000 Quadrat-Meilen, von dem wir nicht 
einmal wissen, ob es Land oder Wasser, ob eine schwei- 
gende gefrorene Einöde oder ein offenes Meer voll thieri- 
sehen Lebens ist Eben so hat man über die Natur- 
geschichte, das Thier- und Pflanzenleben dieser Begionen 
erst noch Alles zu lernen. In dem von Kane zurück- 
gebrachten Best seiner grösstentheils verloren gegangenen 
botanischen Sammlung z. B. befanden sich 27 neue Spe- 
oies, welche Sir John Bichardson in seiner Liste der nörd- 
lich vom 73. Parallel vorkommenden Pflanzen nicht auf- 
geführt hat, man war also in Bezug auf die Pflanzengeo- 
graphie jener Gegenden um wenigstens öO Prozent im 
Irrthum. 

In derselben Gegend, wo die Flora verhältnissmässig so 
reich ist, die Eingebomen allein von der Jagd d^er Seethiere 
leben und es Bennthiere in solcher Menge giebt, dass 
Dr. Hayes deren 600 schoss und seine Leute mit dem 
frischen Pleisch einen langen Winter hinduroh ernährte, 
hat Dr. Kane die niedrigste mittlere Winter - Temperatur 
gefunden, niedriger als die auf der Melville-Insel , obgleich 
gegen Norden und gegen Süden offenes Wasser nicht weit 
entfernt war. Der Amerikanische Meteorolog Schott schliesst 
daraus, dass sich entweder die Uferländer des Smith-Sundes 
weithin fortsetzen oder eine beträchtliche Höhe haben, doch 
sind diQ Daten bis jetzt zu unzureichend und Nichts würde 
in wissenschaftlicher Beziehung interessanter sein als eine 
soi^ältige Beihe meteorologischer Beobachtungen innerhalb 
des Polar-Gebiets. Sein Klima ist noch Geheimniss und 
Kane's rohe Beobachtungen wie die unserer Expeditionen 
erfordern Berichtigung oder Bestätigung durch Männer, die 
in diesem Fache gründlich zu Hause sind. 

Die Geologie würde unter Anderem durch die speziellere 
Untersuchung der grossen Humboldt- und Melville-Gletscher 
gewinnen, die magnetischen Beobachtungen würden General 
Sabine's schönen, von jedem Seefahrer so sehr geschätzten 
Karten zu Gute kommen und ein Lieblingsgedanke Sabine's, 
eine Gradmessung möglichst nahe dem Nordpol, könnte zu- 
gleich mit der projektirten Expedition zur Ausführung 
kommen. Er sprach sich über den Nutzen und die Aub- 
föhrbarkeit einer Gradmessung auf Spitzbeigen bereits 
1826 in einer Zuschrift an Mr. Gilbert, Vicepräsidenten 
der Boyal Society, aus, aber erst 1863 hat die Schwedische 
Begierung die Sache in die Hand genommen. Erwartet 



Die projektirte Englische Expedition nach dem Nordpol. 



99 



nan auch die Royal Society von der Schwedischen Expe- 
dition die Ausfofanrng der Angabe, so könnten doch auch 
bei der von mir vorgeschlagenen Expedition alle Vorkeh- 
rongen getroffen werden, um an den Küsten des Smith- 
Sondes einen 4^ langen Meridianbogen zu messen, und 
zirar zwischen Kap Isabella und Kap Parry, also zwischen 
den Stationen der beiden Schiffe. Im Sommer, wo die 
Sehlittenpartien unterwegs sind, könnten die Zurückbleiben- 
den nicht zweckmässiger als zu einer solchen Messung ver- 
wendet werden. 

Auch lenkte General Sabine in seiner Adresse an die 
Boyal Society vom November 1864 die Aufmerksamkeit 
jener gelehrten Körperschaft auf einige neue Entdeckungen, 
welche die Fortsetzung des tropischen Golfstroms nach den 
Küsten von Novaja Semlja beweisen, und auf eine Mitthei- 
Inng des Prof. Forchhanuner in Kopenhagen, worin durch 
sorgfältige Analysen gezeigt wird, dass im Atlantischen 
Ocean der Salzgehalt des Wassers mit zunehmender Tiefe 
abnimmt. Diess gilt sogar noch för die grössten Tiefen 
nnd es wird daraus auf das Vorhandensein^ einer Poiar- 
Strömong in den Tiefen des Atlantischen Meeres geschlossen, 
da die äquatorialen Gewässer reicher, die polaren ärmer an 
Salzgehalt sind. So ist es durch Analyse bewiesen, dass 
die an der Ostküste von Grönland herabkommende Strömung 
einen äquatorialen, nicht einen polaren Ursprung hat, also 
nur ein Spitzbergen umkreisender rückläufiger Arm des 
Gol&troms ist, und General Sabine bemerkt dazuj „Ist 
nicht vielleicht das eisfreie Meer voll thierischen Lebens, 
das Kaue als von dem nördlichsten Punkte seiner Forschun- 
gen ans gesehen beschreibt, nur ein Theil derselben äqua- 
torialen Strömung, welche überall, wohin man ihren Lauf 
T^olgt hat, ähnliche abnorme Wirkungen hervorbriz^? — 
Wenn phjraikalische Untersuchungen innerhalb des Polar- 
krases wieder aufgenommen werden sollten, wird diess eins 
der ersten zu lösenden Probleme sein." In einem an mich 
gerichteten Brief fügt er beredt hinzu: „Die Erreichung 
des P<^ ist die grösste geographische That, die versucht 
werden kanni und ich gestehe, dass es mir leid thun würde, 
wenn ein Anderer sie eher vollbrächte als ein Engländer; 
sie wird den arktischen Forschungen, in denen unser Land 
bis jetzt den Vorrang behauptet hat, die Krone aufsetzen." 

2. Über Capt. S. Oabom^S Plan, von A. Fetermann. 

(Seodsehreiben sn Sir Roderiek Marchison, £. C. B., Präsident 
der Königlichen Geographischen GeeelUchaft, London.) 

Sir, 

£6 gereicht mir zur höchsten Genugthuung, aus den 

Verhandlungen Ihrer Sitzung vom 23. Januar zu ersehen, 

dass die Britischen Expeditionen nach den arktischen Begio- 

nen wieder aufgenommen und fortgesetzt werden sollen und 



dass Sie und die Königl. Geogii^phische Gesellschaft sich 
des Planes von Captain Sherard Osbom angenommen haben. 
Jetzt, wo die meisten Geheimnisse des Lineren von Afrika 
und Australien ans Licht gezogen sind, bleiben als grösste 
geographische Probleme noch zu lösen die Geographie der 
centralen Polar-Regionen und die Erreichung der Pole selbst, 
und es ist meine Überzeugung, dass die Englische Kation 
vor allen anderen am leichtesten im Stande wäre, diesen 
grossen Triumph, welcher den Entdeckungen auf unserem 
Planeten die Krone aufsetzen wird, zu erringen. 

Wenn ich mir erlaube, Ihnen und den Geographen Eng» 
lands Bemerkungen über Captain Osbom's Vortrag und die 
darüber gepflogene Diskussion, wie sie in dem Bericht über 
Ihre Sitzung vom 23» Januar d. J. enthalten sind, vorzu- 
lesen, so habe ich den Zweck, die Wahl der Spitzbe^cn- 
Eoute anstatt des Smith-Sundes' zu befürworten. Da ich 
diese Bichtung för arktische Untersuchungen bereits seit 
13 Jahren empfohlen habe, so verweise ich auf einige 
meiner früheren Publikationen über arktische Geographie im 
Allgemeinen ') und beschränke mich für jetzt auf eine 
kurze Aufzählung einiger Haupt-Thatsachen, die bei meinem 
Vorschlag in Betracht kommen, indem ich vorausschicke, 
dass Sie selbst in Ihren Jahresberichten an die Königl. Geogr. 
Gesellschaft 1852 und 1853^) die ,,völlig authentischen 
Fakta'', auf welche sich meine Ansicht stützt, und die 
Wichtigkeit einer Erforschung des Meeres bei Spitzbergen 



*) 1. The Arctic Expeditione. (Athen^eum, 17. Januar 1868, pp. 82, 83.) 

2. Plan of search ptoposed by Itfr. Petermann, letter to Admiral Sir 

Francis Beanfort, 23. Jannsr 1858. (Parliamentary Papers, 
„Arctic Expeditions", 18ö2, pp. 142—147.) 

3. On tlie passage into the Arctic Basin, a commnnication to Capt. 

Manglee, R. N., Febr. 1852. (Capt Manglee' Arctic Searohing 
Expeditions, 1850--1852, pp. 72—75.) 

4. Notes on the distribntion of ammals avaüable ae food in the 

Arotic Regions. (Jonraal of the R. Oeogr. Society, toL XX IT, 
pp. 118—127.) 

5. The search for Franklin (pamphlet). lUustrated by a Polar-Chart. 

London, Longman, May 1858. 

6. Polar Chart, showing the chief physical featuree of the Arctic 

Regions etc. (In Br. P. C. Sutherland's acconnt of Capt. Penny's 
Expedition, London 1852.) 

7. Sir John Franklin, the navigableness of the Spitzbergen Sea, and 

the Whale-fisheries in the Arctic Regions, mit Karte. (Jonmal 
of the R. Geogr. Soc, toI. XXIII, pp. 129—186.) 

8. On the Whale-fisheries in the Arctio Regions. (Times, 8. Not. 1852.) 

9. On the Whale-fisheries in the Arctic Regions. (Times, 1 1. Nor. 1852.) 

10. Baffin Bay and the Polar Basin. (Athenaenm, 11. Desbr. 1852.) 

11. Letter addressed to the Lords Commissioners of the Admiralty, 

29. November 1852. (Parliamentary Papers, „Arctic Expeditions", 
ordered by the Honse of Commons to be printed Bec. 1858, 
pp. 78—85.) 

12. On the Geography of the Arctic Regions. (Athenaenm, 22. Ok- 

tober 1863.) 

13. The Arctic Regions. (Athenaenm, 19. NoTbr. 1853.) 

14. Arctic BiscoTery and the Whale-fisheries. (Times, 9. Beehr. 1853.) 

15. On the Geography of the Arctic Regions. (Athenaenm, 24. No- 

Tcmber 1855.) 
') Journal of the R. Geogr. Soc, vol. XXII, pp. LXXIX ff., und 
ToL TYITT^ pp. LXXXI ff. 

13* 



100 



Die projektirte Englische Expedition nach dem Nordpol. 



in geographischer Beziehung sowohl wie für die Interessen 
des Britischen WalBschfanges anerkannt haben. 

1. Das Meer östlich und westlich von Spitzbergen bietet 
den kürzesten Weg Ton Ghross-Britannien nach dem Nordpol, 
indem die Entfernung von London bis zu jenem Funkt auf der 
Westseite von Spitzbergen 2400, auf der Ostseite 2500 nau- 
tische Meilen beträgt , während der Weg durch den Smith- 
Sund zum Nordpol 4000 Meilen lang ist und 2400 Meilen 
von London aus in dieser Richtung nur bis zur Mitte der 
Davis-Strasse föhren. 

2. Das Meer von Spitzbergen bildet bei weitem den 
ausgedehntesten, in der That den einzigen ooeanischen Zu- 
gang zu den centralen Polar-B^onen und dem Nordpol 
und schon aus diesem Grunde die leichteste und schiffbarste 
Passage nach dem Nordpol und» dem Kern der arktischen 
Begionen. 

3. Das Meer von Spitzbergen ist weitaus freier von Eis 
als irgend ein anderer Theil der arktischen oder antark- 
tischen Meere in derselben Breite; es ist so allgemein 
bekannt, dass der Parallel von 80^ N. Br. in jedem Jahre 
selbst von kleinen Fahrzeugen mit (>ewissheit und Sicher- 
heit erreicht werden kann, dass selbst Captain Osbom, ein 
Gegner meiner Ansicht, bemerkt: ,, Jachten fahren zum Ver- 
gnügen und arme Norwegische Fischer in fast offenen Boo- 
ten'' bis zu dieser hohen Breite. Im Smith-Sund hat man 
trotz der vereinigten Anstrengungen Britischer und Ameri- 
kanischer Expeditionen nur 78** 45' N. Br. zu Schiff und 
etwa 81** zu Schlitten erreicht. Trotz dieser höchst ener- 
gischen Anstrengungen ist man in jener Bichtung nur um 
ein sehr Geringes weiter gekommen seit den Tagen Bafßn's, 
der vor 249 Jahren (1616) ungefähr 78' N. Br. erreichte, 
also fielst eben so weit vordrang als die neuen Expeditionen 
von Inglefield, Kane und Hayes, obwohl die beiden letzten 
mit der ausgesprochenen Absicht, den Nordpol zu erreichen, 
auszi^n. 

4. Das Meer von Spitzbergen gegen den Nordpol ist 
zwar auch von Treibeis heimgesucht, allein dieses bildet 
für die Schifffahrt ein nicht grösseres Hindemiss wie 
in anderen Meeren ähnlicher Beschaffenheit, z. B. der 
Baf&n-Bai, welche jetzt eben so leicht befahren wird als 
die Nordsee. Nach dem übereinstimmenden Zeugniss der 
neuesten wie der ältesten Seefahrer trifft man in dem Meere 
von Spitzbergen viel weniger Eis im Frühjahr und Herbst 
als in der Höhe des Sommers und zu gewissen Zeiten ist 
es ganz frei von Eis. 

5. Ein Meer von der Ausdehnung und Tiefe (Parry 
fand mit 500 Faden keinen Grund) des nördlich von Spitz- 
bergen befindlichen, mächtigen Strömungen ausgesetzt und 
mit dem warmen Atlantischen Becken unmittelbar zusam- 
menhängend, wird nie, selbst im Winter nicht, ganz zufrie- 



ren oder mit festem Eis bedeckt sein, so dass man mit 
Schlitten darauf reisen könnte, sondern es wird freier von 
Eis und offener sein als das von Eis umstarrte und mit 
ihm angefüllte Labyrinth von engen Meeresarmen 20 Grad 
südlich vom Pol, welches der Hauptschanplatz der Auf- 
suchung Franklin's war. Aus der Yermuthung, dass das 
von Capt. Phipps angetroffene Flächeneis sich bis zum 
Nordpol ausdehne, ging Sir Edward Parry's Expedition im 
Jahre 1827 hervor. Statt jedoch eine Eisfläche zu finden, 
auf der der Nordpol in Schlittenbooten zu erreichen ge- 
wesen wäre, traf er überhaupt kein zusammenhängendes Eis 
an, sondern nur loses Treibeis, halb so dick als das bei 
der Melville-Insel , so dass er zu dem Sdhluss kam, ,,eiii 
Schiff hätte, fast ohne auf ein Stück Eis zu stossen, bis 
zur Breite von 82* segeln können" ')• 

6. Von Sir Edward Pany^s äusserstem Punkt in 82 M5' 
N. Br. dehnte sich ein schiffbares Meer weit gegen Norden 
aus, wie auch die alten Holländischen und Englischen 
Schiffer berichten, welche fest versicherten, sie seien bi» 
zum 88. Breitengrad und selbst über den Pol hinaus 
gekommen und hätten ein schiffbares Meer gefunden. Mag 
Capt. Osbom immerhin diese Berichte auf Eechnung „Hol- 
ländischen Dusels und starken Holländischen Biers" schrei- 
ben, die Qlaubwürdigkeit und Richtigkeit der Angaben^ 
der alten Holländischen Seefahrer im Allgemeinen und der 
Umstand, dass man nördlich von Spitzbergen kein Land 
entdeckt hat, sprechen zu ihren Gunsten; denn man weiss 
ja, dass Seeleute und Entdecker zur See im Allgemeinen 
viel mehr geneigt sind, Land zu entdecken, als zum Gegen- 
theil sich gezwungen zu sehen, d. h. das Yorhandensein und 
die Fortsetzung des Meeres dokumentiren zu müssen ; haben 
doch viele Küsten, Inseln und grosse Länder in allen Thei- 
len der Erdoberfläche, die gesehen und entdeckt sein sollten, 
wieder von der Karte gestrichen werden müssen. Ver- 
werfen wir aber auch jene alten Berichte ganz und gar, so 
bleibt doch Sir E. Parry's Position unter 82 • 45' N. Br., 
in einem vollkommen schiffbaren Meere, ein unangreifbares 
und nicht wegzuläugnendes Faktum und die Strecke von 
diesem Punkt bis zum Nordpol, nur 435 naut Meilen, 
kann nicht schwieriger zu befahren sein als eine gleich 
lange Strecke in der Baffin-Bai oder in einem anderen po- 
laren (Gewässer von ähnlicher Ausdehnung. 

7. Alle auf die Geographie der arktischen Regionen 
bezüglichen Thatsachen, die Ausdehnung der wirklichen 
Erforschung, die Beobachtungen über Meeresströme, Klima, 



*) Parry's NarratiTe, p. 148. 

') Der ganze nordöstliclie Theil Ton Noraja Semlja findet sich Doch 
bifl zum heutigen Tage auBschliesBlich nach den beinahe 300 Jahre 
alten Angaben des Holländers Barents verseichnet, welche mit den 
nenesten Russischen Aufnahmen des südwestUchen Theiles trefflich 
übereinstimmen. 



Die projektirte Englische Expedition nach dem Nordpol. 



101 



Treibek nnd Treibhobs, führen su dem SchlnsSy dass die 
Begionen unter dem Pol nnd bis Spitzbergen ans 'binem 
▼eiten Meer und nicht aus Land bestehen. Aber wenn 
«ach Land unter dem Fol gefunden werden sollte, so könnte 
eine von Spitzbergen aus dahin gelangende Expedition die 
Seise auf Schütten fortsetzen, während Schlitten-Expeditio- 
nen, wenn sie auf offenes Wasser stossen, wie die von Parry, 
Kane, oder yon Wrangeil und Anjou bei ihren wiederholten 
Yorenchen an der Sibirischen Küste, zu Ende sein würden 
und unTecrichteter Sache umkehren müssten. Aus der gänz- 
lichen Abwesenheit yon Treibholz nördlich yom Smith-Sund 
echüesse ich, dass jene MeOTesarme in keinem Zusammenhang 
mit dem eigentlichen Polar-Meer auf der Asiatischen Seite 
und nördlich yon der kontinentalen Küste Noid-Amerika's 
stehen, dass yielmehr eine Landzunge nicht weit nördlich 
yom Kap Pany, welches Morton in 82*' sah, jene Gewässer 
zn einer Bai abschliesst Die Annahme, dass sich yom Kap 
Psny an Land bis zum Nordpol erstrecke, ist Nichts als 
eine Hypothese, die sich nur auf den Wunsch gründet, 
dass es so sein möchte. Es wäre zu bedauern, wenn der 
Erfolg einer Expedition auf eine solche Hypothese sich 
stützen sollte. 

8. Sir Edward Parry's Expedition bis 82* 46' N. Br. 
im Meere yon Spitzbergen, dem höchsten bisher yon irgend 
einer authentisch beglaubigten Expedition erreichten Punkte, 
' erforderte yon der Themse aus und dahin zurück nur 6 Mo- 
nate Zeit nnd kostete nicht mehr als 9977 Pf. St 

Die yoTBtehenden Punkte, die yon mir bei früheren 
Gelegenheiten ausführlicher dargelegt wurden, sind nidit nur 
nicht widerlegt worden, sondern haben durch neue ünter- 
snehungen nnd das Zeugniss Britischer und anderer See- 
leute mehr und mehr Bestätigung gefunden; ich yerweise 
nur z. B. auf die Mittheilnng des Dr. Henry Whitworth yon 
8t Agnes in Comwali, der als Arzt des Schiffes „Trueloye'' 
von HuU im Jahre 1837 die Breite yon 82"* 30' N. unter 
12 bis 15' Östl. L. y. Gr. erreichte. Er sagt •): — »I<* bin 
überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit yiel grösser ist, den 
Pol zu Wasser zu erreichen als zu Land, denn wir hatten 
in 82^^ gegen Nordost ein offenes, ganz eisfreies Meer, 
und 80 yiel ersiditUch, stellte sich unserer Weitertahrt kein 
Hindemiss entgegen ; wir hätten wahrscheinlich den Pol mit 
derselben Leichtigkeit und Sidierheit erreicht wie die Breite, 
unter der wir uns damals befanden. — Ein Schrauben- 
dampfer yon geeigneter Konstruktion, gut bemannt und 
zweckmässig befehligt, würde die Ausföhrbarkeit des Ver- 
Buchs auf einer Beise yon 8 Monaten erweisen und könnte 
ausser dem Hauptzweck neue Fischgründe für unsere Wal- 
fisdi&farer östlich yon Spitzbergen entdecken. Die Monate 



') Athenaeiim, 8. Desbr. 1863. 



sollten A|Hril, Mai und Juni sein. Im Juli wird die Sehiff- 
fahrt auf dem arktischen Ooean wegen der dann herrschen- 
den dichten Nebel gefiihrlich." 

Diesen Bemerkungen über die arktischen Begionen will 
ich einige Argumente hinzufügen, die aus antarktischen 
Erfahrungen heryorgegangen und in ihrer Anwendung auf 
die yorgeschlagene Nordpol-Expedition yon höchster Wich- 
tig^it sind. 

Yon den yielen apokryphischen Ländern, deren Existenz 
man steif und fest behauptete, war die grosse Terra Australis 
eins der riesenhaftesten und unsinnigsten Gebilde der Phan- 
tasie und man sollte denken, dass man durch die yielen 
zur Au&nchung dieses Kontinentes in den April geschickten 
Expeditionen gründlich gewarnt wäre gegen die Yorstellung 
einer Terra Polaris nördlich yom Smith-Sund oder sonst wo. 
Vor etwa 300 Jahren glaubte man, dass jene grosse Terra 
Austrah's die ganze B^on um den Südpol nördlich bis zur 
Magellan-Strasse umfasse, dass sie yon da bis in die Nähe 
des Kaps der Ghiten Hoffnung reiche und ganz Australien, 
Neu -Guinea und einen beträchtlichen Theil des Stillen 
Oceans in sich begreife; Abel Tasman sdmitt 1642 durch 
seine Entdeckung der Südküste yon Australien ein gutes 
Stück dayon ab, aber bis zu Cook's Zeit, also bis yor 
90 Jahren, hielt man trotzdem immer noch an der Annahme 
eines grossen Austral-Landes fest, das yon Neu-Seeland bis 
zu den Bouyet- Inseln (südwestlich yom Kap der Guten 
Hoffnung), welche beide ab Vorgebirge des Kontinentes be- 
trachtet wurden, sich erstrecke. Captain (}ook zog aus, dieses 
Land zu suchen, denn „ob der unerforschte Theil der süd- 
lichen Halbkugel nur eine tmgeheuere Wassermasse sei 
oder einen neuen Kontinent enthalte, war eine Frage, die 
lange Zeit nicht nur Gelehrte, sondern die meisten See- 
mächte Europa's beschäftigt hatte. Allen Meinungsyer- 
sohiedenheiten über eine so interessante und widitige Sache 
ein Ende zu machen, war der Hauptbeweggrund Sr. Majestät, 
ab er befahl, diese Eeise zu unternehmen" <). Cook zer- 
störte das Phantasiebild eines grossen südlichen Kontinentes 
und zeigte, dass, wenn antarktisches Land yon irgend be- 
trächtlicher Ausdehnung existire, es auf den centralen 
Baum innerhalb des 60., Parallels beschränkt sein müsse; 
yergebens suchte Wilkes yon der Amerikanischen Ent- 
deckungs-Expedition jene Yorstellung aufs Neue zu beleben, 
indem er eine undurchdringliche Eisbamire mit hohen 
Beigen und seinem antarktischen Kontinent südlich dahinter 
annahm und auf seiner Karte niederlegte; aber, wie ekla- 
tantermaassen bekannt, segelte Sir James Clark Boss lustig 
über Eisbarricre, Hochland und Kontinent hin, und zwar 



1) Cook, Voyage towards the Sonth Pole, 1772—1775. London 1777. 
4<*. Introdnction p. IX. 



102 



Die projektirte Englische Expedition nach dem Nordpol 



noch obendrein, indem er Ton der entgegengesetzten Heite, 
▼on der Bichtung des Südpole her, kam; genau an der- 
selben Stelle , wo Wilkes Gebirge auf seiner Karte verzeich* 
net hatte, warf er das Senkloth und fand nut 600 Faden 
keinen Grund! 

Wenn Cook sich durch den Beweis der Nichtezistenz der 
monströsen Terra Australis ein grosses Verdienst erwarb, so 
hob er dasselbe nahezu dadurch auf, dass er ein eben so gros- 
ses populäres Yorurtheil und einen antarktischen Popanz 
flchuf, indem er in absprechendster Weise behauptete, das 
Polar -Meer sei jenseit des äussersten yon ihm erreichten 
Punktes (71^ 10' S. Br.) durchaus unzugänglich für Schiffe 
und für irgend weitere Forschungen. „Es war", sagt er '), „in 
der That m&ine Ansicht wie die der Meisten an Bord, dass 
dieses Eis (in 71^ 10' S. Br.) sich ganz bis zum Pol erstrecke 
oder sich yielleicht einem Lande anschliesse, mit dem es seit 
den frühesten Zeiten verbunden gewesen sei", und 2) „die 
Gefahr, der man sich bei Erforschung einer Küste in diesen 
unbekannten eiserfüllten Meeren aussetzt, ist so gross, dass 
ich dreist behaupte, es werde kein Mensch es jemals wagen, 
weiter vorzudringen, als ich gethan habe, und es werde das 
Land, das weiter südlich liegen kann, immer unerforscht 
bleibenw'' Diese Ansichten des grossen Seefahrers dämpften 
den Eifer für weitere Forschungen in den antarktischen 
Gewässern auf volle 40 Jahre, bis sie 1819 von der Bus- 
sischen Expedition unter Bellinghausen wieder aufgenommen 
und in rascher Folge von Weddell, Biscoe, Eemp, Balleny, 
d'UrviUe, Wilkes, J. C. Boss und Moore bis 184& fortgesetzt 
wurden. Bekanntlich drang Sir James C. Boss bis 78^ 10' 
vor, also 7 Breitengrade oder 420 naut. Meilen weiter 
gegen den Pol hin als Cook, und zwar ohne Dampfkraft;. 

Gook's Vorstellung von dem Eis und der Unschiffbarkeit 
des antarktischen Oceans südlich von 71** gleicht dem vor- 
herrschenden, auf blosser Ignoranz beruhenden Yorurtheil 
in Bezug auf das Meer nördlich von Spitzbergen. Als er 
an seinem fernsten Punkte, nahe der von ihm „Südliches 
Thule" benannten Insel (in 60° S. Br.), umkehrte, sagte er, 
er sei „müde jener hohen Breiten, wo man Nichts als Eis 
und dichten Nebel finde"'). Aber in derselben Gegend 
und fast unter demselben Meridiim kam Weddell mit seinen 
beiden gebrechlichen Fahrzeugen von 65 und 160 Tonnen 
volle 850 naut Meilen dem Pol näher als Cook und, was 
mehr sagen will, er fand ein von Flächeneis völlig freies Meer 
mit unzähligen Walfischen und Vögeln bei herrlichem Wetter. 
Der äusserste Punkt, den er am 20. Februar 1823 er- 
reichte, lag in 74' 16' S. Br. und 34* 16' 45" W. L. 
V. Gr., und obgleich ein starker Wind aus S. bei W. blies, 



*) Cook, Yojage towards the South Pole, toI. I, p. 26S. 
*) Ebenda, toI. H, p. 231. 
') Ebenda, vol. H, p. 223. 



waren vom Deck nur drei Eisinseln in Sicht und vom 
Mastkorb eine vierte; das Meer war mit blauen Sturm- 
vögeln buchstäblich bedeckt, das Wetter nuld und an- 
genehm, die Luft sehr rein. Ein Glück, dass James Weddell 
kein „duseliger Holländer", sondern ein Master in der 
Königlichen Britischen Marine war und dass er seine £ntr 
deckungen nicht „bei starkem Holländischen Bier'' erzählte, 
sondern alle seine Beobachtungen in einem Englischen 
Werke, in London gedruckt und rerlegt^), veröffentlichte! 
Die Sache ist die, dass das Hauptgesetz der Bildung 
und Yertheilung des arktischen wie des antarktischen Eises 
nach allen seinen 3eziehungen und Folgen noch wenig ge- 
kannt oder im Auge behalten wird, nämlich dass das jeden 
Winter an den Küsten und im Meer gebildete Eis geg^n 
Ende dieser Jahreszeit nach niederen Breiten in Bewegung 
gesetzt wird und dort rasch zerschmilzt Sehiffe, welche 
daher im Frühling und Sommer dem Pole zusteuern, — 
und bis jetzt hat man nur diese Jahreszeiten zu Polar- 
reisen gewählt — begegnen jenen Eisströmen gewöhnlich 
an ihrer äussersten Äquatorial-Grenze , in Breiten, wo im 
Winter gar kein Eis zu finden ist und wo es auch im 
Frühling und Herbst in geringerer Menge als im Som- 
mer vorkommt. Diess ist in jedem polaren Gewässer von 
einiger Ausdehnung und mit offenem Zu- und Ausgang der 
FalL Die meisten Beobachtungen hat man über diesen 
Gegenstand in den betreffenden Breiten der südlichen Hemi- 
sphäre gemacht, weil sich dort gerade die grossen Handels- 
und Schifffahrtsstrassen der Welt koncentriren und kreuzen. 
Captain Maury nahm die Logbücher von nicht weniger als 
1843 Fahrten südlich von 35^ S. Br. zu dem Zweok durchs 
um die Daten über das Vorkommen des Eises zusammen- 
zustellen 2). Yon diesen 1843 Fahrten trafen 167 Eis an 
und davon 39 oder fast ^^ im Dezember (entsprechend 
unserem Juni), keine einzige im Juli (unserem Januar); 
132 in den antarktischen Sommermonaten November, 
Dezember, Januar, Februar und März (unserem Mai 
bis September) und nur 35 oder etwa % in den Winter- 
monaten. Zu demselben Besultat kam Professor G. Neu- 
mayer bei Bearbeitung der zahlreichen im Flagstaff- 
Observatorium zu Melbourne während der Jahre 1858 
bis 1862 gesammelten Beobachtungen. Er sagt: „Ln De- 
zember und Januar (unserem Juni und Juli entsprechend) 
wird der südliche Grosse Ocean zwischen 50" und 55* 
S. Br. von unzähligen Eisbergen heimgesucht Unter dem 
Einfluss der Süd- und Südost -Stürme beginnt die Eisflotte 
Ende August (unserem Februar), sich gegen Norden in 



») WeddeU, A Toyage tovards the South Pole, 1822—24. Lon- 
don 1825. 

*) Matuy, Sailing directions, 8*^ edition, vol. II, p. 580, und 
Physical Geography of the Sea, London 1860, p. 478. 



Die projektirte EngUsche Expedition nach dem NordpoL 



103 



Bewegang za setsen, Hitte Dezember treibt sie zwischen 
den Parallelen yon 50 und 60^ vor Westwinden und die 
ffMSte Anhäufung des Eises findet man im November, 
Dezember, Januar und Eebruar (unserem Mai bis August) 
unter oder bei dem Parallel von 55^ S. — Schiffe, welche in 
diesen Monaten unter dem Parallel von 60^ segeln, laufen 
daher weniger Gefahr" >)• ^ segeln also jetzt die Handels- 
flotten der Welt auf demselben Parallel von 60**, von wel- 
chem der grosse Cook umkehren zu müssen glaubte. 

Das gesammte Eis, sei es in der Form von Treibeis, 
Eisbergen oder Packeis — nämlich zusammenhängende 
grössere Eismassen — , bildet einen beweglichen GHirtel von 
3 bis 6 Meridiangraden Breite, auf dessen polarer Seite 
das Meer keineswegs, wie man gewöhnlich glaubt, in fort- 
schreitendem Maasse mit Eis angefüllt, sondern mehr oder 
weniger frei davon ist. Schiffe, welche diesen Eis-Qürtel 
durchbrechen, werden ein schiffbares Meer in den höchsten 
Breiten und bis zum Pol selbst finden, überall da, wo eine 
nnr irgend ausgedehnte und tiefe Meeresliäche sich bis zu 
diesem Punkt erstreckt. 

In gleicher Weise werden Schiffe, welche durch das 
Treibeis bei Spitzbergen dringen, ein freies, schiffbares Meer 
Tor sich sehen bis zum Nordpol hin. Es ist wohlbekannt, 
dass iu gewissen Jahreszeiten, und oft während des ganzen 
Jahres, der nördliche Theil der Baffin-Bai freier von Eis 
imd leichter zu befahren ist als das südliche Ende derselben 
in der Davis -Strasse — über 1000 naut Meilen weiter 
südlich 

Die Verbreitung des Eises in den arktischen und ant- 
arktischen Meeren hängt in der That von diesem einen Vor- 
gang des jährlichen Eisganges ab, welcher die den Polen 
zunächst gelegenen Regionen von dem während jedes Winters 
gebildeten und angehäuften Eise befreit Die EisAnsamm- 
Imig, welche die Schiffe an beiden Enden der Erde wäh- 
rend des Sommers in niedrigeren Breiten antreffen, erinnert 
an eine ähnliche Erscheinung in der Hydrographie der 
Flüsse, von denen viele an ihren Mündungen Barren bil- 
den, schwierig und gefahrlich für die Schififahrt, während 
(iie Plüsse oberhalb dieser Barren oft weit hinauf schiffbar 
sind. 

Die antarktischen Expeditionen zeigen auch recht augen- 
fällig, was bei Forschungsreisen durch Schiffe geleistet 
werden kann im Vergleich mit Schlitten. Man hat, wie 
der Aufsatz des Gapt. Osbom angiebt, berechnet, dass die 
limge der bei der Aufsuchung Franklin's in Schlitten zurück- 
gelegten Strecken 40.000 Nautische Meilen beträgt; aber 



') Nenmayer, Meteorological and Nantioal.Obseryations, Melbourne 
1864, p. 339. (Dieses schöne, Ton der Regiermig der Kolonie Victoria 
pttblidrte Werk ist yon höchster Wichtigkeit ftbr Schifffahrt und phy- 
nube Qeographie.) 



diese Expeditionen waren in der That ausserordentlich zahl- 
reich und nahmen viele Jahre und Mittel in Anspruch, 
wogegen die Schitfskurse Ton Sir James C. Boss allein, 
in nur drei Sommerfahrten yon je ein paar Monaten, 
innerhalb der Grenze des Treibeises sich wenigstens auf 
41.500 Engl. Meilen belaufen ')• Seine Kurse innerhalb 
des Eaumes, der südlich von 70** S. Br. dem Yictoria- 
Land gc^nüber liegt, haben allein eine Länge von 
4500 Meilen und wurden in 10 Wochen zurückgelegt; 
dieser kreuz und quer durchsegelte Baum kommt in seiner 
Ausdehnung so ziemlich dem ganzen Gebiete westlich vom 
Lancaster-Sund gleich, auf dem die zahlreichen Schlitten- 
Expeditionen zur Aufsuchung Franklin's vor sich gingen. 
In dem Jahresbericht an die Königl. Geographische Gesell- 
schaft wurde bei Überreichung der goldenen Medaille an Sir 
James G. Boss gesagt: — „Diese grösste geographische Ent- 
deckung der neuesten Zeit [nämlich die des Victoria -Lan- 
des mit seineu riesigen Vulkanen] wurde innerhalb eines 
kurzen Monates ausgeführt" und „mit ungetheilter Befrie- 
digung habe idi femer anzuführen, dass dieses schwierige 
Unternehmen zu Ende gebracht wurde, ohne dass ein Un- 
glücksfall, eine Kalamität oder nur eine Krankheit vor- 
gekommen wäre" ^) , und, wohlgemerkt, alles diess ohne die 
Hülfe der Dampfkraft. 

Eine vom Smith-Sund ausgehende Schlitten-Expedition 
würde im besten Fall den Windungen einiger kleiner ver- 
schlungener Kanäle, ähnlich den südwestlicher gelegenen, 
folgen können, wogegen einem Schiff vom Spitzbergischen 
Meere ans das ganze Polar-Gebiet zugänglich ist, so weit 
die See sich erstreckt. Eine Expedition wie die von Sir 
James G. Boss würde der Wissenschaft die ganze Gentral- 
Begion von Spitzbergen bis zur Beliring-Strasse und von 
der Sibirischen Küste bis zur Melville - Insel und Kane's 
fernstem Funkt eröffiien. Schlittenreisen sind schon ihrem 
Wesen nach sehr beschränkter Natur und in derselben Zeit 
und mit denselben Mitteln, welche für diese vorgeschlagene 
Schlitten -Expedition in Anspruch genommen werden (etwa 
4 Jahre), könnten Dampfsdüffe wahrscheinlich den Nordpol 
und auch den Südpol erreichen. 

Die geographische und wissenschaftliche Welt wird zwar 
ganz damit zufrieden sein, wenn eine Expedition ausschliess- 
lich zu wissenschaftlichen Zwecken abgeschickt würde, aber 
auch schon allein die Literessen des Walfischfanges in den 
Polar -Regionen haben grosse Bedeutung und ich erinnere 
nur an das Faktum, dass der Ertrag des Walfischfanges der 



1) Berechnet nach den Karten in seinem Werk, deren hauptsach- 
lichste einen so kleinen Maassstab hat, dass die wahre Ausdehnung der 
Kurse wahrscheinlich 60.000 Meüen betragen würde, wären sie auf 
einer Karte yon hinreichend grossem Maassstabe aufgetragen und be- 
rechnet. 

») Journal of the R. Q. S. toI. Xn, pp. XV und XVI. 



104 



Die projektirte Englische Expedition nach dem Nordpol 



Amerikaner in der Behiing-Strasee innerhalb zweier Jahre 
den ej^onnen Werth von 8 MilL Dollars erreichte. 

Wenn ich auf die yorstehenden Bemerkungen und That- 
sachen die AufmerkBamkeit der Geographen Englands zu 
lenken mir erlaube, habe ich hauptsächlich den Wunsch im 
Auge, dass eine neue Englische Expedition nach dem Nordpol 
von besserem Erfolg gekrönt werden möge als die früheren 
unter Sir Edward Parry, Kane und Hayes, Wrangeil und 
Anjou, welche alle zu Schlitten vorzudringen suchten, und 
desshalb jämmerlich misslangen. Gingen gleichzeitig mit dem 
Versuch einer Eisfahrt ein oder zwei Schraubendampfer 
durch das Meer von Spitzbergen gegen Norden, so würde 
gerade die Ursache eines Misslingens des crsteren^ nämlich 
das Vorhandensein offenen Wassers, den Schiffen den Erfolg 
sichern, und so umgekehrt. Ein Kohlend^pot zu Hammer- 
fest in 70'' N. Br. würde den auf der Beise von England , I 
bis dorthin verbrauchten Vorrath ersetzen und so der Expe- 
dition gestatten, unter den günstigsten Umständen in das 
Folar-Meer einzulaufen. 

Ein geeigneter Sohraubendampfer könnte in der rechten 
Jahreszeit eine Beise von der Themse nach dem Nordpol 
lind zurück — oder nach irgend einem Lande jenseit des 
Pols in der Bichtung der Behring-Strasse , der Sibirischen 
oder Amerikanischen Küsten — in 2 bis 3 Monaten zurück- 
legen, i&it einem Aufwand, der im Vergleich zu irgend 
einer der bis jetzt durch die Baffin-Bai ausgesandten arkti- 
schen Expeditionen ganz und gar unbedeutend sein würde. 

Auf alle Fälle lebe ich der Hoffnung, dass Sie, Sir, 
und die Geographen und Männer der Wissenschaft in 
England die Sache nicht fallen lassen werden und dass 
die Englische Begierung eine Expedition aussenden wird, 
mag nun die Entscheidung über den einzuschlagenden 
Weg ausfallen, wie sie wolle. Es würde eine Kleinigkeit 
für England sein, das einzige I^nd in der Welt, von dem 
eine solche Expedition unter guten Auspicien ausgehen 
könnte, da es die grösste Erfahrung und die geeignetsten 
Männer, Schiffe, Ausrüstung und Külfsqucllen für ein sol- 



ches Unternehmen besitzt. Als sich vor einem Vierteljahr- 
hundert die Französischen und Amerikanischen Expeditio- 
nen unter d'Urville und Wilkes zugleich mit Sir James 
G. Boss in den antarktischen Gewässern beÜEinden, sah man 
deutlich, dass nur die Engländer in dem polaren Element 
völlig zu Hause waren, sie gingen mit ihren wichtigen 
Forschungen drei auf einander folgende Jahre furchtlos vor, 
während die anderen Geschwader bei ihren Versuchen, den 
Südpol zu erreichen, sich nach verhaltnissmässig kurzer 
Zeit zurückwandten. Und gewiss sollte da, wo der Beich- 
thum der Nation den geographischen Entdeckungen und 
Wissenschaften so viel schuldet wie in England, ein kleiner 
Zins an die Wissenschaft zurückgezahlt werden. 

Es giebt natürlich bei jedem neuen Unternehmen, welches 
die Welt und das menschliche Wissen um einen Schritt weiter 
bringen soll. Einige, die gegen dasselbe sprechen, aus dem ein- 
fachen Grunde und nur deshalb, weil sie nicht mit Gewissheit 
darauf rechnen zu können glauben, dass ein unmittelbarer 
Profit in Pfunden, Schillingen und Pence dabei herausspringen 
werde. Dieselbe Sorte von Leuten verlachte die Idee einer 
Eisenbahn und eines Dampf bootes , und wenn es nach ihrem 
Willen gegangen wäre, hätten wir eben so wenig Eisea- 
bahnen und Dampfboote wie die Entdeckung von Amerika 
oder das Aufblühen und die Goldfelder Australiens u. s. w. 
Aber ich versichere Sie, dass für uns ausserhalb Englands 
die Grösse Ihrer Nation und Ihrer Landsleute nicht minder 
in ihrer systematischen Erforschung der Gletscherregionen 
der Alpen, ihren wissenschaftlichen Luftballon-Fahrten, ihrer 
Aufnahme von Jerusalem, ihrer Nivellirung des Todten 
Meeres (zu welchem Zwecke , wie ich zu meiner Freude 
höre, Ihre Gesellschaft die Summe von 100 Pf. St bewil- 
ligt hat), ihren Tiefenmessungen im Meere, ihren Polsr- 
Expeditionen u. s. w. hervortritt wie in irgend etwas Anderem. 
Ich habe die Ehre u. s. w. 

August Petermann, 
korrespondirendeB Ehrenmitglied der Kgl. Geogr. Oesellschaft. 

Gotha, den 9. Februar 1865. 



Reise von Suakin nach Kassala, November 1864'), 

von Karl Qraf v, KrockoWy 
Mitglied des Vereins für Erdkunde in Dresden. 



Nur wenige Europäer haben den von mir in Ost-Afrika 
durchreisten Theil, der entweder aus öden oder pittoresken 
Landschaften besteht, zwischen den genannten Städten 



Zur Orientinmg 8. die Karte im 6. Erg.-Heft und diejenigen im 
13. Erg.-Heft der „aeogr. Mitth.", Tafel 3 und i. 



durchzogen. Zur weiteren Erläuterung einiger geographi- 
scher Berichtigungen kann ich nach meinen Beobachtungen 
dieser Wissenschaft vielleicht nützlich sein und erlaube mir 
deshalb, nachstehend einen kurzen vorläufigen Bericht voa 
hier aus zu geben. 

Am 31. Oktober 1864 verliess ich Suakin mit eigener 



Karl Graf t. Krockow's Reise von Suakin nach Kassala, November 1861. 



105 



Karawane, d. h. von Hadendoas für die beTorstehende 
Beise gemiethet. In den ersten zwei bis drei Tagen bin ich 
zwischen den Wegen, welche Mabsao und Burckhardt ge- 
macht haben, in der langsam ansteigenden, theils sandigen, 
theils steinigen, mit Mimosen dünn bewachsenen Ebene ge- 
zogen. Auf der Karte von Ost- Afrika (in Ihrem 6. Erg.-Heft) 
sind Ton Suakin rechter Hand (westlich) nur einzelne hohe 
Berge angegeben, während dieselben doch alle mehr oder 
▼eniger durch Bergketten mit einander in Verbindung 
stehen. Nach der Aussage meines Hadendoa-Führers be- 
nennt dieser Yolksstamm diess Oebirge mit dem Namen 
Sekeni. Etwa 5 bis 6. Stunden westlich von Suakin fangt 
das Sekeni-Oebirge an und sich westlich haltend entfernt es 
sich nach Süden zu immer mehr von dem Bothen Meere und 
geht in das Land hinein. 

Ton Tokar etwa 6 bis 7 Stunden entfernt, an dem ein- 
zelnen auf der Karte msQrkirten Berge bei dem Gebilde 
Schaha war ich die vierte Nacht Das Schaba-Gebirge zieht 
sich mehr in einem Winkel nach Tokar hinauf und seine 
zackigen gigantischen Spitzen machten den schönsten Hinter- 
grund in der ansteigenden Landschaft. Dem Schaba-Gebirge 
gab mein Führer den Namen „die Berge von Tokar" und 
nach dem Kompass war die Angabe der Lage jener kleinen 
Stadt ganz richtig und von dem Meeresspiegel femer Nichts 
mehr von der ansteigenden Ebene aus zu sehen. 

Die steiler ansteigende, durch mehrere enge und schwer 
2n durchziehende trockene Wasserbetten unterbrochene 
Strasse in der Ebene weiter ziehend kam ich in einen wilden, 
Ton Felsen umschlossenen Gebirgskessel und dann in eine 
breitere, an dem niedrigen trockenen Wasserlauf mit Fächer^ 
pahnen bewachsene Ebene. Die Gebirge rechter Hand (nord- 
westlich) nannte mein Führer wieder Sekeni, aber ich glaube 
den von Heuglin bezeichneten Namen Uruba-Damiliah um so 
bereitwilliger annehmen zu können, um dieses in seiner 
Formation und den Gesteinsarten verschiedene Gebirge von 
dem bisherigen, auf den Karten auch noch ohne Namen 
stehenden Sekeni - Gebirge zu unterscheiden. 

Während das ganze Sekeni-Gebirgo meist schwärzliche, 
nackte, steile Felsen und Abfälle zeigte, ohne jede Vege- 
tation auf denselben, hatte das Uruba-Damiliah- Gebirge 
aelten Wände, die nicht mit Pflanzen oder Sträuchem be- 
wachsen waren; die Farbe der Steine war auch heller und 
ausser dem Schiefer-Granit fand ich auch Quarz und Marmor 
unter dem SteingerÖlle in den tiefer gelegenen Theilen der 
Ebene, wo zur Begenzeit das Wasser von den nahen Bergen 
herabströmt. Einige Stunden später fand ich ausser Quarz 
und Marmor auch viele Stücke von Grünstein, wo diess auf 
der Karte bemerkt ist. 

Zwischen dem 17. bis 18® der Breite und 36. bis 37* 
der Länge von Greenwich verliess ich die Route von Malzac 

Petermann's Oeogr. Mittheünngen. 1865, Heft III. 



und hielt mich mehr östlich, zog an zwei verschiedeneii 
breiten, jetzt trockenen Wasserbetten vorüber und hatte 
östlich in weiter Feme wenige Bergspitzen in Sicht, wäh- 
rend nordwestlich einzelne Felsen und Gebirgshöhenzüge 
sich von meinem Wege entfernend theils unsichtbar wurden. 

Hierauf kam ich didit (1 Stunde) unter den von Maman 
(nach Hunzinger) benannten Buinen vorüber, und zwar blie- 
ben dieselben links (östlich) von meinem Wege liegen. — An 
dem 1 3. Beisetage kam ich durch ein 3 bis 5 Stunden breites 
und 3 bis 4 Deutsche Mhi. langes Thal, in dem mehrere Haden- 
doa-Wander-Börfer lagen. Diess Thal ist auf der Deutschen 
Ezpeditions-Karte (etwa 4 Stunden) zu weit nördlich gelegen 
und hat auch eine grössere Länge von SO. nach NW. 

In einem HadendGa^Wander-Dorfe am Ende dieses Thaies 
blieben unsere Leute aus Furcht vor den räuberischen Barea 
über Kacht und verliessen den gewöhnlichen, kürzeren Weg 
nach Kassala. 

Nur 24 Stunden vor uns hatten die Barea einer aus 
Kassala nach Suakin ziehenden Karawane 14 Stunden von 
dieser Stadt 30 Kameele geraubt und 4 Menschen ge- 
tödtet Von dem Nachtquartier aus waren die hohen, 
wild romantischen Gebirge von Sabderat, die Berge Mokrim 
und der runde, kuppelfonnige Djebel Kassala über der 
kaum merklich ansteigenden Ebene zu sehen. Wie schon 
gesagt, hatten unsere Leute den gewöhnlichen Weg ver- 
lassen und durch eine sehr trockene, dünn bewachsene, mit 
gutem Boden versehene Steppe näherte ich mich dem näch- 
sten Ziele der Beise, blieb aber einige hundert Schritt 
vor -der Stadt stehen, besorgte mir zunächst in derselben 
eine Wohnung un4 am 15. November war ich mit meinen 
Sachen in meinem einstweiligen Quartier. Nach einer sehr 
beschwerlichen Beise, wo oft das schlechteste Wasser, grosse 
Hitze und Wüsten -Treibsand zu ertragen und nur geringe 
Nahrung für Menschen und Thiere zu haben war, hatte 
ich somit Kassala glücklich erreicht 

Nachdem ich nur wenige Tage hier war, kamen die 
Herren W. Munzinger ') (als Französischer Konsulats-Yer- 
treter) aus Massaua und Pater Stella von Keren in den 
Bogos-Ländem hierher, um bei dem hiesigen Gouverneur 
gegen die unter Ägyptische Begierung gehörenden räuberi- 
schen Barea zu klagen und mindestens die gefangen ge- 
nommenen 104 Frauen und Kinder aus den Bogos-Ländem 



*) Herr Hunzinger bat hier Wele GeschSfte und bat mich deshalb 
ersucht, Ihnen die besten Grüsse zu sagen, indem er Sie zugleich be- 
nachrichtigt, dass er Ihnen in Bälde eine ganz neue Boute von hier 
nach Sogodas und Laga-Dokura mittheüen wird, welche ihm Ton einem 
Elephanten-Jager genau besehrieben worden ist. 

In demselben aus „Kassala, 80. Kovember 1864" datirten Briefe 
schreibt uns Graf t. Erockow : — „In einigen Tagen werde ich mit 
meinem Reisegefihrten Ton hier ttber Sabderat und Algeden durch das 
ganz trockene Tiefland reisen, nach dem Flusse Setit, Gedaref und 
Galabat, ttber welche Beise ich Ihnen weitere Mittheilung machen werde." 

U 



106 



Karl Qraf y. Erockow's Heise yon Suakin nach Kassala, November 1864 



wieder ziiräck zu erlangen, bevor diese unglücklichen 
von ihren Bäübem in die Sklaverei verkanft werden. 

Die von den Stadtmauern etwa 1 bis l\ -Stunde ent« 
femten Mokriin-Berge (nicht nur Mokran-FelB, wie auf der 
Karte steht) wünschte ich zu messen und bewegte Herrn 
W. Munzinger, dieses Unternehmen mit mir auszuführen. 

Am 25. November um 8{ Uhr Morgens waren wir an 
dem Fuss der mit vier isolirten selbstständigen Spitzen ge* 
zierten Berge und begannen mit den Beobachtungen: 

Am Fasse des Berges Hypsometer S,M Cent.-(}rad, Thermometer um 

8i Uhr 80i" R.; 
BAhe an der Spitze Hypsometer 3,48**, Thermometer um 11 Uhr auf 

dem Berge im Schatten 22}" B. 

Da wir unübersteiglicher Hindernisse wegen nicht weiter 
vordringen konnten, die höchste Spitze aber vor unseren 
Augen hatten, so hahen wir etwa 30 Meter för diese in der 
Messung noch fehlende Höhe als ziemlich richtig angenom- 
men. Zu der mitgetheilten Messung würden also noch 
30 Meter hinzuzufügen sein, und da wir mit Tabellen nicht 
versehen, ergab die höchste Spitze dieser Berge etwa 1250 F. 

Das Besteigen dieses sehr zerklüfteten und mit vielem 
Steingerölle und an der Kuppe mit enormen Eelsblöcken 
bedeckten Berges war äusserst beschwerlich und über meh- 
rere glatte Felsenwände mussten wir hinauf klimmen und 
kriechen. Steile Felswände, Schluchten und unersteigliche 
Felsenblöcke nöthigten uns, manchen Umweg zu machen, 
so dass wir 2 Stunden zum Besteigen dieses Berges brauch- 
ten. Die Stadt Kassala lag WNW. von uns und hier fällt 



nach der genannten Stadt zu die höchste Spitze dieser Berge 
fast 5- bis 600 Fuss senkrecht herab und geht von dort^ 
mit Oerölle und Sträuchem bedeckt, noch ziemlich steil bis 
auf die Ebene. Diese Berge haben wie die meisten der 
hier von mir bisher beobachteten Gebilde keine Hügel oder 
Yorberge, über die sich dann wie in Europa die eigentlichen 
Gebirge erhöben, sondern hier steigen von allen Seitea 
die Felsenberge aus der Ebene auf und haben wegen der 
meist nackten Wände nicht das freundlich lebendige An- 
sehen wie unsere bewaldeten Gebirge. 

Nachdem wir die Djebel Kassala, den Fluss Chor el 
Gash (jetzt trocken), die dahinter gelegene weite Ebene und 
östlich die schönen Gebirge von Sabderat naher betrachtet 
und die Höhenmessung beendigt hatten, verliessen wir die 
I Spitze und kamen nach mühevollem einstündigen Herab- 
j steigen zu den von uns unter Aufsicht zurückgelassenen Reit- 
thieren. Diese brachten uns na6h einer Stunde in die Stadt 
zurück und auf diesem Wege hatte ich zwei schöne Wasser- 
spiegelungen (Fata Morgana), die eine zwischen den beiden 
Bergen und die andere unter dem Djebel Kassala auf schein* 
bar 72 Stunde Entfernung, die dort wachsenden Fächer- 
palmen schienen in diesem Wasser zu stehen. 

Gehört die Messung der Mokrän-Bei^e auch nicht zu 
meiner Beise von Suakin nach Kassala, so habe ich doch 
diese Mittheilung nicht vorenthalten wollen, da bei einer 
neuen Anfertigung von Karten vielleicht auch die Höhe des 
Mokran-Berges bemerkt werden könnte. 



Geographische Notizen. 



Die alten Qletaoher der Schweiz. 

Wir hatten in der nördlichen Schweiz fünf grosse Glet- 
scher, in der Italienischen zwei. Die Verbreitung derselben 
zeigt, dass die Grösse des Areals, das jeder Gletscher ein- 
nimmt, zu seinem Stammgebiete ungefähr in demselben 
Verhältnisse stand wie die jetzigen Gletscher -Gebiete zu 
den sie ernährenden Eismeeren. 

Der grösste Gletscher — der Rhone-Gletscher — kam 
aus dem Wallis, weil derselbe aus diesem weiten Alpen- 
Lande die meisten Zuflüsse erhielt. Er verbreitete sich über 
den Genfer See an den Jura und entwickelte an diesem 
seine höchste Höhe in der Verlängerung und Richtung des 
unteren Rhone-Thales (am Chasseron) und das Herabsinken 
der von der Moräne herrührenden Blocklinie nach Biel und 
andererseits nach Gex entspricht der nach diesen beiden 
Richtungen dünner werdenden Eisdecke. Es rührt diese aus 
der Zeit der grössten Ausdehnung des Gletschers. Damals 
füllte dieser das ganze Hauptthal des Wallis mit seinen 
zahlreichen Nebenthälem aus und reichte um mehrere tau- 
send Füßs über die Thalsohle hinauf, wie die polirten Fels- 
wände und die oberen Blockwälle uns anzeigen. 

Die Richtung, welche die Moränen über dieses ungeheuere 
Eismeer genommen haben, ist von Professor Guyot aus- 



gemittelt worden. Er unterscheidet zwei Perioden der 
Gletscher-Verbreitung ; in der ersten hat dieser seine grösste 
Ausdehnung gehabt und seine Arme bis in die hohen Jura- 
Thäler der Kantone Waadt und Neuchatel getrieben. In 
dieser Zeit war die Endmoräne bis Aarwangen und Zofingen 
vorgeschoben. Die rechte Seitenmoräne dehnte sich längs 
der Freiburger Berge aus. Sie wird vornehmlich von grauen 
Sandsteinen, die von den Abhängen der Dent.de Mordes 
stammen (von Valorsine-Konglomeraten), gebildet; die linke 
Seitenmoräne ging von den Gebirgsstöcken des Mont Blanc 
aus und führte die Alpen-Granite durch das Thal des Trient 
in das Rhone-Becken und kann auf der Savoyer Seite bis 
Genf verfolgt werden. Die Mittelmoränen kamen erstens 
aus dem Ober- Wallis und brachten von da weisse Granite, 
zweitens aus den Gebirgsstöcken des Monte Rosa, welche 
die Serpentine und Euphotide lieferten, drittens aus dem 
Hintergrunde des Eringer und Bagne-Thales , welche die 
ungeheueren Massen talkigen Granites (Arkesine) herab- 
sandten, und viertens aus dem Val Ferret, aus welchem die 
ungeheueren Findlinge von Monthey stammen. Der Aus- 
breitung des Gletschers am Ausgang des Walliser Thaies 
folgend breiteten sich die Mittelmoränen strahlenförmig über 
denselben aus und brachten ihr Material bis auf die Höhe 



Notizen. 



107 



des Jura. Die Endmoräne, die von Aarwaiigen bis Guggis- 
beig reicht, zeigt uns die Gesteine in derselben Eeihen- 
folge: bei Goggisberg die Yon der Dent de Mordes be- 
nannten grauen Sandsteine, zwischen Schwarzenbuxg und 
£önu die Granite des Ober-Wallis^ in der Gegend wesüioh 
TOQ Bern und Burgdorf die Felsarten des Monte Rosa, bei 
Seebeig die talkigen Granite des Eringer Thaies und bei 
Aarwangen die Alpen - Granite des Mont Blanc In der 
xweiten Periode war der Gletscher kleiner, er füllte wohl 
das Becken des Genfer See's aus, ohne aber so weit nach 
j^oidosten zu reichen wie in der ersten. Wie in der ersten 
bildeD die durch Martigny passirenden Mont Blanc -Blöcke 
die linke, die grauen Sandsteine und Ober- Walliser Gesteine 
die rechte Seitenmoräne; diese geht aber über den Jorat 
und hat auch bei Lausanne (am Montbenon) ,' Morges , Au- 
bonne u. s. w. grosse Steinmassen abgelagert Sie hat daher 
eine andere Sichtung erhalten als iu der früheren Zeit 
Dasaelbe gilt von den Mittelmoränen, welche über das 
jetzige Gebiet des Genfer See's sich verbreiteten und später 
beim Zurückschmelzen des Gletschers wohl grosse Massen 
Ton Schutt und Steinen im Grund des See's abgelagert 
haben mögen. Die. näher den Bergseiten verlaufenden Mittel- 
moränen wurden später zu Seitenmoränen. So bildeten die 
Blöcke des Yal Ferret zur Zeit der ersten Gletscherverbrei- 
tnog ohne Zweifel eine Mittelmorjäne , die bis an den Jura • 
reichte; als später der Gletscher kleiner wurde und damit 
sein Niveau tiefer sank, kam die Moräne an den Band und 
▼urde 400 Puss über der Thalsohle von Monthey auf 
^A Stunden Länge als 5- bis 800 Fuss breiter Wall ab- 
gelagert, in welchem manche Blöcke in den sonderbarsten 
Lagen über einander liegen, wie man solche in ähnlicher 
Weise nur bei den Felstrümmem der Seitenmoränen unserer 
Oletscher sieht 

Beachtenswerth ist, dass die Moränen der ersten Zeit 
TorauB die Gesteine der höchsten Gebirgsstöcke enthalten, 
die der zweiten aber auch solche tieferer Gegenden, woraus 
man geschlossen hat, dass in der ersten die Fimdecke weiter 
hinauf reichte und nur die obersten Berggipfel aus derselben 
henrorstanden. Biess in Verbindung mit der Bichtung, 
welche die Moränen befolgen, zeigt uns, dass in der ersten 
Zeit die Gletscher eine grössere Ausdehnung hatten als in 
der zweiten. 

Viel kleiner als der Bhone-Gletscher war der der Aare. 
Er füllte die Thäler des Berner Oberlandes aus und glät- 
tete die Felswände bis 2000 Fuss über die jetzige Thal- 
sohle hinauf. Er bedeckte die Becken des Brienzer und 
Thuncr See's und breitete sich nördlich von Thun über das ' 
Land aus. £r erreichte seine nördliche Grenze bei Burg- 
dorf, indem er dort durch den Bhone-Gletscher am weiteren 
Vordringen verhindert wurde. 

Der Beuss-Gletscher erhielt seine Zuflüsse aus den Thä- 
lem des Kantons üri, aus dem Engelberg und dem Muotta- 
Thal. Der Hauptgletscher kam aus Uri, am Gebirgsstock 
des Bigi und der Hochfluh musste er sich in zwei Arme 
theilen, von denen der linke das Becken des Yierwaldstätter 
See's einnahm und von da allmählich den Kanton Luzem mit 
einer Eisdecke überzog, der rechte aber mit dem Muotta- 
thaler Gletscher sich vereinigend zwischen dem Bigi und 
BoBsberg nach dem Kanton Zug und von dort aus über das 
Preiamt und den Bezirk AfEbltern sich verbreitete. Beide 



Arme hatten sich wahrscheinlich nördlich vom Eigi wieder 
zu Einer Masse verbunden. Eine grosse Mittelmoräne brachte 
die unzähligen Gotthard-Granite (Geissberger), welche die 
Bezgterrassen hoch über dem Umer See (so bei Seelisberg 
vnd Morschach) bedecken und über die Kantone Luzem, 
Aargau und den Bezirk Affoltem zerstreut sind. Einer 
Seitenmoräne gehören die ungeheueren Kalksteinmassen an, 
welche bis weit an den Pilatus hinauf reichen und bei Herr» 
gottswald einen mächtigen, von Gebirgsbächen durchfurchten 
Wall bilden. Zur Zeit seiner grössten Ausdehnung reichte 
dieser Gletscher bis an die Albis-Kette hinauf und streckte 
seine Anne durch die Schnabellücke und die Mutsehelle ia 
das Limmat-Gebiet hinüber, diesem Gotthard-Granite zufüh» 
rend. Die schönen Endmoränen der Kantone Aargau und 
jLuzem (am Baldegger, Sempacher und Wauwyler See) be* 
zeichnen eine Zeit, wo der Gletscher in dieser Gegend sein 
Ende erreichte. 

Zwischen diesem Beuss- und dem Aare-Gletscher und 
der Endmoräne des Bhone-Beckens war eine Insel, welche 
auch zur Zeit der grössten Gletscherausdehnung von der 
Gegend des Napf bis an die Aare nicht von Eis bedeckt 
war, so weit sich diess wenigstens aus dem Fehlen der 
erratischen Bildung ersohliessen lässt, indem diese in dem 
ganzen Gebiete nirgends angetrofien wird. 

Der Linth - Gletscher erhielt seinen Hauptzufluss vom 
Kanton Glarus, aber auch durch das Wallensee-Thal muss 
ein mächtiger Gletscher gekommen sein, welcher bei Wesen 
sich mit dem Linth-Gletscher vereinigend durch das Gaster 
und die March nach dem Zürichsee-Becken sich verbreitete. 
Er überzog einen grossen Theil des Kantons Zürich mit 
einem mächtigen Eismantel, welcher zur Zeit seiner grössten 
Ausdehnung bis an den Bachtel wie andererseits auf die 
Kante des Ütli- Berges hinauf reichte. Damals war sein 
Bücken mit mehreren Mittelmoränen besetzt; eine solche 
ging vom Glämisch, Bauti und den Sihlthal- Bergen aus 
und brachte die Kalksteine dieser Gebirge nach dem Kanten 
Zürich, wo sie am linken Seeufer (so auch bei Hütten am 
Fusse des Hohen Bhonen) weit ausgedehnte Hügelketten 
bilden; eine zweite nahm an den aus Semiflt bestehenden 
Gebirgsstöcken des Semf-Thales ihren Ursprung und bildete 
eine mächtige Mittelmoräne, welche die unzähligen rothen 
Ackersteine den Umgebungen des Zürcher See's zuführte 
und zeitweise vom Freiberg, namentlich dem Gantstocke, 
grossen Zuwachs erhielt; eine dritte entsprang an den Kur- 
firsten und dem Speer und brachte den östlichen Kantons- 
theilen (Greifensee und Grüningen) die Kalksteine und 
Nagelfluhblöcke jener Gebirge zu; mit ihnen verband sich 
aber auch die Moräne des aus Bünden in das Wallensee- 
Thal hinabdringenden Gletschers, welcher die so bezeich- 
neten Pontaljes - Granite jenen Gesteinen zufügte und sie 
mk ihnen in unsere Gegenden führte. Die bogenförmigen 
Wälle bezeichnen die ruckweise Verkleinerung des Glet- 
schers. Die Endmoräne von Würenlos giebt seine grösste 
Ausdehnung an; die mächtige Endmoräne, die das Nord- 
ende des Zürcher See's umgiebt, sagt uns, dass zu dieser 
Zeit ein Stillstand im Bückgang eingetreten sei und wohl 
während einer langen Beihe von Jahren hier die Schutt- 
massen sich anhäuften. Da die grossen Endmoränen des 
Glatt-Thales, des Baldegger und Sempacher See's und Bem's 
ungefähr in dieselbe Linie fallen, so sind sie wahrscheinlich 

14» 



108 



Notisen. 



in derselben Zeit gebildet worden und bezeichnen einen 
lange andauernden stationären Gletscherstand. Die Moräne 
yon Rapperswyl und von Tuggen bezeichnet den weiteren 
Bückgang des Eismeeres und sein allmähliches Abschmelzen. 

Der fünfte grosse Gletscher ist der des Bhein-Thales, 
weldier aus dem weiten und hohen Gebirgsland Graubünden 
sein Material bezog. Dieser Gletscher theilte sich am Scholl- 
berge in zwei Arme, von denen der linke den eben er- 
warten Wallensee-Gletscher bildete, der rechte aber das 
Bhein-Thal ausfüllte, den Bodensee und seine Umgebungen 
unter einer dicken Eisdecke begrub, bis nach dem Höhgau 
hinaus reichte und auf dessen Hügelkuppen Denksteine sei- 
nes mächtigen Daseins zurückliess. Das Pontaijes-Thal 
speiste eine grosse Moräne mit zahllosen Graniten, welche 
an der linken Thalseite hinauslief, beim Schollberg aber 
sich über einen grossen Theil des Gletschers ausgebreitet 
hatte, so dass solche Pontaljes-BlÖcke sowohl auf dem Glet- 
ifeher des Wallensee- wie dem des Rhein-Thales nach den 
tieferen Gegenden getragen wurden. Die aus dem Prättigau 
und Montafun kommenden Moränen blieben dagegen auf 
der rechten Thalseite des Bheins und haben da eine lange 
Seitenmoräne gebildet. Aber auch die übrigen Bündner 
Thäler haben reiches Material geliefert, welches jetzt einen 
wesentlichen Antheil an der Zusammensetzung der oberen 
Bodenschichten der Kantone St. Gallen und Thurgau nimmt 
und auch unterhalb Gonstanz in zahllosen Geschieben auf- 
tritt. 

Wenn zu einer Zeit die Gletscher eine so grosse Aus- 
dehnung hatten, so müssen sie auch am Südabhaog der 
Alpen in die Niederungen hinabgestiegen sein und in das 
Flachland hinaus gereicht haben. Dass diess in der That 
der Fall war, zeigt die Thatsache, dass dort alle diesseit 
der Alpen beobachteten Erscheinungen wiederkehren. Ein 
grosser Gletscher drang aus dem Kanton Tessin in die 
Lombardiscbe Ebene vor und erfüllte das Becken des Langen 
Bee'B. Ein zweiter kam vom Splügen und Bei^U, bildete 
mit dem Gletscher des Yeltlin sich vereinigend eine Brücke 
über den tiefen Gomer See und rückte seine Endmoräne bis 
in die Gegend von^onza vor. Die wimderschöne, von den 
Armen des Gomer See's umfasste Halbinsel von Bellaggio 
ist mit Gesteinen überstreut, welche nur aus den Alpen 
stammen können. 

Auch der Garda-See, an dessen reizenden Ufern jetzt 
Pomeranzen- und Citronen-Bäume blühen, war einst mit 
einer Eisdecke bekleidet, über welche ohne Zweifel die 
grossen alpinen Schuttmassen fortgeschoben wurden, welche 
jetzt bis über Peschiera hinaus dacf Land bedecken. Am 
weitesten nach Süden wurde aber der Gletscher des Monte 
Bosa vorgeschoben, indem er aus dem engen Thal von 
Aosta hervorbrechend bei Ivrea sich über die Ebene aus- 
breitete und bis CatUso das Land mit alpinen Schuttmassen 
überhäufte, welche nun die aus den Ebenen aufsteigenden, 
bis 1500 Fuss hohen Hügelzüge bilden. 

(Heer's „Urwelt der Sohwei«".) 



Das Klima am Corner See. 

Als Prof. Dr. ScheUenberg den Herbst, Winter und Früh- 
ling 1862 — 63 am Corner See in der Tremezzina verbrachte, 
der ungefähr 1 Stunde langen Strecke des westlichen Ufer- 



landes, die sich der Halbinsel von Beilage gegenüber in 
einem seichten, mehrmals von unbedeutenden Landzangen 
unterbrochenen Bogen von Tremezzo bis nach Lenno zieht, 
benutzte er seine beschauliche Müsse, „alle diejenigen Ver- 
hältnisse gründlich zu durchforschen, welche den Corner 
See ab klimatischen Kurort für den Aufenthalt im Winter 
als ganz besonders geeignet erscheinen lassen. Denn wäh- 
rend der Genfer See von Wintergästen überfüllt ist, wäh- 
rend selbst in Lugano einzelne Zugvögel sich niederzulassen 
nicht verschmähen, legt dieses Schmuckkästchen der Natnr 
seine kostbaren Schätze, womit es in überreicher Fülle auch 
im Winter gesegnet ist, vor leeren Bänken aus." So kommt 
es, dass wir in seinem kürzlich erschienenen Buche „Im 
Golfe von la Spezia und am Comersee, Skizzen und Stu- 
dien aus dem Sommer und Winter 1862 — 63. Leipzig und 
Stuttgart 1865'^ in welchem wir dergleichen wissenschaft- 
liches Material kaum vermuthen durften, ausfuhrliche Mit- 
theilungen über das dortige Winterklima finden , sogar mit 
einer Temperaturtafel von Herrn Dürer, Intendanten der 
Villa Carlotta in der Tremezzina, dessen Beobachtungen 
über die Begenverhältnisse der vorige Jahrgang der „Geogr. 
Mitth.'' (S. 305) enthielt. Wir erlauben uns, diese Tafel 
abzudrucken und einige Auszüge aus dem Schellenberg'schen 
Texte beizufügen. 

TempereUur ' Beobachtungen in der ViUa Carlotta. 
Thermometer B^anmur. 



1H58 1 186» 1860 IStfl i 1S6S Maxim. Minlm. 


' Mittel Mittel Mittel Mittel 1 Mittel 


der fUnf Jfthre. 
16,0 , -4,$ 


Januar 


0,6« 1,94 


2,48 


2,28 


2,18 


Februar 






0,89 4,64 


2,86 


4,»6 


8,9» 18,0 ' —3,8 


M&rs . 






5,66 8,60 


5,18 


6,68 


7,84 19,7 -2,0 


April . 






10,69 1 9,99 8,00 


9.81 ,11,20 ; 21,0 2,4 


Mai . 






11,68 11,80 12,91 'ld,10 (13,48 22,0 < 4,0 


Juni . 






17,66 16,18 15,88 16,6» ;i5,88 24,7 ; 9,1 


JnU . 






16,48 19,98 |16,84 16,60 .18,48 26,4 ! 10,0 


Aozust 






16,17 18,80 ;i5,89 19,11 16,61 


26,8 10,8 


September 




. 


14,88 14,07 18,46 ;14,88 !l8,99 


24,0 94 


Oktober 




'11,74 11,68 


9,77 11,4» 


11,69 


18,8 


4,1 


November 




4,68 6,16 


5,89 6,4» 


7,71 16,4 


-2,T 


Dezember 




8,6» 1,M 


8,08 8,18 


4,18 12,6 


-3,7 


Jabr . 




1 9,6» ,10,28 


9,17 j 10,80 


10,68 1 26,4 . -4,8 


Der Winter am Corner See, wenn man den kurzen 


leichten ] 


lalbschlu 


nu 


ner der Natur 


Winter nennen 


will, 



beschränkt sich auf höchstens zwei Monate und bewegt eich 
zwischen wenig yeränderlichen Grenzen. Da aber die kli- 
matische Beschaffenheit bedingt ist einerseits von der di- 
rekten Einwirkung der Sonnenstrahlen auf den tief aus- 
gehöhlten, mit Wasser gefüllten Gebirgskessel, andererseits 
von der grösseren oder geringeren Absperrung gegen die 
kalten Nordwest-, Nordost- und Südostwinde, so findet ein 
nicht unerheblicher Unterschied in den Temperatur-Verhält- 
nissen, somit auch in der Entwickelung der Vegetation 
Statt. Der nördliche und südliche Theil des See's ist kälter 
als die Mitte; dort wirkt die unmittelbare Nähe der Alpen 
und hier sind die Berge zu niedrig und stehen in zu weiter 
Entfernung, als dass sie ausreichenden Schutz gewähren 
könnten. Zwischen Oomo und Tremezzo besteht eine merk- 
lich zu spürende Temperatur-Differenz von 2 bis 4^. Hin- 
wiederum erfreut sich das westliche Ufer einer bedeutenden 
Bevorzugung vor dem östlichen, welchem die Wintersonne 
sehr knapp zugemessen ist und das ausserdem in Folge 
seiner mangelhaften Konfiguration nur in wenigen Buchten 



Notizen. 



10» 



Znflneht vor den nördlichen Winden findet Daher iet der 
Honte S. Primo immer weit tiefer herab beschneit als der 
gegenüber liegende Crocione, und -während in der Tremez- 
zina die Schneeflocken bei der Berührung mit dem Erd- 
boden ihren Gbist aashauchen, sind drüben auf dem See- 
rücken von Bellageio Felder und Oärten bis an den See in 
eine leichte weilsse Decke eingehüllt. An dem westlichen 
Gestade hat nun nächst der Bucht von Sala die geschütz- 
teste und wärmste Lage die Tremezzina. Im Korden der- 
selben schiebt sich ein merkwürdiger Hügel vor, eine un- 
geheuere Gletschermoräne, die jetzt auf Kücken und Seiten 
Dörfer, Felder, Gärten und Gehölze trägt. Südlich wird 
die Bucht abgeschlossen durch die weit vorspringende Punta 
di Lavedo ; diese fängt die oft ziemlich kühl hinauf wehende 
Breva di Como auf, indem sie derselben bloss einen schmalen 
Durchgang in der nach Campo hinabführenden Einsattelung 
gestattet. Gegen die Breva di Lecco, jene beissend scharfe 
Luftströmung von Südosten, schützen wie eine undurchdring- 
liche Mauer der Grosgallo und der Monte Frimo, an \lem 
mächtigen Bollwerke des Crocione aber, das den Kücken 
der Landschaft deckt, prallen die Nordwestwinde kraftlos 
ab. Hier, in dem Gerten der Lombardei, — eine literarische 
Schmeichelei, die sogar in den Mund des Volkes über- 
gegangen ist — hat sich die dichteste Bevölkerung angesiedelt 
und dem steinigen Boden mit fleissiger Hand eine über- 
raschend üppige Kultur abgerungen, denn an keiner anderen 
Stelle des See's giebt es ein ^o weit ausgedehntes, sanft 
aufsteigendes Gelände, auf dem weniger mit der Verwen- 
dung des Baumes gegeizt, mit den Schwierigkeiten des 
Anbaues weniger gekämpft zu werden braucht. Hier haben 
»ich, wenn auch nicht die grössten und schönsten, so doch 
die zahlreichsten Villen angesammelt und hier ist von den 
Tilleggiatura haltenden Italienern eine Hauptstation errichtet 
worden, weil die Örtliche Beschaffenheit die längste Dauer 
derselben gestattet und weil für den geselligen Verkehr 
mehr Quellen als anderswo geöffnet werden konnten. Aus 
allen diesen Gründen empfiehlt sich die Tremezzina vorzugs- 
weise auch als Winteraufenthalt für Gesunde wie fiir Lei- 
dende, vorausgesetzt, dass das genügsame Behagen an Natur 
und einfachen Menschen nicht för ein überflüssiges oder 
lastiges Moment einer klimatischen Kur erachtet wird. 

Das jährliche Quantum und die Vertheilung der Wärme 
(mittlere Temperatur des Jahres + 10®, des Winters + 2,6®, 
des Frühjahrs +9,7®, des Sommers +17®, des Herbstes 
+ 10,44®) und des Niederschlags bleibt sich ziemlich gleich, 
die Witterung hat den Charakter der Beständigkeit, bedeu- 
tende Sprünge, heftige Eückfälle, maasslose Extreme sind 
ganz ungewöhnliche Erscheinungen. Die Kältegrade sind 
in der Regel um 4 bis 5® geringer als in der Lombardi- 
sehen Ebene und Tagfröste kommen äusserst selten vor. 
Eben so selten ereignen sich Frühfröste in der zweiten 
Hälfte des November und Spätfröste nach dem März kom- 
men niemals vor. Der, wenn auch nicht sehr hohen, aber 
gieichmässigen Winter-Temperatur ist es zuzuschreiben, dass 
hier viele Kulturgewächse im freien Lande ausdauem, welche 
in viel südlicheren Gegenden, wie in Florenz, einer solchen 
Ge&hr nicht ausgesetzt werden dürfen. 

Den Übergang zum Winter bildet die Periode der Herbst- 
regen, die Anfangs nur einige Stunden dauern, nach kürzeren 
oder längeren Pansen aber sich wiederholend Tage, ja Wochen 



lang ohne Aufhören gleidimäesig und bei stillefr Luft sich 
^rgiessen. Die höchsten Berge bedecken sich mit Schnee; 
nach jedem reichlicheren Niederschlag und in Folge der 
immer zunehmenden Abkühlung der Luft steigt der Schnee 
stufenweise auf die niedrigeren Berge und von den Kämmen 
auf die Abhänge herunter, der Crocione ist in seiner neuen 
Gestalt, ganz in Weiss gehüllt, fast unkenntlich geworden, 
an dem Monte Primo fliessen die Falten des glänzenden 
Gewandes immer tiefer und umhüllen auch den Grosgallo 
und endlich an einem frischen, klaren Morgen liegt der 
Hügel der Serbelloni, Bellaggio, S. Giovanni ganz überpudert 
vor unseren erstaunten Blicken. Am 17. Oktober wurde 
die Regenzeit mit einem Gewitter bei +16® eingeleitet. 
Nach diesem Vorspiel begann das eigentliche Stück mit 
einem fast ununterbrochenen siebentägigen Begen vom 
29. Oktober bis zum 5. November. So wechselten Begen 
und heitere Tage in kleinen Intervallen unaufhörlich bis zum 
Schluss des Monats. Der Dezember eröffiiete sich mit einer 
letzten Kraftanstrengung: es regnete drei Mal 24 Stunden 
ohne Unterbrechung, aber nun war der Zauber gebrochen, 
der Winter war eingezogen und an seiner Hand der warme 
Sonnenschein zurückgekehrt. 

Der erste Wintermonat, vom 4. bis 28. Dezember, be- 
währte in vollem Maasse seine gerühmte südliche Schönheit. 
Fast vier Wochen lang sendete die Sonne ihre wärmenden 
Strahlen von einem wolkenlosen Himmel herab, zur Mittags- 
zeit suchte man geni den Schatten in den engen Mauer- 
gassen auf, das Kaminfeuer erlosch, sobald die Sonne über 
den Berg hervorgetreten war. Die Mittagswärme schwankte 
bis zum 16. Dezember zwischen 7 und 5®, wurde aber am 
9., 10. und 14. durch den Sirocco auf 9 und 10® gehoben. 
Nachts fiel das Quecksilber auf 2 und 1®. In der Nacht 
vom 17. trat der erste Frost mit 0® ein und zugleich er- 
reichte das Barometer den höchsten Stand im ganzen Jahre. 
Sofort aber griff der Sirocco ein, der bis zum 22. wehend 
die Luft wieder bis zu 10® erwärmte. Am 23. wurde der- 
selbe von einem kräftigen Nordost abgelöst, der in der 
darauf folgenden Nacht den zweiten und stärksten Frost 
dieses Winters, — 1,4®, hervorbrachte. In den beiden fol- 
genden Nächten, am 2ö. und 26., wiederholten sich die 
Fröste mit — 1 und 0®, mit diesen vier Frösten aber hatte 
sich die winterliche Kälte erschöpft, das Quecksilber ging 
nicht wieder unter + 1 ® hinab. Am 27. setzte ein heftiger 
Sirocco mjt +13® ein und damit begann eine anomale 
Witterungserscheinung, welche in den nächsten Wochen auf 
den benachbarten südlichen Abhängen der Alpen grausen- 
hafte Wirkungen hervorbrachte und auch am See, wiewohl 
in viel milderer Weise, mit empfunden wurde. 

Nach herkönunlichem Gange und in Übereinstinunung 
mit den Erfahrungen der Bewohner hätte der Januar das 
Witterungsgeschäft in ähnlicher Weise wie sein Vorgänger 
betreiben sollen, allein es war uns vorbehalten, Zeugen 
einer in der menschlichen Erinnerung tmerhörten Abweichung 
von der Begel zu werden. Der letzte Sirocco war dem 
vorgedrungenen^ Polarstrom ungewöhnlicher Weise schon dies- 
seit der Alpen begegnet, der Kampf hatte nach mehrtägigem 
Bingen mit der gänzlichen Niederlage des Wüstenwindes 
geendigt und nun stürzte die ungeheuere Menge von Wasser- 
dämpfen, welche dieser mit sich führte, auf und an den 
Alpen als Schnee, hier in unserem durch und durch er- 



110 



Notizen. 



wannten Becken als unendlicher Regen nieder. Der B^^n 
ergOB8 sich mit Unterbrechung von nur 2 Tagen unablässig 
Tag und Nacht in Strömen vom 3. bis zum 18. Januar^ 
nur drei Mal verwandelte sich, und zwar im Laufe des 
Tages, der Regen in Schnee ; es war Nichts weiter zu sehen 
als fiedlendes Wasser in der Luft und stehendes Wasser im 
See. Es regnete bei stiller Luft immer gleichmässig ruhig 
und dicht fort, es war ein so einförmiges Niederrauschen, 
dass man zuletzt Gehör und Gesicht dafür verlor. In dieser 
14tägigen Regenfluth fielen nicht weniger als 30 Zoll, also 
ein Drittel mehr, als die jährliche Regenmenge von Dresden 
ausmacht. 

Mit diesem Regen endigte zugleich , der diessjährige kli- 
matische Winter. Es begann nun ein unbeschreiblich herr- 
licher Vorfrühling, der ohne Unterbrechung durch Januar 
und Februar sich hinziehend im März allmählich in das 
wirkliche Frühjahr überging, nachdem er in diesem letzten 
Monat noch einige wenig gefahrliche reaktionäre Anfech- 
tungen leicht und rasch überwunden hatte. Sechs Wochen 
lang, bis Ende Februar, wölbte sich der Himmel immer rein 
und immer dunkelblau über dem dunkelblauen Spiegel des 
See's und über den schneegekrönten Zinnen der Gebirge. 
Alles zusammengenommen, Beleuchtung, Luft, Wärme, fried- 
liche Stille und Zwanglosigkeit der Bewegung, waren wir 
oft im Zweifel, ob wir nicht dem Herbst den Winter vor- 
ziehen sollten. Zwei Monate später hatten wir die Gewiss- 
heit gewonnen, dass auch am Corner See der Frühling über 
seine Brüder den Preis davon trägt Die Temperatur in 
der letzten Hälfte des Januar schwankte zwischen 4~ ^ ° 
und +6* und erreichte am 25., 26. und 28. ihren Höhe- 
punkt mit + 10* und +11'. Das Minimum, + 1,5**, fiel 
in die Nacht vom 23. Die gewürzigen Blüthen des Caly- 
canthus hauchten in allen Gärten ihren berauschenden Duft 
aus, in den Rosen- und Myrthenhecken zwitscherten lustig 
die Rothkehlchen. Fast in gleicher Weise setzten sich die 
Temperatur - Yerhältnisse durch den Februar fort, nur mit 
dem unterschiede, dass das Maximum, + 10' (am 7.), um 
einen Grad zurückblieb, dass höhere Wärmegrade sich häu- 
figer wiederholten und dass das Minimum ein Mal, am 18., 
bis auf den Gefrierpunkt wich, während andere Male die 
nächtliche Temperatur 6,7, sogar 8** aufwies. Der Berg- 
schnee, der schon im Januar auf die Höhen von 3000 Fuss 
und darüber sich zurückgezogen hatte, sammelte seine 
letzten Kräfte zum Widerstand auf dem schmal «gewölbten 
Rücken und der bauchigen Spitze des Crocione, auf dem 
breiten Plateau und in den gefalteten Rillen des M. Frimo, 
auf den spitzigen Zacken und Zähnen des Grignone und a«f 
der Riesenkuppe des Legnone. Selbst auf den Abhängen 
der im Hintergründe des Amphitheaters sich lagernden 
Alpen breiteten die dunkelen Stellen nach oben und nach den 
Seiten allmählich sich immer weiter aus und fast täglich 
rollten und dröhnten Lawinen aus der Ferne. Die Frühlings- 
fiora entfaltete sich rasch und überzog allenthalben Felder, 
Mauern und Wege mit einem bunten Teppich. 

Li den nachfolgenden phänomenologischen Beobachtungen 
bezeichnet der einfache Pflanzenname immer den Eintritt 
der Blüthe. 

S4. Dezember Primula acaulia an ^eschtttiten Stellen. 
27. „ Helleboras niger. (Fledermäuse am Tage.) 
18. Januar Myrte treibt. (Amseln schlagen, Eidechsen schlüpfen.) 



19. Januar Tussilago Fetasites, Corylus AreUana. (Rothkehlchen.) 
so. „ Yeronica agrestis, Thymus Serpyllum. (Schmetterlinge.) 
Sl. „ Lamium purpureum. 
26. „ Daphne Mezereum. 
88. „ Erica camea. 
8. Februar Yinea minor, Teuorinm montanum, Fotentüla Tema, £a* 
phorbia Cyparissias, HeUanthemum, Globularia. 

3. „ Buscus aculeatus, Viola hirta, Scabiosa arrensis, Fotentilla 

alba. 

4. „ Sambucus schiigt aus. (Heidelerche.) 

7. „ (Erster Finkenschlag.) 

10. „ Viola trieolor. (Wanderheuschrecke.) 
13. „ Fragaria Tesca, Viola odorata; Salix babylonica schlagt aus. 
18. „ Leondoton Taraxacum. 
1. Min Taxus baccata. 

8. „ Ulmus eampestris. 
4. „ Linaria Cymbalaria. 

1 6. „ Amygdalus Fersica, Amygdalus communis, Frunus Armeniaea« 

17. „ Thuja. Buchsbaum. 

18. „ Erodium cicutarium. 

82. „ Magnolia fusca, Muscari comosum. — Alnusincana, Ostryt 

carpinifolia, Acer Gunedo belauben sich. 
23. „ Laurus nobilis, Fraxinus excelsior. 

25. „ Ophrys Bertolonü. Aesculus Hippocastanum und Tnlpen- 

baum schlagen aus. 

26. „ Prunus arium. 

27. „ 'Frunus domestica, Spartium Scoparium, Anemone nemorosa. 

29. „ Calla. Maulbeerbäume ausgeschlagen. 

30. „ Prunus communis, Frunus spinosa, Bösen, Boggenahren. 

31. „ Banksia-Bosen. Famkräuter rollen il^re Wedel auf. 

1. Aprfl Anemone ranunculoides, Banunculus acris. Salisburia und 

Birke belauben sich. 

2. „ Gentiana acaulis. Linde schlägt aus. 

3. „ Buchen und Eichen schlagen aus. (Erstes Gewitter Nachts.) 

4. „ Akazie, Weinstock, Platane schlagen aus. Hieracium muro- 

rum, H. Füosella, H. sylvestre, Campanula patula, Salria 
pratensis, Bhododendron, Juglans regia am Sasso grande 
sehr geschützt. 

8. „ Castanea Tesca, Fopulus italica belauben sich; junge Feigen- 

bäume schlagen aus. (Maikäfer.) 

9. „ Birken in der Villa Fliniana Tollständig belaubt. 
10. „ Laurocerasus, Orchis yariegata, Pavlownia. 

13. „ Chaerophyllum sylvestre, Pyrus Malus, Syringa TUlgari«, 

Lonicera Caprifolium. 

14. „ Aesculus Hippocastanum. (Nachtigall.) 

15. „ Orchis militaris, Polygala Chamaebuxus. 

Für die Wahl eines klimatischen Kurortes giebt neben 
den Temperatur-Verhältnissen den wichtigsten EntscheidmigB- 
grund unstreitig die Beschaffenheit der Luft in Yerbindung 
mit der Summe der atmosphärischen Erscheinungen über- 
haupt ab. In dieser Beziehung vereinigt die Gegend am 
Gomer See im höchsten Maasse alle diejenigen Bedingungen, 
welche bei nervöser Kränklichkeit und bei Leiden der Be- 
spirationsorgane zu einem glücklichen Erfolge erforderlich 
sind. Wenn Nizza sich höherer und frühzeitiger eintretender 
Wärme erfreut, so stehe ich nicht an zu behaupten, dass 
dagegen in Bezug auf die atmosphärischen Yerhältnisse 
der Comer See bei weitem den Vorzug verdient Dort wird 
der heilsame Einfluss durch die häufig wechselnden, bis- 
weilen ungemein heftig auftretenden Winde, von denen noch 
dazu eine ganze Welt von Staub aufgewühlt wird, durch 
die Zugluft am Strande und in den Strassen, durch die in 
manchen Fällen beschwerliche Trockenheit der Atmosphäre 
und durch die unter allen Umständen gefährlichen Abend- 
und Morgenthaue nur allzu sehr paralysirt. Will man Born 
zur Vergleichung ziehen, so wird dieses nicht einmal immer 
den Einwand des milderen Klima geltend machen können. 
Ich hatte im verflossenen Winter Qelegenheit, nach den 
vei^leiohenden meteorologischen Tabellen zu berechnen, dass 



Notizen. 



111 



die Wärmegrade in der Tremezzina denen von Kom nahezu 
gleich kamen, ja in einzelnen Fällen dieselben überstiegen. 



Die geodätischen und meteorologischen Arbeiten in 
Portugal 1). 

Die geodätischen und meteorologischen Arbeiten sind in 
Portugal unter der einsichtigen Leitung der Herren Folque, 
Pegodo und Fradesso da Silveira zu einer sehr hohen £nt- 
wi^elung gediehen. 

Was zunächst die geodätischen Vermessungen betrifft, 
BO ist die grosse Triangulation der Hauptdreiecke yollständig 
beendet, die der Dreiecke zweiter Ordnung dagegen ist 
gegenwärtig auf einer Oberfläche yon 3400 (Portugiesischen) 
(toadrat- Meilen, also etwa dem dritten Theile der Ober- 
fläche des Landes in Europa, für die Aufnahme der Katastral- 
pläne bewirkt. 

Die topographische Spezialkarte der Stadt Lissabon nach 
dem Maassstab yon 1 : 1.000 unter Angabe sämmtlicher 
Nivellements ist beendet. Bis auf den die Provinz Algar- 
rien, also eine Oberfläche yon 450 Quadrat-Meilen umfas- 
senden Theil ist die geographische Karte des Königreichs 
nach dem Maassstab yon 1 : 500.000 ebenfalls beendet. Die 
diorographische Karte nach dem Maassstab yon 1:100.000 
ist gleichfalls bereits för eine Oberfläche yon 750 Quadrat- 
Meilen aufj^nommen. Ganz beendigt dagegen sind die 
hydrographischen Karten der Busen und Häfen yon Lissabon 
und Porto; nahezu beendet ist die hydrographische Karte 
des Busens und Hafens yon Figueira; in Betreff ^des Flusses 
Lima und des Busens yon Ayeiro sind hydrographische 
Studien im Werke. 

Endlich erwähne ich noch die geographische Karte yon 
Zambesia und Sofala auf der Ostküste Afrika's, yon Mozam- 
bique bis L[ihainbane, also yom 15. bis zum 24. Grad S. Br., 
und die geographische Karte des Königreichs Angola yom 
Flusse Cacongo bis zum Kaj) Frio, also yon 5^ 12' bis 
18' S. Br. Diese Karten wurden Unter Benutzung zahl- 
reicher alten und neueren Portugiesischen und fremden Do- 
kumente yom General - Lieutenant Yicomte de Sa da Ban- 
deira, jetzigem Minister des Kriegs und mehrere Male 
Minister der Marine und der Kolonien, einem der ehren- 
werthesten und kcnntnissreiclisten Staatsmänner Portugals, 
der in Allem, was die überseeischen Besitzungen betrifft, 
die gründlichsten Studien gemacht hat, ausgearbeitet. Die 
erste dieser Karten erschien 1861, die zweite, die unter 
Mitwirkung des Oberst-Lieutenant Fernando da Costa Leal, 
Gouverneurs yon Mossamodes, bearbeitet wurde, im J. 1863. 

Was die meteorologischen Arbeiten, deren eigentlicher 
Schöpfer in 1853 der Professor Pegado war, betrifft, so 
werden die bezüglichen Beobachtungen mit aller wünschens- 
werthen Regelmässigkeit in Lissabon auf dem Obseryatorium 
des Infanten Don Louis — so genannt nach dem Namen 
des Prinzen (jetzt Könige), unter dessen Protektorat das 
Observatorium im J. 1856 gestellt wurde — geführt. Diess 



^) Ans dem Bericht über den gegenwärtigen Zustand der amtlichen 
Statistik im Königreich Portugal, den Marqnis d'Ayila im Internationalen 
ftatistißchen Kongress in Berlin erstattete und der in der Zeitschrift 
desKönigl. Prenss. Statistischen Bnreau's (1865, Nr. 1 nnd 2) publicirt 
ist. SpezieUeres über die Landesaufnahmen Ton Portugal s. in „Geogr. 
UittheUungen*' 1864, S. 474. 



Obseryatorium ist mit registrirenden magnetischen Instm- 
• menten yon Adia yersehen. Übrigens giebt es im Königreich 
sowohl wie in den überseeischen Proyinzen noch yerschie- 
dene andere Obseryatorien, die mit mehr oder weniger 
Eegelmässigkeit wirken. Alle aber sind mit kontrolirten 
Instrumenten yersehen. Man yeröffentlicht täglich in ddn 
Zeitungen yon Lissabon einen Bericht' über die in der 
Hauptstadt wie auf einigen anderen Punkten des Königreichs 
gemachten Beobachtungen. Ein ähnlicher Bericht yon Lis- 
sabon und Porto wird täglich telegraphisch nach Paris ge- 
sendet. Endlich erscheinen in bestimmten Zeiträumen im 
offiziellen Journale kurze Berichte über alle diese Beob- 
achtungen. 

Im Laufe des nächsten Oktober (1863) soll das neue 
(Gebäude des Meteorologischen Obseryatoriums yon Lissabon, 
das seine Entstehung der hohen Munificenz 6r. Majestät 
des Königs Dom Louis yerdankt, beendet sein und der 
gegenwärtige Direktor desselben, Herr Fradesso da Silyeira, 
der den Bau dieses Obseryatoriums und den Ankauf der 
neuen Instrumente in Vorschlag gebracht, hat die Absicht, 
alsdann in periodischen Zwischenräumen ein Bulletin er- 
scheinen zu lassen, das alle Beobachtungen yollständig 
wiederzugeben und somit die täglich in den Zeitungen er- 
scheinenden Berichte zu ergänzen bestimmt ist. 



Temperatur -Beobachtungen in Kuldechs. 

Nach den yon Golubcff in den Memoiren (Sapiski) der 
Kaiserl. Russ. Geogr. Gesellschaft (1864, Bd. I) mitgetheil- 
ten Beobachtungen in der West - Chinesischen Grenzstadt 
Kuldscha (43* 56' N. Br. und 80' 58' Östl. L. yon Gr.; 
1700 Engl. F. absolute Höhe) beträgt die mittlere Tempe- 
ratur daselbst (1853, 1854, 1856 und 1860) 

im Januar — 7,8® R., 

im Juli -f 19,9 „ 

im Winter ^ 6,2 R~ 

im Frühjahr 4- 8,9 „ 

im Sommer 4-18,4 „ 

im Herbst -f- 7,4 „ 

im Jahr + 7,4 R.~ 
Die Sommerhitze erreicht + ^^^ R- ^ Schatten, die 
Winterkälte —25° R. 

Der Ili friert Mitte Dezember zu und geht Mitte 
März auf. 

Kuldscha bietet in den Temperatur - Verhältnissen yiel 
Ähnlichkeit mit Astrachan, daher auch die Vegetation fast 
dieselbe ist. Die Bodenkultur bedarf des Regenmangels wegen 
künstlicher Bewässerung. 



Die Telegraphen- Linie durch Briti ach -Nord -Amerika. 

Im yorigen Jahre (S. 354) erwähnten die „Geogr. Mitth.", 
dass Dr. Eae im Auftrag der Hudsonbai - Gesellschaft yon 
Canada über den Red Riyer und das Saskatschewan-Gebiet 
nach Britisch -Columbia gegangen sei, um eine geeignete 
Linie für die telegraphische Verbindung der östlichen und 
westliehen Kolonien auszusuchen. Dr. Rae hat die Reise 
glücklich zurückgelegt und erklärte nach seiner Ankunft 
in Victoria auf der Vancouyer-Insel, dass er den Tete Jaune- 
Pass als den geeignetsten Übergang über die Rocky Moun- 



112 



Notizen. 



tains ausgewählt habe und dass die Herstellung der Linie 
auf keine aussei^ewöhnliche Schwierigkeit stossen würde. * 
Bereits seien 600 Bngl. Meilen der Leitung in Ganada, 
600 andere in der York Factory an der Hudson-Bai gelan- 
det und abermals 600 auf dem Wege nach Britisch-Columbia. 
Im Jahre 1865 würden die Arbeiten ernstlich in Angriff 
genommen und binnen zwei Jahren vollendet werden. 



Dm Haidinger-Fest in Wien. 

Am 5. Februar d. J., dem 70. Geburtstage Wilhelm 
Haidinger's, wurde die seit V4 Jahren vorbereitete Enthül- 
lung der Büste dieses Gelehrten in den Sälen der K. E. 
Geologischen Reichs-Anstalt feierlich begangen. Im Früh- 
jahr 1864 hatte sich ein Gomit^ aus den Herren F. v. Hauer, 
Freiherrn 0. v. Hingenau, Dr. M. Hömes, Dr. F. v. Hoch- 
stetter, Dr. A. E. Beuss und H. Dräsche gebildet, um eine 
Subskription zur Deckung der Kosten für die Herstellung 
einer Büste Haidinger's zu veranstalten. Die Beiträge, 
welche von mehr als 300 Freunden, Gönnern und Yerehrem 
desselben aus fast allen Ländern der Erde bis zum Tage 
der Feierlichkeit selbst einliefen, erreichten die bedeutende 
Summe von nahezu 3200 Guld. Ö. W., ein Ergebniss, welches 
wohl deutlich genug für die allgemeine Verehrung und 
Hochachtung spricht, die dem grossen Gelehrten und un- 
eigennützigen Beförderer der Wissenschaft auch ausserhalb 
seiiiies. Vaterlandes überall, wo Europäische Kultur und 
Wissenschaft Platz gegriffen haben, gezollt wird. Das Fest 
selbst gestaltete sich zu einer der schönsten Ovationen, 
welche noch je einem Manne der Wissenschaft in Öster- 
reich zu Theil geworden ist. Am Vorabende des Tages der 
Enthüllung der Büste begab sich das Comit^ zu Haidinger, 
um ihn zu beglückwünschen und ihm ein Ehrengeschenk, 
bestehend aus einem Briefbeschwerer von schwarzem Mar- 
mor, auf dem ein KrystalLmodell aus gediegenem Golde, 
1 Pf- schwer, die natürlichen Formen dieses Metalles dar- 
stellend, als Griff angebracht war, zu überreichen. Gleich- 
zeitig langten noch andere Deputationen von Gesellschaften 
und Vereinen, darunter von der K. K. Geographischen Ge- 
sellschaft, deren Gründer und erster Präsident Haidinger 
war, so wie Diplome und Glückwunschschreiben von ver- 
schiedenen Orten in und ausser Europa an. Am 5. Februar 
Mittags 12 Uhr fand in den festlich geschmückten Pracht- 
sälen der K. K. Geologischen Reichs-Anstalt , unter Theil- 
nahmc von zahlreichen Freunden, Schülern und Fachgenossen, 
mehreren Ministern, anderen hochgestellten Beamten, Reichs- 
räthen, Vertretern der Aristokratie so wie des Handels, der 
Lidustrie und der Gewerbe, die eigentliche Enthüllungsfeier 
Statt. Eine für dieselbe von Dr. G. Stäche gedichtete Kan- 
tate, vorgetragen vom Techniker-Gesangvereine, begrüsste 
Haidinger bei seinem Eintritt in den Saal, dann folgte die Fest- 
rede des Oberbergraths Freiherrn v. Hingenau, in welcher er 
das Leben und Wirken Haidinger's in treffenden Zügen 'von 
dem vorhergegangenen und vorbereitenden Streben und 
Schaffen des früh verstorbenen Vaters Karl Haidinger an bis 
zur Gegenwart schilderte, wo Wilhelm Haidinger, von den 
Fürsten mit Ehrenbezeigungen überhäuft, von den Bewohnern 
aller Theile der Erde als Gelehrter ersten Banges anerkannt, 
als Greis auf das vergangene Leben mit Stolz zurückblicken 
könne. Nach der hierauf erfolgten Enthüllung der von Hans 



Gasser in kararischem Marmor mit überraschender Ähn- 
lichkeit ausgeführten Büste Haidiujger's ergriff Staatsminister 
V. Schmerling das Wort, um auf die Bedeutung der Feier 
dieses Tages hinzuweisen, welche nicht eise solche für 
Wien und Österreich allein, sondern für die gesammte wissen- 
schaftliche Welt sei. Er wies auf die zahlreichen Beweise 
der Anerkennung von Seite der Fürsten, welche Haidinger^s 
Brust mit Ehrenzeichen bedeckten, hin und sprach seine 
lebhafte Freude darüber aus, dass es ihm vergönnt sei, 
einen neuen Beweis von der Gnade seines hohen Herrn, des 
Kaisers, am heutigen Tage an Haidinger übergeben zu 
können, indem er ihm seine Erhebung in den Ritterstand 
ankündigen und ihm das Diplom derselben einhändigen 
könne. Diesen von den Versammelten mit lebhaften Beifalls- 
bezeigungen begrüssten Reden folgte die Verlesung eines 
von dem vaterländischen Dichter L. A. Frankl verfassten 
Festgedichtes und zum Schlüsse eine kurze Danksagung 
Haidinger's. Für Alle wird sicher diese Feierlichkeit eine 
der schönsten Erinnerungen sein und bleiben. 



Die Verbreitang der Säuffethlere im Hohen Norden. 

Nach den O/veriigt kgl. vHmsk, Förhdlg. 1863, pp. 127 
— 136, bringt die Zeitschrift für die Gesammten Natur- 
wissenschaften von Giebel und Siewert, November 1864 
(SS. 454 — 458), folgende Angaben A. J. Malmgren's nach 
eigenen Beobachtungen und nach Aussagen von zuverlässigen 
Leuten. 

Sorex vidffarü L. kommt noch in den Scheeren zwischen 
Tromsö'und Hammerfest vor, war im Oktober 1861 auf 
Ranö (70* N. Br.) häufig in und um Häuser und in den 
Fischerbuden, wo sie sehr begierig auf die frischen Fische 
geht. 

Ursus marttimtu L. ist sehr häufig an den Küsten von 
Spitzbergen, in deren Busen und Buchten festes Eis oder 
Treibeis liegt, zumal an den Nord- und Nordostküsten im 
Sommer. Er geht mit dem Treibeise weit ins Meer hinein. 
Parry's Boote tödteten zwei Eisbären unter 82,2* N. Br. 
20 Meilen vom Lande. Wenn die Eismassen längs der Ost- 
küste von Grönland herabtreiben und an die Nordküsten 
von Island gelangen, steigen auch hier die Eisbären ans 
Land, wo sie sonst ganz fehlen. Im Winter ziehen sie 
südlich mit dem Eise und besuchen auch Beeren-Island. 
Nach Fries wurde 1851 sogar am Kjölle- Fjord in Fin- 
marken ein Exemplar erlegt. Der Eisbär lebt vorzüglich 
von Phoca hispida und barbata und von Walrossen, die 
stets am Eise sich aufhalten und mit demselben wanderiL 
Er überfällt dieselben mit grosser List und plötzlicher ge- 
waltiger Überrumpelung. Dem Menschen nähert er sich oft 
dreist und unerschrocken, aber mehr aus Neugierde als 
Raublust, denn er flieht stets, auch angegriffen widersetzt er 
sich nicht. Zwischen Haut und Fleisch hat er eine ein Paar 
Zoll dicke Specklage, wegen der er auf Spitzbergen beson- 
ders verfolgt wird. Malmgren's Fahrzeug erlegte an der 
Nordküste daselbst elf Stück und sah noch viele. Das Weib- 
chen wirft im Winter ein oder zwei Junge, welche zwei 
Jahre bei der Mutter bleiben. 

Ursm arctos L., selten an den Küsten Spitzbergens. 

Canis lagopus L., der Blaufuchs, ist das ganze Jahr 
hindurch an allen Küsten Spitzbergens, am häuflgsten an 



Notisen. 



118 



der westlichen, frissf im Sommer Vogeleier und Junge, im 
Winter Schneehühner und die Beste der Eisbärenbeute. 
Sein weisses Winterkleid legt er im Juni oder Juli ab und 
ist dann sckwärzlich-blaugrau. Ende August wird das dun- 
kele Sommerkleid wieder weiss. 

LiUra vulgaris Erxl. soll in den Scheeren von Tromsö 
allgemein sein, wird aber nur wenig gefangen. 

TricheekuB rosmarw L. ist bei Spitzbeinen sehr gemein, 
zwar jetzt nicht mehr so zahlreich wie früher, doch sind 
noch 20 Fahrzeuge von Pinmarken mit seinem Fange be- 
schäftigt Im Sommer ist es an den Nord- und Ostküsten 
häufig, an den Westküsten gar nicht. Es bleibt stets in 
der Xiihe des festen Treibeises, liegt gern auf demselben 
und lebt meist in grossen Heerden beisammen und geht 
nur bei seinen Wanderungen in die hohe See hinaus. Es 
konmien Heerden von Hunderten vor. Man jagt es der 
Zahne, Haut und der 3 Zoll dicken Speckschicht wegen, 
welche eine Tonne Thran giebt Seine Zähne benutzt es 
nur als furchtbare Wa£fe, niemals als Lokomotionsorgan, es 
bewegt sich nur mit den Füssen auf dem Eise und am 
Oestade. Es nährt sich hauptsächlich von Mya truncata 
und Saxicara rugosa, die bei 10 bis 50 Faden Tiefe 3 bis 
7 Zoll tief im Lehmboden sitzen, und mit den Stosszähnen 
gräbt es dieselben aus, mit den Backzähnen und der Zunge 
schält es die Thiere aus den Schalen. Nur ein Mal fand 
Mahngrcn im Magen auch einen Friapulus caudatus, die 
vorjährigen Jungen hatten nur geronnene Milch im Magen 
und ihre Stosszähne waren nur 1 Zoll lang, ihre Mütter 
hatten auch noch Milch in grosser Menge im Euter. In 
den ersten Monaten nach der Geburt bleibt die Mutter^ mit 
den Jungen allein und diese suchen erst Nahrung, wenn 
ihre Stosszähne lang genug sind. Die Paarung erfolgt Ende 
Mai oder Anfangs Juni und dazu unternehmen sie keine 
Wanderungen. Die Tragzeit dauect ungefähr ein Jahr, und 
da das Junge fast zwei Jahre säugt, so wirft das Weibchen 
nur alle dbrei Jahre ein Mal. Zweijährige Junge haben 
3 bis 4 Zoll lange Stosszähne und erst diese graben Muscheln. 
Erwachsene Männchen und Weibchen leben getrennt Ton 
einander. Eingeweidewürmer fand Malmgren in keinem 
^Yalro8s, wohl aber in den Haaren ein lausartiges Thier. 
Bas einzige Walross in der Fauna Finmarkens wurde 1816 
getödtet. 

Cy$tophora erütata ErzL, die Blasenrobbe, ist mehr pe- 
lagisch als die anderen Eobben und zeigt sich an den Süd- 
westküsten Grönlands vom April bis Juni auf dem Treib- 
eiso, in den übrigen Jahreszeiten fehlt sie hier, bisweilen 
kommt sie an die Küste von Island, höchst selten nach 
Fiomarken. Der grossartige Eobbenfang richtet sich auf 
Phoea groenlandica, die Blasenrolibe wird nur vereinzelt 
getödtet, sie ist in den letzten Zeiten bei Spitzbergen nicht 
mehr beobachtet. Dire Nahrung besteht in Fischen, die bei 
»Spitzbergen nicht vorkommen. An Finmarken zeigt sie sich 
bisweilen im Frühling und Vorsommer, aber nur draussen, 
nicht in den Scheeren. 

Ralichoerus grypus Fabr. kommt in geringer Zahl an 
Piomarken im Spätherbst und Anfangs Winter vor, bei 
Spitzbergen gar nicht. 

Phoca barbata '¥AhT. ist die grösste Art und sehr zahl- 
reich an Spitzbergen, doch nie in Gesellschaft beisammen 
und nicht fem von der Küste. So lange das Eis liegt, 

Peteimaim't Qeogr. Mittheflimgen. 1865, Heft IIL 



bleibt sie auf demselben, im Sommer sucht sie Küsten mit 
Treibeis auf, fehlt daher in dieser Zeit an den eisfreiei^ 
Westküsten, wogegen sie in den stets beeisten Nordost- 
buchten immer zahlreich ist. Sie nährt sich von grossen 
Mollusken und Crustaoeen. Malmgren fand in ihrem Magen 
Crangon boreas, Sabinea septemcarinata, Hippolyte polaris, 
Sowerbyi, borealis, Anonyx ampulla, Tritonium, Natica, La- 
mellaria und den kleinen Cottus tricuspis ab einzigen Fisch. 
Ein Weibchen hatte am 1. Juni das alte graue Kleid ab- 
geworfen und ein neues, kurzhaariges, dunkelstahlgraues, auf 
dem Bücken fast schwarzes angezogen und hatte auf dem 
Rücken 3^ Zoll Speck. In den Lungen war noch V« Stunde 
nach dem Tode + 27'' B., in der Bauchhöhle noch + 30"" B., 
während der Kadaver auf dem Deck in — 4** B. lag. Er 
hatte zahlreiche Würmer Liorhynchus gradlesoens im Magen, 
andere zahlreiche in der Leber, den Därmen und Gekröse, 
meist Tetrabothrion anthocephalum in ganz erstaunlicher 
Menge. Im See ist die Storkrobbe, so heisst die Art auf 
Spitzbergen, sehr leicht zu fangen, denn dummdreist und 
neugierig nähert sie sich dem Boote, auf dem Eise liegend 
dagegen ist sie sehr wachsam und scheu und lässt sich 
nicht zum Schusse kommen. Sie scheint an Spitzbergen 
auch zu überwintern. Bei Finmarken ist sie sehr selten und 
nur im Spätherbst und Winter, eingewandert von Novaja 
Semlja, wo sie sehr häufig ist 

Fhoea groenlandica Müll, ist schaarenweise im August in 
der Hinlopen - Strasse, in dicht geschlossenen Geschwadern 
sehr schnell schwimmend. Sie wandert regelmässig und ist 
nirgends das ganze Jahr hindurch sesshaft Von der West- 
küste (Grönlands wandert sie zwei Mal im Jahre, im März, 
um weit vom Lande zu jungen, und Ende Mai rückkehrend, 
dann wieder Ende Juli ausziehend und Anfang Septembers 
rüokkehrend, diess Behufs der Paarung, denn nach der Bück- 
kehr unter Land sind die Weibchen trächtig. Die Ghrönländer 
erlegen an ihrer Südwestküste jährlich bis 86.000 Stück. 
Den Schaaren zwischen Grönland, Spitzbergen und Novaja 
Semlja dient die Insel Jan Mayen vom Februar bis April 
zum Jungenwerfen zum Sammelplatze. Hier stellt man auch 
besonders den Neugehamen mit weisser zarter Wolle nach, 
die so lange auf dem Eise bleiben, als sie das Wollkleid 
tragen. Die Paarung geschieht im August und im März 
wirft das Weibchen. Früher war diese Art jeden Winter 
bei Finmarken, jetzt ist sie sehr selten, besonders waren 
es die jungen, noch nicht fortpfianzungsreifen, die sich dort 
einfanden und je nach dem Alter und der Färbung ver- 
sdiiedene Namen hatten. 

Phoea hiepida Erxl. (= Ph. annellata Nilss.) geht am 
höchsten nach Norden hinauf und ist im Sommer an den 
Nordküsten Spitzbergens nicht selten. So lange das Eis 
fest liegt, bleibt sie in den Buchten und Busen, dann aber 
wandert sie mit dem Treibeis nach Norden weit ab vom 
Lande. Sie nährt sich von Fischen und Krebsen an der 
Meeresfläche, hauptsächlich von einem Gadus, Merlangus 
polaris, der in Menge unter dem Treibeis schwimmt Im 
Winter hat sie in den Buchten kleine Löcher im Eise, 
durch welche sie zum Athmen emporkömmt An der West- 
küste Finnlands wirft das Weibchen auf dem Eise ein mit 
schmutzig-grauer Wolle bekleidetes Junge, das schon nach 
einem Monate das Kleid der Alten erhält Um diese Zeit 
ist es sehr schwer zu fangen, da es sich bei der geringsten 

15 



114 



Notizen. 



Gefehr ins Wasser sturst. Die grössten Alten im Bottnisohen 
Meerbusen messen 6 Fuss Länge. 

Mut de€umanu8 ist in Handelsfahrzeugen naoh Tromsö 
gebracht 

MuB museulus L. ist ebenda überall in den Häusern. 

Zemmus amphtbtus L. ist ebenda nicht selten und lebt 
hier unter 70^ N. Br. ganz so wie im Süden. 

L&mmus agrutis L. in Finmarken. 

Lemmu» hudsontua Eichards. wurde von Parry in einem 
Skelet auf dem Eise unter 81 f* N. Br. gefunden, lebt aber 
sicherlich nicht auf Spitzbergen, an dessen nördlichen Küsten 
überhaupt kein Nager mehr vorkommt. 

Lemmus rufoeanus Sundey. nur in Lappmarken auf den 
Feldern, in Häusern und Zelten, zumeist in der Birken- 
region, kommt auch in Kamtschatka und Altai vor. 

Lemtnus norvegicm Nilss. ist seit 1860 in West-Finmarken 
und den Inseln sehr häufig. Oft sieht man grosse Schaaren 
im Wasser, wovon viele umkommen. 

Cervtu tarandu$ L. ist allgemein an den Küsten Spitz- 
bergens bis nach Sevcn Islands hinauf unter 80*^ 45', zahl- 
reich an den grossen Fjorden der Westküste. £r ist hier 
kleiner als in Skandinavien und hat Ende des Sommers eine 
3 Zoll dicke Schicht weissen wohlschmeckenden Speckes, 
der ihn gegen Kälte schützt und bei tiefem Schnee vor 
dem Hungertode sichert, denn im Frühling ist er überaus 
elend und mager, nicht geniesebar. 

Delphinus delphü L. sah Malmgren im April 1861 im 
West-f^ord an der Norwegischen Küste in einer Schaar von 
vielen Tausenden munter tummelnd. 

Orea gladiator Sundev. wird zwischen Finmarken und 
Spitzbergen angetroffen. 

Phoeaena eommunü Less. ist sehr % gemein in West-Fin- 
marken und wird in den schmalen Fjorden im Winter mit 
Netzen gefangen; die Lappen schiessen ihn. Er ist das 
ganze Jahr hindurch in Finmarken. 

DelphinopteruB leueaa Fall, ist an den Spitzbergischen 
Küsten allgemein, heerdenweise an seichten Ufern, und geht 
nie weit von der Küste, kommt aber in Finmarken nicht 
vor, nur ein Mal wurde er bei Tromsö beobachtet An der 
Ostküste Asiens wandert er im Winter bis 52" N. Br. ab- 
wärts, sogar im Amur 40 Meilen weit landeinwärts; er 
lebt besonders von Fischen. 

Monodon monoceros L. hält sich Sommer und Winter 
näher dem Pole als irgend ein anderes Säugothier, ist stets 
im Meere unter dem Treibeise, nie in der Nähe der Küste, 
fehlt auch im Sommer bei Spitzbergen. 

Hyperoodon borealü Nilss. sah Malmgren auf der Fahrt 
nach Spitzbergen in 5 Fuss langen Exemplaren;* das Wasser 
hatte +2 bis 3°. Am 18. Mai sank diese Temperatur 
plötzlich auf — 1**, das schöne azurblaue Meer wurde 
schmutzig-grün und seine Fauna änderte sich , die Döglinge 
verschwanden und wurden erst auf der Rückfahrt bei der 
früheren Temperatur wieder beobachtet. An den Küsten 
Finmarkens zeigt er sich äusserst selten. Sein Speck wirkt 
heftig laxirend. 

Balaenoptera museulus Lillj. kommt vom März bis Mai 
an die Küsten Finmarkens. 

Balaenoptera gigas Lilljb. sah Malmgren unter 79° 45' 
N. Br. am 1. September in zwei riesigen Exemplaren, deren 
brausende Dampfsäulen 4 Ellen hoch waren. 



BdUmoptera rostrmta Fabr. kommt im Mai bis in die 
Fjorde Finmarkens, wohin er die Stockfischzüge verfolgt, 

Bala&na mysticeim L. , sonst im Spitzbergisdien Meere 
allgemein, fehlt jetzt g^anzlich. 



Eine angeblioh neue BZarten-Projektion. 

In einer am 6. Februar d. J. abgehaltenen Sitzung 
der Niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heil- 
kunde ') sprach Medizinal - Bath Dr. Mohr über eine neue 
Karten - Projektion , „welche gestattet, die kugelförmige 
Oberfläche der Erde mit der geringsten Verzerrung und 
mit der möglichst grössten Bichtigkeit der wechselseitigen 
Entfernungen auf eine Ebene zu bringen. — Die Kon- 
struktion ist folgende : In der Mittellinie kreuzen sich Ä(iua- 
tor und erster Meridian. Man trägt nun rechts und links 
vom ersten Meridian 18 gleiche Theile (zu je 10 Graden 
macht 360 Grade) mit dem Zirkel auf, dann auf den ersten 
Meridian südlich und nördlich vom Äquator 9 gleiche, aber 
eben so grosse Theile wie auf dem Äquator. Man zieht 
nun Parallellinien mit dem Äquator durch di^se 9 Punkte 
und sticht auf diesen Parallellinien die Länge der Parallel- 
kreise nach dem Cosinus - Verhältnisse ab. — Jetzt theilt 
man jeden Parallelkreis rechts und links in 18 gleiche Theile 
und vereinigt die korrespondirenden Theilpunkte von Pol zu 
Pol mit gekrümmten Linien." Herr Medizinal-Bath Dr. Mohr 
nennt diese „neue" Entwurfsart isographische Projektion und 
schreibt ihr folgende Vorzüge vor den früheren Projektionen 
zu : „Alle Entfernungen auf demselben Parallelkreise haben 
genau dasselbe Verhältniss wie auf der Erde selbst, da die 
ParaUelkreise im richtigen Verhältnisse verkürzt sind. In 
der Mitte und dem grössten Theile dieser Weltkarte sind 
alle Figuren der Länder imd Meere in vollkommen richtiger 
Form und Grösse verzeichnet Nimmt man Europa in die 
Mitte, etwa den Meridian von Paris (20 Grad östlich von 
Ferro) als ersten, so wird kein Festland durchschnitten. 
Der Rand der Karte geht dann rechts und links durch die 
Behring -Strasse. Alle Weltumsegelungen lassen sich auf 
Einem Blatte einzeichnen. Nach dem BAude hin erscheinen 
die Meridiane allerdings stark gekrümmt und verlängert; 
um aber hier eine Entfernung nach den^ Äquator abzulesen, 
überträgt man mit einem Lineal parallel mit dem nächsten 
Parallelkreise den Ort auf den ersten Meridian, wo man die 
Grade ablesen kann, welche mit 15 multiplicirt Geogra- 
phische Meilen geben. — Nach vielen »Versuchen habe 
ich keine Projektion finden können, die so viele Vorzüge 
mit einander vereinigt, da eine vollkommen richtige Dar- 
stellung einer KugelüäcHe auf einer Ebene absolut unmög- 
lich ist. Die Benutzung wird vom Verfasser vorbehalten." 

Der Ausspruch Ben Akiba's: „Alles schon ein Mal da- 
gewesen!" lässt sich auch auf die Neuheit dieser eben be- 
schriebenen Projektion mit air ihren gerühmten Vorzügen 
anwenden. 

Schon der Englische Astronom Flamsteed hat dieselbe, 
um die Fehler, welche den Karten mit geraden Meridianen 
und Parallelen eigenthümlich sind, wenigstens theil weise zu 
verringern und doch die Be([uemlichkeit der geraden Paral- 
lelen beizubehalten, vor beinahe 200 Jahren eingeführt. Er 



^) Bericht in Nr. 66 der Kölnischen Zeitung. 



Notizen. 



115 



trag zu dem Behuf auf die geradlinigen Parallelkreise die 
wahren Werthe der. Längengrade (also auch im CoBinuB« 
Verhältnis), bo dasB durch die Verbindung der entspre- 
chenden Durchfichnittspunkte gekrümmte Meridiane hervor- 
gingen. Flamsteed wandte sie, ohne ihr einen Namen zu 
geben, für Sternkarten an und noch heutigen Tages wird 
sie unter dem Namen Flamsteed'sche Projektion als die geeig- 
netste zur Darstellung solcher Länder angewandt, die bei 
geringer Längenentwickelung vom Äquator getheilt werden, 
,,wir finden sie daher fast ohne Ausnahme bei allen Karten 
Ton Afiika angewendet Li allen übrigen Eällen ist sie 
minder yortheilhaft als andere, da sie die Umrisse gegen 
den Ost- und Westrand hin und zwar desto ärger, je weiter 
gegen den Fol gerückt wird, verzerrt und alle Messungen 
in Diagonal-Richtung unsicher macht'' 0. 

Aus diesen Gründen mag die Entwur&art wohl auch 
nur selten auf die Darstellung der ganzen Erdoberfläche 
Anwendung gefunden haben und es würde daher die Em- 
pfehlung des Herrn Medizinal-Baths Dr. Mohr, die Flam- 

I 8teed*sche Projektion als isographische in diesem Sinne zu 
verwerthen, als das einzige Neue, was ai^s seinen Forschun- 
gen hervorgegangen ist, zu betrachten sein. 

Was die von Herrn Dr. Mohr hervorgehobenen Vorzüge 
der igographischen Projektion selbst anbelangt, so theilt sie 
diese zum Theil mit anderen Entwurfsarten, zum Theil 
werden sie durch grössere Mängel auf der anderen Seite 
wieder aufgehoben. Stellt man nämlich an eine Projektionsart 
folgende Hauptbedingungen : 
1. dass sie Länder und Meere richtig in Gestalt und Pro- 
portion, also vollkommen ähnlich darstelle, 

i 2. das richtige Flächen- Verhältniss der einzelnen Theile 
zeige, 

3. die geographische Breite und Länge der Orter nchtig 

und bequem abzulesen gestatte und 

4. die Entfernung zwischen den einzelnen Örtem leicht 

und richtig finden lasse, 
80 lassen sich diese Forderungen bei der Abbildung der 
Eugeloberfläche in einer Ebene alle zugleich nicht mit YoU- 
ständigkeit erreichen und es geschieht daher die vollständige 
Erfüllung der einen oder anderen Bedingung stets auf Kosten 
der übrigen. — Indem nun Dr. Mohr die zweite und dritte 
Bedingung vollständig und die vierte zum kleineren Theile 
erreicht hat, ist die erste und Hauptbedingung — in so 
fem, als jede Karte ein Bild sein soll — die Bedingung 
der Ähnlichkeit der Umrisse, zum grössten Theile vemaoh- 
läßsigt ^). 

Während Babinet in seiner homalographischen Projek- 
tion') den Fehler der Verzerrung und Verschiebung über 
das ganze Netz gleichmässig zu vertheilen sucht, giebt die 
i.^jgraphische Projektion in der Mitte ein genaues und rich- 
tiges Bild und häuft die Fehler der Verzerrung und Ver- 



*) A. Steinbanser : Qnindzüge der mathematischen Geographie und 
der Landkarten-Projektion. 

^ Sehon das TolUtändige Gradnetz hat eine so eigenthümliche Ge- 
stalt — die begrenzenden Meridiane laufen an den Polen in einen 
stumpfen Winkel Ton 143" zusammen — y dass das Bild einer Kugel 
gänzlich Terloren geht. 

') S. Herrn. Bergbaus : Über H. James' und J. Babinet's Entwurfs- 
Mtcn fUr PUnigloben „Geogr. Mitth." 1858, S. 68. 



unstaltung nach dem Bande und den höheren Breiten hin 
in dem Maasse, dass Länder von wenig charakteristisohar 
(Gestalt kaum wieder zu erkennen sind. * 

Dieser Umstand allein dokumentirt hinlänglich den ün- 
werth und die Nicht- Anwendbarkeit dieser sogenannten 
isographischen Projektion für die Darstellung der ganzen 
Erdoberfläche in Einem Rahmen oder lässt doch wenigstens 
die Vorzüge, welche ihr vor der homalographischen bei* 
gelegt wurden, in Nichts verschwinden, namentlich da die 
zweite und dritte Bedingung von dieser letzteren in der* 
selben Vollständigkeit erfüllt werden. 

Nach alledem dürfte wohl schwerlich ein Fachmann in 
die Versuchung gerathen, Herrn Medizinal -Bath Dr. Mohr 
in der Benutzung seiner „isographischen'' Projektion vorzu- 
greifen. 



Geographische Literatur. 

Vorbericht. 

Xenner und Freunde der Alpen machen wir auf die 
kürzlich erschienenen ^,OuÜine Sketehet in the high Alp$ 
of Dauphind hy T, G. Bannef/*^ (London, Longman, 1865) 
aufinerksam, welche die Eesultate vierjähriger Gebirgswan* 
derungen in Karte, Text und zahlreichen Abbildungen vor- 
führen und bei grosser Genauigkeit einen ausserordentlich 
werthvollen Beitrag zur Kenntniss der Dauphineer Alpen 
abgeben. Zugleich erhielten wir von dem bekannten Alpen- 
forscher F. F. Tuckett die photographische Eeduktion einer 
Manuskript' Karte des Französischen Ddpot de la guerre über 
einen kleineren Theil desselben Gebiets mit Einschluss des 
Mont Pelvaux. Auf ihr hat Tuckett seine eigenen Bouten- 
Aufnahmen und Messungen eingetragen, die im „Alpine 
Journal" vom Dezember 1863 beschrieben sind. Ebenfalls 
noch impublicirt ist eine äusserst werthvolle JTarte der 
Mont Blanc'Kette von A, Reilly (1:40.000), die nach mehr- 
jährigen Arbeiten kürzlich in der Zeichnung vollendet und 
dem Londoner Alpine Club zur Disposition gestellt wurde. 
Ein besonderes Gomitä ist beauftragt, die Publikation zu 
besorgen, die wahrscheinlich in dem Maassstab von 1 : 80.000 
erfolgen wird. Nach der uüs mitgethcilten photographischen 
Copie übertriflFt die Karte alle Vorgänger bei weitem und 
sie wird unstreitig als höchste Autorität allgemein angenom- 
men werden, bis die Französischen Generalstabsaufiiahmen 
beendet und zur Veröffentlichung gelangt sind. 

Der zweite Band vom Jahrbuch des Schweizer Alpenclub» 
der etwa im Juni erscheinen wird, verspricht nach dem, 
was uns Dr. Roth darüber schreibt, noch gehaltvoller zu 
werden als der erste (siehe „Geogr. Mitth." 1864, S. 433). 
Der Text bringt in der 4. Abtheilung („Aufsätze") einige 
ganz ausgezeichnete Aufsätze, darunter einen von Bernhard 
Studer; Gottlieb Studer, Weilenmann, v. Fellenberg und 
Andere werden unter den „Reisen" Tüchtiges liefern. In 
artistischer Beziehung soll Leuzinger's Karte noch schöner 
ausfallen als die vorjährige, daneben wird wieder ein Pano- 
rama von Studer den Band zieren und ausserdem wird er 
ein unter den Augen Escher's von der Linth ausgeführtes 
geologisches Panorama der Schweizer Alpen, etwas noch nie 
Dagewesenes, enthalten. 

lö» 



116 



literataTf 



Aus dem Kaukamohm Isthmui Btehen unserer Zeitschrift 
wieder mehrere Beiträge bevor. Eine statistische Abhand- 
lung über die Kaukasische Statthalterschaft von Oberst 
Stebnitzkij haben wir bereits erhalten, ihr soll ein von 
Karten begleiteter Bericht über den Trans-Kubanischen Land- 
strich folgen, in dessen östlichem Theil Oberst Stebnitzkij 
im vorigen Sommer astronomische Bekognoscirungen vor- 
nahm, während dasselbe in der westlichen Hälfte vom Oberst 
Oblomiewskij geschah. Auf Grundlage dieser Vorarbeiten 
wird im kommenden Sommer zur detaillirten Vermessung 
dieses bisher wenig zugänglichen Landes geschritten werden. 
Auch N. V. Seidlitz wird wahrscheinlich einige seiner Auf- 
zeichnungen *von 1 ^jährigen Kreuz- und Querzügen im Lande 
für die ,,Geogr. Mitth." ausarbeiten. 

Der bekannte Altai-Reisende W. Radioff ist nach eini- 
gem Aufenthalt in St. Petersburg im Dezember wieder zu 
Bamaul eingetroffen und be^tbsichtigt, im Mai den zwischen 
Katunja und Irtisch gelegenen Theil des Altai zu besuchen. 
Wir werden daher auch femer von seinen Forschungen zu 
berichten haben. 

Th. V. Hetiglin schrieb uns nach seiner Ankunft in 
Kairo über verschiedene Arbeiten, die er unter den Händen 
hat. „Vor Allem muss ich eine zoologische Abhandlung 
vollenden, die Elnföhrung eines neuen hasenartigen Thieres 
vom Weissen Nil in die Wissenschaft, das jedenfalls einer 
neuen Gattung angehört. Dann komme ich wohl wieder 
an meine unvollendete Arbeit über die Nilschwellen u. s. w., 
die ich etwas ausdehnen möchte, bis auf die ältesten Daten 
hierüber aus dem Pharaonenreich von Amenemha III. an. 
Hekekian Beg dagte mir hierfür auch Notizen über seine 
vielen Bohrversuche zu, die er in Ägypten veranstaltete 
zur Ermittelung der Schlammniederschläge und Erhöhung 
des Terrains an den Fundamenten der ältesten Monumente 
des Nil-Thales. Auch wünschte ich Ihnen so bald als 
möglich einige geognostische Notizen über die Omarab- 
Gebirge geben zu können, was geschehen wird, sobald ich 
die Sammlungen auspacken kann. Dr. Fraas von Stuttgart, 
mit dem ich im Dezember in Sues war, beschäftigte sich 
mit sehr speziellen Untersuchungen der geognostischen Ver- 
hältnisse des Mokatam u. s. w. Professor Unger in Wien 
schreibt mir, dass er die fossilen, von uns in Abcssinien auf- 
gefundenen Hölzer vorläufig untersucht und ein neues Genus, 
das er Heuglinites benannt, darunter gefunden habe." 

Unter dem nach Europa gelangten Nachlass Dr. Steud- 
ner^s haben sich eine Menge Zeichnungen vorge^mden, land- 
schaftliche sowohl als namentlich botanische, die mit grossem 
Fleiss und in wahrhaft künstlerischer Weise farbig ausgeführt 
sind. Hoffentlich werden diese Arbeiten des zu früh ver- 
storbenen Afrika-Beisenden nicht unbenutzt liegen bleiben. 
Hierbei sei erwähnt, dass die Bearbeitung der von dem ver- 
storbenen Wilhelm v. Hamier am oberen Weissen Nil ge- 
sammelten Pflanzen in dem bald erscheinenden Werke 
Dr. Schweinfurth's „Beitrag zur Flora Äthiopiens" erfolgt. 
Dieses von Dr. P. Ascherson, Assistenten am Königl. Bota- 
nischen Garten in Berlin, fortgesetzte Werk wird 4 Tafeln 
enthalten, von denen 3 noch von Dr. Schweinfurth gezeichnet 
sind. Dem Briefe, worin Dr. Ascherson uns diess mittheilt, 
entnehmen wir noch folgende Notizen: „Die Knoblecher'- 
schen Pflanzen hat mein Freund Dr. Kotschy so eben in 
den Monatsberichten der Kaiserl. Akademie in Wien ver- 



öffentlicht und es dürfte Sie auch interessiren zu erfahren, 
dass der von Th. v. Heuglin im Ergänzungshefb 15 der 
„Geogr. Mitth." (S. 9) so treffend besch^ebene Butterbaum 
(die Beschreibung genügt wirklich fast zur botanischen Be- 
stimmung) von Dr. Kotschy den Namen Batyrospermum 
niloticum erhalten hat. Diese Pflanze kommt auch bei Gon- 
dokoro vor und ist jedenfalls im Appendix zu Speke's Beise- 
werk als Bassia Parkii angeführt, während Herr v. Heuglin 
die Verwandtschaft, aber Nicht-Identität mit diesem West- 
Afrikanischen Butterbaum, der übrigens als Butyrospermum 
Parkii (Kotschy) zu derselben Gattung gehört, richtig erkannt 
hat. — Der von Th. v. Heuglin in der Anmerkung auf 
S. 22 erwähnte Gorilla-artige Affe befindet sich bereits in 
einem kleinen ausgestopften Exemplar im Museum zu Kairo, 
wo Dr. Schweinfurth eine schöne Zeichnung davon gemacht 
hat. Letztere befindet sich im Besitz der Gesellschaft natur- 
forschender Freunde in Berlin, eine spezifiBche Begutachtung 
dieses jedenfalls höchst interessanten Thieres ist jedoch hie- 
sigen Zoologen noch nicht möglich erschienen." 

Die sehr werthvoUe KarU des Soturba- fElha-J Gebirges 
am Rothen Meer, welche Dr. Schweinfurth im vorigen Jahre 
aufgenommen hat, traf nebst einem grossen Blatt voll recht 
gut gezeichneter Ansichten vor einigen Wochen bei uns ein, 
da aber Dr. Schweinfurth zu Anfang dieses Jahres abermals 
nach Suakin gereist ist und, wie er uns aus Keneh schrieb, 
unterwegs noch einen Versuch, in das Land am Soturba- 
Gebirge einzudringen, machen wollte, so wird er erst in 
Suakin Karte und Bericht abschliessen. 

Von Dr. v. Fritseh erhielten wir zur Publikation in den 
„Geogr. Mittheilungen" die Beschreibung seiner Reue auf 
den Canarisehen Inseln nebst landschaftlichen Zeichnungen 
und Spezialkarten von einigen der Inseln. Ausserdem haben 
sich die Herren Dr. v. Fritseh, Dr. Härtung, Dr. Reiss und 
Dr. Stübel zur gemeinsamen Herausgabe eines AÜm und 
einer geologischen Besehreibung von Teneriffa geeinigt, einer 
Arbeit, die von ungewöhnlicher Bedeutung zu werden ver- 
spricht. 

EUROPA. 

Desor, E.: Der Oebü-gsbau der Alpen. 8<>, 151 SS. mit 1 Karte. Wies- 
baden, Kreidel, 1865. 1 Thlr. 

Harper's Handbook for traTellera m Europe and the East. By W. V. 
Fetridge. 12^ 619 pp. New York, Harper, 1864. 5 doU. 

Wagner, H.: Entdeckungsreisen in der Heimat. I. Im Süden. Eine 
Alpenreise. Leipzig, Spamer, 1864. .| Thlr. 

Kflkrtexx« 

Ni5e, K.: Telegraphenkarte Ton Europa. Herausgegeben Ton der E. K. 
Staatstelegraphen-Direktion 1864. 6 BI. Lith. Wien, Artaria, 1865. 

Deutschland, Preussen und Österreich. 

Bruhns (C.) und W. Förster: Bestimmungen der Längen -Differenz zwi- 
schen den Sternwarten zu Berlin und Leipzig, auf telegraphischem 
Wege ausgeführt im April 1864. 4^ Leipzig, Günther, 1865. 1 j Thlr. 

Egier, L.: Der Kurort Imnau mit Umgebung und die Stadt Haiger- 
loch. 8°. Sigmaringen, Tappen, 1864. \ Thlr. 

Fleckles, F. : Carlsbad. Historisch-topograpliisch-naturhistoriBch-medi- 
cinisohes Handbuch. 8^. Dresden, Meinhold, 1864. 24 Sgr. 

Frfinkische Schweiz, Wegweiser durch die Thaler der als 

treuer Führer und Rathgeber für Reisende. 8°. Frankfurt a. M., 
Auffarth, 1864. 9 Sgr. 

Götsch, G.: Das Leben der Gletscher oder Andeutungen Über die 
naturwissenschaftliche Ausbeute des Ötzthaler Qebirgsstockea, so wie 
praktische Rathschläge für Gletscher- Reisende. 8^ Innsbruck, Vereins- 
buchbandlung, 1864. 12 Sgr. 



Literatur. 



117 



Gotttdialck, F.: Dresden und die SSchsiseh-Bdhmisehe Schweiz. 16^ 
Dresden, Gottschalok, 1864. l TMr. 

Hartmann, £.: GeographiBch-atatietischeB Orte- nnd Poet-Lexikon fUr 
Oberp&ls und Regensbnrg. 8®. Angeborg, Sehmid, 1865. \ Thlr. 

V. Hdnigaberg: Gastein. Ein FObrer f&r Kurgäete und Reisende. 8<>. 
Sslsbnrg, Majr, 1864. 12 Sgr. 

Hugo, S.: Ein Weihnachtsbesuch in der Memel-Niederung. (Altpreuss. 
Monatsschrift, 1864, S. 385.) 

Jahrbuch der K. K. Geologischen Reichs- Anstalt. XIY, 1864, Nr. 4, 
Oktober bis Dezember. Wien, BraumfiUer. 

Dm vierte, den 14. Bund absebUeMende Heft des J«hrt)ac)w der K. K. Oeo- 
logischen Reiche-Anstalt bringt nne nur venige AnfUtse wlgBensohsftUchen 
Inluüts, anter welchen der erste von H. Wolf, Bericht Ober die geologtsehe 
Aufnahme im datlichen Böhmen, der einzige ist, welcher ein gröeserea Terrain 
omfswL Ea ist dleea das Gebiet der BIStter Nr. 10: Umgebung von Braunau, 
Kr. 16 : Umgebung von Reichenau und Nr. SS : Umgebung von Landskron , der 
Geoeralstabekarte von Böhmen. Die Abhandlung giebt aunächst eine orogra- 
phiüch-geologiache Charakteristik des Terrains mit sahireichen darauf bezügli- 
chen barometrischen Höhenmessungen und dann die geologische Uebersleht der 
einzelnen Gesteinezonen, erlKutert durch eine Reihe von Durchschnitten. Die 
folgenden drei kleinen Abhandlungen Ton J. Czermak , Skizze der Jura-Insel 
am Vlara-Paen bei Trencein ; F. Poiepny, Die Quarzlte von Drjtoma bei Tren- 
Clin, nnd £. Windakiewicz, Die Gangverhältnisae des GrQnerganges in Schem- 
nits nnd seine Erzführung, behandeln Gegenstände von zu lokaler Natur, um 
sie niher besprechen zu können. Ihnen folgt Dr. H. HOrnes' Inhaltsangabe ttber 
die 15. und 16. Lieferung des zweiten Bandes der fossilen Mollusken des Wie- 
ner Beckens. Unter den Sitznngs-Berichten, welche von den Monaten November 
und Dezember dem vorliegenden Hefte beigegeben sind, möchten wir auf die 
in der Sitzung am 8. November 1864 abgehaltene Ansprache des Direktors. 
Hofrath Wilhelm Ritter v. Haidinger, aufmerksam machen, da dieKelbe wohl 
die vollständigste Geschichte der K. K. Geologischen Reicbs-Anstalt w&hrend 
ihre« ]5JährIgen Bestehens enthält, welche bis jetzt geschrieben wurde. Am 
Schlüsse dea Heftes linden sich die Verzeichnisse der im Laboratorium der 
Aattalt audgefKbrten Arbeiten und der Einsendungen an Büchern und geologi- 
schen Qegenatänden, so wie das Personen-, Orts- und paläontologische Register 
des abgeechloaseaen 14. Bandes. ^ 

Kerner, A.: Die höchstgelegenen Quellen unserer Alpen, (österr. 

Wochenschrift flir Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben, 1865 

Nr. 7, SS. 193—198.) 
Moschus Wanderungen durch das Riesen- und Iser-Gebirge und durch 

die benachbarten ThiQer. Vollständig umgearbeitet Ton J. G. Kutzner. 

16^ Leipzig, Hinrichs, 1864. ) Thlr. 

Nahlik, F. : Führer durch die Böhmische Schweiz als Anschluss an die 

Sächsische Schweiz. 16^ Kemnitz, Keinhold, 1864. ^ Thlr. 

Ohiert, B.: Sldzzen aus Alt-Prenssen. (Altpreuss. Monatsschrift, 1864, 

Heft 4.) 
Ortloff, H.: Jena und Umgegend. Taschenbuch für Fremde. 8^. Jena, 

Dobereiner, 1864. J Thlr. 

Riitzel, A.: Geographie des Königreichs Bajem für Deutsche Schulen. 

8^ Würzburg, Kellner, 1864, 4 Sgr. 

Schaefer, J.: Bad Homburg und seine Umgebungen. 8^. Darmstadt, 

Lange, 1864. 1^ Thlr. 

Schilling, J. A.: Brunnthal, seine Lage, Quellen und Geschichte, mit 

besonderer Berücksichtigung desselben als Bade- und Kur-Anstalt. 

16°. München, Lentner, 1864. 8 Sgr. 

Schraube: Hedicinisch- topographische Skizze des Kreises Querfurt. 

(Deutsche Klinik, Beiblatt, 1864 Nr. 8 ff.) 
Steinerhof, Das Fichtennadelbad — - in der oberen Steiermark in 

Bezug auf seine Lage, Bäder und Umgebung geschildert von F. C. 

16^ Wien, Manz, 1864. 12 Sgr. 

Temple, R. -. Über die sogenannten Soda-See'n in Ungarn. (Jahres- 
bericht der Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde 
, lu Hanau, 1864, S. 95.) 

Übersicht der Witterung in Österreich und einigen auswärtigen Statio- 
nen im Jahre 1863. Zusammengestellt an der K. K. Central- Anstalt 

für Meteorologie und Erdmagnetismus. 4^, 75 SS. Wien 1865. 1 fl. 
Werner, F.: Das Marchfeld. Rin Blick auf Land und Leute. S^. 

Wien, Mayer, 1864. i Thlr, 

Württemberg, Orts-Verzeichniss des Königreichs mit Angabe 

der Gemeindebezirke, Oberamtsbezirke und Fostbestellbezirke. 4^. 

Stuttgart, Koch, 1864. 28 Sgr. 



FlötZ- Karte von dem Saarbrttcker Steinkohlen - Distrikt. 2 Bl. Lith. 
Gotha, Justus Perthes, 1865. 2 Thlr. 

General-Karte vom südwestlichen Deutschland, ausgeführt und heraus- 
gegeben durch das K. K. Militär- Geographische Institut. Wien 1855. 
12 BL 1 : 288.000. Lith. Wien, Artaria, 1865. 
Siehe »Oeogr. Uitth.'* 1864, S. 484. 

Preu$8. Qeneralatab: Topographische Karte yom Preussischen Staat, 
östlicher Thefl. Sekt. 16:Labiau. Lith. Berlin, Schropp,. 1865. 14 Sgr. 



Rastatt, Topogr. Karte der Umgebung ron , bearbeitet yon der 

topogr. Abtheil. des GrossherzogL Badischen Generalstaba. 1 : 25000. 
^4 Bl. Ghromolith. Karlsruhe 1864—65. ä BL 1 fl. 24 kr. 

Siebe »Geogr. Ultth.» 1864, 8. 484. 

Schweis. 

Guide, Special practical for the Bemese Oberland. By an 

Rnglishman abroad. 12<^, 30 pp. London, Simpkin, 1864. 1 a. 

Guide, Special practical for Geneva, the lake of Geneva, the 

Simplon Pass and the collateral passes. Zermatt, Monte Rosa, Mont 
Gervin, Chamotiny and Mont Blanc. By an Englishman abroad. 
12^ 30 pp. London, Simpkin, 1864. 1 s. 

Keller, F.: Statistik der Römischen Alterthümer in der Ost-Schweiz. 
(Mittheilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich. XV, Heft 3, 
1864.) 

Plantamour, £.: Hauteur du lac de Genöve au-dessus de la M4diter- 
ran^e et au-dessus de Toc^an. (Biblioth^ue univ. de Genive, T. XIX, 
pp. 5, 382.) 

Sttider, B.: De Torigine des lacs Suisses. (Bibliothöque universelle de 
Genöve, T. XIX, p. 89.) 

Taheinen : Tagebuch über Erdbeben und Naturerscheinungen im Visper- 
thal im Jahre 1863. (Yierteljahrsschrift der naturforschenden Gesell- 
schaft in Zürich. IX, Heft 1.) 

ICartexu 

Kutter, W. R.: Karte des Kantons Bern. 1:200.000. Lith. Bern, 
Dalp, 1865. 

Danemark» Schweden und Norwegen. 

Irgena, M., og Th. Hiortdahl: Om de geologiske Forhold paa Kyst- 
straekningen af Nordre Bergenhus Amt. (Universitetsprogram for 
andet Halvaar 1864.) 4", 26 pp. mit 1 Karte. Christiania 1864. 

QeoIoKiscbe Spesislkarte von der KUstenstrecke des nördliohen Bergenhuns- 
Amt mit Erläaterungen , denen ein R^sumd in Frunsöslscher Sprache vor- 
ged ruckt ist. 

Sexe, S. A.: Om Sneebraeen Folgefon. (Universitetsprogram for andet 
Halvaar 1864.) 4», 48 pp. mit 1 Karte. Christiania 1864. 

DetaJIlirte Untersachungen Uher das grosse Schneefeld Folgefon im südlichen 
Bergenhans- Amt an der Norwegischen WestkUsto, mit einer Spezlalkarte in 
1 : 200.000. Vom Text ist ein R^sum^ in Französischer Sprache beigegehen. 

Niederlande und Belgien. 

Laveleye, A. de: Description de la Belgique. (Moniteur des int^rlts 
mat^riels, 1864, Nr. 26 ff.) 

QroBs-Britannien und Irland. 

Aubrey, J.: Wiltshire, the topographical collections of John Aubrey. 

Corrected by J. £. Jackson. 4*^. London, Longman, 1864. 50 s. 

England and her colonies. (Dublin University Magazine, November 1864.) 
Hall, Mr. and Mrs. S. C. : Tenby, its history, antiquities, scenery and 

traditions. 16^. London, Stanford, 1864. 3} s. 

Valentine, J. : Statistics of the city of Aberdeen. (Journal of the Statist. 

Soc, XXVU, 1864, p. 357.) 
Wilde, W. R. W. : Ireland past and present, the land and the people; 

a lecture. 12<>, 50 pp. Dublin 1864. \ s. 

Wilson, Ph.: Hunstauton and its neighbourbood, being a guide to the 

Lynn and Hunstauton railway life. 12^, 74 pp. London, Simpkin, 

1864. 1 8. 

Yung, J.: On the former existence of glaciers in the Heigh Grounda 

of the South of Scotland. (The Quarterly Journal of the Geolog. 

Soc, XX, 18Q4, p. 452.) 

Karten. 
Channel Islands, Aldemey Island and the Caskets, with views, Com- 
mander Sidney and Staff-Commander Richards 1863. London, Hydr. 

Office, 1864. 2i s. 

Davies, B. R.: Railway map of the British Isles and part of France. 

LondoD, Stanford, 1864. 9 s. 

England, South Coast, Dodman to the Start Point, Capt. Williams 

1860. London, Hydrogr. Office, 1864. 1} s. 

Hebrides, Sheet 10, Scarpa Island to Barvas Lewis Island, NW. coast, 

Capt. Otter 1860. London, Hydrogr. Office, 1864. 1) s. 

Sootland, West coast, Treshnish Point to the Entrance of the Sound 

ofMull, Commander Bedford 1856. London, Hydr. Office, 1864. 3 8. 
Stanford's New map of Ireland, in counties and baronies, on the 

bases of the Ordnance Survey and the Census, with railways, roads, 

canals etc. London, Stanford, 1864. 10^ s. 



118 



Literatur. 



Frankreich. 

Bonney, T. G.: Outline sketches in the high Alps of Dauphin^, l^, 

67 pp. mit 1 Karte u. 13 Abbildungen. London, Longman, 1865. 16 a. 
Merridew*« Viaitor's guide to Boulogne-Bur-Mer and its ennrona. 16<', 

110 pp. London, Simpkin, 1864. 1 a. 

Valoourt, Th. de: Climatologie des stations hivernales du midi de la 

Prance (Pau, AmAUe-les-Bains, Hjöres, Cannes, Nice, Menton). 8^, 

210 pp. Paris, BailU^re, 1865. 

Kart »XX- 

Mediterranean Sea, France, South coast, Toulon Harbour, French 
surrej 1861. London, Hfdrogr. Office, 1864. 3} s. 

Spanien und FortugaL 

Avila, Marquis d' : Über den gegenwärtigen Zustand der amtlichen Sta- 
tistik im Königreich Portugal. (Zeitschrift des KSnigl. Preuss. Stati- 
stischen Bureau's, 1865 Nr. 1 und 2, SS. 33—36.) 

Aus dem ReehensehafUberieht Ober die fünfte Sitsnngrsperiode des Inter- 
nationalen sUtistisoben KongresseB. Dr. Engel bemerkt daxu: »Die statlstiseben 
Arbeiten PortagalB sfihlen unstreitig zu den besten der neueren Zeit." 

Baumgarten, H.: Das heutige Spanien. (Preuss. Jahrbücher, XIY, 
1864, SS. 1, 135.) 

Capadoae, A.: Herinneringen uit Spanje. 8®, 136 pp. s' Grarenhage, 
Gerretsen, 1864. | fl. 

Railways (The) of Portugal. (Hunt's Merchant's Magasine, LI, 1864, 
p. 154.) 

Karten« 

Gibraltar Strait, Gibraltar New Mole, W. H. Bradlej 1864. London, 
Hjdrogr. Office, 1864. ( a. 

Italien. 

Annuario della istruzione pubblica del regno d'Italia. 8^, 718 pp. 
Breseia 1864. 

Dieee Statistik des öffentUcben Unterrichts im Königreich Itslien weist nach, 
dass die Zahl der sich im Alter von 6 bis 12 Jahren befindenden Kinder 
S.76e.600 beträgt und im Jahre 1863 der vierte Tbeil deraelben, n&nlleh 9S9.S34, 
die 90.821 Torliandenen Elementancbnlen beenehten. Anraerdem sind aelt der 
Neogestaltung Italiene überall fQr Erwachsene Abend* und Sonntagaechulen er- 
richtet worden, deren Anzahl eich aaf S576 belKaft und die von 1SS.581 Scha- 
lem besnoht werden. Von Schalswang ist hierbei «o wie auch bei den Ele- 
mentarschulen nicht die Rede und aller Unterricht daseibat ist unentgeltlich. 
Die Provinzen Turin, Mailand und Bologna haben die meiste Thetlnahroe auf- 
zuweisen. Für den mittleren Unterricht bestehen 93 Gymnasien mit S0.373 Schü- 
lern, 67 Lyceen mit 461S Schülern und 39 technische Anstalten mit 9554 SehQ- 
lem; ausserdem wurden in den Konvikten 11.S43 Zöglinge untergebracht. Uni- 
vereitäten besitzt Italien 19 mit 714 Professoren, 357 Privatdoeenten und 
15.608 Studenten. Am stärksten war Neapel besucht, nämlidi von mehr als 
10.000 Studenten, Pavia von 1873, Turin von 880, am schwächsten Urbino, das 
nur 8 Studenten bei 7 Professoren und 8 Privatdoeenten hatte. Ausserdem ist 
In Florenz ein höheres Institut für alle Fakultäten errichtet 

(Oeheimrath Neigehaur,) 

Baruff), G. F.: Saluzao — Manta — Yerzuelo nel Ottobre 1863. 
18®, 80 pp. Torino, Farale, 1864. 

Ein weit gereister Mann berichtet hier über eine kleine Spazierreise im Piemon- 
tesischen. l>w Professor Baruffl zu Turin, von welchem lUIsebesohreibnngen 
durch Deutschland, Schweden, Russland und nach dem Orient bekannt und 
wegen scharfer Beobachtungsgabe und geistreicher Darstellung geachtet sindL 
beschreibt die Umgegend von Saluzzo und macht dabei auf einen im J. 1480 
durch den Monte Viso eröffneten Tunnel anfmerksam, welcher 232 F. lang und 
2950 Meter über dem Meere gelegen Ist. Bei einer Breite und Höhe von 12^. 
ist er noch gangbar, freilich selir beschwerlich. (Gehelmrath Neigebaur.) 

Branchetti, Raccolta delle opere idrauliche e tecnologiche di G. — . 

2 Yol. 4<), 333 und 552 pp. mit 13 Karten und Plänen. Torino, 
Botta. 

Dieses für die Hydrographie der Po-Ebene sehr bedeutende Werk ist mit: 
13 grossen Karten und Plänen Über die durch Schifffahrts- und Bewässerungs- 
Kanäle berühmten Gegenden vom Lago Maggiore bis zu den Lsgunen von 
Venedig ausgestattet. Man beabsichtigt dort aufs Neue weitere Kanalisirungen, 
unter Anderem den Lago di Lugano mit dem aus dem Tessin nach Malland 
führenden schiffbaren Kanal in Verbindung zu setzen, von wo aus eine Dampf- 
schiff-Verbindung mit Venedig bevorsteht. Dabei ist das Werk auch, wie dieaa 
in Italien gewöhnlich, mit schätzbaren geschichtlichen Nachrichten über den 
Ursprung tind die Fortsetzung dieser Wasserbauten, welche die Lombardei cur 
Pflanzschule des Wasserrechts gemacht haben, bereichert. 

(Gehelmrath Neigebaur.) 

Gozzadini, Conte: Intomo all* aquedotto ed alle terme di Bologna. 
4° mit 1 Karte. Bologna 1864. 

Während anderwärts die Kunde femer Weltthelle erstrebt wird, findet der 
Italiener meist In der Nähe Veranlassung zu ernsten Forschungen. Diess zeigt 
das vorliegende Werk eines gelehrten Bewohners von Bologna, welcher so 
glücklich Ist, für die Wissenschaft leben zu können. Es hat derselbe auf seinen 
in der Umgegend liegenden Landgütern Nachgrabungen nach alt-Hetrurlschen 
OrSbem vorgenommen und bekannt gemacht, jetzt aber hat er dort eine alte 
Wasserleitung aufgefunden und beschrieben, welche von den Römern angelegt 
worden ist, um das Ihnen unentbehrliche Wasser zum Trinken und Baden in 
grösster Reinheit zuzuführen. In der Nähe Jener Stadt würde nämlich der 



Fluss Reno hinreichendes Wasser gegeliea haben, aber wie der Verfsasef aoa 
den Klassikern nachweist, waren die Römer bei der Auswahl der Qualität des 
Wassers sehr sorgfältig und nach den ehemischen Analysen, die er hat vor- 
nehmen lassen, war es daher natttrlleh, dass das viel gesundere Wasser des 
entfernten Fl aase« Setta vorgezogen wurde. Mit grösster Sorgfalt hat der 
Verfuser diese Jahrhunderte lang ganz vergessene Wasserleitung aufgesackt, 
▼on ihrem Anfang bis nach Bologna genau verfolgt und nach der beigefiiKtea 
Karte beschrieben, auch erklärt, warum sie nicht Über der Erde auf Bogen, 
sondern mit ungeheneren Schwierigkelten biswellen tief unter der Erde an- 
gelegt worden ist (Gehelmrath Neigebaur.) 

QraMi, A. : Aleria, La Sala Reale, le Cirque, Sainte-Laurine, £tang de 
Diana, Ilot des Pecheura, He Sainte- Marie. (Nout. Annales des 
Yoyages, Dezember 1864, pp. 257 — 341.) 

Eingehende Beschreibung einiger Intereesanter Lokalitäten von Gorsika. 

Guide, Special praetieal - — for the Italian lakes, Milan, Veniee, 
Genoa, Nice. By an Engliahman abroad. 12°, 60 pp. London, 
Simpkin, 1864. 

industria manufattrice, trattatura della aeta nell' anno 1863. 8°. To- 
rino, Dalmazzo, 1864. 

Hier wird von dem Ministerium des Handels, des Ackerbaues und der In- 
dustrie über den Seidenbau Im Königreich Italien aus dem Jahre 1863 «ios 
genaue Statistik der OeflfenlHchkeit mitgethetlt Danach belief sich der Ge- 
sammtertrag auf netto 4.300.000 Francs , wobei 4787 Spinnereien , darunter SM 
mit Dampfkraft betriebene, im Gange waren. Bevor die noch uoerforscbte 
Krankheit der Seidenwürmer eintrat, war der Ertrag weit bedeutender, er hat 
sich seitdem um fast */» vermindert, denn das Jahr 1863 lieferte nur It Mill. 
Kilogramm Gocons, wKhrend vorher gewöhnlich S3 Mill. gewonnen wurden. 
Die Lombardei Ist dabei fast mit der Hälfte betbeiligt. Den Preis von 
l&OO Francs, den das Institut zu Mailand auf die Ermittelung der Ursache der 
Krankheit gesetzt, hat Herr Cornalia für eine Arbeit darüber gewonnen. 

(Qeheimrath Neigebaur.) 

Loua , T. : Population du royaume d'Italie d*apr6s le recensement du 
31 d^embre 1861. (Journal de la Soc. de atatistique, Y, 1864, 
pp. 153, 214.) 

Opere pubbliche, Quadri statistici aulle negli anni 1862 e 1863, 

del Ministero dei lavori pubblicl. 4®, 84 pp. Torino 1863. 

Ausführliche ofUzielle Statistik der Strassenbsuten, Eisenbahnen und neaen 
Anlagen zur Verbesserung der Seehftfen. Bemerkenswerth ist besonders die 
Statistik der Eisenbahnen, von denen nur der 7. Thell dem Stsiat, die anderen 
21 verschiedenen Gesellschafken gehören und deren Lftnge zu Ende des Jah- 
res 1863 im Oanzen 67.966 Kilometer betrug. Die wenigsten kommen auf die 
Inseln Sardinien und Sldllen. Aus dem Nachweis, was 1862 und 1863 In jeder 
Provinz anf Strassen, Seeh&fen und Wasserwerke verwendet worden , ersiebt 
man , dass die Oesammtaumme 140 Mill. Francs betrug und davon allein auf 
SicUien 87 MIII. entfielen. (Qeheimrath Neigebaur.) 

Population du royaume d'Italie en 1861. (Ajinales du commerce ex- 
tfirieur, Nr. 1543.) 

Sohubring, Dr. Jul.: Umwanderung des Megarischen Meerbusens in 
Sicilien. Mit 1 Karte. (Zeitschrift fUr Allgem. Erdkunde, Dezember 
1864, SS. 434—464.) 

Hauptslichllch historisch- geographisch. Die Karte stellt das Litoral des Mega* 
riechen Meerbusens nach einem Plane von Ferragnto Im Mst. von 1 : 100.000 dar. 

Sioilien , Schilderungen von der Insel - . (Bremer Sonntagsblatt, 

1864, Nr. 42.) 

Statistica del regno d'Italia. Popolazione. Per cura del Ministero di 
agricultura, industria e commercio. 4<i, 482 pp. Torino, Stamperia 
reale, 1864. 

Wenn der berühmte Statistiker Morean de Jonnds etwas Ausserordentliches 
über Frankreich geleistet hat, so giebt das vorliegende Werk über Italien den 
Beweis, dass auch hier Gleiches geleistet werden kann. Dr. Castiglioni gisbt 
hier eine höchst anziehende Zusammenstellung der Ergebnisse der VoIlcMXÜh- 
lung in den früheren Sardinischen Provinzen, der Lombardei, Parma und Mo- 
dena bis zum Jahre 1858. Er bemerkt in der Einleitung, dasi< die fiülierea 
Volkszählungen in dem Königreich Sardinien zwar mit grosser Sorgfalt diircli- 
gefülirt wurden , dass aber die statistischen Kongresse mit Recht darauf ge- 
drungen haben , dergleichen Zähinngen in allen Gemeinden zu gleicher Zeit 
vorzunehmen. England hatte 1841 damit angefangen, Belgien war 1846 dsrin 
gefolgt und das Titriuer Parlament hatte 1857 ebenfalls ein solchen Verfahren 
gesetzlich vorbereitet. Die diessfallslgen Verbandlungen und Vergleicbunfren 
mit dem früheren Verfahren so wie die den betreffenden Behörden ertheilt«ii 
Anweisungen werden mitgetheilt. Wie genau dabei verfahren worden, kann 
man unter Anderem daraus abnehmen, dass Über die Lebensverhältnisse der 
Bevölkerung 182 Kategorien aufgestellt worden sind. Für die alten Prorinsen 
ist angegeben, wie viel Uauser in Jeder Gemeinde befindlich, wie viele leer 
stehen, wie viel Familien sie enthalten, wie viel Personen In den zusammen 
liegenden und wie viele in den einzeln stehenden Mäusern wohnen, wie viele 
in den höheren Gebirgsgegenden, in den mittleren Höhenscbicbten und in den 
Niederungen, wie viele in den verschiedenen Flussgebieten wohnen. Eben 80 
ist zusammengestellt, wie sich die Bevölkerung seit 1819 überall vermehrt hat 
Bei der Ermittelung der Volksdichtigkeit ergiebt sich, dass in der Lombardei 
auf 1 QKiloraeter 137 Einwohner kommen, in Sardinien 28, in Belgien 162, 
in England 94, in Frankreich 69, in Sachsen -Coburg- Gotha 80, in Ootterreich 54, 
In Griechenland 22, in Russland 18, in Schweden 7, in Mexiko 4, in Brasilien!. 
In Ansehung des Unterrichts 9tand in den alten Provinzen die Insel Sardinien, 
das Paradies der Geistlichen und Klöster, am weitCMton zurück, indem von 
100 Menschen nur 7 lesen und 8chreiben konnten. In der Lombardei kamen 
auf 10.000 Seelen 96 Priester, 4600 Ackerbauer, 1160 Gewerbtrelbende, 289 Han- 
delsleute, 1580 Taglöhner, 419 Dienstboten, im Parmesanischen 180 Gf^Istliche, 
1400 Ackerbauer; im jetzigen Kirchenstaat giebt es 29S9 Geistliche, 1207 Acker- 
bauer. In den alten Provinzen mit 5 Millionen Einwohnern sprechen 4889 Men- 
schen Deutsch, und zwar wohnen davon 1014 im Kreise Aosta an der Grenze 
von Wallis und 2884 im Kreise Vabesia unter dem Monte Rosa, die anderen 



Literatur. 



119 



stntnvL Aaf dar IiimI Bttrdinian aprocbmi S800 Bewohner im KrtiM Alghero 
KinJtniirti vnd S00.000 die der elCen Ungne nutiee am meiaten gleleh kom- 
laemie Sprache tob Logndoro. Die melaten Juden wohnen im Krelae Alea* 
■aodria, nlmlleh 8479, die 88.71S Waldenaer Torsugawelae in den Thülem Ton 
F!aerolo,doch aoeh seratreat im Lande, so daaa aie s. B. in Tarin and Genua 
Kirehen haben und in Florena eine Art Ton tbeologiaeher Faknltlt entstanden 
ijt Aneh in Neapel hat man eine aoböne evangeliflche KIrehe nen erbant 

(QebeimraUi NHg^wtr,) 

Karten« 
Ancona, lUb'an snrrey 1864. London, Hydrogr. Office, 1864. 2^ s. 
Sidly Island, Pouoloogo Point to Marsala, Lient. Wükinson 1864. 
London, Hydrogr. Office, 1864. 8 a. 

I 
Griechenland, Türkisohes Reich in Europa und Asien. 

Badizilla, P. Borsin di: Pensieri snlla Romania. Torino, Cavonr, 1864. 
Diese Betrachtungen über Romanlen , wie Jetzt die Moldan und Walachei 
gcuMiDt werden, haben einen Jungen Gklehrten ans jenem Lande zum Verfhe* 
Mr, welcher In Turin seine Ersiehnng ▼ollendet und ans Dankbarkeit diese 
Arbeit seinem Lehrer, dem Professor und ehemaligen Minister Mancini gewid- 
met hsL Er beginnt seine Darstellung der gegenwfirtlgen Verblltnlsse Roma* 
■Icas mit der Klage, daaa man dieaes dem Lateinischen Volksstamm angchtf- 
rende Volk Ton beinahe U Millionen lange für Slawen gehalten habe , obwohl 
CS unter den schwierigsten Verhfiltnissen seiner Nationslitfit treu geblieben sei, 
die denn auch in Folge des Krim-Krieges wieder snr Anerkennung gekommen 
isL Den Türken leisteten die Romanen stets tapferen Widerstand , bis sie 
durch den Verrath ihres Verbündeten, des Kaisers Rudolph IL, diesen Asiaten 
Qberliefert worden, so wie sie durch die Römische Intoleranz der morgenllndi- 
idien Kirche snflelen und dabei die Lateinischen Buchstaben, wenn auch nicht 
die Sprache, aufgaben, obwohl die Fanarloten vielfach Qrieohlsche Sitten einzn- 
fBhren Termochten. Der Verfasser hat sich besonders durch die Darlegung der 
gegenwürtlgen Verhiiltnisse der Bojaren, der Jetzigen Verfassungs- Verhältnisse 
nad der Tielfheh erwihnten Kloster-Frage den Dank Aller erworben, welche 
darin klar aehen wollen. Fflr diese fk-cmden KlSster gingen allein J&hrlich 
700.000 France ans dem Lande. (8. die Moldan und Walachei von General- 
koninl Neigebanr, Breslau 1854.) (Gehelmrath Seigtbaur.) 

Boue, A.: Essai snr les limites des proTinces de la Turquie d'Enrope. 
Mit 1 Karte. (M^moires de la Soci^tö de g^ographie de Gen^ye, 
T. m, 2— Uvraison, pp. 197—240.) 

Beschreibung der natürlichen Grenzen der einzelnen Provinzen der EnroplU> 
sehen Türkei mit politischen Erörterungen und mit einer Kartenskizze, auf 
welcher jene natürlichen Grenzen nnd vorgeschlagene neue Grenzen angegeben 
sind. 
Vignes, Lient.: HShenbestimmnngen einiger Punkte Palästina's. (Zeit- 
ichhft ffir AUgemeine Erdkunde, November 1864, SS. 397—398.) 

Einem Separatabdrack aua der »Connaissance dea Temps pour 1896" ent- 
nimmt die »Zeitschrift für Allgem. Erdkunde" folgende Beatimmungen, die 
Marlne-Lientenant Vignea wKhrend der Reise des Doc de Luynes 1864 ans- 
Creführt hat: Poaltlon von Jerusalem (Länge chronometrisch bestimmt) Sl* 46' 
30" K. Br. nnd 82* 58' 8" Oestl. L. ; Höhe von Jerusalem 779 Meter, Depres- 
sion des Todten Meeres 392 Meter, Höhe der Wasserscheide dee Wadi Arabah 
MO Meter, Höhe der Jordan-Quelle Teil el Kadi 185 Meter, Höhe der Jordan- 
Quelle Baniaa 888 Meter , Höhe der Quelle des Wadi Haabany bei Hasbeia 
568 Meter, Depression des See's von Tiberiaa 189 Meter. Die Höben sind durch 
korrespondlrende barometrische Beobachtungen ermittelt. Die »Nouvelles An- 
Bsles dea Voyagea" (Dezember 1864, pp. 870—872) begleiten dieselben Angaben 
mit einer knrsen Ueberaicht über den Verlauf der Reiae. 

KfikTten. 

lonian Saa, PreTesa Strait, Commander Mansell 1864. London, 
Hjdrogr. Office, 1864. 1 s. 

lonian Sea, Corfn Harbonr, Commander Mansell, 1863. London, Hydr. 
Office, 1864. l\ s. 

Jerusalem, Mr. Cathenrood 1833. London, Hydr. Office, 1864. 2 s. 

Syria, Bas £n NakAra to £1 Arish, Commander Mansell 1862. London, 
Hydrogr. Office, 1864. 3 s. 

RuBBisches Reich in Europa und Asien. 

Malte-Brun, V.-A.: Travanx et acqnisitions g^ographiqnes des Rnsses 
dsns TAsie centrale, 1840—1860. Mit 1 Karte. (Bulletin de la Soc. 
de geogr. de Paris, September 1864, pp. 146—172.) 

Einer Reproduktion der Russischen Kftrte der zwischen Balkasch-8ee und 
Thiansohan gelegenen Gegenden von 1861 im Maaasstab von 1 : 8.080.000 fügt 
MaHe-Brnn eine kurze Beschreibung und ein R^sumd der Arbeiten Seme- 
BAv's, Venjnkow's und Gk>lnbew'8 bei. 

Sapiski (Memoiren) der Kaiserl. Bnss. Geogr. Gesellschaft. 1863, 3. Bd. 
8«, 306 SS.; 1863, 4. Bd. 8°, 256 SS.; 1864, 1. Bd. 8°, 607 88. 
mit 3 Karten; 1864, 2. Bd. 8<', 446 SS. St. Petersburg. (In Bussi- 
»chex Sprache.) 

1863, Bd. III. ~ Ans den Sitznngs-Berichten der Qesellschaft ist zunliohst 
E. Rtnive's Bericht Über seinen ersten Ausflug in den südlichen Altai bemer- 
kensverth. Er begab sich von SergiopolJ über Rokbekty (Steppenstädtchen im 
DtMÜsan - Gebiet) nach dem Nordufer des Dsaisan - See's und von dort den 
S«hvarzen Irtyseh hinauf zum Marka-kul (Alpenisee, dessen Abfluss, der KolJ- 
dshir, sich in den Schwarzen Irtysch ergiesst). Der Clungur, 40 Werst vom 
Schwarzen Irtysch entfernt, bildet ein besonderes, geschlossenes Becken. Den 
Rückweg nahm Struve über den 9000 F. hohen Ssar-Tau , der sich über die 
Re^on der L&rcbenblume erhebt, ohne die Schneelinie zu erreichen; der sUd- 
Üebe Abhang zeigt rein alpine Vegetation. WShrend dieses Ausflugs« wurden 



18 Punkte ihrer Lag« nach aatronomlaoh bestimmt. Femer ein AnsBug ans 
dem Briefe Chanykoff*s an den ViceprXaidenten der QesellsohafI über die Frage, 
was beim ethnologischen Studium des Iranischen Stammes besonders zu beadi- 
. tSn ist; der Bericht dea Barons Osten-Saeken über den ersten Dsmpfer, der die 
Gegend awlaeben UslJ-Kamenogorak und Baohtarminsk i^üekUch passirte, den 
Dsalaan seiner ganzen LÜnge nach durchsehnitt und den Schwarzen Irtyaoh Ma 
zum Cbineaisehen Wachtpoeten Manltugatnl hinaufging (s. »Geogr. Mitth." 1864, 
S. SS) ; endlich ein Brief des Akademikers v. Helniprsen über die geologischen 
Beobachtungen im Küstengebiet des Asow'schen Meeres. ~ Von den beiden 
Abhandlungen dieses Bandes ist die erste eine Besehreibung der Bergstadt 
De4Juehln nnd Ihrer Umgegend von PetuehofT, in historischer, geographischer, 
itatiatisoher. nationalökonomlaeher und sIttengeschiohtUcher Beziehnng. Dedjn- 
ehln Ist nenen Ssolikamsk nnd den Dürfem Lenwa und UssolJ die wichtigste 
Ortschalt dea Perm'sohen Gouvernements für die Salzproduktion. Die zweite, 
ffdie von Tatisehtscbeff (erstem national'Ruaalachen Historiker) wfibrend seines 
Anfenthaltea in Sibirien nnd In Schweden in den Jahren 1791—26 gesammelten 
Kacbriehten, von Pekaraki" , ist für die historische Entwiekelung der geogra- 
phlsehen Kenntnisse In Russland im 18. Jahrhundert wichtig. — Das im fol- 
genden Bande fortgesetzte VerzelchnIss der Im Jahre 1862 in Russland erschie- 
nenen , auf Geographie , Statistik und Ethnographie bezüglichen Bücher und 
Journal-Artikel (1949 Nummern) enthtflt in geographischer Beziehung Nichts 
von Bedeutung, was nicht bereits durch Erman*s Archiv nnd andere Zeitschrif- 
ten auch ausserhalb Rnaslands bekannt geworden wfire. — Aus der Abtheilung 
»Geogr. Chronik'* Ist hervorzuheben die Aufzfihlung der Erderschütterungen 
in Irkntsk wihrend des Jahres 1862 von Schtschukln. 

186S, Bd. IV. — Unter den Sitznngs-Berichten bt Skaratln's Vortrag Über 
den Verfall der Goldwfiachen Im Jenlsselsklschen Gouvernement nnd die Mittel, 
ihnen wieder aufzuhelfen, zu erwähnen. An Abhandlungen enthält der Band 
den Schiusa des Artikels über die Bergstadt Dedjuchln und einen grösseren 
Auibatz »Us^-Kamenogorsk im Jahre 1661'* von N. Abramoff. 

1864, Bd. I. — Dieser Band Ist grösstenthells von dem vortrefflichen Jahres- 
bericht der Gesellschaft für 186S auagefüllt (s. »(}eogr. Mltthell." 1864, S. 280). 
Ausserdem enthält er einen Aufbatz von M. Wenjukoff über die Besledelung 
des nordweetlichen Kaukasus durch die Russen während der drei Kolonisations- 
Epoehen In den Jahren 1841, 1860 und 186S, begleitet von drei ethnographischen 
Karten; einen Aufsatz von SemjowsklJ : nToropetz von 1016 bis 186S"; eine 
ausführllohe Besprechung des Konfessionellen Atlas der westliehen Gouverne- 
ments von V. Rittieh und in der Chronik die in Kuldscha angestellten tbermo- 
metrischen Beobachtungen (s. S. 111) dieses Heftee). 

1864. Bd. II. — In den Sitzungs-Beriohten ist besonders bemerkenawerth eine 
Erörterung über die Wichtigkeit einer an Ort und Stelle zu unternehmenden, 
abschliessenden Untersuchung der Frsge, ob sich der Amu-Darja einst ins Kaspl- 
sche Meer ergoss, und der Bericht K. v. Bser's über iteine im Anftrsg der Ge- 
sellschaft unternommene Reise ans Asow'sche Meer. Von Abhandlungen finden 
wir ausser der Fort<ietzung des SemjowskfJ'schen Aufsatzes über Toropetz fol- 

gende zwei: uDas Sciiamanenthum In Sibirien von S. Schsschkofr* und »Der 
ee Chankai und seine klimatiseben EigentbOmlichkelten von N. AnossolT'. 
Die geographische Bibliographie für 186S umfasst 1851 Nummern, doch auch 
hieraus haben wir für die LIteratur-Abtheilung der »Geogr. Mitth." Nichts von 
Bedeutung naehzutragen. Unter den Miseellen des Bandes (Geogr. Chronik) 
finden wir eine Uebersleht der geodätischen Arbeiten im Kaukasus von 
J. Ohodzko, wovon ein Auszug bereits im Jahreaberioht für 1868 enthalten war. 

AliliGEMJäJLN JäS. 

Oeogr. Lehr- und Handbücher, Statistik. 

Boooardo, O.: La terra e Tnomo. Manuale di geografia, metafisica, 

fisica e politica. 2 vol. 12<^. Turin 1864. 1| Thir. 

Lampert, J.: Lehrbuch der Geographie für technische Lehranstalten. 

8°. Würzburg, Kellner, 1864. | Thlr. 

Landsberger: Die Erde. Eine nach den neuesten Forschungen und 

Entdeckungen vervollständigte populäre Geographie, 8^. Berlin, Rei- 

ehardt und Zander, 1864. 
Prtns, A. W.: Handboek der aardrijkskunde. Algemeen gedeelte. 

Uitgeg. door de Maatschappij tot Nut van't algemeen. 8^. Amsterdam, 

Deventer, 1864. 5j fl. 

Sack: Geschichte und Beschreibung der Länder, Staaten und Reiche 

der Erde. %^, Berlin, Kroschel, 1864. 

Mathematische und physikalische Geographie. 

Dove , H. W. : über die Insolation auf der südlichen Erdhälfte. (Zeit- 
schrift für Allgemeine Erdkunde, Dezember 1864, SS. 481 — 490.) 

Auf Grund der von Dr. Neumayer veröffentlichten »Results of the meteoro- 
logical obaervatlons taken in the Golonjr of Victoria durlng the years 1869-1862 
and of the nautical observations collected and discussed at the Flagstaff Obser- 
vatory, Melbourne 1864." 

Lamont: Über den Einfluss des Mondes auf die Magnetnadel. — Über 
die jährliche Periode des Barometers. — Einige Bemerkungen über 
die zehnjährige Periode der magnetischen Variationen und der Sonnen- 
flecken. (Sitzungs-Berichte der K. Bayer. Akademie der Wissenschaf- 
ten zu München. 1864. U, Heft 2, SS. 91—114.) 

Mangln, A.: L'air et le monde a^rien. 8<^. Tours, Marne, 1864. 

Maury, M. F.: Physical geography for schools and general readers. 
12°, 130 pp. London, Longman, 1864. 2^ s. 

Pearoe, A. J. : The weather-guide-book. A concise exposition of astro- 
nomic meteorology. 8^, 150 pp. London, Simpkin, 1864. 4| s. 

Roeder, G. W.: Der Föhnirind in seinen physikalischen und meteoro- 
logischen Erscheinungen und Wirkungen. (Jahresbericht der Wetterani- 
Bchen Gesellschaft für die ges. Naturkunde zu Hanau, 1864, S. 1.) 



120 



Literatur. 



Tresoher, R.: Mathenifttisohe Geographie fttr gehobene Bttrgenchulen. 
8». Berlin, Frank, 1864. i Thlr. 

Weltreisen, Bammelwerke, Verschiedenes. 

Journal of the Royal Geographical Society. Vol. XXXIII, 1868. 8<>, 
548 pp. mit 8 Karten. London, Murray, 1864. 20 a. 

Verwöhnt durch den meist so grouen Reichthum dieser JahretbSnde an 
werthTollen Orif^nal-Arbelten erscheint uns das Journal dien Mal trotE seiner 
Dicke alemlicb mager. Von seinen U Artikeln sind b oder 6 höchst unbedea- 
tend, auch Burton's Bericht Über seine Besteigung des Elephanten-Berges an 
der Westküste von Afrika Ist dttrftlg genug, doch betrifft er wenigstens jung- 
fräuliches Gebiet Andere, wie die Reisen von M«Kinlay, Landsborough, Walker 
nnd Stuart in Australien , von Mlohie nach Mnklen, von Livingstone nach 
dem Schire und Nyassa-See, von Speke im Quellgeblet des Nil, sind bereits 
früher pnblicirt oder doch ihrem wesentlichen Inhalt nach bekannt Es bleibt 
daher nur sehr wenig fQr die geographische Literatur Nene« nnd zugleich 
Beaehtenswerthes, so namentlich das Kärtchen von der Insel Tsusima mit dem 
kurzen Bericht von Oliphant, Major Qoldsmid's Tagebuch über seine Reise von 
Kurratschi längs der Mekran-KUste nach Owadur mit der augebörigen Karte 
nnd vor Allem die ansgeseichnete Abhandlung von Wallaoe ttber die physi- 
kallsehe Geographie des Malayisehen Archipels, ohne Frage der Glanzpunkt 
des Bandes, der allein hinreicht, fUr Vieles au entschädigen. Die Art der Ent- 
•tehnng des Journals bringt es mit sieh, dass Quantität und Qualität der anf- 
zunehmenden Abhandlungen und Berichte mit den Jahren wechselt, denn es 
ist reiner Zufall, ob und wie viel wichtigere Beiträge im Jahre einlanfen. Es 
kann daher weder die Qesellsehaft noch den als Redaetenr fungirenden Sekre- 
tär irgend ein Vorwurf treffen , wenn ansnahmsweise ein Jahresband weniger 
reichhaltig ausfällt, es ist im Gegentheil gerade diess Mal von der Redaktion 
mehr ala sonst geschehen, indem sie die In Australien gedruckten, schwierig 
zu beziehenden TagebOcher der grossen Australischen Reisen aufnahm, ihnen 
einen beträchtlichen Theil des Raumes opferte und sie durch eine Uebersichts- 
karte illustrirte. Auch die Anfnaltme des kurien Speke*scben Berichtes ist 
dankenswerth, obwohl er scheinbar durch das grössere Reisewerk Qberflttaeig 
gemacht ist , denn er enthält sehr schätzbare Angaben zur Beurtfaeilung der 
Speke'schen Karte. Ueber die einzelnen Artikel haben wir in den betreffenden 
Abtheilungen unserer Llteratnrberlchte referirt. 

La Roquette, de : Humboldt. Correspondance scientifiqne et litt^raire, 
pr£cM6e d'une notice et d'une introduction , suirie de la bio^aphie 
des correspondants de Humboldt, de notes et d'une table. 8^ 514 pp. 
mit 2 Portraits Ton AI. v. Humboldt und 1 Facaimüe. Paris, Du- 
crocq, 186Ö. 71 fr. 

Maren zi, Franz Graf ▼. : Zwölf Fragmente über Geologie oder Beleuch- 
tung dieser Wissensehaft nach den Grundsätzen der Astronomie und 
der Physik. 2. Aufl. 8°, 108 SS. mit 4 Tafeln. Triest, Oesterr. 
Lloyd, 1864. 

Wohl in wenig Wissenschaften kann ein Laie, welcher nach beliebter Dflet- 
ftantenmanier gerade die schwierigsten Fragen der Wissenflchaft , welcher er 
•eine Onnst angewendet hat, bespricht und ohne genauere Sachkenntniss sich 
rasch eine Hypothese zurechtlegt, der er die wenigen ihm aus der Natur be- 
kannten Verhältnisse anpasst, statt umgekehrt die Hypothese den Verhältnissen, 
— in wenig Wissenschaften, sagen wir, kann ein solcher wohl mehr Unhell stiften 
als In der (Geologie , einer Jungen , mit ihren Forschungen und Lehren, welche 
noch hättflg genng als frevelhaftes Beginnen oder als eitles Hirngespinnst be- 
zeichnet werden, noch wenig in das Volk eingedrungenen Wissenschaft. Da Ist 
Jedes Wort, welches den mühsamen Aufbau, das Resultat vieler rastlosen Ar- 
belten bekritelt oder gar die wichtigsten nnd unbestreitbarsten Ergebnisse der 
letzteren ganz in Abrede stellt, von unberechenbarem Schaden, denn es ver- 
nrsacht stets einen RQckschrttt Ein solches Laienwerk sind ndie zwölf Frag- 
mente tlber Gkologle" des Orafen von Marenzi , nnd wenn wir anch nicht ge- 
rade die eben ausgesprochenen Befürchtungen für dieses Werk gelten lassen 
möchten, da wohl Jeder gebildete Laie es leicht erkennt, dass er es mit einem 
Werk ohne wissenschaftliche Bedeutung tu thun hat, so m&sien wir doch be- 
danem, dass dasselbe in einem Staate erschienen ist, welcher mehr als die 
meisten anderen die Geologie unterstatzt und su verbreiten sucht Um dieses 
Urthell zu rechtfertigen, sei es gestattet , mit wenig Worten einige der vom 
Verfasser aufgestellten Behauptungen wiederzugeben nnd so darsuthun, wie 
wenig derselbe den heutigen Standpunkt der Geologie ahnt Gleich In dem 
ersten Fragment über den Zusammenhang der Geologie mit der Astronomie 
nnd Physik wird die gans richtige Behauptung aufgestellt, dass die ursprüng- 
liche erste Erstarrungskruste unserer Erde im Laufe der Zelt mannigfach ver- 
ändert worden sei, dsss sich aus der Zerstörung der ältesten Gesteine Immer 
neue und neue gebildet hätten , welche Jene verdeckt nnd so der Beobachtung 
grösstentheils entzogen hätten. Dass unter diesen Verhältnlnsen die in den 
Jüngeren Gesteinen vorgefundenen Petrefakten einen ausgezeichneten Lelt- 
fkden zur Erkennung nnd Altersbestlmmang derselben abgeben wttrden und 
dass mit deren Hülfe selbst die so interessanten physikalischen Verhältnisse 
der Vorzeit unserer Erde erkannt werden könnten , ist dem Herrn Verfasser 
schon einleochtend nnd er kann nicht umhin, sein Bedauern anszuspredien, 
dass es der Petrefkktenkunde noch nicht gelungen sei, nachzuweisen, dass ge- 
wisse Versteinerungen nur in gewissen Schichten vorkämen und so verläss- 
liche Merkmale besässen, dass ihre Altersklassiflcimng danach nur einiger- 
maassen möglich sei. Leider ist nach der Ansicht des Herrn Verfassers die 
Petrefaktenkunde gegenwärtig noch lange nicht im Stande, einer oder gar 
beiden eben gestellten Bedingungen zu entsprechen, Ja sie darf sich auch für 
die Zukunft nicht einmal Hoffnung machen, so weit zu gelangen. Nach dieser 
Einleitung wird dann eine Hypothese zur Erklärung der Berg-, Thal-, Meeres- 
hecken- und Kontinent • Bildung entwickelt , deren Hauptpunkt die Annahme 
grosser, durch Zusammenziehung der festen Erdkruste beim allmählichen Er- 
starren und Erkalten entstandener Hohlräume ist, welche durch ab und zn 
erfolgte Einstürze bald ein tiefes Becken entstehen , bald ein Gebirge In die 



Lnft sehnellen, bald einen Vnlkan zum Anabrudi kommen lassen, kurz, das 
enteetzUdie Verwüetnng hervorrufen. Diese Hypothese ist, wie man sich Isiciit 
denken kann, mit vieler Phantasie am Schreibtisch entwickelt und mit 
gleicher Saebkenntniss, wie sie die obigen Behauptungen verrathen, angewen- 
det und durchgeführt Welter darauf einzugehen, wäre überflüssig, wir glauben 
dem Leser eine genügende Vorstellung von dem wissenschaftlichen Werthe 
dieses Werkchens gegeben zu haben, um ihm die Lektüre der Abenteuer un- 
serer Mutter Erde, wie sie Graf v. Marenzi darstellt, fttr eine trübe Stunde 
seines Lebens überlassen zu können , ohne besorgen zn müssen , dass er da- 
durch von der Geologie geringer denken lernen werde. 

Novara, Reise der österreichischen Fregatte um die Erde. 

Statistisch -kommerzieller Theil Ton Dr. Karl tou Scherser. 1. Bd. 
40, 397 SS. mit 14 Karton. Wien, Gerold, 1864. 8 Thlr. 

Novara, Reise der östorreichischen Fregatte um die Erde, 

1857 — 59. Zoologiseher Theil, II. Bd. 2. Atheil.: Lepidoptera Ton 
Dr. Gajetan Felder nnd Rndolf Felder. 4° mit 21 Tafeln. Wien, Gerold, 
1865. Mit kolor. Tafeln 12 Thlr., mit schwarzen Tafeln 6} Thlr. 

Parliamentary Paper. The past and present state of Her Maje»tj's 
colonial possessions. Reports for the year 1862. Part II. North 
American colonies; African Settlements and St. Helena; Australian 
eolonies and New Zealand; Eastem colonies; Mediterranean posses- 
sions and lonian Islands. Fol., 194 pp. London 1864. 2 s. 
Für die spezielle Kenntnlss der öffentlichen Angelegenheiten, der Finanzen, 
des Handeln, zum Theil der Produktion, sind diese Berichte der Koloaial- 
Regiernngen von unschätzbarem Werth, geographische Dinge sind darin aber 
nur ausnahmsweise berührt 

Retzii samlade skrifter af ethnologiskt innehäll, ntgifna af sYenska 
läkare-säUskapet. 8<», 245 pp. mit 1 Karte nnd 4 Tafeln in Fol. 
Stockholm, WestreU, 1864. 3 Rdr. 

Roany, L. de: Rapport fait k la Soci4t6 d'ethnographie am^ricaine et 
orienUle snr ses travanx et snr les progris des sciences ethno^- 
phiqnes pendant Tann^e 1863. 8^ 78 pp. Paris, Challamel, 1864. 

Vasoo de Gama, Journal da royage de en 1497, tradoit du 

Portugals par Arthur Morelet. 4^, 178 pp. mit Karte und Portrait. 
Lyon, impr. Perrin, 1864. 

Wall in (Georg August). (Erman's ArchiT für wissenschaftliche Kunde 
Ton Russland, 23. Bd. 3. Heft, SS. 382—384.) 

Biographie dieses 1858 verstorbenen Finnischen Reisenden, der bekanntlich 
1843 bis 1849 Arabien und benachbarte Länder besuchte. 

Atlanten, Weltkarten, Globen. 

Atlante geografloo mondiale, 11 Bl. ICüano, Pagnoni, 1864. 

Forbiger, A.: Orbis terrarum antiquus. In usum scholarum 24 tabellis 
descriptus. 8^ Leipsig, Müller, 1865. ^ Thlr. 

Qrfif, A. : Planiglob der Erde zur Übersicht der oro-hfdrographischen 
Verhältnisse. Kpfrst. Weimar, Geogr. Institut, 1865. \ Thlr. 

Handtke, F.: Wandkarte der östlichen HalbkngeL 12 Bl. Lith. Glogan, 
Flemming, 1864. f Thlr., auf Leinwand 2} Thlr. 

Handtke, F.: Wandkarte der westlichen Halbkugel 12 BL Lith. Glogau, 
Flemming, 1864. { Thlr., auf Leinwand 2^ Thli. 

Narrow Atlas of modern geography ; with index. Fol. London , Stsn- 
ford, 1864. . 12^8. 

Hunfalvy, J.: Magyar k4ziatl4ss. (angarischer Hand- Atlas, 26 Karten.) 
Pest, Heckenast, 1864. 12 fl. Ö. W. 

Kuijper, J.: Nieuwe Atlas der wereld, naar de laatete ontdekkingen, 
yerslagen, mededeeUngen, reisbeschrijringen enz. Fol. 35 Bl. Amster- 
dam, Stemler, 1864. 8} fl. 

Lange, H.: Geographischer Hand- Atlas ftber alle Theile der Erde. 
4. Lfg. Leipzig, Brockhaus, 1864. 1 Thlr. 

Spruner, G. : Atlas antiquus. Tertio edidit Th. Menke. 6. Lfg. Gotha, 
J. Perthes, 1864. 1 Thlr. 

Stieler's Hand-Atlas. Erginzuogen. Neue Lieferungs-Ausgabe. 7.— 10. 
(Schluss-) Lieferung. Gotha, J. Perthes, 1864. 7.— 9. Lfg. äl4Sgr., 
10. Lfg. 24 Sgr. 

Inhalt: Der Preussische Staat^ Nr. 1: Provinz Brandenbnrg; Nr. 8: Pom- 
mern ; Nr. 3 : Sachsen ; UebersicIR. — Der Oesterreichische Kalserataat. Nr. 1 : 
Nieder-Oesterreich ; Nr. S: Ober-Oesterreieh und Salzburg; Nr. 3: Stefermarli: 
Nr. 5: Tyrol und Vorarlberg; Nr. 6 und 7: Böhmen. -> Europ&isch-Rnsaisch« 
GrenslXnder. Nr. 2: Finnland: Nr. 7: Moldau und Bessarabien; Nr. 9: Die 
HalbinBcl Krim; Nr. 10: Die Küsten des Azo«r*sehen Meeres. — Titel. 

Stieler*8 Hand-Atlas. Neue Bearbeitungen aus dem Jahre 1864. Gotha, 
J. Perthes, 1865. 1 Thlr. 

Siehe »lOeogr. Mitth.** 1865, Heft I, S. 29. 

Sydow, £. y.: Methodischer Hand- Atlas f&r das wissenschaftliche Stu- 
dium der Erdkunde. Neue Bearbeitungen aus dem Jahre 1864. Gotha, 
J. Perthes, 1864. ^ Thlr. 

Inhalt: Nr. 4: Nord • Amerika ; Nr. 5: SUd- Amerika, beide bearbeitet von 
Dr. H. Lange. ChromoUtb. 



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(Oeschloasea am fO. Man 1866.) 



PM. 



enBaiinSgOeo^?a|>l 



»lÜBchelfil 



jtfHwhmgen. 



Westl. Lau 



I^ 



ßreeiLwicK 



I KARTE zun ÜBERSICHT 

I REISEN von"c.ROHLFS 
"^ MAROEKO. 1861-64. 

Von. A. Petermann. 




Jahrgmg 



18föTafel 4. 



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T^»V. ««o*^r> irall4'.'..*k ^Yi rinrha 



Übersicht der Kaukasischen Statthalterschaft. 

Von H* J. Stebnitzlcyj Oberst - Lieutenant des Generalstabes. 



L Ausdehnung des Landes, Einwohnerzahl und 
Dichtigkeit der Bevölkerung von Kaukasien. 



Landestheüe. 



Aasdehnonff. 



; UichtiRkeit d«r 
Einwohner» BcvSlkening 
QWerat iQHIn. •) zahl im J. 1862. aof die »iif dl« 
I QWerat. QMelle. 



I. Cis-Kaukasien. 
1. Stiwr«poler ßoavcriieni, 

Krele«: I | 

SUwropoler .... I8l92,l| 375,9« 
PUtigowker .... 29786,4 61&,69 

Kisliarer .... . . 17622,0 364,21 

Im gtnzen Stawropoler 

GoaTernement . . . 

1 kibai'seher Laadstriek 

(Oblasr). 
Kübin'sches Kosakenheer. 
a. Länder Bördlich u. öst- 
lich Tom Flosse Kuban. 
Bexirke 



I 



65599,ft! 1355,79 356.6713) 



155.744 3) 


8,66 


414,99 


99.705 , 


3,86 


161,97 


01.222 1 


5,74 


277,99 



Jeiskischer ' 10924,0 



Jektterinodar'scher 
Taman'scher .... 
lioderstrecken, eingenom- 
men Ton der 1., 2. S. u.l 
4. Brigade*) desKaban'- 
schen Kosakenheeres . i 

b. Trans - Kubanische 
Lander. 

linder, eingenommen Ton 
der 5., 6. und 7. Bri- 
gide, dem 24., 25., 26., i 
27.,demPssekup'sehen, ' 
Abin'schen, Adagum'- | 
sehen und dem Schap- | 
ssttg'schen Kllstenregi- I 
mente des Kuban'schen 
Kosakenheeres ... 
c. Lander, bewohnt Ton i 

Tscherkessischen Stammen. 

Pristtwschaft des Unteren 
Kuban ..... 

Prittawsehaft des Oberen 
Kuban 

S«hapssag* scher Bezirk . 

Abtdsechischer Bezirk . 

Bshedachischer Bezirk 

Unbewohnte (im J. 1864) ' 
Landpr am Ufer des 
Schwarzen Meeres, zwi- | 
»eben d. Flüssen Tuapsse 
und M^ymta .... 

Im ganzen Kuban'schen 
Landstriche .... 



8797,1 
8085,6 



14931,8 
42738,4 



29891,4 



2963,4 

3583,6 

1082,9 

1903,7 

959^0 

10"942~9 



225,77 
181,89 
167,10' 



^8,( 
883,99 



55.009 
65.434 
56.390 



137.319 



5,43 263,07 



6,04 
7,44 
6,97 



243,66 
369,90 
337,46 



314.152 



617,80 



61,96 

74,06 
22,87 
38,45 
19,82 
216786 



107.545») 



2.594 

22.564 

4.000 

41.978 

20.000 



9,90 
■7,8^ 



I 



91.136«) 



3,60 



0,88 

6,80 
3,70 
22,06 
2,02 
8,69 



^44,97 
355|66 



174,08 



42,86 

304,66 
178,84 

1066,96 
100,68 

~420,96 



3728,9! 77,07| 



86850,6 1794,09 512.833 6,17 < 298,61 

'] Em sind dlenn Oeo^r. Qundrat-MeUen, der zwelteo Berechnung Beraere über 
41* Dimeniiion dir Erd« zufolure. 

') In die Einwohnerzahl Jeden Krefsea eind die fremden Nomaden mit auf* 
RtDominen. 

*) In dieser Zahl 64.877 Seelen beiderlei Genchleehta Fremder, Trnehman'aeben, 
KirtcteUchen, Kalmykiarhen und Nnfryachen 8taromeH — ohne beatündlge Wohn- 
iltM ein hernmschwelfende« Leben fUhrend. 

*) Das h<>lsst Ton folgenden acht Regimentern, dem 1. und 8. Kaukaalaehen, 
1. and 5. Kuban'schen, 1. und 9. Htavroporscben, 1. und 9. Choplor'sohen. 

*) Klebt eingesehloasen ist die Elnwohnersahl des 97., des Pssekup*scben and 
SehapMug'sclien KQstenragImentea. 

*) Einwohnerzahl im Jahre 1868. 

Petermann's Oeogr. Mittheilungen. 1865, Heft IV. 



Im Kuban'schen Landstriche finden sich folgende Limane (See'n): 
Im Jeiskischen Bezirke: 

Gorkij (der Bittere) 21,9 QW. 

Tschelbaschischer, „Süsser" und „Runder" 51,9 
Lebiashij (Schwanen-) .42,2 

Chan*8cher Salzsee 63,9 

Im Taman'schen Bezirke: 

Aehtanisow'scher' 145,8 

„Tiefer" 33,0 

„Bitterer" 56,0 

„Süsser" 38,8 

Im Adagum'sehen Regim.: 

Kubanischer ') 151,9 „ 3,14 „ 

Kisil-tasch _^ 57,6 „ 1,19 „ 

662,0 0^.13,67 QMlnT 



0,46 QHln. 

l,w „ 

0,87 „ 

1,W „ 

3,00 „ 

0,68 „ 

1,16 „ 

0,79 „ 



Landestheile. 



Anadehn nng. 
QWerat. QMln. 



3. Ter'scher Lsnilslrleh. 
I. WestL MiliUr-Abtheil. 

1. Kabardinischer Bezirk 

2. Ossetiniscber Bezirk . 

3. Inguschew' scher Bezirk 

II. Mittlere MilitSr-Abth. ! 

4. Tschetschen' scher Bez. ') 

5. Argun'scher Bezirk . 

6. Itschkerinischer Bezirk 



I Dichtigkeit der 
I Einwohner- Bevölkemng 
isahIlmJ.18G9. auf die anf dt« 
I _^ QWerat. QMelle. 



I 



10446,9 215,09 



lU. Östl. Militär-AbtheU. 

7. „Qebirg8"-Bezirk . . 

8. Kumvk'scher Bezirk . 



4881,6 
J 109,2 

17437,0 

I 

3679,2| 

2167,2 

877,7 

6724,1 

1188,0 
4608,6 
5796,6, 



100,1 
48,69 



41.501 
49.864 
31.237 



Überhaupt in den Bezirken, 

des Ter'Hchen Landstr. j 29957,71 619,17| 
IV. Länder des Ter'schen ' 

Kosskenheeres *) . . 
Überhaupt im Ter'schen 

Landstriche .... 
Anmerkung. Ghrosse 
See'n giebt es im Ter'schen 
Landstriche nicht. 



3,07 I 192,99 
10,21 I 494,94 

14,81 716,68 

360,40' 122.602 7,08 '• 340,90 

76,04 

44,79' 

18,14' 

138,97j" 

24,66 

95,96< 

lT9,8Ö~ 



89.895 
18.430 
13.185 



111.510 

21.876 
28.640 



24,48 

8,60 

15,09^ 

16,58 

18,41 
6,11 



1182,90 
411,47 
726^ 
802,40 

890,97 
247,14 



45.416 

279.522") 

14053,61 290,46; 113.498 >) 



7,83 I 379,04 
9,88 I 451,46 
8,08 I 390,8 



44011,8 



909,69 



393.020 



8,88 



Im Ganzen in Cis-Kauk.!l9646l,4 4059,60| 1.262.524 

II. Tran8-Kaukasien.j | | 

1. Dai^hestan'seher Landstr., I 

L Nördlicher Daghestan. | | 

1. Naibschaft„amSBulak" 1226,9 25,S4< 11.551«) 

2. SchamchalschaftTarku 3329,9 68,81 27.796 

3. Mechtulinisches Chanat 419,0 8,66 15.192 

4. Bezirk Dargo . . . 1535,6 31,74 62.662 



6,48 



432,06 



310,94 



9,49 ! 455,7» 
8,61 ' 416,48 

28.80 1393,61 

40.81 1974,41 



i 6510,0, 134,66; 117.101 I 17,99 , 870,84 

') An der Mündung dea Knhan.Flnaaea. 

*3 Der TachetHchen'itche Bezirk besteht ana sechs NaTbschaflen. In fünf der- 
selben giebt es 9488.4 Quadrat- Werst oder 51,4A Quadrat- Meilen und IIMO Ein- 
wohner, so dass auf die Quadrat- Werst 30,94 oder auf die Quadrat-Meile 1497,t9 Ein- 
wohner kommen ; In der aeehaten NanMchaft, »der am Terek gelegenen", giebt es 
1 189,8 Quadrat-Werat oder 24,59 Quadrat-Meilen und 19.865 Einwohner, ao dass auf 
die Quadrat-Werat lO.si und anf die Quadrat-Meile 588,17 Einwohner kommen. 

•} Einwohnerzahl Im Jahre 1863. 

*) Das Ter'«che Koaakenheer (Tom Fluase Terek ao genannt) besteht ana dem 
1. ond 9. Wolga-, 1. und 9. Wladlkawkas-, 1. nnd 9. Ssansha-, dem GorakiJ- (»Qe- 
blrgs-"}. Moadok'achen, Qreben'aehen und Klsllar'sohen Reglmente. 

') JLn dieser Anzahl gab es 108.895 Seelen beiderlei Geschlechtes Tom Kosaken- 
stande, 1484 Seelen beiderlei Geschlechtes von verschiedenen Ständen nnd 31 10 See- 
len beiderlei Geschlechtes nomadlslrender getaufter Kalmyken, die znm Mosdok'* 
achen Reglmente gezühlt sind. 

*) Einwohnerzahl im Jahre 1868. 

16 



122 



Übersicht der Kaukasischen Statthalterschaft. 



Landestheüe. 



I Auidehnang. 
I QWerst QMln. 



I I Dichtigkeit der 
I Einwohner- ' Bevölkerung 
sahlim J. 1862. «nf die auf die 
! iQWertt QMeile. 



II. Mittlerer Daghestan. 
6. Gunib'Bcher Bezirk . 1 

6. Kasykumych'scher Bez. 

7. Awarischer Bezirk . I 

8. Andischer Bezirk . . j 



ni. Südlicher Dtghestan. 

9. Kaitacho-TabaBsarani- 
scher Bezirk .... 

10. KÜriniBcher Bezirk . 

11. Ssamur'scher Bezirk 



2151,7 44,47; 48.631 

18n,3[ 37,48; 31.245 

1549,l| 32,02* 28.656 

1372,8| 28 ,86| 29.4 34 

"6884,8 142,28 137.966 



IV. Oberer Dagheatan. 

12. Beshit'scher Bezirk 

13. Sakatarscher Bezirk 



2766.4 56,97 
2056,8 42,51, 

3062.5 63,29| 
7875,7~r6'277^ 



2238,0 
3965.2 



46,26, 
81,95 



Y. Berbent'sche Stadt- 
hauptmanDBchaft. 
Btadt Derbent und der 
Ulussische Magal . . 
Im ganzen Daghestan'scben 
Landstriche .... 
Anm. Im Daghestan'- 
scben Landstriche giebt es 
keine grossen See'n. 

2. Tifliser Goiivernemrnt. 

Kreise: 

1. Tifliser') .... 

2. Gorischer .... 

3. Telaw'scher . . . 

4. Ssignach'scher . . . 

5. Elisabethpoler . . . 

Bezirke : 

6. Gorskij („Gebirgs"-) . 

7. Tionef scher . . . 

Im Ganzen 

3. Baka'sches GoaTemem. 

Kreise: 

1. Bakn'scher .... 

2. Lenkoran' scher ^) . . 

3. Nncha'scher . . . 

4. Schemacha'scher . . 

5. Schuscha' scher . . . 

6. Kuba'scher . . . ._ 

Im Ganzen 

Anm. In diesem GouY. 

finden sich folgende See'n: 

Im Lenkoran'schen Kreise 

ein See ohne Namen 3) 

Im Kuba' sehen Kreise der 

See Ach-sabyr . . . 



6203,2 128,20 



216,0 4,46 14.131 



72.328 

31.790 

_30.654 

134.772' 

14.289 
52.588 
66^77~ 



22,60 
17,26 
18,60 
21,46 

20,04 



26,24 

15,46 

10,01 

~17,11 

6,88 
13,26 
10,78 



I 



1093,66 
834,69 
895,05 

1037,7» 
969,67 



1269,62 
941,47 
484,81 
827,98 

308,92 

J41,70 

521,64 



27863,7! 575,87 470.847 ; 16,90 817,62 



1 



9813,4 
5940,01 
2667,91 
4075,4 
12739,2. 
I 

3712,71 
3932,4l 



202,82! 

122,76! 
55,141 
84,28' 

263,80' 

76,78 
81,27 



169.194 

102.486 

44.162 

72.132 

131.852 

27.632 
29.808 



17,24 
17,25 
16,65 
17,70 
10,85 



834,91 
834,41 
800,92 
856,88 
500,79 



42881,0 



886,26; 577.267 



1447,8 29,91! 

11274,0{ 233,01, 

6485,7' 134,06' 

10817,8. 223,66! 

19866,4 410,59| 

7858,7! 162,42 



51.340 
102.084 
137.583 
174.832 
195.833 
119.635 



7,44 I 360,11 
7,68 I 366,76 
^651,36 



13,46 



57749,4 


1193,64 


30,5 


0,68 


22,0 


0,46 



781.307 



35,47 1716,86 
9,06 I 438,11 
21,21 1026,40 
16,16 782,01 
9,86 I 477,06 
1^5,22 1 736,68 
13,68 654,62 



4. Erlwai'schrs GooTemem. 

Kreise: 

1. Eriwan'scher . . . 

2. Alexandroporscher 

3. Nachitschewan' scher . 

4. Ordubater .... 

5. Neubajaseter . . . 

6. Etschmiadsiner . . 



52,5 



2564,6 
3193,2 
4982,1 
287l,8 
5440,7 
6552,7 



1,08 



53,00| 
66,001 

102,97' 
59,40 

112,46; 

135,48! 



91.202 
75.909 
51.963 
33.108 
70.184 
98.962 



Anm. In diesem Gouv 
findet sich im Neubaja 
Beter Kreise der See Gok 
tBchai oder Ssewanga . 



Im Ganzen | 25607,6 529,26 



1204,2 



24,88 



421.228 



35,62 
23,77 
10,48 
11,62 
12,90 
15,10 
T6,45 



171,88 
1150,21 
504,66 
557,84 
624,16 
730,78 
"795,9" 



•) Bei Berechnung des Tifliser Kreises ist derjenige Theil des Alexsndropol*- 
gehen mit aufgenommen worden, welcher ersterem hinzugefügt wurde, um die Lori- 
sehe PriBtawBcbsft zu bilden. Grosse See'n giebt es im Tifliser GouTerneinent nicht. 

*) Die Hugan'sche ßteppe im Lenkoran'schen Krefse fasst 8893,4 QWerst oder 
80,47 QMellen. 

*) Im Süden der Ifogan'schen Steppe, anf der linken Seite des Flusses Bolgoru- 
tschai. Das Bett dieses See's wird nar im Frühling und Herbst Ton Wasser erfWlt. 



Landestheüe. 



Ausdehnung. 
'. QWerst. QHln. 



5. Kntaiser Ueneral-Gouvem. 
Kreise: 1 

1. Kutai'ser 

2. Scharopaner. . . . | 

3. Ratschiner . . . . j 

4. Achalzycher . . . . ' 

5. Osurgeter .... 

Im Ganzen ' 
Anmerk. Im Kutaiser 
Gouvernement finden sich 
im Achalzycher Kreise fol- 
gende See'n: 

Tabiszchuri ' 

Toparawan I 

Hosapin-göl 

Hangaly-göl . . . . . 



I Dichtigkeit der 

Einwohner- BeTÖlkerung 

zahl im J. 1862. auf die auf die 

QWerst. QMeile. 



3774,6 
2894,1 
2652,0 
4878,7; 
1934,8 
r6l34,l 



14,6 
32,8 
22,1 
16,9 



6. Minprelien (mit den seiner 

Verwaltungunterworfencn, 

Landestheilen). | 

Hingrelien im engem Sinne. 1 

Bezirke : { 

1. Sngdidischer 

2. Ssenak'scher . . . | 

3. Letschgum'scher 
Pristawschaft Sswanethien 
Pristawschaft Ssamursakan 



85,8! 



78,01 1 
59,81 
54,81 

1 00,83 1 
39,99! 

333,46 

I 
I 

0,80 
0,67 
0,46 
0,85 
1' 78~ 



104.597 
82.330 
46.131 
62.314 
57.353 



127,71 
,28,46 
: 17,43 
112.77 



29,64 



1340,82 
,1376,48 
' 84],ß4 
618,00 
1434,27 



352.725 21,86 1057,79 



T.Abchasien (mit den zu sei-' 
ner Verwaltung gehörigen 

Theilen). 
Abchasien 
Zebeldinische Pristawschaft 



5898,9 121,92 183.576 31,12 1505,8 

! ' , j 

2209,41 45,66 6.044 | 2,74 ' 132,4 

1373,4 28,88j 23 .000 16^74 ' 810,8 

"9481,7 195,96 2l2.6i9~i^) 22^42 108ö,Ö 



3220,0 
2348,8 
5568,3 



I 



Länder zwischen dem Flusse 
Msymta und der Grenze 
Abchasiens, die frei ge- 
blieben sind nach Aus- 
wanderung in die Türkei 
vom GebirgSYolk der Mc-' 
deswüi oder Medowejew-j 
zen, d. h. der Stämme' 
der Dshigeten, Pss-chu, 
Achtschi Pss-chu undi 
Aibgi (Aibu) . . ^ ! 

Im Ganzen im Kutaiser 1 
General-Gouyernement I 

In ganz Trans-Kaukasien 187696,4 3879,43 2.894.993^ 

In ganz Kaukasien . . |3841ö7,8 7938,»3 4.157.517 

Allgemeine Übersicht 



2410,6 



66,66 

48,54| 

11Ö,09~ 



70.000^)21,74 
9.000*)! 3,83 



79.000 



14,19 



1051,8 
IS.*),* 
686,6 

I 



49,82 



33594,7 694,32| 644.344 



20,66 3)' 
15,42 , 
10,82~ I 



999,8 
746,26 
523,64 



I. Cis-Kaukasien. j 
. Stawropoler Gouvernem. 
. Kuban'scher Landstrich 
. Ter' scher Landstrich . 1 



65599-,6 1355,79' 
86850,6 1794,09 
44011,3! 909,621 



356.671 
512.833 
393.020 



5,48 
6,17 
8,98 



263,07 
298,61 
432,08 



Überhaupt in Cis-Kaukas. 196461,4 4059,60 1.262.524 l 6,48 310,94 



II. Trans-Kaukasien. 

1. Daghestan'schcr Landstr. 

2. Tifiiser Gouvernement 

3. Baku'sches Gouvernem. 

4. Eriwan'sches Gouvem. 

5. Kutaiser GouTcrnement 

6. Mingrelien mit Sswane- 
thien und Ssamursakan 



27863,7 575,87, 

42881,01 886,261 
57749,4'll93,64' 

25607,6 529,26 

16134,11 333,46 

I 

9481, 7 1 195,96 



470.847 
577.267 
781.307 
421.228 
352.725 



16,90 
|l3,46 
13,68 
16,46 
21,86 



I 

, 817,62 
: 651,86 
654,62 
I 795,90 
.1057,79 



212.619 ,22,49 1085,00 



I) Einwohnerzahl im Jahre 1860. 

') Die Einwohnerzahlen von Abchasien und der Zebeldinfsehen Pristawschaft 
Bind als annähernd zu betrschten, da an diesen Orten keine regelmässige Kameral- 
Beschreibung Statt gefunden hat. 

') Bei Berechnung der Bevölkemngs-Dichtigkeit sind die unbewohnten Gegen- 
den zwischen dem Flusse Msymta und der Grense Ahcbasiena nicht eingerechnet 



Übersicht' der Kaukasischen Statthalterschaft. 



128 



Landettheüe. 



7. Abcbasien mit Zebelda 
und den unbewohnten 
Liodern swischen der 
Grenze Abchuiens und 
dem Flusse Msyinta 



Au«d«hnttng. 
QWerit. QUln. 



Einwohner« 
EatallmJ.lSOS, 



Dichtigkeit der 

BevölIceruDg 

auf die auf die 

Q Werst. Quelle. 



7978,9; 164,91 



79.000 ! 14,19 I 686,5 



Im Ganzen in Trans-Kauk. 1187696,4 3879,4di 2.894.993 
la ganz Kaukaaien . .'384757,8,7938,93 4.157.517 

Anmerkung. Die Fläche der wichtigsten See'n in Kaukasien, die 
in dieser Tabelle berechnet sind, beträgt 1 953,5 QWerst oder 4 1,41 QMln. 



15,43 I 746,38 
10,83 i 523,G4 



n. Einwohnerzahl "von Kaukasien nach den Bell- 
gfons-BekenntnlBsen im Jahre 1862. 



Christliche Religions-Bekenntnisse. 



Landestheile ron 
Kaukasien. 



51- 
Orthodoxe ° S^ 






I? 



ll II 



I. 



•Sil 

1=1 



ilm Oansen 
Christen 



i4 ^ tu' 



I. Gis-Kftukaa. I 
l.Stanop. GoiiT.i 
S.Kaban. Lands tr. 
d.Tersch.Landst.' 
Zus. in C.-Kauk7 



252.2271 1.713 

411.951 8.330 

94.156 18.122: 



15.625 
80 



96' — 



,1007 1677 

I 11 1 



758.334 28.165= 15.801 — 1018,1678 



n. Trana-Kauk. 

1. Dagbestan'- | 
scher Landstr. • 

2. Tifliser Gouy. 1 

3. Baku. Gouvem. ' 
I.Eriw. GouTemJ 

5. Kuta'iser GouT.j 

6. Mingrelien . 

7. Sswanethien { 

8. Ssamursakan i 

9. Abchasien . 

10. Zebelda . 



I 



I 



195 — I 489| 

352.902' 8.567| 95.524| 

996 12.900 120.881 

2.1121 3.352 225.477 

282.190 3.617 33.184 

183.575! — 



6.044 

23.000 

5.705 



1.986 18791 3810 
— I 582 289 
3.392' — 
7.494 



^72.249 
420.337 
112. 374 
864.996 



684 

464.687 

135.648 

234.333 

326.485 

183.575 

6.044 

23.000 

5.705 



InganzTr.-Kauk., 856.71928.436 475.555;i 2.872 2 461 4.099 1.3 80.16 1 
In ganz Kaukaaienir6i5^53y56r6Öl|49L356| 12.872 3479,5.777|a.l85.157 



Xicht-christliche Beligions- 
Bekenntnisse. 



Mtissul- 
munen 



Jaden Helden 



lim GanMn'^"^ '^ Chrl-' Auf 100 Ortho- 
I Jrv; |sten kommen jdoze kommen 
1 OhJf-*-« Nicht- Anders- 

I Christen Christen 



LCia- 
Kaukas. 

1. Siawr. 

2. Kaban. 
S.Ter'sch. 

In ganz 
C.-Kauk. 

n. Tr.- 
Kiukas. 

1. Dagh. 

2. Tiflis. 

3. Baku. 

4. Eriw. 

5. Kuta'is. 
8. MingT 
7. Sswan. 
S. Ssam. 
S.Abchas. 
10. Zeb. 



I 
77.053 
92.460 — 
280.646' — 



9l 7.360 ») 



84.422 

92.460 

280.646 



450.159 



9 7.360 I 457.528; 



31 

22 
250 

57 



glftuhlge 



8 

2 

19 



4C8.503 
110 075 
638.94G 
182.709 
20.364 



1.610 
1.905 
6.7111 
27, 
5.876 



64.295 

9.000 






2>) 
4.159 3) 






470.113 


— 


112.580 


24 


645.659 


476 


186.8951 


80 


262.240 


8 



32 



16 






64.295 
9.000 



In ganz , , 

Tr-Kauk. 1.494.492 16.129 4.161 1.514.782 105 



61 



In ganz < ! 

Kaukas. 1.944.651 16.138 11.521 {1.972.310, 90 



36 



') Kalmyken boddhlsUscher Religion. — *) Feaeranbeter. — *} Jesfden. 



m. Städte - Bevolkerting Kaukasiena. 

^ 1 Auf 100 Bewohner 



_, . .Oberhaupt kommen 
Einwohner- ßudtbewohner Im 
zahl. ! Gouvernement oder 
Beslrk 



I. Cis-Kaukaslen. 
1. Stawropoler GouTernement. 

1. GouTemements-Stadt Stewropol 17.363 " 

KrelsStiidte : { { 

2. Piatigorak 6.350 

3. KiflUar . .' . . . . 1 8.585 j 
StJUIte ohne Kreis- oder sonstige Verwaltung: , j 

4. Georgiewsk ; 4.515 | 

5. Moedok I 10.895_ 

In Allem ^ | 47.708 I 
2. Kubanischer Landstrich. 

1. Stadt Jekaterinodar .... 9.504 | 

2. SUdt Jeisk ! 16.747 j 

3. Stadt Temrink . '. . . . 6.41 8j __ 

32.669^ 6,r 

, Ter'scher Landstrich. 

3.558 I 



Stadt Wladikawkas 



In Allem in Cis-Kaukasien 



„ 3-558 
~83.93ö~ 



II. Trans-Kaukaaien. 
4. Baghestan'scher Landstrich. 

Stadt Derbent ' 11.431 

Stadt Fetrowsk (keine Nachrichten über i 
Einwohnerzahl Torhanden). I 

5. Tifliser GouTemement. 

1. Gouvernements-Stadt Tiflis . 60.776 

Krels-StXdte: 

2. Gori 4.482 

3. Telaw 7.003 

4. Saignach 9.008 

5. Elisabethpol . . . . ^ J 15.191 

I 96.460 
6. Baku'sches GouTemement. 



Gouyernements-Stadt Baku 
Krels-StJidte: 
Schemacha 
Kuba . 
Schuscha 
Lenkoran 
Nucha . 



13.892 

25.148 
10.773 
20.297 
4.816 
20.533 



j 94.959 
7. Eriwan'sches GouTemement. 



GouTomements-Stadt Eriwan . 

Kreis-St&dte : 
Kachitschewan 
Ordubat . . . 
Alexandropol 
Neu-Bajaset .... 



12.170 

6.189 

4.001 

14.935 

4.160 



! 41.455 I 
8. Kuta^'ser Gouvernement. 
Gouvernements-Stadt Kutais . . . i 4.522 
Kreis-Stüdte : 

Achalzych -. ' 14.722 

Osurgeti (keine Nachr. üb. Einwohnerz. vorh.) — 

Achalkalaki : 1.339 

I 20.583 

9. Mingrelien. 

Stadt Poti I — 

Stadt Bedut-kal6 . . . . * . | 

10. Abchasien. 
Stadt Ssuchum-kaU . . . . ! 
Im Ganzen in Tr.-Kauk. (ausgen. die Bevölk.| 

der Städte Fetrowsk, Osurgeti undFoti) 
In der ganzen Kaukasisch. Statthalterschaft, 



385 



304 I 



16,4 



0,9 



6.6 



20,1 



12,3 



10,9 



265.577 ■ 
349.512 i 


9,3 
8,4 


16» 





124 



Übersicht der Kaukasischen Statthalterschaft 



IV. Ansahl der bewohnten Punkte im Kaukasus. 



I 



I 



W^^' B« 









Stawropoler OoaTeraem. 
Kuban'scber Landstrich 
des Kubanischen Kosaken- 
Heeres 

Ter'scher Landstrich . 

a. in den von Oebirgs- | 
stamme;i eingenommenen 
Landern, d. h. in den 
Bezirken (okrug) . . 

b. des Ter'schen Kosaken- 
Heeres 



L Ois-Kaukasien. 

5 2 : 6i 63 



77 — — 



-0 



I 



— — ! — — 197 3654 

- 11 - - -• — 



Im Ganxen in Cis-Kankasienl 9 2 



796 — — — 

— 77 105^ 418_ 
873274 3759 418 



63 



II. Trans-Kaukasien. 



1. Daghestan'scherLandstr. 

2. Tifliser Oonvemement . 
8. Bakn'sches Gouvernement 

4. Eriwan'sches Gouvernem. 

5. Kutai'ser GouTemement 

6. Mingrelien 

7. Sswanethien .... 

8. Abchasien 

.9. Zebelda^) i — 

10. Ssaraursakan *) . . . — 

Zusammen in Trans-Kaukas. | 26 
Zusammen im ganzen Kauk. ' 35 



— —1 _ ;ii89 — — I — 

3 8 970 761 — — — 

— — — 1695 — — 2188 
_ — — 1103 — — 33 ») 

— — _ 874 — — — 

4 _ — 249 — ; — ; — 



I 



_7 8J^ 970 5966 — — '2221 

T I5~niär683¥274~3"759 2639 



Die ßtatistischeu Tabellen der Kaukasischen Statthalter- 
schaft sind auf folgender Grundlage zusammengestellt: Die 
Ausdehnung der Landestheile ist den von mir im J. 1861 
berechneten Tabellen entlehnt^), Landestheile aber, deren 
administrative Eintheilung verändert worden, wie der Kubani- 
sche und Ter'sche Landstrich, gleich wie das Grenzgebiet 
des Tifliser und Eriwan'schen Kreises, sind von mir neu 
berechnet worden. 

Schwierig ist es, die Genauigkeit der die Ausdehnung 
der Landestheile bezeichnenden Zahlen positiv zu bestimmen, 
doch können wir uns versichert halten, dass sie nicht ge- 
ringer ist als die im Allgemeinen für die Elächenausdehnung 
der Gouvernements im Europäischen Bussland existirende '). 
Die letzteren sind nach der lOwerstigen Karte des Gene- 
ral Schubert berechnet, deren Genaui^eit für viele Gou- 
vernements (im Norden und Osten) hinter der der lOwer- 
stigen Karte des Kaukasus zurücksteht. 

Mit Beendigung der neuen Karte des Kaukasus wird 
die Möglichkeit geboten sein, den Elächeninhalt des Landes 
genauer zu berechnen. Nach allmählicher Beendiguiig der 






I Keine Nacfaricbten Torbanden. 

J Knrdlscbe Nomadenlager. 

i\ 4)^ •) Qenaae Macbrichten Über die DorfzabI feblen. 

•) Diese Tabellen sind im 3. Bande der Memoiren der Kankaslacben Sektion 
der Kaiserl. Ruaa. Oeogr. Qeaellscbaft gedmckt In der ibnen beigegebenen Er- 
Ufimng sind die matbematiaohen Metboden beacbrieben, denen ich bei Berecbnang 
der Fläcben folgte. 

1) Hiervon nehmen wir nnr die Gourernements aui , In welchen militftrlseh- 
topographlsehe Aufnahmen gemacht oder Kartenwerke des Meascorps hergestellt 
worden sind. 



Katastral-Vermessung der Landestheile wird ihre Grösse mit 
möglichster Genauigkeit £xirt werden. 

Das zweite Element unserer Tabellen bildet die Bevöl- 
kerungszahl. Eür Landestheile, die unter der Civil- Verwal- 
tung stehen, ist die Einwohnerzfiihl aus den von den Gouver- 
neuren für das Jahr 1862 eingereichten Berichten ent- 
nommen. Schwer ist es, die Genauigkeit dieser Zahlen zu 
bestimmen. Sie fussen auf den früheren Kameral-Beschrei- 
bungen und den Angaben über den alljalirlichen Zuwachs 
der Bevölkerung seit der im Jahre 1863 geschehenen Ab- 
fassung der enteren. Wahrscheinlich stehen die früheren 
Kameral-Beschreibungen in Genauigkeit den neuesten nach 
und der Zuwachs ist in der christlichen Bevölkerung ge- 
nauer angegeben als in der mussulmanischen. 

Li jedem Falle kann man, wenn man den Zweck der 
Kameral-Besclircibungen im Auge hat, versichert sein, dass 
die in ihnen angegebenen Zahlen kleiner als die wirklichen 
sind. 

Eür diejenigen Landestheile, welche noch keine voll- 
kommene Civil - Verwaltung besitzen und keine Kameral- 
Beschreibungen aufzuweisen haben, als Mingrelien, Sswa- 
nethien, Ssamursakan und Zebelda, sind die Bevölkerungs- 
zahlen aus den von den Lokalchefs zusammengestellten 
Verzeichnissen entnommen — und diese Zahlen dürfen nur 
als annähernd angesehen werden. 

Was nun die unter der Militär -Verwaltung stehenden 
Landestheile botrifift, so ist die Bevölkerung der Kosaken- 
Länder den o£&ziellen Berichten für das Jahr 1862 ent- 
liehen. Diese Bevölkerungszahlen darf man für vollkommen 
genau ansehen, da über die Volkszählung und deren Zu- 
wachs richtige Eechnung gefuhrt wird, zumal sie in den 
Dienstangelegenheiten der Kosaken-Heere ihre Bedeutung hat. 

Die Bevölkerungszahlen für die Bergvölker desDaghestan'- 
Bchen, Ter'schen und Kubanischen Landstriches sind der 
Tabelle entnommen, welche in der für Verwaltung der 
Kaukasischen Bergbewohner bestehenden Kanzlei zusammen- 
gestellt wurde. In der Erklärung zu dieser Tabelle heisst 
es : „Alle Nachrichten über die Bevölkerung des Daghestan'- 
schen Landstriches sind bloss annähernd ; sie wurden durch 
Über^ihrung der Hofzahl in die Anzahl der Seelen erhal- 
ten, wobei in jedem Hofe 4,5 Seelen beiderlei Geschlechts 
angenommen wurden. Als Quelle dieser Data dienten die 
im Jahre 1864 vorgelegten offiziellen Berichte der Chefs 
in den verschiedenen Theilen des Daghestan. Die Bevöl- 
kerung des Sakatarschen Bezirkes, der früher unter der 
Civil -Verwaltung stand, ist nach der letzten Kameral- 
Beschreibung aufgeführt worden. Weniger Vertrauen ver- 
dienen die Bevölkerungszahlen des Beshit'schen Bezirkes; 
so ist in der Liste der Bevölkerung die Zahl der Höfe fiir 
25 Dörfer aus der Gesammtzahl von 144 nicht angegeben 



Übersicht der Kaukasischen Statthalterschaft. 



125 



und diese daher nach der Mittelgrösse der Volksmenge der- 
jenigca Dörfer beroclinet, wo solche angeführt ist Die 
GebirgsbeTÖlkeruDg des Ter'schen Landstriches ist nach den 
ofGiziellcn Berichten angegeben. In einigen derselben ist 
ausser der Hofzahl auch die Seelenzahl bezeichnet; wo letz- 
tere fehlt, ist sie durch Kombination festgestellt worden. 

^e Zahl der Gebirgsbewohner des Kuban'schen Land- 
striches, die auf die Ebene übersiedelten, stammt aus dem 
Berichte des Chefs des Landstriches, in welchem die Zahl 
der männlichen Bevölkerung bezeichnet war. TJm die ganze 
Tolkszahl zu erhalten, wurde letztere verdoppelt. Die Zahl 
der Karatschajewzen haben wir aus dem Berichte der ört- 
lichen Behörde." 

Aus der vorstehenden Erklärung ist ersichtlich, dass die 
Bevölkerungszahlen der Landstriche (mit Ausnahme des 
Eosakenstandes in denselben) nur annähernd sind und nicht 
aufregelrechteü Volkszählungen, sondern auf Daten beruhen, 
welche von den örtlichen Behörden gesammelt wurden. 

Sehr verständlich ist es, dass, da der Frieden erst seit 
Xorzem in diese Gegend eingezogen und der Charakter der 
Bewohner sie zum Misstrauen verleitet, noch (mit sehr we- 
nigen Ausnahmen) keine Kamcral-Beschreibungen gemacht 
werden konnten. Im gegenwärtigen Augenblicke, in wel- 
chem die Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand gerichtet 
ist und man die Absicht hat, unter den Gebirgsbewohnern 
eine regelmässige Yertheilung des Bodens vorzunehmen, 
was zum Theil schon in Angriff genommen ist, wird sich 
die Möglichkeit bieten, richtigere statistische Angaben zu 
sammeln. 

Aas vorstehenden statistischen Tabellen erlauben wir 
uns einige Schlüsse zu ziehen: 

1. Dem Areal nach beträgt die Kaukasische Statthalter- 
schaft Vn des Europäischen Eussland, Va« seiner Asiati- 
schen Besitzungen und ^/^^ des ganzen Bussischen Reiches, 
der Bevölkerung nach Vi 4 des Europäischen Russland, y^ sei" 
ner Asiatischen Besitzungen und % o des ganzen Russischen 
Reiches. 

2. Ein Theil von Kaukasien steht unter militärischer 
Verwaltung, und zwar der Kubanische, Ter'sche und Da- 
ghestan'sche Landstrich, die dem Areal nach 3279,6 Quadrat- 
Meilen mit einer Bevölkerung von 1.376.700 Seelen beiderlei 
Geschlechtes ausmachen, d. h. dem Areal nach Vs nnd der 
Bevölkerung nach ^Vioo oder fast Va von der ganzen Kau- 
kasischen Statthalterschaft. 

3. Die Dichtigkeit der Bevölkerung von Kaukasien be- 
trägt 524 Einwohner auf der Quadrat-Meile, weniger als 



') Um diesen Vergleich anzustellen, wurden die auf das Europai- 
»ehe Eussland sich beziehenden Zahlen der neuesten statistiehen Arbeit 
^er Ruesland entnonraien: „Bevölkerung des Russischen Kaiserthums, 
Ton A. T. Buaehen Gotha 1862". 



im Europäischen Bussland, wo 689 auf die Quadrat-Meile 
kommen. In Trans - Kaukasien aber giebt es mehr (746) 
Einwohner als in beiden. 

Betrachten wir die Dichtigkeit der Bevölkerung des Kau- 
kasus nach den Landestheilen einzeln, so schwankt sie von 
1974 Einwohnern auf der Quadrat-Meile (Dargo'scher Bezirk 
im Daghestan) und 1719 (der Eriwan'sche Kreis) bis 161 
(der Piatigorskische Kreis) und 42 hinab (Unter-Kuban'sche 
Fristawschaft im Kuban'schen Landstriche). 

Der Bevölkerungs-Dichtigkeit nach nehmen die Landes- 
theile folgende Ordnung ein: 

Zahl der Bewohner 
aof^le QMe!le._ 

. . iööö 
1058 
818 
796 
686 
655 
651 
451 
299 
263 



1. Mingrelien 

2. Kutai'ser Gouvernement . . '. 

3. Daghestan'scher Landstrich .... 

4. Eriwan'sches Gouvernement .... 

5. Abchasien 

6. Baku'sches Gouvernement .... 

7. Tifliser Gouvernement 

8. Ter*scher Landstrich 

9. Kuban'scher Landstrich 

10. Stawropoler Gouvernement .... 

Die Dichtigkeit der Bevölkerung giebt überhaupt eine 
Idee von der auf jeden Einwohner kommenden Menge Lan- 
des, der Kaukasus aber besitzt die Eigenthümlichkeit, dass 
grosse Landstrecken völlig der Kultur unzugänglich sind, 
wie ein grosser Theil der Hauptkette des Kaukasus und 
des Kleinen Kaukasus oder ausgedehnte wasserlose Steppen, 
von denen nur ein Theil bewässert werden kann und der 
Bearbeitung fähig ist. Daher sind verschiedenartige Strecken 
derselben Gegend sehr ungleich besiedelt. 

4. In der Kaukasischen Statthalterschaft giebt es — 
mit Ausnahme von Abchasien, der Zebelda, des Ssamursakan 
und der Tscherkessischen Bezirke des Kuban'schen Land- 
striches — 86 Städte, 9 Flecken, 15 Deutsche Kolonien, 
7951 Dörfer, 274 Kosakenstanizen und mehr denn 3000 Ki- 
bitken von Nomaden-Yölkem. 

Die Stadtbevölkerung von Kaukasien beträgt 8,4 Prozent 
der ganzen Einwohnerschaft. Das stärkste Yerhältniss von 
20 Prozent kommt auf das Tifliser Gouvernement, während 
im Europäischen Russland die Stadtbevölkerung 5 Prozent 
der ganzen Bevölkerung ausmacht. 

5. In der zweiten Tabelle ist die Bevölkerung des Kau- 
kasus den Beligionen nach aufge^ihrt. Aus dieser Tabelle 
ersieht mau, dass in Cis-Kaukasien 758.334 Seelen beiderlei 
Geschlechtes orthodoxer Religion leben, Christen überhaupt 
804.996, Nicht-Christen 458.528, unter denen 460.159 Mo- 
hammedaner. So kommen auf 100 Einwohner christlichen 
Glaubens 57 Nicht-Christen. 

In Trans-Kaukasien giebt es 856.719 Seelen beiderlei Ge- 
schlechtes orthodoxen Glaubens, Christen überhaupt 1.380.161, 
Nicht-Christen 1.514.782, worunter 1.494.492 Mohammeda- 
ner, so dass auf 100 Christen 105 Nicht-Christen kommen. 



126 



Der Nil und das Baer'sche Gesetz der Uferbildang. 



Im ganzen Lande leben 1.615.053 Einwohner ortho- 
doxen Glaubens, Christen überhaupt 2.185.157, Nicht- 
Christen 1.972.310, darunter 1.944.651 Mussulmanen , so 
dass es auf 100 Christen 90 Nicht-Christen giebt. 

Aus der zweiten Tabelle können wir ziemlich annähernd 
die Bevölkerung nach den Volksstämmen berechnen. 

So erhalten wir für den Kussischen Stamm eine ziem- 
lich richtige Zahl, wenn wir im Stawropoler Gouvernement, 
in dem Ter'schen und Kubanischen Landstriche die Menge 
Bewohner orthodoxen Glaubens und der Sektirer wie in 
Trans-Kaukasien die Anzahl der Sektirer nehmen. 

Zum Grusinischen Stamme ziehen wir die orthodoxe 
Bevölkerung des Tifliser und Kutaiser Gouvernements, Min- 
grelien und Sswanethien» wie die Mohammedaner des Ku- 
taiser Gouvernements heran, welch' letztere, wie bekannt, 
zu diesem Stamme gehören. Armenier sind die Bekenner 
des Armenisch-Gregorianischen und Armenisch-katholischen 
Glaubens. 



Dem Tatarischen Volksstamme gehören die Mohammeda- 
ner Trans-Kaukasiens an, mit Ausnahme derer im Kutaiser 
Gouvernement. 

Auf Grundlage dieser Betrachtung erhalten wir: 

In ganz Xaakasien: 
Russen . 814.935 S. b. G., was 19,6 Proz. der Gesammtbavölk. beträgt, 
Grusiner 835.830 „ „ „ „ 20,1 „ „ 
Armenier 504.228 „ „ „ „ 12,1 „ „ „ „ 

Tataren . 932.330 „ „ ,. „ 22,4 „ „ 

Gebirgsvölker giebt es im Ter'scheu und Daghestan*schen 

Landstriche (Kabardiner, Osseten, Tschetschenen, Lcsghiiier, 

Kumyken u. a.): 

748.149 Seelen b. G., was 18,0 Froz. der Gesammt-Bevölker. betragt. 

Adighe (Tscherkessen) leben im Kubanischen Landstriche : 
92.460 Seelen b. G., was 2,9 Proz. der Gesammt-BcTÖlker. beträgt. 

Abasinzen (Abchasen, Ssamursakaner und Zebeldiner): 
102.000 Seelen b. G., was 2,6 Proz. der Gesammt-Berölker. beträgt. 

Bewohner anderer Stämme, als Deutsehe, Griechen, 
Juden u. a., lassen wir ihrer unbedeutenden Zahl wegen 
fort. 



Der Nil und das Baer'sche Gesetz der üferbildung. 

Von Dr. G. Schweinfurtk. 



Für die y. Baer'sche Theorie einer Zunahme oder resp. 
Abnahme der Botations - Geschwindigkeit meridional sich 
bewegenden Stromwassers lieferten die Flüsse Europa's zahl- 
reiche Beweise und namentlich waren es die des Europäi- 
schen Kussland, welche die Erscheinung eines einseitigen 
Hindrängens ihrer Gewässer in so deutlicher Weise zu er- 
kennen gaben, dass sie Vielen auffallen musste, bevor einer 
der hervorragendsten Naturforscher, welche je auf jenem 
Gebiete thätig' waren, die geniale Erklärung zu geben 
wusste. Mit dieser, nunmehr einem ziemlich sieher ge- | 
stellten Naturgesetze, würde es aber übel bestellt sem, falls 
der Nil, dieser längste Strom der Erde, dessen Fluthen apf 
einer Distanz von mindestens 450 Deutschen Meilen eine 
konstant nördliche Kichtung anstreben, sich damit nicht in 
Einklang bringen licsse, zumal da er, in seinem unteren 
Laufe durch ein von Felsen scharf begrenztes, 3 bis 4 Deut- 
sche Meilen breites Thal mit einer durchschnittlich 2 Deut- 
sche Meilen breiten Alluvialfläche strömend, das von der 
Natur besonders zur Beobachtung eines solchen Gesetzes 
begünstigte Terrain darzubieten scheint. In der That er- 
scheint auch der Nil als ein solches, wenn man auf der 
Strecke von Assuan bis Kairo das an den meisten Stellen 
hart an die östliche Thalwand hingedrängte Strombett be- 
trachtet, wenn man beriicksichtigt, dass die grösste Wasser- 
menge in seinem östlichen (dem Damietter) Arm dem Meere 
zuströmt, dass die Wüste von Osten her vordringt und dass 



schliesslich auch ältere geographische Überlieferungen mit der 
noch gegenwärtig wirksamen Erscheinung übereinstimmen. 
Letztere ist an solchen Stellen am deutlichsten erkennbar, 
wo der Strom am striktesten die nördliche Eichtung bei- 
behält; an der grossen westlichen Biegung zwischen Kench 
und Girgeh dagegen und den zahlreichen kleineren bei 
Achmim und in der Gegend von Siut, zwischen Talitah 
und Manfalut, zeigen sich auch auf der östlichen Seite 
breite Kulturstriche und die Hügelgehänge, welche daselbst 
das Nil -Thal begrenzen, vielleicht noch nie vom Strome 
berührt, müssen füglicli als alte, vor Existenz desselben be- 
reits vorhandene Niveau-Differenzen betrachtet werden. 

Indess scheinen zwei Thatsachen von dem genannten 
Gesetze eine Ausnahme zu bilden; es wäre dann eben kein 
Gesetz mehr, sondern bloss eine Regel. Diese scheinbaren 
Ausnahmen bestehen erstlich in der auffallenden Breite des 
Nil-Thales zu beiden Seiten des Stromes zwischen Theben 
und Keneh und dann in der lokalen Erscheinung der durch 
die abspülende Kraft des Stromes gefährdeten Lage meh- 
rerer am linken Nil-Ufer befindlichen Städte Äg}-ptens. Ich 
will es versuchen, beide mit dem v. Baer'schen Gesetze in 
Einklang zu bringen. 

Bei Keneh schlägt der Nil plötzlich eine westliche Bich- 
tung ein, die er ziemlich gerade bis Girgeh beibehält 
Bringt man das Gesetz einer vermehrten Rotations- Geschwin- 
digkeit des Wassers auf diese über 11 Deutsche Meilen 



Der Nil und das Baer'scbe Gesetz der Uferbildung. 



127 



lange Strecke in Anwendung, so läset aick davon eine, wenn 
auch noch so unbedeutende und bald durch das Gefalle 
überwundene, Vermindcning der Stromgesch windigkeit ab- 
leiten. Eine solche müsste aber nothwendiger Weise eine 
Aufstauchung des Wassers oberhalb Eeneh zur Folge haben. 
Dieser Paktor, wenn auch numerisch von geringfügigem 
Verthe, erscheint indcss im Nil-Thale, wo jeder Zoll einer 
vermehrten Wasserhöhe bedeutenden Einfluss auf die Be- 
wässemng des Landes ausübt, nicht unwesentlich und 
konnte im Laufe von Jahrtausenden eine Quelle der Erwei- 
terung des Alluviums abgeben. In der That sehen wir 
den Umfang des Kulturlandes an dieser Stelle beträchtlich 
gegen die nördlichen und südlichen Partien des Thaies er- 
weitert, zugleich begünstigt durch die Verflachung des öst- 
lich gelegenen Pelsenterrains und die häufiee Verzweigung 
breiter Thalmündungen. 

Die meisten Städte und grösseren Ortschaften des Nil- 
Thaies in Ägypten sind am linken Ufer erbaut, denn sie 
entstanden aus Stapelplätzen für die von jener Seite herbei- 
geschafften Kulturprodukte des Landes ; am rechten befinden 
sich ausser dem von schönen Kulturen und Gärten umgebe- 
nen Achmim (dem alten Chemmis) nur Assuan, Luxer, 
£eneh und Kairo, ersteres von südlichen, die letzteren drei 
Ton östlichen Karawancnstrassen wichtige Ausgangs- oder 
Knotenpunkte. Viele von den Orten der linken Seite, z. B. 
Feschn, Abu-Girgeh, die Ruinen von Kynopolis, Kusieh 
'Cusae), Siut (Lyconpolis), Hypsele, Abutig (Abotis), Talitah 
(Hisopis), sämmtlich auch im Alterthum Plätze von Bedeu- 
tung, liegen gegenwärtig in bedeutender Entfernung (bis 
'2 Stunde weit) vom Flusse. Alle waren sie doch gewiss 
hart am Ufer erbaut, aber heute müssen zahlreiche Last- 
thiere die Produkte zu den Schiffen tragen und viele von 
diesen Stapelplätzen gerathen deswegen in Verfall, während 
neuere, z. B. Minieh, Eodah, SsuhSg u. s. w., wegen be- 
quemerer Lage schnell aufblühen. 

Andere Städte und Plecken hingegen, namentlich Girgeh, 
Kulassaneh, Bibeh und Benisuef, zum Theil gleichfalls von 
hohem Alter, stehen mit ihren vom Strom unterwühlten 
Fundamenten ebenfalls hart am linken Ufer und würden 
das Gegcntheil von dem, was jene erstgenannten, beweisen, 
falls die stets gleichmässig arbeitenden Naturgesetze uns 
nicht auch hier die nöthigen Fingerzeige gäben. 

Die genannten Plätze liegen nämlich an solchen Stellen, 
wo der Xil nach Westen zu konvexe Biegungen macht 
Bas Wasser, welches naturgemäss wegen der grösseren Ge- 
schwindigkeit seiner Theile auf der konvexen Seite das 
linke Ufer hier stärker bespült als das rechte östliche, ar- 
beitet so indess nur bis zu einem von der Zeit bedingten 
Grade. Wenn nämlich das nördliche und das südliche Ende 
eines solchen Bogens zu weit nach Osten vorgerückt sind, 



so dass der Koefficient des Stromgefalles den der beschleu- 
nigten Wasserbewegung am linken Ufer des Bogens über- 
wiegt, bildet sich femer mit der Zeit aus dem von diesem 
Ufer entnommenen Material eine Bank in der Mitte des 
Flusses, dann wird die Hauptströmung mehr und mehr 
durch den östlichen Arm gehen, der andere dagegen all- 
mählich verflachen. Der Beweis für diese Annahme findet 
sich in der That an fast allen nach Westen gekehrten Bie- 
gungsstellen des unteren Nil-Laufes und häufig genug fand 
ich während meiner langwierigen dreimaligen Nil -Heise 
Gelegenheit, mich von der Bildung solcher Bänke zu über- 
zeugen, wo fast ohne Ausnahme das tiefere Fahrwasser, also 
der Hauptstrom, auf der östlichen Seite vorüberführte. 

Beifolgende drei Schemata sollen den Vorgang noch 
anschaulicher machen. Bei A befinde sich das Hindemiss, 



e K 




welches den Strom ursprünglich zu der westlichen Biegung 
veranlasste,^ bei B sei die Stadt gelegen. Das erste Schema 
zeigt uns den Anfang des Vorganges, das zweite die Ver- 
mehrung des Stromes auf der westlichen Seite des Bogens, 
welcher durch östliches Hinrücken seiner Enden erweitert 
wurde, das dritte die Bewältigung des Hindernisses, die 
Stromveränderung und Bildung einer Alluvion in der Tiefe 
des Bogens. 

Eine Zusammenstellung sämmtlicher Daten der alten 
Geographie Behufs einer kritischen Vergleichung des im 
Laufe der Zeit veränderten Stromlaufes, wie wir eine solche 
gegenwärtig vom Rheine besitzen, wäre allerdings zur ge«- 
naueren Piütiing dieser Annahmen erforderlich, überhaupt 
aber erschiene eine solche von grösstem Literesse für die 
physikalische Geographie des Nil-Thales. Die vorhandenen 
Karten bieten leider nur für den Stromlauf an und für sich 
detaillirte Aufnahmen dar, während die Konfiguration der 
Ufergehänge in rohester Weise wiedergegeben ist. Könnte 
man erst das graduelle Vorrücken des Nilbettes nach Osten 
auf ein numerisches Maass reduciren, so würde man mit 
Berücksichtigung der mittleren Distanz der beiden Thal- 
wände eine ziemlich genaue Vorstellung von dem Alter des 
Landes erhalten, dessen alte historische Überlieferungen und 
die im tiefen Alluvium begrabenen Spuren frühester mensch- 
licher Kultur dasselbe ausserdem noch zu einem äusserst 
günstigen Torrain für das Studium der Entwickelungs- 
geschichte unseres Erdkörpers gestalten. Dann würden wir 
auch erfahren, falls die Hypothese von einer ehemaligen 
Ausmündung des Nil in das Rothe Meer, wo der Bereniker 
Golf gleichsam eine Limanbildung dargestellt haben würde, 
ihre Berechtigung hätte, wann derselbe die nördliclie Richtung 



128 



Geographisches Material aus den Brasilianischen Südprovinzeu. 



weiter verfolgte. Zum Studium der aus dem y. Baer'echen 
Gesetze zu ziehenden Konsequenzen erscheint gewiss kein 
Strom der Welt geeigneter als der Nil, welcher bei der 
Einförmigkeit seiner Terrain -Beschaffenheit, der konstant 
nördlichen Bichtnng, dem Mangel an Nebenflüssen u. s. w. 



eine in weit geringerem Grade verwirrende Anzahl von 
Komplikationen darzubieten scheint als beispielsweise die 
nordischen Ströme, welche wiederum durch schnellere Zu- 
nahme der Rotations-Geschwindigkeit ihrer von Süden her 
bewegten Gewässer ausgezeichnet sind. 



Geographisches Material aus den Brasilianischen Sudprovinzen. 

Gesammelt von Woldemar Schultz. 



Während meiner 1 5monatlibhen Beise durch die Brasilia- 
nischen Provinzen Säo Pedro do Rio Grande do Sul, Santa 
Gatharina und Parana war mein Bestreben besonders dahin 
gerichtet, geodätisches Material zu sammeln, um den Ent- 
wurf einer Karte der genannten Gebiete und die £inzeich- 
nung der zahlreichen Deutschen Kolonien in dieselbe möglich 
zu machen. In den Bureaux der Landämter von Rio Grande 
und Santa Gatharina, zu Porto- Alegre und Desterro, fand ich 
einige zusammenhangslose Manuskript - Karten und Pläne 
von einzelnen Distrikten der genannten Provinzen. So weit 
mir Zeit und Kraft erlaubte, suchte ich, unterstützt von 
meinem Begleiter, die vorhandenen Lücken in diesem Ma- 
terial durch Kartirungen zu beseitigen. Vorwiegend in 
dieser Absicht legte ich einen Landweg von 600 Leguas 
zurück, besuchte fast alle Deutschen Kolonien, drang bis 
S. Boija am Uruguay vor und beschloss meine Reise in 
Paranagua, nachdem ich das Randgebirge des Hochlandes, 
die Serra Geral, an verschiedenen Punkten vier Mal über- 
schritten hatte. Auf diesem Zuge croquirte ich einen 
grossen Theil der Reiseroute ; ausserdem gelang es mir aber 
auch, eine nicht unbeträchtliche Menge geographischer No- 
tizen zu sammeln. Dadurch wurde es mir möglich, eine 
Karte von den genannten Gebieten, in dem verhältnissmässig 
grossen Maassstabe von 1 : 1.000.000 der natürlichen Grösse, 
zusammenzustellen. Sie gewährt eine Übersicht über die 
Küstengebiete vom 25. bis 30* 30' S. Br. und über die 
Deutschen Ansiedelungen, die in bedeutender Zahl in diesem 
Theile Brasiliens, in dem Randgebirge, verstreut liegen, so 



wie über das Hinterland bis zum Parana und Uruguay. 
Leidet auch diese' Arbeit noch an vielen ünvollkommen- 
heiten, so giebt sie doch Aufschlüsse über bisher noch wenig 
gekannte Raumverhältnisse, über die gegenseitige Lage der 
Deutschen Ansiedelungen und ihre Ausdehnung, über Dinge, 
über die diesseit des Oceans bisher meist eine unklare Vor- 
stellung vorhanden war, die aber das ungetheilte Interesse 
des Deutschen Volkes verdienen '). 

Damit auch noch eine anderweite Benutzung des geo- 
graphischen Materials, welches sich in meiner Hand befindet, 
möglich werde, veröffentliche ich den Theil desselben, der 
sich zu einer Vervielfältigung besonders eignet 



^) Diese ganz kürzlich erschienene Karte führt den Titel: „Mappa 
da Proyincia de Santa Gatharina do Imperio do Brasil com as partes 
adjacente« das Proyincia« do Parana e de Sio Pedro do Rio Grande 
do Sul, tra^ado e desenhado por Woldemar Schultz e completado com 
ot noTos trabalhos feitos pelo mesmo e seu companheiro o Baiio 
OBym durante as excursoes qne fiseram nos annos 1859 e 1S60. 
Dresda 1863". Sie hat eine etwas steife und manierirte Terrainzeichnang, 
ist aber in der Lithographischen Anstalt von Brockhaus sehr sauber 
ausgeführt und ala wesentlicher Fortschritt in der Kartographie Süd- 
Brasiliens willkommen, da sie namentlich für die Küstenstriche und die 
Serra Geral yiel Neues enthalt. — Zugleich hat Herr Woldemar Schultz 
eine Spezialkarte der „Deutschen Kolonien und der Termessenen Län- 
dereien im nördlichen Theile der Brasilianischen Provins Sao Pedro 
do Rio' Grande do Sul zwischen dem Jacuhy und Sino" im MaassHtab 
von 1:400.000 gezeichnet und publicirt, auf deren unterem Theil an- 
gebracht sind: ein idealrr Durchschnitt der Serra Oeral oder do Mar 
Tom Itupava nach dem Bordo do Campo und des Hochlandes in der 
Linie Ton Corityba nach Rio Negro ; Plan und Profil der Kohlenfelder 
am oberen Tubaräo in der Provinz Santa Gatharina; endlich Plan und 
Profil des Kohlenfeldes am Jacuhy in der Provinz Rio Grande do Sul — 
Alles dankenswerthes Material. A. P. 



I. Zusammenstellimg astronomisoh boBtimmter Punkte. 

a. Atu der Brasilianisehen Provinz Bio Grande do 8td. 



Nr. 


Ort. 


Nähere Angnbe des Ortet. SUdl. Breite. 


Westl. Mnfre 
von Greenw. 


Name des Beohnchters. 


Anmerkiinir. 


1. 


Mündung des Arroio Chuy . 


Südl. Punkt der Mündung. 


33049' ÖS" 


Alphonse Mabilde. 








)> 


33 48 20 




Jeu" Cor' Barreiros. 








*i 


33 45 44 




Cunha Lopes. 




2. 


Jaguarfto .... 


Alte Kirche. 
11 


32 34 5,15 
82 35 




Alphonse Mabilde. 
Cap' Santos. 








»» 


33 41 10 




Cunha Lopes. 


Zu tOdlloh. 








32 34 . 53021'39'' 


Unbekannt. 




3. 


B. Atalaia .... 




32 7 3,8 1 


Grenzregulirungs-Koramission. 




4. 


Hafen von St. Pedro 




32 9 1 52 3 


Englische Beobachtung. 




ö. 


, Bellalua .... 




32 7 3 


1 


Unbekannt. 





Geographisdies Material aus den Brasilümiscben Sädprovinzen. 



129 



Ort 



Nr. 



6. Barre toh Rio Qrande do Snl 



7. Lenchttburm der Barre Ton Rio 

Grande 

8. Rio Orande do Sul 



9. Sic Jose do Norte 

10. Estaneia do Acegna 

11. PoTo naTo 

1!. Btrre des Rio S. Gonsalyes 



13. Pelotaa. 

14. Barre des Rio S. Lnis . 

15. EstaDcia de Joaq. Leite 

16. Bag« .... 

17. Ute« Fort Ton S^ Teda 

18. S" Anna 

19. Estancia Pinhery . 

20. ' Itapoa .... 

21. I finemzilhada . 



22. CasaapaTa 

I 

23. S. Gabriel , 

24. Porto-Alegre 

25. Bio Taquary. 

26. I Ort Taquary . 
27.. S. Leopoldo . 



28. Pauo de Pontao . ., 

29. WacbhauB Ton Pontao . 

30. . ZnsammenflosB des Peperi goa^u 
I mit dem Uruguay 

31. , Qaelle des Peperi gna9a 

32. Mündiing des Rio Santo Antonio 

33. 8" Boija 

34. S. Nicolaus 

35. I S. Luix 

36. S. Louren^o 

37. S. Miguel 

38. S. Joio 



NKbere Angabe dee Ortee. 



Südspitze. 

Ausserste ostl. Landspitze. 

»» 

>i 
Kircbe S. Francisco. 

Alfandega. 
Sttdl.u.Ö8tl.Pkt. d. Einfabrt. 



Kircbe. 

Wobnbaus. 
Mittelpunkt des Poro.^ 

Alte Kircbe. 



Kircbe. 
Mutter-Gottes-Kircbe. 



Mündung in den Jacuby. 

Kircbe. 

Mutter-Gottes-Kircbe. 



Vereinigung des Rio Pe- 
lotas mit dem Canoas. 



SttdJ. Breite. 
72o"r47' 



WeetLLKnge 
von Oreenw. 



Name des Beobaohten. 



620 2' 19* 
53 3 14 



32 
32 

32 
32 



6 58 
6 50 

l'ö3 
2 10 



152 1 53 



32 2 4 
32 1 46 
32 1 4 
31 55 30,86 
31 55 40,6 
31 48 11,1 
31 48 58,8 
31 47 10 
31 52 40,45 
31 51 25 



31 46 
31 38 
31 26 
31 19 
31 20 
31 16 
30 53 
30 37 
30 22 
30 32 
30 33 
30 11 
30 31 
30 28 
30 28 
30 28 
30 30 
30 21 
30 1 
30 19 
80 2 
29 56 
29 56 
29 47 
29 51 
29 46 
29 45 



52 
52 



2 35 
2 46 



52 1 24 



54 7 21,766 



52 1 3 



54 6 51,4A 
54 27 9,16fi 
51 11 7,85 



53,6 

58,18 54 27 9,16& 
22,1 64 42 35,865 
48 
6 
28,4 
13,7 
26 
24 
24 



7 

40 
13 
10 
14 
11 
5 
58,8 
40 
59,4 
41,8 
30,9 
20,8 
30,1 
10 
55 



27 49 11 
27 52 2 

27 9 
26 10 

25 41 11 

28 39 51 
28 12 
28 25 6 
28 27 24 
28 32 26 
28 26 56 



51 11 8,6 
51 30 4,3 
51 48 48,1 



51 10 51 
51 10 48 
51 10 49,8 
51 54 



55 55 44 
55 19 39 
55 2 
64 48 16 
54 39 13 
54 28 26 



Alpbonse Mabilde. 

Cap' Scbmidt. 

Alpbonse Mabilde. 

Gap' Santos. 

Alpbonse MabUde. 

Alpbonse MabUde. 

Cap Santos. 

Alpbonse Mabilde. 

Cap* Santos. 

Grenzregulimngs-Kommission. 

Alpbonse Mabilde. 

Grenzregulirungs-Kommission. 

Unbekannt. 

Grensregulirungs-Kommission. 

Alpbonse Mabilde. 

Cap* Santos. 

Jorge Ibamel. 

Mao Eldery. 

Cap* Fucbs. 

Cap* Fucbs. 

GrenzreguUrungs-Kommission. 

Unbekannt. 

Unbekannt. 

Alpbonse Mabilde. 

Unbekannt. 

Alpbonse Mabilde. 

Unbekannt. 

Friedrieb Sellow. 

Unbekannt. 

Alpbonse Mabilde. 

'Friedrieb Sellow. 

Jorge Ibamel. 

Cap* Santos. 

Alpbonse Mabilde. 

Cap* Santos. 

Cap* Fucbs. 

Friedrieb Sellow. 

Alpbonse Mabilde. 

Alpbonse Mabilde. 

Ten** Cor* Barreiros. 

Cap* J. Pereira de Mattos. 

Alpbonse Mabilde. 

Grf. H. de Beaurepaire. 

Alpbonse Mabilde. 

Major de Beaurepaire. 

Alpbonse Mabilde. 

Candido Baptista. 

Alpbonse Mabilde. 

Cap* Miguel. 
Alpbonse Mabilde. 

Alpbonse Mabilde. 

Unbekannt. 
Desgleicben. . 

Grenzregulirungs-Kommission. 
Azara. 



Anmeikong. 



Uegt zu weiC westtloh. 



Diese Pnnkte liegen au 

aadlicb. 
Die Einfabrt beÜDdel sieb 

astttob von der Stadt 

Rio Grande. 



Unsaverlieaig. 



Liegt EU weit nö rdlieh. 



Niebt zQTerliUalg. 



Liegt zu velt weatUcb. 



Petermann's Geogr. Mittbeüungen. 1865, Heft lY. 



17 



180 



Geographisches Material ans den Brasilianischen Südprovinzen. 



h. Aus der Braiilianisehen Provinz Santa Catharina, 



Nr. 



N«me dei Ortea. 



Sttdl. Breite. 



WeetL L. 
von Qreenw. 

1. Mündung des RioMampituba 29°»l' 30" 49032' 67" 



48 38 
48 37 



Ca- 



27 52 30 48 42 45 

'27 35 36 48 39 53 

! 
27 26 9 '48 28 30 



2. Kap S** Martha . 28 35 48 40 45 

3. Mttndnog des Tnbarao, öst- ' 
I lieh Ton Laguna . 28 29 

4.;GaropaTa . . 28 2 31 

S.'Südspitze der Insel S'* Ca- 
tharina (Nanfragados) 

6. Mutter -Gottes -Kirche yon I 
Desterro 

7.:t7ord8pitze der Insel S* 
tharina ... 

8. Landspitze der Insel an der 1 

Estreito . 27 25 32 48 40 59 

9. Landspitze dos Gauchos . 27 17 30 ,48 39 45 
10. Landspitze das Bombas od. { 

Mandui . . 27 9 10 48 34 45 

ll.;Mündung des Itajahy . 26 54 35 |48 45 35 

12. Einfahrt in den Kanal südl. 
I der Insel S. Francisco . 

13. Colonia D* Francisca. 
14.1 Stadt S. Francisco . 
15. Einfahrt in die Barre des 



AnmerkoDg. 



8cb«iDt Dnriehdg 
EU sein. 

Desgleichen. 



! 



S. Francisco 



26 19 
26 13 40 
26 10 

26 6 



16. Mündung des Sahy-guassu 



(Grenzfluss der 'Provinz) 



25 57 
27 50 



48 48 15 
48 57 
48 46 45 

48 38 45 

49 48 35 
60 22 15 



Diese Bestimmang 
scheint unrichtig 
ca sein. 

Desgleichen. 



17.,Lages auf dem Hochland . 

Die vorstehenden Ortsbestimmungen wurden ausgeföhrt 
von dem Kapitän Roussin, dem Englischen Expeditions- 
Qeschwader, von den Brasilianischen Generalen Coelho und 
Alvim, von dem Oberst Azevedo, von dem Major Belle- 
garde und von dem Ober-Lieutenant Pinto. 

c. Aui der ßrasilianitehen Provinz Parana, 



Nr. I Name des Ortes. 



Sttdl. Breite. 



Westl. LXnge 
Ton Greenw. 



Anmerkung. 



1. Paranagua. . ! 25^31' 40* 

! I 25 80 33,94 

2. Corityha . .■ 25 25 50 

3. Lapa od. Principe; 25 53 10 



jAeltere Bestimmung. 
48^26' 58,96* } ? Neuere Bestimm. 
Friedrich Bellow. 



II. Einige Entfernungen aus der Provinz Santa 
Catharina. 

Namen der Punkte. 



Yon Laguna his Desterro bei günstigem Südwind . 

Von der Estreito nach S. Jose .... 

Yon S. Jose nach der Kolonie S. Pedro d'Alcan- 
tara 

Yon da nach der Kolonie S** Isabel 

Yon S** Isabel nach Lages 

Yon der Mündung des Mampituba nach der Mün- 
dung des Tubaräo 

Yon Laguna nach Yilla Nova .... 

Yon Yilla Kova nach Qaropaya .... 

Yon OaropaTa nach der Enseada do Brito 

Yon der Enseada do Brito bis an die Mündung des 
Cubatao 

Yon der Praia comprida bis nach S. Miguel . 

Yon 8. Miguel bis Tejucas 

Yon Tejucas bis Itajahy 

Yon der Mündung des Itajahy stromauf bis Blumenau 
stromab 

Yon der Mündung Itajahy bis Itapocoroy . i 

Yon Itapocoroy bis Barra relha . ( 

Yon Barra relha bis an den Itapocu . . , 

Yon Itapocu nach Pinheiro i 

Yon Pinheiro nach Joinville 





Entfernung. 


1 


Tagereise. 


i LeguA. 


6} Leguas. 


7 


»> 


32 


» 


22 


» 


7 


» 


4 


it 


7 


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2 


» 


4 


» 


N 


1) 


8 


)> 


2 


Tagereisen. 


1 


Tagereise. 


2 


Leguas. 


7 


1» 


^i 


f » 


5 


» 


5 


ti 



Namen der Punkte. 



Yon Joinyille bis an den Tres Barras 
Yom Tres Barras bis an den Cachoeira 
Yom Cachoeira bis Corityba . 
Yon Lages nach Porto-Alegre 
Yon Lages nach Corityba 



III. Einige Entfernungen aus der Provinz Parana. 





' 


EntfemoDg. 


. 1 4 Leguas. 




' 6 


tJ 




14 


iy 




55 


11 




54 


11 



Namen der Punkte. 



Entfernong. 



I 



2 



Yon der Barra grande nach der Stadt Paranagua 
Yon Paranagua nach Antonina tu Lande 
Die Breite der Barra grande .... 
„ „ „ Bahia grande gegenüber do Roqio 
bis sum gegenüber liegenden Ufer . 

bis Ponta-grossa 

Die Länge der grossen Bai von Larangeiras, Ton 

dem Südostpunkte der Insel das Pe^as bis zum 

Punkt do Pasto 

Yon der Insel Raza grande bis Guarakissava . 
Yon der Barre das Larangeiras bis zum Yaradouro 
Yon der Mündung des Kio Guarakissara bis an 

die Serra das Cadeias 

Yom Pontal do Sul bis zur Serra Guarumby . 
Yon Cananea bis ans Ende der Bai ?ou Ariraia 
Die Insel Cananea hat eine Länge von . 
„ „ „ ' „ „ Breite Ton . 

Barre von Cananea beim Eingang .... 

Praia de Ararapira 

Breite dieses Isthmus vom Meere bis zur Bai de 

Pinheiros 

Yon der Barre von Paranagua bis Guaratuba . 
Yon der Barre des Guaratuba bis zum Rio S. Joao > 
Breite, welche die Barre des Guaratuba am Ende hat 
Yon der Mündung des Rio Taquary nach dem Rio 

de Trepande bei Cananea bis an die Serra geral . 
Yon der Mündung des Rio Itapitangui bis su der- , 

selben Serra 

Yon der Mündung des Cambar&püi und Ariraia bis 

zu derselben Serra . . • * • 

Yon der Barre yon Cananea (Kleines Meer) bis zur 

Barre Ton Iguape 

Yon der Barre yon Iguape bis Xiririca . 

Yon Xirtrtca bis lyoporunduba .... 

Yon Iguape bis zur Barre Ton Ribeira . 

Yon der Barre Ton Ribeira bis zum Berg da Jnrea I 

Yon da bis Guarahü 

Yon dessen Barre bis Peruhlbe . ' 

Yon da bis zur Yilla Itanhoem 

Yon Santos bis St. Paul 

Yon Paranagua nach Antonina in gerader Richtung | 
Yon Antonina bis Porto de Cima . . '' . 

Yon Porto de Cima bis auf den Camp des Hochlandes 

Yon da bis Corityba 

Yon Paranagua nach S. Jos^ (die neue Strasse) t . 

Yon Morretes nach S. Jos4 

Yon S. Jos^ nach Corityba 

Yon Morretes bis Porto de Cima, Strasse auf dem 

rechten Ufer des Guaricoca .... 

Yon Antonina Über Morretes und den sogenannten 

Arraial bis Corityba 17 j 

Yon Antonina nach Castro auf der neu projektirten 

Strasse über Areaqueimada und Genorose . 
Yon Corityba nach ButuTeraTa .* . . . 
Yon ButuTcraTa nach Apiahy .... 

Yon Apiahy bis an die Strasse, welche nach Sorro- 

caba führt 

Yon Corityba nach Palmeira . 

Yon Palmeira nach Ponta grossa .... 

Yon da nach Castro 

Yon Corityba nach Lapa oder Principe . 

Yon Lapa oder Principe bis zum Rio da Yarzea 



6^ Leguas. 
12i „ 
3500 Braqen. 
1 Legua. 
1 „ 
1 « 



3^ Leguas. 
2 „ 

*4 „ 

7 ,, 

2 „ 

5 11 
1 Legua. 

i „ 

H Leguas. 

H „ 

8 „ 
4 ,. 

i Legat. 

3 Legnts. 



13 


11 


104 


»> 


H 


11 


6 


11 


H 


n 


4 


11 


8 


11 


H 


II 


12 


11 


5 


11 


3 


11 


7. 


11 


6, 


11 


22 


1* 


■n 


11 
II 


3410 Bra^os 


17^] 


Legua 


26 


>» 


9 


II 


17 


II 


16 


II 


74 


11 


7 


II 


6 


»1 


15 


II 


H 


I» 



Greographisches Material aus den Brasilianischen Südprovinzen. 



181 



Namen der Punkte. 


Entfernung. 


vom Bio da Vanea bU zum Bio Xegro 


4^ Leguas. 


„ „ „ „ bis aur Serra de EapigJo 


10 


i> 


YoD der Serra de Espigao bis zum Rio de Canoas 


18 


n 


Vom Rio de Canoas nach Lages .... 


4 


»» 


Yon Antonina ttber Corityba nach Sorrocaba nnd 






S. Psnlo 


1151 


)f 


d.i. Ton Antonina nach Corityba . 




17i 


1) 


„ Corityba nach Itaiacöca . 




14 


» 


„ Itaiacdca „ Pitongu! 




8 


>» 


„ Pitongn! „ Castro 




M 


,, Castro „ Itapeva 




50 


»» 


„ Itapera „ Itapetangui 




18 


>» 


„ Itapetangui „ Sorrocaba 




12 


>» 


,f Sorrocaba ,, St. Roque . 




6 


ff 


„ St. Roque „ Cotia 




8* 


>» 


,, Cotia „ S. Paulo . 


1 


6 


ff 


Yon Corityba nach Assunguy 




15 


ff 


Yon Lapa nach Palmeira 


. 1 


10 


ff 


„ „ „ der Brücke des Iguassu 


. ! 


7 


ff 


Yon Corityba naeh Belem 


. i 


26 


ff 


Yon Belem nach Palma .... 


. 


35 


ff 


Die Campos Ton Guarapuara haben eine Breite yon t 


12 


ff 


eine Lang 


e yon 


15 


>f 



IV. Einige Höhen, gemessen mit einem Englisohen 
AneroM - Barometer« 



Nr. 



Name des Ortes. 



'l 



I Provinz Hanta Catharina, 

1. Bugrebach, am Hause des Kolonisten Schoite in der Deutschen 
{ Kolonie S^ Isabel am Osthang der Serra yon Boa Vista I 1392 

2. jMaruhy an dem Orte S. Pedro d'Alcantara der gleich- i 

I namigen Kolonie i 1066 

I Provinz Parana, 

3. Cachoeira, Grenzbach der Provinzen S^ Catharina u. Parana, 

I da wo der Weg yon der Kolonie D* Francisca über den- I 

, selben führt | 3956 

4. Corityba, Hauptstadt der Proyinz Parana .3278 

5. ;Lapa oder Principe am Sftdrande des Campo largo . 3256 

6. Rio Negro, Ort der Deutschen Kolonie am gleichnamigen Fluss, 2295 

7. Serra de Itapeva, an dem Punkte, wo der Saumthierweg I 

I yon Corityba nach Antonina in dieselbe eintritt .3150 

8. Capivary merim, Bach, da wo der Weg von Corityba nach , 

I Antonina (die sogenannte Graziosa) über denselben führt 2981 

9. |Belem auf den Campos yon Guarapnaya .3214 

') Angeblich bestimmt yon Friedrieh Sellow. 



Die internationale Aufnahme der Türkisch -Persischen Grenze. 



Herr Graf Carl v. d. Ostcn-Sacken, Kaiserl. Russischer 
General-Major vom Generalstab, schreibt uns: 

„Es ist mit Beziehung auf den im Jahrgange 1862 
(S. 146) Ihrer „Geographischen Mittheilungen" enthaltenen 
Artikel des Hm. ' Dr. Mordtmann in Konstantinopel über 
die Türkisch-Persischen Grenzländer, — dass ich mir die 
Freiheit nehme, Ihnen einige die topographischen Arbeiten 
der mit der Türkisch-Fersischen 6h*enzbestimmung beauftragt 
gewesenen Kommission näher beleuchtende Auskünfte mit- 
ZQtheilen. 

„Wie im besagten Artikel erwähnt ist, wurde in dem 
zwischen der Türkei und Persien im Jahre 1847 durch 
Vennittelung Busslands und Englands zu Stande gekomme- 
nen Friedensvertrag von Erzerum bestimmt, dass Kommis- 
säre der vier genannten Staaten die Türkisch -Persische 
Grenze bereisen, reguliren und definitiv feststellen sollten. 
Bemgemäss ernannte Russland den Obristen vom General- 
fltab (nachher General-Major) Tchirikow, England den Obri- 
sten Williams (nunmehr Sir William Fenwick Williams of 
Kare, General-Lieutenant, Oberbefehlshaber der Britischen 
Treppen in Canada und in den Englischen Provinzen Ame- 
rika's), die Türkei Derwisch -Pascha (später Türkischer 
Gesandter in St. Petersburg) und Persien Mirza Dschafer 
Chan. Diese Kommissarien, von denen der erst und letzt 
genannte nicht mehr am Leben sind, führten ihren Auftrag 
in den Jahren 1849 bis 1852 nur zum Theil aus, indem 
sie sich über die eigentliche Grenzbestimmung wegen der 
anmassenden Forderungen der Pforte in Hinsicht des Be- 



sitzes von Kotur, der Umgebungen von Mohammera und 
anderer von ihr ungerecht beanspruchten Ortschaften Per- 
siens nicht einigen konnten und daher ohne den vor- 
gehabten Zweck zu erreichen zurückkehren mussten. Seit- 
dem haben verschiedene Umstände und die Zeitverhältnisse 
es nicht zugelassen, das unterbrochene Geschäft wieder 
aufzunehmen, und daher ist die Türkisch-Persische Grenze 
80 wie die Unterwürfigkeit der sie bewohnenden Nomaden- 
Stämme unter die Türkei oder unter Persien noch bis jetzt 
wie früher grösstentheils ungewiss und zweifelhaft. 

„Nach mehrjährigem Stillschweigen bringt nun das „Jour- 
nal de Constantinople" aus Veranlassung der Telegraphen- 
leitung zwischen Bagdad und Bombay die Türkisch-Persische 
Grenzangelegenheit in Erinnerung, indem es einen Artikel 
des in der Türkischen Hauptstadt erscheinenden Englischen 
Blattes „Levant Herald" veröffentlicht. 

„Die zur Grenzbestimmung nöthigen Vorarbeiten wurden 
von Russischen Offizieren vom Corps der Topographen und 
von Englischen Astronomen zum Behufe der Anfertigtmg 
einer speziellen Karte der bedeutenden Grenzstrecke vom 
Kleinen Ararat bis Mohammera unweit des Persischen Meer- 
busens gemeinschaftlich ausgeführt, indem der Lieutenant 
Glascott von der Britischen Marine die astronomische Be- 
stimmung der Punkte und die Kapitäne Proskuräkow, Tsi- 
korew und Ogranowitsch unter Leitung des Russischen 
Obristen Tchirikow die topographische Aufnahme des Ter- 
rains längs der Grenze bewerkstelligten. Somit haben die 
der Kommission beigegeben gewesenen Russischen und Eng- 

11* 



132 



Die internationale Au&abme der Türkisch-Persischen Grenze. 



lischen Offiziere, wenn auch die Orenzbestimmung aus er- 
wähnten Ursachen nicht ausgeführt werden konnte, die 
Wissenschaft mit einer in dieser Vollständigkeit noch nicht 
bekannten kartographischen Arbeit bereichert, die einen im 
Ganzen noch wenig erforschten, in geschichtlicher und geo- 
graphischer Hinsicht sehr merkwürdigen Landstrich umfasst. 
Diese nur in zwei Exemplaren, von denen das eine in 
St. Petersburg, das andere in London ist, im Maassstabe 
von 1 : 63.360 (1 Engl. Meile = 1 Engl. Zoll) angefertigte 
Karte des circa 5 bis 15 Deutsche Meilen breiten Grenz- 
streifens besteht aus 25 Blättern, die zusammen einen 
Flächenraum von über 10.000 Quadrat-Meilen darstellen. 

„Nun ist der „Levant Herald" auf unrichtige Angaben hin 
bemüht, das ganze Verdienst dieser grossen topographischen 
Au&ahme ausschliesslich den Englischen und sogar Türki- 
schen Offizieren zuzuschreiben. Um jedoch die wesentliche 
Theilnahme der Eussischen Offiziere an dieser so bedeuten- 
den Arbeit wie billig hervorzuheben und der Vergessenheit zu 
entreissen, hat jetzt das „Journal de St.-Petersbourg" (1865, 
Nr. 44) die irrige Ansicht des „Levant Herald" widerlegt.- 

„Da ich nach dem im Jahre 1862 erfolgten Ableben 
des Russischen Kommissärs bei der Türkisch - Persischen 
Grenzbestimmung, des General-Major Tchirikow, mich mit 
dem Auszeichnen der von ihm im Entwurf nachgelassenen 
Aufnahmen noch einiger anderer Gegenden des westlichen 
Persiens beschäftigt habe, so glaube ich es dem Andenken 
dieses meines Dienstgefährten, von dessen rastloser und 
thätiger Theilnahme an den Arbeiten der Türkisch - Persi- 
schen Demarkation ich während meines Aufenthaltes in 
Konstantinopel in den Jahren 1850 bis 1853 mich zu über- 
zeugen Gelegenheit hatte, schuldig zu sein, Sie auf den 
Artikel des „Journal de St.-P^tersbourg" aufinerksam zu 
machen, in der Voraussetzung, dass Sie es möglich finden 
werden, einen wesentlichen Auszug desselben in Ihren 
„Geographischen Mittheilungen" zu veröffentlichen." 

Sehr gern erfüllen wir den Wunsch des geehrten Ein- 
senders, da über jene grossartige geodätische Operation bis 
jetzt nur äusserst wenig bekannt geworden ist. Hoffentlich 
werden wir auch bald, im Stande sein, über das grosse 
Kartenwerk selbst zu berichten, das uns wieder ein Beispiel 
abgiebt, wie lange Zeit und welche enormen Geldmittel oft 
die Vollendung und Herausgabe einer bedeutenderen karto- 
graphischen Arbeit erfordern , denn Graf Bussell erwähnte 
kürzlich im Englischen Oberhaus, die Englische Eegierung 
allein habe 57.000 Pf. St. (380.000 Thaler) für die Kom- 
missionen und Grenzaufiiahmen verausgabt und er könne 
nicht einmal eine Veröffentlichung der Karte versprechen.. 
Haben die drei anderen Mächte eine annähernd gleiche 
Summe aufgewendet, so kostet das Kartenwerk bis jetzt 
1^ Millionen Thaler. Sollte die Englische Eegierung von der 



Veröffentlichung dieser bis jetzt einzigen Frucht der Grenz- 
au&ahme abstehen, so hoffen wir zuversichtlich, dass sie 
von Seite der Russischen Regierung erfolgen wird. 

Der Artikel des „Journal de St-Petersbourg" enthält 
im Wesentlichen Folgendes: 

Der „Levant Herald" behauptet, die Kommissäre seiea 
von den Vorbergen des Ararat ausgegangen und wegen des 
schwierigen Terrains nach 2 Jahren kaum einige Meilen 
südlich über Bajazid hinausgekommen, wo sie in Folge einer 
Differenz zwischen den Türkischen und Persischen Delegirten 
die Arbeit hätten abbrechen müssen. 

Daraus müsste man schliessen, es sei in dem Zeitraum 
von 2 Jahren überhaupt nur die wenige Meilen betragende 
Strecke vom Ararat bis etwas südlich von Bajazid vermessen 
worden und dass nur in Bezug auf die Umgegend dieser 
Stadt eine Differenz sich herausgestellt habe. Die Arbeiten 
begannen aber in der Nähe des Persischen Golfls, unter den 
Mauern der Stadt Mohammer^, welche mit den Inseln Ma- 
halla und Chyzr als streitige Punkte bezeichnet war. Dort 
entspann sich gleich in der ersten Sitzung der Kommissäre 
die erste Differenz und fast ohne Unterbrechung folgten 
andere, so dass die Delegirten der vermittelnden Mächte, 
überzeugt von der Unmöglichkeit, die entgegenstehenden 
Ansprüche ihrer mohammedanischen Kollegen auszugleichen, 
von ihren Regierungen die Erlaubniss erbaten, sich nur mit 
ihren vorbereitenden Arbeiten beschäftigen, also ihre topo- 
graphischen und astronomischen Arbeiten ohne Aufenthalt 
gegen Norden fortsetzen zu dürfen. Nachdem sie die Er- 
mächtigung hierzu erhalten, kamen sie am Ende des vierten 
Jahres' ihrer mühsamen Reise am Fuss des Ararat an. Die 
Aufnahme erstreckt sich demnach auf die ganze Ausdehnung 
des Grenzstreifens vom Persischen Golf bis zum Ararat. 

Ferner behauptet der „Levant Herald", England sei in 
der Kommission durch den Genie-Oberst Williams, den Lieut 
Glascott und mehrere andere geschickte Topographen ver- 
treten gewesen, die Englischen und Türkischen' Ligenieur- 
Topographen hätten eine riesige Karte der zwischen dem 
Ararat und Bajazid vermessenen Sektion gezeichnet, diese 
Arbeit sei noch nicht vollendet und habe der Englischen und 
Türkischen Regierung sehr beträchtliche Summen gekostet 

Sir William Williams of Kars war damals nicht Oberst 
beim Genie-Corps, sondern Oberst-Lieutenant der Artillerie 
und hatte unter seinen Befehlen den Marine -Lieutenant 
Glascott, der nicht Topograph, sondern Astronom ist. Dieser 
hat daher während der vier Jahre nur mit den astronomi- 
schen Instrumenten operirt, seine offizielle Au%abe war die 
astronomische Positions-Bestinamung der Hauptpunkte und 
die daraus folgende Feststellung des Kartennetzes und er 
hat diess mit dem Eifer und der Ausdauer gethan, von der 
jener gelehrte Offizier bereits in Amerika und Ost-Lidien 



Die internationale Anfhahme der Tttrkisch-Persischen Grenze. 



133 



so Tiele Beweise gegeben hat Von eigentlichen Topogra- 
phen hatte die Britische Kommission keinen einzigen zur 
Yeifögung, sie zählte nnter ihren Mitgliedern Zeichner, die 
sehr geschickt kopiren nnd ins Beine zeichnen konnten, aber 
weiter Nichts. Die einzigen Topographen von Fach, welche 
dch bei den Kommissionen der vermittelnden Mächte be- 
fmden, waren Bnssische Offiziere, der Hauptmann im Topo- 
graphen-Corps, jetzige Oberst Froskuräkow, der Lieutenant 
desselben Corps, jetzige Hauptmann Tsikorew und der Topo- 
graph, jetzige Lieutenant Ogranowitsch. Man war offiziell 
übereingekommen, dass jede Sektion des astronomischen 
Netzes, die von Lieutenant Glascott an unsere Offiziere ab- 
geliefert würde, ihm mit der Zeichnung unserer topographi- 
Bchen Aufnahmen versehen zurückgegeben werden sollte. 
Glascott und zwei Englische Zeichner haben von Anfang 
1859 bis 31. Dezember 1863 in St. Petersburg damit zu- 
gebracht, dass Ersterer seine astronomischen Beobachtungen 
berechnete und das Netz konstruirte, Letztere unsere Karte 
ins Keine zeichneten. 



Die Originalkarte des ganzen Grenzstreifens ist 1862 
•von unseren Offizieren vollendet worden; die Englischen 
Offiziere, welche die Kopie in St. Petersburg begannen 
(ausgenommen 1 oder 2 Blätter, die schon vor dem Krieg 
in Konstantinopel beendet waren), waren damit am Ende 
des Jahres 1863 noch nicht fertig, jetzt wird sie aber auch 
vollendet sein. 

Die Karte hat zwar bedeutende Summen gekostet, doch 
nicht der Englischen und Türkischen Eegierung, sondern 
der Englischen und Russischen, denn die Türken haben 
keinen' Theil daran. Es ist wahr, dass die Ingenieure der 
Ottomanischen Kommission ihrerseits mit Au&ahmen, Beob- 
achtungen und Berechnungen sich beschäftigt haben, aber 
immer isolirt, und wenn sie eine Karte der Ghrenze gezeich- 
net haben, was möglich ist, so kann doch ihre 'Arbeit nur 
einen sekundären Werth beanspruchen gegenüber dem monu- 
mental^ Werke , das die Kommissionen der vermittelnden 
Mächte gemeinschaftlich ausgeführt haben. 



Neae Spuren des verschollenen Deutschen Reisenden Ludwig Leichhardt im Inneren 

von Australien. 



Die Australischen Kolonien haben eine heilige Pflicht 
zu erfüUen. Schon seit 17 Jahren ist Ludwig Leichhardt 
yerschoUen, keiner seiner Gefährten ist zurückgekehrt, um 
Kunde von seinem Schicksal zu bringen, kein sicheres 
Zeichen ist ans Licht gekommen, aus dem man erkennen 
könnte, ob er den Tod gefonden und wie und wo diess 
geschehen. Es wäre doch endlich an der Zeit, dass Austra- 
lien die grosse Schuld abtrüge, dass es ernstlich ans Werk 
ginge, dem Verbleib des Mannes nachzuforschen, dessen 
nneigemiützigem Wissensdrang die Kolonien so viel ver- 
danken, der in der Entdeckungsgeschichte Australiens eine 
der hervorragendsten, ehrenvollsten Stellen einnimmt. Wie 
England kein Opfer scheute, um Gewissheit über den Unter- 
gang Franklin's zu erringen, wie Deutschland das Gebot 
der Humanität erfüllte, als es dem Schicksal YogeFs nach- 
spüren liess, so hat auch Australien schon gezeigt, dass es 
seine Entdeckungs - Beisenden nicht im Stiche lässt; mit 
bewundemswerther Energie, rasch und freigebig wurden 
Ton Süd, Ost und Nord Suchende ausgeschickt, als Burke 
nnd Wills verschollen waren, und man ruhte nicht eher, 
als bis die Gebeine der beiden unglücklichen Eorscher nach 
Melbourne gebracht imd unter einem ehrenden Monumente 
beigesetzt waren. Auch Leichhardt ist nicht gleichgültig 
vergessen worden, mehrmals zogen Expeditionen aus, um 
seine Spuren aufzufinden, vielen der späteren Beisenden 



wurde eingeschärft, auf Alles Acht zu haben, was Licht 
über sein Verbleiben verbreiten könnte, aber ein nachhal- 
tiges, systematisches, von genügenden Mitteln und Kräften 
getragenes Suchen nach Leichhardt und seinen Gefährten 
hat niemals Statt gefunden und diess ist es, was den Austra- 
lischen Kolonien als heilige Pflicht noch zu erfüllen bleibt. 

Leichhardt trat seine letzte Beise zu Anfang des Jah- 
res 1848 an, begleitet von zwei ihm befreundeten Deut- 
schen, Classen und Heutig, drei Arbeitern und zwei Schwar- 
zen. Von Moreton-Bai ausgehend ') wendete er sich westlich 
über die Darling Downs, die er am 28. Februar verliess, 
nach den Fitzroy Downs am Cogoon, von wo er am 3. April 
die letzte Nachricht gab. Leider schrieb er Nichts über 
seinen ferneren Beiseplan, aber so viel ist aus seinen Äusse- 
rungen und Briefen beki^t, dass er zunächst nach den 
Quellen des Maranoa gehen wollte, um von dort das Innere 
Australiens von Ost nach West, doch mit nördlicher Um- 
gehung der, wie er meinte, zusammenhängenden, nur mit 
Oasen besetzten centralen Wüste, zu durchkreuzen. 

Da mindestens zwei Jahre zur Erreichung der West- 
küste erforderlich schienen, erregte Anfangs das Ausbleiben 
.der Nachrichten keine Besorgniss, aber 1851 erhoben sich 
mahnende Stimmen, unter Anderem brachte der berühmte 



^) Znr Orie&timiig ■. Stieler's Hand-Atlas, Nene Ausgabe, Nr. 50". 



134 Neue Spuren des verschollenen Deutschen Reisenden Ludwig Leichhardt im Inneren von Australien. 



Botaniker Dr. Ferdinand Müller eine Aufsuchungs-Expedi- 
tion in Anregung, und da auch das Gerücht sich verbreitete, 
die B^isenden seien nicht sehr weit von den Ansiedelungen 
ermordet worden, so schickte die Eegierung von Neu-Süd- 
Wales zu Anfang des Jahres 1852 einen erfahrenen Busch- 
mann, Hovenden Hely, mit dem Auftrag -ab, alle Nach- 
richten über die Leichhardt'sche Expedition zu sammeln 
und ihren Spuren zu folgen. Hely richtete jedoch nicht 
viel aus. Zwar erzählten ihm die Eingebornen am Maranoa 
mit grosser Übereinstimmung die Vorgänge bei der angeb- 
lichen Ermordung der weissen Männer und behaupteten 
genau den Ort zu kennen, wo das tragische Ereigniss vor 
sich gegangen sein sollte, aber bald zeigten sie ihm einen 
alten Lagerplatz Mitchells als den Ort der That, bald eine 
Stelle, wo nicht die geringsten Spuren zu entdecken waren, 
bald verlegten sie den Schauplatz wieder Hundertc von 
Meilen festlicher, so dass ihre Aussagen in seh^weifel- 
haftem Lichte erschienen. Hely durchsuchte das Uferland 
des Maranoa und kam nordöstlich bis 25^ 30' S. Br. und 
146* 45' Östl. L. V. Gr., aber er war nicht im Stande zu 
entscheiden, ob die Behauptungen der Eingebornen auf 
Wahrheit beruhten oder wohin sich die Expedition gewendet 
habe. Die einzigen Spuren, die sich mit Wahrscheinliclikeit 
auf Leichhardt beziehen lassen, waren zwei alte Lager- 
plätze, in deren Nähe je ein Baum mit einem L bezeichnet 
war. Hely brachte auch Überreste von Packsätteln mit, die 
sich bei den Eingebornen vorgefunden hatten, doch ermit- 
telte man später, dass jene Sättel zwei Squattem, Mitchell 
und Headly, die in den westlichen Gegenden nach Weide- 
land gesucht hatten, zugehörten. 

Beachtet man, dass keins der zahlreichen Thiere (20 Maul- 
thiere, 7 Pferde und 50 Binder), die Leichhardt bei sich 
hatte, nach den besiedelten Distrikten zurückgekommen ist, 
so erscheint es durchaus unwahrscheinlich, dass die Expe- 
dition schon so bald ihr Ende erreicht haben sollte, denn 
bekanntlich finden Pferde und Binder unfehlbar ihren Bück- 
weg auch auf sehr bedeutende Entfernungen. Die Aussagen 
der Eingebornen können auf Glaubwürdigkeit keinen An- 
spruch machen, erzählten doch neuerdings eine Menge 
Schwarzer mit auffallendster Übereinstimmung dem Bei- 
senden M^Kinlay, als er das Grab des während der Burke'- 
schen Expedition verstorbenen Gray auffand, die ausführ- 
lichsten Details von einer Ermordung der ganzen Expedition 
und von dem Kampfe, der dabei Statt gefunden habe, ob- 
wohl wir jetzt bestimmt wissen, dass die ganze Erzählung 
ein leeres Hirngespinnst der phantasiereichen Kinder der 
Wüste war. 

Leider begnügte sich die Kolonie fürs Erste mit den so 
äusserst ungenügenden Erfolgen der Hely'schen Beise, Jahr 
um Jahr verging und es geschah ^Nichts, um die Vermissteu 



zu retten, die ja vielleicht noch irgendwo im Inneren kümmer- 
lich ihr Leben fristeten, oder doch Gewissheit über üiren 
Tod zu erlangen. Einzelne zwar ermüdeten nicht, Eegie- 
rung und Private immer wieder an ihre Pdicht zu erinnern, 
aber erst 1857 kam in Sydney eine „Leichhardt- Associa- 
tion" zusammen, welche zu Anfang des Jahres 1858 den 
tüchtigen, um die Erforschung Australiens hoch verdienten 
A. Gregory nach dem Barcoo abschickte. So dankenswcrth 
dieser neue Versuch war, so blieb er doch in Bezug auf 
den eigentlichen Zweck fast olme Erfolg. Gregory ging im 
März 1858 von der Moreton-Bai durch das Quellgebiet des 
Dawson nach dem oberen Barcoo ( Victoria-Fluss) , unter- 
suchte beide Ufer dieses Flusses, da aber ein Hochwasser 
im vorausgegangenen Jahre das Land beiderseits fast eine 
Englische Meile breit übersdiwemmt hatte, so waren alle 
etwa Yorhanden gewesenen Spuren verwischt und nur an 
einer Stelle des östlichen Ufers, in 24° 25' S. Br. und 
145° 6' Östl. L. V. Gr., fand er einen mit L bezeichneten 
Baum nebst mehreren mit der Axt abgehauenen Baum- 
strunken. Auch der Alice- und Thomson - Fluss wurden 
verfolgt, doch verhinderte die ausserordentliche Dürre der 
Jahreszeit eine gründlichere und umfassendere Nachforschung, 
so dass Gregory sich entschloss, am Barcoo hinab nach 
Süd-Australien zu gehen. 

Drei Jahre später, im Oktober 1861, kam Walker auf 
seiner Beise nach dem Carpentaria-Golf an den oberen Bar- 
coo. ' Er fand den von Gregory gesehenen Baum, 7 Engl. 
Meilen weiter abwärts am Fluss einen zweiten mit L ge- 
zeichneten und traf ausserdem auf seinem nördlichen Wege 
durch das Quellland des Alice und Thomson nach dem 
FHnders-FluBs öfters auf die Spuren einer grösseren Expe- 
dition, die er für die Leichhardt'sche hielt. Man war daher 
zu der Annalime berechtigt, dass Leichhardt in der Absieht, 
die, wie er glaubte, im Westen vor ihm liegende Wüste 
nördlich zu umgehen, so ziemlich dieselbe Beute eingeschla- 
gen habe, die später Walker verfolgte, dass er so an den 
oberen Flinders gelangte und erst von diesem aus westlich 
vordrang. Diese Annahme wurde wesentlich durch Lands- 
borough's Erklärung erschüttert, dass er vor Walker und 
vor seiner eigenen bekannten grossen Beise zur Aufsuchung 
Burke's schon ein Mal am Barcoo, Alice und Thomson ge- 
wesen sei und dass die aufgefundenen Spuren von seiner 
Expedition herrührten, und dasselbe Bedenken kommt bei 
Herbert Mackay's Entdeckung mehrerer mit LL gezeich- 
neter Bäume auf einer 25 Engl. Meilen langen Strecke 
nördlich vom oberen Barcoo (im Jahre 1862) in Betracht, 
ganz neuerdings aber sind beträchtlich weiter im forden 
Spuren und sogeu' zwei Pferde aufgefunden worden, welche 
vermulhlich der Leichhardt'schen Expedition angehörten, und 
dadurch haben nicht nur alle bisherigen ähnlichen Befunde 



Neue Spuren des yerschoUenen Deutschen Reisenden Ludwig Leichhardt im Inneren von Australien. 135 



eben festeren Halt bekommen, sondern die ganze Angel^en- 
heit erfahrt dadurch eine neue mächtige Anregung. 

Dr. David Wilkie tmd der hoch verdiente Dr. Ferdinand 
Müller in Melbourne richteten nämlich am 21. Dezbr. 1864 
folgende Zuschrift an einige Australische Zeitungen: 

,^ie Bückkehr unseres Mitkolonisten Herrn Dunoan 
M'Intyre von Glengower von einer höchst wichtigen Er- 
forschungs-Expedition nach dem Meerbusen von Carpentaria, 
durch welche unsere EenntniBse über die Beiseroute Leich- 
hardt's und seiner Gesellschaft bedeutend erweitert worden 
sind, veranlasst uns, einen Aufruf an die Kolonien Austra- 
liens ergehen zu lassen, das Schicksal dieses unersehrocke- ' 
nen und vielleicht noch lebenden Erforschers nicht länger 
im Dunkeln zu lassen. Gleichzeitig ist uns durch die 
fitjundliche Aufmerksamkeit des Herrn M*Intyre die Gelegen- 
heit geboten, in Kürze die Hauptresultate seiner Forschun- 
gen, vodurch er auf ein Mal so glänzend in die Beihe der 
Australischen Entdeckungs-Beisenden getreten, bekannt zu 
machen. Herr M^Intyre brach vcäu Paroo auf, passirte Coo- 
per's Creek unter 26"* 10' SüdL Breite, folgte dem Laufe 
des Fiasses bis zu 25** 50' und schlug dann eine nord- 
westliche Bichtung ein, wo er einen wichtigen Fluss ent- 
deckte, welchen er zu Ehren des Bev. Joseph Docker zu 
Wangaratta, eines der edelsten TJnterstützer der früheren 
grossen Yictorianischen Erforschimgsreise, Docker-Biver be- 
nannte. Von hier aus inmier noch nordwestlich fortziehend 
erreichte er den von Herrn M"Kinlay entdeckten Müller- 
River, welchen er unter 23*" Südl. Br. kreuzte. In der- 
selben eingeschlagenen Bichtung vordringend fand er un- 
gefähr einen Grad weiter westlich und unter dem 22. Breiten- 
grade leichte Spuren, welche augenscheinlich von Ziegen 
oder Schafen und Pferden oder Ochsen herrührten, und 
zwar in einer Gegend, Welche noch von keinem zu uns 
zurückgekehrten Erforscher durchzogen worden ist. Hier 
läuft ein Granit - Gebirgszug in zwei Hauptzweigen nach 
Südwest und Nordwest. Auf dem' nordwestlich laufenden 
Gebirgszuge entspringt ein neuer Hauptzufluss des Flinders- 
River, von welchem aus Herr M^Intyre sich nach dem 
Hauptstrome begab und ungefähr unter 20** 40' Südl. Br. 
und 1 Grad westlich von dem Pfade der Explorer Burke 
und Wills zwei alte Pferde fand. Diesem Umstand kann 
nicht genug Wichtigkeit beigelegt werden, wenn man sich 
erinnert, dass weder die beiden Genannten noch Lands- 
borough, A. Gregory oder Leichhardt auf seiner ersten Er- 
forschungsreise in der Nähe jener Gegend Pferde verloren 
haben. Walker hat zwar Pferde verloren, aber die Stelle, 
wo Bolches geschah, ist ungefähr 300 Meilen östlich entfernt 

„Allein eine noch wichtigere Entdeckung ist von Herrn 
M*Intyre gemacht worden: als er auf seiner Bückreise dem 
östlichen Hauptstrom des Flinders-Biver folgte, fand er an 



dessen westlichem Ufer und unter 20^ Südl. Br. zwei 
Bäume mit einem grossen L ohne Nummer bezeichnet und 
dieser Beisende ist gleich uns überzeugt, dass er hier ein 
Lager von Leichhardt aufgefunden habe. Mit dieser Lage 
können die am Alice-Biver unlängst aufgefundenen Spuren 
' Leichhardt's in Verbindung gebracht werden. Diese L kön- 
nen nicht diejenigen von Landsborough sein, da dieser in 
jenen Breitengraden an dem östlichen Ufer des Flinders- 
Biver hinabzo^ und ausserdem stets eine fortlaufende Num- 
mer seinen L-Zeichen beifügte. Auch ist die Binde an 
jenen Einschnitten 4 bis 5 Zoll überwachsen, wodurch die- 
selben ein weit höheres Alter nachweisen als diejenigen 
von Landsborough; femer haben wir die Aussage eines 
Eingebomen, welcher sowohl Begleiter Landsborough's als 
auch M*Intyre's war, dass jene Einschnitte nicht von der 
Partie des Ersteren herrühren. Die so bezeichneten Bäume 
stehen an einer Stelle, welche in der Begenzeit über- 
schwemmt ist, und es wäre daher vergeblich gewesen, wei- 
tere Lagerspuren aufzusuchen. 

^ „Herr M^Intyre folgte einem klug berechneten Beise- 
plane, indem er seinen Bückweg nahe Landsborough's Zug 
bis zum Ursprung des Bulla - Flusses, von diesem bis zum 
Paroo-Flusse nahm und somit in 20 Wochen eine Beise 
ausführte, welche ihm unter unseren Australischen Erfor- 
schungs-Beisenden eine hervorragende und ehrenvolle Stel- 
lung gesichert hat, zumal wenn man bedenkt, dass seine 
Mittel dazu nur privat und beschränkt waren und er nur 
einen seiner Landsleute und drei Eingebomc zur Begleitung 
hatte. 

„Soll denn, da wir uns der Talente erprobter und be- 
geisterter Erforscher wie Mr. M*Intyre und Mr. Giles be- 
dienen können, das Schicksal eines der berühmtesten Erfor- 
scher, welche die Welt jemals besass, ohne Nachforschung 
bleiben? Soll das Geschick des Mannes, welcher in Austra- 
lien die „Nordwest -Passage" entdeckte, noch in weitere 
unbestimmte Feme gerückt werden? Und soll die endliche 
Aufklämng über das Schicksal dieses wahrhaft grossen 
Mannes noch länger dem blossen Zufall überlassen bleiben ?" 

Es sei uns erlaubt, die zuversichtliche Hoffnung auszu- 
sprechen, dass die Australischen Kolonien dieser dringenden 
Mahnung Folge leisten werden. Ist es auch mit grosser 
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass Leichhardt und seine 
Gefährten längst ausgelitten haben, so fehlt doch bis jetzt 
jeder sichere Beweis dafür, und erinnert man sich, dass 
Buckley 31 Jahre unter den Emgebornen bei Port Phillip 
lebte, dass erst noch 1863 ein Engländer Namens James 
Morill nach einer fernen Ansiedelung in Queensland ge- 
langte, der 17 Jahre lang unter den Wilden am Burdekin 
festgehalten worden, nachdem er 1846 an der Küste jenes 
Landes Schiffbmch gelitten hatte, so kann man schwerlich 



136 Neue Spuren des yerschoUeuen Deutschen Reisenden Ludwig Leichhardt im Inneren von Australien. 



die Möglichkeit leugnen, dass der Eine oder Andere von der 
Expedition noch am Leben ist Ein jeder fühlende Mensch 
muBB die Verpflichtung zu erneuten Nachforschungen ein- 
sehen, wenn er sich diese Möglichkeit klar macht und sich 
das entsetzliche, verzweiflungsvolle Leben eines in solcher 
Weise Gefangenen oder durch die Natur des Landes Zurück- 
gehaltenen ausmalt. 

Ein grosser Erfolg und ein durchaus nicht unwahr- 
scheinlicher wäre schon die Auffindung der Tagebücher, aber 
selbst wenn es Nichts mehr zu retten gäbe, so haben doch 
die Australischen Kolonien die moralische Pfl.icht, vollen 
Au£»chluss über Verlauf und Ende der Expedition , die zu 
ihrem Nutzen und Ruhme unternommen war, kräftigst an- 
zustreben. Leichhardt war der erste Erforscher von Queens- 
land, diese rasch aufblühende, reichb Kolonie sollte sich die 



Sache zunächst und am meisten zu Herzen nehmen. An 
geeigneten Kräften fehlt es nicht, denn die grossen Expe- 
ditionen der letzten Jahre haben eine ganze Reihe aus- 
gezeichneter Buschmänner und Pfadfinder gebildet, man 
kennt die Beschaffenheit des Landes, den Lauf der Flüsse, 
die Stellen, wo Wasser und Gras zu finden sind, weit 
besser, mit ungleich grösserer Sicherheit als ehedem würde 
man daher jetzt die öden Strecken des Inneren durchsuchen, 
die Spuren auffinden und verfolgen, auch weiss man jetzt 
viel bestimmter, wo man zu suchen hat Es handelt sich 
daher nur um eine massige Geldsumme und wir wieder- 
holen unsere Überzeugung, dass sich die Australischen Ko- 
lonien nicht vor einer verhältnissmässig unbedeutenden Aus- 
gabe scheuen werden, wenn es sich dämm handelt, eine 
dringende Pflicht der Humanität zu erfüllen. 



Die Eisverhältnisse in den Polar-Meerei\ 
und die Möglichkeit des Yordringen^ in Schiffen bis zu den höchsten Breiten. 



Nebst 6 Kärtchen, s. Tafel 6. 



Der Yorschlag des Capt. S. Osbom zu einer neuen Eng- 
lischen Expedition nach den arktischen Begionen, haupt- 
sächlich zur Erreichung des Nordpoles, — ein schon seit 
Jahrhunderten von verschiedenen Nationen angestrebtes 
höchst interessantes geographisches Problem — fand rasch 
einen lebhaften Wiederhall und in den nautischen und 
wissenschaftlichen Kreisen Englands das wärmste und un- 
getheilteste Interesse. Die mächtige Geographische Gesell- 
schaft von London , die ^ unter ihren nahezu 2000 Mitglie- 
dern die ersten Gelehrten des Eeiches umfasst vmd den 
ausgezeichneten, alle wissenschaftlichen Bestrebungen aufs 
Beste fordernden Sir Eoderick Murchison zum Präsidenten 
hat, nahm sich des Projektes auf das Angelegentlichste an 
und auch die gesammte Presse unterstützte dasselbe in ener^ 
gischer Weise; nur die „Times" und einige wenige politi- 
sche Blätter sprachen dagegen, Blätter, die nur den mate- 
riellen Interessen dienen, sich vor dem Mammon in seiner 
krassesten Form beugen und alle wissenschaftlichen Bestre- 
bungen als unnöthig und lächerlich, weil dem Geldsack 
nicht direkt förderlich, verwerfen. 

Auch die Admiralität und die Begierung haben fürs' 
Erste noch keine Eile gezeigt, die Eealisirung des Projektes 
durch eine Königliche Expedition bald und sicher in Aussicht 
zu stellen. Das ist aber in England in dergleichen Dingen 
fast immer so, und man darf deshalb nicht auf Mangel an 
Interesse für die Sache in Begierungskreisen schliessen. In 
einem wirklich yerfassungsmässig regierten Lande wie Eng- 
land, in welchem die Staats -Ausgaben nicht von den 



Wünschen irgend eines einzelnen Kriegs - Ministers oder 
des ganzen Kabinets abhängig gemacht, sondern gemein- 
schaftlich von der Regierung und Ydksvertretung fest- 
gestellt werden, kann nicht so leicht oder so rasch und 
ohne Weiteres über solche Expeditionen verfügt werden» 
die — wenn sie von Staatßwegen ausgerüstet werden - — 
gewöhnlich schwere Summen kosten, oft zehn Mal mehr, 
als sie privatim kosten würden, weil sie grossartig angelegt 
und mit ausserordentlicher Liberalität und Noblesse aus- 
geführt werden. Aber gerade auch deshalb, yreil England 
ein konstitutionelles, nach vernünftigen, der allgemeinen 
Menschenwürde entsprechenden Prinzipion regiertes Land 
ist, wird nicht die gerade machthabende Gewalt, sondern 
die Bildung und Wissenschaft den Sieg davon tragen, die 
Begierung wiW eventuell den Wünschen der Geographischen 
Gesellschaft Gehör schenken und über kurz oder lang eine 
neue arktische Expedition aussenden. 

Um überhaupt aber im Stande zu sein, der Begierung 
bestimmte Vorschläge und Wünsche zu machen, musste die 
Geographische Gesellschaft vollständige Klarheit und Ein- 
stimmigkeit über das Unternehmen und die Art seiner Aus- 
führung haben. Der Plan Osbom's war von den ersten 
wissenschaftlichen Grössen und arktischen Seefahrern gut- 
geheissen ^) und die Geographische Gesellschaft Hess es sich 
nun zunächst angelegen sein, sich mit den anderen wissen- 
schaftlichen Körperschaften Englands zu verbinden, um zu 



*) ProceedmgB of the R. Geogr. Soc, Vol. IX, Nr. 2, pp. 58—64. 



Die Eisverhältnisse in den Polar-MeeFen. 



187 



dnem gemeinsamen Handeln der Begierung gegenüber zu 
gelangen. 

Das var so etwa der Stand der Sache, als wir unser 
entes Schreiben vom 9. Februar >) an Sir Roderick Murohison 
als Präsidenten der Königl. Qeogr, Gesellschaft richteten, um 
eiaen von dem Plan des Capt Osbom ganz verschiedenen 
Vorschlag zu machen. 

Es legt für den Gteist der Wissenschaft in England ein 
sehr erfreuliches Zeugniss ab, dass von der Geogr. Ge- 
H?Ilschaft, welche die erfahrensten arktischen Forscher und 
Fachgelehrten zu ihren Mitgliedern zählt, das Schreiben 
eines Ausländers, welches ihren eigenen reiflich erwogenen 
and besprochenen Plan ausgesproch^ier Maassen über den 
Haufen zu werfen bestimmt ist und dadurch obendrein dem 
Fortgang des Projektes hemmend in den Weg zu treten 
droht, — nicht einfach in den Papierkorb geworfen wird, 
&ondem in unbefangener und unparteiischer Weise Beach- 
tung findet, sogar dann, wenn es ohne Berücksichtigung der 
gewöhnlichen Form des Geschäftsganges mitgetheilt wurde. 
Es wurde vielmehr in der nächsten Versammlung der Ge- 
sellschaft am 27. Februar auszugsweise yorgetragen und in 
dem am 20. März publicirten Sitzungs-Bericht vollständig 
abgedruckt Capt. Osbom selbst suchte zwar an der Zweck- 
mässigkeit seines Planes festzuhalten, enthielt sich jedoch 
auch der Anfechtung unserer Ansichten, empfahl vielmehr 
selbst das Schreiben zur vollen Drucklegung. Inzwischen 
gingen uns von mehreren ausgezeichneten Admirälen und 
Seeoffizieren von England und anderswo Schreiben zu, 
um ihre Übereinstimmung mit unseren Ansichten auszu- 
drücken und sich dahin auszusprechen, dass sie selbst vor 
Begierde brennten, das grosse Problem zu lösen. 

Wir haben diese Bemerkimgen dem nachfolgenden zwei- 
ten Sendschreiben vorausschicken zu müssen geglaubt, da 
«ie zur Orientimng" des Standpunktes des Unternehmens 
nöthig sind. 

Zweites Sendschreiben von A. Fetermann an Sir 

Boderick Murohison, K. C. B., Präsident der K. 

Gtoogr. Ges., über die Expedition nach dem Nordpol. 

Die bereitwillige Beachtung, welche mein erster Brief 
bei Ihnen und bei Britischen Geographen gefunden hat, 
ermnthig^ mich, diesen zweiten an Sie zu richten, um darin 
meine Gründe für einen oder zwei von mir aufgestellte 
Fonkte vollständiger und bestimmter darzulegen. 

Es ist für mich in hohem Grade erfreulich gewesen, 
aus den Berichten über Ihre Sitzung vom 27. Pebruar zu 
erfahren, dass meine Bemerkungen besonders auch bei prak- 
tisch erfahrenen Mä^mern Anklang gefunden haben und 

*) 3. ,,6eogr. Mitth." Heft lU, 38. 99-^lOi. 
Petermaiui's Qeogr. Mittheüungen. 1865, Heft lY. 



dass mehr als Ein berühmter arktischer Forscher sich bereit 
erklärt hat, eine Expedition auf dem von mir vorgeschla- 
genen Wege nach dem Nordpol zu fuhren. 

Wie ich mich in meinem ersten Briefe absichtlich 
theoretischer Schlussfolgerungen enthielt, so beschränke 
ich mich auch jetzt auf die Angabe von thatsächlichen 
Besultaten, zu denen man durch wirkliche Erfahrung und 
Beobachtung fast ausschliesslich Englischer Forscher ge- 
langt ist. 

Das weite Meer um Spitzbergen ist viel grösser als die 
Baf&n-Bai oder irgend ein anderes bis jetzt von Englischen 
Expeditionen besuchtes arktisches Gewässer und kann in 
seiner Ausdehnung nur mit äquivalenten Theilen des antark- 
tischen Beckens verglichen werden. Nehmen wir aber die 
BafiQn-Bai, den weitesten arktischen Meerestheil nach dem, 
welcher Spitzbergen umgiebt, so möchte ich fragen: Kann 
irgend ein auch noch so geringfügiger Grund angeführt 
werden, weshalb es schwieriger sein sollte, von Sir E. Par- 
ry's fernstem Punkt in 82"* 45' N. Br. nach dem Nordpol 
und ziunick zu fahren als die BafAn-Bai hinauf vom Kap 
Farewell bis zur Disco-Insel oder von der Davis-Strasse bis 
zum Smith-Sund oder von Gk)dhavn bis zum Wellington- 
Kanal, welche Strecken alle die gleiche Länge von etwa 
9a0 naut Meilen haben und so häufig von Schiffen des 
verschiedensten Kalibers befahren wurden? Es ist bekannt 
und auch Capt Osbom hat es in seiner trefflichen Abhand- 
lung erwähnt, dass das Treibeis, welches von Norden nach 
Spitzbeinen herabtreibt, weder eigentliche Eisberge noch ir- 
gend so schweres Eis umschliesst, wie man in der Bafi9h- 
Bai oder schon in der Davis-Strasse findet 

Bei einer friiheren Gelegenheit i) habe ich ausführlich 
dai^ethan, dass die Annahme einer Eisbarriire in dem Meere 
zwischen Spitzbergen und Nowaja Zemlja, die dort angeblich 
gut ausgerüsteten Schiffen das Vordringen gegen Norden 
unmöglich mache, nur auf Einbildung und Yorurtheil be- 
ruht, denn noch nie hat eine ordentlich ausgerüstete $lxpe- 
dition versucht, in jener Bichtung dem Pol sich zu nähern; 
die Expeditionen von Phipps, Scoresby, Buchan, Franklin, 
Parry, Clavering und Sabine sind alle nicht östlich über 
die Bären -Insel oder das Südkap von Spitzbergen hinaus 
gegangen. 

Treibeis in kleineren oder grösseren Massen muss jedoch 
in dem Meere nördlich von Spitzbergen eben so gut wie in 
jedem anderen polaren Gewässer erwartet werden, und ob- 
gleich ich fest überzeugt bin, dass das ganze Meer bis zum 
Pol zeitweise fast völlig eisfinei ist, so wird es doch vielleicht 
einer ersten Erforschungs- Expedition nicht leicht werden, 
gerade den Zeitpunkt zu treffen, in dem dioss der Fall sein 



*) Journal of the B. Geogr. Soe., Vol. XXI TT, pp. 130 ff. 

18 



138 



Die EisTerhältiiisse in den Polar-Meeren. 



möchte. Der Zweck meines gegenwärtigen Schreibens ist 
jedoch, darzuthun: 

1. Dass selbst in den höchsten Breiten and wo Eis- 
massen in der Form von Treibeis, Fadceis und Eisbergen 
ihre grösste Entwickelung und Ausdehnimg erreichen, nur 
ein verhältnissmässig kleiner Theil des Meeres yon Eis 
bedeckt wird, der bei weitem grösste dagegen frei davon 
und vollkommen schiffbar ist. 

2. Dass selbst die ungeheuersten Eismasscn, wie sie im 
antarktischen Meere vorkommen, einer Erforschungs-Expe- 
dition in einem irgend ausgedehnten Meere, wie das von 
Spitzbergen ist, kein ernstliches Hindemiss bieten werden. 

Das Eis der antarktischen Gewässer hat viel bedeuten- 
dere Dimensionen und treibt viel weiter in niedrige Breiten 
hinab als das, welches man irgendwo in den arktischen 
Begionen findet ; es erreicht im Atlantischen, Indischen und 
Grossen Ocean unter fast allen Meridianen eine den Deut- 
schen Nordseeküsten entsprechende Breite, an vielen Stellen 
sogar 40° und 35"; es hat sich selbst dem Kap der Guten 
Hoffnung bis auf 100 naut. Meilen genähert und daselbst 
die Breite von 34*' 40' S. (dem Äquator um anderthalb 
Grad näher als Malta) erreicht *)• In den arktischen Be- 
gionen treibt das Eis nttr an Einer Stelle bis zu einer 
so niedrigen Breite, nämlich im westlichen Theil des Atlan- 
tischen Meeres an beiden Küsten von Grönland hinab, also 
gerade quer über den Weg, den alle Englischen Expeditio- 
nen zur Aufsuchung Franklin's einschlugen. Auf der ent- 
gegengesetzten Seite des Atlantischen und Arktischen Mee- 
r^, gegen Spitzbergen und NowajaZemlja hin, also in der 
Eichtung, die ich für arktische Forschungen vorschlage, hat 
niemals auch nur ein Stückchen Polareis das NcM^kap (in 
7r N. Br.) erreicht. 

Und keine kleinen Eisberge sind es, die von den Süd- 
polar-Begionen nach dem Äquator hin weit in den Atlanti- 
schen, Indischen und Grossen Ocean hinein treiben; zwi- 
schen Tristan da Cunha und dem Kap der Guten Hoffiiung 
z. B., unter 39** S. Br. (entsprechend der Breite von Lis- 
sabon) und so ziemlich unter dem Meridian von Greenwich, 
begegnete Commander Hopkins auf dem „Seringapatam" im 
August 1840 einer grossen Flotte von Eisbergen, mächtigen, 
massiven Blöcken, von denen einer 100 Fuss hoch war^); 
im Indischen Ocean, zwischen dem Kap der Guten Hoffnung 
und Australien, segelte im November 1839 Capt. Smith auf 
dem Schiff „Orestes" unter 44** 30' bis 44" S. Br. (ent- 
sprechend der Breite von Genua) und 87" 34' bis 100" 
Östl. L. (also eine Strecke von etwa 600 naut. Meilen) 
längs einer Reihe von wenigstens 22 quaderförmigen und 



«) „Geogr. Mitth." 1863, 8. 417. 
>) Nantical Magasina, 1841, p. 341. 



oben vollkommen ebenen Eisbergen hin, von denen einer 
1 naut. Meile lang und 180 bis 240 Fuss, ein anderer 
300 bis 400 F. hoch war ') ; im Grossen Ooean begegnete 
im Januar 1833 Capt. Boulton auf der „Arethusa'' westlich 
von Kap Hom zwischen 64" 48' und 56" 51' S. Br. 
(entsprechend der Breite von Belfast und Aberdeen) und 
von 148" 57' bis 78" 6' W. L. einer Flotte von Eisbergen 
und Eisflächen, die eine lineare Ausdehnung von 2500 nan- 
tischen Meilen (!) einnahmen und von denen einige bis 800 
und 840 Fuss hoch waren ^). 

Die kompakteren Massen von Packeis im antarktischen 
Meere trifft man durchschnittlich in der Breite von 65 "" 
und bisweilen noch in 60", um aber zu zeigen, wie ver- 
gänglich selbst diese gigantischen Massen sind und wie 
leicht sie ihre Stelle wechseln und sich zerstreuen und aof 
welche Weise sie von gut ausgerüsteten Expeditionen über- 
wunden werden, wiU ich nur ein Beispiel aus der Geschichte 
der antarktischen Entdeckungen nehmen, das sich auf die 
Gegend südlich von Neu-Seeland bezieht, "die nach einander 
von Cook, Beilingshausen, Balleny, Wilkes und Boss, fünf 
der grössten Südpolar-Fahrer , untersucht und wo bis jetzt 
die höchste antarktische Breite erreicht wurde. 

Cook sah 1773 auf seinem Wege von Neu-Seeland gq|;en 
Süden die ersten Eisstücke in 62" 10' S. Br. am 12. Dezbr. 
und stiess am 14. Dezember auf grössere Massen Treibeis 
in 64" 55' S. Br. und 163" 20' W. L. „Am 15. De- 
zember um 6 Uhr'', berichtet er, „mussten wir gegen Nordost 
abholen, um ein ungeheueres, gegen Süd und Südost Tor 
uns liegendes Eisfeld zu vermeiden. Das Eis war an den 
meisten Stellen dicht zusammengepackt, an anderen erschie* 
neu Zwischenräume in dem Felde und eine freie See jen- 
seit desselben. Ich hielt es jedoch nicht für sicher, uns 
hindurch zu wagen, da der Wind uns nicht erlaubt haben 
würde, auf demselben Weg zurückzukehren. Es war nicht 
solches Eis, wie man es gewöhnlich in Buchten oder Flüs- 
sen oder nahe an der Küste findet, sondern solches, wie es 
von Inseln abbricht, und man kann es nicht unpassend als 
Abfall-Späne der grossen Stücke bezeichnen. — Wir waren 
noch nicht lange gegen Nordosten gesegelt, als wir in eine 
Bucht des Eises geriethen und genöthigt waren umzuwen- 
den und gegen Südwest zu segeln, wobei wir das Eisfeld 
oder lose Eis südlich und viele riesige Eisinseln nördlich 
von uns hatten. Nachdem wir diese Richtung zwei Stunden 
lang eingehalten, drehte sich der Wind glücklicher Weise 
nach Westen, wir wendeten, segelten gegen Norden und 
kamen bald aus all dem Treibeis heraus, jedoch nicht 
ohne einige harte Stösse von den grösseren Stücken za 



Nautical Magazine, 1840, p. 510. 
3) Ebenda 1833, p. 460. 



Die Eisverhältnisse ia den Polai^Meeren. 



189 



erhalten, die wir trotz aller Sorgfalt nicht yenneiden konn* 
ten. — Diese Schwierigkeiten zugleich mit der Unwahr- 
flcheinlichkeit, weiter im Süden Land zu finden, nnd weil 
das Eis die Erforscbung eines Boldien etwa au^fündenen 
Landes unmöglich machen würde, hestimmten mich, gegen 
Norden zurü<^zugehen." Am 17. Dezember, nnter 64^ 41' 
S. Br. nnd Ibb"" 44' W. L., segelte die Expedition gegen 
Osten »). 

Bellingshausen stiesB am 1. Dezember 1820 ziemlich in 
derselben Breite, nämlich unter eS"" S. Br. und 166'' Ö. L., 
auf eine „feste, undurchdringliche Eisbarriire" und fuhr bis 
zum 14. Dezember in östlicher Richtung an ihr hin, bis er 
an ihr Ende kam; sie soll 380 naut Meilen lang gewesen 
sein. Dann traf er wieder am 26. Dezbr. eine „undurchdring- 
liche Eismasse" ungefähr unter 67** S. Br. und 161^ W. L., 
welche die Expedition zur Umkehr gegen Norden nöthigte ^). 

Im Jahre 1839 drang Mr. John Balleny im Schooner 
,,Eli2a Schott" von lö4 Tonnen weiter vor als Cook und 
fieUingshausen , entdeckte die nach ihm benannten Inseln, 
die in einem der Gipfel bis zur Höhe yon 12.000 Euss 
au&teigen, nnd fand ein völlig ofienes und schiffbares Meer 
gerade da, wo Bellingshausen von einer „festen und im- • 
durchdringlichen Eisbarriere" berichtete. Am 27. Ja- 
nuar 1839, nnter 63' 37' S. Br. und 176' 30' Östl. L. 
kreuzte er Capt. Bellingshausen's Kurs, sah hier den ersten 
Eisberg und fuhr weiter gegen Süden über denselben Funkt, 
wo festes Eis die Russische Expedition gezwungen hatte, 
sich ostwärts zu wenden. — Am 1. Februar befand er sich 
nahe am Baude einer grossen Masse Packeises und sah sich 
genöthigt, seinen Kurs gegen Norden zu wenden, um das 
Eis zu vermeiden. „Diess war daher ihr südlichster Funkt, 
sie hatten jetzt den Farallel von 69'' unter 172'' 11 ' Ö. L. 
erreicht, waren also volle 220 naut Meilen südlich von 
dem Funkte vorgedrungen, au den Bellingshausen ungefäir 
unter diesem Meridian hatte gelangen können: ein Beweis 
mehr, dass das Eis in diesen Begionen, selbst in unmittel- 
barer Nähe des Landes, durchaus nicht stationär ist" '). 

Dann fand Balleny genau an derselben Stelle ein offe- 
nes, schiffbares Meer mit zahlreichen Walfischen und „kein 
Eis in Sicht", wo Wilkes von der Amerikanischen Erfor- 
sehtmgs - Expedition im folgenden Jalure (1840) eine un- 
dorchdringliche Eiswaud antraf, hinter welcher er auf seiner 
Karte hohes Land und seinen vermeintlichen „Antarktischen 
Kontinent" angiebt*). 

») Cook, Voyage towards tbc South Pole 1772 — 76, Vol. I, 
pp. 252—254. 

^ Ennan, Ruwiscbe» Archiv, Bd. II, SS. 163—165. 

^ Journal of the R. Geogr. Soc, Vol. IX, pp. 519 ff. 

*) Siehe „A copy of the tracing of the icy barrier attached to the 
Anurctic Continent discoyered by the ü. S. Exploring Expedition 1840, 
eommunicated by Lieut. Wilkes to Capt James Ross". (J. Ross, Voyage 
to the Southern Seas, Vol. I, p. 352.) 



Keine dieser vier Expeditionen hatte nur annähernd 
solche Erfahrung in der Beschiffung von Eismeeren wie 
solche, die heut zu Tage von den Englischen Küsten aus- 
gehen würden, noch konnten sie rüoksichtlioh der Ausrüstung 
mit diesen verglichen werden; dennoch bewiesen sie, dass 
selbst die kompaktesten und scheinbar festesten, unbeweg- 
lichsten Eismassen durchaus nicht stationär sind, sondern 
dass sie sich beständig verändern, nach niedrigeren Breiten 
treiben und so die hinter ihnen gelegenen Meercstheile 
höherer Breiten von Eis befreien. 

Die erste und bis jetzt einzige Expedition in den ant- 
arktischen Gewässern, die sich nicht durch das Eis ab- 
schrecken liess, südwärts vorzudringen, war die von Sir 
James C. Boss, obwohl ihr Zweck nicht der war, eine mög- 
lichst hohe Breite zu erreichen, sondern die antarktischen 
Begionen Behufs magnetischer Beobachtungen zu umkreisen. 

Sir James C. Boss drang an zwei Stellen südwärts vor, 
wo alle seine Vorgänger — Cook, Bellingshausen, Balleoy 
und Wilkes — ein weiteres Vordringen für ganz unmöglich 
hielten. Das erste Mal wurde der Packeis-Gürtel am 1 . Ja- 
nuar 1841 unter 66** 32' S. Br. und 169* 46' Östl. L. 
angetroffen, „es sah keineswegs so undurchdringlich aus, 
wie man hatte erwarten müssen" ') nach der Beschreibung 
früherer Expeditionen, und obgleich Wetter und Wind di- 
rekt gegen das Eis trieben und die etwa zu wünschende 
Rückkehr nach dem offenen Wasser im Norden unmöglich 
machen mussten,. so drangen sie doch am 5. Januar, un- 
gefähr unter 66*" 45' S. Br. und 174*" 34' Östl. L., furcht- 
los in das Packeis ein. Nachdem der äussere Band, der 
wie gewöhnlich aus viel schwererem Eis gebildet war als 
die übrigen Theile, durchbrochen war, fenden sie das Eis 
viel leichter und weniger zusammenhängend, als es aus der 
Feme den Anschein gehabt hatte. Es bestand hauptsäch- 
lich aus kleinen, aus dem letzten Winter herstammenden 
Stücken Flächeneises und über einander geschobenen Haufen 
älteren Datums, durch starken Druck zu sehr schweren 
Massen zusammengepackt; aber so furchtbar war es keines- 
wegs, als sie nach den Berichten der Amerikanischen und 
Französischen Erforschungs - Geschwader erwartet hatten. 
Bei hellem Himmel verfolgten sie ihren Weg durch das Eis, 
indem sie die offensten Kanäle auswählten und die ver- 
sperrenden Barrieren durchbrachen, wo sie vorkamen. Am 
6. und 7. jedoch wurde das Eis so dicht, dass sie sich ge- 
nöthigt sahen, an einer kleinen Stelle offenen Wassers still 
zu liegen und zu warten, bis sich das Eis öffne. Am Abend 
des 7. bohrten sie sich 7 bis 8 naut. Meilen gegen Südost 
durch das Eis gegen eine Stelle, wo sie vorher den Hoff- 
nung erweckenden Wasserhimmel gesehen hatten. Am 8. 



I) J. C. Boaa, Voyage to the Southern Seas, 1, pp. 172— 1S2. 

18» 



140 



Die EisYerliältilifiBe in den Polar-Meeren. 



öffiiete sich bei yollkommener Windstille das Eis in allen 
Richtimgen, „wie diese nach nnserer Erfahrung immer in 
den Polar-Meeren der Fall ist, und da um 8 Uhr Abends 
Nordwind zu wehen begann, legten wir eine Strecke durch 
das Packeis zurück, indem wir unter vollen Segehi nach 
dem Wasser im Südosten hin vordrängten. Wir hielten 
manchen heftigen Stoss aus, wenn wir die vorliegenden 
Massen dichteren Eises durchbrachen« Trübes Wetter und 
Schnee machten es unmöglich, auf einige Entfernung vor 
uns zu sehen oder unseren Weg auszusuchen, während der 
stärker werdende Wind uns rasch forttrieb.' So hatten wir 
am 9. Januar um 5 Uhr Morgens das Ziel unserer An- 
strengungen erreicht und befanden uns wieder in einem 
offenen Meere." 

Die Breite dieses Packeis-Gürtels, durch welchen sich Sir 
James C. Boss mit so grossem Erfolg in 4 Tagen durch- 
arbeitete, betrug ungefähr 130 naut. Meilen. 

Das zweite Mal bohrte er sich durch den Packeis-Gürtel 
25 bis 40 Grad östlicher, indem er ungefähr in 61^ 45' S.Br. 
und 146^ 30' W. L. in denselben eindrang und unter 
67 • 45' S. Br. und 159' 30' W. L. aus demselben in 
das jenseit befindliche freie, schiffbare Meer gelangte. Er 
brauchte nicht weniger als 46 Tage dazu, vom 18. Dezem- 
ber 1841 bis 2. Februar 1842. Ich kann bei dieser Gele- 
genheit nicht alle Details der Fahrt durch diesen ungeheueren 
Eisgürtel (wie sie im 2. Bd. des oben citirten Werkes, 
SS. 145 — 188, erzählt werden) wiedei^ben, es möge daher 
genügen zu bemerken, dass es nicht ein Treiben tntt dem 
Eis war, sondern ein Arbeiten und Bohren durch und gegen 
dasselbe, oft zugleich auch g^;en Wind und Strömung, 
und alles diess, wohlgemerkt, mit schwerfälligen Segel- 
Schiffen und ohne Dampfkraft 

Diese ungeheuere Eismasse nahm 6 Breitengrade ein, 
da sie aber in schiefer Eichtung passirt wurde, betrug ihre 
Ausdehnung wenigstens 500 naut. Meilen. 

Für die Geographie und die fernere Erforschimg der 
Pol^r-Begionen ist es von der höchsten Wichtigkeit, zu unter- 
suchen, was die Expedition von Sir J. C. Boss auf der an- 
deren oder polaren Seite des Eisgürtels fand, von welchem 
aUe Seefahrer vor ihm, wie Cook, Belling^ausen, Balleny, 
Wilkes, d'Urville und Andere, angenommen und auf das 
Bestimmteste versichert hatten, er bilde ein undurch- 
dringliches, unmöglich zu überwindendes Hindemiss ^ 
weiteres Vordringen. Nach dem gewöhnlichen Yorurtheil 
müsste er in wachsendem Maasse eine Zunahme von Eis 
und Kälte und noch grössere Schwierigkeiten für die Schiff- 
fahrt gefunden haben, aber diess war keineswegs der Fall, 
wie auch Sir J. C. Boss selbst, der mit Muth und Beherzt- 
heit grosse Erfahrung und eine klare Anschauung der in 
den Polar -Begionen herrschenden Naturgesetze verband, 



ganz richtig gesehlossen hatte, selbst als er im Packeis von 
allen Schrecken und Gefahren der Eiswelt umgeben war. 
Am Beginn des dritten Jahres seiner Fahrt nämlich sagt 
er'): — „Trotz der ungunstigen Umstände, in denen wir 
uns befeuiden, wurde doch das neue Jahr von ims Allen 
mit denselben Gefühlen vertrauensvoller Hoffnung undFieude 
b^;rüsst, welche unsere Anstrengungen bei unseren früherea 
Operationen in diesen Gegenden erleichtert hatten, und ob- 
gleich sich diess Mal das Eis viel weiter nördlich erstreckte 
und wir gerade jetzt in einer so dichten Masse eingeschloB- 
sen waren, dass nicht die kleinste eisfreie Stelle entdeckt 
werden konnte, vielmehr das Ganze vom Mastkorb aus ge- 
sehen eine scheinbar undurchdringliche Eisfläche bildete, so 
weit das Auge reichte, so ermuthigte uns doch eine Beob- 
achtung zu der Hoffiiung, dass offenes Wasser nicht sehr 
weit südüch von uns zu finden sei, dexm wir fanden, dass 
das uns einschliessendc Eis vor jedem aus Süden kommeu- 
den Wind nordwärts sich bewegte: es musste also an der 
Stelle, die es ursprünglich eingenommen hatte und von der 
es wegtrieb, offenes Wasser zurücklassen." 

Sir J. C. Boss' Voraussetzung war vollkommen richtig, 
denn er ^d beide Male jenseit des Eisgürtels ein freies, 
offenes Meer, in dem er ohne Schwierigkeit Tausende von 
Seemeilen zurücklegte. Im ersten Jahr konnte man am 
Tage nach dem Austritt aus dem Eis „nicht ein Stückchen 
Eis in irgend einer Bichtung vom Mastkorb aus erblicken" ^) 
und am nächsten Tag gab die Entdeckiug des Victoria- 
Landes mit seinen kolossalen, bis zur Höhe des Mont Blaue 
aufsteigenden Bergen „an England die Ehre der Entdeckung 
des südlichsten Landes zurück, nachdem sie der unerschro- 
ckene Bellingshausen (dadurch, dass er ein südlicheres Land 
auffand als Cook) für Bussland errungen hatte und von 
diesem 20 Jahre lang behauptet worden war." Nun wurden 
ununterbrochen interessante Entdeckungen gemacht, die um 
so wunderbarer waren, als man früher Nichts dergleichen 
erwartet hatte; an demselben Tage noch landete die Expe- 
dition an der Possession-Lisel , die vollständig bedeckt war 
von unzählbaren Myriaden von Pinguinen und tiefen Guano- 
Lagern, „die einst den Landwirthen imserer Australischen 
Kolonien von Kutzen werden können" ^). Bann „beobachtete 
man eine grosse Zahl Walffsche, 30 wurden zu gleidier Zeit 
in verschiedenen Bichtungen gezählt und den ganzen Tag 
über sah man ihre Athemstösse, wo sich nur das Auge 
hinwendete. Bis jetzt haben sie hier, ausser dem Bereiche 
ihrer Verfolger, ein ruhiges und sicheres Leben genossen, 
aber von nun an werden sie ohne Zweifel zu dem Beich- 
thum unseres Landes beitragen müssen im genauen Ver- 



<) J. C. Boss, Yoyage etc. U, p. 166. 
*) Ebenda I, p. 182. 
*) Ebenda I, p. 189. 



Die EiBverhältnifise in den Polar-Meei en. 



141 



hältiuss jmr Eneigie und Ausdauer unserer Kauflente 
welche diese Eigenschaften, wie vir wissen, in keineswegs 
genngem Grade besitzen. Eine neue Quelle des National- 
Mchthums ist somit den Handels-Untemehmungen geö&ety 
und wenn man sie mit Kühnheit und Ausdauer yerfolgt, 
mofls sie nothwendig reichlich produktiv werden." An einer 
anderen Stelle heisst es: „Wir sahen eine grosse Anzahl 
Walfische, so oft wir dem Bande' des Packeises nahe kamen, 
und ich zweifle nicht, dass diese Stelle bald ein häufiger 
Tummelplatz imserer Walfischfahrer sein wird, da er in so 
bequemer Entfernung von Tasmania liegt, wo sie alle Mittel 
za ihrer Ausrüstung vorfinden" >). 

Bei weiterer Fahrt gegen Süden durch ein „von Eis- 
bergen und Treibeis vollkommen freies Meer" wurde eine 
andere merkwürdige Entdeckung gemacht , nämlich die von 
zwei hohen, bis 10.000 und über 12.000 Puss au&teigenden 
Ynlkanen, welche Flammen und Bauch in grosser Menge aus- 
stiessen; hier endlich wurde das weitere Vordringen durch 
eine senkrechte Eiswand abgeschnitten, die ohne Zweifel 
auf einer niedrigen Küstenlinie dieses vulkanischen Gebiets 
ruht 

Obgleich im zweiten Jahre die lange und ermüdende 
Gefimgenschaft in dem Packeis der Expedition nur wenige 
Tage von dem schlechtesten Theil der Saison zur Fahrt 
nach Süden übrig liess, so fand sie doch ein eben so freies. 
und offenes Meer, durchschnitt es in ein Paar Wochen vor- 
wärts und rückwärts tmd gelangte sogar in eine etwas hö- 
heie Breite als im ersten Jahr, nämlich bis 78^ 9' 30"^, 
der höchsten bis auf diesen Tag im antarktischen Gebiet 
erreichten. Auch die Eiswand wurde 10 Längengrade öst- 
lich über den Punkt hinaus verfolgt, wo ün Jahr zuvor 
Packeis das weitere Vordringen unmöglich gemacht hatte. 

Das Vorstehende beweist zur Genüge, dass selbst in 
den hödisten Breiten die Eismassen nur einen Verhältnisse 
massig kleinen Theil des Meeres einnehmen, dass sie sich 
stets verändern, dem Äquator zutreiben und so allmählich 
Terschwinden und dass sie für eine gut geführte, tüchtige 
Expedition kein unüberwindliches Hindemiss abgeben. Und 
nidit nur fanden die verschiedenen Seefahrer das Packeis 
an verschiedenen Stellen in den betreffenden Jahren ihrer 
Heise, sondern es erwies sich sogar durch Sir J. C. Boss, 
dass es seine Stelle und Breite innerhalb des kurzen Zeit- 
nuuns einiger Wochen total ändert; so fand er in den 
Breiten, wo er sich im Januar 1841 durch eine kompakte 
Eismasse von 130 Meilen Breite hatte durchbohren müssen, 
im Anfang des März auf der Bückfiahrt Nichts als ein voU- 
konunen freies Meer und eben so fand er weiter östlich, 
wo er im Februar 1842 jene ungeheuere, 500 naut. Meüen 



>) J. C. Bobs, Voyage etc. I, p. 191 und 266. 



breite Eisfläche angetroffen, nur 4 Wochen später das Meer 
vollkommen offen und schiffbar und fast ganz frei von Sis. 

Daraus aber, dass dir J. C. Boss in zwei auf einander 
folgenden Jahren bis jenseit des Packeises kam, ersieht man, 
dass jene Fahrt nicht etwa nur in ausserordenthch günstigen 
Jahren und bei besonders glücküchen Umständen mögUoh 
ist, sondern dass in j$dem Jahr eine tüchtige Expedition 
Aussicht auf das Vordringen zu hohen Breiten hat 

Die fünf Kartenskizzen auf Tafel 5, welche das Gebiet» 
auf das sich die vorstehenden Bemerkungen beziehen, in 
gleichem Maassstabe neben einander darsteUen, zeigen auf 
Einen Blick, dass, wo ein Seefahrer undurchdringliche Eis- 
massen fand, ein anderer ganz und gar kein Eis antraf^ und 
umgekehrt, und dass Sir J. C. Boss dadurch, dass er das 
Fackeis durchbrach, in Einer Tour 700 naut. Meilen weiter 
gegen den Pol hin über den äussersten Punkt hinaus kam, 
den seine Vorgänger erreicht hatten. Und doch stand ihm 
keine Dampfkraft zu Gebote, er hatte nur schwerfallige 
Cdull-sailing") Schiffe. 

Sicherlich giebt es in keinem polaren Gewässer von einiger 
Grösse, und wenn diess gerade unter dem Pol läge, eine 
wirklich feste sogenannte Eisbarri^re, die nicht von einer 
Expedition, wie sie heut zu Tage ausgesendet werden würde, 
mit Erfolg überwunden werden kann, und wenn ein antark- 
tisches Meer wie das von den Polar-Alpen des Victoria- 
Landes eingefasste, von einer nur schwachen Strömung be- 
wegte, so leicht und sicher zu befahren ist, wie viel mehr 
muss diess ein Meer sein wie jenes nördlich von Spitz- 
bergen, welches von zwei mächtigen Strömungen durchsetzt 
wird, von denen die eine das Eis hinwegträgt, während die 
andere die warmen Gewässer des Golfs^ms zuführt! Und 
deshalb wiederhole ich hier mit Nachdruck die Frage: „Ist 
irgend Jemand im Stande, einen noch so geringfügigen 
Grund dafür anzuführen, weshalb die 435 naut Meilen 
lange Strecke von Parry's fernstem Punkt in dem offenen 
Meer nördlich von Spitzbergen bis zimi Nordpol nicht ganz 
eben so leicht befahren werden könnte wie die 700 naut. 
Meilen lange Strecke von Balleny's fernstem Punkt bis 
zu dem südlichsten Punkt . der Boss'schen Expedition in 
78* 10' S. Br.? 

Ich kann mich daher der Überzeugung nicht verschlies- 
sen, dass, wenn Sir J. 0. Boss vor 25 Jahren mit schwer- 
fälligen Segelschiffen durch gewaltige Eisgürtel hindurch 
und jenseit derselben 700 naut. Meilen vordrang, — die 
Erreichung des Nordpols von Spitzbergen aus mit einem 
Schraubendampfer heut zu Tage eine sehr leichte, gering- 
fügige Sache sein würde. Sollte keine Expedition von den 
Englischen Küsten nach dieser Bichtung abgesendet werden, 
so wäre ich vielleicht im Stande, mit Hülfe meiner Ver- 
bindungen und Freunde eine Deuteche, Skandinavische, Bus- 



U2 



Die Eisverhältnisse in dea Polar-Meeren. 



Bische oder Trauzösische anzuregen; aber so sehr mir die 
Fortsetzung der polaren /Porschungen und eine Expedition 
über Spitzbergen hinaus am Herzen liegt, so möchte ich 
doch überhaupt gar keine Expedition imtemommen sehen, 
wenn sie nicht tüchtig und entschlossen wäre gleich der von 
Sir «F. G. Boss oder, was schlimmer als Alles sein würde, wenn 
sie mit dem Vorurtheil ausginge, es befinde sich eine Eis-v 
barriere zwischen Spitzbergen und Nowaja Zemlja, und dann, 
wenn sie dort vielleicht etwas Eis anträfe, umkehren würde, 
wie es Cook, Bellingshauseu, Balleny, Wilkes und d'UryiUe 
in der antarktischen Eegion südlich von Neu-Seeland gethan; 
denn eine solche Expedition würde dem Fortgang deY ark- 
tischen Forschungen nur schaden und ihn auf weitere hun- 
dert Jahre hinausschieben. 

Die neue Expedition müsste eine tüchtige und vorur- 
theilslose sein, wie die von Sir J. G. Boss, der sich nicht 
um die von seinen Yorgängem geschaffenen Schwierigkeiten 
und eingebildeten Unmöglichkeiten kümmerte, sondern sei- 
nepi eigenen Muth, seiner Energie und Erfahrung so wie „der 
IJnerschrockenheit, dem unfehlbaren Gehorsam und den uner- 
müdlichen Anstrengungen seiner Gefährten" ^) vertraute. 

Eine neue Expedition über Spitzbergen nach dem Nordpol 
sollte 'WO möglich schon Anfang März abgehen, bevor die 
Treibeis-Massen von den Sibirischen Küsten das Meer von 
Spitzbergen erfüllen; sie würde dann unter günstigen Um- 
ständen in Einem Zuge bis zum Nordpol fahren können, 
vielleicht in 3 oder 4 Wochen, imd jenen interessanten 
Punkt gerade dann erreichen, wenn die Sonne wieder er- 
scheint und der arktische Sommer beginnt. Innerhalb der 
sechs Sommermonate könnte die ganze westliche oder Ame- 
rikanische Grenze des arktischen Beckens von der nördlich- 
sten bekannten Spitze Ost-Grönlands bis zur Bering- Strasse 
erforscht werden, denn die Asiatische Küste ist bereits 
durch Bussische Expeditionen ziemlich gut bekannt. Im 
September oder Oktober könnte eins der Schiffe mit Nach- 
richten über die Vorgänge und Entdeckungen des Sommers 
nach Hause geschickt werden, während das andere den 
Winter an einer dem Pole möglichst nahe gelegenen Stelle 
zubrächte, um wissenschaftlicl\e Beobachtungen zu machen 



') Selbst in dem furchtbaren Packeis, worin sie im zweiten Jahre 
eingeschlossen waren, yerliess sie der frohe Muth des echten Britischen 
Seemannes niemals und der Neujahrstag von 1842 wird mit folgenden 
Worten beschrieben : — „Da der Zustand des Eises jeden Versuch, vor- 
wärts zu kommen, verhinderte, blieben wir an einem grossen Stück 
Flächeneis vor Anker, unsere Mannschaft verbrachte den Tag auf dem 
Eis mit verschiedenen lustigen Spielen, die ihr Witz erfunden, und zum 
SchlusB wurde ein grossartiger Maskenball von neuer und origineller 
Art veranstaltet. An diesem nahmen alle Offiziere Thcil, was viel zur 
Erhöhung der Lustbarkeit und des Scherzes beitrug. AUe schienen sich 
vortrefflich zu amüsiren, und in der That, hätten unsere Freunde in 
England die Scene mit angesehen, sie würden uns für ein sehr glück- 
liches Völkchen gehalten haben, was auch sicherlich der Fall war." 
(Ross, Voyage II, p. 156.) 



und dadurch zum eigentlichen Kern unseres ganzen meteoro- 
logischen und physikalischen Systems der nördlichen Hemi- 
sphäre zu gelangen. Das erstere Schiff würde dann im 
Frühjahr zurückkehren und das andere unterstützen^ ent- 
weder um nach Hause zu kommen oder die arktißchen 
Forschungen fortzusetzen; indess eine tüchtige Expedition 
würde schon in 6 Sommermonaten durch Annahmen viel 
leisten und eben so viel durch wissenschaftliche Beobach- 
tungen während eines Winters. 

£ine solche Expedition würde weniger Gefahr laufen 
als irgend eine bis jetzt unternommene arktische oder ant- 
arktische, denn sie hätte in den Häfen von Spitzbergen 
unter 80^ N. Br. eine feste Basis für beständige Yerbioduiig 
mit England, dorthin kann man das ganze Jahre hindurch 
von der Themse aus in 1 4 Tagen gelangen und der Nordpol 
ist von jenen Häfen unter 80® N. Br. für einen Schrauben- 
dampfer nur ein Paar Tage entfernt. 
Ich habe die Ehre u. s. w. 

August Petermann,, 
korrespondirendes Ehrenmitglied der Kgl. Geogr. Gesellschaft. 

Gotha, den 3. März 1865. 

Das vorstehende zweite Schreiben wurde in einer dritten 
dem Gegenstande gewidmeten und am 27. März abgehal- 
tenen Versammlung der Königlichen Geographischen Gesell- 
schaft vorgetragen und der Inhalt von den ersten wissen- 
schaftlichen und nautischen Koryphäen Englands lebhaft 
diskutirt, so lebhaft und eingehend, dass, als die Diskussion 
bis zur späten Stunde 1 1 Uhr gedauert, die Sitzung vertagt 
und die Fortsetzung der Diskussion auf die nächste Ver- 
sammlung am 10. April verschoben werden musste. Das 
ist dann bereits die vierte Sitzung, unseres Wissens seit 
dem 36jährigen Bestehen der Gesellschaft das erste Mal, 
dass von den 14 Sitzungen des ganzen Jahres so viele Einem 
Thema gewidmet wurden. Sir Boderick Murchison eröffnete 
die Versammlung mit einer Hede, in der er bemerkte, dass 
es der Hauptzweck der Sitzung wäre, die beiden Projekte, 
Osbom's und das unsrige, von Fachmännern und arktischen 
Forschern eingehend und erschöpfend diskutirt zu sehen, 
damit die Geographische Gesellschaft in Verein mit anderen 
wissenschaftlichen Körperschaften London's in den Stand ge- 
setzt werde, dasjenige Projekt zu erwählen und der liegie- 
rung vorzuschlagen, welches am geeignetsten erschiene und 
den meisten Erfolg verspräche. 

Admiral Sir Edward Belcher, Admiral Ommauncv, Ad- 
miral Fitz-Roy und Gapt. Eichards sprachen für unseren 
Plan und bloss Admiral Sir G. Back und Admiral Collinsou 
dagegen ; Capt. Maury befürwortete zwei Expeditionen nach 
den beiden verschiedenen Projekten. 

Admiral Fitz-Roy, der hoch verdiente Chef der grossen 



Die EisTerhältiiisse in den Polar-Meeren. 



14S 



Süd-Ameiikanisohen YennesBungs- Expedition (dem der be- 
rühmte Natoifonoher Charles Darwin als Leiter der naturwis- 
seoädiafUichen üntersuchiingen beigegeben war), der Urheber 
und Direktor des äusserst wichtigen telegraphisoh-meteoro- 
logischea Institutes, — hat bei Gründung des letzteren die 
besten £i&hmngen gemacht, was fest eingewurzelte Yor- 
mtheile sogenannter praktischer Seeleute gegen die Schluss- 
folgerongen der Wissenschaft sind. £r erwähnte unter 
Anderem, dass er seit 40 Jahren die arktischen und antark- 
tischen Forschungen sehr lebhaft verfolgt und ihre Resultate 
Ton Jahr zu Jahr notirt habe und dass er zu der Über- 
zeagong gelangt sei, dass man auf die Ba£&n-£ai als Basis 
arktischer Expeditionen zu grossen, auf das Spitzbergische 
Meer zu wenig Werth gelegt habe und dass die Resultate 
der Holländischen,, Englischen und Russischen Expeditio- 
nen in dieser Richtung nicht Aufmerksamkeit und Beiüok- 
sichtigung genug erfahren hätten. 

Sir Qeorge Back, der Haupt-Opponent unseres Planes, 
suchte dagegen geltend zu machen, dass „eine Theorie, die 
in einem warmen Zimmer in Berlin (oder Gotha?) aus- 
geheckt sei" 0> überhaupt keine Berücksichtigung verdiene. 
Wir halten aber dafür, dass die Schlussfolgerungen verglei- 
chender Geographie mit den auf Autopsie beruhenden An- 
sichten, dass die Arbeit im Eabinet mit derjenigen im 
Felde Hand in Hand gehen sollte. Sir George Back gehört 
zwar zu den ältesten der jetzt lebenden Arktischen Ycte- 
lanen, indem er schon im Jahre 1818 Sir John Franklin 
und Admiral Beechey auf der ersten Expedition, die in 
di^em Jahrhundert von England nach den arktischen Regio- 
nen ausgesandt ist, begleitet hat, allein daraus folgt noch 
nicht, dass seiue Ansichten über die grossen Grundzüge 
polarer Geographie die richtigsten sein müssen, eben so 
wenig, als es diejenigen des unsterblichen Cook über die 
Beschaffenheit des antarktischen Kerns waren. Gerade in 
Bezng auf die Geographie der arktischen Regionen haben 
die beschränkten und einseitigen Ansichten gewisser Arkti- 
schen Reisenden dieses Jahrhunderts den unberechenbarsten 
Nachtheil gehabt und wesentlich dazu beigetragen, dass die 
Central-Region des Nordpols ein unerforschtes Gebiet ge- 
blieben ist. Übrigens sprach sich Admiral Sir E. Reicher 
bezüglich der von Back begleiteten Expedition im J. 1818 — 
welche angeblich die völlige Unmöglichkeit, zu Schiff über 
Spitzbergen hinaus zu konunen, erwiesen habe — dahin 
aus, dass jene Expedition nicht den richtigen Weg ein- 
geschlagen habe und überhaupt nicht ordentlich und nicht 
im wissenschaftlichen Geiste gefuhrt worden sei. 

Die Gründe, die Capt. Maury gegen unseren Plan vor- 
brachte, sind: 1) die Annahme einer undurchdringlichen 

') „Times", 28. Mirz 1865. 



Eisbarriire im Spitzbergischen Meere, ähnlich wie die von 
den Antarktischen Seefahrern von Cook bis James Boss in den 
Südpolar-Regionen vermuthete. Sir James 0. Ross hat aber 
bewiesen, dass diese Vorstellung der Eisverhältnisse polarer 
Meere eine irrige ist. Bann meint er, 2) die Arktischen Regio- 
nen seien gar nicht vergleichbar mit den Antarktischen, weil 
diese ein feuchtes, jene ein trockenes Klima besässen, wess- 
halb man auch aus dem erfolgreichen Vordringen des Sir 
J. C. Ross am Südpol nicht auf ein ähnliches Vordringen 
am Nordpol schliessen könne. Die Logik dieses Satzes sind 
wir ausser Stande zu fassen, und bemerken dah^r nur, dass 
der angeblich grosse Unterschied zwischen den beiden Folar- 
Regionen als zwischen einem trockenen und feuchten Klima 
gar nicht existirt, wenigstens in der Richtung unserer vor- 
geschlagenen Route nicht. Darüber hätte er sich schon aus 
dem einen so wohlbekannten Werk von Sir E. Parry ') 
überzeugen können, wo es unter dem 26. Juni heisst: „Es 
ist eine merkwürdige Thatsache, dass wir bereits im Laufe 
dieses Sommers mehr Regen gehabt haben, al6 während der 
sieben vorhergehenden Sommer zusammengenommen, ob- 
gleich wir dieselben in Breiten zubrachten, die 7* bis 15* 
weiter südlich waren." In p. 84: „Ich habe nie zuvor in 
den Folar-Regionen einen solchen Regen erfahren, der mit 
diesem [nördlich von Spitzbergen] verglichen werden könnte, 
und der ohne Unterbrechung 24 Stunden lang anhielt, und 
einige Mal mit grosser Heftigkeit und in grossen Tropfen 
herabkam." In p. 129 : „In diesem Appendix ist das Merkwür- 
digste die ausserordentliche Masse Regen, von der man be- 
stimmt annehmen kann, dass sie nördlich von Spitzbergen 
20 Mal so viel betrug, als in den südlicheren Theilen der 
Folar-Regionen." 

Ein grosser Eortschritt in der Angelegenheit scheint 
uns der zu sein, dass der Hydrograph der Admiralität, 
Captain Richards, ein Mann von höchst einflussreicher Stel- 
lung, der noch in der Versammlung vom 23. Januar gegen 
eine neue Expedition zum Nordpol überhaupt war, in der 
letzten Sitzung völlig dafür gewonnen erschien und sich für 
unseren Plan als den geeignetsten aussprach. Er sagt unter 
Anderem: „Gesetzt den Fall, eine Schlitten-Expedition wie 
die von Osbom projektirte, würde reussiren, was wäre dann 
erreicht? Die Expedition würde hin zum Fol xuid zurück 
g^angen sein, und weiter Nichts. Es sei ein himmelweiter 
Unterschied zwischen einer Erforschuags - Expedition in 
Schlitten oder zu Schiff; erstere müsse in gerader Linie 
vorgehen, mit einer Schnelligkeit, die 6 bis 7 Seemeilen 
den Tag nicht überstiege, und dabei könne sie von den 
durchschnittenen Regionen gar Nichts sehen, ausser was 
ein paar Meilen zu beiden Seiten läge. Aber zu Schiff 



') Parry'» NarratiTe, 1827. 



144 



Die Eisverhältnisse in den Polar-Meeren. 



würde man 100 Meilen den Tag vorwärts kommen, und 
zwar in beliebiger Richtung, so dass man das Gebiet der 
Entdeckungen viel weiter ausdehnen und dabei eine Anzahl 
wissenschaftlicher Forscher und einen grossen Wissenschaft- 
liehen Apparat mitnehmen könne. Überhaupt wäre seine 
Ansicht bezüglich der beiden Pläne, dass heut' zu Tage 
kein Mann bei Verstand die Ba£fin-Bai, Smith -Sund und 
Barrow - Strasse hinaufgehen würde, um das Folarbecken 
zu erreichen. Dahin führe nur ein Weg, und zwar über 
Spitzbergen." 

In der letzten Sitzung der Gesellschaft am 10. April 
wurde zuerst von Herrn W. E. Hickson ein Vortrag ge- 
halten über das Klima am Nordpol, in welchem der Autor 
unter Anderem zu der Schlussfolgerung gelangt, dass imter 
dem Fol im Ganzen weniger Eis angetroffen werden würde, 
als in der Ba£&n-Bai, und dass er desshalb und aus anderen 
Gründen die Route über Spitzbergen als diejenige bezeichne, 
die den sichersten Erfolg verspreche. 

Herr Clements R. Markham suchte in seinem Vortrag 
über die beste Route zum Nordpol zu zeigen, dass die von 
Capt Osborn vorgeschlagene die bessere sei, indem er an- 
nimmt, dass eine Expedition via Spitzbergen bis zum An- 
fang September gebrauchen würde, um durch das Eis zu 
kommen, und dann nur noch etwa 2 Wochen bis zur Bil- 
dung neuen Eises zur Erforschung der Region am Nordpol 
selbst hätte. Diese unmotivirte Behauptung wird durch die 
nachfolgende Angabe des sehr bewährten und tüchtigen 
Capt Inglefield gründlich widerl^. Herr Markham scheint 
sich überhaupt noch auf dem Standpunkte der alten mangel- 
haften Expeditionen ohne Dampfkraft zu befinden und ausser 
Berücksichtigung zu lassen, dass man mit einem Schrauben- 
dampfer Eismassen ausweichen und gegen Strömung arbeiten 
kann. Dann suchte er nachzuweisen, dass die Schififahrt 
durch das Eis der Baffin-Bai nicht gar so schwierig sei, 
indem er die Fahrten von 38 Schiffen namhaft machte, die 
sich alle glücklich bis zum nördlichen Theil der Baffin-Bai 
durchgearbeitet hätten ; als ob das nicht gerade viel vortheil-* 
hafter noch für die Strecke von Spitzbergen zum Nordpol 
spräche, wO ein so schweres Eis als in Baffin-Bai gar nicht 
existirt und wo die von Eis heimgesuchte Strecke Meeres 
nur etwa Vs so gross ist als auf der Fahrt durch die Baffin- 
Bai. Zur Empfehlung des Osbom'schen* Vorschlages fuhrt 
er femer an, dass er identisch sei mit dem der £gl. Geogr. 
«Gesellschaft im Jahre 1847 vorgelegten Plan des Russischen 
Admirals Wrangell '), versäumt aber gleichzeitig anzugeben, 
dass derselbe schon damals eine höchst ungünstige Kritik 
Seitens des berühmten Sir John Barrow erfahren habe, die 
jetzt noch ebenfalls in demselben Grade gegen die Annahmen 



») Journal R. G. S., Vol. 18, pp. 19—23. 



Osbom's und Markham's spricht. Sir John Barrow war 
schon damals nicht für die Annahme der Ausdehnung Grön- 
lands bis zum Nordpol, sondern nahm ein weites und schiff- 
bares Meer unter dem Pol an, verwarf die Benutzung der 
Schlitten zur Ausführung eines solchen Projektes und be- 
merkte mit Nachdruck, dass ein paar starke Schiffe zu 
einer solchen Expedition viel besser geeignet sfeien *). Die 
viel grösseren Schwierigkeiten des Osbom'schen Planes 
konnte indess auch Markham schliesslich nicht in Abrede 
stellen, indem er zu dessen Ausfuhrung zwei Schiffe mit 
120 Mann und 2^ Jahre nöthig erachtet. Markham zwei- 
felt an der Existenz eines weiten Meeres nördlich ron 
Spitzbergen und glaubt, dass man bei Verfolgung des Osbom'- 
schen Planes auf kein offenes Meer stossen werde, — 
Alles wenig stichhaltige Vermuthungen , zu deren etwas 
enthusiastischer Festhaltung ein Grund wohl darin liegen 
möchte, dass er mit Capt. Osborn zusammen, wie er be- 
richtet, im vergangenen Oktober den ersten Plan bearbeitet 
hat und nun in Abwesenheit Osbom's glaubt, die Bedenken 
dagegen so gut wie möglich widerlegen zu müssen. 

Der Präsident der Gesellschaft, Sir Roderick Murchisou, 
r^sumirte beide Vorschläge und ihre Vortheile und sprach 
sich ohne Rückhalt zu Gunsten Spitzbergens und eines 
schiffbaren Meeres unter dem Nordpole aus, indem er als 
Begründung dafür unter Anderem anführte, dass das £is 
nördlich von Spitzbergen nur aus Salzwassereis und nicht 
aus Gletschereis bestehe, also nicht auf den Ursprung von 
irgend einem grossen und hohen Polar-Lande unter dem 
Pole hindeute; Sibirien besitze bekanntlich nur niedrige 
Küsten und keine Gletscher. Übrigens werde es nunmehr 
Sache des Vorstandes im Verein mit den Vorständen ande- 
rer wissenschaftlichen Körperschaften und der ersten Arkti- 
schen Autoritäten sein, die pro's und oontra's beider Pläne 
aufs Beste zu prüfen und dann der Regierung einen solchen 
Vorschlag zu madien, wie er am besten zum Ziele zu fuh- 
ren erscheine. 

Sir Roderick Murchison verlas gleichzeitig einen Brief 
von Lady Franklin aus Madrid vom 6. April, in welchem 
sie die Hoffnung ausdrückt, dass das traurige Geschick der 
von ihrem Manne geleiteten Expedition von der Regierung 
nicht etwa als Grund gegen weitere ErfoiBchnng der Ar- 
tischen Regionen genommen werde; im Gegentheil sei es 
Englands Schuldigkeit gegen die, die ihr Leben in diesen 
Forschungen bereits zum Opfer gebracht hätten, die Aufgabe 
nun auch zu Ende zu führen und sich den Ruhm der Ent- 
deckung und Lösung des grossen Problems nicht etwa von 
anderen Nationen rauben zu lassen; die jetzige Zeit, wo 
man von so viel Erfahrung in Arktischen Forschungen 

1) Journal R. Q. S., Vol. 18, pp. 24 und 25. 



Die Eisyerhältnisse in den PoUuvMeeren. 



145 



profitiren werde, könne gar nicht verglichen werden mit 
derjenigen, in welcher ihres Mannes Expedition die Küsten 
Englands verlassen habe. 

Capt. Inglefield, der bekanntlich die verhältnissmässig 
erfolgreichste Expedition nach Smith Sund gefuhrt hat, 
sprach sich entschieden zu Gunsten von Spitzbergen aus, 
welches nicht bloss die kürzeste, sondern auch die gefahr- 
loseste Route sei ; er wolle die Unmöglichkeit, den Pol von 
Smith Sund zu erreichen, gerade nicht behaupten, doch 
seien dafür eben drei Sommer und zwei Winter anzusetzen, 
während eine Expedition über Spitzbergen bis zum Nordpol 
und zurück in 2 Monaten ausgeführt werden möchte. Spitz- 
bergen könne zu jeder Zeit erreicht werden, aber schon die 
Erreichung von Smith Sund hänge von einer günstigen 
Jahreszeit ab. Auch der verstorbene Admiral Sir Francis 
Beanfort, der hochverdiente Chef der Hydrographischen Ab- 
theilung, habe sich für die Spitzbergische Route und die 
Richtigkeit unserer Ansichten bezüglich des Polarbeckens 
aiugesprochen. 

Capt. Davis, Mitglied der Admiralität und einer der 
Begleiter des Sir James C. Ross auf seiner grossen antark- 
tischen Expedition, sprach sich entschieden für die Route 
über Spitzbergen aus und verwarf den Plan Osbom's, indem 
er der Überzeugung sei, dass eine Expedition über Spitz- 

' bergen bessere Erfolge haben werde. 

Capt. Allen Young, scheinbar beeinflusst von seinem 
früheren Chef Sir Leopold MK]!lintock und wahrscheinlich 
m seinem Auftrage redend, erwähnte, dass derselbe oft 
davon gesprochen habe, den Pol per Schlitten zu erreichen, 

I entweder von Spitzbergen oder von Smith Sund aus. Er 
selbst würde die Route über Spitzbergen per Schiff vorzie- 
hen, indem er der Ansicht sei, dass unter dem Pole ein 
offenes schiffbares Meer existiren müsse jedes Mal, wenn 
die Treibeismassen in südlichen Breiten anlangten. 

i Herr Lamont, der in seiner Yacht zwei Mal zum Ver- 

j gnügen nach Spitzbergen gefahren ist und dort gejagt 
hat, konnte der Annahme eines offenen Meeres unter dem 

i Pole keinen Glauben beimessen, weil die Norwegischen 
Walross-Jäger, mit denen er darüber gesprochen, auch nicht 
daran glaubten. Doch wäre er überzeugt, dass ein kleiner 

I Schraubendampfer das Problem mit Leichtigkeit und zwar 
in Zeit von 3 Sommermonaten würde lösen können. Er 
selbst schlage eine Schlittenfahrt von Spitzbergen zum Nord- 
pol vor, und zwar in den Monaten März und April, nach- 

i dem man während des Winters Proviant eingelegt hätte; 
Spitzbergen wäre ausserordentlich reich an Rennthieren und 
anderem Wildpret und in dieser Beziehung dem Smith Sund 
weit vorzuziehen. 

Zum Schluss vorlas Sir Roderick Murchison noch ein 
offizielles Schreiben der Linnean Society, welche sich der 
Petennann's Geogr. Mittheflungen. 1865, Heft lY. 



Geographischen Gesellschaft anzuschliessen wünsche, um die 
Regierung zu einer neuen Expedition zu bewegen; es wur- 
den darin viele Punkte hervorgehoben, welche eine nähere 
Untersuchung der Flora und Fauna der arktischen Regionen 
wünsohenswerth erscheinen Hessen und deren Erforschung 
ebenfalls von grosser Wichtigkeit für die Geologie sein würde. 

Während sich auf diese Weise ganz England für ein 
Projekt begeistert, welches die Lösung des grössten geogra- 
phischen Problems in sich schliesst, herrscht in Deutschland, 
in dem Lande, welches angeblich an der Spitze geographi- 
scher Bestrebungen und Arbeiten steht, noch ein ziemlicher 
Mangel an Interesse für diese grosse Sache. Kaum, dass 
man dann und wann einer abgerissenen Zeitungsnotiz be- 
gegnet. Wir haben bisher nur eine einzige selbstständige 
und kenntnissreiche öffentliche Besprechung des Gegenstandes 
bemerkt, nämlich von dem ausgezeichneten Herausgeber des 
„Ausland", Dr. Oscar Peschel, der die Geschichte der geo- 
graphischen Entdeckungen zu einem seiner Spezial-Studien 
gemacht hat. Er sagt in seiner Nr. 1 1 , Augsburg, 
18. März 1865, SS. 262 f.: — 

„Der Verfasser dieser Zeilen hat unlängst das Studium 
sämmtlicher Polarreisen unter südlicher wie nördlicher Breite 
vollendet und befindet . sich daher in einer günstigen Lage, 
Petermann's Voraussetzungen priifen und bestätigen zu 
können." Er spricht dann von der sogenannten Eisbarri^re, 
welche im Grönländischen Meere von Hudson bis Sir 
E. Parry angetroffen sei, und fährt sodann fort: „Es kommt 
darauf an, zu wissen, was denn die sogenannte Eisbarriire 
(the main pack) sei. Bis zu Parry's Reise dachte man sich 
das Polarmeer überwölbt von einer ununterbrochenen Eis- 
decke. Allein die sogenannte Barriere ist keine Eisdecke, 
sondern nur ein Eisstrom oder vielmehr ein Gürtel der 
See, vielleicht 30 Deutsche Meilen breit oder breiter, der 
mit unverbundenen schwimmenden Eisfeldern von etlichen 
Engl. Meilen Länge bisweilen, in der Regel aber von klei- 
neren Fragmenten bedeckt ist. Durchstösst man diesen 
Gürtel, so findet man dahinter eine offenere See, ja ein 
völlig eisfreies Meer. Diese Erfahrung machten Weddell 
und Sir James C. Ross in der Südsee, Sir E. Parry auf 
seiner Schlittenbootreise in der Grönland-See. — Dass sich 
die Barriere aber durchstossen lässt, das heisst, dass ein 
kühner Seefahrer durch den Eisschollengürtel hindurch- 
fahren kann, hat der jüngere Ross am Südpol bewiesen. 
Er leistete aber, worauf wir besonders aufmerksam machen 
möchten, deswegen so viel, weil seine Schiffe mit einem 
Panzer gegen den Anprall von Eisstücken versehen waren. 
Sein Panzer war aber noch ein leichter Überwurf ver- 
gb'chen mit einem Panzerschiff der Neuzeit. Ein eisernes 
Schiff mit nur l \ Zoll starken Platten dürfte völlig unver- 
wundbar gegen die arktischen Eismassen sein. Wäre es 

10 



146 



Die EiBverhältnisse in den Polar-Meeren. 



obendrein ein Sohranbendampfer, so würde die Fahrt, wenn 
man anf Spitzbergen einEohlen-I>^p6t^ errichtete, eine Lust- 
fahrt werden, denn die böcfasten Gefahren arktischer See'n 
yerschwinden bei Benützung der Bampfkraft Jene Gefahren 
bestehen nämlich darin, vom Wind zwischen oder gegen 
Eisberge getrieben zu werden. Ein vom Winde unabhängi- 
ger Dampfer kann aber jedem Eisberg aus dem Wege gehen. 
Diess ist unsere Ansicht. Um aber wieder zu Petermann's 
Projekt zurückzukehren, muss man sich zunächst fragen: 
Wenn die Polarsee'n nicht überwölbt sind, wenn das Eis 
der Barriere nur aus abgebrochenen Stücken von Eis beisteht, 
welches sich an irgend einer Küste gebildet hat, wie mag 
dann zur Winterszeit die Polarsee aussehen? • 

„Sie ist vielleicht ganz offen. 

„Eis — das heisst Eis von grösserer Dicke — bildet 
sich nicht auf der offenen See. Es sucht einen Stützpunkt 
an Inseln und Küsten, wo es bis zum Frühjahr bleibt. 
Dann bricht es ab und schwimmt in losen Tafeln in jene 
Meeresgürtel, wo die Seefahrer die Eisbarriere angetroffen 
haben. Bisher sind alle Polarfahrten unternommen worden 

der australischen und borealischen Sommerszeit, keine 



in 



im Winter. Man hat also die See'n befahren gerade zur Zeit, 
wo der Eisgang eintrat. Im Winter dagegen, wo das Eis 
noch fest liegt, werden die Eisbarri^ren fehlen und Eis sich 
nur in der Nähe von Land finden. Diess ist die Ansicht 



') Die Natar hat Spitzbergen bereits zu eisern £ohlen-D6pdt ge- 
macht, denn die Schwedische Expedition im J. 1861 fand dort in den 
stets sngänglichen Buchten der Westkttste höchst bedeutende Kohlen- 
lager. Wir werden einen eingehenden Bericht darüber im n&chsten Heft 
Tsroffentlichen. A. P. 



Petermann's ') und er stützt sie mit einer schwer wiegenden 
Thatsache. Im Süd- Atlantischen und Indischen Ocean wer- 
den unter niedrigen Breiten Eisfelder und Eisbei^ gesehen 
nicht zur australischen Winters-, sondern zur australischen 
Sommerszeit, also zur Zeit des australischen Eisganges, wäh- 
rend im Winter jene Meere freier von Eis und zugänglicher 
sind. 

„So sieht man denn, dass der Vorschlag, die Erdpole 
im Winter, d. h. im März, wo man schon hinlängliches 
Tageslicht hat, aufzusuchen, nicht bloss neu, sondern auch 
wohlerwogen ist Jeden&lls ist man in den 350 Jahren 
^er Polarreisen noch nie auf diesen Gedanken gekommen. 
Gesetzt aber, die theoretische Voraussetzung sollte sich nicht 
bewähren, man würde statt einer Eisbarriere eine geschloB- 
sene, unbeweglich ruhende, an Grönland und Spitzbergen, 
an Spitzbergen und Nowaja Semlja befestigte Eisebene finden, 
so hätte man doch Etwas gefunden. Unser Wissen wäre um 
eine höchst wichtige Thatsache bereichert, wir besässen ein 
Bild der Polar -Meere zur Winterszeit. Vom Nordkap aus 
könnte ein Dampfer im Laufe einer Woche eine solche Be- 
kognoscinmgsfahrt ausfuhren mit Kosten, die eine Bagatelle 
wären. 

,;Wir werden daher nicht aufhören, dieses Unternehmen 
anzuempfehlen. Haben die Engländer keine Lust, so lassen 
sich vielleicht die Bussen erweichen, wenn nicht, was frei- 
lich das Herrlichste wäre, Deutsche Begierungen sich re^en 
sollten." 



*) Wenigstens werden erfahrungsmassig grössere Eismassen im 
Winter nicht in so niedrigen Breiten gefunden als im Sommer. A. P. 






Der Nordpol und Südpol, 
die Wichtigkeit ihrer Erforschung in geographischer und kulturhistorischer Beziehung. 

Mit Bemerkungen üher die Strömungen der Polar -Meere. 
(Nehst Karte, s. Tafel 5.) 



Der Mont Blanc und das Chamouny-Thal, ein so be- 
liebtes Beiseziel der Gegenwart, waren noch im vorigen 
Jahrhundert so unbekannt, als es der Nordpol heute ist. Das 
jetzt so anziehende Thal war zwar schon mehrere Jahr- 
hunderte bewohnt gewesen, aber für die Aussenwelt wurde 
es in Wahrheit erst im Jahre 17^1 entdeckt — durch die 
Engländer Windham und Pococke. Ja das Berner Oberland, 
ein Sammelplatz der halben Touristenwelt aus allen Erd- 
theilen, war noch im Jahre 1811, also vor nur etwa 50 Jah- 
ren, eine vollständige terra incognita, nicht bloss den Tou- 
risten, sondern auch den Geographen, der gelehrten Welt 
und den Gletscherforschem; erst in jenem Jahre wagten 



sich die Gebrüder Meyer in ihrer berühmt gewordenen Ent- 
deckungsreise daran, den Kern desselben zu berühren und 
die mächtigen Gletschermassen un& Fels - Labyrinthe zum 
ersten Mal von einem Ende bis zum anderen zu durch- 
schneiden. Was die Herren Meyer, zwei an ihre Berge 
gewöhnte tüchtige Schweizer, vor 50 Jahren als eine 
grossartige Entdeckungsreise ausführten, wird heut zu Tage 
jedes Jahr von zahlreichen Personen, ja von jungen Damen 
unternommen, in weit grösserem Maasse. Miss Walker aus 
Livei-pool z. B. bestieg im Jahre 1863 das Finsteraarhom, 
den Monte Bosa und den Mont Blanc, die drei bedeutend- 
sten Bergkolosse der Schweizer Alpen; im Jahr^l864 



Der Nordpol und Südpol. 



147 



erreichte sie die Spitze des Eiger und nahm dem Balmhom 
die Jungfräulichkeit <)• Die Kölfsmittel unserer Zeit sind 
eben andere als vordem. 

Von den Gletschern der Alpen zu den Eisbergen des 
Nordpols ist nur ein Schritt und wir hoffen es zu erleben, 
du8 eine Fahrt zum Nordpol zu einer gewöhnlichen Sache 
geworden sein wird, d. h. zu einem Unternehmen^ das weder 
M schwierig noch so grossartig ist, wie man ,e8 sidi jetzt 
n«ch Torstellt Die Hülfsmittel zu Folar-Beisen haben sich 
in noch 'grösserem ICaasse yeryollkommnet und ausgedehnt 
als diejenigen fai Qletscherfahrten in den Alpen, man hat 
gelernt, die Expeditionen nach den Folar-Begionen in or- 
dentlicher und zweckmässiger Weise auszurüsten und der 
schrecklichen und tödtlichen Seuche des See-Skorbuts effektiT^ 
zu begegnen, so dass bekanntermaassen die Folar-Reisen, wie 
sie in den letzten Jahrzehnten von England aus unternommen 
wurden, absolut zu den gesündesten Unternehmungen gehö- 
ren, die es giebt Daher die Beliebtheit arktischer Expeditio- 
nen and der Andrang dazu Seitens der nautischen Welt Oross- 
Biitanniena. Noch wichtiger als alles dieses für die Beschiffiing 
und Eiforschung der Folar-Meere ist die Anwendung von 
Schranbendampfem. Per Dampfer beträgt die Entfernung von 
da Deutschen Nordseeküste zum Nordpol höchstens 10 Tage, 
also weniger ak eine Fahrt von England nach Neu -York. 

Trotz alledem ist der Nordpol bisher nicht erreicht, we- 
nigstens von einer völlig beglaubigten modernen Expedition 
nicht; dehn dass die alten Holländer hoch hinauf, vielleicht 
bis zum Fol und darüber hinaus, gekommen sind, davon 
'ist man nun auch in England überzeugt, und zwar Leute 
wie Admiral Fitz-Boy ^). Heut zu Ta^ aber denkt man sich 
die Erreichung des Nordpols trotz aller grossen, früher nie 
geahnten Hülfsmittel so schwierig, dass der menschliche 
Geist vor diesem Erdfleck wie vor einer bösen, verderben- 
drohendcn Sphinx steht, einem beinahe unnahbaren schreck- 
lichen Räthsel, einem vielleicht nie zu lösenden fatalistisch- 
tödüichen Problem. Die wissenschaftliche und nautische 
Welt der mächtigsten seefahrenden Nation der Erde, die 
schon manche Eisschranke durchbrach, deliberirt und dis- 
kntirt in beinahe fieberhafter Erregung, wie dieser grimmi- 
gen Sphinx am leichtesten und sichersten beizukommen 
sein möchte. Es ist zwttc eine nur kurze Beise, allein man 
schlägt die Schwierigkeit derselben wegen des Folareises, 
trotz aller Erfahrung zum Gegentheil, immer^noch so hoch 
an, dass die Erreichung des Poles als die grösste und 
kühnste That gilt. Und doch sind die Eismassen der Folar- 
Meere fdr die SchifOfahrt etwas Alltägliches geworden, so dass 



*) „Oeogr. Mitih." 1864, 8. 435. 

*) Seit AbCusnng der Zeüen ist dieser seinem Charakter nach 
edle, dnreh seine wissenschaftlichen Arbeiten hochterdiente Mann aus 
dem Lelütt geschieden. 



bei dem heutigen Weltrerkehr die grössten Eisberge und 
Eisfelder absolut gar nicht zu umzugehen sind. Jedes 
Schiff, welches um das Kap der Outen Hoffnung oder um 
Kap Hom geht, muss gewärtig sein, mit diesen wandernden 
Gästen aus hohen Breiten zusammenzukommen; besonders 
werden auf der grossen Strasse yon Australien oder Neu- 
seeland nach Europa Eismassen in fast unglaublicher Aus- 
dehnung und Grösse angetroffen; aber wir brauchen so 
weit nicht zu gehen: jedes Schiff von Europa nach Neu- 
York im Frühjahr und Sommer muss sich darauf gefasst 
machen, auf der Amerikanischen Seite gewaltige Eisberge 
frisch vom Nordpol vorzufinden. 

Trotz des bisherigen Yorurtheils in der Angelegenheit 
wird jedoch unser vorgeschrittenes und thatkräftiges Zeit- 
alter das grosse Bäthsel lösen, das ist unsere feste Über- 
zeugung. Aber es bedarf eines Mannes wie Columbus, der 
den Muth eines unabhängigen und selbstständigen Gedan- 
kens hat und das Ei auf die Kante stellt. 

Wenn aber nun dieser in der Natur äusserlioh un- 
bemerkbare mathematisch-astronomische Funkt erreicht sein 
wird, was hat man dann erlangt, was hat man gefun- 
den? Vielleicht ein Stück Eismeer, das sich möglicher 
Weise in keiner Beziehung von irgend einem anderen 
Stück Eismeer unterscheidet, wo noch dazu die Expedition 
vielleicht nicht einmal die National -Flagge des Landes, 
welches sie ausschickte, aufziehen und von dem entdeckten 
Fleck, wie das so üblich ist, in optima forma Besitz er- 
greifen kann. Dass dort Nichts zu sehen und Nichts zu 
holen sei, hat die „Times", das grösste, mächtigste und — 
ohne Zweifel nach ihrem eigenen Dafürhalten — das auf- 
geklärteste Organ der Welt, erklärt und unter Anderem 
angeführt *) , „die Holländer seien bereits bis zum Fol und 
zwei Grade darüber hinaus gekommen und hätten nichts 
Bemerkenswerthes gesehen oder gefunden". Sie sohliesst 
daran den Ausspruch, dass diese neu projektirte Expedition 
zum Nordpol eine Verrücktheit der Geographen sei. Was 
die „Times" sagt, muss wohl wahr sein, und es giebt 
Manche, die es mit der „Times" halten, sogar Solche, die 
sich Geographen dünken. Es giebt freilich auch wohl Leute, 
die vor dem Weltmeer, dem Himalaja, den Pyramiden, dem 
Telegraphen -Draht, — ja den grössten und erhabensten 
Naturwundern und menschlichen Erfindungen stehen und 
sie angaffen können, ohne etwas Bemerkenswerthes darin 
zu finden. Ein gutes Mittagsessen würden sie eher begreifen 
können. Schon früher hatten die „Times" und ihre An- 
hänger und Nachbeter es ausgesprochen, „dass diese arkti- 
schen Entdeckungen das unfruchtbarste Feld seien, auf 
welches sich die wissenschaftliche Forschung je gewagt", 



I) „Times", 30. Man 1865. 



19« 



148 



Der Nordpol und Südpol. 



und dass sie auf eine „zwecklose Neugier'' hinanaliefen. 
Nach ihrer Auffassung und in ihrem Geiste haben diese 
Leute Eeeht. Wozu solche Forschungen, wozu z. B. 
die Entdeckung der Nil-Quelle? Was wird es sein? Irgend 
ein elender Sumpf, vielleicht in der verlassensten und lang- 
weiligsten Gegend der Welt Ist doch die bereits wieder- 
holt von Europäern besuchte Quelle des Blauen Nil weiter 
Nichts als ein trostloser schilfiger Morast, bei dem von einer 
Quelle eigentlich gar nicht die Bede ist 0- D^s die grosse, 
wichtige und verdienstvolle Heise des Capt. Speke Manche 
schliesslich enttäuscht hat, muss wohl zum Theil mit daran 
liegen, dass er als Nil-Quelle nicht irgend ein blaues Wun- 
der — etwa wie den Giessbach bei Bengalischer Beleuch- 
tung — vorgeführt und mit grausen, haarsträubenden Aben- 
teuern beschrieben und ausgeschmückt hat. 

Die Wunder und Beize der Polar -Welt dürften im 
Allgemeinen denen der anderen Zonen nicht nachstehen, 
es kommt nur darauf an, dass man sie kennt. Wer, 
wie wir, z. B. den Schilderungen eines Kapitän Ingle- 
field in der Versammlung der Royal Geographica! Society 
of London vom 22. November 1852 zugehört hat, muss 
der Überzeugung Baum geben, dass die Naturschönheiten 
der arktischen Regionen von keinen anderen in der Welt 
übertroffen werden, — Kapitän Inglefield hatte vor seiner 
ersten arktischen Expedition 18 Jahre lang die tropischen 
und gemässigten Zonen der Erde besucht. Bieten doch 
schon die Gletscher der Alpen für die, die sie kennen, eine 
mächtige Anziehung*). 

Die Erreichung der Pole umfasst die wichtigsten geo- 
graphischen Aufgaben, die es auf unserer Erde noch zu 
lösen giebt. Fassen wir den uns zunächst, ja vor unserer 
Thür gelegenen, nur etwa 10 Tage per Schraubendampfer 
entfernten Nordpol zunächst ins Auge. An der blossen 
Erreichung des Punktes als einer Art von Bravourstück 
kann uns eben so wenig gelegen sein als an der Ersteigung 
des Matterhoms oder irgend einer anderen schwierigen und 



«) Journ. R. G. S., toI. 14, pp. 12, 33 ff. 

2) Als wir im Torigen Herbst über die Schönbeiten der Schweiz 
und ihre Bereisung einen Aufsatz brachten („Geogr. Mittheü." 1864, 
SS. 361, 430 ff.), schrieb uns der erfahrene Herausgeber der trefflichen 
Baedeker'schen ReiBebücher : „Ihre Hittheüungen über die Schweiz habe 
ich mit spannendem Interesse gelesen und durchstudirt und sehe mit 
Verlangen dem Schlüsse entgegen. Wie richtig und wahr sind alle Ihre 
Bemerkungen und Beobachtungen! Ich staune nur, wie dazu die Ter- 
hältnissmässig doch kurze Dauer Ihrer Heise hingereicht hat. Wenn 
ich Etwas yermisse, so ist es die Aufforderung zu einer Gletscher- 
Wanderung. Sie könnte natürlich nur an jüngere und kräftige Leute 
gerichtet werden, aber sie würde Ihnen den Bank Aller, die Ihrer Em- 
pfehlung folgten, sichern, und würde das leere Gerede, dass das ledig- 
lich halsbrechende Bravourstücke seien, Temichten. Das Erhabene der 
Eis- und Schneemassen muss auch auf die gleichgültigste Seele einen 
tiefen Eindruck zurücklassen, wie einen ahnlichen nur das ewige Meer 
hervorzurufen vermag. Beide haben auch das mit einander gemein, dass 
sie die Glücklichen, die ihre Geheimnisse ein Mal gekostet haben, immer 
wieder zu sich zurückrufen." 



gefahrlichen Aufgabe. Man würde sehr einseitig und ver- 
kehrt urtheilen, wenn man annähme, dass es sich bei einer 
Expedition zum Nordpol bloss um die Erreichung dieses 
Punktes handele. Zwar als Übungsfahrt, als eine Sommer- 
tour, fiir jede Marine in Friedenszeiten könnte es kaum 
etwas Besseres und Interessanteres geben, und Kapitän 
Osbom, der die lilCotiye seines Vorschlages in trefflicher, kla- 
rer und überzeugender Weise vorgeführt, hat auch besonders 
diesen Funkt mit im Auge gehabt, als speziell für die Eng- 
lische Marine der Beachtung werth; indess ist die Sache 
doch auch für uns Deutsche von Interesse und Wichtigkeit, 
nicht bloss weil Deutschland mehr und mehr darauf be- 
dacht ist, seine Flotte und sgin Marinewesen zu heben, 
sondern auch weil das arktische Meer gerade im Norden 
von uns als ein ergiebiges Feld zur Ausbeute des Walfisch- 
fanges u. 8. w. Jahrhunderte lang für die Deutsche Nordsee- 
küste von höchster Wichtigkeit gewesen ist und jetzt noch 
sein könnte, wenn man richtig zu Werke ginge. Aus bei- 
den Gründen jedoch, vom Standpunkt eines Bravourstückes 
oder einer Übungsfahrt für jedwede Marine in Friedens- 
zeiten, würden wir vielleicht in dieser Zeitschrift, wo — 
bei Verfolgung geographischer Interessen — der Baum 
ohnediess iiämer so knapp ist, vielleicht kein Wort um die 
Sache verlieren, wenn man nicht bei einer Nordpolar-Fahrt 
mit völliger Sicherheit darauf rechnen könnte, dass alle 
Branchen der geographischen Wissenschaft — Topographie, 
Geologie, Hydrographie, Meteorologie, Magnetismus,« Zoologie, 
Botanik und Ethnographie — die wichtigsten Bereicherungen 
erfahren und dass am Nordpol vornehmlich der Schlüssel und . 
Kern zu den meisten physikalisch-geographischen Phänomenen 
der ganzen nördlichen Hemisphäre gefunden werden würde. 
Bei eine? Fahrt zum Nordpole würden sich viele für 
die Erdkunde höchst wichtige Entdeckungen von selbst er- 
geben. Golumbus ging aus, um einen kürzeren Weg nach 
Indien nachzuweisen, und fand dabei eine ganze neue Welt; 
die Aufgabe der Expedition von J. C. Boss war es, magne- 
tische Beobachtungen in der Südsee zu machen, und dabei 
wurden geographische Entdeckungen gemacht viel wichtiger 
als Alles, was vor ihm, von Cook an, in den antarktischen 
Meeren erforscht war ; die Reise Dr. Barth's hatte zunächst 
zum Zweck, die Landschaften am Tsad-Sec zu besuchen 
und für England gewisse Verbindungen mit Bornu anzu- 
knüpfen, dabei entdeckte er den grossen östlichen Arm des 
Niger-Stromes, eine der wichtigsten Entdeckungen dieses 
Jahrhunderts ; Krapf und Kebmann, indem sie für Mission s- 
zwecke Afrikanische Stämme im Inneren des Landes be- 
suchen wollten, entdeckten die höchst interessanten Berg- 
kolosse Kilimandscharo und Kenia, und stellten zuerst ihre 
wahre Natur fest, nachdem einseitige und unwissende Euro- 
päische Geographen das albernste Zeug darüber ^^efaselt 



Der Nordpol und Sfidpol. 



149 



und zum Drack gegeben hatten; Bnrton und Speke, die 
wenigstens zum Theii die Auffindung der Nil- Quelle im 
Auge hatten, entdeckten jene grossen herrlichen Seebecken» 
die ihres Gleichen auf der Erde suchen. So könnte man 
lausende von Beispielen aus der Geschidite geographischer 
Entdeckungen auffuhren. 

Bei der Erreichung der Pole kommt zunächst in Betracht^ 
die Bestimmung der Haupteontouren unseres Planeten zu 
rollenden, die Grenzen yon Land und Meer festzustellen. So 
lange es noch grosse Gebiete der Erde giebt, in denen neue 
Länder, Küsten und Inseln zu entdecken sind, muss das 
als wichtigste Aufgabe geographischer Erforschung angese- 
hen werden; die Scheidung des Pesten und Flüssigen ge- 
hört zur Basis und ersten Grundlage der Erdkunde und 
jede neue Insel hat in dieser Beziehung mehr Wichtigkeit 
als der Ausbau unserer geographischen Kenntniss im Detail 
der Kontinente ; auch hat hier Alles einen relatiTen Begriff, 
denn während man hinsichtlich der grossen Grundzüge des 
Landes sagen darf, dass es nun in Europa, Asien, Afrika, 
Australien, Nord- und Süd- Amerika keine sehr grossen Ent- 
deckungen mehr zu machen gäbe, ist es eben so richtig zu 
behaupten, dass sogar unser kleiner Erdtheil Europa noch 
fio mangelhaft bekannt sei, dass keine einigermaassen befrie- 
digende Generalkarte davon existire, noch existiren könne; 
smd doch — abgesehen von Eussland, der Türkei, Skandina- 
yien, Spanien und Italien, nicht einmal Deutschland, Prank- 
reich und Gross-Britannien vollständig aufgenommen. 

Die topischen Hauptgrundzüge der arktischen Eegionen 
dürften schon durch eine einzige Expedition zum Kordpole, 
wie wir sie entworfen haben, und durch Bekognoscirungen 
m Einem Sommer aufgeklärt werden; am Südpole wäre 
diese Aufgabe viel schwieriger und umfangreicher, da dort 
das gänzlich unerforschte Gebiet weit grösser ist, abgesehen 
von der Entfernung desselben von Europäischen Häfen. 
Wir haben den Standpunkt unserer gegenwärtigen Kennt- 
niss der arktischen und antarktischen Eegionen auf Tafel 5 
angedeutet; am Nordpol würde es sich zunächst hauptsäch- 
lich um die Bestimmung der Ausdehnung des eigentlichen 
Folar-Meeres handeln, des Meeres zwischen Grönland und 
Sibirien, damit fällt zusammen die Abgrenzung Grönlands 
selbst, welches wir uns als eine mächtig gestreckte Insel, 
die grösste der Erde, oder als ein Konglomerat von Inseln 
quer über das Polarbeoken bis gegenüber Kap Jakan aus- 
gedehnt denken (s. Karte). 

Die Hydrographie und physikalische Geographie des 
Meeres würden durch eine Nordpol-Expedition grosse Be- 
reicherungen erfahren. 

Pur die Geologie würde es von grossem Interesse sein, 
wenn die arktischen Regionen geologisch untersucht wür- 
den; bei air den zahlreichen Expeditionen zur Aufsuchung 



Frankliu's hatte nur ein einziger Pach- Geolog Gelegenheit 
gehabt, einige Punkte der betreffenden Küsten zu unter- 
suchen, denn es darf nicht vergessen werden, dass diese 
Expeditionen die strengste Instruktion hatten, das Haupt*. 
ziel des Suchens nach Pranklin vor Allem im Auge zu 
behalten und wissenschaftliche Entdeckungen geradezu zu 
vermeiden, wie diess noch in der Sitzung der Londoner 
Geogr. Gesellschaft am 27. März von Kapitän Bichards 
speziell nachgewiesen wurde. Allein schon das Wenige, waa 
man erfahren hat von den geologischen Pormationen im All- 
gemeinen, den Kohlenlagern auf Spitzbergen durch die Schwe- 
dische Expedition, den Knochenlagem an den Sibirischen 
Polarküsten und Inseln, bekanntlich den ausgedehntesten der 
Welt, mit gelegentlich wohlerhaltenen Leibern der Mam- 
muthe und anderer antediluvianischer Eiesenthiere — lässt 
die interessantesten und wichtigsten Aufschlüsse erwarten. 

Die Kenntniss der meteorologischen Verhältnisse der 
ganzen nördlichen Hemisphäre entbehrt trotz der gross- 
artigen Untersuchungen und Arbeiten in den letzten Decen- 
nien so lange ihres Hauptkems, als die arktischen Eegionen 
nicht besser bekannt sind als bisher; vom südlichsten Vor- 
gebirge Grönlands bis Ust-Jansk und Nischne Kolymsk in 
Sibirien, in einer Ausdehnung von 50 Breitengraden, ist eine 
vollständige Lücke in den meteorologischen Beobachtungen, 
die sich bisher hauptsächlich auf einige Punkte der West- 
küste Grönlands, der Parry- Inseln, der nordwestlichsten 
Küste Nord-Amerika's, auf zwei Punkte an der Sibirischen 
Küste und drei Punkte vom südlichen Nowaja Semlja be- 
schränkten. Weitere Beobachtungen, wo möglich in der 
Nähe des Pols, wären höchst erwünscht, ja schon eine ein- 
zige Beihe von Beobachtungen in den Wintermonaten auf 
der Nord- oder Nordostküste von Spitzbergen würde unter 
Anderem die bisherigen Isotherm - Karten voraussichtlich 
bedeutend af&dren '). 

Pur die Kenntniss der magnetischen Verhältnisse der 
Erde, die so enorm wichtig für den Weltverkehr und die 
SchiMahrt sind, würde eine Nordpol - Expedition ebenfalls 
von grossem Belang sein. 

Und nicht bloss für die anorganische, sondern auch für 
die Zweige der organischen Natur bilden die arktischen 
Eegionen ein weites und fruchtbares Peld der Erforschung, 
welches nur die Unkenntniss als eine ewige Eiswüste ohne 
Pflanzen- und Thierleben darstellen kann. „Nach den Schil- 
derungen von Grönland durch Cranz", sagt Humboldt in 
seinem letzten Werke ^), „von Spitzbergen durch Martens 
und Phipps, der Küsten des Karischen Meeres von Sujew 
wurde durch unvorsichtige Verallgemeinerung der ganze 
nördlichste Theil von Sibirien als vegetationsleer, an der 

») S. „Geogr. Mitth." 1861, S. 436. 
') Humboldt, Kosmos, lY, S. 42. 



150 



Der Nordpol und Südpol. 



Oberfläche stets gefroren und mit ewigem Schnee selbst tii 
der Ebtne bedeckt beschrieben. Aber in der Einöde der 
Insehi Ton Neu -Sibirien finden grosse Heerden von Renn- 
thieren und zahllose Lemminge noch hinlängliche Nahrung." 
In den höchsten Breiten, in dem dem Pol am nächsten 
gelegenen der bisher erreichten Landstriche war es Kane, 
der Pflanzen sammelte, und obgleich die Hälfte davon ver- 
loren ging, bildeten sie nach dem Ausspruch von Durand, 
der sie bestimmte, immerhin die reichste und interessan- 
teste Sammlung, die bisher aus arktischen Kronen mit- 
gebracht worden war <). Man könnte mit Becht einwen- 
den, dass die arktische Plora keinenT Vergleich mit der- 
jenigen tropischer Länder, z. B. Afrika's, aushalte. Das ist 
richtig, allein wie selten erfahren wir von Afrikanischen 
oder Australischen Beisenden, selbst den berühmtesten. 
Etwas über die Vegetation oder über die Zoologie, die Geo- 
logie und andere Zweige der Naturwissenschaften ! Forscher 
in diesen Ländern können von seltenem Glück sagen, wenn 
sie dem tödtlichen Klima oder den Mörderhänden der Ein- 
gebomen entgehen und ein dürftiges, unsicheres Itinerarium 
nebst trockener und langweiliger Tagebuchs - Beschreibung 
mit zurückbringen; es ist den heldenmüthigen, aufopfernden 
Afrikanischen und Australischen Märtyrern keineswegs 
nahe getreten, wenn man behauptet, dass jede Nordpol- 
Expedition zu Schiffe unendlich grössere naturwissenschaft- 
liche Schätze mit nach Hause bringen wird, als die Mehrzahl 
Afrikanischer oder Australischer Beisenden und Expeditionen 
trotz des grösseren Naturreichthums der Länder dazu im 
Stande ist. Was die Thierwelt anlangt, so steht die der 
arktischen Zone, wenn nicht in Mannigfaltigkeit, doch in 
Grossartigkeit der Formen und in Eigenthümlichkeit derje- 
nigen anderer Zonen nicht nach^). 

Selbst in Bezug auf Ethnographie und Geschicl^te des 
Menschen bieten die arktischen Begionen äusserst inter- 
essante Gesichtspunkte für wissenschaftliche Erforschung; 
z. B. gleichen die bei einigen Eskimo-Stämmen des nörd- 
lichen Grönlands noch heute in Gebrauch stehenden Geräth- 
schafteu denjenigen der Pfahlbauten-Zeit und dürften dadurch 
neues Licht auf diesen jetzt so vielfach untersuchten Gegen- 
stand werfen; die von Markham näher beleuchtete wahr- 
scheinliche Abstammung der Eskimos aus Asien und ihre 
Wanderung von der Sibirischen Küste quer über die ark- 
tische Ccntral-Begion nach Grönland bildet eine der inter- 
essantesten Fragen der Ethnographie, die es geben kann. 

Li welchem Grade und in welcher Ausdehnung die geo- 
graphischen Erscheinungen an den Erdpolen mit denen der 



*) ProceedingB B. Geogr. Soc, toI. IX, Nr. 2, p. 54. 

*) S. Ausföhrliches ttber botaniache und zoologische desidenta in 
den Polar -Regionen die Mittheüang der Linnean Society in „Slip of 
Meeting of tbe B. Geogr. Soc, 10. April 1866", pp. 14 ff. 



übrigen Zonen in Zusammenhang und gegenseitiger Wechsel* 
Wirkung stehen und wie höchst dürftig , mangelhaft und 
unklar unser ganzes geographisches System und besonders un- 
sere Vorstellung von den physikalisch-geographischen Erschei- 
nungen ist und bleiben wird, so lange die Polar-Begionen 
nicht besser erforscht werden, als sie jetzt sind, — das zu 
zeigen, wollen wir nur ein einziges Phänomen aus einer 
der im Vorgehenden aufgezählten wissenschaftlichen Abthei- 
lungen als Beispiel herausgreifen, nämlich aus der hydro- 
graphischen Erdkunde das Phänomen der Meeres-Strömungen. 
Die nachfolgenden kurzen Bemerkungen mögen zugleich als 
Beiwort zu unserer Tafel 5 dienen, auf der als allgemeiner 
Übersichtskarte der arktischen und antarktischen Begionen 
eine Angabe der Eisverhältnisse und polaren Eisgrenzen 
unerlässlich war, woraus aber wiederum die Zugabe der 
Strömungen als nothwendig folgte, weil Eisgrenzen und 
Strömungen in ihren Ursachen und Wirkungen identisch sind 
und zusammengehören, so gut wie Thal und Eluss, und 
deshalb getrennt gar nicht in Betrachtung kommen sollten. 
Zur Angabe der polaren Eisgrenzen gebraucht man auf der 
nördlichen Hemisphäre die Breiten vom Nordpol bis zum Paral- 
lel von Lissabon, auf der südlichen die vom Südpol bis zum 
Parallel des Kaps der Guten Hoffnung, also die grössere Hälfte 
beider Hemisphären, durchschnittlich bis zur Breite von 
etwa 34®. Schon das zeigt, dass, wenn vom Nordpol oder den 
Polar-Begionen überhaupt die Bede ist, in geographisch-physi- 
kalischer Beziehung der grösste Theil der Erde als dazu ge- 
hörig verstanden werden sollte. Die von den Polen weit gegen 
den Äquator sich erstreckenden Eisströme sind ihrer Natur 
nach völlig identisch mit den Gletschern der Hochgebii^, die 
von ihrer Geburtsstätte an der Fimregion ihre Zungen weit 
hinab ins Thal strecken. Im ewigen Kreislauf der Natur 
gehört es zu den Funktionen beider, mit dazu beizutragen, 
dass das Quantum der Eismassen an den Polen sowohl als 
auf den mit ewigem Schnee bedeckten Gebirgen der Erde 
im Äquilibrium erhalten werde, und eben so zu verhindern, 
dass letztere mehr und mehr in den Himmel wachsen, als 
dass das Polareis von Jahr zu Jahr an Umfang zuninunt 
und als schnell überhand nehmendes Element erst die ge- 
mässigte und eventuell die tropische Zone mit ewigem Eis ' 
überzieht. Die Annahme der VergrÖsserung der Eismassen 
in der Polarzone scheint uns eben so unsinnig als die bis 
in die neueste Zeit von den ersten Gelehrten aufgestellte 
und festgehaltene Berechnung, dass in der und der Breite 
die ewige Schneegrenze in die Höhe von 0, das Meeres- 
niveau, zu setzen sei ') ; denn wo man die ewige Schnee- 

1) Noch im vorigen Jahre bat die Französische Akademie der Wis- 
lenschaften es drucken lassen (s. Compte - rendu de Taead^mie des 
Bcienees, 28. Febr. 1864, pp. 370—375), dass der ewige Schnee auf 
Spitzbergen schon in 78' N. Br. bis zum Meeresnireau herabgehe, wah- 
rend doch noch neuerdings die gründlichen Mitglieder der Sehwedischen 



Der Nordpol und Südpol. 



151 



Begion angenominen hatte, &nd es sich, dass 2. B. der aus- 
gezeichnete Erforscher des Taimyr-Landes, Middendorf, auf 
Töllig von Schnee entblössten und mit Vegetation bedeckten 
Tandren-Steppen in Hemdsärmeln (wegen hoher Temperatur) 
Schmetterlingen nachjagte. Das Quantum des Eises, wel- 
ches durch die Gletscher yon den Zinnen der Alpen hinweg- 
geleitet wird und alljährlich abschmilzt, ist gar nicht zu yer- 
gleichen mit den Millionen Toniien des polaren Treibeises, 
welches mit yerhältnissmässig ungeheuerer Schnelligkeit *) in 
die wannen Äquatorial-Meere fortgerissen wird, um in ihnen 
wieder ein Bestandtheil des flüssigen Oceans zu werden. 

Die Eisströme der Erdpole bilden eben so sehr einen 
integrirenden Theil der Polac-Begionen wie die Gletscher 
einen Bestandtheil der Hochalpen, und wie Niemand eine 
Darstellung dieser in Wort oder Karte geben würde ohn^ 
die Gletscher oder ohne so weit die Berggehänge oder die 
Thäler hinab zu gehen, als die Gletscher reichen, eben so 
sollten die Polar-E^gionen nicht ohne die dazu gehörigen 
Eisströme gedacht, beschrieben oder kartirt werden; beide 
gehören geradezu zu den wunderbarsten Schöpfungen der 
betreffenden Gebiete, und wie die Mont Blanc-Gruppe ohne 
das Her de Glace undenkbar ist, so sollte man beim Nordpol 
die ganze nördliche Hemisphäre bis zu jenem Mer de Glace 
bei Nen-Fundland im Auge behalten, welches für die Schifl- 
fahrt zwischen Europa und Nord- Amerika so berühmt und 
berüchtigt geworden ist. 

Bisher hat man die Eisströme der Erdpole kaum in einem 
anderen Lichte betrachtet denn als einen Gegenstand des 
Schreckens und der Gefahr für die Handels- und Postschüfe 
der Erde. Aber sie spielen eine wichtige Bolle im Haus- 
halt der Natur und verdienten wohl mehr Beachtung Sei- 
tens der Wissenschaft als bisher. Wenn sie nun also als 
streng zusammengehörig mit der polaren Geographie an- 
gesehen werden müssen, so fuhren sie uns zu dem System 
der Meeresströmungen überhaupt, imd um diejenigen dieser 
Strömungen, welche mit den Polar -Meeren im innigsten 
Znsammenhange stehen, in Betrachtung ziehen zu können, 
haben wir sogar bis zur Breite von 20° nöthig, wie aus 
dem Folgenden ersichtlich sein wird, und bedürfen somit 
einer Karte, die zwei Drittel der ganzen Erdoberfläche um- 
fasst. Eine solche Karte ist die vorliegende Tafel 5, welche 
die ganze Erdoberfläche mit Ausnahme des tropischen Gür- 

£ip«dition nachgewiesen haben, dass sogar auf der Nordküste in 80^ 
ümmtliche Berge nnd Gehänge bis 1000 Fubs jeden Sommer eis- und 
scWefrei werden (s. „Geogr. Mitth." 1863, S. 401); wie sollten auch 
die oBgeheueren Heerden Ton Kennthieren so fett sein können, als sie 
liad, wenn die Schneegrenze in läge ? Schon der vorsichtige Sco- 
resbj (Account of the Arctic Regions, I, p. 123) berichtete, dass selbst 
der Schnee auf den höchsten Bergen (etwa 4000 Fuss hoch) mitunter 
loUatandig wegschmüzt. 

') Die Eisströme des Landes bewegen sich in einem Tage 10 bis 
iKhfitens 30 englische Zoll vorwärts, die Eisströme des Meeres in der- 
Mlben Zeit 12 Ijs 48 nautische MeUen! 



teb zwischen 20* nördlicher und südlicher Breite dar- 
stellt. 

Die Meeresströmungen sind der Totalität ihrer Er- 
scheinung nach noch sehr wenig bekannt imd beachtet, 
ihren grossartigen Wirkungen nach durchaus nicht hinläng- 
lich gewürdigt Es ist wahr, dass schon Columbus im 
Jahre 1492, also vor beinahe 400 Jahren, die Ezistenx 
mächtiger Strömungen im Nord -Atlantischen Ocean nach- 
gewiesen hat 0, allein das Studium des Systems der 
Strömungen in ihrem Zusammenhange und ihre Dar- 
stellung auf Karten ist noch ziemlich neu; Eennell's 
Werk war die erste bedeutende Arbeit, es erschien im 
Jahre 1832 und betraf nur die Strömungen des Atlantischen 
Oceans. Seitdem haben vornehmlich Prof. Berghaus, Wil- 
kes, Eindlay und Maury in dieser Eichtung weiter gearbei- 
tet, Männer wie Humboldt, Sabine u. A. haben besonders 
über einzelne Strömungen wichtige Beobachtimgen gemacht; 
für beschränkte Lokalitäten, wie für die Ostküste der Yerei- 
nigten Staaten Nord-Amerika's, haben Eedfield und Bache, 
für Island und Süd -Grönland Irminger, für das Eap der 
Outen Hoffnung Andrau u. s. w. ausgezeichnete und 
musterhafte, die Eenntniss der Strömungen wesentlich for- 
dernde Untersuchungen angestellt und tüchtige Arbeiten 
geliefert. A. Mühry's klarer, trefflicher „Versuch, ein Sy- 
stem der grossen Meeresströmungen aufzustellen"^), gehört 
zu dem Besten, was darüber geschrieben ist, und Hermann 
Berghaus' Grosse und Kleine Weltkarte ^) zu den besten 
kartographischen Darstellungen der Strömimgen, die bisher 
publicirt wurden. Allein der Standpunkt unseres Wissens 
über diesen wichtigen Zweig der Erdkunde ist noch inuner 
ein durchaus kläglicher, im Ganzen und Einzelnen ein höchst 
mangelhafter und fragmentarischer, dabei die TJnkenntniss 
der gebildeten Welt Ton dem, was man wirklich bisher in 
Erfahrung gebracht, sehr gross. Wie wäre es sonst mög- 
lich, dass Yon dem ersten Kartenverleger in einem der 
ersten Sitze der Intelligenz der Welt, wie Paris, im J. 1868 
eine grössere und sauber ausgeführte Karte publicirt werden 
konnte, die die sichersten Besultate bisheriger Forschungen 
ignorirt und mit Füssen tritt und eine Darstellung der 
Strömungen giebt voll der unglaublichsten Fehler?*) 

S. (7. H. Eohrs geistroUe und gediegene Arbeit ,,Ältere Ge- 
schichte der Atlantischen Strömungen" in Zeitschrift ilir Erkunde 1S61, 
Bd. XI, SS. 306 und 385 ff. 

2) In: A. Mühry, Klünatologische Übersicht der Erde, 1862, 
SS. 708—721. 

«) H. Berghaus, Chart of the World, in 8 Bl. 4 Thlr., Weltkarte 
in 1 Bl. 14 Thlr. Gotha, Justus Perthes, 18C4. 

*) „Courants et mouTements g^nerauz de la Mer d'aprös le L* 
F. Maury", Paris, Andriveau-Gonjon ^diteur, 1864. Auf dieser Karte 
geht z. B. der Eisstrom des Nordpols mit seinen gigantischen Eismassen 
nicht bloss nach Grönland und Neu -Fundland, sondern anch in die 
Nordsee, nach Frankreich, Portugal, Marokko und Senegambien; ein 
anderer Polarstrom geht nach Neu- Seeland und dafür ein warmer Strom 
direkt von Ost-Indien nach der Kerguelen-Insel u. s. w. 



152 



Der Nordpol und Südpol. 



In den meisten ' bisherigen Arbeiten über Strömungen 
sind dieselben fast nur in ihrer Stellung an und für sich 
und zur Schiffifahrt behandelt worden, ihr grosser Einfluss 
auf die klimatischen Verhältnisse dagegen zu wenig in Be- 
tracht gezogen. Nächst der geographischen Breite und Höhe 
eines Ortes, der Vertheilung von Wasser und Land und 
den atmosphärischen Strömungen werden die klimatischen 
Verhältnisse der Erde jedoch in hohem Grade von den 
Meeresströmungen beeinflusst und sie haben vor den Strö- 
mungen der Lufk, die „das Wetter machen", sogar das 
voraus, dass sie in ihren Wirkungen viel sicherer und be- 
ständiger sind als diese. Es kann z. B. bei uns in Deutsch- 
land in dem einen Winter viel, in dem anderen wenig 
Slälte und Eis geben, in dem einen Sommer geringe, in 
dem anderen bedeutende Hitze, aber nie kommt an der 
Küste des nordwestlichen Norwegen Eis vor, während eben 
so sicher in denselben Breiten weiter westlich die Küsten 
von Grönland jedes Jahr von Eis heimgesucht werden, bei- 
des der Einfluss von Strömungen, der durch Winde und 
andere Einwirkungen nie aufgehoben wird. So ungeheuere 
Fortschritte daher auch die Meteorologie in neuerer und 
gegenwärtiger Zeit macht, — der meteorologischen Beobach- 
tungen \ind Stationen auf der Erde sind trotz ihrer grossarti^ 
vermehrten Zahl (etwa 2000) verhältnissmässig noch so wenig, 
besonders auf der südlichen Hemisphäre — , dass eine Wür- 
digung der Meeresströmungen die klimatologische Übersicht 
der Erde, eine Strömungskarte alle bisherigen Isothermen- 
Karten wesentlich ergänzt. Umgekehrt ist bei einer Darstel- 
lung der Strömungen die Berücksichtigung der Besultate 
meteorologischer Beobachtungen von höchster Wichtigkeit. 

Wir haben bei dem neuen Versuche einer Zeichnung 
der Meeresströmungen auf Tafel 5 ausser den empirischen 
Befunden direkter Beobachtungen über Meeresströmungen, 
die, beiläufig bemerkt, in vielen . Fällen sehr unsicher und 
sich widersprechend sind, andere Momente zu berücksich- 
tigen gesucht, vor Allem die Ausdehnung des Treibeises, 
des Treibholzes, das Treiben von Schiffs- Wracks, die Tempe- 
ratur-Verhältnisse des Meeres und der Küsten, — die 
sämmtlich für Schlussfolgerungen bei Aufstellung eines all- 
gemeinen Systems der Strömungen und Zeichnung ihrer 
durchschnittlichen oder vorherrschenden Richtung von grosser 
Wichtigkeit sind. Unsere Zeichnung drückt deshalb auch 
nicht in allen Fällen die Oberflächen-Strömung, welche z. B. 
im Nord- Atlantischen und in antarktischen Meeren eine von 
den Winden stark beeinflusste leichte und unregelmässige, 
veränderliche Drift bildet, sondern so viel als möglich die 
allgemeine und tief gehende Bewegung des Oceans aus. 
In dieser Beziehung halten wir die Ausdehnung des Treib- 
eises von besonderejf Wichtigkeit. Da das Treibeis nur etwa 
Vi, Vs oder % über die Meeresoberfläche ragt und daher oft 



viele Hunderte , ja Tausende von Fuss in der Tiefe des Mee- 
res schwimmt, so müssen es tief gehende Meeresströme 
sein, die das Treibeis fortbewegen, und eben solche, 
die gewisse Meerestheile und Küsten, wie die Europäische, 
gänzlich davon frei erhalten. Die antarktische Strömung 
und den Golfstrom bis hinauf nach Spitzbergen und Nowaja 
Semlja z. B. betrachten wir deshalb auch nicht als leichte 
Oberflächenströmungen, sondern als mächtige, tief gehende 
und sehr stetig und beständig verlaufende Massenbewegun- 
gen des Oceans. 

Es giebt drei grosse Fundamental-Strömungen des Welt- 
meeres, eine äquatoriale, eine arktische und eine antarktische. 
Die äquatoriale Strömung entspricht und entsteht aus der 
Umdrehung der Erde, geht von Ost nach West und theilt 
liich, zufolge der Vertheilung von Land und Wasser, in 
drei Theile, nach den Becken des Atlantischen, Indischen 
und Facifischen Oceans. Die normale Kichtung der beiden 
Folar-Strömungen ist eine schräg gegen den Äquator ge- 
wendete und beruht auf der Ausgleichungs-Tendenz zweier 

• 

thermometnsch verschiedener Oceane. Wo sich zwei ver- 
schiedene Strömungen begegnen, fliesst die kältere bis zu 
einer Temperatur von +3,3** R unten, von da an oben; 
es kann dalier vorkommen, wie es Rodger's Beobachtungen 
in der Bering-Strasse im J. 1855 nachgewiesen haben, dass 
auf der Oberfläche des Meeres eine warme Strömung leich- 
ten Wassers, darunter eine kalte Strömung und unter ihr 
wieder eine warme Strömung schweren Wassers in Schich- 
ten entgegengesetzter Richtung über einander fliessen kön- 
nen. Die Modifikation in den Hauptrichtungen dieser drei 
Fundamental-Strömungen wird durch die Vertheilung des 
Landes, durch die Seeboden-Gestaltung, die Windverhältnisse 
u. s. w. herbeigeführt. 

Auf der südlichen Hemisphäre, besonders in den höheren 
Breiten, verlaufen die Strömungen am regelrechtesten, den 
einfachen grossen Grundzügen ihres Ursprunges und ihrer 
Tendenz am meisten entsprechend, weil ein ausgedehnter, 
wenig durch Land beeinträchtigter Ocean vorherrscht. Wir 
sehen dort die grosse südpolare Strömung vom Südpol aus 
fächerförmig oder in spiralartigen Linien die ganze Erd- 
runde bis auf 50 und 40* gegen den Äquator einnehmen; 
nirgends findet sie Widerstand, bis sie gegen oder in die 
Nähe der drei Kontinente gelangt Aus einer ursprünglich 
den Meridianen sich annähernden Richtung, etwa Nord nordost, 
wendet sie sich allmählich mehr und mehr nach Osten 
herum, ist in den Breiten vom südlichen Polarkreise bis 
50** S. Br. durchschnittlich Nordost und wird nördlich 
dieses Parallels zuletzt ganz Ost, dem Süd - Atlantischen 
und Süd - Indischen Verbindungsstrom sich anschmiegend, 
deren Hichtung eben von West nach Ost ist. Im Facifi- 
schen Ocean fehlt allem Anschein nach ein solcher Verbin- 



Der Nordpol und SfidpoL 



153 



dangBstrom und hier dreht sich daher zwischen 40^ und 
30* eine schwache Drift, der letzte Auslauf der antarkti- 
schen Strömung, wieder nach Westen um, analog der Äqua- 
torial-Strömung, die nicht weit davon im Korden auftrift 
und bemerklich wird. 

Gegen die Süd Westküste Süd-Amerika's abprallend und 
noch die Südspitze AMka's berührend, theilt sich die ant- 
arktische Strömung in je zwei Arme, von denen der eine, der 
Dichtung der Küste folgend, nach Norden geht, der andere 
mehr oder weniger der normalen östlichen Richtung treu 
bleibt Bei Süd- Amerika bildet der nördliche Arm den bekann- 
ten Peruanischen Strom, der schon vor mehreren hundert Jah- 
ren von den Spaniern entdeckt, zuerst aber von AI. v. Hum- 
boldt wissenschaftlich begründet wurde; in der Bai von 
Galiao, nur 12^ vom Äquator entfernt, pflegten die Spa- 
nier, welche Peru entdeckten und eroberten, den Yorrath 
ihrer Oetränke in Fässern und anderen Gefassen in die 
kühlen, vom Südpol kommenden Fluthen hinabzulassen und 
darin abzukühlen, ein Verfahren, welches bis auf den heu- 
i tigen Tag geschieht. Der andere Arm biegt um die Süd- 
I spitze des Amerikanischen Kontinentes herum, bildet hier 
! in seiner Stauung den starken Kap Horn-Strom und wendet 
sich dann weit nach Norden in den Atlantischen Ocean. 
Der Kap Horn-Strom muss ein sehr mächtiger Strom sein, 
da er in seiner Richtung von Nordwest nach Südost die 
gegen das Kap Hom direkt anlaufende antarktische Strö- 
mung von Südwest stets so decidirt zur Seite südwärts hin 
j drückt, dass trotz der ununterbrochenen Schifffahrt um 
j dieses Kap herum noch nie eine Spur von Treibeis näher 
als 30 Deutsche Meilen vom Lande gesehen worden ist, 
während es gleich östlich davon 20 Breitengrade weiter 
nach iN^orden geführt wird und gegenüber der La Plata- 
Mündung beobachtet worden ist '). 

Die etwas komplicirten Strömungs-Verhältnisse am Kap 
der Guten Hoffnung sind zuerst im Jahre 1857 durch 
die sehr gründliche Holländische Arbeit des Lieutenant 
C. F. R. Andrau näher beleuchtet worden ^) ; allein diese 
Verhältnisse sind auf den bisherigen Strömungskarten, auch 
den neuesten und besten, noch irrthümlich gezeichnet wor- 
den. Sic führen nämlich den aus dem Indischen Ocean 
kommenden warmen Agulhas- oder Kap-Strom um das Kap- 
land herum und in den Atlantischen Ocean hinein, während 
derselbe au der etwa 100 nautische Meilen südlich vor- 



') S. nähere Details und Angaben in der Abhandlung „Nene Karte 
der Süd-Polar - Regionen von A. Petermann", „Geogr. Mittheil." 1863, 
SS. 407 ff. 

') Temperatur der Zee OTer een Gedeelte yan den Zuidelijken 
Oceaan in de Maanden Februarij, Maart en Julij. (ditkomBten yan 
Weteoschap en Eryaring aangaande Winden en ZeestroomlDgen in som- 
mige Qedeelten yan den Ocean, uitgegeyen door het Eon. Nederl. Meteorol. 
Institnut, Utrecht 1867.) 

Petermann's Oeogr. Mittheüungen. 1865, Heft lY. 



springenden Agulhas-Bank umbiegt und als Yerbindungs- 
strom des Süd - Indischen Oceans auf dem Parallel von 
40** 8. Br. gegen Australien geht Der vom Kap an der 
Küste von Afrika dem Äquator zufliessende Strom ist, 
ganz analog dem kalten Peruanischen Strom an der West- 
küste Süd - Amerika's , eine Abzweigung der antarktischen 
Strömung, zwar nicht so mächtig und ausgedehnt wie jener, 
aber in seinen Wirkungen immer noch grossartig genug, 
um sowohl das Meer als die Luft bei St. Helena (in 16** 
S. Br.) wesentlich abzukühlen und sogar noch die %mperatur 
der äquatorialen Bai -von Guinea herabzudrücken. Maury 
lässt hier einen Strom gerade umgekehrt, nämlich anstatt 
von Süden nach Norden, von Norden nach Süden gehen, 
allein die von ihm selbst gesammelten Data widersprechen 
dem vollständig; schon die im J. 1852 publicirten ther- 
mischen Karten des Süd- Atlantischen Oceans ^) beweisen das 
Irrige einer solchen Annahme, sie zeigen im Gegentheil, 
im Einklang mit der- Isokrymen-Kartc von James D. Dana 
vom Jahre 1853*), dass der ganze östliche Theil des At- 
lantischen Oceans gegen den westlichen in ähnlicher Weise 
wie der PaciÄsche Ocean innerhalb des Peruanischen Stromes 
sehr bedeutend kälter ist, um einen Breitenabstand von 
20** bis 25**, d. h. dieselbe Meerestemperatur, die an der 
Ostküste Süd-Amerika's herrscht, findet sich an der West- 
küste Afrika's erst 20® bis 25** näher zum Äquator. Ein 
trefflicher Gewährsmann für die Existenz dieses kalten 
Stromes ist Sir James C. Boss^, 

Australien scheint in keinem Theile von der antarkti- 
schen Strömung erreicht zu werden, der Süd-Indische Ver- 
bindungßstrom folgt vielmehr der ganzen Südküste bis Tasma- 
nien und vereinigt sich hier mit dem Ost- Australischen Strom, 
der in schwachen Ausläufern noch an der Neu-Seeländi- 
schen Küste bemerklich ist. Wir haben diesen gegen den 
Südpol vordringenden Strom etwas weiter nach Süden aus- 
gedehnt, als es bisherige Autoren imd Kartenzeichner gethan 
haben; das Zurücktreten der Treibeisgrenze, die verhältniss- 
massig reiche Vegetation auf den Auckland- und Campbell- 
Inseln und andere Umstände sprechen entschieden dafür; 
keine anderen Inseln der antarktischen Meere in derselben 
Breite besitzen Bäume und Wälder wie diese, gelbst die 
grosse Falkland-Gruppe und die um 20 bis 50 Deutsche Mei- 
len weiter dem Äquator zu gelegene Kerguelen-Insel nicht. 
Auch die Macquarie-Insel scheint noch unter dem günstigen 
Einfluss einer warmen Strömung zu stehen, denn Bel- 
lingshausen erzählt^): „obgleich sie unter derselben Breite 



') Maury, Wind and Gurrent Charts of the South Atlantic, Series 
D. Nr. 1, 2, 3, 4. Washington 1852. 

«) 8. „Geogr. Mitth." 1857, SS. 88 flf. 

>) Boss, Yojage to the Southern Seas, I, pp. 33—35, II, pp. 442 
und 443. 

*) Erman, Russ. Archiv, 1842, S. 161. ' 

80 



154 



Der Nordpol und Sädpol. 



wie Süd-Gteoigien liegt» welches um diese Zeit mit Eis und 
Schnee bedeckt ist, so stand doch Alles hier im schönsten 
Grün". Dahingegen kann Kerguelen-Insel , die in einer 
Folhöhe liegt, unter der auf der nördlichen Hemisphäre die 
schönsten und feurigsten Eheinweine wachsen, nicht im Be- 
reich eines warmen Stromes sein, Baumwuchs fehlt gänz- 
lich , und was die übrige Vegetation anlangt, so erwähnt 
Sir James C. Boss ausdrücklich *)» dass „sogar Spitzbergen 
(80* N. Br.) etwa drei Mal so viel blühende Pflanzen be- 



im Allgemeinen lasst sich mit Sicherheit aimehmen, 
dass die grosse antarktische Strömung durchschnittlich eben 
so weit gegen den Äquator reiche wie die Treibeisgrenze; denn 
nur mäditige, tief gehende Strömungen, nicht blosse Winde 
imd Drift-Strömungen, können die gewaltigen antarktischen 
Eismosscn so weit fort bewegen ; bekanntlich hat man dieses 
Eis in Bergen bis zu 800 Euss hoch und darüber an- 
getroffen und nach der allgemeinen Annahme muss ein 
800 Fuss über das Meer ragender schwimmender Bei^ 
5- bis 6000 Fuss tief gehen, unter den Beobachtungen 
über die Mächtigkeit der Strömung weisen die von Dupetit- 
Thouars und Tessan an der Peruanischen Küste eine Tiefe 
von 5000 Fuss nach und Wilkes eine Schnelligkeit von 
12 bis 18 Meilen per Tag*). Nur an zwei Stellen, bei 
Neu - Seeland und an der Ostküste Patagoniens, dringen 
schwache Strömungen warmen Wassers höchstens bis zum 
54" S. Br. in die kalte Strömung ein; ob sie in den ant- 
arktischen Wintermonaten* an ersterer Stelle vielleicht weiter 
reichen, ist unbekannt, da noch nie ein Schiff in dieser Zeit 
die antarktischen Gewässer befahren hat. 

Die Strömungen der nördlichen Hemisphäre folgen ganz 
denselben Gesetzen wie die der südlichen und auch hier 
dringt die Polai:-Strömung bis zu einer ähnlichen Breite 
gegen den Äquator vor wie dort; die Dimension der von 
der äussersten Treibeis-Grenze beschriebenen Figur ist nicht 
minder ausgedehnt als am Südpol und beträgt in der Rich- 
tung von Neu -Fundland zum Ochotskischcn Meere über 
50 Breitengrade, was derjenigen von Neu-Seeland zum Kap 
oder von Australien zum La Plata gleich kommt. Allein 
die Vertheilung und Formen der Landmassen sind es haupt- 
sächlich, die ein total verschiedenes System der Meeres- 
strömungen herbeiführen und Natur-Phänomene hervorrufen, 
welche zu den grossartigsten und wichtigsten gehören, die 
es giebt. 

Zunächst steht das Weltmeer der nördlichen Hemisphäre 
nicht wie in der südlichen in weitem offenen Zusammen- 
hange, sondern wird durch die Landmassen der Alten und 
Neuen Welt in zwei fast gänzlich von einander getrennte 
Ocean-Becken get heilt, in den Atlantischen und Pacifischen 
Ocean, die nur durch die schmale Bering - Strasse mit ein- 
ander in Verbindung stehen. Das arktische Meer bildet 
in topischer Beziehung nur Abtheilungen des Atlantischen 
Oceans und steht mit ihm in offenerem und innigerem 
Zusammenhange als die Ostsee oder das Mittelländische 
Meer. So weit die Vertheilung und Lage es gestatten, sind 
die Meeresströmungen im Allgemeinen identisch mit den- 



») Ro88, Voyage to the Southern Seas, I, p. 82. 
») Wükes, ü. S. Explormg Expedition, II, p. 833. (S. auch 
„Geogr. Mitth." 1863, S. 418.) 



jenigen in der südlichen Hemisphäre. Der Japanische Strom, 
als nordwestliche Ablenkung des Pacifischen Äquatorial- 
Stromes, ist identisch mit der im Ost- Australischen Strom 
^ftretenden südwestlichen Ablenkung, nur mit dem Unter- 
schiede, dass letztere einen schmalen, unbedeutenden Streifen 
des Mutter-Stromes aufnimmt, der Japanische Strom dagegen 
den grössten Theil seines Volumens erhält zufolge der Rich- 
tung der Küsten und der Lage der Liseln, welche Yon dem 
Äquatorial-Strom berührt werden; in seinem ferneren Ver- 
lauf längs der Kurilen und Aleuten zur Westküste Nord- 
Amerika's wird er zu einem vollständigen Rotations-Strom. 
Jenseit, nördlich und westlich, dieser Liselreihen nehmen 
wir als yorwiegend den kalten Folarstrom an, ein Gegen- 
stück des Eisstromes im Atlantischen Becken, der hier je- 
doch meist einen lokalen, nicht in die arktische Gentral- 
Kegion reichenden Ursprung hat, wie diess besonders für 
den Ochotskischcn Strom aus dem grossen Werke Midden- 
dorfiTs hervorgeht. 

Ln Atlantischen Ocean geht aus dem Äquatorial-Strom 
der so allbekannte Golfstrom hervor, der so vielfach be- 
schrieben und- gezeichnet worden und dennoch in seinen 
Grundzügen und Wirkungen noch so sehr verkannt und 
so wenig erforscht ist. Es wird zwar im Allgemeinen ein- 
geräumt, dass ein schwacher Arm imd Ausläufer sich nach 
Nordosten, Europa, zuwendet, und Einzelne geben eine unbe- 
deutende Drift bis zum Nordkap und Spitzbergen zu, aber 
die meisten Karten und Autoren lassen den Golfstrom als 
solchen etwa bis zum 45. Parallel nördlicher Breite gehen, 
da umbiegen und sich zur Afrikanischen Küste wenden; 
fast aussclilics^tlich auf diesen südlichen Theil beschränkt 
sich die populäre Vorstellung und Kenntniss des Golfstroms. 
Noch im Jahre 1861 spricht der Englische Hydrograph 
Findlay, dem wir viele gründliche Arbeiten über die Meeres- 
strömungen verdanken, sein lebhaftes Bedauern darüber aus, 
dass man über den Golfstrom von Neu-Fundland an weni^ 
Untersuchungen und Beobachtungen angestellt habe*), und 
in der That, wenn wir Werke wie die von Maury (Physi- 
kalische Geographie des Meeres) und anderen renommirten 
Schriftstellern über diesen Gegenstand aufschieben, so finden 
wir sie etwa mit dem 50* N. Br. abschneiden und darüber 
hinaus höchstens ein Paar allgemeine Phrasen und stereo- 
type Gemeinplätze. Ein Grund für diese Oberflächlichkeit 
liegt wohl darin, dass Autoren wie Maurj- sich hauptsächlich, 
ja fast ausschliesslich, auf die Benutzung der Logbücher 
von Schiffskursen des allgemeinen Weltverkehrs beschränk- 
ten, dieser aber den 50. Parallel nur wenig überschreitet. 

Von gründlichen und eingehenden Arbeiten über die 
Strömungen des Oceans nördlich vom 50® N. Br. kommen 



>) Sibirische Heise, Bd. IV, Theü 1, SS. 510 ff. 

Hier sei bemerkt, dass auf einigen Abdrücken der Tafel 5 die 
Eisgrenze bei Kamtschatka nicht ganz richtig angegeben ist; an der 
östlichen Küste erreicht sie nämlich nicht Peter Paul's Hafen, an der 
westlichen aber geht sie weiter südlich, etwa bis zur Mitte von Sachalin. 

') Findlay, North Atlantic Memoir, 1861, p. .341: „It is singular, 
that we haye no very perfect or extended series of obserrations on 
record of the drift currents, which unquestionably extend from Xew- 
foundland to the shores of Western Europe. Not that there is any 
doubt of the fact, because numerous climatorial effects render it cer- 
tain, etc. But from some cause or other shipmasters hayc not so care- 
fully recorded their obserrations on the drift between NewfoundlaDd 
and Europe as in other parts of the Ocean." 



Der Nordpol and Südpol. 



155 



nur die Ton dem Dänischen Flotten-Kapitän Irminger in 
Betracht *)> welcher die Logs Dänischer Schiffe nach Island 
und Grönland verarbeitete und daraus wichtige Aufschlüsse 
gewann; doch beziehen sich diese Arbeiten lediglich auf die 
nächste Umgebung von Island und der Südspitze Grönlands. 

Wenn der Gol&trom bisher hauptsächlich nur in seinem 
südliche Verlauf beschrieben und hier an manchen Stellen 
gründlich untersucht worden ist, so mag das den Ansprüchen 
der Schifffahrt nothdüiftig genügen, keinesw^;s aber denen 
der geographischen Wissenschaft; denn in seiner Eigenschaft 
als grossartiges tellurisches Phänomen ist der Golfstrom in 
eeinem südlichen Theil viel weniger von Bedeutung als in 
seinem nördlichen Theile. Es ist zu einer recht banalen 
Phrase geworden, dass Europa sein gesegnetes Klima dem 
Golfstrom verdanke, gewiss ist es aber höchst selten, dass 
ihre Bedeutung in richtigem Lichte und i^ vollem Maasse 
gewürdigt wird; dem Golfstrom in seinem südlichen Theile 
hat Europa wenig oder gar Nichts von seinem Klima zu 
verdanken 2), und wenn derselbe sich nicht nördlicher er- 
stredLte als zur Bank von Neu-Fundland oder etwa 45^ N.Br., 
80 würde ganz unfehlbar Skandinavien ein - zweites Grön- 
land and die Britischen Inseln nebst Deutschland und an- 
deren angrenzenden Ländern ein zweites Labrador sein; 
denn einzig und allein der Golfstrom hält den polaren Eis- 
strom, der sich in den antarktischen Meeren — durch eine 
solche äquatoriale Strömung nicht gehindert — rings um die 
Erde überall bis zu Central- und Süd-Europäischen Breiten 
(wie die von Gibraltar und Malta) erstreckt, von unseren 
Kästen fem und drückt ihn, indem er selbst fast die ganze 
Breite des Nord- Atlantischen Oceans einnimmt, mit grosser 
Macht seitwärts, ganz an die Küste von Grönland und 
Labrador hin. 

Anstatt einer schwachen und unbedeutenden Drift von 
Nea-Fundland nördlich gegen Europa hin, wie man sie 
bisher angenommen hat, betrachten wir vielmehr diesen 
nördlichen Theil des Golfstromes als eine der mächtigsten 
Stiränungen der Erde, wenn er auch in seiner blossen 
äusseren Erscheinung als Meeresstrom weniger imposant 
ist, sich verhältnissmässig nur langsam fortbewegt, auf der 
Meeresoberfläche wenig bemerkbar und für den Schiffskurs 
wenig von Belang ist. Denn die Meeresströmungen haben 
noch ganz andere Funktionen als die eines starken, die 
Schiffskurse afßcirenden Oberflächenstromes. In diesem un- 
Beren Sinne fuhren wir den Golfstrom als eine tief gehende, 
permanente, warme Strömung von Neu -Fundland zu den 
Küsten von Frankreich, den Britischen Inseln, Skandinavien, 
Island, gegen Grönland, zur Bären-Insel und Jan Mayen, 
nach S[)itzbergen und dessen Westküste hinauf bis zum 
80® N. Br., nach Nowaja Somlja und hier in das eigent- 
liche Polarbecken hinein, bei den nördlichsten Vorgebirgen 
Sibiriens vorbei, lassen ihn bei den Neu-Sibirischen Inseln 
unter dem Russischen Namen der berühmten, von Heden- 
Btröm vor beinahe 60 Jahren entdeckten, von Wrangell 



') Im Dänischen Archiy des Seewesens pnblicirt, s. auch Berliner 
Zeitschrift f&r Erdkunde, Bd. T, 1853, S. 488, Bd. III, 1854, SS. 43 
imd 169 ff., Bd. XI, 1861, SS. 191 and 299 ff. 

*) Der südliche gegen die ostatlantischen Küsten gehende Arm des 
Qolfstromes drückt sogar die Temperatur entschieden herunter, l)eson- 
ders die der marokkanischen und senegambischen Kttste (s. Maury's 
Thermal Charta). 



und Anjou vollständig bestätigten Folynja auftreten und 
verfolgen seinen Einfluss noch deutlich beim Kap Jakan. 

In dieser Ausdehnung und Mächtigkeit haben wir den 
Golfstrom unseres Wissens zuerst au%efasst und auf der 
Karte bestimmt verzeichnet, und zwar schon vor 1 3 Jahren 
bei Gelegenheit einer auf Befehl des Englischen Parlamentes 
gedruckten Mittheilung an den verstorbenen Admiral Sir 
Francis Beaufort, Chef der Hydrographischen Abtheilung 
der Englischen Admiralität ') ; in den Blue books vergraben, 
ist diese Arbeit wenig bekannt und beachtet worden. 

Je weniger imposant in seiner äusseren Erscheinung, 
um so grossartiger und unübertroffen durch irgend ein ähn- 
liches Phänomen auf der Erde steht dieser nördliche Theil 
des Golfstroms in seinen Wirkungen auf das Klima der be- 
rührten Küsten und in Folge dessen wiederum auf die Kultur 
und die Geschichte der ganzen Erde da. Dadurch, dass er 
verhindert, dass der grösste Theil Europa's ein zweites 
Grönland und Labrador, ihre Bewohner Eskimo - ähnliche 
Geschöpfe sind, ist dieser nördliche Theil des Golfstromes 
geradezu als Träger der Kultur der ganzen Welt anzusehen. 

Um die Wirkungen desselben im rechten Lichte zu 
würdigen, ist es geboten, gleichzeitig den neben ihm, in 
seiner Bichtung und Wirkung ganz entgegengesetzten ark- 
tischen Strom ins Auge zu fassen und so den Einfluss 
seines Laufes flüchtig zu verfolgen. 

Wie grossartig die klimatischen Einwirkungen eines 
warmen und kalten Stromes sind und wie sehr in die 
Augen fallend, wenn beide dicht neben einander laufen, ist 
schon bei den entsprechenden Strömungen des Nord-Paci- 
fischen Oceans zu sehen, z. B. bei der langen schmalen 
Halbinsel Aliaska, deren südliches Ufer unter dem Einfluss 
der Japanischen, deren nördliches unter dem der polaren 
Strömung steht, beide äusserlich ebenfalls keine imposanten, 
sondern nur schwache Strom-Erscheinungen. Die Südküste 
Aliaska's hat Wald und eine entsprechende Vegetation; 
Kolibris, diese lieblichsten und zartesten Repräsentanten 
der Tropen, schwärmen bis zur Breite von 61°; an der 
Nordküste dagegen keine Spur von Baui^wuchs und un- 
geheuere Massen von Walrossen, die an der schräg ver- 
laufenden Küste bis Ö6|°, also «noch beinahe 70 Deutsche 
Meilen weiter südlich gehen als sich die Kolibris auf der 
entgegengesetzten Küste nördlich verbreiten*). 

Eben so grossartig, aber viel bedeutungsvoller sind die 
Wirkungen des Golfstroms und arktischen Stromes im Nord- 
Atlantischen Ocean. Beginnen wir mit dem Golfstrom da, 
wo Beschreibungen und Karten gewöhnlich aufhören, näm- 
lich bei Neu-Fundland, so finden wir, dass hier das Polareis 
durch die polare Strömung von Labrador her weit über 
Neu-Fundlan4 nach Süden getrieben wird^) und noch in 

*) A. Petermann, Polar Chart, illustrating A. Petermann's paper 
on the opening into the Polar Sea hetween Spitzbergen and XoraYa 
ZemÜ'a. (Further Gorrespondence and proceedings connected with the 
Arctic Expedition. Presented to both Houses of Parliament by Com- 
mand of Uer Majesty. London, 1852, pp. 142. If.) 

') Wrangell in Baer und Helmersen's Beiträgen zur Xenntniss des 
Russischen Reiches, Bd. I, SS. 308 ff. 

') Wir haben die Treibeis-Grenze auf unserer Karte nach der aus- 
gezeichneten Arbeit Ton Redfield „On the Drift Ice and Currents of 
the North Atlantic with a Chart showing the obserred positions of the 
Ice at yarious times", New-HaTcn 1845 (s. auch Berliner Zeitschrift 
für Erdkunde 1869, Bd. VI, S. 68 und Tafel 2) gezeichnet. Diese 
Arbeit sttttzt sich fireilich nur auf die Beobachtungen einer Reihe^Bri- 

20« 



156 



Der Nordpol und Südpol. 



der Breite von 36® 10' beobachtet worden ist; 36" 10' 
entspricht der Folhöhe von Gibraltar und Malta. Schon 
manches stattliche Schiff ist von dem treibenden Polareise 
überrascht und — nicht genug auf seiner Hut — durch 
dasselbe zu Grunde gegangen in Breiten wie die von Oporto, 
Marseille, Genua und Triest Auf der Europäischen Seite 
hat das Treibeis, Tom Golfstrome fem gehalten, Britische 
und sogar Norwegische Küsten nie erreicht, selbst nicht 
einmal das Nordkap in 71° N. Br. 

Es sind nicht vereinzelte Eisberge, die der Polarstrom 
nach Neu-Fundland führt, sondern ausgedehnte Massen, die 
ein polares Klima und eine polare Fauna mit sich tief in 
südliche Breiten führen. Nach dem gediegenen Geologen 
Jukes ') gelangen mit dem Treibeis noch Walrosse und Eis- 
bären an die Neu-Eundländischen Küsten und die Bewohner 
gehen nicht bloss auf Robbenschlag, sondern auch auf 
die Eisbärenjagd in den Breiten von Mainz, Paris, Cher- 
bourg oder Brest. Nie hat das Meer einen Eisbären nach 
Cherbourg oder Brest verschlagen, nie erreicht er die Briti- 
schen Küsten, und was Norwegen anlangt, so soll nur 
ein einziges Mal ein Eisbär nach Finnmarken (1851) und 
auch ein Walross (1816)^) dahin gelangt sein, obgleich 
beide Thierarten rings herum, auf Spitzbergen, Grönland, 
Nowaja Semlja, ja sogar auf der Bären -Insel — nur 
60 Deutsche Meilen vom Nordkap entfernt — , ihre Haupt- 
sitze haben ^). 

Labrador, welch* ein trauriges Land, mit seiner eben so 
traurigen Eskimo-BevÖlkerung , gegen Gross-Britannien und 
Deutsehland, die in denselben Breiten liegen ! Die Europäi- 
schen Missionäre, welche dort seit 100 Jahren ihre Bekeh- 
rungs- Versuche anstellen, bringen ihr Leben als Ichthyo- 
phagen zu und müssen fast auf alle vegetabilische Nahrung 
verzichten. Unter der Breite der Südspitze von Grönland 
haben wir in Europa noch die Hauptstädte mächtiger Natio- 
nen, wie Christiania, Stockholm,* St. Petersburg, und wo von 
da nordwärts die Ost-GrÖnländischen Küsten von ungeheueren 
Eismassen heimgesucht werden, dehnt sich auf der Seite des 
Golfstroms ein Kulturland wie Norwegen weit nach Norden 
hin aus, das nördlichste Land der Erde, in welchem der 
Ackerbau noch eine Hauptbeschäftigung der Einwohner aus- 
macht, wo in der Breite des nördlichsten Theiles von Labrador, 
wie bei Christiania, ausser den Cerealien noch feineres Obst 
und Gemüse gedeiht, der Getreidebau bis 70^ N. Br. reicht 
imd dort noch einen ziemlichen Erfolg hat. Auf der Seite 
des Polarstroms, wie besonders durch die Franklin-Expe- 
ditionen dargethan worden ist, giebt es in dieser Breite nur 
traurige Eiseinöden ohne alle Kultur, und der Schauplatz des 
Unterganges der Franklin'schen Expedition selbst befindet 
sich in den Breiten 67* bis 70®. Auf der emen Seite nur 
armselige Schneehütten der Eskimos, auf der anderen (in 



tischer und Amerikanischer Schiffe in den Jahren 1832 bis 1844 nnd 
giebt als die südlichste Eisgrenze den von dem Schiff „Formosa" am 
18. Jnni 1842 in 38** 40' N. Br., 47° 20' W. L. t. Gt. (Nantical 
Magazine 1845, p. 303) gesehenen 100 Fuss hohen und 170 Fnss 
bereiten Eisberg ; dass das Treibeis aber schon 36 ** 10' N. Br. erreicht 
hat, führt Findlay an (North Atlantic Memoir, 1861, p. 347) ; die geo- 
graphische Lange dieses Punktes ist uns leider unbekannt. 

^) J. B. Jukes, Excursion in and about Kewfoundland, 1889. 
London 1842, I, p. 312. 

a) „Geogr. Mitth." 1865, Heft UI, SS. 112 und 113. 

9) Brehm, Illustrirtea Thierleben, I, pp. 616 ff. 



etwa 70}^) das blühende und betriebsame Städtchen Hammer- 
fest, wo die grösste beobachtete Kälte im Winter nur em 
einziges Mal — ^12^ E. betragen hat, gewöhnlich aber nie 
unter — 10** R. geht»). 

Der Golfstrom und seine Wirkungen hören beim Nordkap 
nicht auf, sondern verfolgen ihren Lauf weiter nach Spitz- 
bergen und nach der Küste von Sibirien hin. Die Bai 
von Kola, 200 nautische Meilen jenseit des Nordkaps, friert 
nie zu ^), während das südlich davon liegende Weisse Meer, 
die nördliche Hälfte der Ostsee, ja sogar das 23 Breiten- 
grade südlicher liegende Asow'sche Meer jeden Winter mit 
starkem Eis bedeckt werden ^), 

Nowaja Semlja bildet eine ähnliche klimatische Scheide- 
wand wie die Halbinsel Aliaska, seine Westküste ist un- 
gleich milder als seine Ostküste imd seine Nordküste hat 
weniger Eis als seine Südküste *) ; an drei Punkten wurden 
genaue meteorologische Beobachtxmgen angestellt, in der 
nach Osten gewendeten Karischen Pforte (70" 36' N. Br.), 
in Matotschkin Schar (73° 19') und in der Seichten Bai 
(73° 57'), die beiden letzteren an der Westküste; auf der 
nördlichsten Station wurde die höchste Temperatur gefunden, 
im Sommer und Winter sowohl, als im Mittel des ganzen 
Jahres, der Frost stieg nie über — 26° R., erreichte aber in 
der mehr als 3° südlicheren Karischen Pforte — 32° K.*) 
Diese Yerhältnisse verstehen sich durch einen Bück auf die 
Karte von selbst: Matotschkin Schar und die Seichte Bai 
liegen im Bereich des Golfstroms und sind fast immer eis- 
frei, die Karische Pforte (die Strasse, welche Nowaja Semlja 
vom Festland trennt) in dem der kalten Sibirischen Strö- 
mung und ist fast nie — Sommer oder Winter — eisfrei. 
Das Karische Meer ist von dem berühmten Akademiker 
Baer der Eiskeller genannt, es gleicht in dieser Beziehung 
dem stets von Eis blockirten Schauplatz der Franklin- 
Sucherei auf der Amerikanischen Seite ; ganz besonders ist zu 
beachten, dass dieses von Land fast gänzlich umschlossene 
Seebecken das ganze Volumen des Eisganges der beiden 
grössten Flüsse Sibiriens, 'Ob und Jenissei, in sich auffängt, 
deren Flussgebiete einem Areal von 113.000 Quadrat-Mei- 
len ^) entsprechen ; diesen Eismassen gegenüber versieht das 
lang gestreckte bogenförmige Nowaja Semlja die Funktion 
eines mächtigen Dammes, der sie verhindert, in das 
eigentliche Polarbecken zu gelangen, welches nur den Eis- 
gang der wenigen übrig bleibenden kleineren Sibirischen 
Flüsse empfängt. Wie es möglich ist, dass in Bussland die 
diesen Verhältnissen imd den angedeuteten frappanten geo- 
graphisch-physikalischen Erfahrungen Hohn sprechende Ex- 
pedition des Lieutenant Krusenstern ^) durch das Karische 
Meer hat angeregt werden und zu Stande kommen können, 
ist unbegreiflich ; es wäre leichter, von der Petschora-Mün- 
dung nach dem Nordpol zu gelangen (1400 Seemeilen), als 
die nur 500 Seemeilen betragende Strecke von da durch 
die Karische Strasse nach der «Tenissci-Mündung zurückzu- 
legen. Ein blosses unüberlegtes Drauflosgehen ohne Eücksicht 



1) E. Vogt, Dr. Berna's Nordfahrt, S. 254. 

>) Middendorff, Sibü-ische Heise, IV, TheU 1, S. fi06. 

3) „Geogr. Mitth." 1856, SS. ö4 ff. 

*) Baer in Berghaas' Annalen der Erdkunde, 1838, 5. Bd., S. 324. 

^) Baer im BuU. scient. de l'Acad. de St.-P^tersbourg, VII, p. 235. 

") Bas Flnssgebiet des Rheins beträgt 4000 Qii.-M6Üen. 

^) „Geogr. Mitth." 1864, S. 315. 



Der Nordpol und Südpol. 



157 



auf die bestehenden Naturgesetze ui^d YerhältniBse hat bei 
geographischen Expeditionen noch nie zum Ziele geführt. 

Sehr wunderbar ist das Klima der noch an der Kante 
des Golfstroms liegenden Bären -Insel im Vergleich mit 
den Küsten der Baf£n-Bai und den Inseln westlich davon 
in der gleichen Breite. Während hier, z. B. auf der Mel- 
Tille -Insel, das Quecksilber 5 Monate lang gefroren bleibt 
und auf Kane's Schiff im Lancaster-Sund die Mund- 
Torräthe mit der Axt aus einander gehauen werden mussten'), 
regnet es aaf der Bären -Insel zu Weihnachten und ist 
den ganzen Winter durch so mild, dass der Schnee selten 
lange liegen bleibt und dass die Norwegischen F